Zum Tod von Martin Walser

Walsers Novellen und Romane habe ich zuletzt in Intensität in den 1980er Jahren gelesen, gerne gelesen, wie ich zugebe, als ich mich mit der Litertur der Bundesrepublik Deutschland und auch mit ihrer Geschichte befaßte und in welcher Weise sich das in der Dichtung bei so unterschiedlichen Autoren wie dem Wolfgang Koeppen und ebenso bei Arno Schmidt, bei Alfred Andersch, Böll und Grass und vor allem auch in der Dichtung Celans zutrug. Und so auch in Walsers frühem Roman „Ehen in Philippsburg“, den ich insofern, wie ich hier aus der Erinnerung heraus nur schreiben kann, gerne las, weil darin ein, wie man so schön sagt, Sittenbild der noch jungen BRD geschrieben wurde – zumindest von einer bestimmten, diese Republik prägenden Klientel her: der des Kleinbürgers. Eine treffende Beschreibung solcher Verhaltensauffälligkeiten aus der nivellierten Mittelstandsgesellschaft und derer, die es sich von der Zeit her leisten können, eine Geliebte zu haben, liefert Walser in dieser Passage:

„Obwohl jede Geliebte sich von der vorhergehenden unterscheidet, die Rechtfertigungen bleiben die gleichen. Erstaunlich aber ist, daß die Geliebten, die ja immer schon Geliebte auch anderer Ehemänner gewesen sind, daß sie die Klagen jedesmal wieder zum ersten Mal zu hören glauben, obwohl auch sie sie schon längst auswendig können müßten, da ja nicht nur jeder einzelne dabei immer wieder das gleiche erzählt, sondern alle Ehemänner der Welt nur eine einzige Klagemelodie haben, die sie in immer die gleichen Ohren auf die gleiche Weise singen. Es wird also nicht bloß die Ehefrau betrogen. Diese Männchen sind anständig genug, auch sich selbst zu betrügen, und die, mit denen sie betrügen, dazu.“

So war das damals und so ist es vermutlich auch heute.

Eine schöne Figurenrede und eine Persiflage auf den akademischen Betrieb findet sich in Walsers „Brandung“ von 1985, darin es um jenen bereits aus dem „Fliehenden Pferd“ bekannten Helmut Halm geht, der eine Gastdozentur in Kalifornien annimmt:

„Er sein gerade dabei, die Fahnen seines Aufsatzes Erst Nietzsche und dann Kafka zu korrigieren […], er werde Halm eine Kopie davon machen lassen; in diesem Aufsatz habe er sich in einem abgefeimten understatement als Nichtnietzschefachmann bezeichnet; leider könne er Nietzsche hier kaum anbieten, hier sei man noch auf dem Soziologietrip. Vokabular statt Sprache. In Europa werde Nietzsche jetzt zuviel zitiert, weil er in den zwanzig Jahren davor zuwenig zitiert worden sei. Mehr ist ja nicht, das Geistesleben, als Zuviel- und Zuwenigzitieren und Zitiertwerden. In Berlin sei neulich ein Kollege, wärehnd er Nietzsche zitierte, tot umgefallen. Unsgefährlich sei es zum Glück nicht, das Geistesleben.“

Eine feine, nein zugleich auch eine derbe, aber gute Parodie jenes Nietzscheianischen „Lebe gefährlich!“ Und immerhin stürzte der Held sich in Kalifornien in die Brandung und entging nur knapp dem Tod, und auch unglückliche Liebe kann zuweilen für das Leben gefährlich sein.

Aber es findet sich in dieser Prosa ebenso die Selbstbespiegelung jener Zeiten: das was man für die Literatur der 1970re Jahre die Neue Subjektivität nannte, darin das Ich zum Gegenstand des Erählens wurde, oftmals aus der Perspektive des Autors. Walser zelebrierte sie jedoch in der Figurendistanz und  erfand sich sein Ich-Personal anstatt bloß distanzlos aus sich selbst heraus zu schrieben und „Ich“ mit dem Ich zu verwechseln. Jene Neue Subjektivität, sozusagen eine frühe Form jener I bimms-Literatur der 2010er und 2020er Jahr, unterlief Walser. In der Figurenrede und der Perspektive von Halm gesprochen:

„Man weiß nie, ob man sich wirklich durchschaut, wenn man sich gnaz zu durchschauen glaubt. Vielleicht fällt man nur auf eine weitere Kulisse herein, die man vor den wirklichen Befund schiebt, weil der für das sogenannte Selbstgefühl unerträglich wäre.“

Nah ist dies  zugleich an all den Selbstzerknirschungsdiskursen jener Jahre. Ichproben. Mein Name sei Halm.

„Ich kann nur aus Liebe schreiben. Liebe ist mein Hauptbeweggrund“, so zitiert Andreas Platthaus in seinem Nachruf diesen Walser-Satz aus dem Jahre 2015. Daß ihm das Schreiben aus Wut mißlang, zeigt vielleicht besonders deutlich sein Roman „Tod eines Kritikers“ – wobei ich eben zugleich auch denke, daß Literatur so etwas darf. Und dennoch ist Rache ein Gericht, das kalt gegessen werden will. Ein Autor, ein Mann der Sprache sollte vor allem aufpassen, daß er in seiner Prosa keine Klisches bedient, aus der deutschen Geschichte heraus muß es selbstverständlich sein, daß sich gewisse Stereotypen in Schrift und Bild verbieten. Wut kann, wie man an Thomas Bernhards Schreibfuror sehen kann, ein wunderbares literarisches Mittel sein, nachzulesen in „Holzfällen“, und sie sollte auf eine ästhetisch gelungene Weise kalkuliert werden, wenn man etwa einen Literaturkritiker treffen will. Man denke nur an Peter Handkes großartige Kritikerbeschimpfung in „Die Lehre der Sainte-Victoire“, darin sich Marcel Reich-Ranicki anscheinend wiederkannt fühlte bzw., ich weiß die Umstände nicht mehr genau, wiederkannt wurde. [Und auch Neo Rauchs witzige und pointierte Antwort an Wolfgang Ullrich, in dem Bild „Der Anbräuner“ ist ein genialer Zug.] Aber das Thema Antisemitismus und die Instrumentalisierung  eines Vorwurfs will ich hier gar nicht so sehr zum Thema machen, das soll morgen in einem zweiten Teil geschehen, wenn ich auf Walsers vermeintlich skandallöse Friedenspreis-Rede von 1998 eingehe.

Daß jeder Autor seine Zeit und seine Epoche hat, mag man – zumindest als Tendenz – daran ersehen, wie er für die Gegenwart noch in den Buchhandlungen vertreten ist. Hier bei mir bei Hugendubel, wo ich heute morgen, bevor ich auf den Markt ging, schaute, war kein Walser-Buch zu entdecken. Aber vielleicht sagt solches mehr über die Buchhandlungen aus als darüber, was bleibt und was vergeht, und womöglich wird sich bei Dussmann eine bessere Auswahl von Walserbüchern finden. Festzuhalten ist, daß Walser bis zuletzt schrieb und publizierte. „Das dreizehnte Kapitel“ (2012), ein theologisch inspirierter Briefroman, habe ich damals gerne gelesen und ich würde auch heute noch sagen, daß sich die Lektüre lohnt: zusammen mit „Ein fliehendes Pferd“ und „Ehen in Philippsburg“.

 In seinem Essay „Wozu Kunst“ (DIE ZEIT, Dezember 2018) schrieb Walser einige treffende Zeilen über das Schöne und über den Tod:

„Mehr als schön ist nichts, habe ich einmal geschrieben. Tatsächlich hatte ich erlebt, dass die einzige Art, das zum Tod verurteilte Leben erträglich zu machen, das Schöne ist. Also die Kunst. Also zum Beispiel das Theater.
(…)
Jetzt aber das Geständnis, dass es lang her ist, dass ich den ersten Satz schreiben konnte, mehr als schön sei nichts. Heute heißt der Satz: Mehr als schön ist NICHTS. Großgeschrieben. Als Hauptwort. Dass NICHTS mehr ist als schön. Das Einzige, was mehr als schön ist, ist NICHTS. Das NICHTS. Es ist ein temperaturloses, farbloses Wort. Für den gläubigen Christen ist es ein Unwort. Seine Zukunft ist der Himmel oder die Hölle. Wir, die weder in den Himmel noch in die Hölle kommen, vertreiben uns die Zeit mit allem Möglichen, eben auch mit Kunst. Oder positiv: Weil man nicht andauernd an das NICHTS denken kann, macht man etwas Schönes – Gedichte, Symphonien, Theaterstücke. Zum Beispiel Klopstocks Ode an den Zürcher See: „Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht, auf die Fluren verstreut“.
(…)
Es wurde längst formuliert, dass wir zu viel zu wissen kriegen und zu wenig damit anfangen können. Es war Kierkegaard, der merkte: Durch direkte Mitteilung ließ es sich nicht machen, da sich diese immer nur zu einem Empfänger, in Richtung auf sein Wissen und nicht wesentlich zu einem Existierenden verhält. Er erfand die „Gegensätzlichkeitsform“, um das „Inkommensurable“ auszudrücken. Und es ist das Schöne, das dann dem Unausdrückbaren der menschlichen Existenz zu Hilfe kommen sollte.

Mein Helfer und Ermutiger war lebenslänglich Nietzsche. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, und es war dann diese Stelle: „Hier wird es nöthig, uns mit einem kühnen Anlauf in eine Metaphysik der Kunst hinein zu schwingen, indem ich den früheren Satz wiederhole, dass nur als ein ästhetisches Phänomen das Dasein und die Welt gerechtfertigt erscheint.“

Nietzsche erlebt unsere Fähigkeit, die musikalische Dissonanz schön zu finden, und schließt daraus: „… wie überhaupt die Musik, neben die Welt hin gestellt, allein einen Begriff davon geben kann, was unter der Rechtfertigung der Welt als eines ästhetischen Phänomens zu verstehen ist.“

Komisch genug, dass es mir heute vorkommt, man könne den Titel seiner Arbeit auch umdrehen: die Geburt der Musik aus dem Geist der Tragödie. Auf jeden Fall war es von Nietzsche aus nicht weit zu meinem Satz: Mehr als schön ist nichts. Und jetzt eben das Erlebnis, die Erfahrung: dass das Nichts mehr ist als das Schöne. Und dass die ganze wunderbare Kultur nichts ist als ein Zeitvertreib. Eine wunderbare Ablenkung von dem, was uns (allen) bevorsteht.“

Ein schöner Gedanke. Ob er auch tröstlich ist, weiß ich nicht. Martin Walser zumindest hinterließ ein umfangreiches Werk, und mit ihm ist wohl der letzte Großschriftsteller der alten Bundesrepublik gestorben. Wer wissen will, wie es im Westen damals war, der wird um die Lektüre von Martin Walser nicht herumkommen.

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Copyright: CCC-Lizenz (Wikipedia entnommen)

 

Georg Lukács‘ „Geschichte und Klassenbewußtsein“ – zum 100. Jubiläum eines Klassikers

„Es muß […] ein Menschliches an den Dingen sein, das nicht durch Arbeit gestiftetet wird.“
(Walter Benjamin, Brief an Adorno, Paris, 7. Mai 1940)

Kann es sein, daß es Werke gibt, die ihre Geschichte haben und deren Geschichte dennoch in gewisser Weise vorbei zu sein scheint? Verschluckt, vom Geist der Zeit ins Abseits gebracht – vielleicht auch, weil sie einstmals eine Wirkung entfalteten, die von der Gegenwart her nur noch schwierig nachzuvollziehen ist und weil viele der Überlegungen, die Lukács damals anstellte und die er vor allem an die Arbeiterklasse band, in der westlichen Welt nur noch bedingt aktuell sind? Wir sind eine kapitalistisch organisierte Arbeitsgesellschaft – der nur eben die Arbeiterklasse abhandengekommen ist.

Was nun dieses Altwerden einer Gestalt des Lebens betrifft, da will es mir scheinen, daß es mit Georg Lukács‘ „Geschichte und Klassenbewußtsein“ sich derart verhält. Eines der zentralen Bücher des Neomarxismus, und es ist Vergangenheit oder allenfalls von philologischer und philosophiehistorischer Relevanz im Blick auf jene Kritische Theorie, die 1923 mit der Gründung des „Instituts für Sozialforschung“ in Frankfurt begann, das inzwischen Geschichte ist, weil in einer globalen Welt, wie es sie weder in den 1920er noch in den 1960er Jahren gab, die Zeiten andere geworden sind.

„Geschichte und Klassenbewußtsein“ erschien vor 100 Jahren, es war außerordentlich bedeutsam für die frühe Kritische Theorie – gerade in ihrer kritischen Absetzung von einem Arbeitermarxismus und im Blick auch auf Erich Fromms sozialpschologischer Studie „Arbeiter und Angestellte am Vorabend des Dritten Reiches“, darin das Versagen der Arbeiter(klasse) vorm Faschismus Thema ist. Aber es ist dieses Standardwerk des frühen 20. Jahrhunderts (neben Freuds „Jenseits des Lustprinzips“, Husserls „Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie“, Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“ und Heideggers „Sein und Zeit“) ebenso bedeutsam hinsichtlich Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“, wenn es darum ging das Wegbrechen und Versagen der Arbeiterklasse unter dem Faschismus wie auch dem Stainismus zu analysieren und warum Aufklärung in Barbarei umschlagen kann und jene Arbeiterklasse schon lange nicht mehr das bessere und das richtige Bewußtsein besitzt und dem des Bürgers nichts mehr voraus hat; und insbesondere, was vielleicht weniger gut bekannt ist, war „Geschichte und Klassenbewußtsein“ auch hinsichtlich der Debatte von Adorno und Benjamin über dessen Kunstwerkaufsatz bedeutsam, vor allem aber im Blick auf Marx‘ Kapitel zum Warenfetischismus und dem, was bei Lukács wie Adorno dann Verdinglichung genannt wurde – einem jener zentralen Termini früher Kriitscher Theorie. Aber im Feuilleton zumindest und auch, was die Buchproduktion betrifft, schlägt sich dieses Jubiläum leider nicht besonders nieder. Oder täusche ich mich?

Schade ist dieses Vergessen vor allem, weil Lukács im Blick auf Gesellschaftskritik und Ästhetik und auch hinsichtlich seiner entsetzlichen Irrtümer ein spannender Denker bleibt: von seinen frühen Jahren, im Kreis um Max Weber und seiner Freundschaft mit Ernst Bloch, bis zu seinem Ende hin, als Lukács nach dem Ungarnaufstand, von den eigenen Genossen verhaftet, bemerkt haben soll: Ich glaube, Kafka war doch Realist.

Eine subtile, genaue, im Detail aber auch leicht polemische Skizze von Lukács lieferte Adorno 1925 in einem Brief an seinen Freund Siegfried Kracauer aus Wien:

„Morgenstern rief mich an und lud mich zu Lukács ein, […]. Am Sonntag war ich draußen bei ihm, ganz allein, in Hütteldorf, Istarygasse 12, wo er parterre ein pointiert ärmliches Zimmer bewohnt. Mein erster Eindruck war groß und tief; ein kleiner, zarter, ungeschickter blonder Ostjude mit einer talmudischen Nase und wunderbaren, unergründlichen Augen; in einem leinenen Sportanzug recht gelehrtenhaft, aber mit einer ganz konventionslosen, totenhaften klaren und milden Atmosphäre um sich, durch die von der Person nur Schüchternheit leise durchdringt. Das Ideal der Unscheinbarkeit verwirklicht er und freilich auch die Idee der Intangibilität. Ich fühlte sofort ihn jenseits auch nur möglicher menschlicher Beziehung und habe mich auch in dem mehr als dreistündigen Gespräch entsprechend verhalten und zurückgehalten. So ward die Unterredung mehr Interview als Gespräch. […] Er desavouierte zunächst gründlich die Romantheorie, sie sei ‚idealistisch und mythologisch‘. Kontrastierte ihr die ‚Verinnerlichung‘ der Geschichte durch die Marxsche Dialektik.“ (Adorno, Brief an Kracauer v. 17./18.6.1925)

In Lukács‘ Apodiktik und in seinem zuweilen ins Dogmatische umschlagenden Ton kann man zugleich aber auch das Dilemma linker Kritik herauslesen:

„Erst der Kapitalismus hat mit der einheitlichen Wirtschaftsstruktur für die ganze Gesellschaft eine – formell – einheitliche Bewußtseinsstruktur für ihre Gesamtheit hervorgebracht. Und diese äußert sich gerade darin, daß die Bewußtseinsprobleme der Lohnarbeit sich in der herrschenden Klasse verfeinert, vergeistigt, aber eben darum gesteigert wiederholen. Der spezialistische ‚Virtuose‘, der Verkäufer seiner objektivierten und versachlichten geistigen Fähigkeiten, wird aber nicht nur Zuschauer dem gesellschaftlichen Geschehen gegenüber (wie sehr die moderne Verwaltung und Rechtsprechung usw. die oben angedeutete Wesensart der Fabrik im Gegensatz zum Handwerk annimmt, kann hier nicht einmal angedeutet werden), sondern gerät auch in eine kontemplative Attitude zu dem Funktionieren seiner eigenen, objektivierten und versachlichten Fähigkeiten. Am groteskesten zeigt sich diese Struktur im Journalismus, wo gerade die Subjektivität selbst, das Wissen, das Temperament, die Ausdrucksfähigkeit zu einem abstrakten, sowohl von der Persönlichkeit des ‚Besitzers‘ wie von dem materiell-konkreten Wesen der behandelten Gegenstände unabhängigen und eigengesetzlich in Gang gebrachten Mechanismus wird. Die ‚Gesinnungslosigkeit‘ der Journalisten, die Prostitution ihrer Erlebnisse und Überzeugungen ist nur als Gipfelpunkt der kapitalistischen Verdinglichung begreifbar.“ (Lukács, Geschichte und Klassenbewußtsein, S. 194)

Lukács hat recht einerseits, und in seiner Undifferenziertheit hat er es doch nicht. Wenn Lukács die „Russia-Today“-Fraktion gekannt hätte, wenn Lukács jenem Ton des „Neuen Deutschland“ und der sowjetischen Stimme der „Wahrheit“ einmal etwas besser nachgehört hätte, so wie Karl Kraus es in der „Welt der Plakate“ tat, um „den Geräuschen des Tages zu lauschen, als wären es die Akkorde der Ewigkeit“, dann wäre er gewahr, daß die bürgerliche und spätbürgerliche Presse vielleicht doch, trotz manchem Mangel, die bessere Variante ist als ein Prawda-Sozialismus – trotz Verdinglichung. Und daß die bürgerliche und später dann bürgerlich-demokratische Gesellschaft in all ihrer Repression immer noch mehr Freiheiten läßt als jede bisher auf diesem Erdball sich ereignende sozialistische Gesellschaft. Zumal, von Hegel, über Marx, zu Adorno und Foucault, diese Repressionen und diese Mechanismen von Macht in dieser Gesellschaft immer auch analyisiert werden können. Die Wirkungsgeschichte der Kritischen Theorie in der frühen Bundesrepublik ist dafür ein gutes Beispiel.

Dennoch sind diese Aspekte des verdinglichten Denkens, die Lukács in „Geschichte und Klassenbewußtsein“ herausgearbeitet hat, zentraler und bis in die Gegenwart bedenkenswerter Bestandteil nicht nur der frühen kritischen Theorie, als diese noch kleingeschrieben wurde, sondern bin ins Spätwerk hinein schätze Adorno, trotz zahlreicher Differenzen, Dispute und Polemiken – so in „Erpreßte Versöhung“: „Am krassesten wohl manifestierte sich in dem Buch ‚Die Zerstörung der Vernunft‘ die von Lukács‘ eigener.“ – jenes Buch. Jedoch mit Vorbehalt. Dialektik darf nicht zum Schema erstarren:

„Leicht bildet Denken tröstlich sich ein, an der Auflösung der Verdinglichung, des Warencharakters, den Stein der Weisen zu besitzen. Aber Verdinglichung selbst ist die Reflexionsform der falschen Objektivität; die Theorie um sie, eine Gestalt des Bewußtseins, zu zentrieren, macht dem herrschenden Bewußtsein und dem kollektiven Unbewußten die kritische Theorie idealistisch akzeptabel. Dem verdanken die frühen Schriften von Marx, im Gegensatz zum ‚Kapital‘, ihre gegenwärtige Beliebtheit, zumal unter Theologen. Nicht entbehrt es der Ironie, daß die brutalen und primitiven Funktionäre, die Lukács wegen des Verdinglichungskapitels aus dem bedeutenden Buch ‚Geschichte und Klassenbewußtsein‘ vor mehr als vierzig Jahren verketzerten, das Idealistische seiner Konzeption witterten. Dialektik ist so wenig auf Verdinglichung zu bringen wie auf irgendeine andere isolierte Kategorie, wäre sie noch so polemisch.“ (Adorno, Negative Dialektik)

Und aus dieser Einsicht in die Dialektik von Verdinglichung und der Rettung der Dinge, schlägt Adorno mit Lukács jene Funken. Einige Sätze weiter heißt es:

„Wem das Dinghafte als radikal Böses gilt; wer alles, was ist, zur reinen Aktualität dynamisieren möchte, tendiert zur Feindschaft gegen das Andere, Fremde, dessen Name nicht umsonst in Entfremdung anklingt; jener Nichtidentität, zu der nicht allein das Bewußtsein sondern eine versöhnte Menschheit zu befreien wäre. Absolute Dynamik aber wäre jene absolute Tathandlung, die gewalttätig sich in sich befriedigt und das Nichtidentische als ihre bloße Veranlassung mißbraucht.“

Dankbar bin ich bis heute, daß wir damals 1988 im „Einführungskurs in die Allgemeine Soziologie“ in Hamburg bei jenem legendären Professor Gerhard Kleining, der letztes Jahr in hohem Alter verstarb (ein Nachruf auf diesen großartigen Lehrer folgt auf AISTESIS), auch die zentralen Passagen aus „Geschichte und Klassenbewußtsein“ lasen. Allgemeine Soziologie war nicht nur Max Weber, Ethnomethodologie, Talcott Parson, Habermas und Luhmann, sondern auch Georg Lukács und Adorno. Und bis heute bewahre ich meine alte, zerlesene und in einzelne Seiten auseinanderfallende Ausgabe von „Geschichte und Klassenbewußtsein“ aus dem Luchterhand Verlag. Aber auch diese Ausgabe ist Vergangenheit und Geschicht. Dankenswerter Weise hat sich der Aisthesis Verlag dem Werk von Lukács angenommen, und dort gibt es auch eine gute und bezahlbare Ausgabe von „Geschichte und Klassenbewußtsein„.

Dennoch ein Warnhinweis: Vor Lukács steht die Lektüre von Hegel. Wobei allerdings wiederum Lukács‘ Hegelbuch bei Adorno schlecht wegkam:

„Zu den trostlosesten Eindrücken gehört das große Hegelbuch von Lukács, das ich von Anfang bis Ende durcharbeitete. Man sollte so etwas an Verdinglichung des Bewußtseins bei dem kaum für möglich halten, der diesen Begriff geprägt hat. Da ist der Heideggersche Essay zur Phänomenologie des Geistes in den ‚Holzwegen‘ beinahe noch Dialektik dagegen. Seien Sie froh, wenn Sie von all dem verschont bleiben.“ (Th. W. Adorno, Brief am Th. Mann v. 3. Juni 1950)

Auch Dialektik kann sich verdinglichen und ins Schematische geraten.

„Sozialistisches Klassikergedenken: Georg Lukács bei einer Veranstaltung im Rahmen der Schiller-Ehrung in Weimar 1955“ (Entnommen der FAZ)
Bild: Bildarchiv Pisarek / akg-images

Fabian Wolff und die inszenierte Identität

Es ist mal wieder Fasching angesagt – mitten im Juli. Der Fabian Wolff und die Inszenierung als Jude und daß sowas in der Regel und über die Jahre auffliegt – was noch dem Dümmsten klar sein müßte, wenn er denn nachdächte. Aber der Schauspieler denkt nicht, sondern verstrickt sich von Mal zu Mal mehr ins eigene Konstrukt und beginnt, es zu glauben. Denn es lebt sich in der Opferpose gut. Opfer zu sein, ist in dieser Gesellschaft mittlerweile attraktiv – zumal einen die Opferrolle in manchen Kreisen eine privilegierte Sprecherposition sichert und man gerade als vermeintlich linker Jude dann besonders gut jene Kritiker des antisemitischen BDS ins Gebet nehmen kann und auch jene Kritiker, die regelmäßig auf muslimischen und migrantischen Antisemitismus verweisen und diesen genauso behandelt wissen wollen wie rechtsextremen Antisemitismus.

Nun also, frei nach Wiglaf Droste, eine Opferrolle rückwärts. Denn damit, wenn der Kopf vor Kater schmerzt, noch die Reue am Aschermittwoch gut rüberkommt – der Fasching zweiter Teil und die nächste Verkleidung -, finden wir in ZEIT-Online vor zwei Tagen einen ellenlangen Büßertext. Noch die Reue läßt sich verwursten, noch mit Betrug läßt sich Gewinn erzielen, noch das Bekenntnis, gelogen zu haben, läßt sich journalistisch verwerten. Und das ganze immer von einer hochmoralischen Position und Pose aus, wenn man sich Fabian Wolffs Machwerk „Nur in Deutschland“ vom Mai 2021 anschaut, darin sich von einem fingierten Jüdischsein her Anklage über Anklage gegen jene findet, die eine bestimmte Form des Antisemitismus kritisieren – nämlich den des BDS und auch den bei einem Großteil der arabischstämmigen Migranten, die Deutschland fahrlässigerweise einreisen ließ. Am Ende leider nur eine Posse. Wobei: mich haben solche Sprecherpositionen nie interessiert, das war schon bei Wolffs Faschingskollegen Max Czollek und seinem unsäglichen Buch „Desintegriert Euch!“ so. Wenn statt des Arguments die Sprecherposition als Versicherung oder als Verstärkung herhalten muß und das „Ich als XY“ den Distinktionsgewinn erzielen soll.

Allerdings liegt dieser Fall zugleich anders als etwa der von Binjamin Wilkomirski, der sich die Biographie eines Holocaust-Überlebenden andichtete. Eher schon und näher an der Sache ist man bei der Bloggerin Marie Sophie Hingst, die sich tragischerweise, nachdem sie mit einer fingierten jüdischen Vita enttarnt war, das Leben nahm. (Siehe dazu auch meinen Text „Read on, my dear, read on! Von den Opferfiktionen und ausgedachter Vita – Zum Fall Read on„). Und leider ist die Reihe derer, die sich ihre Biographien erfinden, lang. (Für den Partyplausch samt wohligem Grusel der Zuhörer, so denke ich mir zuweilen, ist es doch eigentlich viel interessanter, wenn man sich als Urneffe von Reinhard Heydrich ausgeben kann – aber das will keiner. Man kann wohl auch nicht so schön Israel kritsieren. Dazu muß man sich erst den Juden erfinden. Und auch sonst lassen sich daraus keine wirklich guten Sprecherpositionen ableiten – außer vielleicht bei Björn Höcke und Horst Mahler.)

Aber ich denken, all das Lügen und Inszenieren wird Fabian Wolff nicht schaden. Er hat ein so rührendes Bekenntnis geschrieben, da werden Teile des Betriebs bald vergessen – zumal er ein Kritiker jener Leute ist, die sich trauen, den arabischen, migrantischen Antisemitismus anzusprechen, wie man ihn jeden Tag in Berlin und anderswo erleben kann. Das wird bis in jene Kreise gut gelitten und seine Peer Group wird ihm die Stange halten. Auch unbeschnitten.

Die Tonspur zum Samstag: Rammstein

Heute wird es in Berlin heiß werden. Vieleicht 36 Grad. Hier kommt die Sonne. Heute auch um 19 Uhr 30 im Berliner Olympiastadion.

PS für Bußwillige: Ich bin gerne bereit eines der Tickets für heute Samstag den 15., für den 16. oder für den 18. Juli im Olympiastadion zu Berlin entgegenzunehmen. Da Buße jedoch ihren Preis hat und das Himmelreich nicht umsonst, sondern der Weg dorthin mit guten Taten gepflastert sein sollte, muß ich für das Rammstein-Ticket eine Bußegebühr von sagen wir neunzig Euro nehmen. Inklusive ist in diesem Preis die Schuldaufladung durch Bersarin der Büßer.

Putins Tote, Rußlands Terror gegen Zivilisten

„Allmählich lernen deutschsprachige LeserInnen
die ukrainische Literatur und Kultur kennen – aus Nachrufen.“
(Tanja Maljartschuk)

Bei einem gezielten Raketenangriff auf ein ukrainisches Restaurant in Kramatorsk wurden am 27. Juni die ukrainische Schriftstellerin Wiktorija Amelina (37 Jahre) und elf weitere Menschen von Russen ermordet. Es war dies ein gezielter Angriff auf ein Restaurant, wo Journalisten und kritische Künstler verkehren. In der Nähe des Restaurants befanden sich keinerlei militärische Ziele. Es handelt sich um ein von Russen begangenes Kriegsverbrechen. Unter Ermordeten waren drei Kinder. Wiktorija Amelina schrieb jedoch seit dem Krieg keine Romane mehr, sondern sie dokumentierte vor allem die russischen Kriegsverbrechen, die in der Ukraine begangen wurden.

Wie lange will der Westen den Untaten Rußlands zusehen? Diplomatie scheint Putin nicht zu erreichen. Putin ist nur durch Stärke zu beeindrucken. Jeder Angriff auf ukrainische Zivilisten wäre durch einen Angriff auf russische Städte zu vergelten. Und dazu muß die Ukraine am Ende militärisch ermächtigt werden: daß Putin weiß: es könnte größere russische Städte im Grenzgebiet, ja es könnte sogar Hochhäuser in Moskau treffen. Nach über einem Jahr Krieg haben wir alle gesehen, daß Putin nicht aufhört Kriegsverbrechen zu begehen und die Welt sieht ihm dabei zu, die UN hat sich als hilflos und als Papiertiger erwiesen, viele Schwellenländer oder wie manche heute sagen die Länder des globalen Südens, die indirekt auch von dem Krieg betroffen sind, schweigen. China steht (in)direkt an der Seite Rußlands. Und nicht minder erbärmlich sind hier in Deutschland die Helfershelfer, die bei Verschwörungsunternehmern Ken Jebsen, bei Dirk Pohlmann, bei Mathias Bröckers oder bei der Russia Today-Fraktion der Linkspartei, wie etwa Sahra Wagenknecht und Sevim Dağdelen, im Rektum hocken und deren Ausscheidungen wiedergeben. Wut und Haß aber reichen nicht aus.

Die Schriftstellerin Tanja Maljartschuk schrieb über Wiktorija Amelina:

„Es begann vor ein paar Tagen in Klagenfurt, als ich von ihrer Verletzung durch die russische Rakete erfuhr. So schwer war es, die Rede zur Literatur zu halten, wissend, dass sie irgendwo in Kramatorsk im Spital mit einem Splitter im Kopf bewusstlos liegt. Nun ist sie tot. Russland hat sie getötet. Diesen Engel mit strohigem Haar, diese kluge, sensible, intelligente ukrainische Stimme, für immer verstummt, eine Autorin, die mehr Mut hatte, als viele von uns je haben werden. Das Interview für den Stern vom 01.06.23 wird ihr letztes bleiben. Darin sagt Viktoria Amelina: „Wir sind normale Menschen, die gezwungen sind, heldenhaft zu handeln.“ Seit Monaten dokumentierte sie Verbrechen im „Osten des ukrainischen Sieges“, wie sie es selbst nannte, denn sie hatte ein großes Herz und viel Humor. Sie sammelte Zeugnisse, fotografierte zerstörte Häuser, sprach mit vergewaltigten Frauen und gefolterten Männern. Sie hat die Tagebücher von einem in Okkupation ermordeten ukrainischen Schriftsteller Wolodymyr Wakulenko gefunden (das Bündel war in seinem Garten vergraben). Eines Tages wird ihre Arbeit dazu beitragen, Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen, weil dies der einzige Weg ist, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Daran glaubte sie. „Geh, sprich mit den Frauen!“ — endete eins ihrer letzten Gedichte. Juri Durkot hat es ins Deutsche übersetzt. „Ich kenne schon alle in dieser Stadt und alle ihre Toten sind meine Toten, und alle Überlebenden sind meine Schwestern“.

Im Blick auf Maljartschuk Satz, daß wir deutschsprachigen Leser die ukrainische Literatur und Kultur aus den Nachrufen kennenlernen, sei auf ein Buch verwiesen, daß im Januar 2023 im Passagen Verlag erschienen ist – gerade auch im Blick auf die Freiheitsrevolution 2013/2014 auf dem Maidan in Kiew, nämlich der Sammelband „Ukraine mon amour. Stimmen einer freien Nation“, darin auch ein Text von Amelina erschienen ist. (Das Buch ist von von Ganna Gnedkova herausgegeben.)

Ja, wir alle in Deutschland wissen viel zu wenig über die Ukraine und wir alle haben immer noch ein verklärtes Bild von Rußland im Kopf. Daß Putin einen brutalen neokolonialen und imperialistischen Kurs fährt, angefangen mit den vom FSB begangenen Anschlägen auf Hochhäuser in Moskau, mit der Ermordung der kritischen Journalistin Anna Politkowskaja (genau an Putins Geburtstag, welch Zufall und Zeichen: „Wir kriegen euch, wenn ihr nicht schweigt!“), dem Mord an dem Regimekritiker Boris Nemzow usw. usf., die Reihe läßt sich beliebig ergänzen, war lange Zeit nur wenigen präsent. Nicht einmal denen, die sich aus seriösen Medien informierten. Was Alice Bota, Andrea Böhm, Michael Thumann in der ZEIT schrieben, taten wir als übertrieben ab. Man muß diesen Umstand immer wieder betonen, wenn wir von der Gegenwart sprechen und schreiben. Wenige nur, wie Marieluise Beck, Wolf Biermann, Ralf Fücks warnten beständig vor Putin. Die Bundeswehr war nicht vorbereitet. Daß der Angriffskrieg gegen die Ukraine 2014 begann, mit dem russischen Überfall auf die Krim und mit der russische Intervention im Donbas, wollten viele von uns nicht wirklich sehen. (Wer die Fakten dazu möchte, der greife unbedingt zu einer der materialreichsten Studien, nämlich Winfried Schneider-Deters großartige Studie „Ukrainische Schicksalsjahre. 2013-2019“ und in kompakter Form von der Historikerin Gwendolyn Sasse „Der Krieg gegen die Ukraine“) Doch immer noch ging das Narrativ: „Aber die USA!“

Warum all dies, warum diese Abschweifungen, wenn es um den Tod einer Schriftststllerin geht, wenn es um den Tod von ukrainischen Zivilisten geht? Weil wir all das hätten wissen können. Ukrainische Politiker, Schriftsteller und Intellektuelle wie Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch wußten es besser, sie warnten und sie sollten recht behalten. Eines der Resultate unseres Schweigens und unserer militärischen Zurückhaltung seit dem Februar 2022 ist der Tod von Wiktorija Amelina und vielen in die zehntausende gehenden Zivilisten durch russische Waffen, durch einen brutalen Angriffskrieg, der nicht aufhören wird, wenn wir Putin nicht stoppen.

Von Wiktorija Amelina sind nur wenige Texte ins Deutsche übersetzt.

„Sehen Sie die Frau, die ihre Hand nach hinten ausstreckt?
Sie scheint einen Koffer zu ziehen oder jemanden hinter sich herzuziehen.
Der unsichtbare Koffer ist schwer, weil die Frau langsam geht.
Solche Frauen werden im Allgemeinen als verrückt bezeichnet.

Aus ihrem verbrannten Haus konnte sie nichts mitnehmen
Und es weiß niemand, wer mit ihr dort lebte
Trotzdem folgen sie ihr und der Jüngste bleibt dauernd zurück
Und die Frau bleibt dann stehen: sie wartet immer auf ihn“
(Wiktorija Amelina, entnommen der Fb-Seite von Marjana Michailiwna Haponenko)

Die Tonspur zum Sonntag (Das schöne Trier und der Heilige Rock)

Leider habe ich diese Heilige-Rock-Tage im April im schönen Trier verpaßt: „Die Heilig-Rock-Tage Trier starten jedes Jahr am Freitag nach dem Weißen Sonntag – dem Fest des Heiligen Rockes. 2023 wurde das zehntägige Bistumsfest unter dem Leitwort ‚Ich will Euch Zukunft und Hoffnung geben‘ vom 21. bis zum 30. April gefeiert.“

Es gibt aber dazu im Rahmen der 1848er ein schönes Volkslied, nämlich das feine Spottlied „Freifrau von Droste-Vischering“: „Friedrich Engels zählte es zu den „(…) besten politischen Volksliedern seit dem 16. Jahrhundert““ (Historisch-Kritisches Liederlexikon)

„Sie schrie, als sie zum Rocke kam
Ri-, Ra-, Rocke kam:
„Ich bin an Händ‘ und Füßen lahm
Fi-, Fa-, Füßen lahm
Du Rock bist ganz unnähtig
Drum bist du auch so gnädig
Hilf mir bei deinem Lichte –
Ich bin des Bischofs Nichte!““

Es ist heute im Kulturbetrieb nicht anders als damals.