„Deutschland im November 1938 war ein blühendes Land“. Wenn Aktivisten sich als Journalisten labeln: Sophie von der Tann

Gegen die ARD-Israelkorrespondentin Sophie von der Tann regt sich erheblicher und berechtigter Protest, daß sie heute in Köln den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhält. Ein Preis, benannt nach einem renommierten ARD-Journalisten, der Nachricht und Meinung strikt trennte. Alte Schule des Journalismus und nicht der Aktivistenstall, aus dem sich zunehmend das Personal der öffentlich-rechtlichen Medien rekrutiert. Ein Preis mithin, der von der Tann nicht zusteht, weil sie weder intellektuell in der Lage noch politische willens ist, Nachricht und Meinung auseinanderzuhalten. Ihre Art der Berichterstattung ist mehr als kritikwürdig, wie man etwa in der FAZ bei Esther Schapira (ehemals HR), in der Jüdischen Allgemeinen bei Sarah Maria Sander (empfehlenswerter Youtube-Kanal auch) und in der WELT bei Christoph Lemmer nachlesen kann. Vor dem 7. Oktober wurde die Terrororganisation Hamas von ihr als Widerstand bezeichnet oder aber als „militante palästinensische Organisation“ beschönigt. (Ist der NSU für Sophie von der Tann dann auch eine militante deutsche Organisation, die Widerstand leistet? Mal so in den Raum gefragt. Wie groß wäre der „Aufstand der Anständigen“, wenn das irgend ein Journalist in ARD zu prominenter Stunde derart nonchalant in den Raum werfen würde.)

Diese Relativierungen von Terror und Gewalt geschah nicht nur einmal, sondern in fast jedem Bericht wird von der Tanns private Gaza- und Paläsina-Agenda eingeschmuggelt. Keiner im Kulturbetrieb und im Journalismus würde es unkommentiert hinnehmen, wenn Ken Jebsen, Albrecht Müller oder das Team der Nachdenkseiten den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhielten, nur weil in der Jury jene Sympathisanten hocken, die deren politische Agenda durchziehen wollen. Oder wenn Sahra Wagenknecht den Sacharow-Preis bekäme, weil sie sich so sehr für Frieden in der Ukraine einsetzt.

„Deutschland im November 1938 war ein blühendes Land.“

„Und da ist der Turnklub für die deutsche Jugend in Hamburg im August 1943. Ich weiß noch wie er 1938 vor dem Krieg aussah!“

Ersetze Deutschland bzw. Hamburg durch Gaza und Turnclub durch Boxklub für Mädchen und dann hat man Sophie von der Tann. Diese Sätze werden in der ARD im MoMa geäußert. („Ihre Gebühren bei der Arbeit!“ Hohoho!) Daß in Gaza kein Sportverein, keine Institution ohne die Hamas geht, hat uns diese Spitzenkraft des öffentlich-rechtlichen „Journalismus“ leider vorenthalten.

Aus jeder Pore der unsäglichen Person trieft ihre politische Haltung. Man kann sicherlich auch Israel kritisieren (ich tue es nicht, weil ich das Vorgehen Israels für richtig halte). Wer aber, wie von der Tann in Gaza niemals die Hintergründe erwähnt, der betreibt keinen Journalismus, sondern will für deutsche Zuschauer ein Agenda-Setting und ein Framing betreiben. Im Auftrag des ÖRR, zu prominenter Stunde, etwa bei der „Macht um acht“.

Das eigentliche Problem ist aber nicht von der Tann. Sondern es sind die ÖRR-Gebührenmedien.

Im Blick auf guten Journalismus, darin in klassischer und redlicher Manier Nachricht von Meinung bzw. Kommentar getrennt wird, zitiere ich den Beitrag eines Facbook-Freund. Da er sein Posting auf „privat“ gestellt hat, mache ich es ohne Namen:

„Guter Journalismus ist diszipliniert darin, strikt zwischen Bericht und Kommentar zu trennen. Wenn ein Journalist berichtet, dann hat er das, was er berichtet, nicht zu kommentieren. Das meinte Hajo Friedrichs, als er forderte, Journalismus dürfe sich nicht gemein mit einer Sache machen, auch nicht mit einer guten.

Ein Beispiel, wie die Trennung zwischen Bericht und Kommentar funktioniert, ist Rainer Munz (Bild), der u.a. für rtl und n-tv aus Moskau berichtet. Schalten mit ihm zeigen ihn immer unaufgeregt und nüchtern. Persönliche Anmerkungen, auch nur kleinste Andeutungen verhindert Munz immer. Er ist nah dran an den Wahrheiten, von denen er berichtet, ohne selbst Teil derer zu sein.

Die Kritik an Sophie von der Tann beginnt an diesem Punkt: Sie berichtet nicht, sondern kommentiert. Für wen oder gegen was sie dabei nun Stellung bezieht, ist zunächst irrelevant, entscheidend ist, dass sie in ihrer Berichterstattung Teil des Berichtswesens wird. Das darf einer guten Journalistin / einem guten Journalisten nicht passieren. Dass sie dabei in der Horn der unzähligen Meinungsmachenden bläst, die im Grunde die Propaganda der Hamas verbreiten, und dass sie dabei nicht müde wird, ihr „Gerücht über die Juden“ (Adorno) ins Mikrofon zu plärren, macht es schlimmer, ist aber erst der zweite Kritikpunkt. Zuvorderst agiert von der Tann schlicht jounalistisch ungenau.

Die Aggressivität, mit der User sie in Social Media nun meinen verteidigen zu müssen, ist mir unverständlich: Wer Wahrheiten zu Meinungen verschwurbelt, der muss eben damit rechnen, dass andere Meinungen sich dazu zu Wort melden. Dabei hätten Berichte über Wahrheiten doch vollkommen gereicht.“

Diese Kritik an von der Tann muß zudem eine Debatte nach sich ziehen, was Aktivisten, die sich als Journalisten tarnen – mit Helm sogar!, soviel Häme muß sein! – in einem der wichtigsten Nachrichtenmedien in Deutschland zu suchen haben.

Immer wieder wird der Ton der Kritik beklagt. Mag sein, daß mancher übers Ziel hinausschießt, wenngleich ich bisher noch keinen einzigen solchen Beitrag gelesen habe.

Wer etwa den Ausdruck „Pressesprecherin der Hamas“ kritisierst, den ich als polemische Zuspitzung für zutreffend halte, der sollte besser auch einmal in den Blick nehmen, was derartige nicht nur mehr bloß antiisraelische Propaganda für Auswirkungen hat: Propaganda, die von der Tann mittels eines Mediums verbreitet, das in Deutschland Millionen Menschen sehen. Daß in dieser Gesellschaft der Antisemitismus und der Haß auf Israel massiv angewachsen ist. Nicht nur bei migrantischen Muslimen, was hier in Berlin und anderen deutschen Städten tagtäglich zu erleben ist, sondern auch bei Biodeutschen. Und im Verhältnis dazu, was Juden in Deutschland inzwischen zu erdulden haben, scheint mir der Ausdruck „Pressesprecherin der Hamas“ freundlich. Ich würde das sogar auf die These zuspitzen, daß auch die ÖRR-Bezahlmedien zu einem erheblichen Teil für die antiisraelische und damit leider auch oftmals im Konnex stehenden immer weiter grassierenden Antisemitismus mit verantwortlich sind. Der sich in Deutschland immer weiter ausbreitende Antisemitismus, inzwischen nicht mehr nur bei muslimischen Migranten, ist nicht vom Himmel gefallen. Akteure und Aktivisten wie Sophie von der Tann sind ganz wesentlich für diese Stimmung im Land mitverantwortlich.