Unkonforme Konformität. Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld „Mit Linken leben“

„Die Vergiftung der Gesellschaft mit dem Virus des ‚Kampfs gegen Rechts‘ hat die Leute auf das menschliche Niveau einer Erkennungssoftware abgewrackt.“ In der Tat beschreibt dieser Satz aus dem Buch Mit Linken leben ganz gut, was gegenwärtig die Stunde schlägt. Und auch sonst ist das Buch für manche Provokation gut. Aber bei Aussagen kommt es auf den Kontext an, und es ist hilfreich zu wissen, wer sie macht. Solchen Sätzen zuzustimmen, bedeutet nicht, automatisch den Personen sowie den Kontexten zuzustimmen.

Die Autoren Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz sind im Umfeld der Sezession und als Neue Rechte zu verorten. Man tut ihnen wohl nichts Böses an, wenn der Rezensent sich dieses Begriffes bedient. Im Gegenteil: sie selbst sehen diese Position nicht negativ, sondern als Auszeichnung und als Opposition zu einer meinungsmäßig immer gleichförmiger agierenden Gesellschaft. Sommerfeld ist zudem, das macht die Sache spritzig, mit dem eher links sich verortenden Kulturwissenschaftler Helmut Lethen liiert. (Zu Lethens Buch Der Schatten des Fotografen findet sich auf AISTHESIS eine Rezension.) Ich habe einen ziemlichen Faible für das Zusammengehen oder in diesem Falle eben das erotische Zusammenlieben von Gegensätzen.

Was für ein Buch ist Mit Linken leben? Vor allem aber: weshalb sollte man es lesen? Ein Sachbuch ist es mit Sicherheit nicht – wie etwa Thomas Wagners Die Angstmacher –, eher schon eine Kampfschrift, um die eigene Position für die eigene Gemeinde zu bestimmen und Freund von Feind zu scheiden. Also das, was Carolin Emcke oder das Missy Magazin für die andere Seite machen.

Das Buch, so die Autoren, dient als Leitfaden. Für die verschiedenen Arten von Linken haben die Autoren eine kleine Typologie entwickelt, und sie zeigen Redestrategien gegen linke Denkfiguren. Zudem ist es als Orientierungshilfe gedacht, wenn es um die Konfrontation mit links geht. Es können sich, so die Autoren, darin die Leser wiederfinden, um in ihrem Denken bestärkt zu werden – daß kluge Bücher eigentlich das Gegenteil leisten sollten, um freies Denken zu ermöglichen, steht auf einem anderen Blatt und ist das Problem nicht nur der Ratgeber für Rechte, sondern auch innerhalb der linken Erbauungsliteratur, bis hin zum Belehrungsjournalismus: Vorbetung und Predigt, wie die Emckesche Friedenspreis-Rede in Frankfurt. Nur hier eben von rechts. In diesem Sinne will das Buch – frei nach Gramsci, auf den sich mancher Neurechte inzwischen gerne beruft – den Kampf um kulturelle und politische Hegemonie aufnehmen, statt mit Argumenten zu streiten, wie dies etwa Leo/Steinbeis/Zorn in ihrem Buch Mit Rechten reden machen.

Es ist ein politischer Klimawandel im Gange und dies sehen die Autoren als Chance. Die Lager haben sich seltsam verdreht, es etablierte sich eine sehr eigentümliche Merkel-Linke, und da, wo früher Konservative für Verbote bestimmter Ansichten sich aussprachen, kommen heute Anti-Hatespeechkampagnen von links, die nicht bloß das treffen, was unters Strafgesetzbuch fällt, sondern mittlerweile genauso Ansichten verbannt sehen wollen, die ihnen nicht in den Kram passen. Daß sich beide Seiten immer weiter von der Grundlage sachlicher Argumente entfernen, kommt am Ende, was das politische Klima betrifft, den Rechten zugute. Die kulturalistische Linke merkt es nicht. Als Opfer des Gegners stilisieren sich beiden Seiten. Auch darin herrscht zwischen beiden Lagern Symmetrie.

In diesem Sinne will das Buch, so die Autoren weiter, unentschlossene Leser, die nicht wissen, wo sie stehen, auf ihre Seite ziehen. Pädagogischer Impetus sozusagen. Das freilich könnte fürs Buch nicht besonders gut ausgehen, sofern der Leser bereits einen kritischen Kopf mitbringt. Denn da wird er manche Ungereimtheit entdecken: Angefangen bei einem Essentialismus, der seine eigenen Voraussetzungen von Kultur nicht weiter begründen kann, sondern sie als Glaubenssache postulieren muß, bis hin zu gefühlter Wahrheiten, die genau wegen jener Fühligkeit weder Tatsachen und schon gar nicht Wahrheit sein können.

Dennoch lohnt die Lektüre. Wer aus erster Hand wissen will, wie diese Neue Rechte tickt und bisher Provokation von Götz Kubitschek und Tristesse Droite. Die Abende von Schnellroda nicht auf dem Schirm hatte, lese dieses Buch. Man erfährt einiges über deren Taktik und welche Strategien möglicherweise in the long run dahinterstecken. Manchmal ist das Buch sogar witzig. Die Bunkermentalität in Teilen des linken Lagers beschreiben die Autoren treffend, es findet sich eine feine kleine gemeine Liste, wie man Linke in Blasenwelten – ich nenne sie meist die kulturalistische oder evangelikale Linke – provozieren kann. Da sind lustige Sachen bei. Manche treffen unter die Gürtellinie, sind also böse, sehr böse. Das mag nicht jeder lustig finden.

Wir sollten jedoch in einer pluralen Gesellschaft wieder lernen, auch Meinungen auszuhalten, die nicht unbedingt konform sind. Allerdings sollten wir zugleich für die Ansichten Begründungen einfordern und nachhaken, was genau gemeint ist. Niemand ist gezwungen, für die Homoehe zu votieren, und ob man dann bei einer Schwulenheirat Blumen streut oder es sein läßt, ist Privatsache. Ich selbst differenziere nicht nach solchen Aspekten, sondern nach Arschloch und Nicht-Arschloch. Das vereinfacht in der Regel die Mechanismen der sozialen Auslese.

Trotzdem liegt das Buch in seiner Beschreibung in einigen Passagen richtig, wenn es an die Zuschreibungen geht, die Linke von Rechten machen und was heute bereits als rechtsextrem gelabelt wird. Da tauchen plötzlich liberale oder konservative Autoren wie Greiner, Mosebach, Safranski, Sloterdijk oder Baberowski im Reigen der Rechtsaußen auf. Und auch wer Heimat sagt statt Zuhause, wer offene Grenzen problematisch findet, ist von diesen Annahmen her nicht per se rechts. Ob man für solche Einsichten jedoch Mit Linken leben gebraucht hätte, ist fraglich. Dazu hätte auch die Lektüre dieses Blogs gereicht.

Bei Teilen dieser kulturalistischen Linken geht es in der Tat darum, unliebsame Meinungen moralisch zu labeln, anstatt sachlich nach den Kontexten zu fragen, in denen solche Sätze geäußert werden. Darauf deutet das Buch zu recht. Eine Linke im schrillen Daueralarm, das also, was, so die Autoren mit (richtigem) Verweis auf Arnold Gehlen, Hypermoral genannt wird: Indem ein Begriff von Moral, der partikular relevant sein mag, auf ein ungeheures Maß aufgeblasen wird. Jede Regung in einer Gesellschaft, jeder nur irgendwie geäußerte Satz oder ein vermeintlich falsches Sujet im Kunstwerk, wie ein Geschlechtsteil führen dann regelmäßig zu Empörungsdiskursen der vermeintlich Rechtschaffenen. Im Dauerton werden von beleidigten Leberwürsten Diskriminierungsabsichten gewittert und getwittert. Eingebaute AfD-Detektoren klingeln und wittern. Ich halte die jedoch für eine stupide Form des Denkens. Politischer Infantilismus macht sich breit statt kritischen Denkens.

Eigentlich ein trauriges Zeichen, daß man in solchen Fragen bereits Lichtmesz und Sommerfeld recht geben muß. Diese Art von „Linke“ sollte sich fragen, woher eigentlich solche Reflexe rühren. Aber dazu ist Reflexion erforderlich – was auch bedeutet Selbstdistanz einzunehmen und einmal aus der Blasenwelt des eigenen Milieus hinauszutreten. (Mit Rechten reden zeigt, wie das durchaus sinnvoll funktionieren kann.)

Ebenso benennt das Buch die intellektuelle Unzulänglichkeit jener puritanischen Linken konkret und korrekt:

„Nur wenige Linke gründen heute ihr Weltbild in der Lektüre von Marx und Engels, Adorno und Marcuse, Foucault und Derrida oder Debord und Chomsky; an die Stelle der linken Theoriebildung ist für die Masse der Linken die wesentlich einfacher zu handhabende Nomenklatur der ‚politischen Korrektheit‘ getreten. Hierin unterscheiden sich die zeitgenössischen in vielerlei Hinsicht von der klassischen Linken. Ökonomische Ungleichheiten werden immer mehr zugunsten einer Form der ‚Identitätspolitik‘ vernachlässigt, die immer neue ‚Opfer‘gruppen (…) vor ‚Diskriminierung‘ zu schützen oder ihnen soziales, symbolisches und kulturelles Ansehen zu verschaffen sucht.“

Doch verkehrt sich richtige Intuition ins Falsche, wenn die eine Sache gegen den anderen Aspekt ausgespielt wird. Auch wenn das Buch manche Mechanismen scheinlinker Diskurse richtig beschreibt, liegt es in seinen Bewertungen und vor allem in den Generalisierungen zu oft daneben und kontaminiert damit die eigentlich richtigen Ansätze. Es ist ja nicht so, daß wir seit 150 Jahren Schwulenbefreiung haben. Der Paragraph 175 galt bis zum 11. Januar 1994.

Aber das Buch ist eben keine linke oder liberale Kritik an der kulturalistischen Linken, sondern eine von ganz rechts her. Wendungen wie „Der Apparat der Tabuisierung und Einschüchterung“ (S. 56) für ein bestimmtes Milieu politischer Korrektheit ist eine solch unzutreffende Verallgemeinerung. Die politische Wirklichkeit ist pluraler und auch konservativer verfaßt, als es Lichtmesz/Sommerfeld ausmalen.

Kulturell mag es in bestimmten Kontexten eine Hegemonie dieses Milieus geben – wer je zu einer Vernissage mit Antaios-Tasche erscheint, dürfte sein blaues Wunder erleben, und was sich in den meisten Theatern tut, ist nicht die Inszenierung einer widersprüchlichen Gesellschaft, sondern wir schauen viel zu oft Erbauungsstücke für die eigenen Gemeinde, wo am Ende eine Art griechischer Chor noch dem letzten Dummen ins Ohr bläst, was er zu denken und wie er Pegida-Demonstranten einzuordnen habe. Kritisch ist das schon lange nicht mehr.

Politisch aber ist die herrschende Tendenz keineswegs links. Claus Kleber, Friede Springer und Liz Mohn sind mir nicht als Linksradikale bekannt. Hier überspitzt das Buch deutlich. Links-liberal bzw. links-grün regierten in der BRD gerade mal 20 Jahre (und auch da kann man lange streiten, ob das wirklich links ist). Konservative hingegen regierten rund 48 Jahre. Es gibt in der BRD im Politischen keine linke Hegemonie. Allein die Springer-Presse steht deutlich und seit Jahrzehnten als Beleg dagegen.

Und so findet sich in Mit Linken leben manche Verkürzung. Man kann das damit entschuldigen, daß dieses Buch eine Polemik sein will, und bekanntlich steckt in der Übertreibung die Veranschaulichung. Ich hege jedoch den Verdacht, daß hier gar nicht so sehr übertrieben werden soll, sondern daß diese Inhalte tatsächlich geglaubt und gut abgehangen auf Emotion heruntergerechnet werden. Diese mangelnde Differenzierung jedoch macht das Buch am Ende intellektuell unergiebig für jene, die keine große Lust haben, dieser oder irgendeiner anderen Sekte beizutreten.

Problematisch sind insbesondere die Dogmatismen sowie ein kultureller Essentialismus. Nationale wie auch kulturelle Identität lassen sich nicht einfach proklamieren, sondern hier handelt es sich um komplexe, komplizierte Prozesse, auch in bezug auf die Fragen der Assimilation bestimmter Gruppen. Wenn dann die Begründungen für einen absolut gesetzten Geltungsanspruch versagen oder nicht ausreichen, wird sich auf eine Autorität berufen, wird gar Goethe zitiert:

„‚Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen‘ Das hat mit ‚links‘ oder mit ‚rechts‘ an sich gar nichts zu tun; es ist eine Gegebenheit menschlicher Kommunikation, die nicht zu ändern ist.“ (S. 101)

Nur begründet eben solch ein Satz nichts. Da steht dann ein Meinen gegen ein anderes, wie Hegel schon in seiner „Phänomenologie“ spottete. Und eine Seite weiter geben die Autoren ganz unverhohlen zu, daß es ihnen um sophistische Tricksereien und nicht ums Argument geht. Da wird Schopenhauers eristische Dialektik, die „Kunst, Recht zu behalten“ bemüht. Dabei verkennen die Autoren freilich, daß Schopenhauer dieses Buch implizit in aufklärerischer Absicht schrieb und nicht bloß, wie man auf den ersten Blick glauben mag, als Anleitung zur geschickten Manipulation.

Wenn in den Angelegenheiten von Kultur und Identität keine Klarheit und Eindeutigkeit besteht, sondern sich bloß aufs vage Fühlen berufen werden kann, dann sind gedanklich ebenso andere Fühligkeitskonzepte möglich. Fundamentalismus führt sich selbst in den Widerspruch, es ist nicht das Fundament im starken Singular, sondern moderne Gesellschaften bestehen aus verschiedenen Bauteilen. Hier freilich – und das ist ja auch ihre erklärte Absicht – wollen die Rechten auf der Ebene der Gefühle ihren Kampf um die Deutung und damit um die politische Hegemonie aufnehmen, um jene Emotionen zu mobilisieren: Nation, Heimat, Identität. Begriffe, freilich, die nicht per se schlecht sind, weil sie von den Rechten benutzt werden. (Sieht man vom Begriff der Nation mal ab. Ich bevorzuge, in Hegelscher Tradition, den des Staates.)

Manches, was die Autoren schildern, trifft zu – unabhängig von den politischen Koordinaten. Aber die maßlosen Übersteigerungen führen am Ende auch dieses Verfahren ad absurdum. Nicht Argumente, sondern Stimmungen sind das Ziel: „Endlich sagt es mal jemand!“ Das sehe ich als problematisch, und zwar nicht wegen der einzelnen Themen, wie etwa Islam oder Flüchtlingsfrage, darüber kann man reden, sondern aufgrund einseitiger Zuspitzung, etwa in Begriffen wie Volkstod, Überfremdung, „zur Minderheit in seinem eigenen Heimatland“ werden, Umerziehung des Volkes: da möchte man dann um eine inhaltliche Präzisierung und vor allem um Argumente bitten, statt daß Emotionen durchgenudelt werden.

Aber es geht Lichtmesz/Sommerfeld nicht um rationale Diskurse oder um politische Argumente, sondern darum, das Kampfvokabular zu schärfen. Intellektuell unterlaufen Lichtmesz/Sommerfeld den von ihnen gesetzten Maßstab erheblich. Das mitanzulesen, macht wenig Freude. Es ist Mit Linken leben eine Ressentiment-Buch geworden, statt eines streitbarer Essay mit Sprachwitz – und was Nietzsche von der niederen Regung des Ressentiments schrieb, wissen wir. Das Buch enthält gedanklich kaum Subtiles. Daß es die Linke ins Schwitzen brächte, steht kaum zu befürchten. Zumindest nicht vom Argument her. Lesenswert ist es jedoch, um zu sehen, wie diese Neue Rechte tickt und in welcher Liga sie spielt.

Interessant freilich hätte das Buch an der Stelle werden können, wo Sommerfeld von ihrer Beziehung zu Helmut Lethen schreibt – da, wo das Private politisch wird. Wie mit solchen Gegensätzen in der Liebe umgehen? Leider streift sie diese brisant-spannende Frage nur in wenigen Absätzen. Schön dabei immerhin Sommerfelds Verweis auf den Humor, um qua Witz, diesem wunderbaren Ingenium, Disparates zusammenzuhalten. Der ist in solchen Liebesdingen in der Tat relevant. Aber dafür lese ich dann lieber Jean Paul oder Robert Gernhardt, dessen 80. Geburtstag ich hier im Blog leider versäumte. Wie auch den 220. vom geliebten Heinrich Heine. Vielleicht ist ja der Humor eine Exit-Strategie aus den allzurechten Verquickungen. Und auch mancher Diskussionsdisput in Freundeskreisen entschärft sich oft durch jene Prise Witz. In der Liebe sowieso.

Caroline Sommerfeld / Martin Lichtmesz: Mit Linken leben, Antaios Verlag 2017, 18,00 €, 336 S., ISBN 978-3-944-42296-1

25 Gedanken zu „Unkonforme Konformität. Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld „Mit Linken leben“

  1. Humor gilt links wie rechts (rinks wie lechts…), no?

    Blochs Heimat ist natürlich voll rechts, klar, klar. – Und wer war nochmal dieser Boch, oder Bloch oder wie?! – So laufen doch diese Debatten. Heute in der TAZ ein ganz großartiger Artikel über zwei Genderforscherinnen offenbar, die der Ansicht sind, wer gegen sie ist, macht sie zu Opfern des herrschenden Paradigmas aus Imperialismus mal Frauenfeindschaft. Tja – und nu komms Du – als weißer Hetero: In so einem – ehe – Kontext – hasse schlechte Kaaten!

    Die Robert Gernhardt-Würdigung von Jürgen Kaube war eine ziemliche Null-Nummer, letzte Woche. Gernhardt als milder netter Papa, der die LerserInnen mit den Unwägbarkeiten und Zufälligkeiten der menschlichen Existenz versöhnt?! – And that was it?

  2. Da kann ich Ihnen nur zustimmen: Gegen diesesn TAZ-Selbstimmunisierungsblödsinn kann man nur gegenanschreiben. Oder besser noch: einfach auslachen. Und wenn es so ist, wie die Damen munkeln, dann kann ich nur mit Nietzsche sagen: Wer sich zum Opfer machen läßt in solchen Diskursrahmen, und das heißt also: ohne Not, der ist es auch. Oder wie Nietzsche im Zarathustra schreibt: Was fällt, das soll man stoßen.

    Rechte Satire: Tja, mir ist da nichts bekannt. Aber Humor ist nicht per se links das stimmt. Man könnte aber sagen: Humor ist nicht-rechts. Ein Beispiel, eigentlich das beste, ist Karl Kraus. Aber das ist schon kein Humor mehr, sondern geht weit darüber hinaus. Kritische Theorie der Gesellschaft ist es, was Kraus macht. Mit den Mitteln des Sprachwitzes.

  3. Zur gelegentlichen Kenntnisnahme nicht-linken Humors:
    G.K.Chesterton, Paul Léautaud, C.J.Cela, H.v. Doderer … usw.

  4. Na ja, in einem weiten Sinne. Da kann man dann natürlich auch Mosebach, Lewitscharoff, Thomas Mann, Schopenhauer, Nieztschen, Malaparte nennen. Ich meinte aber eigentlich etwas anderes. Aber am Ende ist es wohl so, wie Harpe Kerkeling sagt: Witzigkeit kennt keine Grenzen.

  5. Ich werde jetzt mal pathetisch: Dieses Witz-Ding ist einer der zwei, drei Kerne unserer Art zu leben.

    Diese Frauen in der TAZ sind nicht witzig, tut mir leid, ich weiß, ich bin immer noch pathetisch; die sind emsig, dumm, und stolz darauf. Nach dem General von Hammerstein-Equord (Verschiedene Klassen der Militärs und ihre Bedeutung und Wirksamkeit) ist die Untergruppe im Offizierscorps mit diesen Eingenschaften (emsig, beschränkt, stolz) diejenige, auf die man wegen herausragender Schädlichkeit besonders achten muss. Leider. Von Hammerstein war ganz zweifellos ein witziger Rechter, wie ich finde!

    Herr Gebhardt – Sie habens erfasst – und Wilhelm Busch. Und Eckhart Henscheid, soweit er sich nach rechts geneigt hat, und – und und und (H. L. Mencken, der späte Roth, der umwerfende (umwerfend komische!) Tom Wolfe, der ein wenig bräsige, aber ja wohl nicht einfach zu verachtende William Gaddis, der mittlere und späte Heine, der viel für den Status Quo übrig hatte, Gomez Davila (ich halte ihn hie und da für wirklich komisch) – naja, und so weiter. Ich glaube nicht dass Stanislaw Jerzy Lec ein Linker war, aber das ist nur eine Vermutung. Ich glaube eigentlich auch nicht, dass der gute Schoppenstecher und überragende mittelbadische Causeur, Schankwirt und Weltweise Johann Jakob Christoffel von Grimmelhausen links gewesen wäre. Freilich, sollte jemand das ganz wichtig sein, so würde ich das halt doch konzedieren wollen – wenn auch – – mit einem Lächeln, vermutlich – oder einem Lachen, gar.

  6. Nein, die TAZ-Frauen sind nicht witzig, trotzdem hilft bei solchen das große Auslachen.

    Nun, Karl Kraus ist ja in diesem Sinne ebenfalls kein klassischer Linker. Gomez Davila, verzeihen Sie, aber das ist ein Schwachkopf und humorbefreit dazu. In etwa so witzig wie Mickie Krause. Ich finde es interessant, wenn das die Gallionsfigur der Rechten ist: Es sagt solche Objektwahl viel über deren eigenen Zustand aus. Ich habe selten dümmeres und flacheres Zeug gelesen. Da sitzt das Ressentiment in Gestalt eines alten Mannes und geifert. Humor geht anders.

    Bei Henscheid kann mal lange rätseln, wo der heute steht. Aber sowas meinte ich mit Humor. Und nicht den Onkelhumor. (Aber wann ist zuletzt, bis auf das Dostojewski-Buch, etwas von Henscheid erschienen? Seine besten Jahre liegen doch schon länger zurück.)

  7. Zum dogmatischen „kulturellen Essentialismus“: Sowohl Lichtmesz als auch, zumindest meiner Ansicht nach, Sommerfeld sind ziemlich altmodische, unreformierte Rassisten, und das steckt hinter ihrem Kulturbegriff, oder ist dem zumindest beigemengt. Weil sie im Deutschen Sprachraum wirken wollen, machen sie daraus kein großes Aufheben. Aber z.B. Lichtmesz‘ Teilnahme an einer Konferenz von „American Renaissance“, einer Gruppe, die man vielleicht als den intellektuellen Arm des KKK bezeichnen könnte, und die wirklich kein anderes Thema kennt als Rasse, Rasse, Rasse, spricht eine deutliche Sprache. Manche Dinge sind doch ganz einfach. Und ich sage das als jemand, der durchaus gerne rechte Texte liest, und auch an bösen Linkenbeschimpfungen Spaß hat.

    (solche Beschimpfungen der moralisierenden Linksbourgeoisie gibt es im Übrigen aus der Linken selbst viel klüger und treffender, aber davon nimmt niemand Kenntnis, vielleicht weil es nicht so sehr die Ressentiments und Vorurteile der Matussek-Martenstein-DonAlphonso-Leserschaft bedient)

    Es ist meiner Ansicht nach wichtig, Texte der Neuen Rechten nie als ’normale‘ Debattenbeiträge zu lesen, sondern sie immer mit ihrem politischen Projekt in Beziehung zu setzen – auch wenn das heißt, dass man dazu antifa-Rechercheseiten lesen muss, um zu wissen, wie dieses Projekt abseits der durchkaklkulierten Selbstdarstellung wirklich aussieht. „Mit Linken Leben“ ist eine Kampfschrift und als solche konzipiert. Und über ihre wahren Ziele und Ansichten lügen die Rechten quasi permanent – teilweise aus Dogmatismus und eigener ideologischer, gedanklicher Verknotung, aber teilweise methodisch und kalkuliert, mit Absicht.

    Trotzdem hat mir diese unaufgeregte Rezension gut gefallen. Sie zeigt keine Ehrfurcht vor dem Arsenal der NeuRechten Kampfbegriffe, sondern weist darauf hin, dass sie für den unbekehrten Leser schlicht unüberzeugend sind. Und gleichzeitig gesteht sie zu, dass es am linksliberalen Zeitgeist selbstverständlich viel zu kritisieren und viel zu verspotten gibt, und lässt so die pseudowiderständische Geste des Buches ins Leere laufen.

  8. Das sind wichtige und richtige Ergänzungen. Genau diese Bezüge und was da im Untergrund für Netzwerke wirken, muß man mitlesen. Ich habe in diesen Dingen in der Tat wenig recherchiert, weil es mir wesentlich um das Buch als solches geht. Don Alphonso ist schon in vielen Dingen gut. Martenstein ebenfalls, zumal er die Abgründe und das Absurdisdan linker Diskurse gut aufzeigt. Die Mitleser und Kommentatoren sind es nicht immer. Aber es gibt da, wie überall, solche und solche.

    Aber was der geniale Martenstein macht, gibt es in der Tat auch von links. (Wobei ich Martenstein für links halte, er tönt damit nur nicht so herum und macht sich eher einen Spaß.) Wiglaf Droste fällt mir da auch noch ein.

  9. Danny van dannen, henscheid , maurrenbrechrr, l

    Lady bitch
    Ray ts, in der Blogosphäre die finkeldeys, netbitch, meine wenigkeit. Im Gegensatz zu Alphonso oder Martenstein ist das Kritik an linken Dogmen und pc aus einer binnenperspektive

  10. Martensteins Glossen in der „Zeit“ spießen treffend auf, tagespolitisch-aktuell eben. Dazu ist manchmal die Perspektive von außen ganz gut, statt der Binnenperspektive. Insbesondere beim Gendergaga oder bei mancher Berliner Groteske ist der – in der Regel milde – Spott von Martenstein inmitten der Kreischkowskis ganz angenehm zu lesen. Wiglaf Droste ist da schon eine Nummer härter. Aber auch gut.

    Auch wenn ich methodisch und von der Sprache her beide nicht in Analogie bringen will: Aber in ähnlicher Distanz zu den politischen Lagern wie Martenstein schrieb insbesondere Karl Kraus. Er schrieb von der Sache her. Und da konnte seine Kritik, sein Sprachwitz Rechte wie Linke treffen.

  11. Aber das heißt natürlich nicht, che, daß andere Spott- und Satireformen nicht auch gut sein können. Nur sollten sie eben witzig sein. Am besten noch mit Sprachwitz. Aber an den Meister Kraus kommt eh keiner heran. Insofern lese ich halt doch lieber die Klassiker.

  12. Ich habe auch den Eindruck, dass Martenstein vielem von dem, was er aufspießt, eigentlich gar nicht sooo ferne steht, ob das nun Gendergaga oder identitätspolitische Opferolympiade ist. Das ist eines seiner Stilmittel, die Distanz größer aussehen zu lassen als sie wahrscheinlich ist. Wer ihn nur reflexgesteuert-emotional rezipiert, muss ihn natürlich für einen Fanfarenbläser des rollbacks halten, aber wer ihn genauer liest, wird verstehen, dass er nicht gegen jedwede politische correctness holzt, sondern gegen deren Exzesse und Übertreibungen.

  13. Und eben das ist der Unterschied zu Poschardt und Fleischhauer, die definitiv auf der anderen Seite der Barrikade stehen. Droste ist ein Sonderfall, da er mitunter die Regeln nicht nur des guten Geschmacks sondern auch des menschlichen Anstands verletzt. Als er sich über Leute belustigte die das Thema sexueller Mißbrauch schutzbefohlener Kinder durch Erziehungspersonal skandalisierten versuchten einige von denen am Rand seiner Lesungen mit ihm zu diskutieren und wurden unflätig von Droste beschimpft. Zum Beispiel sagte er zu einem anwesenden Mann dieser mache doch nur mit weil er sonst bei den Frauen keinen Stich mehr bekäme und drohte ihm an ihn mit „seinen 30 cm“ notzuzüchtigen. Eine eng mit mir befreundete Journalistin, die auch Du, Bersarin kennengelernt hat wollte ihn daraufhin interviewen und er entzog sich dem Interview indem er eine Flasche Tequila auf Ex trank um nicht mehr vernehmunmgsfähig zu sein. Also so jemand hat für mich ne Vollschacke, zumindest aber ne Klatsche.

  14. Ah ja Gomez Davila ist genauso unterbelichtet wie Mark Twain und Hermann Peter Piwitt (Gomez Davila und Piwitt eint ihr Abgesang auf das anthropozentrische Denken – ein je länger je mehr, überaus wichtiger Gedanke, dem ich sehr viel abgewinne).

    Auch Schopehauer kann sehr witzig sein. Michael Klonovsky auch. Sein Roman „Land der Wunder“ rangiert ziemlich nah‘ bei Henscheid und ich hab‘ ihn wegen seiner DDR-Einblicke und seiner Sprache und auch wegen seiner gesamtdeutschen Wende-Portraits sehr gern).

    Martenstein und Rainer Meyer sind zwei durch und durch liberale, grün-sozialdemokratisch gesonnene Geister (Meyer war dreißig Jahre (!) in der SPD), die sich aufgemacht haben in die wilden Regionen, wo die Vorwürfe von links hinter jedem Busch lauern: Martenstein ein Biologist, weil er auf die biologischen Unterschiede von Mann und Frau z. B. zu rekurrieren beliebt (cf. Axel Meyer -„Adams Apfel und Evas Erbe – warum Männer und Frauen (biologisch ! dk) verschieden sind“), und Don Alphonso (=Rainer Meyers alias), ein „identitärer“ Bayern-Chauvi.

    Das ist lustig, wo es nicht postzivilisatorisch wird – indem man androht, Meyer aufzulauern und ihm „aufs Maul zu geben“ usw.

    Henscheids Autobiographie „Aus meinem Leben“ ist ein großartiges, durchaus humorvolles Buch, dem die literarische Öffentlichkeit sich leider nicht gewachsen zeigte – u. a. weil Henscheid wegen „Junge Freiheit“- Interviews, also weil er mit Rechten redete… – zur Persona non Grata wurde.

    Wir leben schon auch in depperten Zeiten.

  15. So ist es, mark. Was wieder einmal zeigt: Unmittelbarkeit in der Lektüre bzw. reflexgesteuertes Lesen schadet. Eigentlich doch gar nicht so schwierig, bei Martenstein nicht den Schalk und die immanente Kritik an Auswüchsen des Moralins herauszulesen. Und die Leute, die er kritisiert, sind es allemal wert kritisiert zu werden. Er macht es ja auf eine im Grunde gutmütige Weise. Anderen fiele da sehr viel Böseres ein.

    @Che: Na ja, das ist eine Episode, Droste mag privat seltsam sein. Ich kenne ihn nicht, seine Texte sind teils witzig und Deinem Humor eigentlich nicht allzu fern. Der Satz mit dem Mann und den Gründen, weshalb er mitmache, ist nicht einmal völlig absurd, aber am Ende natürlich Spekulation. Der Witz aber sitzt und ich finde es mutig und eigentlich auch gut, sowas mal vor versammelter Mannschaft, oh nee, Mann- und Frauschaft zu machen. Köstlich.

  16. Mark Twain, ja natürlich, auf alle Fälle. Das hat Witz, ist manchmal böse. Oscar Wilde natürlich auch noch zu nennen.

    „Henscheids Autobiographie „Aus meinem Leben“ ist ein großartiges, durchaus humorvolles Buch, dem die literarische Öffentlichkeit sich leider nicht gewachsen zeigte – u. a. weil Henscheid wegen „Junge Freiheit“- Interviews, also weil er mit Rechten redete… – zur Persona non Grata wurde.

    Wir leben schon auch in depperten Zeiten.“

    Ja, das ist richtig, und ich mache diese Zuschreibungen auch nicht mit, wie man meinem Blog entnehmen kann. Es ist diese dämliche Gesinnungsschnüffelei zum Haareraufen. Zumal ja Henscheid niemanden zwingt, es ihm gleichzutun. Die gegenwärtige Linke hat sich zu großen Teilen ins Absurdistan verabschiedet und ist weit weit von einem liberalen freien Geist entfernt. Aber gut: All das sind jene Verschiebungen im Politischen, von denen ich hier ja bereits sprach.

  17. Das war in diesem Kontext aber nicht lustig gemeint und Droste von der Gestik und Motorik her kurz davor um sich zu schlagen und auf Leute loszugehen. Aber stimmt, es war eine Episode.

  18. @“All das sind jene Verschiebungen im Politischen, von denen ich hier ja bereits sprach.“ —— Als ich anfing mich politisch zu engagieren waren Ziele und Inhalte der Linken noch klar und deutlich definiert. Da ging es um NATO-Austritt, die Unterstützung von Guerrillabewegungen die gegen Diktaturen kämpften, darum, den Bau von AKWs handgreiflich zu verhindern, um Menschen- und Bürgerrechte und um die beabsichtigte Enteignung von Großimmobilienspekulanten als deren Anfang damals die Hausbesetzungen betrachtet wurden. Entsprechend war das Vokabular; nicht das triggerwarnungshaltige Sensibelsprech von heute, sondern mehr so „Raus aus der NASTO, rein ins Vergnügen!“ und „Auf die Yankees volles Rohr Waffen für El Salvador!“

    Btw die Sensibelchen und Heulsusen gab es auch nicht zu knapp, aber sie tummelten sich in den dezidiert bürgerlichen Flügeln der Friedens- und Frauenbewegung, Stichwort evangelische Akademien, und nicht in der expliziten Linken.

  19. Ich kenne aus der Ferne und den 80ern auch noch Teile dieser Linken. Mein Ding war es nicht und für bestimmte Gedanken konnte man dort genauso anecken und aufs Maul bekommen. Zu sagen, ich lese Heidegger und Jünger war damals, so würde ich sagen, fast noch schwieriger. Andererseits war diese Moralrigidität auch wieder gedämpft, weil es das Internet nicht gab. Wo ein locker dahingesprochenes Wort sich in Windeseile verbreiten kann.

  20. Also da wo ich mich bewegte, und das war wirklich in der radikalen Linken, war man schon auf der sicheren Seite wenn man sagte „Ich lese Jünger weil das ein Mann des Rausches war“ und mitunter protzten Leute mit dem eigenen Drogenkonsum. Die Moralrigiden waren eine ziemlich eingegrenzte Fraktion, und bis in die späten Neunziger gab es eine dezidierte NON-PC-Linke, die innerhalb der Szene so klein nicht war. Da hießen zum Beispiel Vegane „Gurkenkinder“.

  21. Vielleicht werden künftige Historiker den Shift von der expliziten Linken hin zum Heulsusen-Elend und Schneeflocken-Treiben dereinst am „Tod eines Märchenprinzen“ festmachen. Dann müsste man beim Thema linker Humor auch über „ich war der Märchenpinz“ von arne Priewitz aka Henning Venske reden, da habe ich nämlich sehr gelacht bei der Lektüre.

    @Dieter Kief: Mit Klonovsky (ich kenne ihn hauptsächlich von seinen „acta diurna“) habe ich so meine Schwierigkeiten. Ich mag oft nicht, was er schreibt, aber wie ers schreibt, nötigt mir bisweilen eine gewisse Anerkennung ab.

  22. Das Buch heißt „Der Tod des Märchenprinzen“, so viel Zeit muss sein. Venske brachte als Arne Piewitz auch noch ein weiteres Buch mit dem Titel „Momo im Legoland oder der VerEndete Bakunin“, wo er sich über den Michael-Ende-Kult, den Ausverkauf der radikalen Linken (köstlich: „Ein alter KPDMLEr, jetzt DKP-orientiert und ungeheuer geldgierig“) und den Authentizitätskult der Spontiszene lustig machte. Das war DAS prägende Werk für die Entwicklung meines Humors und Jargons.

  23. @ mark793 und Che 2001

    Klonovsky kann schreiben, meine ich auch.Und sein Roman ist großartig. Was er gestern über Jürgen Elsässer schrieb, fand ich nur partiell richtig, ich differiere bei Klonovsky auch, hie und da (gar nicht in Sachen Reform-Islam, da ist er tipptopp aufgestellt).

    Mein Jürgen-Elsässer Vorbehalt gegenüber Klonovskys Darlegung der Causa geht so: Wenn dem Elsässer nun welche auf die Pelle rücken, die haargenau so denken, wie Elsässer früher gedacht hat (dem Faschistenpöbel aufs Maul – und nicht zu knapp – und: Wer der Faschistenpöbel ist, bestimme ich, und zwar ich (und Hermann Gremliza, beim Himmel, ok) – bestimmen wir beide ganz allein – tja – das ist schon abgründig: Dass Elsässer früher nicht eine Sekunde gezögert hätte, genau so einem wie ihm heute – aufs Maul zu geben – und dass Klonovsky genau diese Haltung heute beklagt – nur halt ohne auf diese Zusammenhänge hinzuweisen (und auch nicht auf die ranzigen DDR-Bezüge, ja nicht nur in Sachen „Konkret“, sondern auch in Sachen RAF…).

    Aber ich finde es trotzdem n i c h t ok, Elsässer und seine Familie persönlich anzugehen (= Hausbesuche…) – ich kann das freilich auch viel einfacher, weil ich noch nie der Ansicht Jürgen Elsässers war – früher nicht, und heute auch nicht…

    PS

    D’accord, Ernst Jüngers „Annäherungen -Drogen und Rausch“ ist ein tolles Buch. Ich bin übrigens kürzlich bei dem Versuch gescheitert, das T. C. Boyle klar zu machen, wie ich fürchte – der immerhin Jüngers Brief- und Diskussions- und – ehe – Jüngers Partner bei der Erkundung anderer Welten kannte: Albert Hoffman, klar: – Also um den weiß Boyle, und über den hat er auch geschrieben, immerhin. Nur den mit Blick auf LSD literarisch (!) ungleich ergiebigeren Ernst Jünger hat er vorerst verpasst. Seufz.

    Boyle hat gerade einen LSD-Roman fertig. Ich bin gespannt. Es geht auch um die – oh – Uni-Psychologie in Kalifornien ’60 ff.

    PPS

    Piwitt und Boyle – sind zwei, die das Anthropozän schon avant la lettre deutlich ablehnten. – Und nein: Das muss kein an sich menschenfeindlicher Gedanke sein. Aber ein gattungskritischer, und mir deshalb sehr, sehr wertvoller, das durchaus.

  24. Boyle ist immer lesenswert, da bin ich gespannt. Und, Dieter, so sehr wir bei anthropologischen Fragen auseinander sind, bei literarischen Themen können wir uns gut treffen. Wäre ja auch langweilig immer ähnlicher Meinungen zu sein.

    Rainer Gebhardt, ich habe nie so viel und so sehr und so oft gelacht wie in der autonomen Linken, deren Motto dereinst lautete: „Lebe, liebe, lache, kämpfe, es wird ein Gelächter sein das SIE beerdigt.“ Wobei mit SIE die Eliten gemeint waren.

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