France Gall zum 74. Geburtstag – Die Tonspur zum Sonntag

France Gall haben in den 1960er Jahren meine Eltern bereits auf den Partys gehört und auch ich höre das bis heute gerne, und wer die kürzlich verstorbene wunderbare Françoise Cactus kennt und ihre Art, diese Form von Chanson in deutsch wieder aufzugreifen, der dürfte spätestens ab diesem Punkt davon ausgehen können, daß solche Musik nicht einfach nur ein Kleinmädchengesang ist, sondern ganz im Gegenteil eine subitle Form von Spiel mit Rollen. Und auch vom Sound, von der Melodie her ist diese Musik ganz und gar wunderbar und sehr französisch, so daß ich am liebsten im geilen Peugot 404 Cabriolet abends durch die Stadt mit ihren Lichtern fahren möchte. (Mit Dank an Sara Rukaj, wo ich den Hinweis zu France Galls Geburtstag heute auf Facebook fand.)

Anbei unten im Link jenes schöne Video „Haifischbaby“ von 1967. Von France Gall.

Die Tonspur zum Sonntag – Rammstein (1)

Als Tonspurprojekt, einen oder zwei Monate lang: Jede Woche ein Rammstein-Video. Weil Rammstein von der Performance und in der Bild-Musik-Tonspur eine der besten Bands ist. Für Deutschland erstaunlich. Choreographie und Gewalt, Musik, Melodramatik und Persiflage. Hier und heute: Interventionseinsatz mit Kosmopolit-Reisebüro.

Die Tonspur zum Sonntag – Freundschaft heißt Druschba

„Während des Augustputsches in Moskau vom 19. bis 21. August 1991 versuchte eine Gruppe von Funktionären der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), die sich als Staatskomitee für den Ausnahmezustand bezeichnete, den Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow abzusetzen und das Land unter ihre Kontrolle zu bringen.“ (Wikipedia)

Dies freilich glückte nicht und so kam der Trunkenbold Jelzin an die Regierung und verscherbelte das Land.

Wer je einmal im Flugzeug in den Urlaub reiste und ein paar Reihen vor oder hinter sich ein plärendes Blag samt unerzogener Eltern sitzen hatte, die nicht begreifen, daß man mit Kleinkindern nicht fliegt, sondern Urlaub in der Heimat macht, wird viel Freude an diesem schönen Lied von Till Lindemann haben.

Auftaktmusik – Sommersound

Musik von vor über 20 Jahren hören, um ein kleines Blog-Feuilleton über DEN Sommerhit von 2001 zu schreiben und mich am Duettgesang dieser Stimmen der Band „Viktoriapark“ im schönen Ton, am klugen Text und tanzbar zu inspirieren, um gar nicht so recht zu bemerken, daß dies eigentlich auch einer DER Sommerhits ist, der bis heute gilt – so etwa, wenn die Frau Wunder-Bersarin-Rat-Pack durch Berlin oder Leipzig wütet, küßt und zetert. Meine erste Berlinzeit: 1999, „Wir sind so genial“ (Viktoriapark):

„Das ist jetzt schon drei Jahre her,
wir war’n lang‘ nicht mehr hier, uns kennt keiner mehr
und ist es nicht schön, wie wir untergehen,
an den Ufern der alten Tagträumer-Seen“

Wir Melancholiker von Vergängnis, Verhängnis und der Ästhetik des Untergangs delektieren uns an Klang, Melodie und Text. Auch im sanften Pop. So genial verlogen. Wunderbar.

Parteitag der Grünen, Berlin März 2021

Der Wunsch des Kindes, einmal Indianerhäuptling zu sein.

Gerne erinnern wir uns an die Deutsche Schlagerparade im NDR-Hörfunk der 1970er Jahre. Mit Ilse Rehbein. Da hockten die Kinder aufgeregt vor dem Radioapparat mit einen Kassettenrekorder. Gerne erinnern wir uns an Gus Backus und jenen lustigen Song von den wilden Indianern und ihrem Häuptling. Gerne erinnern wir uns irgendwann auch des Parteitags der Grünen im März 2021 in Berlin. Und zu Punkzeiten in den frühen und mittleren 1980er Jahren war dieser unten eingespielte Song immer eine willkommene Abwechslung nach zu viel Throbbing Gristle, SPK, Coil oder Neubauten. „Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier“: auch das war damals nicht nicht nur ein lustiger Song von den Ärzten, sondern auch ein geflügeltes Wort. Heute dürfte beides bei der gegenwärtigen evangelikalen Linken unter den Tatbestand „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ fallen, so wie in den 1950er Jahren bei der CDU/CSU das Abbilden barbusiger Frauen.

Mit Gruß an die arme Bettina Jarasch, die ihre unbedarfte Äußerung büßte und sowas Böses nie wieder sagen wird. Beim Fasching Indianerhäuptling zu sein! Also nein.

Wunsch, Indianer zu werden

Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glatt gemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.“ (Franz Kafka)