Die „Befreiung“ von Mariupol

Die „Befreiung“ der Stadt sieht so aus, wie unten zu betrachten ist, wenn dann tschetschenische Räuberbanden ins Land einziehen: Man kann sich nun gut vorstellen, weshalb es für die Ukrainer keine gute Idee wäre, zu kapitulieren. Es wartet die Hölle auf diese Menschen. Es warten Folter, Mißhandlungen, Vergewaltigungen von Frauen und Mord. Und sofern die UN nicht umgehend diesen Krieg stoppen, sollte zu überlegen sein, ob nicht eine Koalition der Willigen in den Krieg eingreift. Insofern: Waffen für die Ukraine, Militär für die Ukraine.

„Russia’s „liberation“ of Mariupol looks like this, according to Ramzan Kadyrov’s Telegram channel“

Aus den ZEIT-Ticker:

Russland lehnt Waffenruhe zu Ostern offenbar ab 

„Nach Aussagen des ukrainischen Präsidenten hat Russland den Vorschlag einer Feuerpause über die orthodoxen Osterfeiertage abgelehnt. Das sagte Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. Dies zeige, was der christliche Glaube und einer der fröhlichsten und wichtigsten Feiertage den Führern Russlands gelte, sagte Selenskyj.

„Wir werden aber trotzdem die Hoffnung behalten. Die Hoffnung auf Frieden, die Hoffnung darauf, dass das Leben über den Tod siegt.Wolodymyr Selenskyj“

Zuvor hatte Papst Franziskus zu einer Waffenruhe in der Ukraine aufgerufen. Auch UN-Generalsekretär António Guterres und der Großerzbischof der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche sprachen sich dafür aus.“

Auf Putins Kälte läßt sich nur mit Kälte und das heißt mit Waffen und am Ende auch mit dem Einsatz einer Koalition der Willigen in der Ukraine reagieren, sofern es für die Ukraine brenzlig wird. Dies muß der nächste Pfeil im Köcher des freien Europas und der übrigen freien Welt sein, der Putin trifft. Und wie in Butscha finden sich auch in Mariupol Massengräber mit Zivilisten. Und an dieser Stelle muß dann auch ein Wort zu einem UNO-Einsatz gesagt werden: Solange bei solchen schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie Putin sie verübt, immer wieder die Gegenstimmen einen von der UN gedeckten Militäreinsatz zur Hilfe für die Ukraine verhindern, muß ein anderes Prozedere her. Ohne UN-Mandat. Aber das sind Überlegungen, wie sie nur Juristen anstellen können, die sich im Völkerrecht auskennen. Politisch, aber auch im Sinne einer philosophischen Begründung wäre ein solcher Einsatz im Sinne des Begriffs der Menschenwürde von seiner Begründung her gedeckt. Denn es handelt sich bei Putins Krieg um einen Angriffskrieg. Gäbe es 1939 bereits die UN und hätte man bspw. in der UN Japan, Italien, Ungarn und Rumänien abstimmen lassen, so wäre das Ergebnis ebenfalls zugunsten eines Zusehens ausgefallen. Europa wurde von Hitlers Angriffskrieg nicht durchs Zusehen befreit. Und ähnlich ist es auch im Umgang mit Putin.

10 Gedanken zu „Die „Befreiung“ von Mariupol

  1. Ich frage mich auch, wie man aus der Situation herauskommt. Die Russen drohen schlimme Folgen an für alles was ihnen nicht passt, Waffenlieferungen, Nato-Beitritt von Schweden und Finnland, usw. Wir müssten eine realistische Handlungsperspektive haben, die für Russland schlimme Folgen bedeuten würde. Jetzt mal abgesehen vom Kriegseintritt. man müsste da Fantasie haben.

    Ich selber habe Zivildienst geleistet, aber meine Freunde, die beim Bund waren, haben mir (vor langer Zeit) aus ihrem theoretischen Unterricht berichtet. Da wurden die Waffensysteme von Nato und Warschauer Pakt verglichen, und sie meinten, im Ernstfall wäre das für die Nato wie ein Tontaubenschießen, die russischen Waffen wären drittklassig. Wie wir nun wissen gilt das auch für die Moral der russischen Soldaten und die Qualität der militärischen Führung. Also in einer konventionellen Auseinandersetzung mit der Nato hätte Russland keine Chance.

  2. Tja, das sind schwierige Fragen. Eine einfache Antwort gibt es da nicht. Die Gefahr einer derart schlecht gerüsteten Truppe, was das Konventionelle anbelangt, ist eben, daß ein Land zu Atomwaffen greifen könnte, wenn es sich in die Enge gedrängt fühlt und von vier Seiten die NATO in Rußland steht. Nur ist das eben nicht der Fall. Allerdings: Putins Kinder befinden sich im Tessin. Soviel nur zum Atomkrieg, und es wird der US-Geheimdienst dem blutigen Lurch aus Moskau vielleicht eine Photographie mit den sechs Goebelskindern vom 1. Mai 1945 zugeschickt haben. Diesen Krieg wird keiner überleben. Das wissen auch die Chinesen, das weiß Putin. Politik sollte sich auch nicht den Aggressionen eines Schulhofschlägers beugen. Das alles ist sicherlich auch eine Abwägungssache. Im Augenblick scheint mir ein Atomkrieg unwahrscheinlich. Wichtig ist es die Russen von Boden der Ukraine zu vertreiben – am besten auf den Stand von 2013. Und da sehe ich nicht die Gefahr eines Atomkrieges, sondern eher die eines Abnutzungskrieges, der sich über Jahre hinzieht. Aber all das sind am Ende Spekulationen. Vor einem Jahr hätten nur sehr wenige angenommen, daß Rußland die Ukraine überfällt.

    Vor allem lebt eine Armee durch die Motivation der Truppenteile, was bei der Armee der Russen ganz und gar nicht gegeben ist. Es sind Marodeure, die die geplünderten Gegenstände in ihre Heimat schicken, weil sie zu Hause selbst nichts haben.

    Du kennst diese Rede von Generalmajor Christian Trull vielleicht. Wenn nicht, dann hör sie Dir unbedingt an: es ist mit das bester was ich in den letzten Monaten zur Situation der Bundeswehr gehört habe.

    Die Rede beginnt ab Minute 1. Hör sie Dir ganz an! Solche wie Generalmajor Trull würde ich mir sehr viel mehr bei der Bundeswehr wünschen und am besten im Verteidigungsministerium und nicht diese SPD-Null dort, die mit Stöckelschuhen eine Formation abnimmt. Miltitär ist kein Tuntenball. Hier die Rede

    Und hier ein Auszug:

    „Wir wußten, daß die Welt nicht vollkommen ist und daß es Menschen braucht, die sagen ‚Ich dien!‘ Und dass es nicht mit einem Gehalt getan ist, sondern Einsichten, die denen gegeben sind, die andere Dinge im Herzen und im Kopf haben, als das Offensichtliche und Banale.
    […]
    Dieses Land kann jederzeit vor Herausforderungen stehen, die ein Heer erfordern, deren Soldaten tapfer und ohne Zögern zu den Waffen greifen und helfen und schützen. Alles muß getan werden, um uns auf diese Fälle vorzubereiten. Die Fähigkeit, sie vorherzusagen, ist gleich null.“

    Ein hellsichtiger Satz – 2005 geäußert. Und die Bundeswehr war und ist nicht darauf vorbereitet gewesen.

    Ich habe damals ebenfalls Zivildienst geleistet – das ist lange her und dies waren die 1980er Jahre, eine andere Zeit also. Das würde ich heute, wenn ich 18 wäre und es noch eine Wehrpflicht gäbe, nicht noch einmal machen. Ich würde den Wehrdients ableisten.

    Rußland ist eine Regionalmacht, die sich nicht einfach wird ausschalten lassen, was wesentlich eben an den Atomwaffen dieses Landes liegt. Allerdings kann es eben auch nicht sein, daß der, der am frechsten mit Atomwaffen droht, damit auch durchkommt. Insofern ist es unabdingbar, daß solche Länder wie Iran und Nordkorea niemals in den Besitz solcher Waffen gelangen dürfen.

  3. Das ist halt die Gefahr, dass sich Putin, wen er sieht, dass er den Krieg verliert, dazu entschließt, lieber mit einem großen Knall abzutreten. Ähnlich wie Hutler, der ja auch kurz vor seinem Ende meinte, dass deutsche Volk hätte es nicht verdient, zu überleben.

    Übrigens bin ich grade auf dieses Buch gestoßen und habe angefangen, es zu lesen:
    https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-15436

    Scheint mir zum Thema recht relevant.

  4. Ich hatte Bloodlands auch schon auf dem Zettel und es war auch schon lange vor dem Krieg bei mir auf der Liste. Scheint ein Buch zur Stunde zu sein – wobei es von Historikern teils auch kritisiert wird. Ansonsten zur Ukraine und zum Holodomor durch Stalin auch das Buch von Anne Applebaum: Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine. Auch vor diesem Hintergrund kann man diesen angeblichen Nationalismus der Ukraine etwas besser einordnen.

  5. Vielen Dank, che, das sind ja auch nochmal gute Materialien. Den Text aus „Analyse und Kritik“ hatte ich ja bei Dir und auch hier schonmal verlinkt. Hier einfach noch einmal:

    »In Russland droht ein faschistisches Regime« Der Moskauer Soziologe Greg Yudin über Putins entfesselten Machtapparat und die politischen Motive hinter dem Angriff auf die Ukraine Interview: David Ernesto García Doell, 30. März 2022 | International https://www.akweb.de/politik/greg-yudin-in-russland-droht-ein-faschistisches-regime/?

  6. @willy: “ Da wurden die Waffensysteme von Nato und Warschauer Pakt verglichen, und sie meinten, im Ernstfall wäre das für die Nato wie ein Tontaubenschießen, die russischen Waffen wären drittklassig.“ —– Als wir Zivildienst machten flogen die noch Mig 21 und Su17 und fuhren z.T. noch T 55, die waren dann mit Starfighter und F5 Tiger II bzw. M48 Patton vergleichbar, während der Westen F16 und F15, Abrams und Leo 2 einsetzte. Heute hat sich der technologische Abstand verringert, ein T72 ist mit einem koreanischen K1, ein T80 mit einem Abrams, ein T90 mit einem aktuellen Leo 2 vergleichbar, nur sind die nicht so gut gewartet wie ihre westlichen Pendants. Aus Kostengründen haben die Russen ihre Panzer vielfach nicht bei Uralwagonsawod, sondern durch ihre Bedienungsmannschaften aif den Kasernenhöfen warten lassen, die die so überholt haben wie Iwan Muschik seinen Traktor repariert. Teilweise können die ihre Panzer also nicht feldschlachtmäßig einsetzen, sondern damit lediglich umherfahren. Oder die Reaktivpanzerungen sind verkantet eingesetzt und zerstören bei einem Treffer den eigenen Panzer.

  7. Ist ja schon lange her, kann sich durchaus geändert haben. Jedenfalls werden die Ukrainer in absehbarer Zeit über besserte Ausrüstung verfügen als die Russen.

  8. Das wollen wir sehr hoffen! (Nur eben nicht bei diesem Bundeskanzler und bei dieser entsetzlichen Lambrecht.)

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