Weihnachtlicher Gabentisch (1)

Schauen wir einmal, wie viele Empfehlungen ich hier parat habe, die dann unter dem guten alten deutschen schönen und hoffentlich prächtig mit Lametta, Kerzen und Kugeln geschmückten Weihnachtsbaum liegen oder die man sich im voraus selber oder anderen schon schenkt.

Da ist einmal: „Erinnern als höchste Form des Vergessens? (Um-)Deutungen des Holocaust und der ‚Historikerstreit 2.0‘“, herausgegeben von Andreas Stahl, Jakob Hoffmann, Marc Seul, Stephan Grigat, erschienen im Verbrecher Verlag  für 29 Euro mit 470 Seiten.

Und da ist zum anderen „Probleme des Antirassismus. Postkoloniale Studien, Critical Whiteness und Intersektionalitätsforschung in der Kritik“; herausgegeben von Ingo Elbe, Robin Forstenhäusler, Katrin Henkelmann, Jan Rickermann, Hagen Schneider und Andreas Stahl, erschienen in der Edition Tiamat, ebenfalls für 29 Euro.

In beiden Büchern gibt es eine Kritik an einer intersektionalistischen und postkolonialen Linken, und zwar von links her. Die Resultate solcher Intersektionalität sehen wir im Augenblick teils an den Universitäten und auch auf den Straßen in Neukölln und anderswo, wenn dort die Hamas abgefeiert wird oder wenn nicht nur klandestin, sondern ganz offen dazu geschwiegen wird, wenn Juden wieder ins Gas gewünscht werden oder wenn intersektionalistische Feministinnen einen großen Internet-Aufschrei hinbekommen, weil mutmaßlich ein Rockstar bei Aftershowpartys Grenzen überschreitet oder weil seinerzeit vor wenigen Jahren eine schwarze Aktivistin sich auf der Frankfurter Buchmesse von rechten Verlagen angeblich bedroht fühlte. Wenn aber israelische Frauen von arabischen Terroristen unter Allahu-Akbar-Rufen geschändet, bespuckt, vergewaltigt, blutig gefickt und dann im Internet demütigend zu Schau gestellt werden und zahlreiche Menschen dies bejubeln und sich an solcher Demütigung von Frauen beteiligen, dann herrscht mit einem Mal ein großes und laut vernehmbares Schweigen. All das aber ist nicht vom Himmel gefallen und kommt ganz plötzlich.

Das, was in diesen Büchern thematisiert wird, so scheint es mir nach dem Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses und nach losem Blättern, ist das Resultat einer seit Jahrzehnten sich zutragenden nicht nur verhängnisvollen, sondern auch unsäglichen Entwicklung bei Teilen der Linken. Ein Denken, das mittlerweile nicht nur in US-Hochschulen Fuß gefaßt hat, sondern ebenso an deutschen. Und das hat auch – oder zu einem großen Teil – etwas mit dem Theorieüberbau zu tun.