Urbane Szenen – Wien, 6. Bezirk. Eine lyrische Vernichtung

Ich will die Nacht. Diese eine Nacht, die am Abend mit ihren Szenen und Bildern beginnt, die sich fortwirkt und ins Dunkle treibt, ohne jegliches Ereignis. Ich will die Nacht, kein Kokain, sondern die Starrheit der Dinge: Häuserwände in einem Julisommer in Wien, die von der Hitze des Tages noch ächzen, nicht dampfen oder in Verheißung glühen, sondern die beschwerlich harren, stehen und stöhnen wie unter einer Last, keine Menschen dort, nur Steine und der Dreck des Tages. Ein hingeworfenes Präservativ, Zeitungsseiten, Verwehtes, von Raumbesatz und Rantzsaum. Spuren. Abseitston, citywärts, Stephansdom, „Flucht und Himmelfahrten sind unsre Koordinaten.“ Fort von hier: Wien – Westbahnhof; die Mariahilfer Straße. All das Prosageschwätz, das bilderbeschreibend oder dichtend auftritt, ist nur enervierend, das vom Nichts oder vom Etwas handelt, von Dingheit und Wesen und Prosa-Singsang oder Parodie der Prosa, die ebenso leicht zu fertigen ist wie der hohlhohe Pathoston und der Gesinnungskitsch des blödsinnigen Prosabaus, Prosa erinnert mich merkwürdigerweise immer an Prostata und malignes Melanom. Diesem Konnex wäre nachzugehen. Wenn Rachitische beifallheischend Bedeutungssalat sinnlos ins Poesiealbum pressen, wie Mädchen Löwenzahn zierlich zwischen Buchseiten spreizen oder Dahlien zwischen ihren Schenkel drapieren und Lehrerprosa sich nachts ins Schreibheft ergießt. Ergötzlich istʼs wenig. Hinter den Fenstern noch Leben. Das ist mit Fragezeichen gesprochen – kein Leben! D-Zug Wien–St. Pölten oder die tschechischen Bäder. Salzsole, Kaltwasser aus Quellen. Ich möchte versiegen, ich möchte in einer Stadt flanieren, in der es keinen Menschen mehr gibt. Außer mir – ich bleibe, der einzige und für mich. Ich betrachte mich selber in spiegelnden Schaufensterscheiben, und aus den Auslagen greife ich mir die Dinge und Objekte, die ich besitzen möchte, um sie dann fortzuwerfen, sobald sie mich langweilen, wie der Photograph Thomas in „Blow Up“ jenen von den „Yardbirds“ erbeuteten Gitarrenhals, nachdem der Sänger die Instrumente zerschlug und als er die Trümmer einer Gitarre rotzig wie Popmusik, die morgen schon ihren Schnitt machen muß und die Rebellion als monetäre Monstranz zelebriert, ins Publikum pfefferte, daran die gerissenen Saiten noch schwangen und bitter zitterten, da alle versuchten zu greifen; der Gitarrenhals, fliegend und dann fallend, fangend, den der Photograph gegen die Meute bitter verteidigte, mit dem gerissenen Hals, mit dem er aus dem Saal rannte, immerzu stoßend und laufend, bis ihm kein Mensch mehr nachstellte, um von diesem Objekt der Begierde den Fetischteil zu kassieren, der freilich, wie der Photograph gut wußte, ohne Publikum als wertlos sich erwies. Und als jener Photograph bemerkte, daß er allein und für sich war, sowohl in dieser Welt als auch in dieser Stadt, nächtens, wirft er den Hals in einen der dreckigen Hauseingänge. Interessante Parodie auf den Fetischismus. Die unwissenden Kleinbürger, die einiges später, im Filmschnitt jedoch sogleich, diesen zerlegten Gegenstand bemerkten, den sie zwar nicht direkt für Müll hielten, aber doch als ein eigentümliches Grenzobjekt zwischen den Gattungen wahrnahmen, das für sie schwierig im Blick einzuordnen war, hoben das Ding auf, betrachteten es kopfschüttelnd und warfen es fast mit Zorn im Gesicht zurück in die alte Lage. Solche Szenen sind Teil der benjaminschen Geschichtsphilosophie. Ein kleines Stück Zusammenballung. Kein Abendnebel, keine Wallung. 6. Bezirk. Im Stadthauch ist Leere. Die unrasierte Schielemuschi an der Wand der Galerie. So sieht es aus. All der Gedichtscheiß, Geschichtsscheiß, der Gesinnungsrotz, das verlogenen Pathos des hohen und des niedren Tones. Protest ist so sinnlos wie Mitgehen. „Liebe ist kälter als der Tod“. Ich will den Film Noir. Ich hoffe, die Lage spitzt sich zu.
 

 

 

„Every you Every me“: Stadt als Standort – Facetten des Populären (2)

„Das jemand in Berlin ‚lebt und arbeitet‘, kam
hier einem Bedeutung generierenden Faktor gleich. So als
wäre die Ortsangabe per se dazu in der Lage, etwas über
künstlerische Arbeiten selbst auszusagen, Sinn zu stiften und dadurch
die Sehnsucht nach Orientierung und ‚Bedeutung‘ zu befriedigen.“
(Isabelle Graw, in: Texte zur Kunst, Heft 94)

 
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Aisthetische Verhältnisse: Die Stadt als eine Lebensweise und Lebensform, als Möglichkeitsraum, um günstig zu wohnen, seinen Träumen, Ideen oder Idealen nachzugehen, sexuelle Präferenzen ohne Grenzen, die Stadt als Metapher und ihr Name eine Verlockung, als Leben, zweckfrei und frei von Zeit: eine Verheißung. Generierung des Mehrwerts. Unendliche Feste. Das freilich zog die Menschen von überall her an. Nicht anders wird es demnächst leider Leipzig ergehen. Nicht im großen Stil, aber es kommen mehr Menschen. Doch dem romantischen Spiel der inszenierten Bohème folgt in der Regel das Maklerbüro Engel & Völkers – was freilich nicht immer ein Nachteil sein muß. Es kommt auf die Bezüge an, unter denen Makler arbeiten und inwiefern eine Stadtverwaltung bzw. deren Regierende sich das Heft nicht oder eben doch von wirtschaftlichen Interessen aus der Hand nehmen lassen. [Andererseits sind solche Sätze absurd – hegen sie doch irgendwie die Illusion, daß es innerhalb des Systems ein gutes Gegen gäbe oder irgendwo in den Tiefen des Politischen oder Privaten ein richtiges Leben im falschen existierte, sei es auch bloß als Feierabend- und Freizeitkommunismus beim lauschigen Bierchen am Lagerfeuer.]

Berlin als Lebensform: vom Berghain bis zur Kaschemme. In anderer Weise geschieht der Berlin-Hype auf der Ebene der Kunst. Insbesondere die bildenden Künste zog es seit den 00er Jahren nach Berlin. Die erste Berlin Biennale, kuratiert von Klaus Biesenbach, Hans-Ulrich Obrist und Nancy Spector, fand 1998 statt. Schauen wie „Based in Berlin“ und Kunstmessen wie ABC brachten auf verschiedenen Ebenen, von kultureller Distinktion, ästhetischer Reflexion bis zur Ökonomisierung des Raumes,  in Berlin einen massiven Wandel. Waren früher München und insbesondere das Rheinland mit Köln und Düsseldorf solche Hochburgen, so mausert sich inzwischen auch Berlin. Wenngleich das zahlungskräftige Publikum immer noch in der Rheinregion sitzt.

Berlin ist noch nicht saturiert genug, insofern lassen sich hinreichend viele Nischen finden, in denen mal zu recht, mal outriert der Subversion gefrönt wird. Nicht dem Kommerz dient – zumindest vorgeblich – das kulturelle Engagement, sondern dem symbolischen Wert der hehren Sache Kunst. Dabei geschieht freilich eine eigentümliche Dialektik der Subversion. Je marktferner sich in Berlin die Kunst gibt, desto größer der Standortvorteil. Das führt, was die Aufwertung von Vierteln betrifft, zu einer vertrackten Situation. Dem Gebiet um die Potsdamer Straße herum (kurz Potse genannt, was in meinem puritanisch-gegenderten Ohr einen obszönen Anstrich hat, aber da die Kurfürstenstraße nicht weit liegt, mag das Wort passen) tat ein Wandel gut. Inzwischen siedeln Galerien dort und massiv werden Wohnungen entmietet. Das ist nicht die Schuld der Galeristen und Künstler, sei dazu gesagt, sondern (konsequente) Folge einer Politik, die weder fähig noch willens ist, zu handeln. Aber es handeln andere im Hintergrund. Berlin ist eben arm. Armut ist nicht sexy. Macht und Geld sind es sehr wohl.
 
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Inwiefern in diesem Prozessen Kunst als Standortvorteil wirkt – ganz gleich, ob sie sich nun subversiv gibt oder nicht, ob sie marktkonform oder sperrig sich verhält, das spielt keine Rolle – und das „symbolische Kapital“ durchaus geldwerten Vorteil generiert, haben seit einem Jahrzehnt zahlreiche Künstler und Galerien begriffen. Kunst und Neoliberalismus stehen (gewollt oder ungewollt) in einem Verhältnis, Kunst borgt von diesem ihr Begriffsrepertoire, und Begriffe der Ideologie des ungehemmten Marktes, wenn nur der Staat verschwindet und jeder seines Glückes Schmied sei und authentisch, individuell und flexibel sich verhält, zogen in die Kunstwelt ein. Daß der Künstler ein autonomes Individuum sei, das sich in keine Vorgaben pressen läßt, können wir seit der Renaissance den großen Künstlerportraits entnehmen – sei’s Albrecht Dürer oder im Barock dann Rembrandt van Rijn.
 
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Diesem andauernden, sich in immer neue Windungen steigernden Trend, Individualität und Kreativität als Zauberwort für die neue Arbeitswelt zu preisen, widmet sich – um nun wieder zum Thema zu kommen – in den „Texten zur Kunst“ Isabelle Graws Beitrag „Der Mythos der Marktferne. Anmerkungen zum Aufstieg Berlins zu einer Kunstmetropole“. Kreativität ist das Zauberwort, das als „Heilswort der Gegenwart“ Tore öffnet und noch die simpelste Arbeit zum genialen Tun aufwertet. Insbesondere da, wo alle das gleiche betreiben, hält man sich für besonders kreativ. Einer muß es den Menschen nur lange genug vorbeten, daß sie einzig und authentisch seien.

Die Reize werden aufgesteigert, Betriebsweihnachtsfeiern zu Events stilisiert und noch in der Freizeit dienen die für Leistung, die sich wieder lohnen muß, ausgezahlten Sachprämien dem Ethos der Arbeit. Ein Betriebsmarathon oder ein nach der Arbeit einzulösender abendlicher Wochenkursus für ein US-Marine-artiges Trainingsprogramm sehen aus wie feine Geschenke oder Boni, sind aber nichts weiter als die Verlängerung der Arbeitswelt. Das Recht auf Faulheit kommt in diesen Zonen nicht vor. Keiner dieser Arbeitnehmer, die sich als solche kaum noch verstehen – „Einen Betriebsrat? Wozu brauchen wir den denn?“ – verfiele auf die Idee, daß seine Arbeit tatsächlich Arbeit ist, von der weder er selbst oder die Gesellschaft, sondern wer anders profitiert. Der Kunst die Schuld für diese Szenarien aufzubürden ist naturgemäß zu simpel. Aber im universellen Verblendungszusammenhang greift eins ins andere. Es existieren keine unschuldigen Orte. Wer das annimmt, ist mit gehöriger Naivität geschlagen, gestraft, vielleicht aber auch: gesegnet. Das Heilsame der Anästhesie.
 
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 „Auch von Arbeitern und Angestellten wird inzwischen ein gewisses Maß an Kreativität verlangt, wobei sich die Vorstellung, die man sich vom ‚kreativen Arbeiter‘ macht, am Modell des selbstbestimmt arbeitenden Künstlers orientiert. Entsprechend dem traditionellen Künstlerbild hat auch der kreative Arbeiter möglichst flexibel, mobil und kreativ zu sein. Er soll zudem eigenverantwortlich arbeiten und sich dabei auch noch selber verwirklichen. Je deregulierter und prekärer die Arbeitsverhältnisse, desto gefragter ist dieser Typus des kreativen Arbeiters, der prototypisch in Berlin-Mitte der späten 1990er Jahre anzutreffen war. … Jedes Abendessen war zugleich eine Teamsitzung, jedem Gespräch wohnte ein instrumenteller Zug inne, da es mit Brainstorming einherging.“ (I. Graw)

Als dann in den 00er Jahren die schönen Blasen platzten und den ersten Internetbuden der Arsch auf Grundeis ging, war es plötzlich vorbei mit dem schönen Schein und dem Hohn auf den Betriebsrat. Die nachfolgenden Unternehmen lernten freilich schnell, und eine absurde Melange aus Kunst, Medienphilosophie samt Blahsprech, Zen und Asien (von Kopf bis Bauch: Nahrung aus Vietnam hält schlank), Illusion von Freiheit, wie sie vorher in den 80ern nur Camel oder Marlboro produzierten, bestimmte die Arbeit des Betriebes, der seine Tätigkeit freilich nur am Rande als Arbeit verstanden wissen wollte. Der kasual in den Abend hinein verlängerte Freitag war fast schon Freizeit. Dieser Umstand trifft sicherlich auf diverse Software-Firmen zu, die ihre Produkte für Kunst, für E-Commerce, fürs Internet oder fürs Smartphone entwickeln und an den angesagten Orten (nicht nur in Berlin) fleißig programmieren.

„Der flexibel Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus“ hieß Ende der 90er Jahre ein Buch des amerikanischen Soziologen Richard Sennett, der bereits früh diese Phänomene beschrieb. (Wobei ich hoffe, daß er den Begriff der Kultur ironisch gebrauchte, denn ansonsten wäre der Titel ein einziger Schrott: diese Phänomene nämlich sind genau das Gegenteil von Kultur, sofern man diesem Begriff noch einen emphatischen Gehalt zubilligen möchte, was ich mittlerweile für verfehlt halte.) Diese Flexibilität hängt nicht nur mit der Bereitschaft zusammen, Orte der Arbeit relativ schnell bereitwillig wechseln zu können und zu wollen, sondern sie disponiert das Subjekt selber zu einem Bündel heteronomer Verhaltensweisen, die es freilich als die ihr authentisch eigenen zu instrumentalisieren hat. Insbesondere die bildende Kunst ist in diesem Zusammenhängen das Surrogat, das die Betriebstemperatur kuschelig hält. Abends eine Vernissage, bei der die aufs Stichwort einschnappende und vorhersehbar geschulte Wahrnehmung zum weiteren Einsatz abkommandiert wurde. Foster Wallace oder Bolaño eignen sich zu solchem Prozedere nur bedingt, weil ihre Lektüre ein Unmaß an Zeit erfordert, die sich am Ende des Vorgangs nur selten amortisiert. Der kulturelle Mehrwert liegt lediglich darin, einen Namen nennen zu können, der mit einer hinreichenden Komplexität gezeichnet ist.
 
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Sicherlich kann man als Kritik anmerken, daß die „Texte zur Kunst“ diesen Phänomenen der Stadt samt einer Kunst als Kompensationskomplement spät erst sich widmeten. Ausprägungen, die bereits vor zehn oder fünfzehn Jahren abzusehen waren, als Berlin noch hyper-hypester Hype war. Aber besser zu spät als nie, und bekanntlich beginnt die Eule der Minerva … Aber ob daraus nun so etwas wie Philosophie zu pressen ist, bezweifle ich. Wir verbleiben im Modus der bestimmten Negation. Das ist für viele nicht sehr gemütlich. Aber der Blick des Ironikers gleitet bekanntlich von distanzierter Warte über den Görlitzer Park und andere Brachen und Umstände, geht in die neutralen oder auch in die schwer bedeutsamen Zonen der Stadt, in denen gewerkt, gewichtelt und kulturell getan wird. Erfreut sich am Tand und am Spiel der Zeiten.

Es geht wie es geht. Immer näher rücken mir die Figur und der Habitus des Ernst Jüngers (freilich nicht dessen politische Haltung, wobei man sich natürlich fragen muß, wie beides am Ende doch zusammenhängt), der bei der Kanonade von Paris, auf einem Dach dinierend, in die Nacht blickte und dazu eine Champagnerbowle zu sich nahm, darin Erdbeeren schwammen, Feuer und Strahlkraft der Gewalten beschauend. Der eigentümliche, erhabene, erschaudernde Glanz, den das Ungeheure mit einem Male auslöst. Aber insbesondere im Wirken solcher ästhetischer Augenblicke, in dieser eigenwilligen Inszenierung des Schreckens tritt dieser sehr viel deutlicher zutage als in den halbpathetisch-verkitschten Antikriegsbeschwörungen des „Nie wieder!“, die in die ästhetische Form nur die politische Intention hineinpressen. Wer die Form zugunsten der Politik preisgibt, liefert nicht nur die ästhetische Form aus und banalisiert sie, sondern entleert im selben Moment ebenso das Politische zugunsten eines engagierten Statements aus dem geblähten Bauch. Aber wenigstens die Fürze sind in dieser Haltung echt und authentisch. Anderes Thema aber. Wir jedoch, wir betrachten weiter diese Stadt in ihren Facetten. Nicht im Ton des Unmittelbaren schwingen wir  mit oder anders. Sondern als böser Stachel und als häßliche Unke. Der Rosa Luxemburg die Hand zu reichen, bleibt vergeblich, weil sie noch immer im Landwehrkanal treidelt.

Der kalte Blick Nietzsches und Jüngers auf diese Stadt. Ich möchte deren Bewohnerinnen und Bewohner als Käfer fixieren und in die entomologische Sammlung bringen. Wir werden dann im Herbst wieder diese Perspektiven in Photoserien begleiten, wie bereits hier oder auch da und an verschiedenen anderen Stellen und Städten.
 
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Berlin, Berlin [Bashing for Bohème]. Facetten des Populären (1)

Marktferne, aber dafür Kunstnähe? Dies war einmal! Heute geht in Berlin beides recht gut zusammen: Stadt als Kunst als Standortfaktor. Vom Wilden und Ungezähmten der Kunst blieben allenfalls die Brachen der Stadt, die sanft ruhen und den Schlaf schlummern. Bis sie erweckt werden. Sie liegen solange brach, bis sich ein für Investoren geeignetes Projekt findet, das sich wirklich lohnt. So wird es – meine Prognose – in 10 Jahren ebenso dem Tempelhofer Feld ergehen. Insofern hatten die Bebauungsgegner – obwohl dem Schein nach die Abstimmung gewonnen – bereits im Mai verloren; denn anstatt heute, im Hier und Jetzt, für eine sinnvolle Bebauung zu votierten, sperrten sie sich komplett. Auch das ist Berlin.

94_TZK_Cover_02_t_w470Die Juni-Ausgabe der „Texte zur Kunst“ widmet dieser Stadt in all seinen Facetten von Kunst, Kommunikation und Kommerz – rtl-alliteriert, freilich von mir, wie Biker, Busen, Büchsenbier – unter dem Titel „Berlin Update“ ein Heft: Vom radikalen Wandel Berlins innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte, der wesentlich durch ökonomische Faktoren bedingt ist, bis zum Kunsthype samt der Kommerzialisierung, vom „Theorie-Design“, das mit dieser Stadt durch drei Universitäten samt ihren Sonderforschungsbereichen verbunden ist sowie dem kulturellen Crossover verschiedener Institutionen wie Theatern, Museen und Kunst-Events (Berlinale, Theatertreffen, Berlin Biennale, Gallery Weekend, Monat der Fotografie, Kunst- und Modemessen usw.), bis hin zu einer Stadt der neuen Medien, für die symbolisch Orte wie das Café Sankt Oberholz oder andere Trendbars, -Restaurants und-Clubs stehen, die genauso schnell wechseln wie sie kamen, samt perfider Arbeitswelten, die den Schein des Authentischen malen, wo Arbeit und Freizeit keinen Unterschied mehr machen, weil Freizeit den Charakter von Arbeit annimmt und Arbeit sich als Freizeit geriert – vom Fitnessprogramm bis zu den Plänen gesunder Ernährung, irgendwelchen Kursen im Creativ Writing und Schreibseminaren.

Berlin bietet für die Kreativ- und Kunstszene in relativ günstiger Weise zwei ökonomisch hoch wertvolle Ressource: Raum und Zeit. Immer noch läßt es sich in dieser Stadt für wenig Geld und gut leben, wenn man seine Essens- und Lebensansprüche gering ansetzt, sich von Nudeln ernährt und dieses Minimale als neue Zünftigkeit propagiert. Insofern ist billiger Wohnraum in guter Lage gewünscht und wird als Anspruch angemeldet. Gerne wird dabei in schäbiger Bude die Aura der Bohème gepflegt. In einer Weise freilich, die mich in diesem Klischee an Aki Kaurismäkis absurd-komischen Film „Das Leben der Bohème“ denken läßt. Ein Schuß Tragik und schönes Scheitern ist naturgemäß ebenso beigemischt, denn was wäre das Leben samt seinen Inszenierungen ohne jene Tragik und sei diese auch nur eine Posse und Simulationseffekt. In einem post-dramatischen, post-aristotelischen Zeitalter, in dem Ort, Zeit und Handlung sprunghaft divergieren können, bleibt das Dividuum.

Das „transgressive Potential von Underground-Parallelwelten“ diente immer schon – seit dem Phänomen des Pop und den läppischen Exzessen der Beat-Generation, allen voran J. Kerouac: keiner wußte das besser als Adorno – der radikalen Ökonomisierung von Gesellschaft. „Mit Danone kriegen wir euch alle!“, drohte die Werbung der 80er Jahre. Oder mit Kunst. Oder mit Pop oder indem sich die Bezirke mischen. Neoliberalismus und Kunst sind zu einem gewissen Teil Komplizen derselben Sache. Selbst da noch, wo letztere sehnend an ihre Autonomie glaubte. In den letzten Zügen der Dialektik rettet sich Kunst in den Pop: in den Bezirk der identitätsstiftenden Erfahrungswelten im turnschuhmiefenden Teenager-Zimmer, wo sich mit diesem oder jenem Musikstück ein besonderer Raum von Existenz und Dasein verband. Das kroch ins Musikstück wie in Prousts Madeleine und im Tee die Erinnerungen sich aufbewahrten, so daß eine Situation inmitten der neuen Unübersichtlichkeiten qua Musik als Gestus und Haltung doch noch als allgemein kommunizierbare zu konnotieren war. So konnte sich das Phänomen Pop zumindest auf der Ebene der Referenzierungen am Leben halten. (D.  Diederichsen beschreibt diese Wirkungen des Pop – ich drücke es mal in meinen Worten aus, man muß das ja bei solch feinen Wortwendungen dazu sagen, sonst denkt jeder, das sei von Diederichsen – als aisthetische Erfahrung auf eine geniale Weise in seinem gleichnamigen Buch. Inwiefern er dieses Phänomen Pop dialektisiert und fruchtbar macht, ist durchaus tricky zu nennen. Aber so kennen wir ihn, dafür lieben wir ihn. Das ist eines dieser interessanten Interferenzphänomene. Affirmativsein ohne Affirmation)

Allerdings gibt es zu jedem Berlin-Trend genauso den Gegenzug. Daß immer mehr Menschen von Berlin genug haben und ihnen das Gewese um diese Stadt zum Halse heraushängt, haben manche bereits zum Beginn der Blase erkannt. Lange bevor ein New Yorker Magazin namens „Gawker“ Anfang des Jahres verkündete, „Berlin is over“, es ginge mit Berlins Habitus als irgendwie coole Stadt nun zu Ende. Sehr viel früher schon teilte zum Beispiel der großartig bissige Don Alphonso regelmäßig gegen Berlin und insbesondere die sogenannte Berliner Medien-Bohème mit ihrem Jammerton und ihrer Anspruchshaltung aus. Ein Habitus des Digitalen als Flow und Funding, ohne dabei irgend etwas an Kraft und Denk-Arbeit investieren zu wollen oder genauer geschrieben: zu können. Und ebenso früh polemisierte der Don gegen den widerlichen Ranz und das Unansehnliche dieser Stadt, die sich keine schönen Gebäude leisten mag, sondern das Verwildern von Flächen als Stadtplanung ausgibt oder aber Dokumente der Zeit, wie den Palast der Republik, abreißt. [Andererseits ist mir das Verwildern dann auch wieder lieber als eine Stadtpolitik, die nur für ein bestimmtes Klientel Geld in die Hand nimmt – zumal sich die Ödnis und der Dreck ungemein als Kulisse zur Photographie eignen: Die Welt ist bekanntlich seit Nietzsches Satz nur noch als ästhetisches Phänomen gerechtfertigt – zumindest solange ich in einer solchen Umgebung nicht wohnen muß. Ergänzt sei fürs Heute und für jene, die bei Nietzsche vorauseilend zucken und sich wegducken: als eine Ästhetik des Häßlichen oder als anästhetische Angelegenheit. Andererseits mochte ich in den 90er Jahren ebenso wenig im Rollbergviertel oder im Weserkiez wohnen. Und wer es sich leisten konnte, der zog naturgemäß weg. Organisierte Verwahrlosung von Stadtteilen, so könnte man das gemeinsame Programm aller Berliner Parteien nennen, die den Senat stellten. Dieses Herunterranzen hat sicherlich Gründe. Seit Nietzsche wissen wir freilich, daß die Wahrheit durchaus gute Gründe hat, ihre Gründe nicht sehen zu lassen.]

Bei aller berechtigter Kritik an Berlin, sehe ich vieles entspannter als der Don, denke mir daß München doch zu gediegen ist, allenfalls für die Besuche in den einschlägigen Museen geeignet, sicherlich eine Stadt mit schönen Vierteln und hervorragender Küche, viel Mode, gutem Weine sowieso, aber doch zu glatt. München ist wie ein Mann oder eine Frau in den 60ern. Nahe genug an Italien – immerhin. Wenn ich irgendwo leben möchte, dann in Leipzig, vielleicht noch in Essen, Köln oder Duisburg. Gerne in Hamburg wegen des breiten Stroms. Nur eine Stadt mit einem richtigen Fluß als Ader ist eine lebenswerte Stadt. Wir sehen dies an New York und Lissabon. Was ich an Berlin schätze, sind nicht die ungentrifizierten oder mittlerweile aufgewerteten Stadtviertel, die so oder so in ihrem Ranz daliegen, sondern die Weite der Stadt. Alles verläuft sich. Anders als in Hamburg oder Essen. Mein Mitleid mit den Gentrizifizierungsjammerlappen allerdings, für die Lankwitz oder Wilmersdorf Zumutungen sind, hält sich arg in Grenzen. Die Profiteure von gestern sind nun einmal die Verlierer von heute. So geht die Geschichte übers Subjekt hinweg. So funktioniert nun einmal eine über den Markt organisierte Gesellschaft. Seid nicht böse darüber. Es kommen andere Zeiten!

Recht hat der Don freilich, wenn er in witzig-böser Weise gegen die Berliner Medien-Bohème austeilt: Menschen, die irgendwie und irgendwo einmal einen Text geschrieben haben, sei es auf einem (Zeitungs-)Blog oder anderswo, bezeichnen sich ernsthaft als „Journalisten“. Es ist doch eher lachhaft. Menschen, die keine drei Zeilen Foucault, Adorno, Hegel, Marx oder Zizek gelesen haben, führen diese Namen im Munde, als hätten sie zehn Jahre deren Texte beackert. Nichtlesen, aber trotzdem vollmundig darüber sprechen oder in Kurz-Zeichenzahl die Namen als Referenz- und Distinktionsmerkmal fallenlassen, weil’s den kulturellen Mehrwert erzeugt. Trends, trendy. Auf der Ebene der Textfakten nachprüfen können es sowieso nur wenige, weil niemand diese Texte zusammenhängend studierte. Schlagwortsound wird abgesondert.

Gleiche gilt für die Internetphänomene. Es werden Banalitäten zu riesigen Wolken und Gebirgen gebauscht, und dabei plustert man sich selber gleich mit auf wie’s Vögelchen im Walde. Und immer mal wieder geschieht im Schwung der Tage ein Paradigmenwechsel, Post-Privacy und Meme treten auf den Plan, werden wieder abbestellt, vielleicht springt morgen ein digitaler Platonismus aus dem Schächtelchen. Pseudo-Kenntnis der Philosophie und Medienwissen aus dem Kindergarten als Halbbildung spielen sich als Wissensformen auf: sozusagen als intrinsische Qualität des zugereisten Berlin-Bewohners. Insbesondere hier sehen wir, welchen Schaden das Studium der Kulturwissenschaften auf breiter Flur anrichtete. [Ende vom ersten Teil des kulturellen Narrativs]
 
 
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Hinweis in eigener Sache – Oder: Szenen in der Stadt und als Zeremonie des Abschieds geschrieben

Alles neu macht bekanntlich der Mai, der allerdings im Moment noch ein April ist – bekanntlich der grausamste Monat, wenn wir T.S. Eliots Text folgen möchten. Trotzdem änderte ich bereits heute schon das Design dieses Blogs moderat; modifizierte ebenso die Blogroll und tat die Blogs hinaus, die ich zu selten lese, wo zu wenig an Text passiert oder wo im Kommentarteil Orgien des Gemeinsamkuschelns gefeiert werden.

Ich möchte hier im Blog keinen Gesinnungskitsch. Ich möchte keine Prosa und keine Theorie im immergleichen Tonfall. Ich möchte Kritik, die weiterbringt, Kommentatoren, die den Text weiterschreiben, wie heute wieder summacumlaude, der immer höflich bleibt und dennoch andere Aspekte auftut. Auch das Mäandern und Assoziieren von ziggev. Böses und Bissiges, das Geist hat, wie ihn ansonsten nur Karl Kraus besaß, möchte ich lesen. Gerne auch Polemik, wenn sie denn die Sache trifft und eines gewissen Esprits nicht entbehrt. Ich möchte Exzesse und Extremes, nichts Kuschellaues. Konstruktive Diskussionen zur Kunst, zur Ästhetik, zur Philosophie begegnen einem seit 10 Jahren in der Blogwelt Schweifenden und einem seit über fünf Jahren Schreibenden wenig. Wer solche Blogs kennt: bitte nennen.

Einer meiner Lieblingsblogs, nämlich der mit dem Namen Aleatorik, ruht leider sanft – die Betreiberin schrieb in einem Kommentar, weshalb das so ist. Eine schöne Zeit geht zu Ende. Ich las dort gerne all die Literaturkritiken, die Skizzen und die Texte des Alltags, inspirierend und eindringlich geschrieben. Und anders als mancher Literatur-Blog oder solche, die sich dafür halten, verzettelte sich dieser Blog nicht ins Uferlose des beliebigen Schreibens und inhaltslosen Plauderns über dies und auch über das, sondern „Aleatorik“ blieb konsequent in der Komposition und Anordnung der Texte. Das gelingt nicht vielen. In ihren Büchern zeigt die Autorin (sofern dieser Begriff in diesem Rahmen überhaupt noch trägt und in einem erweiterten Konzept von Literatur noch taugt), wie es dann auf hohem Niveau geht. Der Literaturbetrieb überliest das gerne, er beschreitet stattdessen lieber die eingeschliffenen Pfade und macht Kessler-Biller-Diskussionen über Petitessen. Der Betrieb füttert sich selber. Doch kann man es ihm nicht einmal übel nehmen, da in einer Gesellschaft, die alles und jedes als Ware verkaufen muß, eben auch die Literatur notwendigerweise als eine solche Ware sich erweist.

Ich habe in dieser Zeit des Bloggens einige wenige Bloggerinnen und Blogger kennengelernt bzw. mir mit einigen über eine kurze Zeit geschrieben. Ich will das nicht im Detail ausführen und gewichten. Ein Wesen aus der Welt des anonymen Internets freilich vergesse ich nicht. Bissig war sie, kein Harmoniesound im Schreiben und doch so zart. Die Nächte in Dresden und Leipzig, in Berlin und im siebten Himmel gehen nicht aus dem Kopf heraus, die Hautstellen, wo sich im Hotelzimmer oder im heimischen Bett die Nägel ins Fleisch gruben und die Szenen, wo immer wieder der Streit ums gleiche aufbrandete. Küsse und Bisse finden am Ende nicht zueinander, und da, wo es für bestimmte Lebensweisen keine entgegenkommenden Lebensmodelle oder -formen gibt, weil eine Gesellschaft diesen keinen Raum läßt und für die mehrfache Dimension keinen Rahmen hat, weil ihre Diskurse die Liebe aufs Singular polen, kann alles, was passiert, nur schiefgehen.

Das Jahr 2012, am Strand der Elbe, der letzte Tag des Augusts, eine Englandjacke teilend. Wir trafen uns auf dem Marktplatz gegen Mittag, und ohne sie zu erkennen, sah und kannte ich sie bereits von weitem, wie sie am Brunnen saß, und ich mochte es nicht wahrhaben, ging zunächst die Rathaustreppe hinauf, weil ich mir dachte, es müsse eine andere Person sein als die, welche dort am Brunnen wartet. Im nachhinein idealisiert unser Blick die Szenen und die Erinnerung verklärt die Situation. Und etwas über ein Jahr später, in einer Stadt im Osten, als wir im Regen am frühen Abend durch die Straßen spazierten. Hungrig im Magen, das einzig gute Fischrestaurant der Stadt im Visier. Denn dort wollten wir ausgiebig speisen und trinken. Ohne allerdings vorher zu reservieren. Mir ist der Optimismus nicht gegeben, der wunderbaren blonden Frau jedoch durchaus. Wir betraten den kleinen Gastraum, und mit einem Blick sahen wir, daß jeder Tisch besetzt war. Samstag, sieben Uhr abends im Dezember des Jahres 2013, irgendwo in einer Stadt im Osten, den ich mit meinem Geld aufgebaut hatte. Zum Dank immerhin kauften uns seinerzeit die Eingeborenen der Ostregion, die nun endlich ein Volk sein durften, unsere defekten Gebrauchtwagen zu horrenden und vollkommen überhöhten Preisen ab. Sowie Westcola und Westwürste an den Imbißbuden, die wir 1990 eilig an Plätzen aufstellten, die auf lukratives Geschäft hoffen ließen. Aber alle Aufbauhilfe nützte mir nichts. Sätze knapp wie ein Protokoll: Alle Tische besetzt, alles reserviert, vor 22 Uhr nichts zu machen, und draußen nur Kännchen: das war natürlich ein Scherz, denn an Draußensitzen ist im Winter in einer Oststadt bei Abendregen nicht zu denken. Nicht einmal mit Heizstrahlern. „Kika-, Kikakaninchen. Tibbetibbetap“ höre ich sie halb ironisch singen. Wir hatten uns auf Fisch gefreut.

Der Hunger trieb uns, und wenn Menschen hungrig sind, machen sie Fehler. So gingen wir regennaß und nasser werdend ins nächstbeste Restaurant, das halbwegs angenehm aussah. Es war ein Grieche. Wir waren froh und erschöpft, nach einem langen Spaziergang durch diese unendlich schöne Winterstadt im Osten nun irgendwo einen Platz im Warmen zu finden und uns niederlassen zu können. Wir waren zu keinem weiteren Schritt mehr fähig, denn ausgiebig schritten wir bereits von Mittags bis zum Abend hin durch diese Oststadt, schlenderten auf unseren Traumpfaden und im Abseits der Stadt an den Randmarken. Und am Nachmittag unserer Tour schien sogar die Sonne, wir besuchten eine Galerie, betraten die Orte ihrer Erinnerung, ein kleines französisches Café lud zur Zwischenstärkung ein, um Zitronenkuchen zu essen und Sekt samt Kaffee zu trinken. Nun aber saßen wir zum Abend hungrig an diesem Ort, wurden wahllos, bemerkten auf chic gemachtes Interieur nicht, das nur billig war. Als wir dann bestellten und Wein sowie Speisen an den Tisch serviert wurden, schmeckten wir, daß es nicht das war, was wir essen und trinken wollten. Menschen, die einander bei der Hand halten und die sich in den unendlichen Gesprächen verlieren, stört der Mangel an Qualität zunächst weniger als Menschen, die geschäftlich oder routiniert in Lebensabschnittsverhältnissen essen, weil sie jeden Tag beieinander leben. Insofern konzentrieren sich diese Menschen auf die Speisen und die Getränke. Erst hinterher fiel uns auf, daß wir eher mäßig denn gut zum Abend aßen.

 Mit der Straßenbahn fuhren wir in das Hotel und kauften in einem Supermarkt einige Flaschen Bier, die wir auf das Zimmer nahmen. Im Fernseher lief der Schmachtstreifen „Die Brücken am Fluß“, Filme für schlichte Gemüter, für das seichte Denken ohne Zwischenton, aber es paßte im Sound der Anrührung gut, denn wir waren vom Tag her erschöpft und wir schliefen übereinander und Körper in Körper ein. Genauer gesagt: sie schlief recht schnell ein und ich spürte ihren schönen Körper sowie jede ihrer Bewegungen, weil ich neben Menschen nicht einschlafen kann. Denn jede Verlagerung und jedes Geräusch macht den Synästhetiker der Nacht wach und wild. Den Geruch ihrer Haut vergesse ich nicht.

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Am Vormittag spazierten wir über den Weihnachtsmarkt der Stadt, besuchten das Museum, um eine ganz bestimmte Ausstellung zu sehen. Schlenderten noch ein letztes Mal Hand in Hand, bis hin zu unseren Autos. Wer weiß schon bei einem Abschied und wenn zwei einander küssen, daß es möglicherweise der letzte Kuß ist, den zwei Menschen sich in diesem Leben schenken werden, ein letztes Mal, daß sich diese beiden Menschen sehen und zart berühren werden. Die letzte Nacht, die sie beieinander lagen. Sie öffnete die Tür des Autos, stieg hinein, drehte den Zündschlüssel, zwei Blicke und ein kurzes Lächeln, bis dann der Wagen die Straße entlangfuhr und der Sonntagnachmittag seinen Gang nahm.

Das jetzige Design des Blogs läßt sich verbessern. Bis es paßt. Bis es wieder veraltet ist. Abgelebtes ändert sich. Können Photographien Szenerien authentifizieren, beglaubigen und bezeugen, oder sind sie wahllos oder gar fingiert und inszeniert? Trompe-l’œil. [Ins Herz versteht sich!]

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Auf dem Fischmarkt morgens um acht: Der wahre Wert ist der Warenwert

Es kommt mir diese Überschrift irgendwie bekannt vor. Als wär’s von mir bereits an einer Stelle in diesem Blog einmal gedichtet oder geschrieben worden. Preußisch klar, hanseatisch kühl. Ich, der Schreiber der Frankfurter Schule. Letztes Relikt, auf der ästhetischen Negativität beharrend. Theorie, die kritisch ausfällt, ist nicht gerne gesehen. Aber gerne haben sich alle gern. Im Sinne einer Tagebuch-Notiz von Thomas Mann geschrieben: Heute in Literaturblogs gelesen: entsetzliches Gewäsch, schwer erträglich. Weshalb gibt es in der Blogwelt kaum bis selten gute Literarturkritik, sondern bloß Schmalspurschreiber:innen? Ich möchte etwas lernen und lese den Ranz der Befindlichkeiten. Ich möchte nicht lesen, weshalb der Blogger X oder die Bloggerin Y etwas für subjektiv gut oder schlecht befindet, sondern ich möchte etwas über Bücher erfahren und was darin webt und wirkt. Weshalb kann kaum eine/r adäquat eine Analyse durchführen, weshalb ist kaum eine/r noch fähig, Literatur im Kontext zu lesen und ausgreifende Bezüge herzustellen, zu assoziieren und bspw. von Schalansky auf Musil zu kommen? Weil nicht mehr ausufernd gelesen wird, sondern Wonneverbreitung stattfindet. Das Verhältnis zum Buch ist rein warenförmig geworden, was sich insbesondere im Befindlichkeitskuscheln zeigt, wo Literatur dazu dient, den eigenen Referenzrahmen zu untermauern. Vielleicht sollte ich eine Blogroll der schlimmsten Blogs machen, die Umgang mit Büchern pflegen. Sozusagen als Triggerwarnung.

„Seit mit dem Ende des freien Tausches die Waren ihre ökonomischen Qualitäten einbüßten bis auf den Fetischcharakter, breitet dieser wie eine Starre über das Leben der Gesellschaft in all seinen Aspekten sich aus. Durch die ungezählten Agenturen der Massenproduktion und ihrer Kultur werden die genormten Verhaltensweisen dem Einzelnen als die allein natürlichen, anständigen, vernünftigen aufgeprägt. Er bestimmt sich nur noch als Sache, als statistisches Element, als success or failure. Sein Maßstab ist die Selbsterhaltung, die gelungene oder mißlungene Angleichung an die Objektivität seiner Funktion und die Muster, die ihr gesetzt sind.“
(Th.W. Adorno/Max Horkheimer, Dialektik der Aufklärung)

Immer schön bei der Stange bleiben. Mit Zen und Zinnober oder mit Kunst und Kultur, mit Event und inszenierter happiness, mit kleinem Glück im stillen Winkel. Mit Gedicht oder Gesöff.

Wer auf den Hamburger Fischmarkt will, sollte früh aufstehen oder durchmachen, so lautet die Binsenweisheit. Dies gilt auch für den Photographen. Bilder von jenem jeden Sonntag stattfindenden Ereignis gibt es auf meinem Photographie-Blog „Proteus Image“ zu sehen. Hamburg im Nebel ist apart anzuschauen. Der Betreiber des Blogs wünscht beim Betrachten der Bilder viel Freude.

Photographien sind immer ein Stück weit auch Literatur. (Zumindest sind sie eine Weise des Textes.) Sie zeigen, sie erzählen. Am liebsten würde ich diese Struktur des Erzählens und Zeigens unterlaufen. Die Photographie inszeniert jenes „Es ist so gewesen“, sie setzt die Augenblicke in Szene, sie lügt und spricht wahr in einem Zuge. Das beste an einer Photographie ist es, wenn sie die Szene abbricht und aussetzen läßt.

Und am Ende des Weges: die Brachen der Stadt. Photographie und Erzählung

„Das dialektische Bild ist ein aufblitzendes. So, als ein im Jetzt der Erkennbarkeit aufblitzendes Bild, ist das Gewesene festzuhalten. Die Rettung, die dergestalt – und nur dergestalt – vollzogen wird, läßt immer nur dem, im nächsten Augenblick schon verlorenen [sich] vollziehen. (Walter Benjamin, Das Passagenwerk)

 

Ecken Berlins

Auf dem Blog „Kreuzberg süd-ost“ wurde seinerzeit Mitte Februar nach Photographien von Brandmauern gefragt. Das brachte mich dazu, meine Photosammlung durchzugehen. Und siehe da: ich fand unzählige Bilder, allerdings hatte ich sie nicht mit dem Begriff „Brandmauer“ verschlagwortet. Ich photographierte also ganz und gar unbewußt diese Brandmauern, ohne darüber nachzudenken, daß es sich um ebensolche Brandmauern handelt, denn ansonsten hätte ich sie mit dem Titel „Brandmauern“ in meinem Archiv-Programm versehen, wie ich es bei jedem meiner Photos machte. In diesem Falle tat ich es jedoch nicht. Nun war ich von dieser Idee der Brandmauern angefixt: Ich bin kurz darauf flanieren und fotografieren gegangen, habe Licht auf den Sensor der Kamera gebannt.

Einen ersten Teil dieses Spazierganges zeigte ich bereits, hier folgt nun die zweite Bilderpartie. Von der Michaelkirchstraße auf die Köpenicker Straße zu schlendern und auf den Brachflächen sich zu bewegen.

Der Flaneur bezieht keinen Standpunkt, er bleibt in seinem Spazieren nirgends lange stehen, er verweilt nicht kontemplativ, sondern läßt sich im Strom der Stadt treiben. Er saugt die Eindrücke auf; die dreidimensionalen Bilder der Stadt verwandelt er in die zweidimensionalen Tableaus seiner Photographien. Der Flaneur schreitet durch die Wastelands, durch die Brachen und Badlands. Unbeteiligt. Ohne Anteilnahme. Vor allem aber erklärt er seine Photographien nicht. Die Sprache der Photographie, der Bild-Text der Photographie erhellt sich ohne Kontext, schießt zu einer Evidenz zusammen: das dialektische Bild transportiert den gesellschaftlich notwendigen Schein und durchbricht ihn zugleich. Einerseits. Andererseits ist die Photographie, die durch keinen Text gerahmt oder beschrieben wird, nur als Assoziation lesbar. Es könnte nämlich alles ebenso ganz anders sein.
 

Geraubte Küsse/Baisers volés

kiss-by-hotel-de-ville-robert-doisneau Eine Photographie ohne Beschriftung und ohne jene neben oder hinter dem Bild markierte Referenz kann kein geschichtliches oder journalistisches Dokument sein, sie bleibt als Bild autonom: selbstzweckhaft, in sich gekehrt, fast schon monadisch und voll von Rätseln. Dieser Zusammenhang schließt nicht aus, daß eine solche Photographie keine Geschichte erzählt. Eine Vielzahl von Geschichten können (in der Imagination) an ein solches Bild andocken, sich der Photographie bedienen, sie sogar ins kollektive Bildgedächtnis heben, wie jenes Photo von dem Mann und der Frau, die sich in unendlicher Leidenschaft küßten, und zugleich trifft gar keine dieser Geschichten den Referenten: das Moment, was in der Photographie einerseits deutlich für alle sichtbar ausgestellt wird und das zugleich unendlich sich verschließt und entzieht, weil es in jener 1/125 Sekunde ohne jeden Kontext uns präsentiert wird. Referenz ohne den Referenten. Die Geschichten der unbeschrifteten, unmarkierten Photographien bilden eine Phantasmagorie. Erzählung ohne den Rahmen: jene Photographien, die den Augenblick bannen, wie etwa in ihrer klassischen Variante die Bilder von Cartier-Bresson oder von Robert Doisneau schildern eine Szene in der Sprache des Bildes. Man denke an jenen Mann, der im Überschwang eine Frau küßt. Wie aus dem Leben geschnitten und gebannt, ein zauberhafter Augenblick, eingefroren, so meinten wir. Bis wir erfuhren, daß diese Szene mit Schauspielern nachgestellt war. Was Jeff Wall bewußt als inszenierte Dokumentation einsetzt – unheimlich, fremd und bedrohlich wie in jener Photographie mit dem Titel „Insomnia“ –, bleibt bei Robert Doisneau grenzwertig und fingiert den Moment. Aber ist der fingierte Moment nicht genauso gut wie der, den wir für wirklich halten? Was hat ein inszenierter Kuß einem echten voraus? In unserer Betrachtung nicht viel. (Allenfalls für die Küssenden mag es einen Unterschied ausmachen.) Wir können uns in den Bildern, die wir betrachten, täuschen, wir können uns in Menschen täuschen. Die ontologische Dimension des Bildes bleibt an den Rahmen gebunden. Und selbst dieser ist fragil. Jeder Kontext kann im nächsten Moment ein ganz anderer sein.

Die Brachen rund um die Köpenicker Straße werden nicht lange mehr erhalten bleiben. Aber dies wissen wir alle.

Flaneur in Kreuzberg, Flaneur in Friedrichshain. Alles das, was bleibt – alles, was verloren geht

Wieder einer dieser Tage, wo es den Bewohner des Grandhotel Abgrund durch die Stadt treibt. Ein Tag wie der andere und die Tage vergehen im Strom der Zeit.

An Berlin fasziniert der Umstand, daß ganz unterschiedliche Welten auf dichtestem Raume beieinander liegen. Manchmal prallen keine hundert Meter voneinander entfernt die Kontraste aufeinander. Der südliche Anfang der Friedrichstraße, am Mehringplatz beginnend, ist von eher armen Menschen bewohnt, und rund einen Kilometer weiter befinden wir uns mit ein paar Schritten in der feinen Welt der Galerie Lafayette und anderer Geschäfte, die mehr oder weniger teuer sind bzw. sich einen exklusiven Anstrich geben. Zum Ende hin, nach Norden, da wo die Friedrichstraße in die Chausseestraße mündet und der Weg in den Wedding geht, wird es dann wieder heruntergeranzter. All das bleibt nicht mehr lange so bestehen.
 
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Gleiches gilt für die Hauptstraße in Schöneberg: rechts zur Dominicusstraße arme Viertel, links das bürgerliche Schöneberg mit dem Hang hin zu Friedenau, das etwas weiter südlich liegt, da wo einst die Dichter, Grass, Johnson, Frisch und Bachmann wohnten. „Die Dominicusstraße“, so heißt es auf Wikipedia, „im Berliner Ortsteil Schöneberg ist mit einer Länge von rund 800 Metern eine wichtige innerstädtische Verbindung von der westlichen Innenstadt in die südlichen Bezirke.“ Eine dicht befahrene Straße, an der die Wohnungen liegen. Dunkel und fahl stehen die Wände am S-Bahnhof Schöneberg, und es sieht aus, als wäre dort immer noch Dampfllokbetrieb. Und das ist gut so.

Ähnliche Diskrepanzen finden sich rund um den Ostbahnhof. Einerseits die touristische Welt der East-Side-Gallery, mit ihren Hostels, dann die Sauerstoff-tiefgestellt-zwei-Welt für Konzerte, Eishockey und Großveranstaltungen sowie die in der Umgebung errichteten funktionalen Betonbauten. Schreitet der Flaneur mit festem Schritt weiter hinter den Ostbahnhof, tut sich die Trostlosigkeit auf: mit Imbissen, in denen es asiatische & deutsche Küche sowie einen Ossi-Chicken-Kebab gibt, dahinter ein verlorener Flohmarkt, der immer wenn ich dort bin, so aussieht als würde er gerade abgebaut, obwohl er noch im Gange ist, und die Galeria Kaufhof, für die ich noch einen Einkaufsgutschein über neun Euro besitze. Ich werde für diesen Gutschein beim Kaufhof einen Blumenstrauß kaufen (sofern es dort Blumen gibt) und diese Blumen auf irgend einer Bank, irgendwo in Berlin einfach liegenlassen. Dann werde ich mich ein wenig abseits postieren und schauen, was mit diesen Blumen geschieht.

Das Gebiet nördlich des Ostbahnhofs ist ein im ganzen öder Ort, teils mit Hochhäusern bebaut, teils siedelte sich dort Gewerbe an. Dennoch ist diese Ecke (noch) nicht aufgewertet oder im klassischen Sinne gentrifiziert. Hierher kommen nicht einmal mehr die Künstler. [Einen photographischen Spaziergang in dieses Gebiet unternehme ich ein andermal. „Karte und Gebiet“ ist ein schöner Buchtitel von Michel Houellebecq.]
 
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Inspiriert durch die Photographien auf dem Blog „Kreuzberg süd-ost“ ging ich vorgestern ein wenig in dieser Gegend spazieren. Auch wegen der Brandmauern, die tikerscherk auf ihrem Blog zeigt. Ausgehend von der Köpenicker Straße setzte ich mich in Bewegung. Früher Grenzgebiet, mit etwas Gewerbe, das dort siedelte, und Brachen lagen karg, bekannt durch die Umzugsfirma Zapf, die nicht mehr lange dort bleiben wird, weil das genutzte Areal eine zu schöne Fläche abgibt, um dort Umzugsequipment und -logistik in häßlichen funktionalen Hallen zu lagern. Keiner mochte damals im Schatten der Mauer leben – da, wo auf der anderen Seite der Spree, in Friedrichshain, die Hinterlandmauer aufragte. An jeder Ecke, da hat tikerscherk Recht, zeigt sich der Wandel dieses Viertels. Das, was mit Gentrifizierung bezeichnet wird. Typische Berliner Imbisse verschwinden und werden durch schick designte kleine Tempel des Kulinarischen ersetzt, in denen nicht mehr nur Nahrung, sondern ein Lebensgefühl zu sich genommen wird. Yoga für die Seele, gesunde Vietnam-Küche für den schlanken, leistungsfähigen, funktional-fungiblen Körper. Eine Praxis mit chinesischer Heilmedizin in einer Nebenstraße. Om-Om, Om-Om. Und tief scheint der Himmel in uns selbst, gibt es als Glückskeks und Beigabespruch gleich gratis mit dazu.

Ebenfalls in der Köpenicker Straße befindet sich ein Toreingang zu ehemaligen Fabriketagen, die als Wohnungen umfunktioniert wurden; Wohnungen, deren Bewohner ebenso im Prenzlauer Berg heimisch sein könnten. Kinderspielzeug liegt in der Sandkiste, immerhin noch aus Plastik, kein Ho-, Ho- Holzspielzeug. Gepflegte Kinder- und Erwachsenenfahrräder lehnen an den Wänden, ein gemütlicher Spielort und Rasenfläche verlaufen hin zur Spree. Im Sommer sicherlich ein behaglicher und lauschiger Platz, um Wein zu trinken und Tapas zu verspeisen. Deine Hand in meiner. An einem dieser Abende. Sommertage.
 
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Wie fing das an? Die Frage nach den Verursachern ist schwierig zu stellen. Sind es die Studenten, die wegen des günstigen Wohnraumes als erstes kamen, das Kreativ-Prekariat, die mal gut, mal lauer betuchten Werber, die irgendwann Mitte der 90er eintrafen, sowie die schwafelnde Medien-Bohème, die dann ab den 00er Jahre in Kreuzberg einritt? Wenn plötzlich auch Ben Becker Kreuzberg wieder schick findet? Da ist dann nichts mehr mit „Oranienstraße, hier lebt der Koran“, wie es „Ideal“ in ihrer Berlin-Hymne in den 80ern sangen. Nein, ich mache den Menschen, die in jenen Hinterhof-Lofthäusern leben und neu hinzuzogen, keinen Vorwurf. Gesellschaftliche Probleme zu individualisieren und im Sinne der Schuldfrage aufs Subjekt herunterzubiegen, ist ein Fehler im Denken. Es geht um die Strukturen, die einen solchen Wandel still und heimlich ermöglichen. Es geht um das Klandestine dieser Umpolung von Stadt, die in den Hinterzimmern der Senatsverwaltung von Unternehmen ausgehandelt wird. Immer nur scheibchenweise freilich geschieht der Schnitt, denn sonst fällt es auf. Insofern müßte man eigentlich ein gemeinsames Blogprojekt starten, wo der Wandel kontinuierlich in Text und Photographie kommentiert bzw. gezeigt und damit sichtbar gemacht wird. Und es müßten, wie auch gegen Hartz IV, sehr viel mehr Aktionen stattfinden.
 
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Andererseits ist dies kein Blog, der sich viel mit Gentrifizierung beschäftigt, allenfalls in den Photographien reiße ich Veränderungen an und zeige sie: als Bild, als Photographie, die für sich selber steht.

So spazierte ich gestern die Köpenicker Straße hinunter, über die Oberbaumbrücke, dann die Eastside-Galery entlang, tat einen Abstecher in die befremdliche Welt des Ostbahnhofs und dahinter nach Norden raus. Dann weiter bis zur Michaelkirchstraße und die Köpenicker zurück, immer wieder Abstecher in die Ruinen, dort wo die ehemalige Eisfabrik steht, hinter dem Verdi-Haus, Abraumhalden, Brachflächen, herumliegende Dinge, Kleidung, Koffer, an der Spree lagern und leben einige Menschen in Hütten.

Ich bin inzwischen müde, schlendere die Köpenicker weiter. Da liegt der abgebrannte Netto-Markt, durch einen Bauzaun geschützt. Ich stieg durch eine Lücke im Schutzzaun und photographierte dort in den Brandtrümmern. Noch Stunden später haftete der Geruch nach verbranntem Plastik in der Lederjacke, in den Schuhen, in der weißen Jeans, im hellblauen Hemd, in den Haaren und selbst in den Händen klebt dieser Brandgeruch, obgleich ich nichts dort anfaßte. Leider schien die Sonne zu grell, so daß ich mit den Photographien nicht recht zufrieden bin. Ich werde sie vielleicht irgendwann unter der Überschrift „Burn, warehouse, burn!“ zeigen. Eigentlich ist es schade, daß Netto fort ist. Auch wenn diese Funktionsbauten von Discountern wie Lidl, Aldi, Netto, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen, ohne besonderen Charme oder architektonischen Witz auskommen, zeigen sie zumindest an, daß in dieser Gegend Menschen wohnen, die billig kaufen müssen. Aber demnächst eröffnet dort wahrscheinlich LPG oder Bio-Compagny, so mutmaße ich.

Zum krönenden Abschluß der Tour schaute ich beim Exil-Wohnmagazin vorbei, weil ich nach einem neuen Sofaplaneten Ausschau halte. Fein untergebracht ist dieses Geschäft in einem jener Industriebauten der Gründerzeit, die die Köpenicker Straße prägten. Nun befinden sich in jenen Gebäuden häufig genau die Geschäfte und Restaurants, in denen die meisten der Kreuzberger sicherlich nicht einkaufen oder sich zum Essen einfinden werden. Um nun – ab von den Tücken des Lebens – all das Schlechte der Welt am Abend in meinem weitläufigen Altbau, irgendwo in Berlin, herunterspülen zu können, kaufte ich mir in der Weinhandlung „Passion Vin“, die gleich gegenüber vom Wohnmagazin liegt, drei Flaschen französischen Rotwein, von denen ich dann vorgestern einen Côtes du Rhône trank. Er schmeckte fein und fruchtig. Ich mag diese Art von leichtem Rotweinen. Gerade zum Schreiben und Entwickeln der Photographien paßt er. Ein Akt nebenbei, der sehr viel mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wenn ich einen Blogtext schreibe. Insofern bitte ich diesen Umstand geneigte Betrachterinnen und Betrachter in Erinnerung zu rufen, wenn Sie auf meine Photographien schauen. Den ersten Teil der Bilder, die ich auf diesem Spaziergang machte, gibt es hier zu sehen.

Andererseits: Ich wiederhole mich in meinen Photographien. Das schlimme ist: sie langweilen mich mittlerweile. Die Dinge, welche in meinem Kopf herumgehen und die Aspekte, die die Bilder zeigen, kommen nicht zur Deckung. In den seltenen Augenblicken nur flimmert in der Photographie ein Mehr auf, in dem die Widersprüche und die Koinzidenzen zusammenschießen und in einem dialektischen Bild zur Deckung gelangen.

Daily Diary (60) – Flaneure in Berlin

Bilder, dargeboten in der Reihung, so wie der Flaneur in Berlin, genauer gesagt in Berlin-Friedenau sie aufnahm. Naturgemäß zeige ich nicht alle Fotografien, die ich schoß, sondern nur einen Ausschnitt dieses Ausflugs biete ich meinen Leserinnen und Lesern, die heute Betrachterinnen und Betrachter sind und sich damit ganz und gar unmittelbarer Sinnlichkeit hingeben können. In narzißtischer Bildbetrachtungsverzückung reiche ich mir selber, zum Abend hin, einen Chianti, den es zum Kartoffelpüree (natürlich selbstgemacht) mit Petersilien-Pesto (ebenfalls selber hergestellt) sowie Lachs (frisch geschossen aus unserem schönen Deutschen Wald, den wir uns von niemandem nehmen lassen.) gab. In Anbetracht der Situation, daß ich bereits gestern Abend viel Riesling trank, scheint es mir, daß ich im Mai mein Projekt „Der Blogtrinker“ aufnehmen kann, da inzwischen die Konditionierung wieder stimmt. Die letzten Reste des bösen Epstein-Barr sind entwichen.

Hier aber die Photographien. In zeitlicher Abfolge, wobei sich daran die Frage knüpft, wieweit eine Photographie die Zeit abbilden, einfrieren oder gar ihr Wesen und ihre Merkmale in irgend einer Weise zur Darstellung bzw. in eine Art von Präsenz bringen kann. Die Repräsentationformen der Kunst als Präsenzmaschine imaginierter Gegenwart. [Und jetzt müßte ich zudem heideggern: die Gegenwärtigkeit des Seins (im Bild). Mit den Texten Heideggers das moderne Medium des digitalen Bildes, der Fotografie  überschreiben: auch dies wäre eines der Projekte, die es irgendwann zu verwirklichen gilt. Aber es steht andererseits – ich springe wieder einmal und assoziiere – immer noch ein Text zum dialektischen Bild bei Adorno und Benjamin aus. Ein Mehrteiler versteht sich.]

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Letzte Ausfahrt Veddel

Ich baue mir als Heimstätte mein (Spuk-)Schloß in jener wunderbaren Schneelandschaft, wie sie Pieter Bruegel der Ältere malte, und schaffe mir den subjektiven Innenraum – jene objektlose Innerlichkeit, die Adorno in bezug auf Kierkegaard feststellte und die die Grundvoraussetzung für die Konstruktion des Ästhetischen im Zeichen bürgerlicher Warenwirtschaft bedeutet. Das Interieur als Phantasmagorie des Bürgers im 19. Jahrhundert. Diese „Logik des Zerfalls“ bei Kierkegaard als frei flottierende Subjektivität ist zutiefst geschichtlich motiviert. Das sollte nicht unterschlagen werden, wenn es um den Aspekt des Ästhetischen geht. Nicht daß mir hier jemand mit dem puren L‘art pour l‘art käme, in dem ich mich sonnte. Es geht in diesen Rahmungen der Brüchigkeit um die Spaltung von Subjekt und Objekt sowie um die Erfahrung von Entfremdung, insbesondere in einem geschichtsphilosophischem Sinne. Aber durch eine Sprache des Schweigens hindurch sagen sich mache Dinge zugleich besser. „Indem die Reflexion beständig über die Reflexion reflektiert, war das Denken auf einen Abweg gekommen und jeder Schritt, den es vorwärts tat, führte es natürlich weiter und weiter von allem Inhalte fort“ (S. Kierkegaard, Über den Begriff der Ironie) Ich schiebe die Dinge auf. Ich stelle sie in den Raum meiner Reflexion oder eher und wie andere das sehen: in den Bereich meiner Egozentrik. Ich gebe den anderen recht. Mehr als recht. Recht geben ist eine großzügige, souveräne Geste.

Ich habe gelesen, daß Cabernet Sauvignon ein ganz klein wenig nach Chanel Nº 5 duften solle, ich liebe dieses Parfum an bestimmten Frauen. Ich kannte einstmals eine Frau, die hat sich ihre Füße zwar nicht mit Chanel Nº 5, sondern mit Egoiste von Chanel (für Männer) parfumiert, weil es ihr unangenehm war, wenn ich (aber auch andere) nach einem Bartrinkundabsturzabend hinterher ihre schwarze Strumpfhose ausziehe und es nach Käsefüßen riecht. Also kaufte ich heute einen entsprechenden Rotwein jener Rebsorte und trinke ihn in memoriam an: eine schwarze Strumpfhose, an ihren Geruch, an dunkle Untenrumbehaarung, an wilde Bar-Nächte und Fahrradnachhausefahrnächte im Mai als die Dinge noch ohne Hemmungen waren, an eine Existenz im Fragment, an unendliches Sprechen als Diskurs und unsere Derrida/Adorno/Foucault-Debatten. Lese ich morgen, daß Muskateller nach Möse riecht, kaufte ich mir womöglich den Muskateller. Ich bin da nicht wählerisch. Ich meine auch, das ist eine gute Überleitung hin zu einem genialen Stadtteil in Hamburg: Veddel. Letztes Jahr verbrachte ich einen Tag auf der Veddel. Ich habe dem ziggev vom Blog „Wortanfall“ versprochen, Bilder dieses Bezirks in meinen Blog zu packen. Zwischenzeitlich vergaß ich es, wie ich leider viele meiner Versprechen und meiner Aussagen aus den Augen verliere. Ich mache dieses Bildereinstellen peu à peu. Hier die ersten Photographien. Demnächst werde ich auch in die Wohngebiete Veddels reisen, sollte es mich wieder nach Hamburg verschlagen. Von Phototourbegleitvorschlägen bitte ich abzusehen. Ich mache so etwas alleine.

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Alle Photographien: © Bersarin 2012

Kassel – Hymne auf eine mittelwestdeutsche Stadt

Reisen als eine Art der Kunst betrachtet: Wenn einem nichts mehr bleibt, verklären sich die kläglichen Handlungen und die Lebensvollzüge in einem Akt der Ästhetik. Ich reise für ein Wochenende zur documenta. Der ICE fährt vom Berliner Hauptbahnhof bereits um 6 Uhr 30 ab. Ich unternehme diese Fahrt entgegen meiner geliebten und gehegten Gewohnheit nicht mit dem Auto. Nebel liegt über den Wiesen und Wäldern vor Berlin. Die Sonne durchbricht ihn. Ihr schlaftrunkener Blick, ihr sommerlanges blondes Haar. The boys and the girls. Wolfsburg, der Zug hält in Wolfsburg. Etwas Traurigeres kann es nicht geben. Die Imaginationen, die ein Ort hervorrufen kann, an den sich die Korrespondenzen knüpfen. „Du richtest Dich in einem grausigen Spukschloß ein!“, so sagte eine Freundin zu mir. Sie hat recht. Ich bin der Spezialist für Einrichtungsgegenstände, Abteilung Innendekor. Schlittschuhlaufen bei den Allerwiesen, verzaubert eingefroren, die Erlen- und Birkenwälder. Ich versuchte, es in die Vorstellung zu bringen. Das Naturschöne und das Subjekt. In Kassel wird es uns in der Karlsaue in Form von Kunstwerken begegnen. Das Naturschöne – vom Subjekt konstruiert, überformt, erzeugt. Und so schweifen die Erinnerungen ab.

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Wer aber meint, daß es im Zug – anders als beim Autofahren – ruhig und gemächlich zuginge, daß man sich während einer solchen Fahrt durch die Landschaft ungestört seinen Gedanken oder der FAZ hingeben könnte, der irrt. Es reicht ein einziger verblödeter, ewig quengelnder vierjähriger Junge mit einer furchtbaren Mutter aus, um sich auf gar nichts mehr konzentrieren zu können. Schreien, heulen, zetern, maulen, kichern, brabbeln – das ganze Repertoire eines Rotzblags, von der Mutter immer nur kurz eingeworfen: „Nun sei doch mal ruhig!“ Mit einer Stimme, einer Stimmlage, spandauerisch gehaucht, in der das Kind mitnichten still sein wird. Ich bin ein großer Anhänger von König Herodes I samt seiner Methodeneffizienz. Dann endlich, als es auch der Mutter reicht, wird energischer geschimpft. Und nun heult das Rotzblag erst richtig laut, ruft, daß es zu Papa wolle. Könnte man jetzt nicht einfach und ganz nonchalant dem Kind entgegnen: „Papa ist in Afghanistan für das Vaterland gefallen! Er kommt nicht mehr.“? Das Kind verfiele zumindest für Sekunden in eine Mucksmäuschenstille. Die Tricks der Phantasie und des Imaginären helfen jedoch wenig. Das Schreien des halslosen blonden Ungeheuers endet nicht: „Ich will zu Papaaaaa!“ Nach einer Weile stehe ich auf und setze mich um. Eine Frau, die eine Reihe hinter dem Kind tapfer harrt, lächelt mir zu, wir hatten beide den gleichen Gedanken, für Sekunden, und das legte sich als Lächeln auf unsere Lippen. Ich schaute in ihre Augen und auf ihren Mund, um zu sehen, ob da bei mir etwas funkte. Nichts.

Ich esse Himbeeren. Aber nicht so wie Gustav von Aschenbach in Viscontis „Der Tod in Venedig“ am Strand die legendäre Erdbeere verzehrt. Jedoch, auch ich trage eine beigefarbene Hose, allerdings eine Jeans von Levi’s, keinen hellen Anzug, und ein schwarzes Hemd von Joop. Nach drei Stunden Fahrt erreiche ich Kassel-Wilhelmshöhe.

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Werktätige hatten unter Anweisung Höhergestellter diesen Bahnhof weit von Kassels Zentrum entfernt gebaut, denn Kassel – das war vermutlich die Devise der modernen Sozialdemokratie-Technokraten – muß märchenhaft abseits liegen, unerreichbar für den gewöhnlichen Reisenden, der mit dieser Stadt nicht weiter behelligt werden soll, denn die Geheimnisse von Kassel ergründen sich nun einmal nicht im Vorbeifahren oder gar dem flüchtigen Blick des umsteigenden Reisenden, und um dieses Refugium namens Kassel zu bewahren und nicht den begierigen Blicken preiszugeben, errichteten die sozialdemokratisch wählenden Arbeiter einen Bahnhof – weit von der Stadt entfernt. Es ist für Kassel der Flaneur gefragt. Von Wilhelmshöhe schaukelt die Regionalbahn in die Stadt hinein.

Ja, Kassel ist eine Reise wert. Mehr als nur alle fünf Jahre. Ich steige aus dem Zug, sehe den Bahnhofsvorplatz, drehe mich um und da liegt der Hauptbahnhof in meinem Rücken. Jenes Gebäude mit dem aus der Zeit gefallenen Charme des Abgelebten. Vor mir bilden das „Spiel Casino Kassel“, die „Stern Apotheke“ samt der Fassade eines Hauses, auf dem als Hinweis oder als Werbung „Medicum“ mirakelt, eine Wand. Und in der Bahnhofshalle selber sieht es (fast) noch so aus, wie früher einmal die Bahnhofshallen waren, lediglich die zwei oder drei sich darin befindenden Geschäfte sind den heutigen Standards angepaßt. Es kann im Bahnhof sogar ein Café existieren und womöglich gedeihen, das nicht zu einer Kette gehört. Allerdings links daneben: Burger King. Und auch auf dem Weg zu meinem Hotel betrachte ich Gebäude, die mir in ihrer unprätentiösen Art und Bauweise gefallen. Ich bin sofort begeistert, und ich mag diese Stadt. Wer sich für die Architektur der 50er, 60er oder 70er Jahre interessiert, der ist in Kassel gut aufgehoben. Es prägen keine Fachwerkhäuser das Stadtbild, oder ein irgendwie kenntliches Zentrum hübscht als Angebot zur heimatlichen Identifikation die Funktionalität des angestellten Daseins auf. Nur wenig postmoderner Schnickschnack existiert. Lediglich die Passage am Königsplatz, welche den witzigen Namen „City Point Kassel“ trägt, zeigt die Anmutungen und baulichen Reize der Zweiten Moderne. Ansonsten gibt es eine Einkaufszeile namens „Obere Königsstaße“ mit den üblichen Geschäften, die sich in jeder Stadt befinden und einige Einkaufspassagen, die mir in die Jahre gekommen erscheinen. Die Menschen in Kassel agieren oder besser reagieren allesamt ausgesprochen träge und behäbig. Einkäufe und Bestellungen in Restaurants gestalten sich sehr mühsam und langwierig. Der Kasseler ist schnell überfordert, aber dabei doch freundlich. Der Bibelsatz aus dem Prediger Salomo wird in Kassel von den Eingeborenen ausgesprochen wörtlich genommen: Alles hat seine Zeit.

Wer abseits der üblichen Geschäfts-, Handels- und Verkehrswelt den Zauber von Kassel erfahren will, der muß ein wenig  schlendern und vom Weg abkommen. Dort erschöpft sich der Blick in der Fülle, verliert sich im Detail – eine Welt, die in sich ruht, von der keiner etwas will, die niemand mag, die einfach nur da ist, unabänderlich, unveränderlich. Für Kassel lohnt sich nicht einmal die monetäre Investition ins sagenhafte Betongold, um der klassischen Moderne sowie der aufs Funktionale reduzierten Bauweise zu entkommen. Hier ein postmodernes Erkerchen, da eine Glasfassade. Nichts dergleichen. Kassel ist eine metaphysische Stadt. Verlassene Orte, wie ich sie liebe. Was Turin für Giorgio de Chirico, das ist Kassel für mich, und so bringe ich – freilich mit leichten kunstgeschichtlichen Abwandlungen – in Kassel die Pittura metafisica als Photographien ins Bild. Ja, diese Stadt ist eine Lebenseinstellung. Und vor der Kunst(betrachtung) sowie der ästhetischen Kritik kommt die Umgebung, kommt die Phänomenologie des Urbanen. Leserinnen und Leser mögen voll Gier auf meinen Bericht zur documenta drängen, aber wie heißt es bereits bei Max Horkheimer: „Wer von Kassel nicht reden will, der möge auch von der documenta schweige!“ Im Laufe der Woche wird es dann aber eine erste Sichtung und Kritik dieser Großkunstschau geben. Zuerst jedoch muß ich die Ergebnisse eines Flaneurs in Kassel präsentieren. Es folgt morgen ein zweiter und letzter Teil. Die Bilder stehen in der Reihenfolge, in der sie aufgenommen wurden. Ich hätte die Anordnung ändern können. Aber ich denke, daß jenes Gelb der Zitrone zum Anfang und das Gelb des documenta-Aufstellschildes am Schluß der Serie eine dennoch lesbare Korrespondenz ergibt, auch ohne das eine Bild an das andere zu koppel, indem ich sie nebeneinander setzte. Es verhält sich bei diesen Photographien mit dem Zusammenhang der Verweisungen nicht anders als bei der documenta, wo zahlreiche Linien und Bezüge sich kreuzen und bestimmte Themen anspielen – um hier eine erste kleine Geste in die Richtung  jener Großausstellung hin zu unternehmen.