Ostermarsch – Nachtrag

Stefan Liebich (Die Linke Berlin, Ex-MdB und Ex-MdA) ist einer der wenigen in der Partei „Die Linke“, der einen richtigen Blick für die aktuelle Lage hinsichtlich Putins Angriffskrieg hat. Am Sonntag schrieb Liebich auf Twitter:

„Als die sandinistische Regierung in Nicaragua gegen die von den USA unterstützten Contras kämpfte und in El Salvador die FMLN die von den USA unterstützte Militärregierung bekämpfte, sagte kein Linker, dass sie damit aufhören sollten, damit schneller „Frieden“ ist.

Große Teile der Linken in Deutschland sammelten sogar Geld für „Waffen für El Salvador“. Heute lese ich, dass die Organisatoren des Berliner Ostermarschs Waffenlieferungen an die #Ukraine und jegliche Sanktionen gegen den Aggressor Russland ablehnen. Why?

Eine Friedensbewegung, die nicht auf der Seite der Angegriffenen, sondern nur auf der jeweils anderen Seite der USA steht, braucht kein Mensch.“

Genau dies war schon vor Wochen mein Argument gegen die Äquidistanzler und jene, deren Hauptfeind die USA sind – egal was ist, egal was geschieht, egal wie die Welt sich wandelt. Ostermärsche in Zeiten von Angriffskriegen müssen völlig anders aussehen. Oder man kann es auch so ausdrücken: die deutsche Friedensbewegung wird der Ukraine nie verzeihen, daß sie angegriffen wurde. So zumindet nehmen sich die Stimmen der Zarenknechts aus und auch derer, die Ostern für den Angriffskrieg marschierten, es nur leider nicht bemerkten. Pazifismus war bei Hitler keine Option, vielmehr wurde Hitler durch die geballte Militärmacht der westlichen Alliierten und durch die sowjetischen Menschenmassen besiegt, ausgerüstet von den USA; Pazifismus war bei Frankos Putsch gegen das demokratische Spanien keine Option und es ist auch für jene Kriegsverbrechen, die Putin und die Russten taten, keine sinnvolle Option. Und keiner weiß, was der blutige Lurch als nächstes tun wird. Abstrakt „Frieden“ und „Nie wieder Krieg“ zu rufen, reicht nicht aus, zumal wenn Täter und Land nicht genannt werden, welche die Ukraine angriffen: nämlich Rußland. Und bei diesem Ostermarsch in Berlin kam es noch deutlich schlimmer: Täter waren da plötzlich die USA. „Die Waffen nieder! – Stoppt den Krieg in der Ukraine! Stoppt das 100-Milliarden-Euro-Aufrüstungsprogramm“ Unverhohlener läßt sich nicht mehr beschwichtigen. Vom Aggressor Rußland kein Wort. „USA raus aus Vietnam“ hieß es 1968. „USA raus aus El Salvador“ hieß es einige Jahre später, und wären die USA in Belarus einmarschiert, hieße es „USA raus aus Belarus“, aber ganz sicher nicht „Die Waffen nieder“, wie auch der entsetzliche Bernd Riexinger bei sich postete. Der Schoß ist fruchtbar noch und Teile der Linken werden leider, trotz Liebich und trotz eines klugen Facebook-Beitrags von Andreas Büttner (Die Linke, Brandenburg, SVV Templin) zur russischen Kriegsschuld und zu der Mär von der NATO-Schuld, den öden Atem russischer Despoten nicht los: von Stalin bis Breschnew.

Eine kluge Linke war niemals pazifistisch, sondern sie wußte, wo es nötig war, mit Waffen zu kämpfen oder solche zu liefern oder für Waffen zu spenden, und es riet damals in den 1960er Jahren dem Vietkong ebenfalls keiner, unbedingt nun bitte aufzugeben angesichts der erheblichen Überlegenheit der US-Army und ob der Opfer, die das kosten würde. Hätte man nicht all die Opfer durch Agent Orange und all die verbrannten Menschen durch Napalm sich sparen können, wenn der Vietkong kapituliert hätte? Keiner dachte so und wer solches ausspräche, dem hätte man im Plenum die Hammelbeine langgezogen. Dies übrigens ist der Aufruf aus der taz vom 3.11.1980 (gefunden bei Deniz Yücel auf Facebook):

PS und Nachtrag, nach dem Russenangriff auf den Donbass: Zeit wird es, SPD-Scholz, auch schwere Waffen an die Ukraine zu liefern! Vielleicht geschieht dies im Geheimen bereits. Wenn aber nicht und wenn da weiter der Kurs Scholzomat gefahren wird, so kann man nur sagen: Schande über die SPD! Die besten Figur der Politik gibt inzwischen Robert Habeck ab. Man wünscht sich ihn als nächsten Bundeskanzler. Nur wird es dann für die Ukraine zu spät sein. Es muß jetzt etwas passieren. Immerhin sind die USA und Großbritanien pfiffig genug.

Und wie sich zeigt, macht der blutige Lurch aus Moskau mit unverminderter Härte weiter. Soviel zur Friedensbewegung und zu der Parole „Frieden schaffen ohne Waffen“.

2 Gedanken zu „Ostermarsch – Nachtrag

  1. Und angesichts solcher Bilder und Berichte aus Tschernihiw von „Waffen nieder“ zu schreiben, ohne die Täter zu nennen, bedeutet am Ende und implizit: sich mit den Tätern, mithin den russischen Angreifern, gemein zu machen.

    Leben in Trümmern: Tschernihiw
    Lesha fährt mit einem Freund in die Vororte von Kiew. Was er dort antrifft, lässt Hass in ihm aufsteigen. Wegschauen kann unser Fotograf trotzdem nicht.
    Von Lesha Berezovskiy (Text und Bilder) und Annette Keller (Bildredaktion und Übersetzung), 18.04.2022
    https://www.republik.ch/2022/04/18/bildkolumne-leben-in-truemmern-tschernihiw?

  2. Und ich verweise hier auch noch auf den Artikel von Sascha Lobo im Spiegel:

    Putins Krieg gegen die Ukraine Der deutsche Lumpen-Pazifismus
    Eine Kolumne von Sascha Lobo
    Ein substanzieller Teil der Friedensbewegung ist in seiner Selbstgerechtigkeit das Beste, was Putin passieren kann. Leider hat er in der Politik und besonders in der SPD mächtige Partner.
    https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/ukraine-krieg-der-deutsche-lumpen-pazifismus-kolumne-a-77ea2788-e80f-4a51-838f-591843da8356?

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