„Wir sangen mit zu jedem Lied Von Abba, Bowie, Kiss und Sweet Und ich war nie mehr so bekloppt verliebt Wie damals in dich Als wir am Weserufer lagen In unsern Mixkassettentagen“
Musik, die vermutlich nur Boomer verstehen: aber genau so war es – nur daß der Weserstrand bei uns in Hamburg die Elbe war. Und zuweilen die Alster oder einfach nur das Wandsbeker Gehölz samt dem Eiscafé Jakobs und einem Ententeich.
„Dann fingen wir zu knutschen an Du warst an meinem t-shirt dran“
Ein wunderbarer und geiler Mitsingsong, der den Geist und den Ton dieser Zeit trifft: Mixkassettentage aus den 1970er Jahren und später, aus Liebe, aus Lust und aus eitelschöner Jugend heraus gemacht, damals vor dem Radio hockend („Musik für junge Leute“), Musik aufnehmend, auf dem Schulhof nach Mädchen schauend, imaginierend, wünschend, Monas sichtbare Sliplinie unter der Jeans, das was man die ausgehende Kindheit und den Beginn der Jugendzeit nennt. Die Klassenreise nach Bad Harzburg mit 14, Carola, die mich in eines der leeren Zimmer mit den Doppelstockbetten zog, auf eines der Betten warf und Knopf samt Reißverschluß der Wrangler-Jeans (natürlich!) öffnete. Direktheiten, kein Herumgerede, wie es später dann beim verkopften Körper geschah, um der Sache doch wenigstens einen intellektuellen Anstrich zu geben: „Also, den Übergang vom Menschen zum Übermenschen bei Nietzsche, das ist doch eigentlich bis heute, auch für die Kunst, ein schwer lösbares Problem.“
Mit dem Fahrrad, das selten nur ein Bonanza-Rad war, weil zu teuer, durch Hamburg-Horn und Billstedt gurkend.
Wie ich auf solche Musik komme? Ich hörte sie durch einen Zufall. Als ich vorgestern abend, winters und Frost im Anflug, mit dem Auto von Hamburg nach Berlin aufbrach, kurz vorm Eidelstedter Markt durch die Radioprogramme streifte und bei NDR Schleswig-Holstein wegen der Verkehrsnachrichten und den Wetterwarnungen hängenblieb. Und da kam dann das! Was für eine Wucht, dachte ich. Sofort den Sound lauter drehend und mit Begeisterung. Mitsingend und mich ins Herz treffendes! Sentimental, direkt und schön eine Epoche in Musik gebracht. Ina Müller kannte ich eigentlich eher aus ihrer Abendshow und von wenigen Liedern her. Ich mag ihre freche, norddeutsche Art. Das Unverblümte.
Schöner Song auch für Zwischen-den-Jahren in den Zeiten der Rauhnächte, da die alte Zeit wiederkehrt. Ob das Kitsch ist? Ja. Bester Art. Mixkassettentage, das war unsere Zeit!
Es lassen sich Geschichten erzählen. Wir sangen mit zu jedem Lied!
Im Fotoalbum ist noch Platz Ich kleb‘ euch alle darin ein Und dann kommt ihr ins Regal Und vielleicht staubt die Zeit euch ein Vielleicht staubt die Zeit euch ein
Sie tut es nicht, wenn wir diese Szenen des Lebens bewahren und als Augenblick und Vergangenheit festhalten.
Kommen Sie gut ins neue Jahr, liebe Leserinnen und Leser!
Rolf Schultens’ Fotobildband „A 100“ ist ein Buch über eine Autobahn, die mitten durch Berlin führt. Die A 100 und ihre Abzweigungen sind die Verkehrsadern der Stadt und ein Ausbund an Beton und Schauerlichkeit, aber sie bieten zugleich Mobilität. Bleibt die Frage, wie man einem solchen funktionalem Netz mit den Mitteln der Photographie dennoch ein Maß an Schönheit entlocken kann. Schulten gelingt das, indem er zeigt, was ist. Er vermeidet explizite Kritik, und im Grauen des Grau-in-Grau-Betons verstecken sich zuweilen Anflüge von Schönheit. Darin liegt die Stärke des Buches, es wedelt mit keinem Zeigefinger und der Ästhetiker kann noch diesem kalten Klotz Stadtautobahn einiges an Ausdruck, aber auch skurrile Momente ablauschen – so etwa den Luisenkirchfriedhof nahe der Anschlußstelle Spandauer Damm: Menschengräber und ein Ort der Stille an einer der verkehrsreichsten und am dichtesten befahrenen Straßen Deutschlands. Schultens Photographien sind kühl, schon qua Sujet, aber sie klagen nicht unmittelbar an. Dennoch springen auch die schlimmen Momente ins Auge, etwa jene Wohnhäuser direkt an der Autobahn Ecke Kaiserdamm und Messedamm Nord – der Blick auf die Autobahn und eine Geräuschpegel, der niemals abreißt -, samt den Unwirtlichkeiten von Beton und Asphalt.
Unter diesem Pflaster liegt sicherlich nicht der Strand, sondern vielfach nur kaputte Erde und Überbleibsel aus dem letzten Krieg, aber doch gebiert dieses Asphalts- und Betonszenario eine eigene Form von Schönheit, etwa die 70er Jahre-Ästhetik des Tunnels unter dem Innsbrucker Platz, wenn Kacheln und Fliesen schimmern, dazu die Architektur des Betonbrutalismus. Faszinierend auch die Durchfahrt unter dem Degewo-Hochhaus in der Schlangenbader Straße, der A 104, die inzwischen wegen Tunnelschäden auf unabsehbare Zeit gesperrt ist. Wer Berlin kennt, liest aus solchen Photographien zugleich die Berlin-Misere und die Dysfunktionalität dieser Stadt heraus: ein Teilstück der Autobahn, das auf unabsehbare Zeit in genau diesem Zustand bleibt, in dem es gerade ist und was mit den Jahren sich also zu einer Ruine entwickeln wird. Eine Ruinie immerhin unter staatlicher Beobachtung.
Fast nie sind Menschen auf den Bildern zu sehen. Und auch jene Objekte, für welche die A 100 eigentlich gemacht wurde, fehlen komplett: nämlich die Autos. Wir blicken auf eine Autobahn ohne Automobilität, kein Fahrzeug nirgends – fast wie 1973 zur Zeit der Ölkrise und der Fahrverbote. Diese Leere gerade macht den Reiz der Photographien aus.
Die Fotografien zeigen zudem, was sonst nicht zu sehen ist, wenn der Fahrer mit seinen 90 km/h über die Autobahn braust und sich auf den Verkehr konzentrieren muß, ohne Sinn für die Ästhetik dieses langgestreckten sich über Kilomenter hinziehenden Bauwerks, ohne Blick für die Architektur und all die Details, die eine solche Autostraße ausmachen: Brückenpfeiler, Lärmschutzwände, Vegetationsreste, Lichtflächen, Kacheln, Wände, Beton, Häuser. Schultens’ Kamera bleibt dort haften, wo der Blick des Autofahrers zwangsläufigerweise längst weitergezogen ist. Die Autobahn, derart festgehalten, erscheint als eine Landschaft eigener Ordnung, als eine Art negatives Stadtzentrum, ja, im Sinne des Ethnologen Marc Augé als ein Nicht-Ort von ganz eigener Ordnung, nach der Logik von Beschleunigung und Transport, am Modus von Reise und Fortbewegung ausgerichtet. Auf der A 100 existieren keine Räume zum Verweilen, weil es keine Raststätten dort gibt. Außer vielleicht im Auto selbst, wenn der Pendler einmal wieder in einem der vielen Staus festhängt und genügend Muße haben könnte, die eigene Umgebung mit dem Augen eines Fremden, eines Ethnologen gar, zu studieren.
Was dem normalen Betrachter in seinem flüchtigen Blick zunächst als bloßes Phänomen der Infrastruktur scheint, verwandelt sich Seite für Seite in eine Zone des Schwebens: ohne Autos steht plötzlich die Zeit plötzlich. Die A 100 ist bei Schultens kein Ort des Ankommens, sondern ein Zwischen-Ort, eben im Sinne Augés auch. Durch den Blick der Kamera sehen wir Betrachter die Stadt und ihre Verkehrsachsen und Schneisen plötzlich mit einem anderen Auge. Schultens Bilder verweigern den spektakulären Gestus der urbanen Fotografie ebenso wie die nostalgische Verklärung. Stattdessen operieren sie mit Distanz, mit Wiederholung, mit dem leichten Versatz des Blicks. Es sind stille und ruhige, zuweilen fast meditative Photographien, die in ihrer Zurückhaltung diesem Bildband seine Intensität verleihen.
Daß bisher niemand auf die eigentlich naheliegende und geniale Idee gekommen ist, die Berliner Stadtautobahn und ihre Abzweigungen und Zubringerstraßen zum Photo-Sujet zu machen und in eine Serie bzw. in ein Buch zu bringen, verwundert. Um so besser, daß Rolf Schulten auf diese Idee verfiel und uns einen schönen Bildband fertigte.
Rolf Schulten: A 100, Kettler Verlag März 2025, 32,00 € (leider vergriffen, aber Restbestände sind noch beim Photographien bestellbar) Weitere Photographien sind auf der Verlagshomepage an dieser Stelle zu sehen.
Hinweis: Ich habe mir den kleinen Vorweihnachtsspaß gemacht, bei Chat GPT eine Anfrage zu starten: „Schreibe mir eine positive Rezension von Rolf Schultens Fotobildband A 100. Im Stil eines intellektuellen Blogartikels wie etwa dem Blog AISTHESIS von Bersarin.“ Ganz zufrieden war ich allerdings mit dem Text, den Chat GPT auswarf, leider nicht. Ich habe ihn erheblich überarbeitet und nur wenige Sätze und Formulierungen direkt übernommen. Insofern tat ich mit meinem „eigenen“ Artikel genau das, was eigentlich Redakteure machen: nämlich redigiert und komplett umgeschrieben, wenn ein Redakteur mit seinem Autor nicht zufrieden ist..
Was mir allzu waghalsig oder in den Formulierungen zu steil schien, habe ich herausgenommen. So diese Passage:
„In der scheinbar nüchternen Dokumentation der Berliner Stadtautobahn entfaltet sich ein leiser, insistierender Essay über Zeit, Blick und die eigentümliche Ästhetik der funktionalen Moderne. Man könnte sagen: Schultens fotografiert nicht die A 100 – er denkt sie.“
Irgend etwas stört mich an diesem Satz, vielleicht die Aufladung, auch wenn ich die Tendenz nicht ganz falsch finde. Und auch mit diesem Satz bin ich nicht wirklich zufrieden:
„‚A 100‘ ist damit ein Fotobuch, das sich der schnellen Konsumierbarkeit entzieht. Es verlangt Langsamkeit, Wiederlektüre, das geduldige Verweilen beim scheinbar Nebensächlichen. Ganz im Sinne eines Blogs wie AISTHESIS ist Schultens’ Arbeit weniger eine visuelle Aussage als ein Denkraum: ein Angebot, die Autobahn nicht nur zu sehen, sondern sie wahrzunehmen – und sich dabei selbst ein Stück weit zu verlieren.“
Denn das, was Chat GPT mir vorschlägt, sollte eigentlich für jeden Bildband gelten. Photographien wollen langsam, sehr langsam zuweilen, erschlossen werden, selbst jene die in schrillem, wilden Sound von Bewegtheit und Aktion daherkommen, wie etwa William Kleins sehr genialen Photographien aus dem New York der 1950er Jahre. Erst beim intensiven Sehen erschließt sich jegliche (gelungene) Photographie: der Blick fällt auf Details und wir entdecken bei solchem Schauen Weiteres, was unserem Auge beim ersten Betrachten entging. Die Idee mit dem Denkraum aber hat mir zugleich auch wieder gut gefallen. Der Bezug freilich weniger: den jeder Bildband ist trivialerweise eine visuelle Aussage, mag sie auch ausfallen, wie sie will.
Und auch hinsichtlich der philosophischen Aufladung war diese Passage mir ein wenig zu viel überschießende Interpretation:
„Dabei liegt dem Band eine eigentümliche Zeitlichkeit zugrunde. Die Bilder scheinen aus der Zeit gefallen, ohne ins Historische zu kippen. Sie erinnern an Benjamins Idee des dialektischen Bildes: ein Moment, in dem sich Gegenwart und Geschichte kurzschließen, ohne sich aufzulösen. Die A 100 wird zum Archiv einer Moderne, die nie ganz neu war und nie ganz veraltet sein wird.“
Die Überlegung zum Archiv ist in der Tat gut, aber Archiv – im Sinne des Alltagsverständnisses – und Gedächtnis sind Photographien fast immer und insofern erscheint mir diese Formulierung als Allgemeinplatz. Richtig ist allerdings, daß wir in solchen Bildern die (Auto-)Moderne der 1960er Jahre wiedererwecken und zur Anschauung bringen: Der kalte Funktionalismus, die autogerechte Stadt, auch auf Kosten der Natur. Ein wenig wie in den 1970er Jahren jene bunten Bildserien-Drucke, die wir im Kindergarten zu sehen bekamen und darauf erst das gemütliche kleine Dorf mit den schönen Bäumen, den alten Häusern, dem Dorfweiher, den Enten und Tieren zu sehen war, dann die ersten Erweiterungen, eine neue Straße, neue Häuser, immer ein Stück mehr Moderne und im letzten Bild schließlich ein Betonklotzeinkaufszentrum samt einer Autobahn sehen, über die ein unendlicher Verkehr sich ergeht. Kritik des Fortschrittsparadigmas. Schultens Buch macht das freilich subtil, denn man kann diese Bilder auch rein ästhetisch betrachten, so wie ich es tue. Chat GPT sieht das derart:
„In dieser Geste der Ausstellung liegt eine subtile Form der Reflexion: Die Bilder laden dazu ein, die eigene Beziehung zu urbanen Räumen, zu Mobilität und zu Wahrnehmungsroutinen zu befragen. Man liest – oder besser: betrachtet – den Band wie einen stillen Kommentar zur spätmodernen Stadt, in der Funktionalität zur zweiten Natur geworden ist.“
Das ist nicht falsch und eigentlich schön formuliert. Das hätte ich ruhig in die Rezension aufnehmen können. Auch wenn es nicht von mir stammt.
Unter den Ermordeten von Bondi Beach war auch der aus der Ukraine stammende Holocaust-Überlebende Alex Kleytman. Er wollte seine Frau schützen und starb durch die Kugeln der muslimischen Terroristen.
Es ist immer das gleiche Muster. Henry M. Broder brachte es in einem Streitgespräch mit Eva Marie Kogel bereits 2016 auf den Punkt, und zwar im Blick auf Zuwanderung aus muslimischen Ländern:
„Es ist völlig irrelevant, wie viele der 1,6 Milliarden Muslime sich in die Luft gesprengt haben. So, wie es irrelevant ist, wie viele Deutsche ein Parteibuch der NSDAP hatten. Oder wie viele als IM der Stasi zugearbeitet haben. Das Einzige, worauf es ankommt, ist, dass so gut wie alle, die sich in die Luft gesprengt haben und dabei andere mitgenommen haben, es mit dem Ruf „Allahu akbar!“ taten. Oder fällt Ihnen einer ein, der „Gelobt sei Jesus Christus!“ oder „Baruch ha’Schem!“ gerufen hat, während er die Leine zog?
Es ist mir übrigens völlig egal, seit wann in islamischen Ländern gesteinigt wird. Es zählt nur, dass es heute gemacht wird, in Anwesenheit von Menschen, die mit einem Bein in der Barbarei und mit dem anderen in der Moderne stehen und die Steinigungen mit ihren Handys filmen.
Ich verweigere jede Art von Verständnis für diese Art von Kultur. Ich will sie auch nicht importieren. Ich will keine Debatten führen über Kopftücher im öffentlichen Dienst, über Schwimmunterricht für Mädchen, über Männer, die Frauen keine Hand geben wollen, über Schweinefleisch in Kantinen und „kultursensible Pflege“ in Krankenhäusern. Und auch nicht darüber, wie viel Islam im Islamismus steckt.
Ich will auch nicht genötigt werden, mich mit dem Koran zu beschäftigen, weder von weiß gewandeten Salafisten in der Wilmersdorfer Straße noch von Ihnen.
Bleiben Sie bei Ihrer Wertschätzung für das „klassische islamische Recht“, das offenbar von den Kolonialherren versaut wurde.
Und sobald Sie den Islam gefunden haben, der mit Demokratie kompatibel ist, sagen Sie mir bitte Bescheid.“
All of old. Bereits vor neun Jahren und auch vor 25 Jahren schon lagen diese Probleme mit dem politischen Islam offen zutage. Es gab eine Zeit, da mußten sich Juden in Deutschland vor Rechtsextremisten fürchten. Das ist lange her – was nicht bedeutet, daß es keinen rechtsextremistischen Antisemitismus gäbe. Im Augenblick geht für Juden aber – in Deutschland und weltweit – die Gefahr für Leib und Leben von Muslimen aus, die von Linken klammheimlich oder aber auch offen unterstützt werden. Und diese Linke reicht qua Kultur- sowie Universitätsbetrieb und qua Israelberichterstattung der ÖRR-Medien weit bis in die Mitte der Gesellschaft hinein.
In La La Land aber werden auch nach dem xten Attentat durch Muslime wie immer die üblichen Phrasen des Bedauerns abgesondert, ohne daß irgend etwas geschieht oder daß solches wie in Dingolfing irgendwelche Konsequenzen nach sich zöge. Und auch nach wiederholten Straftaten arabischer Antisemiten auf einer ihrer Demonstrationen hat es keinerlei Konsequenzen: nämlich den Entzug des Aufenthaltstitels in Deutschland und die sofortige Abschiebung nach rechtskräftiger Verurteilung. Das Gegenteil geschieht vielmehr: so jene aus Tunesien stammende Frau, die auf dem Steindamm – einer Hochburg des Islams in Hamburg – am 10. Oktober 2023 für eine NDR-Reportage nach ihrer Ansicht zum Massaker der Hamas an Israelis gefragt wurde und antwortete: „Das ist gut, sehr gut sogar. Ich freu mich, daß die so etwas geschafft haben. […] Wir haben gefeiert zu Hause!“ Statt den Aufenthalt dieser Frau in Deutschland zu beenden und sie wieder nach Tunesien zurückzuschicken, gab es eine Geldstrafe auf Bewährung. Ein Rechtssystem, das Antisemiten Rosen auf den Weg streut. Am entlarvensten ist freilich dieser Satz dann gewesen: „Der Frau sei nicht bewusst gewesen, dass es sich um einen Fernsehbeitrag gehandelt habe, der ausgestrahlt werden sollte.“ Na, dann ist ja alles in Ordnung!
Treffend bringt es Ulf Poschardt in seinem heutigen WELT-Artikel mit der Überschrift „Die Verantwortung der Migrationsverklärer“ auf den Punkt:
„Die Zukunft des Westens steht auf dem Spiel. Die Feinde Israels sind die Feinde jüdischen Lebens, und die Feinde jüdischen Lebens sind die Feinde eines freiheitlichen, fortschrittlichen und aufgeklärten Westens. Die ungesteuerte Migration aus muslimisch geprägten Kulturen hat Antisemitismus in einer Weise normalisiert, die ebenso skandalös wie erschreckend ist. Noch übler sind die Allianzen zwischen Linken und Islamo-Faschisten – oder auch rechten Ekelpaketen wie Tucker Carlson, der seinen antisemitischen Mist mit Linken wie der UN-Antisemitin Francesca Albanese teilt.
Warnungen davor, dass ungezügelte Einwanderung aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und Pakistan, aber auch aus Nordafrika die Sicherheit und sogar das Überleben der jüdischen Gemeinden im Westen gefährdet, wurden immer wieder kalkuliert als „Islamophobie“ und „Rassismus“ diffamiert. Die „Refugees Welcome“-Euphorie ignorierte in ihrer stumpfen Zuversicht, was offenkundig war. Karl Lagerfeld sagte es 2017: „Wir können nicht Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen.“
Viele Migrations-Akteure sparen ihre befreundeten Milieus im Kulturbetrieb bis heute von vernichtender Kritik aus. Die berühmte „Man-wird-ja-noch-sagen-dürfen“-Fraktion ist längst nicht nur ganz rechts zu finden, sondern vor allem in der Mitte und links der Mitte – wenn es um die Akzeptanz antisemitischer Israelkritik geht, als postkolonialer Aktivismus umlackiert.
Der Terroranschlag auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach in Sydney steht sinnbildlich für die Wehrlosigkeit des Westens, der in Gestalt der beiden Attentäter mit dem Scheitern der eigenen Integrationspolitik konfrontiert wird. Man akzeptiert, dass eine antiwestliche, unaufgeklärte, in Teilen mittelalterliche und gegen Juden, Schwule und Frauen gerichtete Moral einwandert. Sonntagsreden, in denen die Mehrheitsgesellschaft dazu aufgerufen wird, noch liebevoller mit jenen umzugehen, die ihre Werte mit Füßen treten, sind zu einem Schauerstück der Realitätsverleugnung geworden.
[…]
In den sozialen Medien lässt sich längst der O-Ton jener islamistischen Influencer studieren, die den Deutschen als „Beutegesellschaft“ den Kampf ansagen, sie als Schweinefleischesser denunzieren und als Ungläubige verachten. Dazu passt, dass Ditib nun einen Erdogan-treuen Vorsitzenden hat, der den Antisemitismus aus türkischen Moscheen nach Deutschland bringt. Und an den Universitäten hat sich das „postkoloniale“ Ressentiment breitgemacht. Wie das konkret aussieht, konnte man an der TU und der FU Berlin beobachten. Die Rückgratlosigkeit der Hochschulpräsidenten ist ebenso erbärmlich wie die Hilflosigkeit der Politik. Studenten, die antisemitische Aggressionen an deutschen Hochschulen ausleben, müssten konsequent exmatrikuliert werden.
Durch die Verklärung der Migration verliert das linksliberale, bürgerliche Milieu die politische Mitte. Diese hält seine Protagonisten längst für arrogante Realitätsverweigerer, die sich zu fein sind, ihr realitätsfremdes Gejubel über „Diversität“ zu korrigieren. Weihnachtsmärkte gleichen Hochsicherheitstrakten, und vereitelte Terroranschläge wie jener von Dingolfing sprechen eine deutliche Sprache. Der Hass der islamistischen Täter meint nicht nur Juden, sondern auch Christen. Doch die Kirchen schweigen. Sie haben sich in die Geiselhaft des linken Zeitgeists begeben.
Wer Deutscher werden will, muss sich glaubhaft zum christlich-jüdischen Abendland bekennen – nicht im Sinne einer Konversion, sondern im Sinne einer Verteidigung von dessen Werten. Jeder Antisemit ohne deutschen Pass sollte das Land verlassen. Jeder Antisemit mit doppelter Staatsangehörigkeit sollte den deutschen Pass verlieren und gehen. Wir brauchen harte, unmissverständliche Zeichen dafür, dass es ein freiheitliches Deutschland nur gibt, wenn dort jüdisches Leben existiert – und zwar nicht eingesperrt in einen von israelischen Sicherheitskräften und Dutzenden von BKA-Beamten geschützten Safe Space.
Deutschland ist ohne jüdisches Leben nicht vorstellbar. Es ist aber sehr gut vorstellbar ohne jedes Spurenelement des Islamismus. Und ebenso ohne jene zynischen, saturierten intellektuellen Verlierer, die sich in den „radikalen Verlierern“ (Enzensberger) des Islamismus ein Double ihres Hasses auf den Westen gesucht haben.
Nur wer konsequent Antisemiten abschiebt, darf auch Sonntagsreden vor den Chanukka-Leuchtern halten. Wer das nicht will, sollte besser schweigen.“
Der britische Photograph Martin Parr ist gestorben. Alt wurde er leider nicht – geboren am 23. Mai 1952 im der englischen Stadt Epsom und gestorben am 6. Dezember 2025 in Bristol.
Bekannt wurde Parr vor allem mit seinen Strandphotographien. Teils absurde Bilder, die es in dieser Art wohl nur in England geben konnte, gerade auch aufgrund der Klassenlage dort und dem immer stolzen Bewußtsein für die eigene Herkunft. Einerseits. Aber zugleich zog es Parr mit seinem Thema „Strand, Meer und Menschen“ auch in andere Regionen, so an die Copacabana, nach Punta del Este in Uruguay, nach Cartagena und Valparaiso in Chile, Mar del Plata in Argentinien, ins indische Goa: da sehen wir einen jungen nordeuropäisch-bleichen Mann im Sand liegen, von links spazieren zwei Inder in voller Bekleidung am Meer, rechts beim Mann eine junge Frau in einem roten Badeanzug, Kleidung liegt verstreut im Sand und in der Mitte des Bildes steht seelenruhig und ungestört ein helles Rindsvieh direkt vorm Wasser.
Strände der Welt in China, in Belgien, Spanien und der Ukraine, Strand, Meer und Palmen sogar in einer Halle, nämlich in Japan der absurde Ocean Dome in Miyazaki, wo Strandleben im Studio simuliert wird. Menschen, die sich am Meer sonnen, Frauen und Männer, die vor sich hinschnarchen, eine ältere Frau, die auf einer Bank an der Strandpromenade in Weymouth den „Sunday Mirror“ liest. Aber auch „The sun“ ist am englischen Strand beliebte Lektüre. Dazwischen immer wieder Absurdes. Der Mann mit graubehaarter Brust, der einen gelben Plastikball an seinen murmelrunden Bauch hält. Strandspaziergänger in Bikini und Badehose, ausgestreckt daliegende Sonnenhungrige, die da mit gespreizten oder verschränkten Beinen lungern. Man weiß nicht, was die Menschen zum Wasser ans Meer zum Sonnenbaden zieht, aber eine Antwort darauf ist vielleicht zu finden in dem Buch mit dem sinnigen Titel „Life’s a Beach“.
Gehalten sind die Photographien in einem kühlen, sachlichen Licht. Die spezielle Atmosphäre dieser Bilder entstand durch den Einsatz eines besonderen, im Freien und bei Tageslicht eingesetzten Blitzes, der ein kaltes Licht produzierte, dazu satte Farben, manchmal ins Blau- oder ins Rotstichige tendierend. Klar konturiert, scharf. Parr portraitierte die englische Gesellschaft, oftmals die unteren Schichten, so wie in der Serie „New Brighton, Merseyside“ aus „The Last Resort“ (1983–86). Parr hält Häßliches wie auch Entstelltes fest, die englische Unterschicht und ihre Art des Konsums, und verschafft Entstelltem und Häßlichen doch mittels solcher Photographien einen ganz eigenen Reiz. Seine Bilder denunzieren nicht. Sie sind schrecklich und schön in einem.
Man machte ihm den Vorwurf des Voyeurismus – mag sein. Aber jeder gute Photograph ist ein Voyeur, der seine Objekte in dieser oder in jener Weise in Szene setzt. Zudem hängt es vom Blickwinkel ab, ob wir mit Eiscreme beschmierte Kinder oder eine Mutter, die sich am Strand vor einem Bagger sonnt, während das Mädchen dort spielt, Eimer und Schaufel im Vordergrund, als Zurschaustellung von Peinlichkeiten oder aber als unverstelltes Leben interpretieren. Nicht Klassismuskrams, sondern klare Klassenkontur. Parr zeigt, was ist und er spitzt es mittels Licht und Film zu. Eine großartige Photographie.
Es ist, wie es ist. Zeigen, was ist, so das Motto des Phänomenologen. Freilich bestimmen Filmwahl, Zeit, Blende, Licht sowie Ausschnitt und Weglassen von Kontext zugleich auch die Sicht auf das Phänomen. Das Faktische ist, wenn wir es vom Lateinischen nehmen, immer auch das Gemachte.
Man sollte freilich nicht den Fehler begehen, nur an Parrs Strandbildern festzuhängen. Parrs Photographien sind auch in seinem Frühwerk ästhetisch innovativ und zugleich immer auch ein Stück Sozialreportage und ästhetische Inszenierung in einem – so etwa seine bereits 1974 in Farbe gehaltene Arbeit „Home Sweet Home“, seiner Abschlußarbeit an der Kunsthochschule in Manchester. Nicht bloß Photographien zeigte Parr, sondern eine Intallation, darin mit der Referenzialität des Mediums Photographie wie auch mit bestimmten Lebenswelten gespielt wurde, Mitte der 1970er Jahre eine für die Photographie schwer avancierte Darbietung. Parrs Photos hingen in einem Photo, welches ein Wohnzimmer zeigte, darin eben seine Photos hingen, real präsentiert, als Environment, wiederum in einem kleinbürgerlichen englischen Wohnzimmer. Lebenswelt des englischen Kleinbürgertums. „Kunstforum“ schreibt anläßlich der Parr-Ausstellung samt Rekonstruktion dieser Installation 2004 in den Hamburger Deichtorhallen: „Dies ist nicht nur die Welt, die Parr fotografisch erforscht (vergleichbar zu John Waters in den USA). Es ist eine Welt, die ihre eigenen Bilder generiert, deren formale Varianten Parr mit eigenen Bildinhalten koppelt. Publizistischer Nachkömmling dieses Verfahrens sind zahlreiche seiner konzeptuellen Bücher. Die Urlaubspostkarte und das Fotoalbum sind die Inkunablen dieser Bildwelt …“
Und konsequenterweise gibt es im „Neuen Museum Nürnberg“ die Ausstellung „GRAND HOTEL PARR. Fotobücher von Martin Parr“ (noch bis zum 22. Februar 2026). Bilder sind Medien, die nicht nur bloß Gegenstände, Landschaften, Menschen oder andere Lebenwesen zeigen und repräsentieren, sondern zugleich auch auf einen Repräsentationsraum angewiesen sind. Und das eben erzeugt Blickachsen und bezieht auch die Betrachter in solche visuellen Prozesse von Wirklichkeitsfindung mit ein.
Auch Parrs frühen Schwarzweiß-Photographien zeigen bereits seinen Faible fürs Szenische, aus der klassischen Streetphotography, aus der Dokumentarphotographie kommend und doch waren diese Photographien immer auch perfekt komponiert. Insofern ist es konsequent, daß er der Photoagentur Magnum angehörte. Aber auch in diesen frühen, genialen Bildern in Schwarzweiß finden sich der für Parr typische, wohl sehr britische Humor und auch sein Sinn für besondere Szenen.
Bei seinem Wechsel zur Farbphotographie Mitte der 1980er Jahre schärfte er diesen Blick und transformierte ihn ins Fahrwasser der neuen, technischen Moderne. Jene 50er-Jahre, die wir uns, wie aus der Zeit gefallen, immer ein bißchen noch in Schwarzweiß vorstellen oder allenfalls in den üblichen, hübschplüschigen Pastellfarben – obgleich Parrs s/w-Aufnahmen allesamt in den 1970er Jahren entstanden -, wurde bunter. A new England, ein neues England scheint auf: das nämlich der Konsumwelt und der Freizeit. Während wir in seinen frühen Photographien aus den 1970er Jahren immer noch jenes (scheinbar) traditionelle England in Schwarzweiß vor uns glauben, wie wir in Deutschland es uns aus alten Filmen vergegenwärtigen – promient sicherlich das inszenierte England in den Edgar-Wallace-Filmen -, schreiben wir mit den Farbdokumentationen eine andere Zeit, die zugleich aber auch schon wieder historisch ist, wenn wir diese Photographien von der Gegenwart betrachten.
Parrs Sujet sind vor allem die Menschen in ihrer Umgebung und ihrem (nicht immer natürlichen) Habitat. Ich habe mir immer gewünscht, derart Menschen ablichten zu können. Aber dafür muß man vielleicht Menschen mögen. Oder sie eben doch ganz besonders hassen. Und da sehe ich dann doch wieder eine Chance für mich, mehr solcher Reportagen mit Menschen zu fertigen – wobei das heute im Zeichen des Internets und der unerwünschen Zirkulation von Photographien schwieriger geworden ist. Menschen lassen sich nur noch ungerne zufällig photographieren. Das ist die neue Wirklichkeit der photographischen Situation. Auch auf diese – oftmals unerwünsche – Ubiqiotät des Bildes und daß einer sich jederzeit irgendwo in den Weiten des Internets als Schnappschuß wiederfinden kann und mit einer Gesichtserkennung sogar identifizierbar ist, muß Photographie in irgend einer Weise reagieren. Parrs Wirklichkeit war damals noch eine andere. Spielerischer.
Mit Parrs Farbbildern wird die Wirklichkeit zwar gezeigt, aber doch zugespitzt. Als soziale Wirklichkeit. Auf ihre Widersprüche hin und ihr immer auch Absurdes. Sind Parrs Photos politisch? Ja und nein. Wir sehen aus den 1980er Jahren nicht das England des radikalen gesellschaftlichen Umbau unter Margarete Thatcher, berittene Polizei und kämpfende Gewerkschafter, weg von Schwerindustrie und Bergbau hin zu einer Diensleistungsgesellschaft. Wir sehen nicht die Kämpfe jener Jahre: Streiks und Straßenschlachten, aber sehr wohl weisen uns diese Photographien auf das Entstehen einer postindustriellen Gesellschaft. Und zugleich sehen wir diesen Umbau bei Parr auf eine subtile Art eben doch, wenn wir denn in der Lage sind, überhaupt noch geschichtlich zu denken und Bilder auf diese Weise zu betrachten und vor allem zu interpretieren.
Mit seinen späteren Photographien, oftmals quietsch- und bonbonbunt wie in „Cherry Blossom Time in Tokyo“ von 2000, aber auch mit der Gestaltung des „Life’s a Beach“-Buches konnte ich weniger anfangen. Aber gerade weil es die klassische Sicht brach und sich dem Kitsch der Konsumkultur stellte und ihr einen visuellen Ausdruck verschaffte, waren auch diese Photos gelungen. Daido Moriyama in Farbe vielleicht, gemildert um alle Härten. Man müßte in einer Ausstellung vielleicht einmal beide Photographien zusammenbringen.
Anfangs, als ich mir die ersten Photos von Parr irgendwann vor Jahrzehnten betrachtete, hielt ich ihn zunächst für einen strengen, kalten Photographen. Doch dieses Urteil änderte sich, wenn man weitere Photographien sah: oftmals war da ein Witz eingebaut. Unbedingt zu erwähnen ist insofern Parrs Humor, der viele seiner Arbeiten trägt. Die Lage der arbeitenden Klasse im Konsumkapitalismus gleichsam. Böse, gewitzt.
Nun ist einer der großen Photokünstler gestorben. So viel Schönes wäre an neuen Ideen und Kompositionen noch zu erwarten gewesen, denn 73 ist kein Alter. Viel zu früh also. Das schreibt sich so dahin und ist eine Phrase, die uns leicht über die Lippen geht. Parr war der Photograph, der solche Phrasen wie auch die Normalität unserer Tage in witzigen wie auch zugleich traurig-melancholischen Photographien aufspießte: War das, was Parrs Bilder uns zeigen, nun die kalte Kritik am Common c’est der Warenwirtschaft oder aber zugleich auch das sich dazugesellende Schmunzeln übers Absurde unseres Alltags, was wiederum ins Traurigtragische umschlägt? Das kleine Menschenbürgerlein an der Supermarktkasse beim Konsum, wenn es das Schnäppchen gibt. Der Mensch am Strand, mit nichts als seiner roten oder bleichen oder dunklen Haut. Am Ende ist alles Kulisse und Inszenierung und Bühne. Wir treten ab und letzter Vorhang, Applaus und Licht aus.
Gegen die ARD-Israelkorrespondentin Sophie von der Tann regt sich erheblicher und berechtigter Protest, daß sie heute in Köln den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhält. Ein Preis, benannt nach einem renommierten ARD-Journalisten, der Nachricht und Meinung strikt trennte. Alte Schule des Journalismus und nicht der Aktivistenstall, aus dem sich zunehmend das Personal der öffentlich-rechtlichen Medien rekrutiert. Ein Preis mithin, der von der Tann nicht zusteht, weil sie weder intellektuell in der Lage noch politische willens ist, Nachricht und Meinung auseinanderzuhalten. Ihre Art der Berichterstattung ist mehr als kritikwürdig, wie man etwa in der FAZ bei Esther Schapira (ehemals HR), in der Jüdischen Allgemeinen bei Sarah Maria Sander (empfehlenswerter Youtube-Kanal auch) und in der WELT bei Christoph Lemmer nachlesen kann. Vor dem 7. Oktober wurde die Terrororganisation Hamas von ihr als Widerstand bezeichnet oder aber als „militante palästinensische Organisation“ beschönigt. (Ist der NSU für Sophie von der Tann dann auch eine militante deutsche Organisation, die Widerstand leistet? Mal so in den Raum gefragt. Wie groß wäre der „Aufstand der Anständigen“, wenn das irgend ein Journalist in ARD zu prominenter Stunde derart nonchalant in den Raum werfen würde.)
Diese Relativierungen von Terror und Gewalt geschah nicht nur einmal, sondern in fast jedem Bericht wird von der Tanns private Gaza- und Paläsina-Agenda eingeschmuggelt. Keiner im Kulturbetrieb und im Journalismus würde es unkommentiert hinnehmen, wenn Ken Jebsen, Albrecht Müller oder das Team der Nachdenkseiten den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhielten, nur weil in der Jury jene Sympathisanten hocken, die deren politische Agenda durchziehen wollen. Oder wenn Sahra Wagenknecht den Sacharow-Preis bekäme, weil sie sich so sehr für Frieden in der Ukraine einsetzt.
„Deutschland im November 1938 war ein blühendes Land.“
„Und da ist der Turnklub für die deutsche Jugend in Hamburg im August 1943. Ich weiß noch wie er 1938 vor dem Krieg aussah!“
Ersetze Deutschland bzw. Hamburg durch Gaza und Turnclub durch Boxklub für Mädchen und dann hat man Sophie von der Tann. Diese Sätze werden in der ARD im MoMa geäußert. („Ihre Gebühren bei der Arbeit!“ Hohoho!) Daß in Gaza kein Sportverein, keine Institution ohne die Hamas geht, hat uns diese Spitzenkraft des öffentlich-rechtlichen „Journalismus“ leider vorenthalten.
Aus jeder Pore der unsäglichen Person trieft ihre politische Haltung. Man kann sicherlich auch Israel kritisieren (ich tue es nicht, weil ich das Vorgehen Israels für richtig halte). Wer aber, wie von der Tann in Gaza niemals die Hintergründe erwähnt, der betreibt keinen Journalismus, sondern will für deutsche Zuschauer ein Agenda-Setting und ein Framing betreiben. Im Auftrag des ÖRR, zu prominenter Stunde, etwa bei der „Macht um acht“.
Das eigentliche Problem ist aber nicht von der Tann. Sondern es sind die ÖRR-Gebührenmedien.
Im Blick auf guten Journalismus, darin in klassischer und redlicher Manier Nachricht von Meinung bzw. Kommentar getrennt wird, zitiere ich den Beitrag eines Facbook-Freund. Da er sein Posting auf „privat“ gestellt hat, mache ich es ohne Namen:
„Guter Journalismus ist diszipliniert darin, strikt zwischen Bericht und Kommentar zu trennen. Wenn ein Journalist berichtet, dann hat er das, was er berichtet, nicht zu kommentieren. Das meinte Hajo Friedrichs, als er forderte, Journalismus dürfe sich nicht gemein mit einer Sache machen, auch nicht mit einer guten.
Ein Beispiel, wie die Trennung zwischen Bericht und Kommentar funktioniert, ist Rainer Munz (Bild), der u.a. für rtl und n-tv aus Moskau berichtet. Schalten mit ihm zeigen ihn immer unaufgeregt und nüchtern. Persönliche Anmerkungen, auch nur kleinste Andeutungen verhindert Munz immer. Er ist nah dran an den Wahrheiten, von denen er berichtet, ohne selbst Teil derer zu sein.
Die Kritik an Sophie von der Tann beginnt an diesem Punkt: Sie berichtet nicht, sondern kommentiert. Für wen oder gegen was sie dabei nun Stellung bezieht, ist zunächst irrelevant, entscheidend ist, dass sie in ihrer Berichterstattung Teil des Berichtswesens wird. Das darf einer guten Journalistin / einem guten Journalisten nicht passieren. Dass sie dabei in der Horn der unzähligen Meinungsmachenden bläst, die im Grunde die Propaganda der Hamas verbreiten, und dass sie dabei nicht müde wird, ihr „Gerücht über die Juden“ (Adorno) ins Mikrofon zu plärren, macht es schlimmer, ist aber erst der zweite Kritikpunkt. Zuvorderst agiert von der Tann schlicht jounalistisch ungenau.
Die Aggressivität, mit der User sie in Social Media nun meinen verteidigen zu müssen, ist mir unverständlich: Wer Wahrheiten zu Meinungen verschwurbelt, der muss eben damit rechnen, dass andere Meinungen sich dazu zu Wort melden. Dabei hätten Berichte über Wahrheiten doch vollkommen gereicht.“
Diese Kritik an von der Tann muß zudem eine Debatte nach sich ziehen, was Aktivisten, die sich als Journalisten tarnen – mit Helm sogar!, soviel Häme muß sein! – in einem der wichtigsten Nachrichtenmedien in Deutschland zu suchen haben.
Immer wieder wird der Ton der Kritik beklagt. Mag sein, daß mancher übers Ziel hinausschießt, wenngleich ich bisher noch keinen einzigen solchen Beitrag gelesen habe.
Wer etwa den Ausdruck „Pressesprecherin der Hamas“ kritisierst, den ich als polemische Zuspitzung für zutreffend halte, der sollte besser auch einmal in den Blick nehmen, was derartige nicht nur mehr bloß antiisraelische Propaganda für Auswirkungen hat: Propaganda, die von der Tann mittels eines Mediums verbreitet, das in Deutschland Millionen Menschen sehen. Daß in dieser Gesellschaft der Antisemitismus und der Haß auf Israel massiv angewachsen ist. Nicht nur bei migrantischen Muslimen, was hier in Berlin und anderen deutschen Städten tagtäglich zu erleben ist, sondern auch bei Biodeutschen. Und im Verhältnis dazu, was Juden in Deutschland inzwischen zu erdulden haben, scheint mir der Ausdruck „Pressesprecherin der Hamas“ freundlich. Ich würde das sogar auf die These zuspitzen, daß auch die ÖRR-Bezahlmedien zu einem erheblichen Teil für die antiisraelische und damit leider auch oftmals im Konnex stehenden immer weiter grassierenden Antisemitismus mit verantwortlich sind. Der sich in Deutschland immer weiter ausbreitende Antisemitismus, inzwischen nicht mehr nur bei muslimischen Migranten, ist nicht vom Himmel gefallen. Akteure und Aktivisten wie Sophie von der Tann sind ganz wesentlich für diese Stimmung im Land mitverantwortlich.