

Und was für ein wunderbares Kinderlachen:

Goldene Tage in einem fremden Land. Wieder angekommen im krisengeschüttelten wie desolaten Deutschland, sei es wirtschaftlich, sei es militärisch, sei es in Sachen Migrationspolitik und immer neu auftauchenden Afghanen. Vermutlich wird sich demnächst herausstellen, daß die gesamte afghanische Bevölkerung im Grunde für Deutschland gearbeitet hat. Und der deutsche Michel glaubt es und Medien beflügeln diesen Glauben. Man nehme zu dieser Causa und der deutschen Naivität gerne jenen Leserbrief, den Dr. Thomas Sarholz, Oberst a. D, gedient in Afghanistan und also vor Ort, am 26. August 2021 an die FAZ schrieb https://archive.ph/8RKkS#selection-4195.0-4225.43
Aber darüber wollte ich mich nicht ärgern, sondern mit Melancholie zurückblicken auf jene schönen Tage in Polen, an der Ostsee im herrlichen Zoppot. Wobei aus der Melancholie bei der Autofahrt und beim Revue-passieren-lassen dieser wundervollen Zeit sich sogleich wieder die kalte Wut einstellte, als ich in Berlin eintraf und aus dem Auto stieg. Doch dazu einige Absätze später weiteres.
Polen ist in vielem deutlich anders als Deutschland und in vielen Dingen vor allem eines: Besser. Obwohl Polen eigentlich den Euro hätte einführen müssen und sollen, sind die Polen ganz einfach in polnischem Eigensinn beim Zloty geblieben und es würde keiner Partei in den Sinn kommen, hier eine Transformation durchzuführen. Das wäre nämlich das Ende dieser Partei. Es hat in Polen innerhalb der Jahre ein wahnsinniger Aufbau und ein Aufschwung stattgefunden – auch in der Provinz. Freilich mit erheblichen EU-Hilfen.
Das Land ist voll von jungen Menschen, ich habe nirgends so viele polnische (nicht syrische, nicht afghanische, nicht irakische) Familien mit Kindern gesehen. Das Land prosperiert. Die junge Generation weiß, daß sie dies auch der EU zu verdanken hat, aber deshalb bleibt die EU – sinnvollerweise – immer noch eine Gemeinschaft der Nationen, deren Souveränität, etwa in Sachen Migrationspolitik, gewahrt bleiben muß.
In der Gastronomie arbeiten ungeheuer viele junge Menschen, nichts zu hören von „Wir finden kein Personal, das bereit ist, hier zu arbeiten!“
Mitte der Woche gab es zu den Erfolgen polnischer Verwaltung und Politik einen Artikel im Tagesspiegel: „Straßen reinigen und Verwaltung digitalisieren: Was Berlin von seiner Partnerstadt Warschau lernen kann“:
„Tatsächlich gehört die Zwei-Millionen-Stadt laut internationalen Rankings zu den sichersten Metropolen Europas – und das, obwohl sie im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Hunderttausende Geflüchtete aufgenommen hat, ganz ohne Massenunterkünfte, ohne soziale Destabilisierung. Warschau hat stattdessen gehandelt – beherzt, schnell, unbürokratisch. Das Erfolgsrezept: kluge Planung und ein gemeinsames Verständnis für Verantwortung. Zivilgesellschaft, Verwaltung und politische Führung ziehen an einem Strang – mit sichtbarem Erfolg.
Auch in der Stadtentwicklung setzt Warschau Maßstäbe. Parks und Grünflächen werden gepflegt und erweitert, die Sauberkeit im Stadtbild ist augenfällig. Während Berlin mit vermüllten Plätzen und verwahrlosten Anlagen kämpft, investiert Warschau in Stadtgrün: Mit Programmen wie „Eine Million Bäume für Warschau“ setzt die Stadt ein ökologisches und bürgernahes Zeichen.“
Alle Menschen in den Orten der Ostseeküste, wo ich mich aufhielt, sind weitgehend freundlich, wenngleich es zuweilen eine gewisse Reserviertheit gibt. Der Pole ist kein Italiener. Mit Englisch jedoch kommt man inzwischen in Polen ganz gut durchs Land, wenngleich sich die Polen sehr freuen, wenn man ihre Landessprache ein wenig spricht – was ein nicht ganz einfaches Unterfangen in Sachen Aussprache ist. Doch Polen ist ein gastfreundliches Land. Nirgends habe ich Deutschenfeindlichkeit erlebt.
Was mir am besten gefiel: Der Islam ist in Polen nicht präsent. Als ich in Deutschland in meiner eigentlich schönen Straße im bürgerlichen Südwesten ankam, aus dem Auto stieg und die Koffer auslud: was war das erste, das ich sah? Zwei dieser Kopftuchfrauen – nicht einmal die bunten Teile mit Chique, sondern dieser scheißschwarze Hijab, und ich hätte am liebsten gleich kotzen können.
„Die verschiedenen Formen der islamischen Kopfbedeckung der Frau sind alle ein Zeichen der islamistischen Gesinnung. Der Trägerin ist es wichtig nicht nur nach außen zu demonstrieren, dass sie dem – alle Bereiche des Lebens geltenden – islamischen Gebot der „Sittsamkeit“ folgt, sondern auch den öffentlichen Raum mit Symbolen der islamischen Dominanz zu markieren. Die zunehmende Dominanz des Kopftuches im öffentlichen Raum ist jedoch nicht nur ein politisches Zeichen der Landnahme, sondern zugleich ein Mittel, die als unsittlich wahrgenommen Frauen unter Druck zu setzen. Das Kopftuch ist das Braunhemd des Islams.“ (Anonymos. Nicht von Bersarin. Ich schwör, Habibi!)
Ich habe bei meinem ganzen Aufenthalt in Polen in der Dreistädteregion Danzig, Zoppot und Gdeingen lediglich fünf Kopftuchfrauen gesehen und auch keine Bartmuselmanen – und das war eine mehr als angenehme Erfahrung. Geradezu eine Erholung vom Alltag in Berlin und auch in Hamburg. Wer waren diese fünf Frauen? Eine der Kopftuchfrauen sah ich in Danzig in der Langgasse, und es war dies ein zwölf- oder dreizehnjähriges Mädchen aus Deutschland, das in einer Schulgruppe auf einer Klassenfahrt war. Die andere Frau war eine katholische Nonne, die dritte eine junge arabische Touristin mit ihrem Gatten in Zoppot. Die beiden anderen waren ebenfalls in Zoppot zu Gast und sahen, vom Gesicht und der Kleidung her nach Pakistan oder Indien aus. In der immer gut gefüllten SKM etwa – der S-Bahn zwischen Danzig, Zoppot und Gdingen –, in der ich mich häufig bewegte, bemerkte ich keine einzige Kopftuchfrau, auch in Trams und Bussen nicht. Keine.
Und ab dieser ersten Septemberwoch werde ich in Berlin wieder meine Wut unterdrücken müssen. In Danzig und Gdingen, wo ich mich auch in Regionen bewegte, wo keine Touristen sind, sondern wo normale Bürger in ihrem Häuserblocks leben, sah ich nicht ein einziges Kopftuch, nicht einen einzigen Jungmusel, der auf Arabisch mit den Kumpels quatschte, nicht eine einzige arabische Familie, die mit fünf Kindern im Schlepptau durch die Straße sich bewegte.
Aber es gibt auch für die grünen Freunde Erfreuliches: Polen ist hinsichtlich des Autofahrens ein Land, wo ihnen das Herz aufgehen müßte. In Ortschaften darf vielfach nur 40 km/h gefahren werden. Auf den mautpflichtigen Autobahnen 140, auf vierspurigen Schnellstraßen, wo die Fahrbahnen getrennt sind, 120 km/h. Die Strafen sind streng. Es existiert zudem eine Vielzahl an Zebrastreifen. Und da der Staat seine Autofahrpappenheimer kennt, liegen viele dieser Zebrastreifen auf einer Erhebung. Wer hier also mit Karacho entlangbraust, riskiert ein kaputtes Auto. Zudem ist das Parken in fast jeder Ecke von Danzig, Zoppot oder Gdingen kostenpflichtig. Selbst in Regionen, wo sich kein einziger Tourist je hinein verirrt.
Trotzdem fahren allerdings die Polen viel mit dem Auto. Man kommt in Danzig nicht unbedingt schnell voran. Es ist ein zwar langsamer, aber doch kontinuierlich fließender Verkehr. Kreuzungen gibt es fast gar keine, sondern nur Kreisverkehr. Die Polen in der Dreistädteregion fahren zügig, aber sind dabei nicht aggressiv.
Anders habe ich es 2012 in Warschau erlebt, da war das Fahren kein Spaß und man mußte, um sich ein wenig zu behaupten, schon wie General Guderian mit einer Panzerspitze im Anmarsch sich fühlen.
Das Thema Polen und Deutschland ist nochmal ein weiteres, auch im Blick auf die ungeheuren Zerstörungen, die Deutsche in Polen anrichteten. Im übrigen werden genauso die Russen bzw. Sowjets mitgenannt, was den Hitler-Stalin-Pakt samt der Okkupation durch die Sowjets und die sowjetischen Massaker an Polen betrifft: Stichwort Katyn. Dieses Massaker an Politikern, Wissenschaftlern, Ingenieuren, Militärs und Soldaten haben die Polen bis heute nicht vergessen und auch unsere Taten haben sie dabei nicht vergessen.
Um diese polnische Geschichte ein wenig besser zu verstehen, rate ich unbedingt dazu, in Danzig das Muzeum II Wojny Światowe sich anzusehen, also das Museum des Zweiten Weltkrieges – tief beeindruckend und eine Vielzahl an Material, an zu studierenden Bildern, Texten, Objekten und Videos. Man braucht dafür wohl mindestens zwei oder drei Tage, um der Fülle überhaupt gerecht zu werden.
Polen ist zudem, was den öffentlichen Raum betrifft, ein sicheres Land, zumindest, was die gefühlte Sicherheit betrifft – anders als in Deutschland. Nirgends an Bahnhöfen oder öffentlichen Orten jugendliche Eckenstehergruppen – in Deutschland meist mit arabischem Hintergrund. Und das hat vor allem auch etwas mit einem politischen Willen zu tun. Keine Partei dort, auch die PO von Donald Tusk nicht, würde auf die Idee kommen, soche Zustände wie in Deutschland auch nur im Ansatz zuzulassen. Obdachlose existieren zumindest nicht sichtbar, und schon gar nicht ist es wie in Berlin und anderen deutschen Städten, wo Crack-Junkies und sehr arme bettelnde Menschen, die einem leid tun können, die Bahnen und Bahnhöfe bevölkern. Zyniker sagen: Die Polen haben diese bettelnden Menschen ganz einfach nach Berlin geschickt, wo man sie dann im Sinne der Reisefreiheit in der EU einfach machen ließ, anstatt sie zurückzuschicken. Auch solche Gleichgültigkeit in Deutschland führt am Ende dazu, daß der öffentliche Raum immer ein Stück weiter verwahrlost.
Nun kann man natürlich mit allen möglichen subtilen Annahmen und Dekonstruktionen solches infrage stellen. Aber den Bürgern kommt es eben nicht darauf an, was alles so oder anders abläuft, sondern sie wollen, sehr zu recht, in einem lebenswerten Land wohnen. Und das ist Polen inzwischen. Auch was die Armut betrifft. Zwar gibt es immer noch Häuser im schlechtem Zustand, aber es sieht eben auch nicht viel anders aus als in manchen Ecken Brandenburgs oder des Hunsrücks.
In den Städten Danzig und Gdingen habe ich niemals die Sorge gehabt, daß mir etwas passieren könnte. Ein weiteres ist, daß die polnischen Städte zum Teil videoüberwacht sind. Mich stört solche Videoüberwachung nicht, selbst dann nicht, wenn ich mich mit einer jungen polnischen Geliebten treffe, während die Ehefrau mich auf einer wichtigen Geschäftsreise in Warschau wähnt. Und es ist in Polen auch nicht die Verwahrlosung des öffentlichen Raumes zu beobachten, wie wir es aus vielen deutschen Städten kennen. Wer sich am Danziger Hauptbahhof oder an dem von Gdingen und Zoppot bewegt, muß sich nicht durch ein Heer von Junkies und Dealern zwängen, wie das etwa in Hamburg sein den 1980er Jahren der Fall ist – vom Frankfurter Bahnhofsviertel gar nicht zu sprechen, wo es wie in einem Ghetto irgendwo in den USA ausschaut. Nirgends und von niemandem wurde ich angequatscht oder angebettelt oder angegangen. Doch ein einziges Mal: Als ein junger Mann mich in Zoppot sehr freundlich und charmant ansprach, ob ich Lust auf einen eleganten Club mit Frauen hätte, wo es bis spät in die Nacht Cocktails gebe.
Vor allem aber sind die Polen teils sehr patriotisch und sie sind stolz auf ihr Land und das können sie auch zu recht sein. (Ich werde allerdings in weiteren Texten im Blick auf polnische Geschichte und Gegenwart auch auf kritische Aspekte zu sprechen kommen, wenn es um polnischen Antisemitismus und die reaktionären und nationalistischen Formen des Polentums und des dort ausgeprägten Katholizismus geht.)
Wenn Polen ihre Nationalhymne spielen, und das habe ich bei der Solidarność-Veranstaltung am 31. August erlebt, dann singen sie mit, sie fassen sich mit der rechten Hand ans Herz und mancher hatte Tränen in den Augen. Eine gute Form von Patriotismus. Den es in Deutschland nicht gibt, eine Sache, die Deutschland jahrzehntelang abtrainiert wurde – sicherlich auch aus den bekannten geschichtlichen Gründen. Aber wenn solch kritisches Reflektieren zum genauen Gegenteil führt, dann ist das, ganz geschichtsdialektisch genommen, der völlig falsche Weg. Mit den ersichtlichen Folgen. Ich habe noch nie gesehen, daß die gesamte „Straße des 17. Juni“ mit unserer Staatsfahne beflaggt war, wie es etwa der Champs-Élysées zu den großen Nationalfeiertagen mit der Tricolore. An eine Militärparade ist nicht zu denken. Signifikant dafür immer noch das Bild, wo Merkel nach dem Wahlsieg 2013 angewidert die ihr zugereichte Deutschlandfahne beiseite schob. Diese Geste war nur eine kleine. Aber sie sagt sehr viel über dieses Land, über das Denken in diesem Land und diese entsetzliche Kanzlerin aus, die Deutschland dahin brachte, wo es heute steht.
Gut ist vor allem: Polen hat viele junge Menschen. Die, mit denen ich sprach, verzogen bei dem Wort Islam nur das Gesicht, wenn ich über die Misere unseres Landes sprach und die meisten fanden auch die deutschen Grenzkontrollen richtig, denn sie wußten selber, daß die Migranten eher nicht von Deutschland nach Polen einreisten. Sie blieben im Blick auf Merkels irrsinnige und fatale Grenzöffnung freilich höflich, während ich recht markige Worte verlor. In einem jedoch waren sie sich mit mir einig: Der Islam gehört nicht zu Europa.
Westeuropa hat fertig, die einzige Chance liegt im Osten und vielleicht noch im ländlichen Raum, um gegen diese Entwicklung Widerstand zu leisten.
Westeuropa, dieser Nasenpopel aus einer Konfirmandennase. Wir wollen nach Polen (oder Dänemark) gehn. Um einen großen deutschen Dichter einmal abzuwandeln. Gerade auch im Blick auf Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Tu felix Polonia!
Das mag zugespitzt klingen, aber es zeigt eben doch eine Tendenz, was alles in Polen vernünftig und gut läuft, angefangen bei der Digitalisierung, und noch in der kleinsten Eisbude kann man mit Debit-Karte bezahlen, WLAN ist häufig for free erhältlich. Und da zitiere ich gerne noch einmal aus dem Tagesspiegel:
Wo Berlin häufig noch im Analogen festhängt, ist Warschau längst digital. Bürgerinnen und Bürger können nahezu alle Behördengänge online erledigen – effizient und unkompliziert. Möglich macht das eine zentrale Identifikationsnummer („Pesel“), die Verwaltungsprozesse vereinfacht, Datensilos aufbricht und digitale Innovation fördert.
Während in deutschen Amtsstuben noch Drucker rattern und Anträge per Fax verschickt werden, zeigt Warschau, wie Digitalisierung im Dienst der Menschen funktionieren kann. Statt Papierkrieg: digitale Effizienz. Statt Warteschlangen: Nutzerorientierung und Service-Mentalität.
Besonders bemerkenswert ist die Bildungspolitik. Während in Deutschland oft noch darüber diskutiert wird, ob Integration überhaupt möglich sei, hat Warschau längst vorgemacht, wie sie gelingt: Geflüchtete Kinder werden zügig eingeschult, ukrainische Lehrkräfte integriert und anerkannt. Schulen öffnen sich pragmatisch und lösungsorientiert. Ein beeindruckendes Beispiel für einen Staat, der Herausforderungen nicht beklagt, sondern gestaltet.
Auch im Bereich Mobilität kann Berlin viel von Warschau lernen. Während hier jahrelang geplant, debattiert und verschoben wird, baut man dort. Neue U-Bahnlinien entstehen in Rekordzeit, ergänzt durch ein engmaschiges Netz aus Straßenbahnen, Elektrobussen und gut ausgebauter Fahrradinfrastruktur. Der öffentliche Nahverkehr ist pünktlich, sauber, klimatisiert – und damit ein echtes Rückgrat urbaner Lebensqualität.
Warschau beweist: Es ist möglich, komplexe Herausforderungen zu meistern – wenn man mutig handelt, Prozesse vereinfacht und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht um ideologische Grabenkämpfe oder das Festhalten an überkommenen Strukturen, sondern um die Bereitschaft, sich zu verändern – zum Wohle aller. Genau diese Haltung fehlt in vielen Teilen Deutschlands, wo häufig der Eindruck entsteht, dass Veränderung vor allem als Bedrohung wahrgenommen wird, nicht als Chance.
Wer nach vorne blicken will, muss sich lösen von alten Denkmustern. Deutschland wäre gut beraten, sich nicht länger allein auf seine westlichen Partner zu konzentrieren, sondern die strategische, kulturelle und wirtschaftliche Relevanz Osteuropas anzuerkennen – und zu nutzen. Der Osten Europas ist kein Hinterhof, kein „neuer Markt“ im Sinne alter Investorenlogik. Er ist Herz und Motor eines neuen europäischen Selbstverständnisses – und Polen dessen treibende Kraft.
Was mir aber am meisten fehlen wird, ist der Blick morgens aufs Meer hinaus, wenn ich vor dem Frühstück aus dem Hotel trete und einen kleinen Strandspaziergang mache, nicht im Modus der Literatur, mit Hans Castorp, um Zeit zu erfahren, sondern einfach nur im Modus der Intensität, dazu die Schreie der Möwen, die Fischerboote von Zoppot, und dann noch einmal abends die Sicht aufs Meer hinaus, wenn ich dort in der Strandbar sitze, das gute polnische Bier trinke und bevor ich in das am Strand liegende Hotel wieder zurückkehre. Ich kann sehr gut verstehen, daß all jene Menschen, die aus dieser Region 1945 flüchten mußten, ungeheure Sehnsucht nach ihrer Heimat hatten und diesen Abschied niemals verwunden haben. Was für eine Schönheit des Ortes und immer wieder dieses Meer und die Weite des Himmels, Mensch vorm Seestück. Als ob einem die Augenlider weggeschnitten würden: man möchte immerzu sehen.
Vor allem aber: jeden Tag ein anderes Licht, jeden Tag eine andere Meeresstimmung und besonders dieses Licht des Augustes, wenn die Sonne schon tiefer steht und die ersten milden Töne vom Herbst sichtbar sind. Und das ist ein spürbares Zeichen auch für den Abschied. Die schönen Tage von Zoppot sind nun vorbei.



























































