Monika Maron und der ehemals renommierte Fischer Verlag

Im Grunde müßte man sagen: macht ihr Maron, ich mache mir Maronen, ich esse bereits Dominosteine, und morgen wird eh der nächste Autor, die nächste Künstlerin abgesägt, gecancelt oder aber irgendwie mittels Kontaktschuld angegangen. Es ist sinnlos und es wird das nicht aufhören. Im großen wie im kleinen.

Wie ich bereits am Sonntag in einem Interview der „Welt“ las, kündigte der S. Fischer Verlag Monika Maron nach 40 Jahren die weitere Zusammenarbeit auf. Mit einer eher schmalllippigen Begründung, am Telefon durch den Lektor. Sofern das stimmt, sofern kein Brief geschrieben wurde, keine Gespräche erfolgten, ist dies stillos, unwürdig und peinlich. Zumal bei einer Autorin, die nicht erst seit gestern in diesem Verlag veröffentlichte und mit prominenten Romanen wie Flugasche, Animal triste, Pawels Briefe, Endmoränen, Bitterfelder Briefe und Munin oder Chaos im Kopf einiges zum Verlagsruhm beitrug. Verlage sollten von unterschiedlichen Stimmen leben, auch von unterschiedlichen Spektren.

Aber solche Vielfalt scheint man beim Fischer Verlag wohl nicht weiter auszuhalten. Diejenigen, die bei jedem Anlaß „Pluralität, Vielfalt, Diversität!“ rufen, und dies mit dem Brustton tief geheuchelter Überzeugung, sofern damit die eigene Meinung gemeint ist, sind selbst bei einfachsten Übungen dazu nicht in der Lage, genau das zu praktizieren. Ein Verlag, der sowas nicht aushalten kann, ist in meinen Augen im Sumpf des Kleingeistes angelangt.  Ich hoffe, jene Verantwortlichen bei Fischer rutschen irgendwann auf ihrer eignen Schmierspur an den Zeitgeist aus. Aber ich höre jetzt schon die „Argumente“ jener Twitter-Facebook-Literaturbubble: Ja, das ist aber bei einem privaten Verlag auch sein gutes Recht. Mal sehen, ob dieser süffisant-hämische Hinweis dann auch noch gilt, wenn, Gott möge es verhüten, irgendwann Hans-Thomas Tillschneider und Marc Jongen bestimmten Theatern oder Autoren und Literaturpreisen den Geldhahn zudrehen – wobei dafür nicht einmal die AfD nötig ist: es reicht bereits eine deutlich konservativere Kulturpolitik und bei den Literaturpreisen das Motto: Jeder Autor sei sein eigener Ernährer. Aber dann wird vermutlich wieder das eingefordert, was Adorno/Horkheimer einmal „einseitige Solidarität“ nannten. Auch wenn dieses Beispiel „Kulturförderung“ und „Theater“ nicht eins zu eins übertragbar ist auf den Fischer Verlag, mit seiner Entscheidung, keine neuen Bücher mehr mit Maron zu machen, so geht es doch um eine Solidarität, die man vielleicht auch einmal für solche Leute entwickeln könnte, die nicht auf einer politischen Linie liegen. Das könnte sogar einmal für jemanden wie Max Czollek gelten, der auf genau solche breite Solidarität angewiesen ist, und zwar auch von solchen Leuten aus anderen Lagern, damit es eine breite Gruppe ist und nicht immer nur die übellichen Verdächtigen aus Kumpelhausen.

Und wer in solchem Falle  mit der Vertragsfreiheit aufschlägt: Wenn, wie hier in Berlin geschehen, die Buchhandlung Kisch & Co. aus ihren Räumen muß, weil ihr Mietvertrag ausläuft und der Vermieter nur zu einer höheren Miete verlängern will: dann ist auch das Vertragsfreiheit, solange dem Vermieter Gerichte recht geben. Gewerbemietverträge sind ohne die Angabe von Gründen kündbar: und dann hat der Mieter nach sechs Wochen auszuziehen, es sei denn es wurde ein Zeitvertrag geschlossen. So sind die Gesetze, und das alles ist rechtens – für alle die, die beim Fischer-Verlag mit der Vertragsfreiheit kommen. Aber ob es auch anständig und richtig  ist: Das steht dabei auf einem anderen Blatt. Soviel zur Solidarität, die ansonsten gerne eingefordert wird. 

Hintergrund dieses Cancelns ist vermutlich unter anderem Marons Veröffentlichung Krumme Gestalten, vom Wind gebissen, Essays aus drei Jahrzehnten, das in der Edition BuchHaus Loschwitz (Dresden 2020) der Buchhändlerin Susanne Dagen erschien. Maron ist mit Dagen befreundet. Dagen ist in einer bestimmten Öffentlichkeit nicht wohl gelitten, weil sie inzwischen Kontakte in rechtskonservative Kreise pflegt. Aber wie es im Leben so ist: Manche Freundschaft hält, auch wenn politisch in manchen Punkten Differenzen sind. Und das ist auch gut so. Ich bin mit dem Menschen und nicht mit dem Funktionsträger befreundet und in einer Freundschaft kann man zwar gemeinsam „Sag mir, wo du stehst“ von Oktoberclub singen, aber es sollte nicht das Motto einer Freundschaft sein. Und Freundschaft kann auch mal bedeuten, jemandem einen Gefallen zu tun, den man eigentlich und vielleicht gar nicht tun möchte. Ja, das Leben ist in der Tat bunt: bunter als unsere Woken-Identitären es sich vorstellen können

Die dabei immer wieder verbreitete Behauptung, daß die Bücher der Exil-Reihe über den Antaios-Verlag vertrieben werden, ist in dieser Form nicht richtig. Oder man muß dann dazu sagen, daß auch Rainer Stach und seine Kafka-Bücher bei Fischer über Anataios vertrieben werden. Und das ist deshalb so, weil Antaios nicht nur ein Verlag, sondern auch eine Verlagsauslieferung ist. Und insofern kann man bei Antaios sämtliche lieferbaren Bücher bestellen – auch solche von Gregor Gysi 

Und nochmal für alle, die nicht vom Fach sind und weil von vielen immer wieder die Behauptung in die Welt gesetzt wird, daß die Edition BuchHaus Loschwitz über Götz Kubitschek bzw. Antaios ihre Bücher vertreiben lassen: Es gibt Verlage, die verlegen nicht nur Bücher, sondern sie vertreiben auch Bücher anderer Verlage, weil ihnen eine Verlagsauslieferung angeschlossen ist. Sie sind also nicht nur Verlag für eigene Bücher, sondern auch Vertrieb für andere Bücher von anderen Verlagen. Und dagegen kann ein Verlag auch nichts ausrichten, wenn Antaios diese Bücher z.B. über den Grossisten bezieht oder über eine eigene Firma, die Verlagsauslieferung macht, vertreibt. Und damit können sie von einem Buch von Inge Viett, von Bommi Baumann, von Harald Schmidt, Max Czollek (meine Kritik zu seinem Buch „Desintegriert euch!“ findet sich hier) bis hin zu Monika Maron und Thomas Mann alles an Bücher liefern.

Wird jetzt eigentlich auch Rainer Stach bei Fischer gecancelt, weil er bei Antaios gelistet ist? (Und noch einmal zum Mitschreiben: Marons Buch erscheint in der Edition Buchhaus Loschwitz in der Exil-Reihe und NICHT BEI ANTAIOS)

 

Und Skandal, Skandal im Speerbezirk der spartanischen Phalanx, nein im Sperrbezirk der ordnungsliebenden linksidentitären Anständigkeit: auch Max Czollek wird über Antaios vertrieben. Wer? Ja, genau, jener anständige Max.  Na, wer jetzt keine warmen Kleider hat, der wird lange frieren und der muß sich nun warm anziehen und warm wird es nimmermehr, selbst dann nicht, wenn man sich aus der Requisitenkammer des Gorki Theaters bediente. Max, Max! „In den See, in den See mit ihm!“ (Wer wars, wer schriebs, wer sagte es?) Man ist eben nie woke genug. Forscht man und stochert, so kann es halt jeden in der Hermetik und Hermeneutik des Verdachts treffen. Und wenn man nichts findet, streut man halt noch ein kleines Gerücht: „Guck mal, das sind die Autoren, die mit Rechten reden wollen!“ (Zur Versicherung: nein, das wollen sie nicht und das steht da auch nirgends in dem Buch „Mit Rechten reden“. Und dieser Titel ist auch kein Imperativ, sonst stünde da ein Ausrufezeichen. Soviel zu Deutung und Sprache.)

„Ja, ich habe Angst vor dem reaktionären, frauenfeindlichen, nach weltlicher Macht strebenden und in unseren Alltag drängenden Islam“, so soll sich Maron, laut einem Artikel in der „Süddeutschen“ seinerzeit in der NZZ geäußert haben. Was an diesem Satz falsch ist, erschließt sich mit nicht, solange im Kontext dieses Satzes es nicht DER Islam ist. Und es ist zudem ein Interview. Und nein: man muß gar nicht mit allem von Maron übereinstimmen – ich tue es in vielen Aspekten, aber nicht in allen: ihre Aussagen zum Heldentum und zum Thema Gender halte ich in einigen Teilen für richtig, und die letzten Interviews mit ihr, in der Berliner Zeitung und auch ihre Aussagen in der Reportage in der ZEIT mit Moritz von Uslar, habe ich gerne gelesen und teils still gelächelt und teils vergnügt gelacht. Wer also mehr über die kluge Monika Maron erfahren will, der lese diese Texte. Sie ist alles mögliche: sie ist wütend, sie ist eigensinnig – das, was man doch sonst immer von den Schriftstellern erwartet: aber oh, ich vergaß: auch nur, wenn es der Eigensinn des eigenen Milieus und der eigenen Blasenwelt ist, an dem man sich dann sein Mütchen wärmt und vorglühen geht.

Klar, kann man dies alles so machen, wie es Fischer tut, es steht in der Freiheit eines Verlages. Kann man am Ende nichts dagegen sagen. Es ist die Entscheidung des Verlages. Um so trauriger, daß man es erst durch andere Medien erfahren muß. Und daß der Verlag nicht dazu in der Lage ist, diesen Ausschluß angemessen zu kommunizieren und zu kommentieren und genau diesen Spekulationen ein Ende zu setzen. Schon das ist ein PR-Desaster, wofür eigentlich ein paar Köpfe in der Verlagsleitung rollen müßten.

Und was nun die politischen Positionen betrifft: Allerdings zeichnet sich ein Verlag – ein großer zumal, Fischer ist ja nicht Turia + Kant und nicht Merve – eben auch dadurch aus, daß bei ihm unterschiedlich Denkende und Schreibende ihre Bücher publizieren können und sollen: man sehe auf Suhrkamp, wo so unterschiedliche politische Temperamente wie Luhmann und Habermas, Sloterdijk und Honneth ihre Heimat haben und wo neben Tellkamp auch ein Dietmar Dath veröffentlicht und neben Hermann Hesse ein Samuel Beckett und und und. Das lief einstmals unter dem Namen „Suhrkamp-Kultur“. Ob solcher Rausschmiß klug ist? Wohl kaum. Und vor allem: die die das jetzt noch gutheißen, können sich eines überlegen: Man ist nie woke genug. Treffen kann das einen jederzeit selbst. Aber wie man sieht, reichen bereits kleinere Vergehen aus. Bestrafe einen, erziehe hunderte Jungautoren!

 

 

Im Zeitfenster: Kunst im Berghain

„Oh, oh!“ so ächzt es und fragt es nachts vor der Pforte der heiligen Halle im Chor der Wartenden: muß der Gast in der Schlange draußen bleiben, kommt der Gast hinein? Zur kollektiven Ekstase, zu Tanz und Vergnügen, zu Schweiß und Ausschweif. Menschen in der Menge und das Berghain – ein Arkanum, ein Abaton, ein Adyton. Ein Bezirk, wo man nicht so ohne weiteres und ohne Gefahr eindringt – es sei denn, man kommt hinein und der Zerberus namens Türsteher tut’s Tor auf. Ein Gerücht, ein Mythos, was auch immer und immer sich da verbirgt: man wird es nur erfahren, wenn man dort getanzt oder einem Konzert gelauscht hat – wobei Lauschen nicht ganz das richtige Wort ist, wenn Sunn O))) dort spielen. Aber Mythen sind auch nur solange solche, sofern man an sie glaubt und geduldig wartet. Ich habe mich den Klubs meist wie Odysseus genähert: ich fuhr vorbei.

Nun aber gibt es wegen Pandemie und Ansteckung über Tröpfchen keinen Danz op de Deel, keinen Drink drinken in der Panorama-Bar und damit auch keinen Tanz im ehemaligen Heizkraftwerk, das des Ostens Arbeiterviertel einstemals warm hielt. Das Berghain hat sich fürs Überleben insofern eine Idee gesucht, nämlich die bildende Kunst – bildende Kunst dient dabei freilich als Gattungsbezeichnung in einem weiten Sinne genommen: denn im Berghain zu sehen sind Installationen, Photographien, Malerei, Plastiken, Videos, Environments, ein Architekturmodelle verschiedener prominenter Gebäude dieser Welt und ein Musik-Loop-Video. Und dazu der Ort selbst, der sich ausstellt.

Die meisten Werke sind in den letzten Monaten der Corona-Pandemie entstanden, und zwar gewirkt von 117 zeitgenössischen Künstlern, die in Berlin leben und arbeiten: eine Gruppenausstellung, die unter dem Titel „Studio Berlin“ läuft. Es gibt also einen Bezug zum Ort, was ich als Leitidee interessant finde, wenngleich ich am Ende die Umsetzung nur mäßig überzeugend fand. Denn in der Regel hat der Ort, an dem ein Künstler lange oder kurze Zeit lebt, erheblichen Einfluss auf sein Schaffen; gerade, wenn es um die Klub-Kultur geht, wenn Kunst, Tanzen, Drogen, Mädchen, Boys, wildes, tanzaffines oder musiklauschendes Leben das Schaffen der mal mehr, mal minder begabten Genies auf irgendeine Weise beeinflussen und der Bezug der Künstler zu solchen Äußerungen auch Thema der Kunst wird, weil jene Wesen dort eben ihre Nächte zuweilen verbringen. Es schreiben die Macher der Ausstellung:

„In Berlin gibt es europaweit die größte Dichte an Ateliers und Kunstwerkstätten – Künstler_innen aus aller Welt ziehen an diesen Ort, um von hier aus arbeiten zu können. Im Frühjahr 2020 trafen drastische Veränderungen ein: Unter anderem wurden geplante Ausstellungen und Kunstmessen abgesagt oder verschoben, Galerien und Museen geschlossen, größere Projektvorhaben konnten nicht realisiert werden. Das Nachtleben in Berlin wurde ebenso gänzlich stillgelegt. Aus dieser Situation heraus fanden sich Boros und das Berghain zusammen. Das Ausstellungsprojekt dient vor allem dazu, aktuelle Strömungen und Veränderungen in Kunst und Gesellschaft widerzuspiegeln und Berliner Künstler_innen einen Präsentationsort für ihr künstlerisches Schaffen zu geben.“

Das klingt zunächst wie eine gute Idee, einen Ort der Nacht zu nutzen. Man kauft für 20 Euro ein Zeitfensterticket – für Oktober bereits ausgebucht – und wird in einer kleinen Gruppe von 16 Menschen durch die Hallen geführt. White Cube statt Darkroom? Nicht ganz: denn schön grau, düster und herrlich dunkel bleibt es im Inneren des monolithisch in der Stadtlandschaft liegenden Klotzes am Wriezener Bahnhof, nahe dem Ostbahnhof. Eben jener herrliche Industriecharme. „Morgen ist die Frage“, so ragt da ein Installationsplakat des Künstlers Rirkrit Tiravanija überm Eingang hoch am Mauerwerk unterm Dach. Wer auf den Eingang zusteuert, kann es nicht übersehen.

Schon der Weg dorthin durch die kleine Straße ist ein Ereignis für sich: neben heruntergekommenen, aber auch renovierten Plattenbauten liegen Brachen, teils mit Müll gefüllt, teils an den Zäunen zu den Brachen hin abgelegt: Matratzen, Tüten, Plastik, Kleidung, an der Straße parken die Autos, Kleingewerbe, Obdachlose, die auf dem Gehsteig campen und mir zunicken, als ich beinahe über ihre Schuhe stolpere, eine Unterkunft für Flüchtlinge, auf deren tristem Hof Flüchtlingskinder spielen, lachen und in einer fremden Sprache reden, und ein Gewerbegebiet mit Hellweg-Baumarkt in Standardbauweise und etwas weiter ab ein Metro-Markt, es stoßen Welten zusammen, die freilich eine Bezeichnung eint: Nicht-Orte, um es mit dem Ethnologen Marc Augé zu schreiben. Die Nebenstraße grenzt an die Straße der Pariser Kommune und geht man die ein paar Schritte weiter nach Norden, so gelangt man zum Franz-Mehring-Platz und dem Gebäude des Neuen Deutschlands, einer Bersarin-Gedenkplakette, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Karl-Dietz-Verlag, wo man in einer passablen Fassung neu wieder die alte MEW-Ausgabe erstehen kann, vor allem aber mit besserem Papier. Wenngleich das Umfeld nicht Thema einer Kunstkritik ist, gehört es gleichwohl fürs Betrachten und das Denken über das Betrachtete mit dazu, sozusagen als Überraschungspaket, das man, bei vorherigen oder nachträglichen Schlendern hinzu buchen kann. Es sei ein Rundgang hier unbedingt empfohlen, wenn Du, Wanderer, von außerhalb einreist, etwa von so wundervoll friedlichen Orten wie St. Eglitz.

Im Inneren des Berghains ist das Photographieren und jede Art von Bildaufzeichnung, wie auch sonst dort bei den Tanznächten, verboten. Man kann also die Objekte und Installationen fürs Familienalbum oder fürs Internet nicht ablichten. Das ist prinzipiell eine gute Idee, lebt doch einerseits der Ort selbst wie auch die Kunst von der Einmaligkeit einer Präsenz, eines Augenblicks, der nicht reproduzierbar ist, sondern einzig im Erinnern, Erzählen oder dem Schreiben darüber seinen Ort hat. Vor allem aber im Erleben selbst. Ein letzter Rest von Magie. Das Problem bei solcher Einmaligkeit des Augenblicks vor Kunst andererseits: für eine solche Intensität wäre ein gehöriges Maß an Zeit zum Verweilen nötig, auch einmal zehn Minuten vor einem Objekt zu stehen. Doch diese Zeit ist leider bei dieser geführten Rundtour nicht gegeben, denn die Führerin, die sich als Kunstvermittlerin vorstellte, drängt nach ihren Erläuterungen weiter. Wer die Kunst will und sich auf den Ort zudem noch einlassen möchte, muß dies im Sauseschritt der Zeit tun, und leider nicht einmal mit den Siebenmeilenstiefeln des Begriffs, sondern nur vermittels des Zeitfensters. Viel Zeit bleibt vor den Objekten nicht. Dazu später mehr.

Was gibt es zu sehen? Man kommt in den Eingangsbereich, dort im Wartebereich, bevor es in die Ausstellung geht, sieht man ein Bild von Norbert Bisky, es gehört, so vermute ich, zur Dauerausstellung. Da fliegt ein Mann durch den Raum, hoch oben gehängt, dass man den Kopf heben muß, zerstückelt der Mann, da auch das Gemälde fragmentiert, mithin auseinandergeschnitten ist – in satten, grellen und irgendwie auch wieder blassen Farben der DDR-Wandgemälde, so wie Bisky dies gerne malt: oft zarte oder muskelbepackte Jünglinge. Das sieht schön aus, das ist eine gute Idee für einen solchen Klub. Auch Teile sind da zu sehen, wie Weltraumschrott oder Raketen, die im Raum schwirren. Aber niemand der wartenden Besucher scheint so recht auf dieses Werk zu achten, es geht vielleicht als Deko unter, scheint mir aber, selbst als Nichtänzer und Nicht-in-Klubs-Geher, doch passend für den Ort, und zwar in dem Sinne, daß wir in einem Tanzklub uns zerstreuen, schweben und bersten: ein faszinierendes Bild, das aufs Kommende deutet und dem Besucher Versprechen macht – zumindest in effigie. Denn Tanzen tun ja nicht die Bilder, sondern nur wir selbst, wenn wir es wollen. Die entsprechenden Sätze zum Tanzen von Nietzsche und dem glatten Eis und von Marx und den Verhältnissen lasse ich beiseite. Es wäre dies, zu der Kunst, ein Extrastrang, wo wir Hedonismus, Räume, Räusche, Bewegung, Revolte und Denken in ein Gleiten bringen könnten. Irgendwo anders beim Eingang hängt noch ein Schriftzug „Love“. Warum auch immer.

Wenn die Besucher die erste Etappe der Ausstellung betreten, von der Führerin ins Reich der Kunst geleitet und mit Ansagen und Regeln versehen, dann stoßen wir Betrachter auf eine hoch und wieder hinunter und zu den Seiten und wieder nach oben schwingenden Boje. Ausladend und ein wenig gefährlich auch schwebt, schwingt und tanzt sie über den Besuchern. Es handelt sich um eine Installation Julius von Bismarcks. Die Boje ist per Funk und Sensor synchronisiert mit einer anderen, aber ähnlichen Boje, die irgendwo an der Atlantikküste verankert und vom Meer bewegt ist. So tanzt die eine Boje in ihrem Wasser-Element und die andere synchron dazu in einem luftigen Raum, in einem anderen Element. Ein schönes Bild zum Auftakt. Julius von Bismarck war Meisterschüler bei Olafur Eliasson am Institut für Raumexperimente der Universität der Künste und diesen Raum im Treppenhaus nun bespielt Bismarck. Man möchte seinen Blick gar nicht abwenden, weil ich mir gerade den Atlantik in der Bretagne vorstelle. Die Boje, so sagt die Führerin, kann Ausschläge von bis zu sechs Metern ausführen, aber alles sei mehrfach abgesichert. Gut daß Kunst keine Gefahr bereitet, denke ich mir. Aber was sollten auch die Versicherungen und die Veranstalter sagen und erst der Künstler, wenn ein Besucher von der Kunst erschlagen würde? Im Wortsinne und direkt ohne Metaphernumweg.

Allüberall im Berghain (bis auf den Darkroom), in der Panorama-Bar und ebenso in der Unisex-Toilette ist Kunst zu sehen: Cyprien Galliard hat auf dem Edelstahl der Klo-Verkleidung feine Gravuren angebracht und insofern mit dem bei seiner Tanz-Anwesenheit damals, als noch getanzt wurde, dort eh schon von ihm eingeritzten Botschaften nun eine kunstvolle Ritzung hinzugefügt, und zwar die Reproduktion eines Gemäldes en miniature, einen Ausschnitt aus Pieter Bruegels „Das Schlaraffenland“, in Englisch nett mehrdeutig betitelt „The Land of Cockaigne“. Irgendwo draußen dann Rosemarie Trockels aufblasbarer Penis ist nett, aber so originell nun auch wieder nicht, und so geht das leider bei einigen der Kunstwerke. Der Betrachter schaut und schlendert weiter. Von dem Photographen und Berghain-Türsteher Sven Marquard gibt es eine Video-Arbeit mit Blumen. Die würde ich mir gerne genauer ansehen, wie auch die Photographien der Schwarzen von einem anderen Künstler. Aber es geht schon wieder weiter zum nächsten Objekt.

Die Führerin erklärt, daß es den Machern vor allem darauf ankäme, Diversität in bezug auf Geschlecht und Herkunft zu zeigen und Werke von solchen Menschen auszustellen, die sonst nicht zu Wort kommen. Ich denke mir bei ihren Worten, dann müßte man wohl eher die Kunstgewerbesachen von Menschen, die liebevoll Zwerge bemalen, oder die Malerei der Arbeiter hier zeigen. Aber der Bitterfelder Weg ist vorbei. Leider, denke ich mir manchmal. Hier, so die Führerin vor einem Bild, wolle die Künstler_in eine nichtbinäre Sicht auf Sexualität zeigen und bleibt vor einem Bild stehen. Die binärsexuelle Gruppe nickt bedeutungsvoll. Ich habe hier eher den Eindruck, daß Parolen die Kunst ersetzt haben und ein Setting von Form- und Zugangsvorgaben an die Stelle der Qualität getreten ist. Malste queer, biste wer. Aber seiʼs drum: es paßt immerhin zum Ort und da der Ort diesen Anspruch vertritt, ist es zumindest konsequent – wobei man ja im Zeitalter des Quengelns als Kritik immer noch einen Zacken schärfer „Dekonstruieren“ und bekriteln kann, daß dies ja nur eine Maskerade sei usw. usw usf. Ein_e Hans_*In Moser findet sich immer. Jede Epoche hat ihre Macken, Parolen und ihr Marketing. Das wird sich ganz divers ändern, morgen die nächste Sau im Dorf. Auf dem Bild erkenne ich vom Diversen zwar nichts, aber wenn es die Führerin so sagt, wird es so sein. Hauptsache die Parole und die Einordnung stimmen.

Viele der Werke habe ich nach dem Rundgang wieder vergessen oder sie sind einfach nur banal. Sie blieben nicht haften. Das ganz und gar große Manko ist, daß man als Besucher gerade einmal 1 ½ Stunden Zeit hat. Im großen Heizkesselhaus etwa darf man sich nicht frei bewegen, sie habe das einmal versucht, so die Kunstvermittlerin, den Leuten 15 Minuten Freizeit zu lassen, aber das Experiment sei nach hinten losgegangen und die Leute waren nicht wiederzufinden – was schon aus dem Grunde nicht geht, weil zur selben Zeit mindestens vier andere Gruppen durch die Hallen geführt werden. Pflicht ist es also bei der Gruppe zu bleiben. Sich in ein Werk zu vertiefen, ist dabei ganz und gar unmöglich. Das Kollektiv oder genauer gesagt die Kunstvermittlerin gibt den Takt. Offene Kunst trifft auf ein rigides Zeitregime. Die Theorie-Heroen der sogenannten „Postmoderne“, die man in solchen Fällen von Diversität, Offenheit und rhizomartigem Verwobensein des Unterschiedlichen als Andersheit des Anderen, das leider doch auch irgendwie wieder in der Betonung des Unterschiedes dann gleich anmutet, gerne anruft, hätten bei der strengen Durchführung des Ganges durch Kunst ihre helle Kritikfreude. Von der Kontroll- zur Disziplinargesellschaft: alle in der Gruppe halten sich brav an die strengen Ansagen der Führerin – so auch ich. Lediglich ein deutlich älteres Ehepaar mit Wampe weicht ein paarmal ab, wird aber qua Kontrolle wieder zur Ordnung der Dinge gerufen und reiht sich ein. Seltsamer performativer Widerspruch: Der Offenheit der Kunst ist das Gehetztsein des Besuchers vorm Bild gegenübergestellt. Immerhin heißt es auf der Homepage des Veranstalters: „Wer sich die Ausstellung ohne einen/eine Kunstvermittler_in anschauen möchte, hat die Möglichkeit das Haus am Samstag und Sonntag zu besuchen.“ Das sollte man auch unbedingt tun, wenn man sich auf die Werke länger einlassen möchte.

Denn überhaupt, und das ist vielleicht der Sinn dieser Ausstellung und darin liegt das Interessante, erkunden wir hier einen besonderen Raum, von der Höhe der Haupthalle her eine Kathedrale fast, mit seinen Säulen und den Wänden in grauem Beton und den umgedrehten Trichtern an der Decke, die in den Raum ragen und wie riesige Saugvorrichtungen wirken. Und diese Raumbegehung und dabei sich von den Eindrücken treibenzulassen, wenn denn die Führerin nicht wäre, scheint mir das eigentliche Ziel. Eine Mischung aus Höhle, Hölle und Kathedrale. Und eben der Kunst dazu, so daß es ein Gleiten und Wandern der Blicke vom Ganzen zum Detail und wieder zu einzelnen Werken im Raum ist.

Vor allem aber kann man einen Ort begehen, der sonst nur schwer zugänglich ist, und da sind wir wieder bei der Raumkunst und bei Bismarcks Boje und auch bei einigen anderen Objekten, die bewußt den Raum bespielen, so etwa Jimmy Robert mit seinen auf Papier gebrachten menschlichen Körpern, die zerschnitten, zerknittert und auseinandergefaltet auf dem Boden auf zwei Podesten ausgebracht wurden: Tänzer, die nicht mehr tanzen, sondern dekonstruiert liegen, wenngleich man ihre wilden Bewegungen noch ahnen kann. Doch in der Weite des Saals verlieren sie sich. Der Raum und der Ort sind am Ende die eigentlichen Protagonisten und die Kunstwerke fügen sich in diesen Dark-Cube. Eine Art Festspielhaus mit Objekten, die man in Intensität aufsaugt oder liegenläßt.

Ein gutes Moment hat dieses Zeitregime aber: es zeigt sich darin, was einem von der Kunst noch im Gedächtnis haftet und was nicht, was in den Orkus durchrauscht und vergessen wird. Aber auch das ist identitätspolitisch insofern schlecht, weil auf diese Weise der Begrenzung durchs Erinnern das Bekannte und Genehme haften bleibt und das Neue, das Andere, das, was nicht sofort eingängig ist, im Vergessen untergeht. Als Idee aber ist dieses Kunst-im-Berghain-Ding gut. Die Verwertung jedoch und eben auch die Notwendigkeit, Geld einnehmen zu müssen, um diesen Ort weiter zu unterhalten, zwingen zum Zeit-Regime. Verständlich, aber als Besucher fühle ich mich gehetzt. Gerne hätte ich vor Wolfgang Tillmans Musik-Bilder-Loop verweilt: eine tranceartige Clubmusik spielt da kurz vorm Ausgang, ein wenig wehmütig, ein wenig traurig, klingt dieser Musikfluß; in seinem Gleiten und Rauschen korrespondiert dieser Abschied mit der Boje von Bismarck zum Anfang, ein wenig schwingt und schäumt die Musik wie ein Regensonntag and some of these days, dazu werden auf einem Bildschirm Photographien von Tillmans gezeigt, eine digitale Diashow sozusagen, ein Loop: auch Bilder vom Meer, von Objekten, von einer weißen Feinrippunterhose, von Ferne und Sehnsucht und all das schärft vielleicht das Bewußtsein dafür, daß schöne Dinge flüchtig sind. Vielleicht kein besonders originelles Kunstwerk, aber doch eines das zum Verweilen und Nachdenken einlädt – wenn man denn nicht die Kathedrale wieder verlassen müßte, weil sich ein Zeitfenster schließt. Katholische Kirchen sind da großzügiger. Aber die müssen sich eben auch nicht über Eintritt finanzieren.

Herbert Feuerstein ist tot

Und das ist eine sehr traurige Nachricht! Ich habe die Sendung „Schmidteinander“ sehr gemocht und ich schätzte ihn genauso solo. Ich mochte diesen so trockenen und schönen Humor: Manchmal beißend, aber nie fies. Klug, stichelnd, aber eigentlich niemals verletzend. Satire und viel Selbstironie: sich selbst und die Dinge, die Welt nicht immer ernst zu nehmen. Das ist zum Weinen traurig, von einem Helden Abschied zu nehmen, der nie ein Held, sondern ein brillanter Entertainer, Kabarettist und Satiriker sein wollte. Er gehörte mit der Mannschaft der alten Titanic (nicht diese Schnarchnasen von heute und die humorbefreite Zone Leo Fischer) zu meinen Lieblingen des harten, des politischen und des ebenso auch unpolitischen kalauernden, albernen und dabei doch meist klugen Witzes. Humor und Komödie sind am Ende die höchsten der Künste und es hat einen guten Grund, weshalb Hegels Ästhetik mit der Komödie endet. Tragödie kann im Grunde jeder spielen und sie begleitet uns beständig. Humor aber ist eine ungleich schwierigere Sache. Denn wir müssen ihn erfinden. Und das ist nicht leicht. Im Tragischen das Spiellerische, das Komische zu sehen. Beckett vermochte es und schrieb solche Stücke. Und Herbert Feuerstein brachte diese hohe Kunst, die so leicht aussieht, ins Fernsehen.

Und dieses unten verlinkte Video war eine unvergessene und herrliche Feier: eine wunderbare Schiffsfahrt zu Feuersteins 70. Geburtstag: „Herr Feuerstein wird 70, und Herr Schmidt bejubelt ihn“ (WDR 2007) Zum Glück habe ich diese Sendung mir damals für DVD aufgenommen. Dieses Spiel von ihm, leichte Hektik, ein Entertainer und Profi, und immer konnte er sich am Ende doch gegen den herrlich lauten Schmidt durchsetzen: mit Schalk, mit Witz, mit Frechheit und einer feinen, leisen ironischen Volte. Herrlich auch hier, wie sie sich gegenseitig die Bälle und die Pointen zuspielen!

„Ich komme wieder – wahrscheinlich, auch dann!“ So sagte es Feuerstein beim Winken zu den Fans und beim Ablegen des WDR-Schiffes in Köln zur Feier seines 70. Geburtstags. Nun ist Herbert Feuerstein mit 83 Jahren gestorben. Gute Reise nun und hinüber in jene andere Welt!

Der schöne 3. Oktober: Ihr habt den Farbfilm vergessen!

„Ich schätzte die Sowjetunion nicht wegen ihrer Nachteile, wie Planwirtschaft, Arbeitsplatzgarantie und festgeschriebener Einkommen, sondern wegen ihrer Vorzüge, wie Atomraketen, Panzerarmeen und riesiger Raketenkreuzer, die das einzige Mittel waren, den überbordenden Kapitalismus im Zaum zu halten und zu zivilisiertem Verhalten zu zwingen, aus reiner Angst“
(Hermann L. Gemliza zugeschriebenes Zitat)

Der Satz mag zynisch anmuten, ist aber angesichts einer sich ungehemmt zeigenden Wirtschaft, die den Primat gegenüber der Politik und der politischen Gestaltung des Wandels besaß, in seiner Polemik nicht ganz von der Hand zu weisen. Wenn man in Bischofferode das Kaliwerk dichtmacht, weil man lieber ein Werk im Westen erhalten will, wenn die Politik, getrieben teils von der Wirtschaft, teils in vorauseilendem Gehorsam, teils auch aus Unwissen heraus, Arbeit abwickelt und VEB fürderhin die Bedeutung „Vatis ehemaliger Betrieb“ besitzt, dann entsteht ein Leerraum. Und den haben unter anderem junge Menschen mit sehr kurzen Haaren und mit Springerstiefeln aufgefüllt. Die alte Autorität brach weg, die neue war nicht da oder zog nicht. Das interessante dabei: Der Westen hatte nicht nur das Führungspersonal für die Wirtschaft, die passenden Politiker und die Dekane und Professoren für die Universitäten 1990 ins Beitrittsgebiet mitgebracht, sondern auch gleich noch die Nazis: Michael Kühnen, Holger Apfel, Udo Pastörs, Andreas Kalbitz, Björn Höcke und ebenso rechstkonservative Kader wie Alexander Gauland, Martin Reichardt, Götz Kubitschek und Ellen Kositza.

Aber ich will es gar nicht polemisch halten. Auch soll an diesem Jahrestag ein Jubelgedicht gegeben werden:

Der Wessi grüßt die Ossa:
Zur Wiedervereinigung ein Hossa!
Wir nahm’n Euch zwar die Betriebe weg
Doch war es für den Freiheitszweck

Wir schenkten euch die Treuhand,
Ohne großen Aufwand.
Zum Lohn bekamen wir Klagen
Und unverschämte Fragen.

Zwar sind eure Renten miese,
Ihr freut euch nicht, das ist fiese.
Denn Freiheit ist nun Euer Lohn
Und eben auch manch Wessi-Hohn.

An keiner Uni, in keinem Betrieb
Als Führungskraft von euch einer blieb.
Doch nehmt uns das nicht krumm
Und bleibt auch weiter stumm.

Da sprach die Ossa zum Wesser
Das nächst Mal klappt’s besser.

Wie dem auch sei: ein Staat, der seine Bürger einmauern muß, hat am Ende kein Recht auf Existenz. Und so fegt ihn die Geschichte hinweg.

Wer in der Belletristik ein wenig über jene Zeit des Umbruchs lesen will, findet eine Menge Bücher: ich empfehle immer wieder aufs neue von Clemens Meyer „Als wir träumten“ (2006) und gerade kürzlich erschienen von Lutz Seiler „Stern 111“, wo es einerseits um die wilden Jahre der Mitte- und Prenzlauer-Berg-Szene geht und um zwei geniale und bisher immer stumme Eltern, die gleich nach der Öffnung der Mauer in den Westen gehen und dort ihr Glück suchen und finden. Wie schon „Kruso“ ist auch „Stern 111“ ein hervorragender und vor allem schöner Roman, der einen Blick auf jene wilden Jahre in Berlin öffnet, poetisch, verspielt, aber doch realistisch genug, um zu sehen, daß die meisten Träume von Freiheit situativ und flüchtig sind, und es ist eben auch ein Bildungsroman: wie aus einem ziemlichen Schluff ein Dichter, ein Autor, ein Schriftsteller wurde. (Rezension folgt auf diesem Blog – hoffentlich)

Und heute zum Tag der Deutschen Einheit gibt es Pflaumenkuchen mit Schlagsahne. Und abends Riesling aus dem Elsaß. Warum gerade aus dem Elsaß? Na, weil ich gerne deutsche Weine trinke. Als ich 2011 das Elsaß bereiste, merkte ich zum ersten Mal in Frankreich,  daß ich gar nicht wirklich in Frankreich war, und irgendwie dann doch wieder. Das begann damit, daß wir uns in dem Ort Oberehnheim (französisch ausgesprochen Obernai) in einem Restaurant etwas zu essen bestellten, und ich dachte, es ist sicherlich höflich, die Bestellung in Französisch zu tätigen, denn schließlich spreche ich die Sprache: „Jö wudröh, äh, si vu pläh, ün tart dü öhhmm …“ Nein, eine Tarte du Öhm hatten sie nicht, aber es kam dann beherzt aus dem elsässer Kellnerinnenmund „Sie wollen also einen Flammkuchen mit Speck?“, so kürzte sie das Bestellen ab. Und ab da wußte ich: das Elsaß bleibt deutsch. Gemeinsam mit der französischen Kellnerin hoben wir die Gläser, sangen erst die Wacht am Rhein und dann die Martzeläs ab und waren europäisch-vergnügt.

Hier zudem einige Photographien aus dem Osten bzw. der Mitte von Berlin (2008 und 2009). Bei den Bildern außerhalb von Berlin handelt es sich um den Osten Brandenburgs, nämlich beim Schlaubetal, ansonsten Usedom, Halle, Burg Kriebstein, Rochlitz, Grimma.

Walter Benjamin – 26. September 1940, Spanien, Port Bou

„daß ich unterm Saturn zur Welt kam – dem Planeten der langsamen Umdrehung, dem Gestirn des Zögerns und Verspätens …“ (Benjamin, Agesilaus Santander)

„In einer aussichtslosen Lage habe ich keine andere Wahl als Schluß zu machen. In einem kleinen Dorf der Pyrenäen, in dem mich niemand kennt, wird mein Leben sich vollenden. Ich bitte Sie, meine Gedanken meinem Freunde Adorno mitzuteilen, ihm die Lage, in die ich mich versetzt sehe, zu erklären. Es bleibt mir nicht genügend Zeit, all die Briefe zu schreiben, die ich gerne geschrieben hätte.“ (Benjamin, Gesammelte Briefe VI, S. 483)

Eine philosophische Sichtung, eine Kritik oder ein Kommentar zur Philosophie Walter Benjamins, die nicht fragmentarisch ausfallen will und die das Ganze seines Werkes zum Inhalt hat und nicht – je nach Gusto – lediglich einzelne Aspekte wie die Aura und die neue Kunst, die veränderten Weisen der Kunstwahrnehmung, die Magie der Sprache, den Erfahrungsverlust, das Übersetzen, das Mystische sowie das Messianische, den Akt der Namensgebung, die Möglichkeiten der neuen Medien oder das Materialistische hervorhebt, weitete sich zu einem unendlichen Buch aus, türmte Bezug auf Bezug. Benjamins Text und damit sein Denken sind vielfältig. Vielleicht gar ergäbe sich ein kabbalistischer oder ein literarischer Text eines unendlichen Zusammenhangs und zugleich einer der Verzögerungen und Brüche und der Aufschübe: Solches Buch müßte die zeit- und geistesgeschichtlichen Strömungen der ausklingenden Kaiserzeit, der Weimarer Republik, das Judentum sowie das Paris der Volksfront und das der Besatzung durch die Deutschen samt den Europäischen Migrationsbewegungen aufgreifen und sozialgeschichtlich wie auch philosophisch darstellen, um diese Aspekte dann in Bezug zu Benjamins heterogenem Werk bringen; ein sicherlich nicht uninteressantes, jedoch mühevolles Unterfangen – als Buchprojekt reizvoll.

Man könnte dieses Buch an einer beliebigen Stelle aufschlagen und darin lesen. So hatte ich es mir einmal gedacht. Aber solche systematische Nicht-Systematik ist kompositorisch schwierig durchführbar, zumal im Augenblick andere Arbeiten anstehen. Wie dem auch sei: in Benjamins Werk laufen zahlreiche Stränge zusammen, verbinden sich, gehen dann wieder auseinander und verwinden sich ineinander. Benjamin war in der Weimarer Republik Essayist und Literaturkritiker, er schreib zur Radiotheorie, dem neuen Medium seiner Zeit, er war ein Philosoph, den sowohl materialistische wie auch metaphysischen bzw. theologische Fragen umtrieben. Was diese Verbindung von Materialismus und Theologie betrifft, dürfte insbesondere jene letzte Arbeit von ihm bekannt sein, die unter dem Titel „Über den Begriff der Geschichte“ veröffentlicht. Darin heißt es gleich zur Einleitung in der ersten geschichtsphilosophischen These in bezug auf das Verhältnis von Theologie und Materialismus:

„Bekanntlich soll es einen Automaten gegeben haben, der so konstruiert gewesen sei, daß er jeden Zug eines Schachspielers mit einem Gegenzuge erwidert habe, der ihm den Gewinn der Partie sicherte. Eine Puppe in türkischer Tracht, eine Wasserpfeife im Munde, saß vor dem Brett, das auf einem geräumigen Tisch aufruhte. Durch ein System von Spiegeln wurde die Illusion erweckt, dieser Tisch sei von allen Seiten durchsichtig. In Wahrheit saß ein buckliger Zwerg darin, der ein Meister im Schachspiel war und die Hand der Puppe· an Schnüren lenkte. Zu dieser Apparatur kann man sich ein Gegenstück in der Philosophie vorstellen. Gewinnen soll immer die Puppe, die man ‚historischen Materialismus‘ nennt. Sie kann es ohne weiteres mit jedem aufnehmen, wenn sie die Theologie in ihren Dienst nimmt, die heute bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen.“

Ein herrlicher Illusionsaufbau und zugleich ein wunderbarer Zaubertrick. Denn der wahre Materialismus ist eben der höchst lebendige Zwerg.

Dicht und verflochten gebaut ist das Werk dieses außerordentlichen Philosophen, als daß man es referieren könnte: man sollte es lesen; und ein solcher Essay kann allenfalls Lust aufs Lesen machen oder aber zeigen, weshalb es noch heute sinnvoll ist, Benjamin zu lesen. Erst dieser Tage ist im Suhrkamp Verlag eine umfangreiche Biographie  von Howard Eiland und Michael W. Jennings erschienen: „Walter Benjamin – Eine Biographie“ so der lakonische Titel.

Von der äußersten Theorie – in der „Eiswüste der Abstraktion“, wie es Benjamin nannte oder an anderer Stelle auch, daß die Philosophie eine Zuhältersprache sei, was ich ein schönes Bild finde: Philosophie ist eine Sprache, die man sprechen muß und in die man hineinwachsen muß, sonst versteht man sie nicht – bis hin zu den politischen Motiven und den eingreifenden, rettenden Momenten, die insbesondere in seinen späteren Schriften dem Historischen Materialismus eine ganz neue Gestalt gaben, reicht die Facette seines Denkens. Ebenso aber Beobachtungen und Aphorismen (etwa die zu bestimmten Orten wie Neapel oder Marseille, und ebenso ein Blick auf die Zeit seiner Kindheit in Berlin um 1900), Reisebilder, Denkbilder – Illuminationen eben: da, wo mal ein grelles, dann wieder ein sanftes und verzauberndes Licht auf die Dinge fällt und Räume beleuchtet. Erhellungen. Bei solcher Sichtung fallen derart viele Aspekte an, die kaum noch in eins zu bringen sind. Das Lesen in seinen Texten lädt zum Assozziiren ein – was nicht heißt, daß seine Text assoziativ wären. Sondern vielmehr schichten sie verschiedene Ebenen. Insofern auch das Plädoyer für ein Denken in Fragmenten.

Sein letztes großes Werk zum Paris des 19. Jahrhunderts, das Passagen-Werk, ist dann auch – Tücke der tragischen Biographie – Fragment geblieben und wurde von George Bataille in der Nationalbibliothek versteckt. Gernot Böhme schildert es in seinem Buch „Ästhetischer Kapitalismus“ in einer luziden  Weise, die es auf den Punkt bringt:

„Durch die Laterna magica der Passagen sieht er die Ware tanzen im prächtigen Kleid, tanzen auf der Bühne der Devanturen. In den Passagen waren sie schon, was sie werden sollten: Bestandteil der Bühne selbst, auf der das Leben spielt. Ihr Gebrauchswert schon dort, was er durch die Entfaltung des Kapitalismus sein würde: ihr ästhetischer Werk, ihr Wert in der Inszenierung, ihr Beitrag zur Ausstattung des Lebens, zu dessen Steigerung.

Passagen: Allegorie der ästhetischen Ökonomie, das Passagen-Werk ein Proönimum des 20. Jahrhunderts.“

Im Grunde setzte Benjamin hier fort, was er in seiner wunderschönen, traurigen, melancholischen und bezaubernden  autobiographischen Schrift „Berliner Kindheit um neunzehnhundert“ begonnen hatte: das sozialgeschichtliche, aber auch lebensweltliche Interieur einer Großstadt und einer vergangenen Welt aufscheinen zu lassen – eine Welt, die eben doch noch die seine war und bis heute, wenn auch mit erheblich mehr Abstand, immer noch die unsere ist, zu verstehen und nicht einfach untergehen zu lassen, sondern zu zeigen, wie darin bereits das enthalten ist, was uns bis heute hin bestimmt und unsere Strukturen erzeugt. Jean-Michel Palmier schreibt in seiner monumentalen Studie zu Benjamin:

„Die Kindheitserinnerungen verwandeln sich in Symbole, Allegorien, Glücksversprechen, die das Leben nicht erfüllt hat, ganz wie die beschädigten Spielsachen Zeugen der Trauer um eine stumme und verschüttete Welt sind. Jedes Ding läßt in seiner Textur die Tiefe einer historischen Erfahrung durchscheinen, die der Rettung bedarf.“

Jenes Motiv der Rettung ist dabei zentral. Benjamin schließt sein Buch „Goethes Wahlverwandtschaften“ mit diesen Satz: „Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns Hoffnung gegeben.“ Man kann dies mit jenem Satz Kafkas zusammenbringen, daß es unendlich viel Hoffnung gebe. Nur eben nicht für uns. Und leider traf eben genau das auf die traurige Vita von Benjamin zu, der sich – so kann man mutmaßen – in der Nacht vom 26. September auf den 27. auf der Flucht nach Spanien und von dort weiter nach Lissabon, das Leben nahm.

Ich möchte in diesem Text keinen Abriß zu Benjamins Leben und seinem Werk liefern. Wer etwas darüber erfahren will, der sei auf die sehr gute Rowohlt-Monographie von Bernd Witte verweisen. Auch der Artikel bei Wikipedia ist brauchbar. Er enthält zudem einige gute Verweise auf Sekundärliteratur. Und vor allem die oben genannte und kürzlich erschienene Biographie von Howard Eiland und Michael W. Jennings.

Kein Text aber vermag Benjamin mehr Ehre zu erweisen als sein eigener. Deshalb stelle ich hier einige Zitate zusammen.

„Ich aber bin entstellt vor Ähnlichkeit mit allem, was hier um mich ist. Ich hauste so wie ein Weichtier in der Muschel haust im neunzehnten Jahrhundert, das nun hohl wie eine leere Muschel vor mir liegt. Ich halte sie ans Ohr“ (Berliner Kindheit um Neunzehnhundert)

„Unter den Karyatiden und Atlanten, den Putten und Pomonen aber, die mich damals angesehen hatten, waren mir nun die liebsten jene angestaubten aus dem Geschlecht der Schwellenkundigen, die den Schritt ins Dasein oder in ein Haus behüten. Denn sie verstanden sich aufs Warten. Und so war es ihnen eins, ob sie auf einen Fremden warteten, die Wiederkehr der alten Götter oder auf das Kind, das sich vor dreißig Jahren mit der Mappe an ihrem Fuß vorbeigeschoben hat. In ihrem Zeichen wurde der alte Westen zum antiken, aus dem die westlichen Winde den Schiffern kommen, die ihren Kahn mit den Äpfeln der Hesperiden langsam den Landwehrkanal heraufflößen, um be der Brücke des Herakles anzulegen. Und wieder hatten, wie in meiner Kindheit, die Hydra und der Nemeische Löwe Platz in der Wildnis um den Großen Stern.“ (Berliner Kindheit um Neunzehnhundert)

„Wahrheit tritt nie in eine Relation und insbesondere in keine intentionale. Der Gegenstand der Erkenntnis als ein in der Begriffsintention bestimmter ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist ein aus Ideen gebildetes intentionsloses Sein. Das ihr gemäße Verhalten ist demnach nicht ein Meinen im Erkennen, sondern ein in sie Eingehen und Verschwinden. Die Wahrheit ist der Tod der Intention.“ (Ursprung des deutschen Trauerspiels)

„Es ist das Einmalige der Dichtung von Baudelaire, daß die Bilder des Weibs und des Todes sich in einem dritten durchdringen, dem von Paris. Das Paris seiner Gedichte ist eine versunkene Stadt und mehr unterseeisch als unterirdisch. Die chthonischen Elemente der Stadt – ihre topographischen Formationen, das alte verlassene Bett der Seine – haben wohl einen Abdruck bei ihm gefunden. Entscheidend jedoch ist bei Baudelaire in der ‚totenhaften Idyllik‘ der Stadt ein gesellschaftliches Substrat, ein modernes. Das Moderne ist ein Hauptakzent seiner Dichtung. Als spleen zerspellt er das Ideal (‚Spleen et Ideal‘). Aber immer zitiert gerade die Moderne die Urgeschichte. Hier geschieht das durch die Zweideutigkeit, die den gesellschaftlichen Verhältnissen und Erzeugnissen dieser Epoche eignet. Zweideutigkeit ist die bildliche Erscheinung der Dialektik, das Gesetz der Dialektik im Stillstand. Dieser Stillstand ist die Utopie und das dialektische Bild also Traumbild. Ein solches Bild stellt die Ware schlechthin: als Fetisch. Ein solches Bild stellen die Passagen, die sowohl Haus sind wie Straße. Ein solches Bild stellt die Hure, die Verkäuferin und Ware in einem ist.“ (Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts)

„Im Flaneuer begibt sich die Intelligenz auf den Markt. Wie sie meint, um ihn anzusehen und in Wahrheit doch schon, um einen Käufer zu finden. In diesem Zwischenstadium, in dem sie noch Mäzene hat, aber schon beginnt, mit dem Markt sich vertraut zu machen, erscheint sie als bohème. Der Unentschiedenheit ihrer ökonomischen Stellung entspricht die Unentschiedenheit ihrer politischen Funktion. Diese kommt am sinnfälligsten bei den Berufsverschwörern zum Ausdruck, die durchweg der bohème angehören. Ihr anfängliches Arbeitsfeld ist die Armee, später wird es das Kleinbürgertum, gelegentlich das Proletariat. Doch sieht diese Schicht ihre Gegner in den eigentlichen Führern des letzteren. Das kommunistische Manifest macht ihrem politischen Dasein ein Ende. Baudelaires Dichtung zieht ihre Kraft aus dem rebellischen Pathos dieser Schicht. Er schlägt sich auf die Seite der Assozialen. Seine einzige Geschlechtsgemeinschaft realisierte er mit einer Hure.“ (Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts)

„Die Phantasieschöpfung bereitet sich vor, als Werbegraphik praktisch zu werden. Die Dichtung unterwirft sich im Feuilleton der Montage. Alle diese Produkte sind im Begriff, sich als Ware auf den Markt zu begeben. Aber sie zögern noch auf der Schwelle. Dieser Epoche entstammen die Passagen und Interieurs, die Ausstellungshallen und Panoramen. Sie sind Rückstände einer Traumwelt. Die Verwertung der Traumelemente beim Erwachen ist der Schullfall des dialektischen Denkens. Daher ist das dialektische Denken das Organ des geschichtlichen Aufwachens. Jede Epoche träumt ja nicht nur die nächste sondern träumend drängt sie auf das Erwachen hin. Sie trägt ihr Ende in sich und entfaltet es – wie schon Hegel erkannt hat – mit List. Mit der Erschütterung der Warenwirtschaft beginnen wir, die Monumente der Bourgeoisie als Ruinen zu erkennen noch ehe sie zerfallen sind.“ (Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts)

„Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ‚so weiter‘ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende sondern das jeweils Gegebene. So Strindberg – in ‚Nach Damaskus‘? –: die Hölle ist nichts, was uns bevorstünde – sondern dieses Leben hier.“ (Passagenwerk)

„Das dialektische Bild ist ein aufblitzendes. So, als ein im Jetzt der Erkennbarkeit aufblitzendes Bild, ist das Gewesene festzuhalten. Die Rettung, die dergestalt – und nur dergestalt – vollzogen wird, läßt immer nur an dem, im nächsten Augenblick schon unrettbar verlornen (sich) vollziehen. (…)

Dialektiker sein heißt den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst, sie zu setzen zu können, ist das Entscheidende.“ (Passagenwerk)

„Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“ (Notizen zu den Geschichtsphilosophischen Thesen)

Ich schreibe diesen Text in Verehrung für einen der bedeutendsten und vor allem vielschichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Ich danke ihm, auch für alle diese dunklen, „wolkigen Stellen“, für die Rätselschriften, die Umschriften, welche mich ein Studium lang und darüber hinaus begleiteten und die immer noch wirken.

„Auf meinen Knien Geheim in diesem Tanzlokal
Im Kopf die Wirrkopfmelodien
Zum hundertsten Mal
Von Walter Benjamin
Das ist nicht normal!
Und Du bist mein Ruin.“

So sang es in den frühen 1980ern F.S.K. Und ich kenne das aus dem Studium gut, dachte damals, Walter Benjamin sollte man nur zusammen mit jener einen schönen blonden Frau lesen. Kann aber auch zur Einbahnstraße geraten. So als Tip. Heute ist man weiter.

Heute vor achtzig Jahren nahm sich der Philosoph, Essayist, Übersetzer, Literaturkritiker, Flüchtling, Migrant, einer von vielen in einer unendlichen Kette, die bis in die Gegenwart reicht, Walter Benjamin in Port Bou das Leben, indem er sich eine Überdosis Morphium injizierte.

Sich das Leben nehmen: der Punkt an dem sich das Leben vollendet; an dem jede Dialektik aussetzt bzw. zu einer negativen wird. Der Tod als die Grenze, von der aus Wahrheit zu gewinnen wäre. Doch dieser Ort ist erfahrungslos – so steht zumindest zu vermuten: es sei denn, man glaubt an jenen kleinen und buckeligen Zwerg.

Landschaftspark Duisburg-Nord – Duisburg (2)

„Was in der Wissenschaft ungesagt bleiben muß, ist die Gegenwart der ‚ganzen Natur‘ als der Himmel und die Erde, die zum Erdenleben des Menschen als seine sinnlich anschauliche Naturwelt gehören. Daher hat Carus die Landschaftskunst ‚Erdlebenbildkunst‘ genannt. Landschaft ist die ganze Natur, sofern sie als ‚ptolemeische‘ Welt zum Dasein des Menschen gehört. Sie bedarf da der ästhetischen Aussage und Darstellung, wo die ‚kopernikanische‘ Natur diese nicht in sich begreift und außer sich hat. Wo der Himmel und die Erde des menschlichen Daseins nicht mehr in der Wissenschaft wie auf dem Boden der alten Welt im Begriff der Philosophie gewußt und gesagt werden, übernehmen es Dichtung und Kunst, sie ästhetisch als Landschaft zu vermitteln.“ (Joachim Ritter, Landschaft)

Was ist Landschaft? Diese Frage stellt sich nicht nur, wenn man Natur und das darin für uns enthaltende Naturschöne oder einfach nur die Natur in unserer Wahrnehmung sich betrachtet, sondern ebenso an Orten, wo Gesellschaft und Zivilisation ihre Spuren hinterließen und in die Natur hineinragen oder aber mit ihr interagieren. So etwa, wenn man sich den Landschaftspark Duisburg-Nord betrachtet, den ich jedem, der ins Ruhrgebiet reist, unbedingt empfehlen kann. Landschaft ist nicht einfach nur Natur: Wälder, Bäche, Wiesen, Berge, Meer. Das sehen wir insbesondere in der Landschaftsmalerei eines Carl Blechen, wenn da ins Gebirge über den reißenden Fluß eine Brücke gebaut wird oder aber ein Walzwerk mit rauchendem Schlot in die Natur ragt: da steht plötzlich  inmitten der vermeintlich schönen Natur etwas Fremdes. Die Industrialisierung hält Einzug in die Malerei. Das Sägewerk in der vermeintlich romantischen, unberührten Landschaft weist darauf, daß diese Landschaft schon lange eine Kulturlandschaft ist, die von Menschen benutzt wird.

Beim Landschaftspark Duisburg-Nord handelt es sich ganz explizit um eine solche Kulturlandschaft, genauer gesagt um eine Industrielandschaft: Die Landschaft einer untergegangenen Kultur, der Welt der Arbeit einst, Kohle und Stahl, nun begehbar für jeden, teils mit Aussichtspunkten in die Weite des Umlandes, von den Hochöfen aus; und dazu erobert sich die von dort verdrängte Natur immer mehr Raum, wächst in die Welt der Arbeit. Und auch vermittels menschlicher Eingriffe als Projekt einer Renaturierung. Die Emscher etwa, ein noch in den 1980er Jahren entsetzlich dreckiger Fluß, für den eher der Name Brühe als Bezeichnung taugt, ist weitgehend sauber. Selbst der sagenhafte Emscher Neck wurde wieder gesichtet – so sagt man. Im Landschaftspark Duisburg-Nord korrespondieren auf eine spannende und gut in die Inszenierung gebrachte Weise alte Industrie, die als Funktionsträger ihre Zeit hinter sich hat bzw. nun eine neue Funktion besitzt, nämlich als Kulturlandschaft, und neue Natur, die wiederum zu betriebsamer Freizeit einlädt. Und es zeigen solche Orte auch, wie kurz doch eine bestimmte historische Epoche sein kann. Das Zeitalter dieser Hochindustrialisierung dauerte keine 150 Jahre. Nun kann man es besichtigen.

Die Gesetze der Welt Oder zur politischen Literatur

Der Dichter, einem Schwanze verglichen

Er wird die Gesetze
Der Welt nicht sprengen.
Erst muß er stehn,
Dann muß er hängen.
(Peter Hacks, Hundert Gedichte, No 90)

Kurz, knapp und lakonisch schildert uns Peter Hacks hier das politische und gesellschaftliche Wirken des Dichters – man muß freilich dazu sagen: es ist der Mann. Bei einer Dichterin funktioniert das Gedicht – List des Dichters – nicht. Man könnte hier, in einer Art Gegenoptik – und sicherlich nicht im Sinne Hacks‘, der für Nietzsche nicht allzuviel übrig hatte – dessen Gedanken zur Wahrheit als Weib, das Grund hat, ihre Gründe nicht sehen zu lassen, anführen. Männliches Dichten und weibliches Philosophieren.

„Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib, das Gründe hat, ihre Gründe nicht sehen zu lassen? Vielleicht ist ihr Name, griechisch zu reden, Baubo?… Oh diese Griechen! Sie verstanden sich darauf, zu leben: dazu tut not, tapfer bei der Oberfläche, der Falte, der Haut stehenzubleiben, den Schein anzubeten, an Formen, an Töne, an Worte, an den ganzen Olymp des Scheins zu glauben! Diese Griechen waren oberflächlich – aus Tiefe!“ (Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft)
Die Macht des Scheins, der zugleich Wahrheit ist – denn das Wesen muß erscheinen, damit es wesentlich wird – liegt insbesondere in der Dichtung, in der Kunst, die Schein ist und es dann eben doch nicht sein will. Zumindest will sie nicht durchschaut werden. Und sie ist kein Belehrbär, der mit dem Holzhammer die Politik macht. Identitäres Theater wie in Berlin im Gorki Theater, wenn man hier Simon Strauß folgt. Das Gegenteil von Dichtung und nicht einmal Kunst. Sag mir, wo Du stehst. Kunst als Haltung. Peter Hacks sprengt solches Identitätstheater mit seinem lakonischen Witz.

Duisburg – Ruhrgebiet. Photoserie (1)

Die Freundin, mit der ich im Sommer 2010 das Ruhrgebiet bereiste, hatte sich den Fuß verstaucht, so daß sie kaum gehen und gerade einmal humpeln und damit auch nicht mit mir spazieren konnte. Mir war es gar nicht unrecht: denn sie mochte es nicht, wenn ich auf unseren Touren und den Ausflügen in Industrie, Landschaft und Stadt dauernd am Photographieren und am Lungern auf Motive war. „Kannst Du nicht einen Tag mal ohne Kamera und einfach nur genießen und frei schauen?“ Aber ich bin ein Zwangscharakter. Also ging es darum Möglichkeiten zu finden, sie für einen Tag loszuwerden. Und aus diesem Grunde und zwecks Erzeugung eines möglichen Nicht-gehen-Könnens, eines eminenten Unvermögens also, das mir zugute kommen sollte, sei es auch nur für einen Tag, hatte ich sie unbemerkt die schmale Treppe hinuntergestoßen. Auf diese Weise durfte ich insofern und mittels verborgener Maßnahmen, die dem alten Vogel Blaubart zur Verfügung stehen, einen Tag alleine ein wenig von der schönen Stadt Essen aus, wo wir wohnten und stützpunktmäßig unsere Exkursionen im Ruhrgebiet taten, einen Ausflug unternehmen. Obwohl, nein ich nenne sie lieber die interessante Stadt Essen und nicht die schöne Stadt Essen, denn schön ist Essen nicht, schön ist die preußische Säulenordnung und das Schinkelcasino im Schloßpark Glienicke in Berlin an der Havel, wo ich einst in die Abendsonne hinein mit einer geliebten Frau picknickte, im Park, verbotenerweise, die Wiese ist tabu, von dort aber gibt es eine herrliche Aussicht auf die Architektur und durch die antikisierte Pergola hindurch der Blick auf den Jungfernsee, mit Dämmer und dem Sonnenuntergang. „Zum Abend“ wollte ich erst schreiben und so den Satz ausklingen lassen, um eine poetische Assonanz zu erzeugen, bis mir beim Schreiben des Buchstabens „e“ einfiel, daß Sonnenuntergänge meist abends und selten morgens stattfinden:

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Und davor heißt es treffend-schön bei Heine:

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Und an dieser Stelle dichtete er aus gutem Grunde nicht: „Das Fräulein stand abends am Meere“. (Hoffen wir nur daß die Negerwortschnüffler vom Wörthersee nicht das Fräulein irgendwann umschreiben wollen.)

Solches Untergehen kann einer freilich auch in Essen-Baldeney oder in Kettwig haben. Aber eben nicht mit preußischer Säulenordnung und nicht so schön wie in einer italienischen Landschaft. Dennoch: Sonne hinter Schloten. Es herrscht im Ruhrpott eine ganz besondere Atmosphäre, und vor allem gibt es dort  herrliche Natur und nicht bloß die Kohlereviere und die Stahlkocher. Aber eben auch: „Milch und Kohle“, wie Ralf Rothmann einen unbedingt zu lesenden Roman betitelte, darin es um eine Kindheit im Ruhrgebiet und auch um die Gastarbeiter geht.

Aber weshalb Duisburg? Weshalb alte Bilder zeigen? Weil seit vorletzter Woche, unverpaßbar, peu à peu alle Schimanski/Thanner-Tatorte beim WDR wiederholt werden. Angefangen mit dem ersten Schimanski-Tatort „Duisburg Ruhrort“ (allerdings bei der ARD), den ich damals 1981 vom Titel her bereits als verheißungsvoll empfand. Als junger Mann aus Hamburg, mit gerade mal 16 Jahren. Dann diese Woche am Dienstag  Schimanski und Thanner beim WDR: „Grenzgänger“. Darin auch das herrliche Café Dobbelstein vorkam.

Diese Tatort-Wiederholungen will man nicht verpassen – allein wegen des schönen Porsche da im Bild auf der Homepage nicht. (Weshalb er allerdings orange ist, verstehe ich nicht. Im Film war er rot – ein schönes und sattes Rot, wie man heute leider keinen Porsche 911 mehr sieht – aber das mag am Lichtfall liegen.) Ob das Objekt im Hintergrund des Szenenphotos das ist, was heute der Landschaftspark Duisburg-Nord genannt wird und wo man die alte Industrie, aber eben auch die Natur – und insofern ist die Bezeichnung der Landschaft gerechtfertigt – auf eine herrliche Weise begehen kann? Einer meiner spannendsten Ausflüge auf meiner Ruhrgebietsreise: die Fahrt nach Duisburg. Allein. Und dazu noch eine Hafenrundfahrt und ein Besuch im Café Dobbelstein. Aber das war dann am zweiten Tag und mit Begleitung.

Vom alten Ruhrgebiet war im Jahr 2010 nicht viel mehr zu sehen. Zeitenwende und Strukturwandel. Die Zeche Zollverein: Weltkulturerbe und ein dazu lehrreiches Museum und dem Blick in die Welt einer harten Arbeit: geschönt heute durchs Museale. Allenfalls Photographien oder die Oral History oder eine Geschichtsschreibung von unten können Einblicke verschaffen. Doch die von oben ist genauso spannend, man kann dann beides miteinander wirken lassen.

Doch immer noch gab es Verfall an vielen Ecken. Duisburg-Marxloh haben wir nicht bereist. Es sollten ja auf unsere Weise dennoch nicht nur die interessanten, sondern auch die nicht ganz häßlichen Ecken entdeckt werden. Und ein Jahresurlaub ist  keine Reporter-Reise. Meine erste Strecke, im Rahmen der Schimanski-Gedächtnistage führt nach Duisburg-Ruhrort. Und die letzten drei Bilder des ersten Teils der Serie zeigen Bereits Szenen aus dem Landschaftspark Duisburg-Nord.

Herbstzeit, Bücherzeit – die Photochallenge (2)

In den sozialen Medien gibt es das Spiel der literarischen Challenge: Man nominiert jemanden, den man mag oder auf den man neugierig ist – eine schöne Form des Interesses, weil diskret. Der Erwählte darf eine Woche lang jeden Tag ein Buch, eine LP oder einen Film postet, die dem Nominierten etwas bedeuten. Ich mache es anders.  Ich erwählte mich für diesen Blog selbst. Frei nach Thomas Mann: Der Selbsterwählte. Ich werde zudem, wie es bei Büchern meist üblich ist, keine Belletristik oder Lyrik nehmen und auch keine Sachbücher, sondern ich zeige sieben Bücher, die sich in irgendeiner Weise mit Photographie beschäftigen und die mich prägten und faszinierten – seien das Bildbände oder aber Theoriebücher. Dies aber nicht stur sieben Tage hintereinander, sondern in loser Folge. Und ich schreibe zu den Bildern ein paar Zeilen – also nicht einfach nur wird bezugslos die Photographie eines Buches gepostet. Ansonsten habe ich die Kolumne von der Sommerzeit nun in die Herbstzeit umbenannt, da es draußen doch recht ungemütlich zugeht.

Heute sei einer meiner ersten Bildbände vorgestellt, und zwar von Helmut Newton der Bildband „Welt ohne Männer“ erschienen 1984 und in einer Neuauflage mit anderem Titelbild dann 1993 noch einmal herausgebracht, weil sich der Verlag Schirmer Mosel (und womöglich der Autor auch) wohl dachte, daß Pelz und Bär an der Leine vielleicht nicht mehr so gut ankommen. Das Buch von 1984 ist seiner Frau June gewidmet.

Wer aus Hamburg ist, wird sich vielleicht noch an die Internationalen Buchhandlung in der Johnsallee erinnern. Sie liegt nahe der Universität, und ich fuhr schon als Schüler gerne in dieses Viertel, um zu stöbern und zu sehen. Es gab dort linke Bücher, vor allem DDR-Sozialismus, Lehrbücher zum Historischen und zum Dialektischen Materialismus, und kurz nach der Wiedervereinigung gab es die Buchhandlung dan nicht mehr. Was für Koinzidenzen im Leben doch existieren!

Mit einem Freund ging ich Anfang, Mitte der 1980er Jahre öfters dort hin, weil man da das eine oder andere gute und kritische Buch entdecken konnte. Und an einem dieser Tage lag auf einem der Tische dieser Newton-Bildband. Den wollte ich haben, ich liebte diese Art von Photographie, aber als ich den Preis sah – es waren damals glaube ich 70 oder 75 DM – legte ich das Buch nach einigem Blättern traurig beiseite. Aber der Freund sah meinen tantalischen Schmerz, und er war nicht auf den Mund gefallen. Er ging zu dem Buchverkäufer – einer jener immer ein wenig muffig dreinblickenden und auch so angezogenen DKP-Linken –, und er sprach ihn an: dieses Buch würde er, also der Händler, in diesem Kommunistenladen, so sagte er es wörtlich, doch niemals wirklich verkaufen können, auch sei das Buch sexistisch und bevor man es als unverkäuflich im Lager verschwinden ließe, wäre es doch sinnvoll, es zum halben Preis zu verkaufen.

Der Händler, vielleicht ein paar Jahre älter nur als wir, knurrte, murrte und zierte sich, wie sich DDR-Grenzer zieren, wenn man aus ihrem Land ausreisen will. Aber am Ende und nach dem Hinweis, daß in dem Buch ja auch schon ein Kratzer sei, den der Freund gerade und vor den Augen des Buchhändlers dort hineingemacht hatte, gab der tapfere Grenzsoldat nach, und so erstand ich das Buch für 35 DM. Ich habe es bis heute nicht bereut, und ich liebe bis heute die Photographien von Helmut Newton: jene starken, selbstbewußten Frauen, deren Sport nicht „eine Opferrolle vorwärts“ (W. Droste) ist, sondern konsequent ihren kräftigen, ihren schönen Körper zu zeigen: starke Frauen, die sich als starke Frauen abgelichtet sehen wollen. Und natürlich auch die Modewelt, in Newtons kontrastreichem, harten Schwarzweiß wie auch in Farbe bebildert.

Als politisch damals hart links stehender junger Mann hätte ich diese Bilder wohl niemals mir ansehen dürfen. Diese Art von Photographie war in jener Szene Anathema und perhorresziert – auch von feministischer Sicht war Newton erheblich angefeindet. Was aber – und das ist beim Jammerfeminismus der Klageweiber heute nicht anders – bei solchen Bildern und Inszenierungen vergessen wird: es gibt in der Frauenwelt, wie überhaupt in der Welt, sehr unterschiedliche Typen von Menschen, und es wollen nicht alle das gleiche. Unterschiedliche Sichten und Perspektiven nicht nur denken zu können, sondern sie im Sinne der Toleranz auch aushalten zu können, ist leider nicht sehr verbreitet: es gab Frauen, die liebten diese Bilder und die fühlten sich davon angesprochen. Und zwar weil sie selber stark waren und sich nicht als Opfer, sondern als Macherinnen ansahen.  Ebenso wie es manche Männer gab, die diese Bilder mochten – sei es aus ästhetischen, aber eben auch aus erotischen Gründen, weil das Schöne, gemischt mit einer gewissen Strenge, Gefallen erregt. Als unmittelbaren und gar sexistischen Fetisch kann man diese Bilder kaum sehen: da bot damals jeder Playboy, jedes Lui-Heft und jeder Katalog vom Otto-Versand mit Frauenunterwäsche mehr.

Wer übrigens die Newton-Photos gebündelt und zahlreich sehen will, besuche das herrliche Newton-Museum in Berlin beim Bahnhof Zoo. Nicht wundern, daß es gut bewacht ist: Newton war Jude und es gibt in Deutschland keine jüdische Einrichtung, die nicht unbewacht ist. Und das liegt leider nicht nur an Rechtsradikalen und Nazis.

 

Tonspur 1. September – vorbei: auf Warschau zu

Hoch fliegen,  hoch siegen.

Und dank heutiger Öffnungen und Sublimierung in Pop kann man dem Krieg mit der unendlichen oder auch nur endlichen Liebe bzw. dem Augenblick begegnen.

„Du hast mir gezeigt
Dass es egal ist, wenn man liebt
Schmeckt der Kopf auch nach Füße
Und der Genitalbereich nach Pisse“
(Schnipo Schranke)

Dem Führer hätte es nicht behagt. Eroberungslyrik – trotzdem.