„Wir sangen mit zu jedem Lied
Von Abba, Bowie, Kiss und Sweet
Und ich war nie mehr so bekloppt verliebt
Wie damals in dich
Als wir am Weserufer lagen
In unsern Mixkassettentagen“
Musik, die vermutlich nur Boomer verstehen: aber genau so war es – nur daß der Weserstrand bei uns in Hamburg die Elbe war. Und zuweilen die Alster oder einfach nur das Wandsbeker Gehölz samt dem Eiscafé Jakobs und einem Ententeich.
„Dann fingen wir zu knutschen an
Du warst an meinem t-shirt dran“
Ein wunderbarer und geiler Mitsingsong, der den Geist und den Ton dieser Zeit trifft: Mixkassettentage aus den 1970er Jahren und später, aus Liebe, aus Lust und aus eitelschöner Jugend heraus gemacht, damals vor dem Radio hockend („Musik für junge Leute“), Musik aufnehmend, auf dem Schulhof nach Mädchen schauend, imaginierend, wünschend, Monas sichtbare Sliplinie unter der Jeans, das was man die ausgehende Kindheit und den Beginn der Jugendzeit nennt. Die Klassenreise nach Bad Harzburg mit 14, Carola, die mich in eines der leeren Zimmer mit den Doppelstockbetten zog, auf eines der Betten warf und Knopf samt Reißverschluß der Wrangler-Jeans (natürlich!) öffnete. Direktheiten, kein Herumgerede, wie es später dann beim verkopften Körper geschah, um der Sache doch wenigstens einen intellektuellen Anstrich zu geben: „Also, den Übergang vom Menschen zum Übermenschen bei Nietzsche, das ist doch eigentlich bis heute, auch für die Kunst, ein schwer lösbares Problem.“
Mit dem Fahrrad, das selten nur ein Bonanza-Rad war, weil zu teuer, durch Hamburg-Horn und Billstedt gurkend.
Wie ich auf solche Musik komme? Ich hörte sie durch einen Zufall. Als ich vorgestern abend, winters und Frost im Anflug, mit dem Auto von Hamburg nach Berlin aufbrach, kurz vorm Eidelstedter Markt durch die Radioprogramme streifte und bei NDR Schleswig-Holstein wegen der Verkehrsnachrichten und den Wetterwarnungen hängenblieb. Und da kam dann das! Was für eine Wucht, dachte ich. Sofort den Sound lauter drehend und mit Begeisterung. Mitsingend und mich ins Herz treffendes! Sentimental, direkt und schön eine Epoche in Musik gebracht. Ina Müller kannte ich eigentlich eher aus ihrer Abendshow und von wenigen Liedern her. Ich mag ihre freche, norddeutsche Art. Das Unverblümte.
Schöner Song auch für Zwischen-den-Jahren in den Zeiten der Rauhnächte, da die alte Zeit wiederkehrt. Ob das Kitsch ist? Ja. Bester Art. Mixkassettentage, das war unsere Zeit!
Es lassen sich Geschichten erzählen. Wir sangen mit zu jedem Lied!
Im Fotoalbum ist noch Platz
Ich kleb‘ euch alle darin ein
Und dann kommt ihr ins Regal
Und vielleicht staubt die Zeit euch ein
Vielleicht staubt die Zeit euch ein
Sie tut es nicht, wenn wir diese Szenen des Lebens bewahren und als Augenblick und Vergangenheit festhalten.
Kommen Sie gut ins neue Jahr, liebe Leserinnen und Leser!