In Halle/Saale die neurechte Buchmesse „Seitenwechsel“: „And deranged for Rock & Roll“

Kleines Polizeiaufgebot gleich am Bahnhof Halle-Messe. Mein Auto parke ich, da ich mit der Sicherheitslage vor Ort nicht gut vertraut bin, im Stadtbezirk Kanena, hinterm Altglascontainer, keine Hundert Meter bis zur S-Bahn-Station Messe, vielleicht fünfhundert Meter bis zum Einlaß, die Bahnunterführung hindurch und hoch dann in Richtung der Hallen. Die Messeparkplätze sind mir zu unsicher, falls bei der linken Demonstration gegen die rechte Buchmesse Riots ausbrechen, was ich aber angesichts der Polizeipräsenz nicht vermute. Dennoch. Wir sind in Deutschland und wer will bei der Rückfahrt schon auf die Deutsche Bahn angewiesen sein, falls das Auto demoliert wurde? Niemand.

Das Publikum, das von der S-Bahn in Schüben zur Messe wandert, ist zahlreich, im Altersdurchschnitt leicht über 50 bis 70, selten älter, in Begleitung ihrer Frauen, auch einige Männer zwischen 30 und 50 sind dabei. Wenige Frauen in dieser Alterskohorte und noch weniger jüngere Frauen, einige junge Männer auch – manchmal mit schmissigem Kurzhaarschnitt, an den Seiten ausrasiert. Manche schauen aus, wie bei uns in den 1980er und 1990er Jahren die Jura- und Medizinstudenten aussahen. Ein paar schnicke Konservative in Tracht. Das Gros der Besucher aber ganz normale Bürger, praktische Kleidung. Jacke oder Sakko. Ein neuer Aufmischer ist diese Messe sicherlich nicht, aber eben doch ein deutliches Zeichen.

Vor dem Einlaß bildet sich kurz nach zehn eine Schlange von mehreren hundert Metern. Von Linken abphotographiert, die auf ihren eigenen Demos aggressiv reagieren, wenn man genau dasselbe mit ihnen macht und sie ins Internet stellt. Diese Art des Photographierens ist allerdings erlaubt, wie mir die Polizei mitteilte. Was nicht erlaubt ist: diese Photographien ins Internet einzustellen.

Einschüchterungen, die am Ende bei den Messe-Besuchern dazu führen, sich wieder ein Stück weiter in der eigenen Haltung bestärkt zu sehen und zugleich auch eine berechtigte Empörung. Auf dem eingezäunten Messeparkplatz für spezielle Besucher schießt ein Photograph mit einem Extremtele Bilder von Autokennzeichen und von denen, die aussteigen.

Einmal wieder das alte Spiel: Eine gewisse Sympathie für jenes in der Schlange stehende Konglomerat aus Rechten, Konservativen, Rechtskonservativen und Menschen aus der gesellschaftlichen Mitte entwickele ich nicht wegen ihrer Thesen und Denkweisen, sondern genau wegen solcher Gestalten von links. Und mir fällt einmal wieder der schöne Satz von Nicolás Gómez Davila ein: „Rechts wird man nicht, wenn man Rechten zuhört, sondern wenn man Linken zuhört.“

Hinein also ins Getümmel. Es ist voll in den Hallen. Was ist die Buchmesse Seitenwechsel? Schon der Titel ist programmatisch, im Blick auch auf die Abkehr von den beiden Messen in Frankfurt und Leipzig. Sie findet am 8. und am 9. November – jenem Schicksalstag der Deutschen – im sachsen-anhaltinischen Halle statt. Es ist eine Messe von rechten, rechtskonservativen und auch rechtsextremen Verlagen unterschiedlichster Couleur, organisiert von Susanne Dagens Buchhaus Loschwitz aus Dresden. „Unsere neue Messe feiert die Vielfalt und Kreativität des Verlagswesens und den einzigartigen Beitrag kleiner, unabhängiger Buchverlage zur literarischen Landschaft“, so heißt es in der Ankündigung. (In der Stadt Halle wurde zudem eine Gegenveranstaltung mit dem Namen „Wir“ organisiert.)

Man kann die Messe „Seitenwechsel“ wohl als eine Art Vernetzung der verschiedenen Szenen interpretieren, zugleich aber sind die Ziele und Positionen innerrechts so unterschiedlich, daß ich kaum einen gemeinsamen Nenner sehe – außer eben den der AfD als Partei und Sammelbecken für das heterogene politische Vorfeld. Das Konzept „Mosaik-Rechte“, so wie es Benedikt Kaiser als möglichen Weg einer neuen Rechten ins Spiel brachte, trifft es vielleicht ganz gut. Um hier aber die Konzepte und Strategien zu kennen, muß man freilich deren Bücher lesen und deren Positionen sichten. Und genau deshalb bin ich auf einer solchen Messe. Vor allem auch, um Eindrücke und Stimmungen einzufangen. Die Atmosphäre in einem Fußballstadion bekommt man nicht mit, indem man die Bundesliga-Tabelle im Kicker und die Spielberichte nur liest.

In der Tat stellen auf dieser Messe ganz unterschiedliche Verlage ihre Bücher und Bilder aus: teils Narrensaum und Verschwörungsrauner, teils Seriöses, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Bei manchem Aussteller kann man das Speien bekommen, so beim rechtsextremistischen Compact Verlag, bei anderen wiederum gerate ich ins Lachen, weil das eine Rechte ist, die wir für ausgestorben hielten: die Fraktion „In der Lederhose wird gejodelt und gekeitelt“ – alles in Fraktur versteht sich. An irgend einem Stand hängt ein Reconquista-Plakat, rechte Esoterik ist dort ebenso vertreten wie das Alternativradio Kontrafunk und gleichfalls die mediale Spinnkram- und Ufo-Fraktion von NuoViso. Insofern: viele Aussteller auf dieser Messe, mit denen man lieber nicht in Berührung kommen mag – außer vielleicht zu soziologischen Studien oder um einen Text zu schreiben. (Wie sehr Skurriles dennoch literarisch faszinieren kann, zeigte Clemens J. Setz in seinem Roman „Monde vor der Landung“.) Dieser Irrsinnswildwuchs, der eher lachhaft scheint, läßt dann einige wenige Aussteller umso mehr glänzen. Da wirken die Stände des Jungeuropa Verlages, der von Manuscriptum, wo auch die Sieferle-Ausgabe erhältlich ist, und der Stand des Antaios Verlages in der Tat wie ein intellektueller Lichtblick. Gleich vorne aufgebaut und Blickfang.

Auch „Tumult. Zeitschrift für Konsensstörung“ ist vor Ort. Da sitzt der alte Frank Böckelmann. Sein Essay zum Jahresauftakt 2024 „Die neue bodenlose Rechte“, zusammen mit Carsten Germis geschrieben, gehört mit zum besten, was ich von rechtskonservativer Seite im Blick auf Europa, die Ukraine und Israel gelesen habe. Weiterhin vertreten sind Medien wie „Tichys Einblick“, die „Junge Freiheit“ und „Achse des Guten“. Michael Klonovsky und Matthias Matussek wieseln über die Messe. Viele Kleinstverlage, aber auch größere Player wie Langenmüller.

Sophie-Marie Schulz schreibt es in der Berliner Zeitung unter der Überschrift „‚Gegenentwurf zur Einseitigkeit‘?treffend:

„Wer sich durch die prallgefühlten Gänge in der ersten und Halle schiebt, erkennt schnell, dass es hier nicht nur um Literatur, sondern vor allem um Weltbilder geht. Auf einem Banner prangt der Schriftzug: „Tatort Kita: Der woke Angriff auf unsere Kinder“. Daneben wird eine App beworben, die „verdrängtes Wissen“ verspricht – Blitzwissen, ein digitales Kompendium verschwiegenen Wissens.“

Und auch ihr Fazit teile ich:

„Die Szene draußen wirkt wie ein Gegenbild zur Stimmung drinnen. Während in der Halle Bücher signiert, Witze gemacht und Selfies geschossen werden, herrscht vor den Toren Misstrauen. Die Rollen sind verteilt: hier die Wachsamen, dort die „Tabubrecher“. Und doch verbindet beide Seiten mehr, als sie ahnen – die Überzeugung, dass sie das Richtige tun, und der Glaube, für eine größere Wahrheit einzustehen.“

Erheblicher Widerstreit mithin. Warum aber eine solchen Veranstaltung besuchen? Ich halte zwar nicht viel von solchen Rechtfertigungsdiskursen, die einem immer wieder aufgezwungen werden, so wie ich mich auch nicht dafür rechtfertige, daß ich als Beobachter Revolutionäre 1. Mai-Demonstrationen mir anschaute. Um eine Messe oder eine Veranstaltung zu besuchen, muß man nicht deren Inhalte teilen. So einfach ist es im Grunde. Es gibt vielfältige Gründe, sich die Verlage und die Menschen dort anzusehen. Einer davon ist Neugier.

Was auf dieser Messe und überhaupt bei der Neuen Rechten immer wieder auffällt, ist der geringe Anteil an Frauen. Ellen Kositza ist eine der wenigen Ausnahmen. Ein wenig schlendern und umsehen, das meiste interessiert mich nicht. Teils absurde Auslagen. Aber es gibt eben auch Antaios, heimlicher Magnet, muß ich gestehen.

Dort ließ ich mir von Erik Lehnert sein Buch aus der Kaplakenreihe signieren. Ein freundlicher, witziger und kluger Mann, ich frage ihn nach der leider nicht mehr erhältlichen Antaios-Stofftasche mit der Aufschrift „Meyn Geduld hat Ursach“ und ob dieser Beutel noch einmal in Umlauf käme. „Kann schon sein, das machen wir immer mal wieder. Kann aber dauern.“ Weiter links plaudert Götz Kubitschek vergnügt mit Gästen, Ellen Kositza, deren Literatursendung auf dem Kanal Schnellroda bzw. bei Youtube ich sehr empfehle, ist ebenfalls ins Gespräch vertieft. (Ja, es gibt kluge neurechte Buchkritik, eine Kritik, die Bücher nicht per se nach ihrer ideologischen Funktion und nach politischer Parteinahme abklopft, sondern ästhetische Kriterien in Anschlag bringt.)

Shlomo signiert Bücher und diskutiert. Reges Treiben bei Antaios. Es wird am Mittag bereits Bier getrunken, was mir gut gefällt. Bei der heutigen Linken gäbe es Latte-Soja-Hafermilch-Mix mit Möhre. Wo ist die Rotweinlinke hin? Ach, weh! Verweht vorbei, die schönen 1980er. Ich betrachte die Szenen mit einer gewissen distanzierten Ironie und zugleich doch auch mit einer Bewunderung, aus dem Nichts einen solchen Verlag aufgebaut und ins Gespräch gebracht zu haben. „Meyn Geduld hat Ursach“ ist programmatisch zu nehmen, wobei Kubitschek zugleich ein Feuerkopf ist, der für den Überschwang etwa der Identitären einiges übrig hat. Es gibt insofern zahlreiche Felder, wo Widerspruch anzumelden wäre. Aber in diesem Reisebericht soll es eben doch primär um eine phänomenologische Beschreibung gehen, wenn auch assoziativ, da ich nur wenige Stunden auf der Messe war.

Für manche Leser mag das nach Begeisterung klingen und beim Umgang mit der Neuen Rechten muß sich ein Autor zumeist rechtfertigen, anders als bei bestimmten radikalen linken Positionen, die irgendwie ungefragt und unbefragt hingenommen werden. Sei es drum. Daß ich all dem keineswegs unkritisch gegenüberstehe, mag man an meiner Rezension etwa von Lichtmeszʼ/Sommerfelds Buch „Mit Linken leben“ ersehen. Dennoch: die Bücher von Lehnert, Krah, Kaiser, Lichtmesz, Sellner und Kubitschek sind politische Positionen, die man kennen und mit denen man sich auseinandersetzen sollte. Vermessen ist es, in einer Zeit da die AfD in einigen Bundesländern bald 40 Prozent einfährt, dieses Metapolitische strikt zu ignorieren. Und das eben motiviert auch meinen Besuch bei dieser Buchmesse, und natürlich auch eine gewisse journalistische Neugier. So schlendere ich weiter, die Stände entlang. Beobachtend, schauend.

Weniger sind es die Bücher und Produkte, die mich interessieren, denn das kann ich alles auch im Internet nachsehen, sondern vielmehr ist es das Beobachten der Menschen dort: es gehört zum interessantesten auf dieser Messe. Und da dort das Photographieren verboten ist, muß man also genau hinschauen und aufmerksam sein.  Was für Typen von Besuchern kommen? Homogen ist das Publikum zwar nicht, aber im ganzen doch durchschnittlich, wenige nur, denen ich rechtsextreme Riots zutrauen würde, sondern eher Unzufriedene – Reflektierte wie Unreflektierte. Lautes und herzhaftes Lachen, wenn am Samstag um zwölf auf der Bühne die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ihre Sätze sagt, im Gespräch mit Alexander Kissler. Ich konnte mit ihr freilich in den 1980er Jahren nichts anfangen, als sie sich als wilde Punk-Fürstin inszenierte, und ich kann es bis heute nicht. Es ist das Lachen und Applaudieren derer, die einverstanden sind. Aber auch das ist im Grunde eine triviale Einsicht, denn das kann man bei fast jeder politischen Veranstaltung sagen.

Wenig Extremes bei den Besuchern: Ein paar Russen-Stusser, einer mit einem Badge von den Jungen Nationalen, einer mit Frakturschrift-Shirt „Das schönste Kopftuch hatte meine deutsche Oma“. Das ist nicht ganz falsch denke ich, obwohl meine Oma gar kein Kopftuch trug, sondern vielmehr war das meine geliebte polnischstämmige Urgroßmutter aus ihrer „verdammten Polenwirtschaft“, wie es noch bis in die 1970er Jahre hieß, mit Kopftuch und ihrem schwarz verschmierten Gesicht nach dem Kohleschleppen. Ich armes Polenkind treibe hier also durch die Gänge, besuche die Veranstaltung von Aron Pielka aka Shlomo, der aus seinem Buch „Bauzeit. Shlomo, der Knast und die freie Welt“ liest, moderiert von Götz Kubitschek.

Shlomo tritt grundsätzlich mit einer Wollmaske auf, um nicht erkannt zu werden. Photographieren ist dort und auch in den Ausstellerhallen strikt verboten. Der Saal ist zum Bersten voll, Menschen stehen oder hocken in den Gängen. Auch hier wieder gemischtes Publikum, vom Lachen und vom Klatschen her eine hohe AfD-Affinität. Aber auch neutral Interessierte wie ich.

Mehr Andrang als erwartet. Mancher kommt nicht mehr hinein. Kubitschek sagt ein paar einleitende Wort, auch zur Messe und der Vielzahl an Leuten im Saal. Der Vergleich mit einer neuen 68er Bewegung von rechts, als etwa Dutschke und Rabehl Säle füllten, scheint mir allerdings überstrapaziert. Hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Die Leute gehen am Ende wieder nach Hause und sind still. Ihren Ärger tun sie an den Wahlurnen kund. Im Versteck, da wo keiner hinsieht und keiner nachfragen kann.

Interessanter schon die Ausführungen Kubitscheks zum Thema AfD. Er unterstreicht, interessanter- und konsequenterweise von rechts her, die Notwendigkeit der Brandmauer: Es wäre viel zu früh und auch völlig falsch, jetzt mit der CDU in eine Koalition oder in eine Abstimmungsgemeinschaft sich zu bewegen. Eine solche Koalition spült die AfD weich, hin zum bürgerlichen Lager und das entschärft die radikalen Kräfte in der AfD, so Kubitschek. Vom Geschacher um Posten ganz abgesehen. Es geht dieser Neuen Rechten also durchaus um mehr als nur einen Regierungswechsel, wie das in einer Demokratie üblich ist, sondern um eine programmatische Neuausrichtung dieses Landes, auch im Blick auf die Frage nach Ethos und Demos, so steht zu vermuten. Es wird hier die Systemfrage von rechts her gestellt, so mein Fazit von dieser Lesung.

Und hinaus geht es aus dem vollen Saal, dann wieder ins Freie und zum Parkplatz, weit entfernt, beim Altglascontainer und kurz hinter der Freiwilligen Feuerwehr. Vom Gegenprotest, der dort draußen stattfand, war auf der Messe selbst wenig zu hören. Am frühen Nachmittag waren die Blockierer abgezogen, es standen lediglich einige linke Stasiphotograpen am Wegesrand, die meinten, Besucher ablichten zu müssen. Ich verstehe bis heute nicht, was solche Aktionen bewirken sollen, außer sich in seiner eigenen Rechtschaffenheit selber auszustellen.

Es gibt freilich von der Messe auch Trauriges zu berichten: Der Castrum Verlag ist nicht anwesend. Gerne hätte ich Ledio Albani geschaut, in George-Pose, vielleicht gar mit Jagdgewehr, auf Rivalen anlegend. Ein wenig Fragment-Lenzer-Heide-Nihilismus ragt durchs Nietzsche-Bild in die Szenerie. Buch und orthodoxes Kirchenkreuz. Feuer im Kamin und Baseballschläger. Lila als liturgische Farbe. Herrlich aufgeladen.

Und bei Hendrikje Margaretha Machate, die ebenfalls Verlagsautorin ist, oh holde Germania, ginge ich vor lauter Schönheit in die Knie und hätte angebetet. Nur ein Traum. Dafür aber zog mich eine schöne Sirene vom Hydra Verlag in den Bann. In den Verkaufsbann genauer gesagt, und noch genauer gesagt nicht bloß diese schöne Gestalt der blonden Standdienstfrau, sondern jene Bilder aus einer Graphic Novel mit dem Titel „Yukio Mishima – Der letzte Samurai“, die da sofort in mein Auge stachen. (Geschrieben wurde das Buch von Federico Goglio und von Massimilano Longo gezeichnet. Ich kenne beide nicht, ich kenne auch den Inhalt des Buches nicht, bin aber vom Thema her angetan und auch von der Art der Zeichnungen.)

Das Buch handelt vom Leben und Sterben dieses unbedingt lesenswerten japanischen Schriftstellers. 100er Geburtstag und 55er Todestag immerhin. Der Zeichenstil gefiel mir und ich griff zu.

Nun überlege ich, wo diese drei Zeichnungen am besten hängen könnten. Vielleicht bringe ich sie in schwarzen Rahmen an der Wand an, wenn Hendrikje Machate zu Besuch kommen sollte. (Ich verweise hier auch nochmal auf meinen kleinen Essay „Literatur im Grenzgang: The kids are alright. Neuer Punk, neue Wege“ zur Kooperation von rechten und linken Autoren bei Literaturlesungen. Ich habe für solches Crossover und solche Melange durchaus einen politischen wie auch ästhetischen Faible.)

Daß freilich gerade solche Comic-Verlage nicht ungefährlich sind, weil sie mit Werken oder auch Machwerken eine Ideologie den Jugendlichen unterbuttern, sei dazu geschrieben. Man sollte hier also immer auch die Hintergründe mit im Blick haben. Gleichzeitig denke ich jedoch, daß bei allzu einseitiger Propaganda die Resilienz sich durchsetzt. Trivialer Bluff wird schnell durchschaut.

In all diesen Kontexten und Beobachtungen auf der Messe muß ich insofern zugleich doch aufpassen, das Ästhetische nicht mit dem Politischen zu verwechseln.

Man kann freilich all das, was da auf der Messe geboten wird, auch weniger belustigt sich betrachten, nicht mit dem Blick des Spötters oder des politisch Distanzierten. Man kann es auch auf die Weise sehen, daß auf dieser Messe Menschen zusammenkommen, die sich in ihrem eigenen Weltbild gegenseitig bestätigen. Nur ist all das bei linken Veranstaltungen oftmals nicht viel anders. Alete, Alete, Antifafete, der Mann hat Latte Soja, die Frau riecht muffig wie Troja. Mir ist beides gleichermaßen zuwider.