Bilder von Auschwitz?

Von Juergen Teller ist Anfang des letzten Jahres der Bildband „Auschwitz Birkenau“ im Steidl Verlag erschienen. Der Einband in neutralem Grau gehalten, mit schwarzer Schrift darauf, im Innenteil pro Seite zwei Photographien, Bild auf Bild, vier Bilder auf den Doppelseiten meist, seriell komponiert und also bei über 400 Seiten eine Flut an Photographien, wenige Textseite nur. Teller, der bisher vor allem für szenige und schräge Mode- wie Menschenphotographen bekannt ist und der auch das ZEIT-Magazin lange photogrpahisch begleitete, wurde von Christoph Heubner, dem Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, dazu eingeladen, Auschwitz-Birkenau, mithin das Vernichtungslager, zu dokumentieren.

Minuziös wird dieser Ort, der zugleich ein Nicht-Ort und ein Un-Ort ist und bei dem es zu fragen bleibt, auf welche Weise er abbildbar ist, in allen möglichen Facetten photographiert. Baracken, Bäume, Gelände, zerstörte Gebäude, die Todesmauer, die Räume der dort arbeitenden Menschen, die Räume der dort vernichteten Menschen, Gleise, Duschen, Häftlingszeichnungen, Schülergruppen, die übers Gelände geführt werden, Souvenierstände mit einer unermeßlichen Auswahl an Postkarten – ich frage mich, aus was für Gründen jemand eine Postkarte mit Auschwitz-Motiven verschickt -, Stacheldrahtzäune, zerstörte Krematorien, Wachtürme, Schautafeln für Besucher, Kiefern und vor allem immer wieder die Birken, Gleise, die ins Leere führen, Schreckensorte, die nun von der Natur überwachsen sind, niedergelegte Rosen, Steine, Details vom Mauerwerk, die obligatorische „Arbeit macht frei“-Schrift am Tor zum Stammlager I, Namenslisten, Gänge, die Ausstellungsräume mit den Dokumentationsphotographien und -Videos, Wände aus rotem Backstein, mit Mörtel verfugt, Holzplanken, kalte Räume aus Stein: eine Fülle, eine Flut an Bildern und Eindrücken und Emotionen wohl auch.

Man kann diesen Buch mit Fug und Recht als eine umfassende photographische Dokumentation zu diesem Vernichtungs- wie auch Konzentrationslager bezeichnen. Photographien von Auschwitz, Photographien eines Erinnerungsortes, einer Gedenkstätte, eines Todeslagers, in dem Million Juden umgebracht wurden, dazu Zigeuner bzw. Sinti und Roma, Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Geistliche, Zeugen Jehovas, politische Gefangene, Schwule. Darf man diesen Ort zeigen – so wie er in der Gegenwart sich den Besuchern präsentiert? Ist es Lustkitzel oder notwendige Erinnerung? Die alte Frage.

Maxim Biller hat im Mai 2025 in der ZEIT-Kolumne „Unter den Linden“ eine scharfe Kritik an Tellers Buch formuliert:

„Achthundert Fotos! Warum schafften es am Ende so unendlich viele von Juergens hübschen Auschwitz-Bildern in sein neues Auschwitz-Buch, das jetzt vor mir auf meinem Schreibtisch liegt? Unsicherheit, Größenwahn, Holocaust-Pornografie? Ich habe es inzwischen mindestens zehnmal, zwanzigmal durchgeschaut und dabei immer wieder gedacht: Was soll das? Wem hilft dieses fette, geschmackvoll gestaltete Coffee-Table-Book über das Signature-KZ der Nazis, zu verstehen, was damals die Opfer und die Täter gefühlt hatten? Warum soll ich mir auf vielen Seiten die wunderschönen, feuerrot leuchtenden Hagebutten-Büsche von Birkenau ansehen? Welche Bedeutung haben die Fotos der nebeneinander aufgereihten Häftlingstoiletten, außer dass man bei ihrem Anblick an Duchamps Pissoir denken muss? Was ist so interessant an einem modernen Passagierbus, auf dessen Anzeige „Auschwitz-Birkenau“ steht? Und warum muss ich bei Juergens Bildern der Gaskammerwände, gezeichnet von den Handabdrücken der Ermordeten, an die zarten Mauerfotos von Atget denken und nicht daran, wie die Juden dort langsam erstickten?

Und dann ist da noch das abfotografierte Opferverzeichnis, die Seiten, auf denen man die Namen der Getöteten liest, die „Teller“ hießen! Mendel Teller, Miriam Teller, Leah Teller. Was will uns der nichtjüdische Fotograf Juergen Teller damit sagen? Dass es damals auch ihn erwischt hätte? Dass der Holocaust den Deutschen allein gehört?“

Das ist eine harte und in Teilen berechtigte Polemik – gerade auch was die doch kokette Teller-Anspielung betrifft. Andererseits sehe ich dieses Buch doch ein wenig differenzierter und würde es nicht in dieser Drastik kritisieren.

Zunächst einmal aber steckt hinter Billers Einwand ein richtiger Gedanke: Wie kann man mit Auschwitz, mit der industriellen Ermordung der Juden angemessen umgehen? Gerade hinsichtlich der Vergegenwärtigung eines unermeßlichen Grauens, industriell gefertigte Tote und Aschenreste, in Photographien, dargeboten zudem in einer fast schon inflationären Form mit 800 Bildern, als sähen und blickten tausend Augen aus diesen Ort Auschwitz heraus, um immer neue Details ans Licht und in die Belichtung zu bringen, und wir sehen es mit tausend Augen. Aber auch um es irgendwie handhabbar zu machen – zumindest bildlich. Das, was von seiner ganzen Konstruktion her, als Endlösung der Judenfrage in Europa, nicht handhabbar zu machen ist

Mir ist dieser serielle Aspekt beim Photographieren und dann auch beim Präsentieren nicht fremd, da ich ähnlich arbeite. Der Polenmarkt oder eine Demonstration „erschließt“ sich nur durch eine Vielzahl an Photographien – die freilich und trivialerweise immer auch die eigene Interpretation des Geschehens bedeuten. Aber gehört ein Ort wie Auschwitz ebenfalls in diese Kategorie? Ein Alltagsort ist es sicherlich nicht.

Es berührt diese Frage des Bildes im Blick auf die Shoah eine alte Debatte. So etwa Jean-Luc Godards Kritik an Claude Landsmans eindringlicher Dokumentation „Shoah“, darin lediglich die Menschen sprechen, aber wo ansonsten keinerlei Bilder von Auschwitz zu sehen sind. Während Godard an die Kraft und die Möglichkeit von Bildern glaubte – auch denen der Toten und der Lager -, sieht Landsmann darin ein erhebliches Problem: ein nicht zu bändigendes Ereignis wird handhabbar und in Bildern konsumierbar gemacht. Kommt den Bildern von Auschwitz eine katharktische oder didaktische Funktion zu?

Die Frage nach der Abbildbarkeit („Bilder trotz alledem“), die Anfang der 2000er Jahre anläßlich einer Photo-Ausstellung in Paris der Kunsthistoriker und Bildtheoretiker Georges Didi-Huberman in seinem gleichnamigen Buch stellt, bleibt bis heute virulent. Gerade auch im Blick auf Claude Lanzmans Einwände gegen Didi-Hubermans Dialektik der Abbildbarkeit, die sich dem strikten Bilderverbot verweigert und die zugleich dennoch die Schwierigkeiten und Probleme solcher Darstellung in Anschlag bringt. Wobei es sich im Kontext dieser Photographien um eine völlig andere Art von Photographie handelt als bei Teller. Didi-Huberman schrieb sein Buch über Photographien, die im wahrsten Sinne des Wortes Dokumente eines bisher in Bildern undokumentierten Ereignisses sind: Photographien, die aus Auschwitz stammen und Häftlinge der Sonderkommandos zeigen, wie sie Leichen verbrennen. Es handelt sich um 1944 heimlich aufgenommene und aus dem Lager geschmuggelte Filme. In diesem Kontext ging es um ein historisches Dokument, wo zum ersten Mal überhaupt tatsächlich eine Photographie dieses Mordens gemacht und auch der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Dennoch sind die Fragen und die Debatten ähnlich.

Wir denken in solchem Bezug auch an Susan Sontags Überlegungen zur Wirkung von Photographien, vor allem in ihrem Buch „Das Leiden anderer betrachten“, darin sie, anders als in ihrer scharfen Kritik an jenen Schock- und Kriegsphotographien in „Über Fotografie“, die politische und auch moralische Relevanz solcher Photographien in Anschlag brachte.

Und es bleibt die Frage: Was unterscheidet eine Bildserie über die Schlachtfelder von Verdun und wie es dort und in der Umgebung heute in unserer Gegenwart aussieht, von solchen Auschwitzbildern? Warum befällt uns bei diesen Photographien solches Unbehagen und teils auch solche scharfe Ablehnung wie sie Biller schildert?

Vielleicht aber ist der Einwand doch ein anderer, und er hängt mit dem zusammen, was wir die reale Gegenwart nennen. Photographien sind immer nur Abbild von etwas – und zudem meist geronnene Zeit. Sie vermitteln Eindrücke. Und sie bestimmen durch die Sichtweise des Photographen und dessen Interpretationsrahmen den Blick auf eine Sache. Meine Ostsee bei Zoppot ist eine andere Ostsee als die von X oder Y oder die meiner Großmutter, die kaum Gelegenheiten hatte, in den 1930er und 1940er Jahren Photographien zu machen. (Und wenn sie diese Gelegenheiten hatte, so sind diese Bilder bei der Flucht vor den Sowjets verschollen.)

Solche Perspektivität der Deutung ist bei einer Landschaft oder einem Flohmarkt kein großes Problem, über das man debattieren müßte: der eine Photograph will die verkauften Objekte festhalten, der andere den Menschentrubel, und wenn er kein völliger Stümper ist, kommen dabei in der Regel brauchbare Photographien heraus. Bilder über einen Flohmarkt, eine Landschaft oder eine serielle Dokumentation über eine Stadt sind etwas anderes als die Dokumentation eines Todeslagers. Insofern ist es bei solchen Szenarien sinnvoll, die Objektbereiche zu unterscheiden: Während man bei einem Bildband wie dem über die Autobahn 100 in Berlin (siehe hier) über die ästhetische Gelungenheit der Bilder debattieren kann, ist das bei Auschwitz-Birkenau ein wenig anders. Man kann sicherlich das bewußt Kunstlose von Tellers Bildern kritisieren, aber das eigentliche Kriterium ist dennoch nicht die besonders kunstvolle oder eben kunstlose oder serielle Abbildung. Und auch die Menschenleere in beiden Photobüchern hat ein völlig anderes Gewicht.

Stellt sich diese Frage nach dem Ästhetischen bzw. dem Aussetzen desselben bei Kriegsphotographien auch derart? Das berühmte Capa-Bild von der Landung in der Normandie im Juni 1944 wirkt derart herausragend gerade wegen genau dieser Art der Darstellung, die freilich nicht nur der Komposition des Photographen geschuldet war, sondern vor allem dem Zufall: daß nämlich ein Laborgehilfe den sofort nach London gelieferten Film falsch entwickelte, so daß das Korn runzelte und eben genau die Unschärfe und Grobkörnigkeit entstand, die erst den genialen, dynamischen Effekt dieser Photographie erzeugte.

Nun mag es zwar, wie Susan Sontag in „Über Fotografie“ und Roland Barthes in dem Text „Schockphotos“ aus den „Mythen des Alltags“ bemerkten, moralisch und auch ästhetisch fragwürdig sein, solche Kriegsbilder im Rahmen von Kunst und in einer Galerie oder einem schicken Kunstbildband zu zeigen und das gilt erst recht für die Bilder gemarterter Körper in einem Lager oder aber für solche Räume, darin Menschen, zumeist Juden, entsetzlichste Gewalt angetan wurde und wo sie der systematischen und industriellen Vernichtung anheimfielen. Aber läßt sich daraus auch ein Bilderverbot oder gar eine rigide Bildermoral ableiten? Die Sache ist schwierig zu entscheiden. Und so geht es mir auch bei jenem Buch von Juergen Teller. Die sich hieran anschließende Frage ist sicherlich auch die, auf welche Weise jemand mit diesem Buch umgeht: als Coffetable-Book zum lockeren Blättern. Oder als eine visuelle Studie und als Dokument, als Buch, dessen Bilder ich mit Intensität betrachte.

Steht über einem solchen Werk zudem noch der Name „Auschwitz-Birkenau“, so setzt dieser Name eine völlig andere Markierung und er bedeutet einen völlig anderen Horizont und einen Rahmen an Referenzen als „Flohmarkt in Schöneberg“ oder „Potsdam und Umgebung“. Die Gefahr auch, daß ein solcher Name im ubiquitären Gebrauch vernutzt wird. Und zugleich kann solcher Name, der mit dem Entsetzlichen und mit der Hölle verbunden ist, etwas Obszönes in sich tragen: grell, marktschreierisch – was die Photographien von Teller freilich nicht sind. Sie zeigen. In einer Art Dauerschleife. Und damit sind die in gewisser Weise auch eine Form des Andenkens und Erinnerns und auch des Vergegenwärtigens einer Vergangenheit, die gerade heute und im Blick auf gegenwärtigen Antisemitismus von links, rechts und aus dem migrantisch-muslimischen Milieu ganz und gar nicht vergangen ist. Dennoch bleibt immer auch dieser Aspekt des Konsumierbaren.

Und damit sind wir, gerade heute am 27. Januar, zugleich bei dem Thema der Gedenktage: Wenn solches Erinnern an furchtbarste Gewalt, die sich in dem unmöglichen Namen Auschwitz verdichtet, zu einem Ritual gerinnt oder gar als eine Art Ablaßhandel gebraucht wird, so liegt darin etwas Problematisches und dieses Gedenken wird derart dann zu einer „Angelegenheit“, die man in einer Routine abwickelt, einer Kranzabwurfstelle, einem Blumengelage und unweigerlich spielt einer Klezmer-Musik. Zugleich brauchen Gesellschaften aber solche symbolischen Rituale, um sich ihrer selbst zu vergewissern – auch und gerade in den entsetzlichsten Seiten der eigenen Geschichte und um also ein Bewußtsein für genau diese deutsche Geschichte wachzuhalten. Bereits aus diesem rein pragmatischen Grund der Bewußtwerdung, gerade auch für jene, denen diese Zeit vollkommen fern ist, bleibt der Spott und die Kritik, die an solchen Tagen von rechts wie auch von links kommt, unangemessen. (Auch hier muß man sicherlich aufpassen, nicht zu sehr nach einem Prediger zu klingen.)

Tellers Bildband, gerade in dieser erschlagenden Vielzahl von Photographien, hinterläßt mich einerseits ratlos. Eine Überflutung nachgerade. Irgendwie sinnvoll vielleicht für alle, die nie in Auschwitz waren, aber aufgrund der Masse zugleich auch pointless oder in Deutsch geschrieben zwecklos. Aber vielleicht liegt darin eben gerade auch der mimetisch-ästhetische Aspekt solcher Präsentation. Eine erdrückende, erstickende, bewegende Masse an Photographien aus Auschwitz, das hier zugleich auch als eine Art Freilichtmuseum fungiert. Und genau das ist zugleich die krude Realität. Die Photographien zeigen, was ist. Eindeutige Antworten zu geben, ist bei solchen Sujet nicht ganz einfach.

Andererseits bezeugen diese meist menschenlosen Szenen von einem Ort, darin Menschen industriell und mit vollständiger Gleichgültigkeit ums Leben gebracht wurden, in dieser Vielzahl doch etwas: das Vergehen der Zeit, die Reste, die bleiben und wie sich ein Ort des Schreckens zu einem Erinnerungsort transformiert. Teller liefert ein notwendiges, wichtiges und zugleich in vielfacher Hinsicht beklemmendes wie auch kritisierbares Buch.

Ach, wie die Zeit vergeht: Inga Humpe wurde gestern 70

Da spielen im wilden Mauerberlin-West der frühen 1980er Jahre die „Neonbabies“, eine Wave-Punk-Band, darin Inga mit ihrer älteren Schwester Annette singt und musiziert. Aus dem Rheinland Ende der 1970er nach Berlin gestoßen, dorthin, ins Chaotische, kreativ Gärende verschlagen, wo es schon damals manchen illustre aber auch verlorene Gestalt aus Westdeutschland – und das meint für den Berliner alles, was zur BRD gehört – hinzog. Wo Kunst und Punk sich koppelten. Dichter, Texter, Sänger, Musiker. Die neuen Wilden, Expressivität und Avantgarde. Berlin in Randlage, Kreuzberg von drei Seiten von einer Mauer umgeben.

Die „Neonbabies“ machten Songs, die an der Neuen Deutschen Welle orientiert waren, einprägsamer als der doch raue Berlin-Punk, wie etwa der von PVC, eine der ersten Berliner Punk-Bands. Diese auch am Erfolg ausgerichtete Musik nun wieder brachte ihnen die Verachtung etwa der Einstürzenden Neubauten, wie man Jürgen Teipels Oral History dieser wilden Punk-Wave-Jahre in dem wunderbaren mit vielen Details, mit Tratsch und Klatsch versehenen Buch „Verschwende Deine Jugend“ entnehmen kann. Das war ein ungerechter Vorwurf, aber sicherlich wirkte diese Musik von den Neonbabies „mundgerechter“ als das, was diverse Berliner Avantgarde-Bands musikalisch trieben. Zugleich jedoch sollte man bei dieser Band sehen, daß Frauen in den frühen 1980er Jahren auch in einer eher links sich gerierenden Musikszene keinen leichten Stand hatten. Sie waren meist nur als Groupies vorgesehen oder als Beiwerk, um erlesenen Männerdiskursen über Musik, das Leben und die Kunst still zu lauschen. Kaum aber als eigenständige Musikerinnen. Die „Neonbabies“, der Name bereits weist auf die Wave-Ästhetik, brachten neben einer ersten Version von „Blaue Augen“, jenem späteren Hit von „Ideal“, auch eine großartige Coveversionr von „Jumpin Jack Flash“: treibend, ein Rausch von Berlin, einer dieser kriminellen Ausgehabende in einer neuen Gestalt von Rock, nämlich auf Wave gebürstet. Und diesen neuen Sound zeigten die Neonbabies auch in „Spaß muß sein“. Ein bis heute feiner Song, aus einer lange vergangenen Zeit. Emanzipation war nicht mehr bloß das Klagen, was einem alles vorenthalten wird, sondern es ging ums Machen: Gründe eine Band, sing, spiel Gitarre oder Baß oder trommele!

Was mich an Inga Humpe interessiert, ist weniger ihr gesamter musikalischer Weg, den habe ich bei ihren Bands „Humpe & Humpe“ und bei DÖF nicht wirklich verfolgt und diese Codo-Sauseschritt-Liebemitbring-Phase hat mich so ganz und gar nicht interessiert, sondern vielmehr der Umstand, daß sie und ihre älteres Schwester Annette Anfang der 1980er Jahre in Berlin begriffen, was ging und daß sie sich in diese Wellen warfen und daß beide eine Musik zu genau jener Zeit schufen. Sie ließen sich nicht abbringen – das ist eine ziemliche Leistung.

Lange aber war es nach den 1980ern um Inga Humpe ruhig, nach jenen Wave-Jahren, die dann schnell auch wieder in der Versenkung verschwanden und allenfalls bei sentimentalen Revivals und Klassentreffen zuweilen ausgegraben werden. („Ideal“ und Joachim Witt allerdings und teils auch die frühen Songs von „Trio“, das bleibt in meine Sicht, bis heute bestehen und hat Bedeutung. Das prägte, erzeugte einen Rausch des Augenblicks, besaß Ausdrucksqualität und das heißt also jene Intensität, wo Musik und Lebensgefühl junger Menschen auf eine bestimmte und einmalige Weise zusammenschießen. Davon gibt es nicht viele Phasen im eh kurzen und irgendwie dann doch langen Menschenleben und wenn man 70 geworden ist.)

Dialektik der Zeit, daß Annette Humpe mit „Ideal“ die frühen 1980er prägte und Inga Humpe dann mit „2raumwohnung“ die 2000er Jahre – samt diesem Zeitenwechsel, in den diese Musik fiel und der bis heute uns bewegt, vor allem politisch. (Daß beide Schwestern auch als Produzentinnen wirkten, sei nur am Rande erwähnt.) In den 1990er Jahren fiel mir Inga Humpe nicht weiter auf, was freilich wenig besagen muß, denn meine 1990er Jahren waren sowieso weniger von Musik als von Texten aus Philosophie und Literatur geprägt. Dazu Kino und Theater. Es war die Bernhard-Zeit, es war die Derrida-Zeit, es war die Luhmann-Zeit, es war die Zeit der literarischen Postmoderne. Es war die Celan-Zeit und die Zeit Hölderlins und Kleists. Tief in Texte verweht. Eine Art Zauberreich. Lesen. Nicht schreiben. Brinkmann-Zeit mit Mondlicht und mit Novalisʼ „Fichte-Studien“ und seinen Fragmenten. Und irgendwann waren diese wunderbaren Jahre, diese schöne Zeit des Studierens und Lesens zu ihrem Ende gelangt. Es begann die Zeit der Arbeitswelt: 1999 der Umzug nach Berlin.

Und dann dieser Kairos um 2000 bzw. 2001, daß Inga Humpe zusammen mit Tommi Eckart in ihrer Band „2raumwohnung“ den Sound, den Ton, die Musik für einen bestimmten Zeitgeist und vor allem auch den Song-Text für das Lebensgefühl genau dieser unbeschwerten Jahre traf, dieser letzten Monate im Sommer vorm Herbst im September 2001, dieses Gartenlied, diese besondere Stimmung im Berlin der frühen 2000er Jahre als vieles noch möglich schien. Der Song zu einer neuen Pop- und Clubkultur. Das vielleicht, was man melancholische Unbeschwertheit nennen könnte. (Den szenigen Leuten sicherlich ein Graus, weil Ausverkauf, wie ihnen dünkte.)

Es platzte dieser Song in jene sich ihrem Ende neigende Phase, die letzten Zuckungen anarchischer Unordnung und Wildheit der 1990er der nun endlich ungeteilten Stadt, zu der die vielen Bars, Cafés und Clubs, vor allem aber in Sachen Kunst auch Frank Castorfs Volksbühne gehörte, aber auch die Kunst-Werke Berlin in der Auguststraße. Anything goes. Dazu ein Ostwort als Bandname. Eine Spanne von zehn Jahren, die im Übergang zu jenen Nullerjahren ihr Ende fand, ein Zeitenwechsel, für den dieser Song adäquater und vor allem spielerischer Ausdruck war, aber zugleich doch weiter sich bewegte und einen kreativen neuen Rhythmus ausbildete, der vielleicht noch weitere zehn Jahre in einer Art Schwundform und im Residuum anhalten sollte und dann endgültig verglühte. Als Ende der 1990er, Anfang der 00er Jahre auch die Medien und ebenso die Werbung die Stadt Berlin entdeckten. Das Ende liegt immer im Anfang. Die Volksbühne war etablierte Avantgarde. „Ist das Leben wie ein Spielfilm oder geht’s um igendwas?“ Noch war das alles Spiel. Aber zugleich auch ließ sich aus diesem Song auch eine Art existentielle Langeweile herauslesen:vielleicht auch eine Boomer-Hymne und derer aus der Gen X, die nun erwachsen wurden.

Wie die Zeit vergeht, als dieser wunderbare Song 2001 herauskam. Eines der Stücke aus der ersten LP von 2raumwohnung und das wurde schnell zum Sommerhit der Stadt. Eine Art traurigschönes Liebeslied, vom Sound schon auch melancholisch-verhangen. Auf eine bezaubernde Weise: „Denn das viele An-dich-Denken, das bekommt mir nicht.“ Das ist bald 25 Jahre her. (Wenn ich von meiner Geburt 25 Jahre zurückdenke, schreiben wir das Jahr 1939 – soviel zu den Dimensionen der Zeit.) Das war Sommer in Berlin, das war ein wunderbares und noch deutlich anderes, offenes Berlin.

Populär wurde dieser Garten-Song durch die Karo-Zigarettenwerbung – eine Ostmarke muß man für die jüngeren Leser hinzufügen. Als die Menschen noch rauchten, so auch ich. Wenn ich Geld hatte eine Luky Strike im Mundwinkel (natürlich ohne Filter!) und ein Rieslingglas in der anderen Hand und wenn ich weniger Geld hatte (oder der Wein schlecht war) eine Selbstgedrehte und Bier. Vor allem aber war diese Musik eine Sommerhymne, obgleich in einer der Zeilen auch Schnee vorkommt („es hat seit Tagen nicht geschneit“). Mit dem roten Toyota-Starlet durch eine noch autofreundliche Stadt cruisen, ich erinnere mich sogar noch, 1999 durchs Brandenburger Tor gefahren zu sein. Ausflüge mit dem Toyota ins unentdeckte Oberschweineöde, nach Weißensee, nach Friedrichshagen in diesen seltsamen Osten, in Lichtenberg gab es noch die Nazi-Kieze mit jungen Rechtsextremisten, spazieren zu Heiner Müllers Hochhaus, „Fickzellen mit Fernheizung“, in Friedrichsfelde dicht beim Tierpark. Auch und vor allem Musik prägt Erinnerungen, die sich zuweilen mit einer gewissen Sentimentalität mischen.

Und da waren 2001 beim Flanieren noch die letzten Reste des alten Prenzlauer Bergs, Nähe Kollwitzplatz, Wasserturm, mit der Bar „Anita Wronski“, die die Betreiber, da bin ich mir sehr sicher, nach der Bedienung im Café des Pädagogischen Instituts der Universität Hamburg benannten. Diese schon alte bzw. in unseren Augen alte Frau war ein Unikum, die Frikadellen in der kleinen Mensa waren selbstgemacht. Sie konnte schluffige Pädagogik-Studenten böse anranzen, sie pfiff jene, die ihr Tablett nicht wegbrachten scharf zurecht, sie war nie unfreundlich, aber wen sie nicht mochte, den ließ sie es spüren, und sie konnte zugleich, wenn man sie zu nehmen wußte, liebenswürdig sein. Was Anita Wronski haßte, war studentische Überheblichkeit. Wiede eine dieser Reminiszenzen an eine vergangene Zeit, die sich im Namen eines Cafés bewahrte. Dazu beim Spazieren Anfang der 2000er eine Oranienburger Straße und eine Auguststraße, die noch nicht glattgebügelt waren.

Den roten Toyota parken, aussteigen, flanieren. Weinbergpark. Spazieren an der Spree, trinken im Schleusenkrug. Berlin war zu dieser Zeit noch relativ günstig. Das alte Westberlin war ein wenig out. Die schönen Teile des Osten riß sich schon die neue Berlinjournaille und die Irgendwas-mit-Medien-Generation untern Nagel.

Durch die Kieze streifen und im Sommer 2001 im Ohr diese wunderbare Hymne. Melancholisch, schön, verspielt. Ein wenig verdreht. Irgendwas von Liebe. „Später gehn wir in den Zoo“. „Wie ein Fuchs in einem Zeichentrick“, Versatzstücke und Lebenssound auch, nach der Erwerbsarbeit. „Am nächsten Tag bin ich so müde …“ Es war eine Unbeschwertheit in dieser Musik, aber auch etwas Zweifelndes, und es klang aus diesem Sound im Jahre 2001 und 2002 schon heraus, daß es nicht immer derart weitergehen würde. Party und Leichtigkeit waren ein Spiel auf Zeit. Also lebte man den Moment. Ich weit ab vom Schuß, im ruhigen St. Eglitz, um dafür von dem einen oder der anderen belächelt zu werden in einem doch sehr langweiligen Kiez zu wohnen. Ich wußte sehr wohl damals schon, weshalb es gut war, in die wohlbehütete Altbauregion am Rand zu ziehen. Und ich ließ die Leute und lasse sie bis heute in genau diesem Glauben, daß es hier langweilig und öde ist.

Unvergessen bleiben jene Sommermonate zu dieser halb unbeschwerten, halb melancholischen und doch auch gut tanzbaren Musik, darin sich der Körper wiegt. Doch im September 2001 gab es noch einen weiteren Einschlag, der die Zeit wenden und drehen sollte. Politisch würden wir wohl nie wieder in solchen unbeschwerten Jahren wie den 1990ern und jenem Sommer 2000 und 2001 leben. Wenngleich sich manches Verhängnis im Rückblick bereits abzeichnete.

Sicherlich ist diese Art von Popmusik gut werbekompatibel. Weil in der Tonart weich. Aus Leichtigkeit freilich kann schnell auch Nachlässigkeit werden. Aber in diesem Musikstück paßte alles: die Stimmung, die Melancholie und auch eine gewisse Verunsicherung, von der man sich aber doch nicht verdrießen ließ. Daß ausgerechnet eine Zigarettenmarke sich eine Musik herauspickte, die genau das Lebensgefühl dieser Zeit, in Kombination mit Videobildern, auf den Ton brachte, dürfte von gutem Instinkt zeugen. Zigaretten verkauften damals vor allem Image und Haltung. Berlin war nun auch als Partystadt für breitere Schichten auserkoren. Der Easy-Jet-Tourismus began und leider auch die Mär von „arm, aber sexy“, die sich einige Jahre später als Verhängnis erweisen sollte. Und doch brachte dieser Song neben dem Werbeerfolg für eine Zigarettenmarke vor allem eine Lebenshaltung zum Ausdruck.

Einen ähnlichen Hit schaffte „2raumwohnung“ noch einmal mit „36 Grad“ dann zu den ausgehenden 2000ern und ein echter Hitzesommerhit. All dieses Feiern an der Spree und an den Ufern, gleichsam Tanz auf dem Vulkan und noch einmal durchstarten. Es war die Zeit der Berlin-Hymnen, federführend sicherlich „Seeed“.

Der Song „36 Grad“ traf von Musik und Text immer noch jenes Lebensgefühl in Berlin – und im Grunde auch schon im aufstrebenden Leipzig, das eigentlich das bessere, weil unerkannte Berlin damals war – der Clemens Meyer wußte schon sehr genau, warum er von dort nach Berlin nicht hinwollte. Als sich im Osten die Wessis breitmachten und die Westjournaille und Medienfuzzis samt Kunstleuten sich die besten Wohnungen unter den Nagel rissen, im Bötzow- und im Winskiez; und rund um den Kollwitzplatz war es lange tot, aber es gab eben immer noch all die Seitenstraßen im Prenzlauer Berg. Mit den nun immer mehr und schön sanierten Altbauten.

Es war dieses Lied von jenem Garten und das vom 36-Grad-Sommer zugleich auch ein Abgesang. Es waren jene Mittedreißiger und Anfangvierziger, die immer weiter feiern wollten: die Furcht erwachsen zu werden, ist kein so ganz neues Phänomen. Doch bei aller Nostalgie mancher: Das Berlin der 1990er Jahre war endgültig vorbei und verweht. Und mit der neuen Mediaspree dann in den 2010er Jahren verschwanden die letzten Refugien von Wildwuchs am Ufer, die ich 2013 bei einer Spreerundfahrt noch betrachten durfte: Das alles ist nicht mehr. Musik ist Bewußtsein einer Epoche oder aber einer bestimmten Lebensphase. Sie ist in Ton und Text geronnene Zeit – wie eben jenes „Wir trafen uns in einem Garten“. Jene wunderbaren Jahre einmal wieder.

Das Wort zum Jahresbeginn – unter anderem von Harald Lesch gesprochen – samt einem veritablen Stromausfall in Berlin

Hohoho, wie witzig Harald, Pausenclown des öffentlich-rechtlichen Bezahlfernsehens und sicherlich gut alimentiert, so daß bei Stromausfall über sechs Tage das beste Hotel vor Ort für Harald gerade gut genug ist. Aber sorgen Sie auf keinen Fall vor! Im besten Deutschland seit es Deutschland gibt, kann es zu Stromausfällen gar nicht kommen. Spätestens seit Putins Angriffskrieg auf die Ukraine und im Blick auf seinen Hybridkrieg gegen Deutschland sollten wir wissen, daß es auch anders zugehen kann. Bei dem Angriff aufs Stromnetz von Berlin handelt es sich in diesem Fall um einen Anschlag von Linksextremisten. Genausogut aber sind für die Zukunft auch russische Sabotageakte denkbar. Berlin ist hierfür schlecht gewappnet.

Putin wird sehr genau hinsehen, wie Deutschland diese Tage seit Samstag bewältigt. Auch im Blick auf eine bereits im Vorfeld erfolgende Abwehr von Terror, auch im Blick darauf, wie zentrale Knoten unserer Infrastruktur gesichert sind – anscheinend sehr schlecht, wie sich seit diesem Samstag und auch schon nach den linksextremistischen Anschlägen in den letzten Jahren gezeigt hat. Putin muß nach Deutschland keine Truppen schicken, um im Land ein maximales Chaos zu erzeugen. Es reichen ein paar gedungene Saboteure aus, und auch die Verbindungen von Linksextremisten und Moskau ist ja keine ganz neue Angelegenheit, wenn wir an die 1980er Jahre denken. Waldemar Alexander Pabst formulierte es derart:

„In Zeiten des Kalten Krieges gab es in der Bundesrepublik sowjetische Sabotageeinheiten für den Kriegsfall, die als Schläfer völlig integriert unter uns lebten. Rekrutiert wurden diese Landesverräter im Dunstkreis der DKP, sie waren Überzeugungstäter. Von Sprengungen bis zum gezielten Mord waren Aufträge möglich. Im Überschwang der schönen 90er mit der Wiederverenigung, hat man selbst die Enttarnten nicht verfolgt, der Mantel des Vergessens breitete sich auch über dieses Kapitel menschlicher Niedertracht.

Die engen Verbindungen des sogenannten palästinensischen Terrorismus mit dem KGB sind so bekannt, wie die daraus hervorgegangene Hilfestellung der Stasi für die Baader Meinhof Bande, die ja letztlich ein Ableger dieses weltweiten nahöstlichen Mordgesindels war. Die Lubjanka mischte überall führend mit und wusste alles.

Linker Sabotageterrorismus, wie gestern in Berlin, macht uns bereits seit Jahren zu schaffen, wenn ich mir die Ziele ansehe, Energieinfrastruktur und Eisenbahn, scheint es, als wären es Testläufe. Es ist überaus naiv, zu glauben, dass der Kremlstrolch, der einen Krieg zur Erlangung der Hegemonie über Europa gegen uns als Möglichkeit in Vorbereitung hat, diese Neuzeitterroristen nicht seit langem im Fokus hat. Nicht jeder von diesen Freizeittätern mag sich dessen bewusst sein, das spielt aber gar keine Rolle.“

Und auch der Militär-Blogger U.M. schreibt es im Blick auf Rußland treffend:

„Wer glaubt, Aufrüstung sei Unfug, weil die NATO Russland eh überlegen sei, sollte aufmerksam verfolgen, was derzeit in Berlin abgeht.
Denn da meinte jemand, man sollte eine Wehrübung zur Resilienz der Energie-Infrastruktur durchführen.
Das Ergebnis eines Brandes an einem neuralgischen Punkt. Das schafft eine Shaheed Drohne leicht.
Davon hat Russland im vergangenen Jahr etwa 170 auf die Ukraine gefeuert. Pro Tag. 5100 pro Monat. Im Durchschnitt. Bei Angriffen ging die Zahl bis 800+ in wenigen Stunden.


Und Russland weiß, wo unsere Kabel sind.
Und unsere Flughäfen.
Unsere Bahnhöfe, Bank-Server, Postverteilzenten, Verkehrssteuerungen, Kraftwerke, Raffinerien und Tankstellen, Autobahnen, Stadien, Logistikzentren, Krankenhäuser…


Ihr wollt über Pazifismus diskutieren?
Dann werdet erwachsen und hört auf mit Eurem infantil-naivem Scheiß.
Oder geht aus dem Weg.
Niemanden interessiert, ob Ihr „an die Front“ müsst.
Die Front kommt zu Euch.“

Und auch im Blick auf die Berichterstattung in den ÖRR-Bezahlmedien hinsichtlich des Terroranschlages aufs Berliner Stromnetz liegt manches im argen. Sie ist, freundlich gesprochen, dreist. Bei der rbb-Abendschau vom Sonntag (4.1.2026) eine debil-dauergrinsende Moderatorin und natürlich kein einziges Wort davon, daß es sich um einen linksextremistischen Terroranschlag handelt – was seit Samstagabend bzw. Sonntagmorgen allgemein bekannt ist. Ein Terroranschlag wird zum Stromausfall umgelabelt. Kein Wort davon, daß es sich um Terroristen handelt, die den Tod von Menschenleben in Kauf nehmen. Als sei diese entsetzliche Lage für rund 30.000 Menschen irgendein Naturschicksal, das die Stadt ereilt und welches  wie ein unabwendbares Fatum über die Bewohner Berlins hereinbricht. Was wäre gleich als Auftakt in der rbb-Abendschau los, wenn der Anschlag von Rechtsextremen begangen worden wäre? Es gäbe Krisengespräche und Alarmnachrichten noch und nöcher. Und das ganz zu recht! Und immer wieder würde von der rbb-Moderatorin Leonie Schwarzer betont worden, wie gefährlich rechter Terror ist.

Und nicht minder dreist die Tagesschau, die in der Manier der Aktuellen Kamera die Botschaft verbreitet: Alles gar nicht so schlimm, wir stellen jetzt das Positive heraus und lassen Leute erzählen, wie gut sie betreut sind. Daß Alte und Pflegebedürftige völlig unzureichend versorgt wurden, wie immerhin noch die rbb-Abendschau zeigte: Kein Wort davon. Daß ein Patient mit Pflegstufe 5 völlig unversorgt in einer Sammelunterkunft saß, ohne Essen, ohne zureichendes Trinken: kein Wort davon. Die Tagesschau lügt, indem sie wegläßt. Dieses Medium braucht niemand. Für die Betroffenen ist es ein Hohn. Immerhin dürfen sie 70 Euro pro Nacht für ein Hotel selbst bezahlen. Die Bürger werden sich merken, wie man mit ihnen umgeht.

Diese Art von „Journalismus“ hat System, wie der Journalist Ulli Kulke auf Facebook ganz richtig schreibt.

„In BERLIN werden VIELE ZEHNTAUSENDE Einwohner eine knappe Woche OHNE STROM und ohne Heizung sein bei der klirrenden Kälte, viele Alte, Familien usw. Ursache: ein TERRORANSCHLAG von LINKSEXTREMEN auf das Stromnetz. In der Abendschau aber, ÖRR-Nachrichtensendung des regionalen TV-Senders RBB, wird das Ganze wie eine NATURKATASTROPHE behandelt. Eine gute Viertelstunde lang die Lage der Menschen, Reparaturen, Abhilfe, teilweise Wut – über mangelnde Flexibilität der Behörden.

LINKSRADIKALITÄT dagegen – KEIN THEMA. Nur im Interview mit dem Regierenden Bürgermeister kurz angesprochen. Und der hat es nötig gefunden, wörtlich darauf hinzuweisen: Das war Terrorismus, und: „das muss man ganz klar sagen“. In einem Tonfall quasi: man müsse das wohl so akzeptieren. An wen hat sich der Christdemokrat wohl gerichtet?

Auch die Innensenatorin kam zu Wort, allerdings zum Thema Einbindung der Feuerwehr und Polizei. Linksradikalität, ihre Zuständigkeit – null angesprochen.

Anwohner, die sauer auf die Terroristen waren, hat man offenbar nicht getroffen. Merkwürdig.

Man stelle sich nur mal ganz kurz vor: Rechtsradikale hätten das verursacht. Hätte Wegner da auch daran erinnert, das müsse man „ganz klar sagen“, quasi entschuldigend? Nein. Es wäre das Hauptthema gewesen, nicht die Lage. Innenpolitiker, innenpolitische Sprecher aller Parteien wären zu Wort gekommen, Parteienverbote thematisiert worden. Die Innensenatorin hätte konsequenteres Vorgehen gegen rechts angemahnt.

Diese Schieflage ist derart schräg, wie allerdings auch erwartbar.

Übrigens eben die Tagesschau: Dito, genau dasselbe. Es hat System.“

Und all das wird sich vermutlich auch 2026 nicht ändern.