Identitätspolitik des Nichtidentischen? – Peter Trawny, „Was ist deutsch?“ (1)

Ich bin kein Fan des Anteaserns von Büchern, aber dieses kleine Zitat zur neueren Kritischen Theorie aus Trawnys Buch ist bedenkenswert. Zumal es darin um die Frage nach der Relevanz von Philosophie fürs Gesellschaftliche geht und inwiefern Wissenschaft gegenüber dem herrschenden Wissenschaftsbetrieb sich überhaupt noch widerständig verhält, in einem Sinne wie es die frühe Kritische Theorie Adornos anstrebte. Selbst in meinem Studium Ende der 80er Jahre habe ich solche kritische Selbstreflexion nicht nur auf die eigenen Methoden des Faches, sondern auf Gesellschaft überhaupt als Impetus des Forschens, eigentlich nur in der Soziologie und dort insbesondere bei der Qualitativen Sozialforschung erlebt. Peter Trawny schreibt in seinem im Dezember 2016 erschienenen Buch „Was ist deutsch?“:

„Habermas‘ Projekt, die aktuelle Frankfurter Schule überhaupt, ist ein Diskurs von Professoren, der sich nur insofern ein besonderes Profil verleihen kann, als er in Exzellenz-Initiativen erfolgreich ist. Theorie um ihrer selbst willen wird ausgestattet mit großzügigen Posten. Damit aber erlangt der Diskurs noch keine gesellschaftspolitische Relevanz. Im Gegenteil. Er wird nicht weniger esoterisch als das von Habermas so häufig abgekanzelte Heideggersche Denken. Was universitätspolitisch äußerst effektiv funktioniert, ist ‚lebensweltlich‘ irrelevant geworden.

Als Rudi Dutsche 1968 in Anspielung auf Mao Zedong vom langen Marsch durch die Institutionen sprach, dachte er an die Überführung des Geistes der Revolution in die entscheidenden Organisationskanäle der BRD. Adorno hat diese Strategie jener Stadt-Guerilla vorgezogen. Doch die Geschichte der deutschen Institutionen zeigt, dass dieser Marsch in die Ämter führte, die schließlich nicht anders ausgeübt wurden als die Ämter von vorher. Adorno mahnte in seiner Frankfurter Vorlesung vom Winter 1963/64: ‚Wir haben es mit der Neutralisierung zu tun. Widerstand gegen den wissenschaftlichen Betrieb ist noch eine Aufgabe, die der Philosophie geblieben ist.‘ Nicht mehr – jene, die den Titel der Frankfurter Schule für sich verwenden, sind die angepasstesten Repräsentanten dieses Betriebs geworden.“ (Peter Trawny, Was ist deutsch?

Über solch Prozedere witzelte die Neue Frankfurter Schule mit jenem verdrehten Spottreim:

„Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“

Aber eigentlich ist es traurig. Und aus diesem Grunde konnte, so Trawny, Peter Sloterdijk 1999 in der Zeit völlig zu recht den Tod der Kritischen Theorie konstatieren oder böse Zungen würden meinen: ihn bejubeln. Aktuell wäre also diese Frage wieder zu beleben, was eigentlich Kritische Theorie heute uns bedeuten kann. Auch oder gerade, wenn man sich gegen dieses Diktum Sloterdijks sträuben mag, ist die Frage nach der Relevanz und den Möglichkeiten einer Kritischen Theorie, die sich nicht nur in Fragen der Geltungsansprüche und der Argumentationstheorie erschöpft, nicht vom Tisch gewischt.

Peter Trawnys Buch versucht indirekt über die Möglichkeiten Kritischer Theorie Auskunft zu geben. Aber nicht im Sinne einer kruden Identitätspolitik, sondern interessanterweise anhand einer Figur der philosophischen Szene, die der Deutschtümelei unverdächtig ist. Politisch wird sie mittlerweile eher von der antideutschen Liga in Anspruch genommen, sofern man sie nicht sowieso ins Reich des schönen Scheins, will sagen in die Ästhetik expedierte, um dessen gesellschaftskritischen Implikationen abzuschneiden: Theodor Wiesengrund Adorno. Seinerzeit Ende der 80er Jahre, Anfang der 90er machte sich noch die Marxistische Gruppe über die bürgerlich-deutsche Attitüde des Denkers in einem Flugblatt lustig. Ausgehend von jenem Aphorismus in den „Minima Moralia“, konstatierte die MG die sture, politisch Enthaltsamkeit des Großbürgers Wiesengrund. Keine Parteinahme für die marxistische Sache, sondern bocksköpfiger Individualismus. Adorno schrieb im US-Exil, in das ihn die Nazis vertrieben:

„In der Erinnerung der Emigration schmeckt jeder deutsche Rehbraten, als wäre er vom Freischütz erlegt worden.“

Daran also zog sich die MG hoch, fein säuberlich, wie Stalin den Trotzki aus der Photographie montierte, den Begriff des Erinnerns überspringend. Ausgerechnet Adorno also für die Frage, was deutsch sei, in Anspruch zu nehmen? Unberechtigt und vor allem unbegründet ist dieses Anliegen Peter Trawnys jedoch nicht, denn es gibt in dem letzten, kurz nach Adornos Tod publizierten Band „Stichworte. Kritische Modelle 2“ einen Beitrag Adornos, der am 9. Mai 1965 im Deutschlandfunk gesendet wurde: „Auf die Frage: Was ist deutsch?“ Und auch sonst finden sich in seinem Werk zahlreiche Belege dafür, daß es Adorno darauf ankam, nicht nur den Begriff der Kultur, sondern speziell den der deutschen Kultur in die Kritik zu bringen, ohne dabei die allgegenwärtige Restauration zu befördern.

Insofern ist Trawnys Unternehmen sinnvoll, mit Adorno im Gepäck die Frage nach dem Deutschen zu stellen. Insbesondere nach Auschwitz einfach zur Tagesordnung überzugehen und im Jargon der Eigentlichkeit zu raunen oder Lippenbekenntnisse von schwerer Schuld auszubringen – wie es jemand wie Karl Jaspers immerhin noch tat, aber schon wieder in einer Art des Weiheberäucherns und im Pathoston: das alles reicht nicht aus, um ans Geschehen heranzureichen, falls das überhaupt möglich ist, und schon gar nicht eröffnet dieses Salbadern so etwas wie kritische Selbstbesinnung. Es läßt sich wenige Jahre nach Auschwitz mit einem Alibi-Eingeständis nicht zur Tagesordnung und zur Positivität übergehen. Adorno schreibt:

„Im Lob der Positivität sind alle des Jargons Kundigen von Jaspers abwärts miteinander einig. Einzig der umsichtige Heidegger vermeidet allzu offenherzige Affirmation um ihrer selbst willen und erfüllt sein Soll indirekt, durch den Ton beflissener Echtheit. Jaspers aber schreibt ungeniert: ‚Wahrhaft kann in der Welt nur bleiben, wer aus einem Positiven lebt, das er in jedem Fall nur durch Bindung hat.‘“ (Adorno,  Jargon der Eigentlichkeit)

Diese Konstellation und die restaurative Stimmung der 50er und noch der 60er Jahre, die in der alten BRD herrschte, muß man zunächst im Blick haben und als Hintergrundfolie mitdenken, um Adornos harsche Kritik und die Polemik im „Jargon der Eigentlichkeit“ zu verstehen. Trawny weist knapp auf diesen Aspekt hin, wenn er schreibt:

„Kritische Selbstbesinnung‘ hatte damals, zwanzig Jahre nach dem Kriegsende, den Charakter der ‚Nestbeschmutzung‘.“

Wer die Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule dieser Jahre vertiefen will, ist mit Rolf Wiggershaus‘ Studie „Die Frankfurter Schule“, mit dem Sammelband „Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik. Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule“ sowie mit Müller-Doohms Adorno-Biographie gut bedient. Ergänzend zu lesen vielleicht noch Lorenz Jägers 2004 erschienenes Buch „Adorno. Eine politische Biographie“. (Gerade ist von ihm eine Biographie über Walter Benjamin erschienen. Sie wird auf Aisthesis demnächst ebenfalls Thema sein.) Es läßt sich an diesen Büchern manches kritisieren, ich will diese Lektüre nicht rein affirmativ in den Raum stellen. Aber als Quelle für Information im Blick auf Adorno sind diese Werke nützlich. Wer es im Detail will, lese Adornos „Jargon der Eigentlichkeit“ und um aus erster Hand ins intellektuelle Klima der BRD vom Kampfposten der Kritischen Theorie aus zu blicken, den Briefwechsel zwischen Adorno und Horkheimer, Band IV von 1950-69. Wir finden hier Gründungsdokumente einer intellektuellen Institution.

Um was aber geht es Trawny?

„Was untergeht, was nach einer langen Zeit der Erosion verschwindet, ist eine spezifische Gestaltung der politischen Öffentlichkeit. Es geht um die Lebensleistung Theodor W. Adornos, um das, was dieser Philosoph nach der Rückkehr aus dem amerikanischen Exil aufbauen wollte und aufgebaut hat: eine Gesellschaft, in der es sich nach dem Schrecklichsten wieder leben ließe. Adorno – spiritus rector der Bundesrepublik.“

Diese Sätze scheinen zunächst affirmativen Charakters zu sein, als kämes es darauf an, Altes zu restaurieren, und sie sind eine gewagte These dazu. Doch wenn man genauer hinsieht, gibt es gute Gründe für die Annahme,  daß Adorno ein anderes und ein besseres Deutschland im Sinn hatte; aus einem kritischen Geist heraus aufgebaut. Wer sich all die Rundfunkbeiträge anhört, die Adorno in Aufklärungsarbeit leistete, bekommt ein Bild von der intellektuellen Relevanz und es erhält jenes Wort des „spritus rector“ eine konkrete Bedeutung. „Erziehung zur Mündigkeit“ so hieß ein letztes Gespräch mit Adorno. Gesendet wurde es am 13. August 1969, also sieben Tage nach seinem Tod. Sehr schön kann man übrigens diese Wirkung Adornos auf seine Zuhörer in Gisela von Wysockis feinem Roman „Wiesengrund“ nachlesen. Die Erzählerin dieses Coming-of-Age-Romans verfolgt ihren intellektuellen Helden, der jene Protagonistin Hanna Werbezirk geistig erweckt, bis nach Frankfurt. Ins Milieu der sechziger Jahre geht die Reise. Eine Adorno-Homage, ohne zu lobhudeln, die einiges von dem Faszinosum Adornos aufzeigt, aber dabei doch immer in der nötigen Distanz der phänomenologischen Betrachterin bleibt.

Ich werde in einer Art Rezensionsessay versuchen, einige Züge dieses Buches von Trawny aufzugreifen und ggf. auszufahren und weiterführende Aspekte in Adornos Philosophie aufzeigen. Was also ist deutsch? Das impliziert ebenso die Frage, die ein großer Teil der Linken Jahrzehnte aussparte: Die nach dem Begriff der Heimat. In diesem Sinne wird das keine klassische Rezension, sondern ich schreite den Text ab und picke mir Aspekte und Ansätze heraus, die mir gefallen und die ich interessant finde. So wie oben jene Zitate zum Versiegen der Kritischen Theorie – versiegen in einem doppelten Sinne genommen. Da es sich bei der Frage, was deutsch und was Heimat sei, auch um die Ausbildung von Identitäten dreht, erweitert diese Kritik zugleich meine Blog-Serie zur Gemeinschaft.

Peter Trawny: Was ist deutsch? Adornos verratenes Vermächtnis. Matthes & Seitz, 107 Seiten, ISBN: 978-3-95757-376-6, EUR 10,00

 

 

 

 

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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40 Antworten zu Identitätspolitik des Nichtidentischen? – Peter Trawny, „Was ist deutsch?“ (1)

  1. che2001 schreibt:

    @“„Kritische Selbstbesinnung‘ hatte damals, zwanzig Jahre nach dem Kriegsende, den Charakter der ‚Nestbeschmutzung‘.“ —— Ich weiß nicht mehr ob Böll, Bamm oder Johnson, jedenfalls drückte damals ein Belletrist jener Jahre diese Atmosphäre so aus: „Aus dem Schlagrahm ruft es Es geht aufwärts!“ 20 Jahre nach Oradour“. Wobei wiederum bemerkenswert ist, dass die Verbrechen an der Ostfront noch Jahrzehnte ausgeblendet blieben.

    Btw:

    In den 80ern hat es in meinem Lager, der Postoperaistischen Linken den Versuch gegeben, Heimat von links her zu definieren. Bezeichnenderweise hat dies ebensowenig Folgen hinterlassen oder eine Traditionsline begründet wie die Stoßrichtung, aus der US-imperialistischen Phalanx und dem Ost-West-Dualismus durch Neutralismus auszubrechen . Beides wurde als strukturell reaktionäres Querfrontdenken denunziert. In Wirklichkeit war es tatsächlich radikal, und zwar im Wortsinn: Neue Wurzeln für eine linke Identität suchend.

  2. Bersarin schreibt:

    @ che: Absolut. Ich sehe solche Denkmodelle, die etwa in bezug auf den Heimatbegriff anderes wagen, als eine anregende Heuristik. Und wenn es um die Heimat und das Verhältnis zu ihr geht, empfehle ich immer Brechts Kinderhymne.

    Was die deutsche Geschichte betrifft, so setzte die Aufarbeitung, die Auseinandersetzung extrem spät ein. Man sieht das insbesondere an den Ministerien, die teils erst 70 Jahre nach Ende der NS-Herrschaft Studien zu ihren Verstrickungen in die Shoah und in die Tötungen von Roma und Sinti, Behinderten etc. in Auftrag gaben. Das Aushungern Leningrads und überhaupt, was an der Ostfront geschah, wurde lange beschwiegen. Andererseits sehe ich im Vergleich zu China und Rußland und in anderem Maße auch den USA oder der blutigen Kolonialgeschichte der Franzosen, Engländer, Belgier etc. doch einige Unterschiede. In der BRD wurde wenigstens der Versuch unternommen, die blutige Geschichte öffentlich aufzuarbeiten. Was man von Rußland leider nur in geringem Maße sagen kann.

    @ El Mocho: Ich bin bei Meldungen von Russia Today ausgesprochen vorsichtig. Der Umgang mit der Dekonstruktion in den USA ist nicht eindeutig. Da gibt es mindestens drei akademische Lager. Radikale Gegner, Fans und Neutrale, die vermittelnd betrachten. So wie Rorty. Zudem: daß ein westlicher Staat Forschung bestimmte Richtungen fördert, wie in Europa mittlerweile die Genderforschung, kann etwas bedeuten, muß es aber nicht mit Notwendigkeit. Zumal es vom Staat eben keine expliziten Anordnungen gibt, so oder anders zu forschen. Insofern ist dies kein Argument und ich denke auch, daß die Dynamik in diesen Prozessen sehr viel komplexer und komplizierter abläuft. Man kann höchstens Vermutungen äußern. Daß die aus Foucault, Butler oder Derrida abgeleiteten Gendertheorien die Linken spalten, kann ein vom Staat gewünschter Effekt sein. Allerdings ist eben nicht alles gleich Gendergaga. Nachzuweisen durch Fakten ist solche direkte EInflußnahme nicht. Sicherlich ist es einer Regierung genehm, wenn Opposition heillos zerstritten ist.

    Ähnliche Thesen, daß der CIA die moderne abstrakte Kunst des Westens als Korrektiv zur Sozialistischen Kunst förderte, existieren ebenfalls. Das ist insofern nicht ganz falsch, weil auch die Kulturarbeit eines Staates dem Politischen dient und weniger der hehren Kunst. Dennoch hat sich die Sache derart verselbständigt, daß gerade auch aus der abstrakten Moderne heraus gesellschaftskritische Kunst entstand.

  3. Dieter Kief schreibt:

    @ che2001
    Der Schlagrahm war – huhu – Hans Magnus Enzensberger – eine in der Tat treffliche Sentenz.
    Heimat, ja Heimat – aber Vorsicht: Eine Heimat überall für jeden ist nicht nur ein Widerspruch in sich selbst – sie ist auch utopisch im Sinne von – Kein Ort.Nirgends. Auch Utopien, aht Bloch gesagt, haben nämlich ihren Fahrplan.
    @ el Mocho – – Die CIA hatte mit Foucault einen guten Riecher – und in der Tat war es auch ein ausgemachtes Ziel nicht nur Foucaults, die entsetzliche Sowjet-Linke (Marchais!) in Frankreich abzuservieren. Das ist – gepriesen sei Gott in der Höh‘! – geschafft.

    Wegen Faschismus usw.: Es gibt in Italy z. B. keine Gedenkstätte, die der Hitler-Mussolini-Kooperation gewidmet wäre. Die einzige (!) Gulag-Gedenkstätte in Russland fristet ein überaus kärgliches Dasein. Stalin lebt dafür wieder auf (cf. Viktor Jerofejew – und wg. West-Linker und Stalin: Manès Sperber – und Martin Amis.

  4. che2001 schreibt:

    Einerseits haben Geheimdienst immer versucht, die Systemopposition zu beeinflussen, haben Stasi und KGB im Westen nicht zu knapp auch gemacht, und zwar weit jenseits des offen Pro-Ostblock-Lagers. So war zum Beispiel die linksliberal-pazifistische Partei Liberale Demokraten mit dem charismatischen William Born in Wirklichkeit ein Geheimdienstprodukt. Dennoch schaffen es die Linken ganz gut selber, ihre Selbstmarginalisierung voranzutreiben und sich sinnlos zu zerstreiten. Dafür ist meine eigene Lebenserfahrung Zeugnis und life of Brian die treffendste Satire. Die ganzen Blogschlachten mit politisch korrekten Leuten aus dem Poststruk-Lager erwähne ich ja nicht um ihrer selbst wegen so oft, sondern weil sie so perfekt spiegeln was ich in Jahrzehnten innerlinker Debatten erlebt habe.

  5. Dieter Kief schreibt:

    wg. Trawny- er versucht, die etrem heterogene Farnkfurter Schule über seinen krummen Leisten zu schlagen – und der geht ca. so: wenn die Adorna-Nachfolger etwas wert wären, hätte ich das gemerkt. Sein vorgehen ist essayistisch – bei gleichzeitiger stilistischer Trägheit.
    Sorry, diese Methode kann nicht viel hergeben.

    Viel besser ist,was Seel oder habermas oder oder oder dazu schreiben. Zuletzt Müller-Doohm: Habermas.
    Auch Hentschel/ Henscheids/ Kronauers Obszönitäts-Wälzer z. B. ist produktiver, wie mir scheint.

    Zudem ist, was Adorno angeht, Abstand gefragt.

    Splitter: Überall auf der Welt gibt es Schlachthöfe. Der Hilfs-Buddhismus, der derlei skandalisiert, führt schnurstracks in die Trigger-Warnung. Sensibilität ist gut – aber wer keine Hitze verträgt, soll halt nicht in die Küche.
    Ja interessant: Der Schlachthof ist phöse, die Küche dagegen ist ok, denn, nicht wahr: Die Genussfeindschaft ist der Himmel des Spießers…

  6. Dieter Kief schreibt:

    ok, Che2001 – wg. Positivismus – Die „Landesprache“-Stelle von 1960 mit ein bisschen Drumrum

    :

    was habe ich hier zu suchen, / in dieser Schlachtschüssel,
    diesem Schlaraffenland, / wo es aufwärts geht, aber nicht vorwärts, / wo der
    Überdruss ins bestickte Hungertuch beißt, / wo in den Delikatessgeschäften die
    Armut, kreidebleich, / mit erstickter Stimme aus dem Schlagrahm röchelt und ruft: /
    es geht aufwärts! / wo eine Gewinnspanne weit von den armen Reichen die reichen
    Armen / vor Begeisterung ihre Kinostühle zerschmettern, / da geht es aufwärts von
    Fall zu Fall, / wo die Zahlungsbilanz Hosianna und alles was recht ist singt / und ruft:
    das ist nicht genug, / dass da die Freizeit spurt und Gas gibt und hinhaut, / das ist
    das kleinere Übel, das ist nur die Hälfte, / das macht nichts, das ist nicht genug, /
    dass die Tarifpartner durch die Straßen irren / und mit geballten Fäusten frohlocken /
    und singen und sagen:
    hier geht es aufwärts, / hier ist gut sein, / wo es rückwärts aufwärts geht, / hier
    schießt der leitende Herr den leitenden Herrn mit dem Gesangbuch ab, / hier führen
    die Leichtbeschädigten mit den Schwerbeschädigten Krieg, / hier heißt es unerbittlich
    nett zueinander sein, / und das ist das kleinere Übel, / das wundert mich nicht, / das
    nehmen die Käufer in Kauf, / hier, wo eine Hand die andere kauft, / Hand aufs Herz,
    hier sind wir zuhaus,
    hier lasst uns Hütten bauen, / auf diesen arischen Schrotthaufen, / auf diesem
    krächzenden Parkplatz, / wo aus Ruinen Ruinen sprossen, / nagelneu, Ruinen auf
    Vorrat, auf Raten, / auf Abruf, auf Widerruf:
    Hiersein ist herrlich, / wo dem verbrauchten Verbraucher, / und das ist das kleinere
    Übel, / die Haare ausfallen, / wo er sein erfolgreiches Haupt verhüllt / mit Wellpappe
    und Cellophan, / wo er abwesend aus der Grube ruft: / hier lasst uns Hütten bauen,
    in dieser Mördergrube, / wo der Kalender sich selbst abreißt vor Ohnmacht und Hast,
    / wo die Vergangenheit in den Müllschluckern schwelt / und die Zukunft mit falschen
    Zähnen knirscht, / das kommt davon, dass es aufwärts geht, / da tun wir
    Fleckenwasser drauf, / das ist hier so üblich, das wundert mich nicht,
    goldrichtig liegen wir hier, / wo das Positive zum Höchstkurs notiert, / die
    Handelskammern decken sich damit ein / und bahren es auf unter Panzerglas,
    wo wir uns finden wohl unter Blinden, / in den Schau-, Kauf- und Zeughäusern, / und
    das ist nicht alles, das ist nur die Hälfte, / das ist die tiefgefrorene Wildnis, / das ist
    die erfolgreiche Raserei, das tanzt / im notdürftigen Nerz, auf zerbrochenen Knien, /
    im ewigen Frühling der Amnesie,
    das ist ein anderes Land als andere Länder, / das reut mich, und dass es mich reut, /
    das ist das kleinere Übel

    (…)

  7. Bersarin schreibt:

    Na ja, ich würde Trawnys Zitat, das ich zu Beginn brachte, einerseits als eine polemische Zuspitzung lesen, andererseits als eine Deskription der Theorielandschaft von einer Makroperspektive. Beschrieben wird hier eine herrschende Tendenz. Natürlich läßt sich zu allem ein Gegenbespiel finden und in der kleinen Universität XY im Unterfachbereich Z mag ein verwegener Einzelner, ein Herr Omega sich in den Mühen und Mühlen der Gesellschaftskritik bewegen. Aber im großen und ganzen ist die umfassende Kritik, die Adorno immerhin noch leistete und in anderer Variante ebenso Heidegger betrieb, nicht mehr Thema. Man lese Seel, da findet sich nicht viel. Außer einer Burka-Verteidigung. Selbst die Kunst wird zugunsten einer – ich spitze mal etwas zu – unbezüglichen, aufs Subjekt heruntergebrochenen ästhetischen Erfahrung abgedimmt. Man lese nur Juliane Rebentischs Junius-Einführung „Theorien der Gegenwartskunst“. Dieses ganze Verhängnis nahm mit dem unseligen Rüdiger Bubner seinen Lauf. Gerade gestern wieder hörte ich bei einer kleinen Feier schreckliche Anekdoten von diesem Mann. Ein Unhold, ein Schreckgespenst, Gegenbegriff zu jeglicher Kultur und Zivilisiertheit. Das enthebt einen freilich nicht, seine grundlegende Schrift zur ästhetischen Erfahrung zu lesen. Allerdings hat Bubner Adorno so gründlich miß- und nichtverstanden, wie man Adorno nur mißverstehen kann. Da ist mir dann am Ende Karl Heinz Bohrers Lesart Adornos näher, der zwar die gesellschaftskritische Seite seiner Ästhetik herausoperiert, aber wenigstens immanent das Kunstwerk in seiner Form Ernst nimmt. (Aber das ist ein anderes Thema: Ästhetische Erfahrung vs Wahrheitsästhetik.

    Ich würde insofern Trawnys Sätze als einen – melancholischen – Abgesang auf eine verschwundene Landschaft aus Theorie lesen, die mit Adornos Wirken noch gegeben war. Trawny geht es, das wird sicherlich im Laufe der Kritik noch deutlicher, darum, daß mit Adorno eine Philosophie in die Öffentlichkeit gelangte und Wirkung entfaltete (siehe auch der Roman von Wysocki, der das gut beschreibt), wie sie die doch eher staubtrockene Theorie von Habermas nimmer mehr bewirkt. Das ist Denken fürs Kämmerlein: Was ja auch ok ist, wenn man darum weiß. Insofern stand dann auch in der Cicero-Umfrage zu den wichtigsten deutschsprachigen Intellektuellen Habermas eben nicht an der Spitze. Zu Recht eigentlich, wenn ich es recht bedenke.

  8. Dieter Kief schreibt:

    In Sachen Intellekt ist es mit der Spitze so eine Sache. Wir kennen sie nicht. Wir können sie gar nicht kennen.
    Bubner, naja.
    Henrich!
    Und sonst – es gibt auch keine großen und kleinen Kämmerlein in der Welt des Intellekts, über die sich mit Gewissheit sprechen ließe. Hie und da „nützliche Fragen, Gestichel, Einwände“ (Enzensberger, hu, mit Hegeln – in die Furie des Verschwindes, hee).
    Die Ästhetik so groß aufzupusten wie Adorno – und dabei ausschließlich die bürgerliche, klassische Ästhetik und deren Avantgarden zu meinen, ist vollstoff museal. Das hat seinen Sinn, so wie Museen einen Sinn haben (und wie der Cicero und seine soziologische Liste ihren Sinn haben).

  9. Bersarin schreibt:

    Nein, Adorno hat eben in seiner Ästhetischen Theorie genau den Blick auf die Aporien der bürgerlichen Kunst gerichtet, und er sah früh auch die neuen Formen und Möglichkeiten der Kunst. Etwa wenn er von der Verfransung der Künste spricht. Worin man Adorno kritisieren könnte, wäre der Aspekt der Versöhnung – Bohrer und Wellmer tun ja eben das auch. Wobei ich freilich, diesen Versöhnungsgedanken von Kunst, sofern er sich nicht als Zentralstelle aufspielt und das tut er bei Adorno nicht, für wesentlich halte. Man kann die Modernität der Ästhetik Adornos eigentlich sehr gut in seinem Aufsatz zu Becketts Endspiel wie auch in seinem späten Text „Die Kunst und die Künste“ verfolgen.Und die Offenheit des modernen Kunstwerkes wie auch der Kunst samt der Ästhetik zeigt sich doch bereits in seinem ersten Satz der Ästhetischen Theorie. Dieser Befund ist die Angelstelle der gesamten Gegenwartsästhetik bis heute. Wie modern Adorno war, zeigt sich bereits darin, daß er einen in Vergessenheit geratenen Begriff wie das Naturschöne wieder in die Kunst aufnahm. Wie überhaupt der Naturbegriff für Adornos Philosophie seit den 30er Jahren zentral ist. Einer der wenigen, die zur Natur schrieben, war Joachim Ritter mit seinem Essay Landschaft von 1963.

  10. Dieter Kief schreibt:

    Seel!

    Ernsthaft – Sie sind die ganze Zeit im Museum – wie gesagt, das ist an sich kein schlechter Ort!

    Die Offenheit – seit wann galt die eigentlich – seit – Jean Paul? – Oder nicht doch seit den Münsterbauhütten?

    Ich rede jetzt ein wenig systematisch: Wenn man Kunst als Spiel begreift – dann wird die Offenheit (automatisch sozusagen) zu ihrem natürlichen Bestandteil. Und seit wann findet sich die Vorstellung, die Kunst sei ein Spiel? – MaW – die Zelebration der Offenheit als Konstitutives merkml der modernen Kunst usw. ist selber – – ein wenig – – nun ja: Kultisch (Adorno hat dieses Problem verstanden – und beannt, übrigens – kudos to him for this one!).
    Habermas meint ja, Adorno sei das einzige Genie gewesen, dem er je begegnet sei. Nun gut – vielleicht war da die Voraussetzung für die enorme Adorno-Kritik, z. B. im Philosophischen Diskurs der Moderne.
    Ah, Peter Rühmkorfs Einwände gegen Adorno werden auch in hundert Jahren noch Bestand haben, meine ich. Keine Ahnung, ob Rühmkorf und Ad – a-eh stop: Habermas sich je begegnet sind. Jetzt ist’s zu spät…

  11. Bersarin schreibt:

    Die Offenheit der Kunst ist eine relativ neue Sache. Noch bis ins späte 18. Jahrhundert galten Regelpoetiken und daran entzündeten sich regelmäßig Dispute. Daß Kunst nicht nach festgelegten Regeln gemacht wird, ist eine relativ neue, eigentlich erst mit der Autonomieästhetik im frühen 19. Jahrhundert einsetzende Erkenntnis. Bis sie sich ausbrütete, bedurfte es nochmals derer 10 Jahrzehnte. Niemand wäre wohl im 19 Jahrhundert auf die Idee gekommen, ein Urinoir zu malen, geschweige als Ojekt auszustellen, niemand hätte ein Lautgedicht als Kunst durchgehen lassen. Die Regel der Spätmoderne ist es, keinen Regeln mehr zu folgen. DAS erst macht das Kunstwerk offen, und aus diesem Grunde erst konnte Eco auch in bezug auf die Rezeption von vom offenen Kunstwerk sprechen.

    Noch den Ästhetiken Hegels oder Jean Pauls liegen explizit und implizit solche Annahmen von Regelpoetik zugrunde. Wenn auch in zunehmend abgeschwächter Form. Es gab damals gute Gründe, weshalb Kleist und Hölderlin auf relatives Unverständnis stießen. Einen radikalen Bruch können wir mit Baudelaire, Flaubert und Manet ausmachen. Dort erst setzt die Moderne ein. Offenheit des Kunstwerkes meint ja auch, im Ecoschen Sinne, daß erst der Rezipient einen gehörigen Teil des Werkes überhaupt erst mitkonstituiert. Und das gab es zu Zeiten der Bauhütten nicht. Da existierten feine Abweichungen von der Auslegung der Regeln.

    Kunst IST, was die Gegenwart betrifft, im Museum. Kunst ist zuende, tot, abgelebt. Was folgt sind die Wiederholungen. Das ist wie mit den Filmen im Fernsehen oder mit den alten Serien. Das Leidwesen der ästhetischen Theorie ist es dabei, und das gilbt eigentlich für jegliche Kunsttheoriei, zu spät zu kommen. Sie wissen es aber selber, wann erst und zu welcher Stunde die Eule der Minerva ihren Flug antritt. (Sofern in Berlin das Bodenpersonal nicht wieder streikt.)

    Rühmkorf ist ein Dichter, kein schlechter. Von Philosphie versteht er weniger als nichts und sogar weniger als Brecht. Dazu noch also eine mäßig von Brecht abgekkupferte Kritik. Ein Bengelchen, das Bermerkungen machte. Hat er wohl zu tief in die Rotweinflasche gelinst.

  12. Dieter Kief schreibt:

    Naja – Regelpoetiken – Henne und Ei… wie Sie selber sagen: Der Poetologe kommt in der Regel zu spät.

    Ja, das Urinal hat es so früher nicht gegeben – aber so konkretistisch würde ich fortfahren, soll man einfach keine Kulturgeschichte betreiben. Es dräut sonst der Historismus.

    Tja – und wo wäre bei Jean Paul die Regelpoetik – – – Jean Paul wird aus e i n e m mir bekannten Grund nicht bedacht, wenn es um so Sachen wie das offene Kunstwerk geht: Weil seine Romane, aber auch seine Essays und Sprüche und Splitter selber nicht zählten und nur marginal rezipiert worden sind. Seine Romane erfüllen alle (alle) Kriterien des offenen Kunstwerks.
    Lautgedichte? – Kennen Sie die Fratrasien?

    Ohja Rezeption – ist – wenn sie gestatten – – nichts besonderes. Das hat es schon immer gegeben. Das ist eigentlich sogar ein Gassenhauer – : „Die Gedanken sind frei – kein Mensch kann sie wissen / Kein Jäger erschießen…“ Ich meine, das sei der backbone der Rezeptionsästhetik. hat man diesen Teil, ergibt sich der Rest fast von selbst. Eco – auch mit Eco als Theoretiker ist es nicht wirklich weit her. Ich komme noch mal auf den oben angetönten Schiller-Exkurs im Philosophischen Diskurs der Moderne zurück: Der ist in der Tat zentral. Und der kommt „quite easily“ (M. Jagger) komplett ohne Eco -und auch ohne Jauß und Iser aus.

    Was sie über Rühmkorf schreiben, verwundert mich ein wenig.
    Rühmkorf ist – was die anthropologische/existentielle/soziale, aber auch die poetologische Seite der Kunst angeht, sehr ergiebig („Walther von der Vogelweide, Klopstock und Ich“ – und – – insbesondere: Agar-Agar Zauzaurim. Ich wüßte keinen aus dem engeren Frankfurter Umkreis, der sowas geliefert (oder gekonnt) hätte. Und aus dem Streit mit Adorno wg. Gedichten nach Auschwitz ging Rühmkorf als klarer Sieger hervor. Der Geniale war halt manches mal pomadig (und er war ziemlich humorlos).
    Agar-Agar Zauzaurim wird die nächsten hundert Jahre locker überstehen. Auch sein „Volksvermögen“ ist gut für hundert Jahre. Und dann Selbst III/ 88 – das ist ein Monsterwerk – und dann noch: „Die Jahre die ihr kennt“. Und „Paradiesvogelschiss“ und „Irdisches Vergnügen in g“ und „Haltbar bis…“ und die Tagebücher grad auch noch mit: Sehr vergnügliche Lektüre!

  13. Bersarin schreibt:

    Na ja, die Poetologie prägte beim Dichten ganze Dichter-Generationen: Ob nun die Poetik des Aristoteles die des Horaz. Und selbst die Querelle des Anciens et des Modernes war noch weit von einer Moderne entfernt.

    Natürlich Jean Paul, das ist schon schweifend. Aber doch Kind seiner Zeit, wenngleich mit der Autoren- und Herausgeberschaft von Texten spielend. Ideengewimmel eben. Hegel lobte, sah jedoch auch das Problematische daran und kritisierte:

    „So ist z.B. Jean Paul bei uns ein beliebter Humorist, und doch ist er gerade vor allen anderen auffallend in dem barocken Zusammenbringen des objektiv Entferntesten und dem kunterbuntesten Durcheinanderwürfeln von Gegenständen, deren Beziehung etwas durchaus Subjektives ist. Die Geschichte, der Inhalt und Gang der Begebenheiten ist in seinen Romanen das am wenigsten Interessante. Die Hauptsache bleiben die Hinundherzüge des Humors, der jeden Inhalt nur gebraucht, um seinen subjektiven Witz daran geltend zu machen. In diesem Beziehen und Verketten des aus allen Weltgegenden und Gebieten der Wirklichkeit zusammengerafften Stoffs kehrt das Humoristische gleichsam zurück zum Symbolischen, wo Bedeutung und Gestalt gleichfalls auseinanderliegen; nur daß es jetzt die bloße Subjektivität des Dichters ist, welche über den Stoff wie über die Bedeutung gebietet und sie in fremdartiger Ordnung aneinanderreiht. Solch eine Reihe von Einfällen ermüdet aber bald, besonders wenn es uns zugemutet wird, uns mit unserer Vorstellung in die oft kaum erratbaren Kombinationen einzuleben, welche dem Dichter zufällig vorgeschwebt haben. Besonders bei Jean Paul tötet eine Metapher, ein Witz, ein Spaß, ein Vergleich den anderen, man sieht nichts werden, alles nur verpuffen. Was sich aber auflösen soll, muß sich vorher entfaltet und vorbereitet haben.“

    Aber da kommt Hegel sicherlich vom Alten her. Dennoch: So ganz modern war Jean Paul eben nicht. Nur eben sehr phantasievoll.

    Es geht bei der Frage nach dem Gedicht nach Auschwitz kaum um eine Frage des Siegers, als der da einer aus dem Streit hervorgeht. Da haben Sie aber eine merkwürdige Vorstellung von solchem Disput. Bei Rühmkorfs Auschwitz-Text habe ich den Verdacht: Er hat intuitiv nur begriffen was Adorno meinte, ohne es zu begreifen. Ich halte ihn intellektuell nicht für den klügsten. Zumal ja gerade Adorno eben keine Absage an die Kunst predigte, weil Auschwitz ward. Aber sehr wohl problematisierte er die herkömmlichen Koordinaten von Kunst. Nun kann man Rühmkorf seine Lektüre andererseits nicht verdenken, denn Dichter müssen dichten und Gründe fürs Gedicht finden. Seine Gedichte übrigens schätze ich. Ein interessanter Konterpart zu Celan. Nur muß man das Dichten Rühmkorfs eben aus seiner Zeit heraus verstehen. Rühmkorf konnte ansonsten knapp 10 Jahre nach Auschwitz heiter dichten. Seine Familie ging schließlich auch nicht im Rauch auf. Da pfeift es sich leicht und gerne auch locker. Das war bei Celan ein wenig anders. Für jene Davongekommenen gestaltete es sich ein wenig anders. Jene, die überlebten und von rechts wegen ausgerottet gehörten, hatten da dann ein wenig zu knappsen. Adornos kritische Stimme ist mir da – um der Zeitgenossenschaft willen – um einges wichtiger als die eines jungen Brausekopfes wie Rühmkorf. Doch alles hat seine Zeit und wie es in der Geschichte zugeht, wächst zwar kein Gras über die Sachen – sozusagen Gras auseinandergeschreiben, wie Celan in der Engfühung dichtete und woraus man auch gerne Sarg oder Gas lesen kann -, aber die Zeiten und die Dichtungstöne änderten sich. Böse mußte man allerdings nachfragen, ob nicht die Kritik von Karl Kraus an Heine auch ein bißchen auf den an Heine orientierten Rühmkorf zutrifft. Zumindest was die Nachlässigkeit mit der Zeit anbelangt. Politisch zumindest wollten auch auf der Seite der Linken viele vergessen und lieber an weniger als nichts erinnert werden. Aber dem späten Rühmkorf kann man es verzeihen. Denn irgendwann muß ja nun auchmal gut sein mit der Vergangenheit.

  14. Dieter Kief schreibt:

    Karl Kraus‘ Auschwitz-Kritik – nun ja, ich werde ein bißchen unernst!

    Adorno sagte auch rein gar nichts darüber, w e r nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben könne, sondern opferte einfach mal sicherheitshalber das Gedicht.

    Und sonst sind Sie jetzt in einem Gebiet, das sowieso voller Fallen steht – jetzt bemühen Sie nämlich die Perspektive des Betroffenen. Ja, in diesem Fall – dass es einem persönlich aus Gründen die Sprache verschlägt: Das kann schon sein. – Aber aus dieser Perspektive hat der Geniale gerade nicht geschrieben – und das war falsch. „Tivoli Kunst“ (cf. Rothschilds, Hermann Peter Piwitt) eben, in seinem Element.

    Hegeln hat Jean Paul nicht ganz erfasst; aber seine Heidelberger Promotionsurkunde ist wirklich herzallerliebst. Und lustig! Und Jean Paul wäre auch selber fast gestorben vor Rührung und Glück damals, in Heidelberg!

    Kürzlich hat einer gesagt, wenn Jean Paul nur Philosophisches geschrieben hätte, – oder besser noch ausgedrückt: Wenn JP nur seine philosophischen, pädagogischen und ästhetischen Schriften veröffentlicht hätte, wäre er heute angesehener und – man würde einen größeren Nutzen aus ihm überhaupt ziehen, als so schon***.

    Er war too much für euch, Leute, mit Wolf Wondratscheck zu enden.

    *** vielleicht Sloterdijk

  15. Bersarin schreibt:

    Man kann Adornos Satz nur aus der Zeit heraus begreifen, in der er ihn äußerte. Inmitten restaurativer Tendenzen, wo manche meinte, die deutsche Kultur werde es schon heilen. Man muß sich nur mal die Schweigekartelle dieser Zeit betrachten: Bei Heidegger angefangen. Insofern müßte man Adorno ergänzen und schreiben, daß es ebenso unmöglich noch sei, unbefangen Hölderlin zu lesen. Diese Dialektik vom Zivilisationsbruch, ohne dabei aber Kultur völlig zu tilgen, hat Adorno immer mitgedacht. Ohne je ins Kunstfeindliche zu gleiten. Zudem modifizierte er seinen Satz aus den 50er Jahren dann in der Negativen Dialektik. Es geht ja in Adornos Satz zum Gedicht auch weniger um die Apodiktik, sondern er hat einen kulturelle und intellektuellen Diskurs seiner Zeit geprägt. Und dadurch überhaupt erst ein Sprechen über und Kunst nach Auschwitz eröffnet. Insofern und in diesem Sinne ist Adornos Satz bereits aus solchen Gründen ein voller Erfolg gewesen und zeitigte die Wirkung, auf die es ihm ankam. Es ist, Herr Kief, wie mit dem Hasen und dem Igel. Der Igel Adorno lacht: Ikk bün all döör!

    (Aber dies ist nochmal ein Thema für sich, inwiefern Kunst immer eine Funktion des Übertünchens auch hat, um zu glätten und den harten Widerspruch affirmativ zu bannen.)

    Klar ist Jean Paul unterschätzt (aber das wurden viele, im Schatten Goethes). Bei Arno Schmidt kommt er kaum vor. Immerhin schrieb der aber und erkannte das Problem Goethe als Großkopfete der Prosa, daß dessen Prosa eben doch eine Rumpelkiste sei. Was ich in dieser Apodiktik ebensowenig teile. Jean Paul dürfte bei den Deutschen nicht so eingeschlagen haben, weil seine Prosa nicht eingängig ist, sondern im Rhythmus und der Struktur der mänandernden Sätze bei einigen auf Schwierigkeiten stößt. Was nicht gegen Jean Paul spricht. Ist ja auch gut, wenn er eine Art nicht geheimer Geheimtipp bleibt. Sowieso verschwindet in der Kunst manches. Der kluge Hegel wußte es, schrieb in der Phänomenologie, seinem Meisterstück, als Literatur und geniale Prosa, leider oft verkannt, von der Furie des Verschwindens. Und gäbe es die nicht, könnte Enzensberger nicht sein Gedicht schreiben.

  16. Dieter Kief schreibt:

    Würde Enzensberger es nicht geschrieben haben – na klar. Nicht geschrieben haben wollen – oder können, vielleicht sogar, hehe, was weiß denn ich.

    Sie denken sportlich: Mit Jean Paul hat’s nicht so geklappt, also: Kucken wir auf Goethe – und zwar von Arno Schmidts Hochsitz aus. – Erinnert mich an Wolfram Schütte – so verhielt der sich zu Reich-Ranicki. Ich halte es da eher mit Henscheid: Reich -Ranicki hat es geschafft, zeitlebens überschätzt zu werden, hehe.

    Adorno hat, sagen Sie jetzt, einen produktiven Fehler gemacht. Das ist freilich etwas anderes, als zu sagen, er habe keinen Fehler gemacht.

  17. Bersarin schreibt:

    Ich habe nichts gegen Jean Paul, nur sollte man alles in den rechten Relationen sehen. Jean Paul ist interessant, aber er ist zumindest noch kein explizit moderner Autor, sondern steht in Stil, Diktion, Rhythmus, Sujet, Plot, Erzählweise an der Schwelle zur Moderne und ist ein Kind seiner Zeit – was nicht gegen ihn spricht, sondern für ihn, denn er hat diese Schwelle ein Stück weit versetzt und verschoben. In diesem Kontext aber ging es ja vielmehr um die Position von Adornos Ästhetik. Und ich würde mal ganz kühn annehmen, daß sich im Kunstschaffen zwischen 1824 und 1924 einiges tat und die mit der literarischen Romantik aufkeimende Moderne einen anderen Dreh bekam. Das Kunstwerk des 19. Jhds und das des 20. differieren erheblich. Es stellte sich das ein, was Adorno die nominalistische Situation der Kunst nannte. Daß diese bereits in der Weimarer Klassik und der Jenaer Romantik angelegt war, spricht nicht gegen diese These. Ganz im Gegenteil.

    Was Adornos Satz zum Gedicht nach Auschwitz betrifft, geht es dabei nicht um Fehler, sondern um Interpretationen von Kunst und Gesellschaft. Adornos Satz spitzte eine historische Situation zu. Und natürlich ist er wahr: nach Auschwitz noch so zu tun, als könne man mit der Lyrik wie bisher weitermachen, ist nicht nur intellektuell töricht – was man verschmerzen kann -, sondern brandgefährlich im Sinne eines geschichtlichen Bewußtseins, das für eine komplexe Theorie der Kunst wie auch für die Kunst selbst unerläßlich ist. Das eben schließt nicht aus, es trotzdem zu versuchen, wieder zu dichten. Aber nach Auschwitz (und dem Gulag muß man hinzufügen) so zu tun, als könnten wir noch lyrisch gestimmt im Sessel hockend, uns Mörike vorlesend, funktioniert nicht mehr. Um genau diese restaurative Tendenz ging es Adorno. Insofern ist es nach Auschwitz unmöglich, Gedichte zu schreiben.

  18. che2001 schreibt:

    „Alles, was heutzutage Kommunikation heißt, ausnahmslos, ist nur der Lärm, der die Stummheit der Gebannten übertönt…..Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritk daran, ist Müll.“

    Das war die wörtliche Aussage Adornos, die sich nicht explizit auf die Bedingungen des Schreibens von Gedichten bezog.

  19. Bersarin schreibt:

    Richtig. Und aus diesem Grunde heraus ist für Adorno das Leidmotiv in der Kunst zentral. Im Sinne Hegels bereits, nur in diesem Falle um die geschichtliche Erfahrung zugespitzt: Kunst ist das Bewußtsein von Nöten. Und in diesem Sinne ist Kunst – als Bewußtsein – ebenso vonnöten.

  20. Dieter Kief schreibt:

    Preisfrage – wen meint der Autor des untenstehenden Textes, wenn er davon spricht, dass es vielleicht falsch war, zu sagen, nach Auschwitz solle kein Gedicht mehr geschrieben werden?

    Das perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu brüllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe sich kein Gedicht mehr schreiben. Nicht falsch aber ist die minder kulturelle Frage, ob nach Auschwitz noch sich leben lasse, ob vollends es dürfe, wer zufällig entrann und rechtens hätte umgebracht werden müssen.“
    – Theodor W. Adorno: Negative Dialektik

    Uhuu – nicht nur der eminente Dichtkopf Rühmkorf, auch Enzensberger auf seine coole Art ist dem Genialen übrischns entgegengetretn. Das ist insbesondere deswegen interessant, weil es zeigt, wie unverkrampft und offen damals diskutiert wurde. Wenn das man bloß nicht verloren geht.

    Der ganze Kriterienkatalog, der herkömmlicherweise heruntergebetet wird, wenn ein/das postmoderne Romanwerk (Unendlicher Spaß, Die Enden der Parabel…) gefeiert wird, gilt ausnahmslos für den Titan oder für den Komet.

    Ich meine, die Kunst baue nicht einfach aufeinander auf, wie das das Ingenieurswsen z. B. tut.

    Und ich meine, es sei produktiv, zu verstehen, inwiefern auch die Fortschritte im Ingenieurswesen sozusagen in Haufen vorkommen, oder in gleichsam szenischen Ballungen – viel eher jedenfalls als in sozusagen cleanen linearen Progressionen.

    Fünf Häufen: Die Rheinebene zwischen 1700 und 1900: Chemie, Pharmazie, Fahrzeugbau, Lebensmittelindustrie (Basel – Frankfurt); Ruhrgebiet 1800- 1960 : Schwerindustrie, Energie, Textil, Chemie; Oberitalien 1400-1600 Bankwirtschaft, Glas, Manufakturwesen, Papier, Keramik, Mechanik (Giovanni de Dondi); Bergbau, Schwerindustrie, Energiewirtschaft, Textil 1700 – 1950 – Leeds, Manchester, Liverpool; Silikon Valley 1930 – … – Büromaschinen, später Digitalisierung; Ab sofort: Shen Zen – Kaffeemaschinen (fast ein Witz – 70% a l l e r Kaffeemaschinen weltweit werden derzeit in einer einzigen Fabrikagglomaration in Shen Zen produziert).
    ok sind sechs – es ist aber einfach eine Skizze.

  21. Bersarin schreibt:

    Ich schrieb es ja bereits oben: Adorno modifizierte seinen Satz vom Gedicht nach Auschwitz. Das ist aber ein erheblicher Unterschied dazu, ob er ihn revozierte. Und es steht auch dieses von che gebrachte Zitat ebenfalls in besagter „Negativer Dialektik“, was jenen Satz aus „Kulturkritik und Gesellschaft“ stützt. Adorno formuliert Aporien und Widersprüche. Diese sind jedoch keine des Denkens, also reflexionslogischer Natur, im Sinne eines falschen Gebrauchs von Logik, sondern es sind die der Sache. Adorno also ein dialektischer Ontologe. Ich schrieb mehrfach, daß es bei Adorno jene Denkfigur gibt, daß Kunst notwendig sei und daß sie nach jenem Zivilisationsbruch gleichzeitig ein Frevel sei. Adorno weist darauf in seiner Überlegung zu Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“, in dem Aufsatz „Engagement:

    „Die sogenannte künstlerische Gestaltung des nackten körperlichen Schmerzes der mit Gewehrkolben Niedergeknüppelten enthält, sei’s noch so entfernt, das Potential, Genuß herauszupressen. Die Moral, die der Kunst gebietet, es keine Sekunde zu vergessen, schliddert in den Abgrund ihres Gegenteils. Durchs ästhetische Stilisationsprinzip, und gar das feierliche Gebet des Chors, erscheint das unausdenkliche Schicksal doch, als hätte es irgend Sinn gehabt; es wird verklärt, etwas von dem Grauen weggenommen; damit allein schon widerfährt den Opfern Unrecht, während doch vor der Gerechtigkeit keine Kunst standhielte, die ihnen ausweicht. Noch der Laut der Verzweiflung entrichtet seinen Zoll an die verruchte Affirmation.“

    Oder wie es in seinem Kapitel zum Odysseus heißt, der dem Gesang der Sirenen lauscht:

    „Der Gefesselte wohnt einem Konzert bei, reglos lauschend wie später die Konzertbesucher, und sein begeisterter Ruf nach Befreiung verhallt schon als Applaus.“

    Freilich baut die Kunst aufeinander auf. Nur eben nicht in der Weise, wie es das Ingenieurswesen tut und auch nicht nach dem Modell wissenschaftlichen Fortschritts, da haben sie recht. Kandinsky jedoch ist ohne den Expressionismus nicht zu denken. Und wenn Sie den „Titan“ einem Leser geben, ohne daß der weiß, wer ihn wann schrieb: nicht einmal ein Deutschleistungskursschüler würde behaupten, es sei ein moderner Roman. Und wer heute wie Jean Paul oder wie Arno Schmidt schriebe, würde von der Kritik verrissen, es sein denn der Autor triebe das Formprinzip weiter oder die Imitatio ist als ästhetischer Trick konzipiert. Flaubert, Proust, Joyce, Th. Mann, Kafka, Beckett, Faulkner, Grass, David Foster Wallace, Pynchon, Auster und selbst (oder gerade!) Thomas Bernhard wären nicht derart exzeptionell, wenn sie Altes einfach so schrieben wie bisher. Nein, das taten sie nicht – sie schufen Neues. Etwas, das anders war. Man mag Analogien bilden, aber in der Form lassen sich zwischen DFW und Jean Paul doch gewichtige Unterschiede ausmachen. Jener entwickelte das Prinzip der Digression zu den Höhen (post)moderner Befindlichkeiten.

  22. che2001 schreibt:

    Und genau DESHALB ist Adornos ästhetische Theorie, die Negative Dialektik eingedacht, eine eminent politische Kritik an den bestehenden Verhältnissen, die sich am Ehesten anarchistisch interpretieren lässt. Also nicht anarchistisch im Sinne Bakunins, sondern in dem Sinn, dass das Ziel das Ende der Herrschaft des Menschen über den Menschen oder zumindest privilgierter Gruppen über die Mehrheit ist. Man kann Adorno kulturpessimistisch, sogar kulturkonservativ lesen, weil er keinen konkreten Weg zur Erreichung des Ziels postuliert, dann wäre auch der Buddhismus zutiefst pessimistisch, weil er das Leiden als principium movens sieht: Aber in beiden Fällen gibt es eine Befreiungs/Erlösungsperspektive, die transzendiert dann allerdings die Analyse dessen was ist total. Es erfordert Mut, diesen Schritt zu denken.

  23. Bersarin schreibt:

    Sehr guter Kommentar: „dass das Ziel das Ende der Herrschaft des Menschen über den Menschen oder zumindest privilgierter Gruppen über die Mehrheit ist.“ Dies ist eine Deutung Adornos, die ganz sicher richtig ist. Wobei ich selber mich immer davor hüte, diesen Gedanken zu sehr zu reifizieren. Er wirkt aber in der Redewendung Adornos von der Utopie, die schwarz verhüllt ist, als eine unsichtbare Grundspur fort. In diesem Sinne ist für Adorno gelungene Kunst das Signum des Anderen, ohne es auszusprechen. (Das ist übrigens eine völlig andere Konzeption als noch in Schillers „Briefen über die ästhetischer Erziehung“.)

    Adornos Ästhetik ist in diesem Sinne von Dir genannten Sinne zwar gesellschaftlich motiviert. Allerdings ohne den Brechtschen Verfremdungs- oder den Sartreschen Engagements-Marxismus.

  24. Dieter Kief schreibt:

    Na also – er hat da eventuell einen Fehler gemacht, der Adorno mit Auschwitz – irgendwie kann man das sogar als Eingeständnis lesen.

    Es ist übrigens noch mal undenkbarer, dass er auch nur in Erwägung gezogen haben würde, die Kunst der Frau Rösinger zu goutieren, auschwitz hin oder her: No-go für Theodor W. Adorno.

    Oh – Adorno und Buddha – – – Buddha?! – Che2001 – gings weiter oben nicht um die Befreiung von der Religion?

    Ich könnte auch so sagen: Was wäre 2016 religiöser als von einer Befreiung vom Staat zu sprechen. Das ist doch bei Licht besehen nichts anderes als – das Paradies auf Erden?!

    Ich verstehe immer mal wieder, wieso der Hegel-Herausgeber Michel ab einem gewissen Zeitpunkt – gewitzt durch den Umgang mit den deutschen linken, so stark ins Theologische tendierte.

    Es ist doch eine spannende Frage, innerhalb des christlichen Denkweges eine Antwort auf dei Frage zu suchen, was von solchen – – – Versprechungen wie denen des Paradieses auf Erden zu halten sei.
    In der christlichen Theologie gibt es dazu Literatur ohne Ende.
    Im Judentum ist die Sache glaub ich sehr rigoros gelöst. Im Christentum hie und da ebenfalls – wenn man an die Katharer oder die Wiedertäufer denkt.

    Mildere formen finden sich auch – bis hin zur Nachsicht.

    Politisch kann so eine Haltung immer nur die eines Korrektivs oder einer Ergänzung sein: Es ist der Zustand des perpetuierten Außenseitertums.

    On a bigger scale wird sie notwendig scheitern, weil es keinen Weg zurück ins Paradies gibt.
    Die Folgekosten der Staatenlosigkeit insbesondere was den kommunikativen Aufwand angeht, würden die Vorteile immer überwiegen. Dies erklärt Adornos Heftigkeit wenn es gilt, haargenau die Kommunikation zu exmatrikulieren – oder zu verbannen – – (um nicht zu verteufeln zu sagen, hehe).

    Man kann sagen was man, will: Konsequent ist er gewesen, der Adorno.
    Nur nicht immer: Warum sonst wohl hätte der Geniale ausgerechnet die SPD gewählt!?

  25. che2001 schreibt:

    Die Katharer gehören nichts ins Christentum, sondern waren Manichäer.

    Buddha und Befreiung von der Religion: Zu Lebzeiten Buddhas war das noch nicht die heutige Religion, sondern eher eine Selbsterlösungs-Philosophie, in mancher Hinsicht der Stoa vergleichbar. in diesem Kontext verglich ich die Pessimismus-Komponenten von Buddha und Adorno, die nicht als bloßer Pessimismus gelesen werden können, sondern unter der Prämisse der Erlösung der Seele bzw. der Überwindung des Kapitalismus geschrieben wurden, also mega-optimistischer Fluchtpunkte.

  26. Dieter Kief schreibt:

    Naja – die Katharer wurden ja doch von Christen verfolgt – immerhin!
    (Außerdem bin ich ab und zu in Südfrankreich, – und zwar – Zufälle gibts – mitten im ehemaligen Katharergebiet, und dort kann man für Aussagen, wie Sie sie hier treffen, leicht mal handfesten Ärger kriegen: Von wegen die Katharer seien nicht katholisch gewesen – ne me dits pas ca… – in vielen Gegenden ist die Katharer-Verfolgung lebendiger im Alltag verankert, als die Résistance – möglicherweise einzigartig in France).
    Die Wissenschaft schreitet immer weiter fort: Und sagt mittlerweile, dass die manichäischen Einflüsse schwach seien, die des Urchristentums aber stark. Ok.
    Arno Borst, den ich hie und da erlebt habe, hat übrigens ein sehr schönes, für seine Verhältnisse kurzes Katharer-Buch geschrieben, das immer noch in Umlauf ist.
    Jaja – Sie sind mit Buddha auf der Spur der letzen Fragen – und ganz sicher hinter einer Frage her, die auch Adorno bewegt, wenn auch indirekt: Nämlich das Theodizeeproblem. – Wie gesagt, es hatte seinen Sinn, dass Kursbuch- und Hegel-Herausgeber Michel immer mehr in Richtung Theologie tendierte: Weil große Teile der linken Tradition in der Tat erlösungstheologische Verirrungen darstellen (und damit hinter Buddha zurückfallen – Fromm hat das übrigens einwandfrei kapiert).
    Seufz – Bloch hing dieser falschen marxistischen Theologie auch noch an, noch spät auch noch an – selbst nach den Schauprozessen noch. Und dass Habermas das, als er Prinzip Hoffnung rezensierte, nicht merkte und das Buch höchst positiv bewertete, mag seine Überschärfe im Historikerstreit mit bedingt haben – nicht seine Hitler-Pimpfschaft wie Fest insinuierte, sondern ickjloobe, eben seine im Erwachsenenalter geschriebene Bloch-Rezension. – Er tat da so, als ob Hitler und Stalin grundverschiedene Welten belebt hätten – – – ich bin mir sicher, das würde er heute nicht mehr tun, und denke hie und da, dass das einer der wirklich peinlichen Fehler war, die er gemacht hat. Ob er das heute wirklich so sieht, weiß ich freilich nicht zu sagen. Müller-Doohm schweigt sich in seiner Habermas-Biographie aus. Wie auch – sag ich das noch, dann bin ich still: In Sachen Fromm. Beide Fehlstellen sind inhaltlich gesehen eine schmerzliche Lücke in dem Buch.

  27. Bersarin schreibt:

    Festzuhalten bleibt, daß Adornos Utopiebegriff in der Tendenz materialistisch motiviert ist, wenngleich es bei ihm – siehe unten – einen messianischen Einschlag gibt. Zentral für die Kunst wie auch die Philosophie ist das oben genannte Leid-Motiv, und dieses motivierte auch die Dialektik seines Satzes vom Gedicht nach Auschwitz.

    Adorno bewegt das Theodizeeproblem in der Tat lediglich indirekt. Seine Auseinandersetzung mit Leibniz bleibt rudimentär. Interessanter ist in diesem Sinne sein Briefwechsel mit Gershom Scholem. Aber anders als bei Walter Benjamin ist diese messianische Schicht bei Adorno sehr dünn. Lorenz Jäger versucht diese in seiner neuen Benjamin-Biographie stark zu machen – gegen den marxisch orientierten Benjamin. Allerdings, wie mir beim ersten Anlesen scheint, doch etwas zu grell und unter Ausblendung von Benjamins Materialismus. Und ganz neu ist es ja nicht, daß Benjamin in seinen jungen Jahren nicht primär im Fahrwasser von Marx sich bewegt. Seine Texte zur Sprachmagie und zum Problem des Übersetzens zeigen das.

    Was die Albingenser angelangt, so dürfte die Grenzen zwischen Christentum und katholischer Glaubenslehre manchmal nur am seidenen Faden hängen, um als Häretiker zu gelten. Einen Gegenkirche zu gründen, ist freilich eine große Herausforderung. Interessantes Kapitel, mit dem ich mich gerne näherbeschäftigen würde. Aber was wir nicht alle wollen!

    Leider habe ich aber für diese Details nun wenig Zeit, weil ich den „Faust“ von Castorf noch nachwirken lassen muß, um dann für Montag einen Text zu schreiben.

  28. Dieter Kief schreibt:

    Mit Habermas – es gibt im demokratischen Diskurs kein Äquivalent für die Position Gottes im Monotheismus. Insofern sind auch Adornos Negativiätsheroismen vergeudete Liebesmüh‘. Es gibt auch Adorno nur im Kontext: Texte und Kontexte, wherever we go.

    Ich überlass‘ es mal der Geisteskraft der geschätzten Texte- (und Kontexte….) produzierenden Diskutantenschaft auf diesem Blog, die o. a. basale diskurstheoretische Tatsache auf das bisher in Sachen Auschwitz usw. Gesagte anzuwenden.

    Das Wort zum Sonntag entnehmen wir einem „alten Foliant“ (Bloch), der auf unserer buckligen Welt schon viel herumgekommen ist; es lautet entsprechend weise und immerhin unmissverständlich und bestimmt, also – – klar:

    „Die völlige Angemessenheit des Willens zum moralischen Gesetz, ist eine Vollkommenheit, deren kein vernünftiges Wesen der Sinnenwelt in keinem Zeitpunkte seines Daseins, fähig ist.“ – Diese prinzipielle Unangemessenheit – – nimm‘ in die Hand – – – und zieh‘ – – Deiner Wege – wherever you go. – – – – Don’t stop goin‘ though! (Jack Kerouac – „The Dharma Bums“).

  29. Bersarin schreibt:

    Was vergeudete Liebesmüh ist, entscheiden nun allerdings weder Dieter Kief, noch Jürgen Habermas, sondern die Logik der Sache bzw. genauer die Logik der Argumentation in Adornos Philosophie – also immanent der Text. Und auf genau diese Binnenlogik kommt es an: Was eigentlich will Adorno sagen? Da nützt es nichts, an die Sache von außen heranzutreten. Man wird einem Pfirsich nicht vorwerfen können, daß er kein Apfel sei. Habermas ging es im übrigen darum, das demokratische Staatswesen zu stützen und seit „Faktizität und Geltung“ auf der Eben der Philosophie Regeln für den demokratischen Rechtsstaat zu liefern. Adorno kam es darauf an, Bestehendes zu kritisieren. Dieses Verfahren nannte er bestimmte Negation. Sofern Adorno von Gott oder dem Absoluten spricht, etwa im Hinblick auf das Ende von Hegels Phänomenologie, wird dieser Anspruch von absoluter Vermittlung verworfen.

    „Wem gelänge, auf das sich zu besinnen, was ihn einmal aus den Worten Luderbach und Schweinstiege ansprang, wäre wohl näher am absoluten Wissen als das Hegelsche Kapitel, das es dem Leser verspricht, um es ihm überlegen zu versagen.“

    Mit anderen Worten: im Endlichen scheinen Figuren von Vermittlung auf, ohne aber die Vermittlung bereits zu antizipieren. Darin sind solche Erfahrungen der Kunst verwandt. (Im übrigen kam es Adorno in seiner „Negativen Dialektik“ auf einen solchen erweiterten Begriff von Erfahrung an. Die „Rationalität des Nichtidentischen“ sozusagen, um einen Ausdruck von Anke Thyen zu gebrauchen.) Adornos Philosophie ist eine materiale Philosophie, sie legt die Finger auf die Wunden:

    „Demgegenüber hat unbeirrte Negation ihren Ernst daran, daß sie sich nicht zur Sanktionierung des Seienden hergibt. Die Negation der Negation macht diese nicht rückgängig, sondern erweist, daß sie nicht negativ genug war; sonst bleibt Dialektik zwar, wodurch sie bei Hegel sich integrierte, aber um den Preis ihrer Depotenzierung, am Ende indifferent gegen das zu Beginn Gesetzte. Das Negierte ist negativ, bis es verging. Das trennt entscheidend von Hegel. Den dialektischen Widerspruch, Ausdruck des unauflöslich Nichtidentischen, wiederum durch Identität glätten heißt soviel wie ignorieren, was er besagt, in reines Konsequenzdenken sich zurückbegeben. Daß die Negation der Negation die Positivität sei, kann nur verfechten, wer Positivität, als Allbegrifflichkeit, schon im Ausgang präsupponiert.“

    Diese Passage aus der „Negativen Dialektik“ zeigt ganz gut die Position Adornos. Und sie ist mir allemal näher als Habermas. Pragmatisch-funktionalistisch mag das alles richtig sein für eine funktionierende (Sozial)Demokratie. Das ist das eine. Das andere aber bleibt die Kunst der Kritik.

    Wer freilich diese Welt für die beste aller möglichen Welten hält, wird mit Adornos Philosophie wenig anzufangen wissen. Über die Theodizee-Frage schrieb im übrigen Jonas Lüscher einen brutal-schönen Roman: „Kraft“.

  30. Dieter Kief schreibt:

    Oh ja – Negativität rules! Und dann wird SPD gewählt? Oder in Hessen Lehrerfortbildung gemacht – jahrein, jahraus, eine erhebliche Fron. Beamtenausbildung, um genau zu sein. – – Wie negativ ist das denn?!
    Dann bleibt in der Tat noch ein genuines Bereich „üwwerig“ (Datterich) – nämlich dasjenige, in dem u. a. der Datterich sein Wesen aufführt: Das der Kunst – wo nicht gleich der Musik.

    Am schönsten ist die Negativität aufgehoben im Bereich der klassischen Musik bis hin zur Neutönerei: Ein unendliches Feld der Deutungsmöglichkeit – das Adorno ja in der Tat bespielte.
    Ich meine, das sei ein in Maßen interessanter, aber cum grano salis an sich nicht so zentraler Bereich.

    Ich bestreite einfach (und ja, das sehen Sie richtig: Mit Habermas) die Möglichkeit eines sozusagen letzten Wortes in Sachen Weltdeutung – selbst in Sachen ästhetischer oder musikwissenschaftlicher Weltdeutung. Und ich halte weiter dafür, dass auch Adornos Negativitätsdenken sich – als Spätausläufer der Subjektphilosophie – n i c h t als Quelle letzter Worte eignet, weil die Subjektphilosophie notwendigerweise Aporien aus sich heraustreibt: Sie geht daher immer weiter – negativ – – und positiv usw. …. kein Ende in Sicht, nirgends.

    Alles andere wäre ein Wunder!

  31. Bersarin schreibt:

    Es geht nicht um letzte Worte und letzte Weltdeutungen. Gegen solche Letztbegründungsansprüche und auch im theologischen oder messianischen Sinne Letztunbegründungsansprüche hatte Adorno erhebliche Einwände vorzubringen.

    Was die Differenz von unmittelbar praktischem Handeln und der Arbeit der Theorie betrifft: Ich empfehle zu dieser Problemlage Adornos Aufsatz zu Theorie und Praxis. Darin legt er dar, worum es ihm in diesem Verhältnis geht. Und wie gesagt: Reale Aporien sind nicht ins Subjekt hineinzuverlagern, sondern haben in der Gesellschaft ihren Ort. Adorno zumindest ehrt es, daß er sich nicht in den Gestus des Zynikers flüchtete, sondern im Kleinen mittat diese neue Bundesrepublik mit aufzubauen und daß er trotzdem nicht sich in bloße Affirmation erging. Genau diese Widersprüche sind das Thema seiner Philosophie und in diesem Sinne war Adornos „Dialektik der Aufklärung“ nie eine Antiaufklärung,sondern diente jener als Kritik. Denn nach Kant wissen wir: Allein der kritische Weg ist noch offen.

  32. Dieter Kief schreibt:

    Sie haben die Schwierigkeiten einer totalisierenden Vernunftkritik (Habermas) wie Adorno/Horkheimer sie betrieben haben, in der Tat hinter sich gelassen – indem Sie zu Kant zurückkehren.

    Einwandfrei! (Rolf Miller)

  33. ziggev schreibt:

    @ Dieter Kief: Lesen wir jedoch Kants „Der k r i t i s c h e Weg ist allein noch offen“ im Kontext, der der KdrV, will sagen im erkenntnistheoretischen Zusammenhang und unbenommen, ob seine „Transzendentalphilosophie“ nun eine (auch heute noch) tragbare Konsequenz dieses kritischen Weges ist oder nicht, so stellt sich die Frage, ob durch diesen Verweis auf den berühmten Satz Kants „die Schwierigkeiten einer totalisierenden Vernunftkritik (Habermas) wie Adorno/Horkheimer sie betrieben haben, in der Tat hinter sich gelassen“ worden sein kann.

    Kant ist hier vielleicht tatsächlich ein „Kreuzungspunkt zw. Rationalismus und Empirismus“ (Gerhard Schurz) – aber eben in der (Geschichte der) Erkenntnistheorie. Eher landen wir dann (heute) wieder bei Hume, denn bei einem Habermas-vers.-Adorno/Horkheimer.

  34. Bersarin schreibt:

    Ich sage ja immer, Dieter Kief, besser mt Adorno irren, als mit Habermas Recht behalten. Wenn man dann aber am Ende auch noch mit Adorno recht behält: Um wieviel schöner ist es doch und selig wird einem ums negativ-dialektische Herz. (Wobei ich nichts gegen Habermas habe. Nur ist das, was er macht, in meinen Augen nur bedingt noch Kritische Theorie, wie sie von Horkheimer und Adorno einmal konzipiert war. Andererseits kann man ihm nicht verübeln, daß er nicht denselben Pfad wie Adorno beschreiten mag. Das kann nur Adorno selbst. Und auch aus diesem Grunde, ist er viel zu früh gestorben. Es wäre interessant gewesen, wie er auf Habermas Theorie des kommunikativen Handelns reagiert hätte. Vermutlich, wenn man das sich betrachtet, was Aodnro zur Kommunikation schreibt, nicht besonders erbaut und also abweisend.)

    Das Argument von der totalisierenden Vernunftskritik funktioniert so nicht. Ich habe oben schon einmal im Ansatz gezeigt, wie die „Dialektik der Aufklärung“ zu lesen ist und ich werde, weil sich in 2017 der 70. Jahrestag ihres Erscheinens nähert, dazu in meiner letztes Jahr angefangenen Blogserie noch einiges schreiben.

  35. Dieter Kief schreibt:

    @ ziggev u Bersarin

    Noch wg. des Fundamentums in Germaniam bzw. dem tieferen Bezug zu Rolf Miller, der mir freilich erst so recht im Nachhinein aufgegangen ist, als ich den Namen in diesem Adorno-Zusammenhang bereits hingetippt hatte. Es ist nämlich so, Miller wuchs „effektiv“ neben der Madonnenlandbahn auf – Miltenberg – Amorbach – Walldürn – Sekach – – Linie 784 ist das hier und jetzt, und Millers Vater war auch einmal da (also bei der Bahn da-da: Haargenau im Madonnenländchen, nämlich in Walldürn) beschäftigt und starrte von seinem Büro – „des is awwer hinenaus gonge – do ware üwwerhaupt ke Gleise“ in die Odenwälder Luft hinaus, bis die Bürostunden „erledigt“ (=abgetötet, dk) und der Feierabend herbeigestiert war – – geschafft, hieß das dann um Fümfe, heit hammas widda gschafft! – –

    Als Handreichung zur leichteren Einordnung diene –

    Codex diplomaticus Alemanniae et Burgundiae Trans-Iuranae intra fines Dioecesis Constantiensis ceu fundamentum historiae eiusdem dioecesis]
    Germania Sacra In Provincias Ecclesiasticas Et Dioeceses Distributa.

    Ein Werk aus der Schwarzwälder Buchproduktion Jesuitisch – St. Blasienschen Angedenkens, das die hier abgehandelten Themen folgsam sowohl in himmlische Zusammenhänge einbettet wie heimatlich: – erdet auch (also mit hinneinnimmt in den Vorschein… (bricht ab (Fragment)).

  36. Bersarin schreibt:

    Odenwald, Amorbach: Da darf ich doch gleich mal auf eine Bilderserien aufmerksam machen. Von 2009.

    https://bersarin.wordpress.com/2009/08/26/anwesenheit/

    Und hier noch

    https://bersarin.wordpress.com/2009/08/29/amorbach-–-metaphysisch-theologisches-interieur-1/

    Und weil es so schön war, auch noch Worms, wohin ein Ausflug ging.

    https://bersarin.wordpress.com/2009/09/14/worms-–-exterieure-der-arbeit/

    https://bersarin.wordpress.com/2009/09/06/worms-–-metaphysisch-theologisches-interieur-3/

    Und noch weitere 1000 Photos vom Odenwald, von Heidelberg und von Weinheim schlummern auf meiner Festplatte vom Sommerurlaub 2009.

  37. ziggev schreibt:

    Ihr glaubst gar nicht,wie schwer es ist, in einer überlaufenen Stadt wie Hamburg überhaupt jemanden zu treffen, H. Rowohldt, war breit, Rühmkorff nur noch Pfeife ohne Stupen,- was blieb, waren 1 1 /2 Aldi-Tüten voll von Rowoldt-Taschenbücher voll von A. Schmidt.

  38. ziggev schreibt:

    nee, ich vergaß, es waren Fischer-Ausgaben …

  39. Bersarin schreibt:

    So ist es: Schmidt erschien bei Fischer. Ich mochte diese Ausgaben von der Gestaltung des Covers her lieber als die in den 80ern erschienenen Haffmann-Bände. Obwohl die in ihrer Klarheit und Strenge auch was für sich hatten, anders eben als das 50er Jahre-Design, das es als Retro-Nachdruck zu kaufen gab. Nun ist Schmidt bei Suhrkamp, und es steht zum Kauf die Bildbiographie an, die im letzten Jahr (meine ich) erschien. Eine Besprechung gibt es bei Lustauflesen:

    http://lustauflesen.de/arno-schmidt-bildbiographie/

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