Endstation Reeperbahn

Es gibt einen legendären Song von Gottfried & Lonzo, der heißt „Hamburg ʼ75“ – den Text schrieb der Satiriker Hans Scheibner, wunderbar gecovert 2005 von „Element of Crime“. Dieses ragtimeartige Stück handelt, wen wundert’s, von Hamburg, genauer gesagt von der Hamburger Szene jener Jahre rund um den Musikclub „Onkel Pö’s Carnegie Hall“ in Eppendorf. Berühmt durch sich selbst. Über Hamburg hinaus bekannt durch eine prägnante Zeile aus Lindenbergs „Andrea Dorea“: „Im Onkel Pö’s spielt ʼne Rentnerband, seit 20 Jahren Dixieland …“

Wer diesen Song von Gottfried & Lonzo (dem Teufelsgeiger von Eppendorf) kennt, weiß, was ich meine und der weiß um die Atmosphäre einer Stadt, die wir damals als Kinder erlebten: von Honka bis HSV, zwischen Billstedt, Jenfeld und Horn. Wer Song und Sound dieser Zeit nicht kennt, dem ist nicht zu helfen und dem kann man es auch nicht beschreiben: jenes Hamburg der 1970er Jahre. [Ich mache es vielleicht ein andermal, wenn wir eine „Sentimental Journey“ in jene wunderbaren Jahre unternehmen.] Wie dem auch sei: Dies waren die gemütlichen Zeiten. Es gab jedoch andere, häßlichere Zeiten, häßlichere Orte, weniger buntscheckig (wobei Billstedt und Horn auch nicht zu den schönsten zählen). Wild aber dennoch. Da waren nicht nur die feine Binnen- und Außenalster, die Flaniermeile Jungfernstieg, das politisch linke Eimsbüttel, wo all die Lehrer wohnten, das teils elegante, teile linke Eppendorf, verträumtes, ländliches Blankenese mit Elbhügelblick und jene herrliche Mutter Elbe, die breit strömte, sondern es war da auch die höchst seltsame Reeperbahn mit ihren Buden, Bordellen und Spelunken, der Hafen in der Nähe, der Fischmarkt, der Geruch von Pisse, Fisch, Hafen und Bier. Und was in den 1970er Jahren noch „normales“ Nuttengeschäft und Geschäft mit Bars und Bums war, das entwickelte sich in den 1980er Jahren ins organisierte Verbrechen: Kiez-Kriege wurden nicht mehr nur intern und mit Fäusten ausgetragen – sehr schön zu sehen in Klaus Lembkes „Rocker“ (1972), wenn sich Loden und Leder prügelten.

Die ARD-True-Crime-Dokumentation zur „Reeperbahn Spezialeinheit FD65“ nimmt diese Zeit unter die Lupe: Eine speziell gebildete Ermittlergruppe der Hamburger Polizei gegen die sich herausbildende organisierte Kriminalität wird portraitiert, der Hamburger Kiez, seine Zuhälter und Prostituierten, das St. Pauli der späten 1970er und dann vor allem der 1980er Jahre. Fünf Teile mit Interviews, Archivbildern und nachgestellten Szenen. Die Doku-Bilder und die Doku-Szenerien aus NDR-Archivfilm sind insofern interessant, weil sie gute Einblicke in jene Zeit und in die Probleme liefern, sie lassen die Atmosphäre jener Jahre noch einmal an uns vorbeiziehen, dazu erzählen Zeitzeugen, wenn auch zuweilen in der Aufmachung überdramatisiert. Weniger schafft in manchen Fällen mehr. In diesem Sinne ist jene vor einem Jahr im NDR gelaufene mehrteilige Doku zum Kiez, von den 1950er bis zu den 1990er Jahren, besser geraten, nämlich ohne jene Effekte, bei denen man sich durch die nachgespielten Szenen in „Reeperbahn Spezialeinheit FD65“ zuweilen bei ZDF-History oder Terra-X wähnte. Aber man muß es vielleicht so sehen: Suspense will inszeniert sein. Und weil diese Serie mit Photographien und Filmen eine Menge an Doku-Material aus dieser Zeit bietet, funktioniert das Prinzip dennoch an einigen Stellen leidlich, auch weil dort Menschen sprechen, die dabei waren und diese Zeit kommentieren und von ihrem Blick her analysieren: Polizisten, Staatsanwälte, ehemalige Prostituierte, die MoPo Reporter Thomas Hirschbiegel und Thomas Osterkorn, Kiez-Größen wie der damals „Neger-Kalle“ genannte Geldeintreiber Karl Heinz Schwensen. Und es sprechen auch, was für die 1980er Jahre etwas Besonderes ist, ehemalige Polizistinnen über ihre Arbeit inmitten einer harten und harschen Männerwelt: eine der Polizistinnen von der Schutzpolizei herstammend, sie diente auf der Davidwache mitten auf St. Pauli; und eine Polizistin als Teil des Teams vom FD65. Damals waren Frauen in der Polizei eine Seltenheit, so wie auch in der Bereitschaftspolizei bei Demos Anfang der 1980er keine oder kaum Frauen dabei waren, sondern junge Männer mit Oberlippenbärten, wie sie heute wieder modern sind. Manche hätte man für den jungen Lee Hazlewood halten können, trügen sie keine Schlagstöcke, Schilder und schwere Uniformen.

Die Serie streift teils auch die politischen Bezüge jener 1980er Jahre, von der „Stoppt-Strauß“-Demo 1980; dazu 1981, 1982 dann die Hausbesetzerszene der Hafenstraße, die Brokdorf-Demos, der Hamburger Kessel Mitte der 1980er Jahre, wo mehrere hundert Anti-AKW-Demonstranten rechtwidrig über Stunden auf der Straße festgehalten und eingekesselt wurden (gezeigt in den letzten Teilen), aber auch das Rockermilieu der Hells Angels, die das Schanzenviertel einschüchterten und von den Wirten Schutzgeld erpreßten. Niemand sprach darüber, alle wußten es.

Zentrale Figur in dieser Doku ist der Leiter des FD65, Wolfgang Sielaff, damaliger Chef der frisch gegründeten Abteilung „Organisierte Kriminalität“, der von seiner Arbeit berichtet. Ein bis heute hin eindrucksvoller Mann, der eloquent, überzeugend und mit klarer Stimme die Lage benennt, Probleme beschreiben und eine Situation analysieren kann, um daraus gezielte Vorgehensweisen zu entwickeln. Solche Macher braucht es, vor allem auch heute, um solcher Organisierten Kriminalität das Leben schwerzumachen. Wenn man diese Polizisten bei ihrer Arbeit sieht, so leben wir keineswegs nur in einem postheroischen Zeitalter. Ganz im Gegenteil sind Menschen gefordert und gewünscht, die für eine gute Sache mit ihrem Mut, ihren Überzeugungen und ihrer Tatkraft einstehen. Das nur nebenbei gesagt – denn das Problem OK ist ja keineswegs vom Tisch, und auch sonst erweist es sich im Politischen, daß solche Eigenschaften gefragt sind. Polizisten wie Wolfgang Sielaff zeigen, wie man mit Entschlossenheit eine Sache angehen kann.

Die fünf Teile umfassen das Kiezleben der ausgehenden 1970er Jahre bis hin zum Amok des Auftragskillers Werner Pinzner am 29. Juli 1986 mitten im Hamburger Polizeipräsidium. Im ersten Teil geht es um den „Paten von St. Pauli“ genannten Wilfried „Frieda“ Schulz und seinem Handlanger Dakota-Uwe. Schulz betrieb auf dem Kiez Bars, Bordelle und Spielcasinos im großen Stil und es ging Anfang der 1980er Jahre jenes Gerücht um, daß über den Hamburger Kiezgrößen irgendwer in der Polizeibehörde seine schützende Hand hielt, insbesondere der Kriminaldirektor Hans Zühlsdorf geriet in Verdacht. Nachweisen konnte man ihm nichts. Aber der Verdacht blieb. Soziologisch aufschlußreich ist auch der Blick in Schulz‘ Anwesen in Blankenese und wie dieses Haus im inneren und im Garten eingerichtet ist: Plüsch und Protz: jene Mischung aus Emporkömmling und Kleinbürgergeist und wie sich solch ein Kleinbürger vom Interieur her die großbürgerliche Welt vorstellt, die er zu imitieren und an der er teilzuhaben versucht, um zu zeigen, daß er in der Gesellschaft oben angekommen ist. Aber Schulz war, folgt man den Zeugenaussagen, zugleich auch eine Persönlichkeit, die Menschen für sich einnehmen konnte. Nur setzte er dieses Wesen in die Manipulation von Roulette-Tischen und Spielkarten sowie in die Förderung von Prostitution.

Im zweiten Teil geht es um die Verbindungen von Schulz zur US-Mafia und wie die Hamburger Polizei in ihrer Arbeit von den US-Behörden und vom FBI lernte, um eine der effektivsten Abteilungen zur Bekämpfung von Organisierter Kriminalität in der Bundesrepublik aufzubauen. Sielaff berichtet von seinen Reisen in die USA und auch US-Polizei kommt zu Wort. Die Polizei mußte angesichts dieser neuen Art von Kriminalität auf neue Methoden zurückgreifen und so wurde auch das FD65 gegründet. 1982 wurde Schulz in einer großangelegten und bis auf die letzte Minute vor allen Dienststellen der Polizei geheimgehaltenen Aktion verhaftet und verschiedene Objekte auf dem Kiez und an anderen Orten Hamburgs wurden zeitgleich durchsucht.

Der dritte Teil handelt unter anderem von den Prostituierten und ihrer Ausbeutung durch die Zuhälter, es wird erzählt, was mit sogenannten Lampen-Bräuten passiert: Frauen, die der Polizei erzählen, was mit ihnen gemacht wurde, wenn sie nicht genug anschafften und dann von ihren Zuhältern verprügelt wurden oder wenn sie ganz einfach den Zuhältern nicht den nötigen Respekt erwiesen – so wie „Respekt“ auf der Reeperbahn sowieso ein Zauberwort war. Vor den großen Gestalten hatte man zu gehorchen und zu parieren. Ihr Wort war Gesetz. Schlecht nur, wenn die Alphatiere aneinandergerieten, so wie es in den 1980er Jahren geschah und als auf dem Kiez die Zuhälterkriege ausbrachen. Denn in die Leerstelle, die Schulz nach seiner Verhaftung hinterließ, strömten neue Kiezgrößen wie die Nutella Bande, Sunny-Boy- Zuhälter, die wegen ihres jugendlichen Aussehens derart genannt wurden, sowie die GMBH, die wegen der Vornamen ihrer vier Mitglieder diese Bezeichnung trug. Und plötzlich galt auch nicht mehr das Gesetz der Faust, welches auf dem Kiez Konflikte regelte: „Keine Schußwaffen!“, so hieß es, soll das Motto von Schulz gewesen sein; man traf sich und eine Art von Feme- und Privatgericht regelte die Sache, sprach Kiezverbote aus oder verteilte einen „Denkzettel“, der meist ein blutiges Andenken war. Nun aber kamen nicht nur Schlagringe, sondern auch Knarren ins Spiel.

In den letzten beiden Teilen geht es um die erheblichen Veränderungen, die nach der Verhaftung von Schulz das Leben auf dem Kiez mit sich brachte. Leider reißen insbesondere die beiden letzten Teile, darin auch die politischen Aspekte von St. Pauli qua linksautonomer Szene in den Blick kommen, vieles nur noch an. Auch die Straßengang-Szene, die Anfang oder Mitte der 1980er Jahre auf dem Kiez mitmischte, kam zu kurz: die Streetboys, die sich mit den Zuhältern der GmbH und der Nutella-Bande prügelten, der Kampf der Gangs wie der Champs und der Streetboys, die zu einem Teil aus Türken-Jungs, aber auch aus deutschen Kids bestanden, gegen die in Hamburg hart vertretene Nazi-Skinhead-Szene werden genannt, aber auch ihr Kampf gegen Punks und Hafenstraßenlinke. Im Blick auf den Polit-Kiez kommt auch Schorch Kamerun (Sänger der Punk-Band „Die Goldenen Zitronen“ und Mitbetreiber des Golden Pudel Club zwischen Hafenstraße und Fischmarkt) zu Wort. Was diese Verquickungen und Kämpfe angeht, hätte ich mir pro Folge mindesten eine ¾ Stunde mehr gewünscht statt der üblichen 42 Minuten, die jeder der Teile umfaßt. Diese Szenarien und Hintergründe wären mindestens zwei Extrafolgen wert gewesen. Und auch die sich auf dem Kiez tummelnden und seit Mitte der 1980er Jahre ins rechtsextremistische Milieu abgeglittene Szene des HSV-Fanclubs die Löwen hätte eine Erwähnung finden können. Ich hätte mir an manchen Stellen dieser Serie einen vertiefenden Einblick gewünscht – auch über die Prostitution und das Schicksal der Prostituierten. Andererseits war der Fokus der Serie die Organisierte Kriminalität und dafür spielen die soziologischen und politischen Aspekte jener wilden wie kriminellen Kiez-Jahre nun einmal nur eine Nebenrolle.

Dennoch: Es ist dies eine Serie, die man über das Thema OK hinaus auf mindestens 20 Folgen ansetzen könnte, mit Themenfäden wie: Der Kiez, die Zuhälter, die Huren, die Freier, das Alltagsleben, die Polizei, Organisierte Kriminalität, das politische St. Pauli, die Hafenstraße, der Wandel von St. Pauli, das Nacht- und Musiknachtleben, die Drogen, der Hafen, die Schanze, die S-Bahnlinie 3. Freilich mit einigen Verränderungen in der Machart und der Inszenierung. Eigentlich gäben solche Folgen ein schönes Sittenbild jener wilden 1980er Jahre, die auf dem Kiez eben auch so derart viel Trauriges hervorbrachten: Armut, Drogen, Erpressung, derbe Gewalt. Der MoPo-Reporter Thomas Hirschbiegel beschreibt es am Ende der Serie treffend und es ging auch mir meist so, wenn ich dort zum Ausgehen mich aufhielt: Der Reporter war jedesmal wieder froh, wenn er von seinen nächtlichen Photo-Einsätzen mit Toten, mit Drogen, mit Nutten, mit Zuhältern und mit all dem Versifften dort wieder nach Hause in seinen (klein)bürgerlichen Bezirk kam und er weg von jenem ranzigen, räudigen Kiez war.

Jene romantisierende Kiez-Schwärmerei mancher Szenegänger, die zwischen Schanzenviertel und Reeperbahn und ihren Seitenstraßen in den 1980ern lustwandelten und ihre Ausgehabende organisierten, habe ich nie verstanden, und als da eine junge Frau verzückt ausrief: „Oh, wie geil ist es hier auf der Reeperbahn!“ erboste es mich dann doch: als ob die Nutten, die Schläger, die Junkies und die Zuhälter dort herumstanden, um der jungen Frau ein Privatvergnügen zu bereiten und als ob es ein wilder Spielfilm nach Manier von New Hollywood sei. Ich muß vielleicht zur Entschuldigung sagen, daß sie im Grunde mit ihren 15 Jahren noch ein Mädchen war. Aber der Heroin-Schick und die große weiße Dame namens Koks sind am Ende kein Spaß und kein Spiel. Und auch über Prostitution kann man sich streiten, wenngleich ich kein grundsätzlicher Gegner derselben bin, solange sie nicht unter Zwang geschieht. Hier waren dann auch die kurzen Sequenzen der Huren interessant, die eben nicht wirkten, als wären sie gezwungen worden, wenngleich ihr Leben sicherlich nur bedingt schön zu nennen ist – aber auch das sind nur Ausschnitte, anderen geht es anders, und es war nicht jede eine Domenica Niehoff.

Diese Serie ist durchaus spannend, aber sie zeigt vielfach auch, wie man es besser machen kann. Ehemalige Polizistinnen, die auf der Davidwache wirkten, muß man nicht unbedingt mehr in Uniform zeigen, wenn sie lange schon außer Dienst sind. Ähnliches gilt für die Kameraführung bei Kalle Schwensen: Das Objektiv von unten, so daß es bedrohlich und mächtig wirkt, gefilmt in irgendeiner edel wirkenden Nachtbar, damit Milieuatmosphäre entsteht: solches Setting zielt auf Effekte und nicht auf Wissen. Als ein Stück visueller Sozialgeschichte von Hamburg ist diese Serie interessant – auch im Blick auf solche inzwischen vergessenen Orte wie das „Cleopatra“ in Hamburg-Bramfeld. Aber es hätte der Geschichte als Forschungsdisziplin, als Oral History wie auch einfach nur im Sinne eines seriösen Dokumentarfilms gutgetan, auf manchen reißerischen Effekt zu verzichten – auch bei den Interviews. Warum muß man ehemalige Streetboys in Bomberjacken stecken? Warum müssen Staatsanwälte in einem Interieur sitzen, das wie eine hochelegante Hotellobby ausschaut oder einer großbürgerlichen Villa ähnelt? Solche Settings sind überflüssig. Und so hinterläßt diese Serie leider immer wieder den Eindruck, daß es sich am Ende mehr um eine voyeuristische Schlüssellochperspektive handelt und nicht um einen gutgemachten Dokumentarfilm über ein Stück Hamburger Leben und Geschichte. Das ist schade.

Photographie: Homepage ARD zur Doku-Serie.

Zur Katastrophe, zu Putins Drohton und heute abend Mantas Kvedaravicius‘ „Mariupol 2“

Gestern in der NZZ gab es einen Kommentar des Historikers Timothy Snyder zum Ukraine-Krieg und seiner möglichen Deeskalation – einen Dank auch an El Mocho für die Verlinkung im Kommentarbereich. Der Artikel bringt Putins Taktik und sein Gebaren gut auf den Punkt, vor allem Putins rhetorische Eskalationen: sein Mittel ist es, den Angstlevel im Westen möglichst hoch zu halten, damit die Unterstützung der Ukraine aus dem Westen nachläßt. Dazu im Hybridkrieg das Plazieren der Falschinformationen, vor allem hier in Deutschland und auch mit Putins willigen Vollstreckern auf diversen Portalen. Die entsetzliche Gewaltlogik des Hinterhofschlägers wurde gestern auch wieder in der Talkshow von Anne Will gut auf den Punkt gebracht – insbesondere im Blick darauf, daß der Rußlands Krieg gegen die Ukraine nicht erst seit dem 24.2.2022 tobt, sondern bereits mit der russischen Annexion der Krim und der russischen Intervention im Donbas. (Dazu und für die Hintergründe vor allem die von mir mehrfach erwähnten zwei Bände von Winfried Schneider-Deters „Ukrainische Schicksalsjahre 2013-2019“ und gerade neu erschienen von Gwendolyn Sasse „Der Krieg gegen die Ukraine. Hintergründe, Ereignisse, Folgen“, im  C.H. Beck Verlag für gerade mal 12 Euro. Wer also zu den Hintergründen dieses Krieges etwas wissen will, kann es wissen.

Snyder nun schreibt zu solchen putinschen Drohgebaren:

„Indes erzeugt das Bild vom Atompilz als Schlusspunkt dieser Geschichte Angst und behindert klares Denken. Der Fokus auf dieses Szenario verhindert, dass wir sehen, was tatsächlich passiert, und dass wir uns auf wahrscheinlichere Szenarien vorbereiten. In der Tat sollten wir nie aus den Augen verlieren, wie sehr ein ukrainischer Sieg die Welt, in der wir leben, verbessern wird.

[…]

Sicherlich gibt es eine gewisse Versuchung, sich mental einer nuklearen Erpressung zu beugen. Sobald das Thema Atomkrieg aufgeworfen wird, scheint es von überwältigender Bedeutung zu sein, und wir verzweifeln und werden besessen. Genau dahin versucht Putin uns mit seinen vagen Anspielungen auf den Einsatz von Atomwaffen hinzubiegen. Er bringt uns dazu, uns Dinge vorzustellen, mit denen Russland gar nicht droht. Wir beginnen über eine ukrainische Kapitulation zu sprechen, nur um den psychologischen Druck abzubauen, den wir spüren.

Damit jedoch erledigen wir Putins Arbeit, und er vermag sich aus einer Katastrophe zu retten, die er selbst verursacht hat. Er hat gemerkt, dass er den von ihm begonnenen konventionellen Krieg verlieren könnte. Er hofft, dass sein Hinweis auf Atomwaffen die westlichen Demokratien davon abhält, Waffen an die Ukraine zu liefern. Darüber hinaus soll er ihm Zeit verschaffen, russische Reserven auf das Schlachtfeld zu schaffen, um die ukrainische Offensive zu bremsen. Wahrscheinlich liegt er damit falsch, aber die rhetorische Eskalation ist eine der wenigen Möglichkeiten, die ihm noch geblieben sind.

Ein Nachgeben gegenüber einer nuklearen Erpressung würde den konventionellen Krieg in der Ukraine keineswegs beenden. Es würde indes einen künftigen Atomkrieg sehr viel wahrscheinlicher machen. Wenn man einem nuklearen Erpresser Zugeständnisse macht, lernt dieser, dass er mit dieser Art Drohung bekommt, was er will, was für weitere Krisenszenarien in der Zukunft sorgt. Es lehrt andere Diktatoren, dass sie nur eine Atomwaffe und ein bisschen Getöse brauchen, um zu bekommen, was sie wollen. Das führt schliesslich dazu, dass alle davon überzeugt sind, dass die einzige Möglichkeit, sich zu verteidigen, der Besitz von Atomwaffen sei, was wiederum die weltweite Verbreitung solcher Waffen zur Konsequenz hat.“

Genau das ist, im Blick auf Nordkorea und den Iran, das Fatale, vor allem aber hinsichtlich Putins nächsten Ambitionen, wenn wir ans Baltikum und die Aufrichtung einer neuen russischen Welt denken, die dann wieder mit der alten Sowjetunion und ihren schrecklichen Repressionen identisch ist. Einen Anlaß, irgendwo zu intervenieren und gegebenfalls dann im Falle einer Niederlage auch mit Atormwaffen zu drohen, findet Putin immer. Man warte nur den nächsten „historischen Essay“ des Hinterhofgelehrten Putin ab.

Eine gute Reaktion auf solche Methoden, die Leute kirre zu machen und immer wieder systematisch neue Angst zu erzeugen, findet sich – zu den Hochzeiten des Koreakrieges 1950 – in einem Brief vom 1. August 1950, den der Philosoph Theodor W. Adorno an Thomas Mann schrieb. Es ist eine Reaktion des Standhaltens, um gewissermaßen mit einer Art britischen Gelassenheit sich dem Druck nicht zu beugen und vor allem der irrationalen Angst nicht anheimzufallen, mit der Gangster wie Putin spielen:

„Ihre Gedanken zur zweiten Emigration verstehe ich nur allzu gründlich, aber wohin? Drüben sind Sie ja vermutlich doch ungestörter als in Europa und haben ihren eigenen Rahmen, dessen Bedeutung für die Kontinuität der Arbeit nicht hoch genug anzuschlagen ist. Wir haben die größte Sehnsucht nach dem Pazifik, der zwar nicht Korea, aber doch gemessen an den hiesigen Konstellationen seinem Namen Ehre macht. Aber sonst sieht die Welt so aus, daß es schon fast gleichgültig ist, wo man sich befindet, so daß es wohl wirklich am weisesten ist, wenn man sich von den je gegebenen Möglichkeiten einigermaßen beraten läßt. Dazu kommt, daß in mir ein tiefer Widerstand dagegen sich regt, Maßnahmen zu ergreifen, durch die man sich im Fall eines Atomkries in Sicherheit bringen könnte. Wenn schon Weltuntergang, dann will man doch wenigstens dabei gewesen sein. Aber Sie wissen, ich glaube nicht daran.“
(Th.W. Adorno/Th. Mann, Briefwechsel 1943-1955, S. 80 f.)

Nein, diese Photographie zeigt keine Stadt nach einem Atomangriff, sondern sie zeigt, was die Russen in Mariupol angerichtet haben. Und wer genauer wissen will, was russische Kriegsverbrechen sind, der schaue heute abend auf ARTE den Dokumentarfilm des von russischen Soldaten  ermordeten litauischen Regisseurs Mantas Kvedaravicius.

https://www.arte.tv/de/videos/109827-000-A/mariupolis-2/

Ist das sowjetische Ehrenmal am 17. Juni noch zeitgemäß?

Ich bin kein Freund davon, Denkmäler zu entfernen – nicht einmal das monumental-seltsame Thälmann-Denkmal im Prenzlauer Berg, obgleich da wenig zu ehren ist, denn Thälmann gehörte zu jener verrotteten, stalinistischen KPD, die die Weimarer Republik mit zum Einsturz brachte. Und dennoch: Es ist Deutschland, es gehört dieser in Stein gehauene Mensch zur deutschen Geschichte. Denkmäler und Statuen sind Ausdruck solcher Geschichte, und sie unterliegen zudem in in den Zeitläuften einem Wandel: was einst affirmierend gemeint war, kann nun Anlaß zum Nachdenken sein. Gerade deshalb, weil die sich an manche Denkmäler anknüpfenden Deutungen und Debatten kontrovers ausfallen, ist es wichtig, daß solche Orte so bleiben wie sie sind: egal ob Thälmann oder Wilhelm.

Das Bismarck-Denkmal in Hamburg, jener Koloß, der zwischen Heiligengeistfeld und Hafen in den manchmal herrlichen, machmal grauen Hamburger Himmel ragt, hat seine triumphale Bedeutung eingebüßt. Es ist diese Statue vielmehr eine Erkennungsmarke und auch Wahrzeichen geworden, das wir Hamburger lieben und schätzen. Sein Sturz wäre auch insofern und aus politischen Gründen unsinnig, weil Bismarck eine ambivalente Persönlichkeit ist, manch Gutes, mach Schlechtes – da mag Jörg Zimmerer noch so zetern. Statt abzureißen oder umzugestalten, wäre es würdig und gut, ein Denkmal zu schaffen, das auch jenen Kolonialismus zum Thema macht. Böse Zungen sagen, daß ja bereits eines in Aumühle stehe. Insider wissen, welches ich meine. Es sollte wohl im Sinne von Heia Safari und Deutsch-Ostafrika eine Huldigung deuscher Kolonialpolitik sein, bringt aber das Grauen dieser Exzesse besser zum Ausdruck als manch wohlmeinendes Denkmal: Neger in Ketten am Boden, darüber schwarze Askari mit Gewehren und guter Deutscher Schutzherr-Mann. Wir lassen das alles besser stehen, denn auch dieser Ort gehört zur Geschichte. Und für die Generation, die beim Betrachten solcher Objekte all das nicht mehr weiß und es nicht unmittelbar beim Betrachten zu kontextualisieren vermag: mach ’nen QR-Code dran! Da steht dann das Wesentliche.

Nun gibt es aber einen anderen Fall: nämlich an der Straße des 17. Juni, mitten im Zentrum von Berlin, jenes Sowjetische Ehrenmal, darin ein Rotarmist majestätisch-erhoben schreitet, nach vorne heraus flankiert von zwei sowjetische T-34 Panzer und zwei Artilleriegeschütze 152 mm. Der Bund und das Land Berlin haben zwar der damaligen Sowjetunion und Rußland die Pflege und Erhaltung der Berliner Ehrenmale zugesichert, doch unter den gegenwärtigen Umständen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bleibt die Frage, ob die zwei Panzer und die beiden Artilleriegeschütze so bleiben sollen und ob sie zeitgemäß sind.

In Berlin gibt es vier Sowjetische Ehrenmale: eines im Treptower Park (das größte und bekannteste), eines in der Schönholzer Heide und das weitgehend unbekannte Ehrenmal im Bucher Schlosspark (Bezirk Pankow, Ortsteil Buch). Um diese drei weiteren soll es nicht gehen. Es sind diese, bis auf Buch, Kriegsgräber und die sowie der Gedenkstein in Buch müssen erhalten bleiben. Ebenso die Monumentalbauten, die zugleich nicht nur Mausoleum und Monument, sondern auch Architekturgeschichte sind. Wie aber sollen wir mit den Panzern und der Artillerie umgehen?

Es gibt bei der Frage der Umgestaltung am 17. Juni Für und Wider. Ein Argument dafür, daß das Denkmal so bleibt, ist der Grund, daß in der Sowjetarmee auch ukrainische Soldaten fochten und Deutschland befreiten. Und diesen Teil der Geschichte darf und kann man nicht ungeschehen machen. Aber darf man das auch mit Panzern und Geschützen, die bei vielen Menschen, die im Machtbereich der Ostblockdikatoren aufwuchsen, manch ungute Erinnerung wachwerden lassen? Balten und Tschechen dürften ein eher schlechtes Verhältnis zu T-34 Panzern haben.

Ein Argument gegen dieses Denkmal besteht darin, daß der Tag der Befreiung für Deutschland und Europa zwar ein Ende des Faschismus und der Naziherrschaft bedeutete, zugleich aber für Ost- und Mitteleuropa der Tag des Jochs war: von 1945 bis 1989 und für die baltischen Staaten noch bis 1991 standen jene sowjetischen T-34 Panzer für Repression, Unterdrückung und vielfachen Mord an Menschen – vom Volksaufstand am 17. Juni 1953 über den Ungarnaufstand 1956, der von der Roten Armee niedergeschlagen wurde, bis zum Prager Frühling und den Einmarsch der Roten Armee in die Tschechoslowakei. Und aus genau diesem Grunde ist ein Denkmal, das Panzer und Angriffswaffen ausstellt, zumal wenn damit implizit der gegenwärtige Russenterror in der Ukraine und der Angriffskrieg verbunden sind, kein angemessener Ort im Zentrum Berlins. Stellen wir dort an der Straße des 17. Juni vielleicht doch jene von der tapheren ukrainischen Armee abgeschossenen Russenpanzer aus? Es wäre dies eine Möglichkeit – zumindest solange sich russischen Invasoren auf dem Territorium der Ukraine von 2013 befinden. Andererseits ist die Kombination von Staßenname und dem Denkmal mit den T-34 Panzern zugleich selbstevident.

Die Befreiung Deutschlands von den Nazis wurde mit der Unterjochung von Ost- und Mitteleuropa erkauft. Im Westen ist diese Perspektive wenig bekannt und aus diesem Grunde wissen auch die wenigstens, daß der 23. August dort ein Gedenktag ist, nämlich er Tag des Hitler-Stalin-Pakt aus dem Jahr 1939: „Ein Gedenktag, den Russen und Deutsche ignorieren“, wie der Tagesspiegel zu diesem Anlaß schrieb.

„In der Mitte des Landes trafen sich die Verbündeten dann zu einer gemeinsamen Siegesparade. Zwischen 1939 und 1941 ermordeten die Soldaten von Wehrmacht und Roter Armee rund 200.000 polnische Zivilisten. Außerdem konnte Stalin durch den Pakt ungehindert auf Finnland, Estland und Lettland zugreifen.

In Russland, wo Stalin heute beliebter ist als ein Michail Gorbatschow, wird der 23. August 1939 weitgehend ausgeblendet. Stalin hatte Hitler besiegt, die Rote Armee hatte Europa vom Faschismus befreit, mehr als 20 Millionen Sowjetbürger waren von den Nazis umgebracht worden: Dieser Dreiklang prägt die offizielle Geschichtsschreibung. Dass die Veteranen der Roten Armee sowohl Opfer als auch Täter, Sieger und Besatzer waren, dringt nicht ins Bewusstsein. Keine Schmach darf stärker sein als der Stolz.

Dieser Stolz darf nicht gefährdet werden, nicht durch den Gulag, die Zeit des Großen Terrors, die „Säuberungen“, den Holodomor – die von Stalin verursache Hungersnot, der Millionen Ukrainer erlagen –, das Leiden der Krim-Tataren. Er darf auch nicht gefährdet werden durch die Verbrechen des sowjetischen Besatzungsregimes.

Für viele Völker jenseits des Eisernen Vorhangs, im Machtbereich Moskaus, folgte auf den Sieg über den Nationalsozialismus eine andere, die kommunistische Diktatur. Nationalsozialismus und Kommunismus erwiesen sich als die prägenden europäischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts.“

Und genau dieser Umstand macht jenes Denkmal im Zentrum Berlins einerseits problematisch, andererseits erfordert es eine Kontextualisierung. Und es zeigt sich dazugleich, wie oben geschrieben, daß Denkmäler ihre Bedeutung ändern und sich in ihre Aussage wandeln. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Verletzung der Souveränität der Ukraine haben diesen Teil der sowjetischen und dann der russischen Geschichte signifikant vor Augen geführt. Und es zeigt uns auch, gerade im Blick auf die Wahrnehmung der nichtsrussischen Territorien der ehemaligen Sowjetunion, zu der auch die Ukraine gehört, daß viele Menschen bis heute nicht zwischen Sowjetunion und Rußland unterscheiden können und insofern dem Irrtum unterliegen, daß auch die Ukrainer irgendwie Russen seien. Doch die Ukraine ist von ihrer Geschichte her nicht Rußland, aber sie gehörte zur Sowjetunion und sie hat im Zweiten Weltkrieg erhebliche Opfer gebracht. Ein Großteil der deutschen Verbrechen spielte sich auf ihrem Territorium ab und es waren zugleich auch Rotarmisten aus der Ukraine, die Deutschland befreiten – übrigens insbesondere deshalb, weil die Roten Armee ausgerüstet war durch die USA im Rahmen des Lend and Lease-Abkommens von 1941 Auch diesen Part der Geschichte wollen wir nicht unterschlagen.

Die Legende der siegreichen und großen und ruhmreichen Sojetarmee ist wahr und sie ist zugleich nicht wahr und brachte im selben Zug und im Sinne der Teilung Europas, der auch die westlichen Alliierten zustimmten, erhebliches Leid über die Länder Mittel- und Osteuropas. Wie dieses Grauen aussah und was das für die einzelnen Länder bedeutete, müssen Historiker erforschen. Im Bewußtsein der Letten, der Esten, der Litauer, der Polen, der Ungarn, der Tschechen, der Slowaken, der Bulgaren und Rumänen ist dieses Leid, ist diese Unterdrückung, sind Folter und Gewalt des sowjetischen  Imperiums noch immer präsent. Das eben ist auch die besondere Bedeutung des 23. August 1939. Und dieser Blick aus dem Osten ist leider bei allem – teils berechtigten – Protest gegenüber den USA unter den Tisch gefallen.

Auf all diese Aspekte zu reflekieren, gibt das Denkmal an der Straße des 17. Juni Anlaß. Insofern sollte es bleiben, wie es ist, trotz seiner martialischen Aufmachung. Und es zeigt uns zudem, anders als die meisten Denkmäler, daß Kriege mit echten Waffen, mit echten Panzern und Haubitzen geführt werden. Rußland führt dies gerade wieder auf blutige Weise vor. Und wenn wir die von der tapferen ukrainischen Armee zerstörten russischen Panzer ausstellen wollen, so plazieren wir sie am besten auf der Straße Unter den Linden vor der russischen Botschaft. Dort gehören sie hin, sofern wir solche krude Faktizität denn zeigen wollen.

Diese Karikatur von Greser & Lenz ist übrigens aus dem Jahr 2014. Wir hätten wissen können, was uns durch Rußland droht.

Russischer Widerstand: Denis Zakharov

Denis Zakharov ist ein russischer, pro-ukrainischer Aktivist und Kriegsgegner, der in Moskau lebt (und nicht erst seit gestern offen und einfallsreich mit QR-Code protestiert).

Er organisiert Widerstand gegen den russischen Angriffskrieg und will russischen Einberufenen an der Front helfen, sich zu ergeben. Die Ukrainer:innern haben schließlich eh schon alle Hände voll zu tun, meint er, und Russen seien für Russen verantwortlich.

Er war auch am 21. September bei der Anti-Mobilisierungsdemo auf dem Arbat, hat gefilmt und von vornherein damit gerechnet, dass er verhaftet wird. Was auch geschah. Was anschließend passierte, schilderte er hinterher. Er hat jetzt eine Klage an der Backe, ist wohl untergetaucht und Einsatzkräfte drangen in seine Wohnung ein als er nicht dort war.

Es lohnt sich, die verlinkten Threads von ihm zu lesen.“

[Gepostet von der Bloggerin arboretum, drüben bei che2001]

Wie lange solche tapferen Menschen wie Zakharov im System des Raschisten Putin noch agieren können, bleibt fraglich. Und auch, wie lange sie am Leben bleiben, während hier in Deutschland Schmierfinken wie Dirk Pohlmann, Tom J. Wellbrock und Manipulationsportale wie die Nach“Denk“Seiten gegen genau die Freiheit hetzen, die sie hier unverhohlen in Anspruch nehmen.

„Sie werden für immer unsere Bürger sein“

So drohte Putin in seiner Annexions-Rede im Kreml. Im Hinblick auf die Aspekte Freiheit und das Eingebundensein der Menschen in eine blutige Diktatur erinnert mich Putins Spruch an Hitlers Reichenberger Rede vom Dezember 1938, besonders an jenen letzten Satz dieser Passage:

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn nun diese Knaben, diese Mädchen mit ihren zehn Jahren in unsere Organisationen hineinkommen und dort so oft zum erstenmal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitler-Jugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei oder in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort zwei und anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs oder sieben Monate geschliffen, alle mit einem Symbol: dem deutschen Spaten (Beifall). Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassenbewußtsein oder Standesdünkel da oder dort noch vorhanden sein sollte, das übernimmt dann die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre (Beifall), und wenn sie dann nach zwei oder drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben (Beifall), und sie sind glücklich dabei.

Nein, man kann in vielen Aspekten Hitler nicht mit Putin vergleichen. Bei Putin findet kein Genozid statt, die Parallele liegt in den Kriegsverbrechen, im Angriffskrieg und im Landraub und dem Abbau von jeglicher Freiheit sowie der Abschaffung freier Wahlen. Und die Strukturen faschistischer oder semifaschistischer Diktaturen ähneln sich – wobei Putins Diktatur mehr noch einen brutalen Mafiasystem aus Korruption, Erpressung, Vorteilsnahme und Mord gleicht, und wer da nicht spurt, der „springt“ dann schon mal aus dem Fenster, wie diverse Manager der russischen Staatskonzerne, bekommt einen Herzinfakt oder hat Novitschok in der Unterhose wie Nawalny. Hinzu kommt Putins Satz zum KGB: Wer einmal in seinem Leben KGB-Agent war, der bleibt es sein ganzes Leben. Putins Zeit im KGB reichte bis über dessen Auflösung.

Und unter Garantie werden da wieder Leute sein, die sagen „Aber das war gar nicht Rußland“ oder „Rußland wurde ja nur von der NATO dazu gedrängt!“ Und wenn man diese Leute dann als Putins Rektumsschlecker bezeichnet, werden sie es mit empörter Geste von sich weisen. Es ist immer das gleiche Spiel. Nein, Diskussionen mit solchen Leuten wie Dirk Pohlmann, Matthias Bröckers, Ken Jebsen, Uli Gellermann, Tobias Riegel, Albrecht Müller, Jens Berger, Tom J. Wellbrock und ihren Gefolgsleuten sind völlig unsinnig, sie führen zu nichts. Es geht nicht mehr darum, diese Leute zu überzeugen, sondern es muß gezeigt werden, daß die Lügen und Dekontextualisierungen dieser Menschen für andere sichtbar gemacht werden.

***

Eine gute Aktion haben mutige Menschen in Rußland geliefert: Sie brachten am Grab von Putins Eltern auf dem Serafimowski-Friedhof in Sankt Petersburg einen Mahnzettel an:

„Liebe Eltern! Euer Sohn benimmt sich grässlich! Er schwänzt den Geschichtsunterricht, prügelt sich mit seinen Banknachbarn und droht, die ganze Schule in die Luft zu jagen! Handeln Sie!“

Putins Lügen- und Hetzrede im Kreml

Gegen Putins Lügen- und Hetzrede im Kreml steht Annalena Baerbocks Artikel in der ZEIT vom 1. September 2022:

„Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Dieses Russland wird absehbar eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit in Europa bleiben.

Dieser Satz mag hart klingen. Auch ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieser Krieg endlich aufhört. Dass Menschen nicht mehr bei Raketenschlägen auf Bahnhöfen sterben, dass ukrainische Kinder nicht mehr Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt neu eingeschult werden müssen. Und dass sie ihren Vätern in der Ukraine endlich wieder um den Hals fallen können. Dieser Wunsch treibt mich an, jeden Tag. Aber dieser Wunsch allein wird der Ukraine keinen Frieden bringen.

Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 dachten viele, dass Putin irgendwann aufhören würde – letztlich vergeblich. Dieses Prinzip Hoffnung haben Tausende Ukrainerinnen und Ukrainer – und auch viele junge russische Soldaten, die gegen ihren Willen in diesem Krieg kämpfen – mit ihrem Leben bezahlt. Wir haben gegenüber diesen Opfern die Verantwortung zu handeln.

Was wir erleben, ist ein Zusammenprall zweier Weltbilder. Auf der einen Seite Länder, die an eine regelbasierte internationale Ordnung glauben. Auf der anderen Seite aggressiv-autoritäre Regime, die ihre eigene Bevölkerung unterdrücken und andere mit imperialen Mitteln unterwerfen wollen. Finnland und Schweden wollten nie in die Nato. Jetzt treten sie unserem Bündnis bei, weil sie Sorge haben vor Putins Russland. Was wäre es für ein Signal an autoritäre Staaten, wenn wir keine Sanktionen erlassen und keine Waffen geliefert hätten? Dass wir akzeptieren, wenn ein Regime seinen Nachbarn überfällt? Kein kleineres Land wäre mehr sicher!

[…]

Erstens: Wir lassen bei der Unterstützung der Ukraine nicht nach. Wir treten der russischen Aggression dauerhaft entgegen. Und wir machen weiter deutlich: Wer so massiv Regeln bricht, ist international isoliert. Sanktionen sind kein Selbstzweck, sondern Ausdruck dafür, dass Brutalität und Regelbruch Konsequenzen haben. Im Winter in die Ukraine einmarschieren und im Sommer seine Mannschaft zur Fußball-EM nach England schicken wollen, so als wäre nichts gewesen: Das funktioniert nicht. Wir beschneiden mit unseren Sanktionen langfristig nicht nur Moskaus wirtschaftliche, sondern vor allem auch seine militärischen Fähigkeiten.

Wir überlassen die russische Zivilgesellschaft nicht dem Würgegriff des Regimes. Deshalb wollen wir Kanäle nutzen, auf denen sich junge Menschen in Russland noch mit objektiven Informationen versorgen können. Plattformen wie TikTok oder Telegram sind dafür im Zweifel effektiver als Formate wie der Petersburger Dialog, bei denen wir auch auf staatliche Strukturen in Russland angewiesen sind.

Die russische Diaspora vernetzen wir weiter und fördern unabhängige NGOs. Wir erteilen gezielt Stipendien und Arbeitserlaubnisse und unterstützen russischsprachige Journalistinnen und Journalisten dabei, frei über Russland zu berichten. Auch die Visa-Erteilung sollten wir differenziert betrachten, statt sie komplett zu stoppen – gerade für Opfer staatlicher Repression. All dies wird Putins Weltbild nicht verändern. Aber im Falle des größten Bruchs mit internationalen Regeln, wie dem Angriff auf die Ukraine, muss die EU Farbe bekennen.

Wir schützen mit diesen Maßnahmen die Opfer der russischen Aggression – und wir schützen uns selbst: Wir machen die EU langfristig wehrhaft gegenüber Putins Russland, und wir investieren in unsere Partnerschaften weltweit.

Am 24. Februar hat der russische Krieg unsere Welt verändert. Es wird keinen Weg zurück geben. Aber es gibt einen klaren Weg nach vorn, den wir entschlossen, besonnen und solidarisch gehen müssen.“

Baebock ist eine mutige Frau und sie spricht das aus, was ist. Ansonsten bringt es Guido Rohm in einer Prosa-Miniatur gut auf den Punkt:

„Sie wohnen hier?“
„Äh, ja.“
„Ihre Wohnung ist ab sofort ein Teil unserer Wohnung.“
„Spinner.“
„Obacht, liebe Dame. Immerhin wohnen Sie nun bei mir.“
„Ich schließe jetzt die Tür.“
„Alle in unserer Familie haben dafür gestimmt, dass Ihre Wohnung künftig ein Teil unserer wird.“
„Ich rufe die Polizei.“
„Ich schließe die Tür.“
„Sie wollen mich aus meiner Wohnung aussperren?“

Aus „Wohnungserweiterung“

„Putin-Bluthund Medwedew feiert gerade auf Telegram:

„Die Wahrheit triumphiert! Das glorreiche Russland wird wiedergeboren!“

Zu sehen sind die vier Kreml-Banditen, die als Statthalter der geraubten Territorien eingesetzt werden, zusammen mit dem geliebten Führer.“ So berichtet Igor Schwarzmann.

Bleibt zu hoffen, daß diese Herren den Weg von Dugins Tochter gehen.

Neues Referendum zum Beitritt der Russischen Föderation zu den Niederlanden

Wie aus alten DDR-Zeiten bekannt, sind bei dem „Referendum“ in den von Putin okkupierten (oder besser, von den Russen orkupierten) Gebieten, dem Territorium der Ukraine, Scheinwahlergebnisse von 99,94 % zustande gekommen . Nur daß nicht einmal in der DDR plötzlich Terroristen in Uniform mit geladenen Waffen vor der Haustür der Menschen standen und durchsichtige Wahlurnen hielten, in die dann die Zettel ungefaltet geworfen werden. Dies soll sicherlich, so werden uns UFO-Freund Dirk Pohlmann, 9/11-Fabulierer Bröckers oder jener in Moskau lebende Verschwörungshetzer Thomas Röper erzählen, der besonderen Spezialoperation-Demokratie dienen, damit jeder sieht, daß es mit rechten Dingen zugehe. Und wie immer werden dann bei solchen Ergebnissen Querfrontportale wie Nach“denk“seiten und diverse inzwischen bei der AfD herausgekommene Zarenknechte von der geschichtliche Notwendigkeit solcher Aktion fabulieren – dieselben Leute, die ansonsten, wenn ähnliches die USA täten, sofort auf die Barikaden gestürmt oder zumindest in verbalen Protest verfallen wären. Man kann diesen Leuten noch so viele Fakten präsentieren, sie werden immer noch eine Hintertür finden, warum Putin gar nicht so schlimm ist.

Nun gibt es aber ein neues Referendum. Diesmal für die Russen, ob sie den Niederlanden beitreten wollen.

[Das Video wurde gefunden bei che2001]

Es geht also auch anders herum, wie Putin zeigt: Man stimmt über einen Land ab, das nicht das eigene ist und worin man nichts verloren hat. Vielleicht sollte Deutschland demnächst ein Referendum über Königsberg abhalten.

Russische Raschisten

Der Habermas zugeschriebene Satz im Blick auf die Bundesrepublik „Lieber Langeweile als Faschismus“ scheint angesichts des Agierens von Rußland einiges an Aktualität zu erhalten. Rußlands neuer Imperialismus, jene Russki Mir zeigt uns an, daß wir eben nicht in jenen von uns gewähnten friedlichen Zeiten leben und daß wir alle einer erheblichen Bedrohung ausgesetzt sind. Mordor ist dafür bloß ein Bild. Das reale Grauen, Folter und schwere Kriegsverbrechen tragen sich in der Ukraine zu. Rußlands Anschlag auf die Gasleitungen zeigt uns, daß der Westen verwundbar ist. Auch das wollte Putin hier einmal wieder demonstrieren. Hilft im Westen nicht mehr das Umschmeicheln mit Gold und Geld, so zeigt der Ork nun auch gegen den Rest Europas seine Zähne. Mit dem Slogan „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ müßte eigentlich die Friedensbewegung am Samstag vor der russischen Botschaft stehen – allein schon angesichts des russischen Terrors in den orkupierten Gebieten der Ukraine. Tut sie aber nicht. Die Friedensbewegung hat sich versteckt. Es sind wohl diesmal die falschen, die da einen Krieg angefangen haben und die foltern und mit Atomwaffen drohen. Neben den Zarenknechten sowie den Querfrontlern und der AfD ist die Friedensbewegung einer der traurigsten Akteure in dieser Tragödie.

Rußland ist ein Terrorstaat

Photo: Reuters/Danish Defense Command

Es ist dieses Bild der Unterwasserexplosion in der Ostsee nahe der Insel Bornholm ein erschreckendes, und es wird sicherlich als ein ikonisches in den Jahres- wenn nicht Jahrzehntrückblick eingehen. Fast ein Bild wie aus einem Tarkowski-Film. Und es sind diese Explosionen an den Gasleitungen eine deutlich Drohung aus Mordor. Immer mehr muß man wohl, auch wegen der russischen Kriegsverbrechen auf dem Territorium der Ukraine, der Annexion des Donbas und der Terrorisierung der Bevölkerung dort mit vermeintlichen Wahlen, von einem russischen Terrorregime sprechen. Und solche Explosion ist, wie schon die Teilmobilisierung der russischen Truppen am Weltfriedenstag eines jener deutlichen Zeichen, um für den Westen und speziell einmal wieder für Deutschland le Angst zu erzeugen.

Um so wichtiger ist es, in Debatten im Freundes- und Familienkreis und auch in den sozialen Medien, wo es irgend geht, dagegenzuhalten und solchen, die berechtigte Ängste hegen, das System Putin zu erklären und daß Putin, alter KGB-Mann und KGB geschult, genau mit dieser Angst arbeitet, um um Westen zu desinformieren und Verunsicherung und eben vor allem jene Angst zu erzeugen. Man nehme, um sich vorzubereiten auf solche Debatten, unter anderem das Buch von Catherine Belton „Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste“ und ebenso (bei der bpb günstig für 4,50 Euro zu beziehen) von Manfred Quiring „Russland – Ukrainekrieg und Weltmachtträume“. Und im Blick auf Putins Desinformations- und Destablisierungskampagnen, gerade im September erschienen: Jessikka Aro „Putins Armee der Trolle: Der Informationskrieg des Kreml gegen die demokratische Welt“. [Bei Bedarf und auf Anfrage gerne eine längere Literaturliste zum Ukrainekrieg, zu Rußland und zum System Putin.) Angst ist ein schlechter Ratgeber und Wissen kann helfen, gegenzusteuern. Journalisten wie Alice Bota, Golinah Atai, Michael Thumann, Andrea Böhm haben jahrlang vor dem System Putin gewarnt und wir und so auch ich, wollten darauf nicht hönren und taten es sogar als einseitige Berichterstattung ab. Um Rückblick bleibt für mich nur zu sagen: diese Journalisten haben recht behalten. Und ebenso Marielouise Beck, die immer schon in scharfen, deutlichen und klaren Worten vor dem Verbrecher Putin gewarnt hatte. Liest man genaueres über den Aufstieg und den Weg Putins, so kann einem das Blut in den Adern gefrieren. Ich gehe inzwischen davon aus, daß jene Russki Mir, jener Neue Imperium, jener russische Imperialismus ein Projekt ist, das bereits mit Putins Regierungsübernahme 1999 ausgereift war. Seine Rede vorm Deutschen Bundestag halte ich für bloße Trickserei. Aber wie es sich hier verhält, das müssen am Ende die Historiker entscheiden.

Deshalb aber und aus diesem Grunde, um nicht zu erstarren vor Angst, tut Aufklärung derart not. Was Putin am meisten fürchtet: daß wir vor seiner Methode des Angstverbreitens keine Angst und auch keine Furcht haben. Und wieder einmal zeigt sich: wir leben eben doch nicht in einem postheroischen Zeitalter, wie es manche gerne behaupteten. Tapfere Frauen und Männer sind gefragter denn je. Und Freiheit wird leider nicht nur mit Worten verteidigt, sondern durch tapfere Menschen, die ihr Leben opfern müssen, weil ein Ungeheuer über ein anderes Land ergefallen ist und dort nun wütet. Dem dürfen wir nicht eine Sekunde klein beigeben.

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Im übrigen bleibt es bei der Frage „Wo ist die Friedensbewegung?“

Haben wir für morgen schon den Aufruf der Friedensbewegung oder einiger ihrer Akteure zur Großdemonstration vor der russischen Botschaft in Berlin oder vor russischen Einrichtungen in Hamburg, in München und Frankfurt am Main? Diejenigen, die immer sehr laut nach dem Frieden riefen, sind mit einem Mal und klandestin leise, sehr leise geworden. Es bleibt dabei: da hat diesmal wohl der Falsche den Krieg angefangen. Hätte sich dies alles die USA geleistet: Die Straßen in den Hauptstädten Europas wären mit Menschen geflutet. In diesem Fall aber, da hüllt man sich dann lieber in den Mantel eines allgemeinen und irgendwie unverbindlichen Pazifismus, so wie Margot Käßmann in einem Gespräch mit Jakob Augstein im FREITAG.

Pazifismus ist eine feine Sache, wenn sie so ins allgemeine gesprochen wird. Wer will schon Krieg? Pazifismus muß man sich leisten können, und auf dem warmen Sofa, wenn eine Russenarmee fern ist, die vergewaltigend, plündernd, brandschatzend und mordend durch ein anders Land zieht und Verwüstungen anrichtet, dann läßt es sich gut und angenehm Pazifist sein. Am besten noch mit einer Flasche Rotwein dazu und für Leute, die unter dieser Horde leiden, Ratschläge parat zu haben. Nur eben: Wenn der Ernst des Lebens in der Gestalt von Russenorks vor der Tür steht, sieht die Sache schon anders aus. Was Käßmann für sich selbst macht, ist ihre Sache. Ich persönlich finde ihre Haltung erbärmlich und zynisch, sobald sie anfängt, jenen, die überfallen werden, Ratschläge zu geben oder zu sagen, was man politisch am besten unterlassen solle, nämlich Waffenlieferungen. Eine Armee jedoch, die das Land gegen solche Horden verteidigt, verteidigt am Ende auch Frau Käßmann mit, die eben genau davon profitiert, was ihr Pazifismus ablehnt. Würde Käßmann übrigens solche Sätze in Rußland äußern, klingelte es ein paar Stunden später an ihrer Haustür. Und hielte sie auf dem Roten Platz in Moskau nur ein Plakat hoch, auf dem nichts geschrieben steht, verschwände sie mit Pech für 15 Jahre im Lager: dies ist die Höchststrafe für solche „Verunglimpfungen“. Aber ich will jemandem wie Käßmann nichts Böses unterstellen. Im besten Fall ist es naiv. Aber das gut Gemeinte ist selten das politisch gut Gemachte. Deutlich schlimmer sind Verschwörungshetzer in Deutschland wie Dirk Pohlmann, Uli Gellermann, Tom J. Wellbrock, Albrecht Müller, Ken Jebsen sowie die Zarenknechte und diverse AfD-Abgeordnete, die ihre Redefreiheit und Demokratie mißbrauchen, um derbe Russenpropaganda zu fahren. Dieser Krieg ist auch ein Informationskrieg. Und diese von mir genannten Leute werden auch in der Krise, auf die wir im Winter vermutlich zusteueren, ihren Profit schlagen, um zu hetzen. Und damit eben desavouieren sie auch sinnvolle Kritik an manchen innenpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung. Aber das Stichwort „Preisdeckel bei Gas“ für einen Grundverbrauch ist hochmal eine andere Sache.

Hitler ist übrigens nicht durch Ghandi, sondern durch Winston Churchill und General Montgomery bzw. die britische Armee und vor allem mittels der tapferen Soldaten der US-Army wie durch die Rote Armee besiegt worden. Allerdings muß man zur Sowjetarmee immer mit dazu sagen: ohne das Lend and Lease-Abkommen der USA, darin die Sowjetunion mit Waffen, Munition, Panzern, Jeeps, LKWs, Flugzeugen, Treibstoff und sogar noch Militärstiefeln ausgerüstet wurde, wäre die Sowjetunion 1942 kollabiert. Soviel zum Pazifismus.