Man kann es aber auch derart formulieren: Wer auf einem Filmfestival kritische Rassentheorie und Postkoloniales bestellt, bekommt kritische Rassentheorie und postkoloniale Minderware geliefert: die Ausschnitte aus dem prämierten Film über jene nach Europa geschafften, geraubten oder auch erworbenen Kunst-Werke aus Afrika sind mäßig und taugen allenfalls für einen Sendeplatz auf 3sat um 23:45 Uhr, aber sicherlich nicht für ein solches Filmfest. Bereits die Juryentscheidung für solche Filme spricht Bände. Und insbesondere dann die gestrige Preisverleihung. Gefälligkeitsurteile für die eigene identitäre Gemeinde. Bei Facebook wurde es treffend zusammengefaßt:
„Anstatt die Holocaust-Verharmlosung und den offenen Antisemitismus auf der Bühne zu verurteilen, spricht die Berlinale von „unterschiedlichen Meinungen“. Meinungen, die man übrigens niemals dulden würde, wenn es sich nicht um Judenhass, sondern Rassismus, Sexismus oder Homophobie handeln würde.
Was für eine Schande für Deutschland.
Man muss es so deutlich sagen: Auf den Bühnen der Berlinale wurden Reden geschwungen, die selbst auf einem AfD-Parteitag in Thüringen harter Tobak wären.
Beklatscht wurden sie von Kultur-Schaffenden, die sich rühmen, mutig gegen Diskriminierung aufzustehen. Aber bei Judenhass entweder sitzen bleiben oder mitklatschen.
Die Wahrheit ist: Antisemitismus hat einen Platz in Deutschland. Nicht nur irgendwo in den Rechtsaußen-Hochburgen Ostdeutschlands oder muslimisch geprägten Problemvierteln der Metropolen. Nein, der Antisemitismus sitzt in Deutschland in der ersten Reihe.“
Wenn eine Jurorin wie Véréna Paravel die Bühne für steindummen Aktivismus mißbraucht, um sich auf ihren Rücken den lächerlichen Slogan „Ceasefire now“ zu pappen, ohne daß dort steht „Free Gaza vom Hamas“ oder aber „Lasst die Geiseln frei!“, dann wird solche Forderung unglaubwürdig – und genau das sind jene „Elemente des Antisemitismus“. Und ein „Free Gaza from Hamas“ würde wohl auch empfindlich der Karriere von Véréna Paravel schaden.
Nein, wenn eine Terrororganisation wie die Hamas brutalste Verbrechen begeht, unter dem Jubel und unter Mitwirkung der Gaza-Araber, dann sind diese Leute keine Opfer, sondern zunächst einmal Täter. „Starting a war and losing it doesn´t make you a victim“, so läßt sich die Chose pointieren. Einen Waffenstillstand kann es nur geben, wenn die Hamas bedingungslos kapituliert. Gerne und schnell wurden die entsetzlichen Taten vom 7. Oktober verdrängt und vergessen. Und Sätze in der Art von „Das soll auf keinen Fall das Massaker vom 7. Oktober relativieren …“ wirken nicht glaubhaft, sondern vielmehr wie eine pflichtschuldige Übung, um den in der Kulturbranche grassierenden israelbezogenen Antisemitismus zu kaschieren. Die meisten seiern Unverbindlichkeiten ab und jene, die ansonsten um kein Wort und nie verlegen sind, noch beim kleinsten Gebrauch der falschen Pronomen und beim Mißgendern einen Scheißesturm zu entfachen, faseln plötzlich von Sprachlosigkeit. Warum sie sprachlos waren, möchte man lieber gar nicht erst eruieren. Vermutlich eher aus einer Freude heraus und nicht aus Solidarität mit Israel.
Die Statements dieser „Filmschaffenden“ sind klar und da läßt sich auch nichts an Entschuldigungen hinzudeuten – schon gar nicht, daß es unterschiedliche Meinungen gäbe, wie die entsetzlich einfältige und (auch heute auf Kulturzeit) sichtlich überforderte Mariette Rissenbeek mehrfach uns einzureden versuchte. Es gab auf der Bühne keinerlei Zeichen einer irgendwie gearteten Solidarität mit Israel und den immer noch gefangenen Geiseln. Am Rande nur: bei einer der befreiten weiblichen Geiseln wurden Spermaspuren von über 60 verschiedenen Männern gefunden. Hat irgendwer auf der Berlinale sich dazu geäußert? Nein. Ist von denen auf der Bühne jemand mit einer Kippa aufgetreten? Nein. Sondern mit diesem unästhetischen Terrorfeudel. Hat irgendjemand von diesen Lemuren gefordert, zunächst mal die Geiseln freizulassen und wurde dort die bedingungslose Kapitulation der Hamas als Voraussettzung gefordert? Nein. Hat irgendjemand von diesen Gestalten, die sich da mit öffentlichen Geldern gefördert auf der Bühne spreizen, sich zu blutig und totgefickten Frauen geäußert und zu Babys, die vor den Augen ihre Eltern mißhandelt, zerstückelt und umgebracht wurden? Nein. Wäre dies geschehen, hätte man über diesen Auftritt noch debattieren können. So aber nicht. Und wer Israel einen Apartheitsstaat nennt, da brauchen wir dann nicht weiter zu sprechen.
„27.000 zivile Tote“, so klagen manche. Von wem stammen diese Zahlen? Vom UNRWA, also dem verlängerten politischen Arm der Hamas? Sind in diesen Zahlen auch die Hamas-Terroristen eingerechnet, die nun einmal nicht an Militäruniformen zu erkennen sind, sondern die sich genau so wie Zivilisten kleiden und tarnen?
Wer wie die Hamas Zivilisten als Schutzschilde mißbraucht, so daß also durch die Hamas Zivilsten zu Tode kommen, und wer diesen Umstand nicht wenigstens mitnennt, der ist kaum in irgend einer Weise glaubwürdig zu nennen. Wer, wie die Hamas, aus der Menge der Zivilisten heraus israelische Soldaten tötet, die die Geiseln befreien und die Hamas ausschalten wollen und sich dann aber beschwert, daß da Menschen getötet werden, der ist ein Verbrecher und ein Lügner und Heuchler dazu. Und wer das beschweigt und beschönigt, der macht sich ebenfalls eines solchen Verbrechens mitschuldig, indem er es billigt. Wenn in weiß gekleidete und verschleierte „Frauen“, die wie Krankenschwestern aussehen, der IDF entgegenkommen und plötzlich ihre Verkleidung abwerfen und unter dem Gewand befinden sich Männer mit Waffen, die das Feuer auf die Soldaten der IDF eröffnen: Wie nennst man sowas? Verbrecher.
Fast noch schlimmer aber als diese entsetzlichen Wichte auf der Bühne sind jene Claquere im Publikum, die zu diesem Unsinn Beifall spenden, anstatt diesen Lemuren zu zeigen, wo der Hammer hängt. Es gibt die Kulturtechnik des Buhens, des Aufstehens und des Gehens. Im arabischen Raum wirft man mit Schuhen. Auch das würde dort gut verstanden werden.
Und ehrlich gesagt: wenn eine ganze Region am 7. Oktober gejubelt und auf den Straßen getanzt hat, dann hält sich mein Mitleid in Grenzen. Wer den totalen Krieg will, der bekommt ihn dann auch frei Haus geliefert. Das sollten wir Deutschen am besten wissen. Prägnant und kurz heißt es im Englischen: „Starting a war and losing it doesn´t make you a victim“.
Sehr treffen las ich heute auf Facebook: „Linke Parole heute: Idioten aller Länder, vereinigt euch!“ Es gibt leider nur wenige Ausnahmen in der Linken.

Der Mann dort auf der Photographie oben, Jay Jordan, zweiter von links, er würde bei den Gaza-Arabern ganz sicherlich ein wunderbares und friedliches Leben führen können. Und auch die Frau rechts, deren Namen wir getrost und besser vergessen können: Wäre sie mit einem solch freizügigen Oberteil durch Gaza-City spaziert, so hinge sie mit ihrem Kollegen Jay ziemlich schnell unter dem Jubel des Araber-Volkes an einem Laternenmast.
Und weil ich es nicht besser und treffender schreiben kann und damit ich mir zudem die Mühe der Schreibarbeit spare, zitiere ich hier gerne ein paar Stimmen. Chris Schinke etwa verweist bei Facebook auf jene leider inzwischen und oft in Vergessenheit geratene Kulturtechnik:
„Der gepflegte wie beherzte Buhruf zur rechten Zeit ist zu Unrecht zur geschmähten Kulturtechnik geworden. Dabei ist sein Ausbleiben an dringend angezeigter Stelle Ausdruck mangelnder Zivilcourage. Wer jedenfalls meinte, anlässlich der Gelegenheit gestern mitklatschen zu müssen, sollte wenigstens in Zukunft den Anstand haben, sich das allzu gerne besinnungslos vorgetragene »Nie wieder« zu verkneifen.“
Genau so ist es. Wer hier applaudiert und Akklamation spendet, ist mehr als nur ein Mitläufer. Jeder hat, wenn er schon nicht buhen mag, weil das seinem Wesen nicht liegt, immerhin die Möglichkeit aufzustehen und den Saal zu verlassen. Ist ja in letzter Zeit eh ein beliebter Slogan geworden: Aufstehen gegen rechts. Hier hat er dann mal im Blick auf Antisemitismus eine ganz konkrete Bedeutung.
Und auch im Blick auf die Filme und weshalb sie mit einem Preis ausgezeichnet wurden, läßt sich scharfe Kritik üben. Mein Verdacht geht dahin: es werden keine Werke, sondern es wird eine Gesinnung prämiert. Karl Kobs schrieb es wie folgt:
„Und dann kann sich bei der Berlinale auch die Gesinnungspreisträgerin Mati Diop den obligatorischen Schlusssatz zur Dankesrede „I stand with Palestine“ nicht verkneifen. Ihre brave Raubkunst-Doku war dann auch nach überwiegender Meinung von Kritikern und Fachpublikum künstlerisch eher ein Griff ins Klo, aber liegt voll auf der Linie der antiwestlich eingestellten Jury. Nichts gegen die Aufarbeitung von Raubkunst, sicher ein vielfach faszinierendes Thema, insbesondere wenn es um spirituell aufgeladene Objekte wie aus der Amazonasregion geht, wo beispielsweise die Ahnen eines Stamms in einem Kultobjekt wohnen, das in irgendeinem Archiv in Dahlem herumstaubt. Geschenkt, aber diese Preisverleihung folgt erneut der modisch-verzweifelten Linie einer bestimmten Kulturmafia, den Postkolonialismus zur beherrschenden Bewertungs-Instanz auch im Film zu etablieren. Wir sind also wieder mal bei documenta 15 und dem irren Versuch, die Welt in genau zwei Himmelsrichtungen zu unterteilen: einen unterdrückten postkolonialen Süden und einen ausbeuterischen sprachkolonialistischen Norden. Die Dummheit einer bestimmten Kultur-Linken ist grenzenlos wie das Weltall – und die Berlinale so was von im Arsch.“
Und er pointiert diese Berlinale und den dort zelebrierten Gaza-Kitsch wie folgt dann:
„Strunzdumme Filmemacher offenbaren ihr gefährliches Halbwissen über den Nahost-Konflikt, fühlen sich aber als „wichtige“ Künstler dazu berufen, ihre Meinung kundzutun – in pathetischen Botschaften und peinlichen Kufiya-Demonstrationen oder auf Zetteln am Rücken: Ceasefire now! Frenetisch beklatscht vom ebenso ahnungslosen Publikum. Leider wissen sie nicht, dass es ein Unterschied ist, ob man Künstler ist oder Kenner. Letzteres sind sie in der Regel nicht. Und so geht auch diese Berlinale an uns vorüber als peinliches Event der sentimental zur Schau gestellten Mitleids-Performance. Getreu der alten Hollywood-Regel: Seht her, wir sind zwar privilegierte Vertreter der Glamourbranche, aber das Elend der Welt lässt uns nicht unberührt – kurz bevor man dann zum Veuve Clicquot-Empfang mit Flying Buffets bei irgendeiner Produktionsfirma verschwindet.
Dabei darf man durchaus Mitleid mit den Menschen in Gaza haben. Der Fehler liegt nur darin, dass diese Protagonisten des falschen Mitgefühls sofort wissen, wer schuld ist: die Israelis – und nicht etwa die Hamas. Keiner von diesen Schmierlappen wie Ben Russell, Basel Adra, Guillaume Cailleau oder Véréna Paravel hat sich mt einer Israelflagge auf die Bühne gestellt, als Palästinenser in einem genozidalen Akt 1.200 Juden massakriert haben – und zwar nur aus einem Grund: weil sie Juden waren. Damals schwiegen sie und machten sich gemein mit der Drecks-Headline des Zeitmagazins: „Wir finden es nicht richtig, wenn man sich nur auf den 7. Oktober fokussiert.“ Fakt ist, dass es ihnen vollkommen egal ist, wer leidet. Hauptsache, sie können ihren pathologischen Judenhass als Teil ihrer edlen künstlerischen Gesinnung in die Feuilletons pressen.
Vor 20 Jahren war ich Chefredakteur des wohl wichtigsten Begleitmagazins der Berlinale, dem tip. Wir unterstützten das Festival mit Sonderheften, Vorabberichten, Rezensionen, Interviews mit Regisseuren und Schauspielern. Schon damals war es verwunderlich, dass das Publikum mit großen glänzenden Augen Schlange stand, um irgendeinen asiatischen Dokumentarfilm über das harte Leben kirgisischer Hirten mit usbekischen Untertiteln zu sehen. Filme, die ansonsten ignoriert wurden und den Rest des Jahres im Nischenprogramm der Off-Kinos verschwanden. Leider! Aber es ging nicht um die Filme, niemals und zu keiner Zeit. Es ging immer nur um die Show drum herum. Es war eben die Berlinale. Aber dieses Jahr ist es besonders schlimm. Schafft sie endlich ab!“




















