Die Tonspur zu Pfingsten

Körper in Spannung: wohl eine der herrlichsten Bildästhetiken, um dies zu zeigen, findet sich in „Fest der Völker“, jenem Olympia-Film von Leni Riefenstahl. Klassische Schönheit, regressiv vorgeführt, als gäbe es die Antike noch immer, jeglicher Avantgarde dieser Epoche spottend und dadurch gerade Avantgarde und bis heute maßbildend für die Photographie- und Sportästhetik, unnachahmlich und von ungeheuer innovativer Kraft, die Schönheit des menschlichen Körpers und dessen Spannung ins Bild transformierend: Leni Riefenstahl. Reise, Reise: Seemannreise, jeder tut’s auf seine Weise: die hohe Kunst der Photographie, die Schönheit des Körpers in seiner Bewegung als Film und Bild, Körper, die schweben, Körper, die die Schwerkraft aufheben: Körper kurz vorm Absprung – und dazu die kongenial-geile Musik von Rammstein – wie so oft: gelungen, und man sollte sich das Video unbedingt auf einem Bildschirm mit mindestens 21 Zoll ansehen und nicht auf dem Smartphone.

Die Kunst des Filmemachers und der Kameramänner war es, jene Körper ins Bild einzufrieren oder aber die Bewegung auf den Punkt zu fokussieren. Dies erfordert einen ästhetischen Geist, einen Sinn für Form und Licht. Manchmal ist dafür der Preis politische Naivität oder ein Nicht-sehen-wollen des Offensichtlichen. Und dennoch schuf Riefenstahl überwältigende Aufnahmen. Fest der Völker. Neun Jahre später lag Europa in Trümmern und ein Großteil der deutschen und der europäischen Juden waren im Gas oder im Lager umgebracht.

Kaltes Ufer, tränenlos

Im Vorlauf auf eine hier im Blog einige Stunden später erfolgende Lektüre christlicher Ikonographie, abendländischer Malerei sowie eines Textes aus dem Johannes-Evangelium, nachdem ich mich von anstrengend-trunkenem Ausgang und Hüftberührungen, Körperberührungen ausgeschlafen habe: „Wo willst du hin? So uferlos die kalte See.“

Der Musiktext: sehr, sehr sehr DDR-Punk, denn da kommt Rammstein her.