Fescher Feminist im Trachtenkleid und katholisches Muttertier – Don Alphonso und Birgit Kelle in Berlin

Aha, Don Alphonso und Birgit Kelle zusammen auf einer Podiumsdiskussion. Die Karten waren schnell abverkauft, gut also, daß ich bereits am ersten Weihnachtstag, als Kelle den Termin twitterte, mir online was ergatterte. Bei dem despektierlich klingenden Beitragstitel, soviel sei zur Beruhigung gesagt, handelt es sich übrigens um eine, im Fall Kelles ironische Selbstbeschreibung der beiden Kolumnisten – Don Alphonso seit 9 Jahren als legendärer FAZ-Blogger, fesch in Tracht oder Anzug, gedient unter Frank Schirrmacher, und Kelle als Welt- und Buch-Autorin: Gendergaga ist ein zwar verkürzter, aber sehr treffender Buchtitel für den Unsinn, den wir teils im Netzfeminismus erleben: daß ein verrutscher Abend oder eine Bemerkung übers Aussehen etwas anderes sind als sexuelle Übergriffe und sogar Straftaten scheint vielen mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr. Und  das entwertet dann eben auch, im Unkehrschluß, den sexuellen Übergriff – der in Kelles Worten übrigens unabdingbar sanktioniert gehört. Bei diesen Debatten sind manchen inzwischen gehörig sämtliche Koordinaten durcheinandergerüttelt.

Da es am Ende des Abends auch Sekt geben sollte und ich das Auto nicht mit Alkohol fahre, beschloß ich etwas Unübliches zu machen, nämlich abenteuerlustig mit der BVG anzureisen, zumal der Veranstaltungsort nicht weit von meinem Zuhause entfernt liegt. Ich bin lange nicht mehr in Berlin abends mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Und mein Eindruck war nicht der beste. Bereits auf der Hinfahrt zum Kino an der Hardenbergstraße bestätigt sich das, was Don Alphonso übers Reichshauptstadtslum, wie er Berlin leicht despektierlich nennt, schreibt. Roh, häßlich, dreckig. Und eine Vielzahl Armer, Obdachloser, am Bahnhof Schloßstraße ein Heerlager der Armen, die dort campieren. Soziales Elend, frei flottierend. Traurig und erschreckend zugleich für eine Stadt. Man könnte an Baudelaire-Szenen denken, jener Bettler, der geschlagen wurde, eine Szene, die Simon Strauß übrigens in Sieben Nächte aufgreift. Eine Stadt, die einerseits wild und frei sich gibt und giert – das ist meine wohlwollende Interpretation –, andererseits ein Ruin und Ruine.  Je nachdem für welchen Charme man sich entscheidet. Der Don greift solche Aspekete regelmäßig auf. An diesen Stellen ist Armut keineswegs sexy. Und wenn die Stadt nicht  zu tun gewillt ist, so wäre es gut, wenn Bürgersinn sich ausbildete. Den gibt es aber in Berlin nicht. (Fußnote dazu siehen unten)

Aber was brachte der Abend im Saal? Auf dem Podium saß eine recht homogene Gruppe, so kam Disput leider kaum zustande. Den Advocatus diaboli spielte die Moderatorin Rebecca Schönenbach, aber eher halbherzig. Eine junge und bekannte Feministin aus Berlin, die eigentlich den Gegenpart geben und damit eben für die wichtige Diskussion sorgen sollte, hatte abgesagt. In der Gated Community der Berliner Feminstinnenriege, mit zahlungskräftiger Böll-Stiftung im Hintergrund, dürfte es publizistisch den Todesstoß bedeuten, mit Don Alphonso und Birgit Kelle zusammen aufzutreten. Und diese Gleichschaltung im Milieu, bei Binnenabweichung um ein Minimales allerhöchstens, ist ein grundsätzliches Problem dieser Szene. Wie auch im Journalismus einer bestimmten Couleur. Es gibt dann bei bestimmten Zeitungen ganz einfach keinen Schreibplatz mehr. Und wer mit dieser Arbeit sein Geld verdienen muß, der hält halt den Rand, wenn er im grün-roten Milieu nicht Persona non grata sein will und wenn er nicht bei Sezession oder JF schreiben mag. Insofern gibt es, so Don Alphonso, den traurigen Sachzwang, die Füße still zu halten, und kaum ein 25-Jähriger habe, verständlicherweise, so der Don, die Kraft, solche Konflikte auf Dauer durchzustehen. Für ein liberales, für ein bürgerlich-konservatives Milieu ist in diesen Gefilden kaum Platz, so ließe sich die Position sowohl von Kelle wie auch von Don Alphonso zusammenfassen. Einschüchterungen und rigide Szenemoral geben den Ton an.

Wie sehr Vorurteile und der Medienrant einschlägiger Twitterfeminstinnen unser Bild von einem Menschen prägen können, zeigt sich an dem Phänomen Birgit Kelle. Ich erwartete eine Reaktionärin, nahe beim Rechtsradikalen gesiedelt, und bekam eine liberal-konservative, aber wehrhafte Frau geboten, die sich stolz zu ihrem Katholizismus bekannte. Anhand solcher Meinungsmache wie man sie von Wizorek und Konsorten kennt, kann man gut sehen, wie in einer Gesellschaft Trugbilder geprägt werden. Nein, das Kopftuch sei kein Problem, sagte Kelle, wieso auch? Jede Frau müsse das selbst entscheiden, das sei so in einer liberalen Gesellschaft. Aber es müsse genauso das Recht geschützt werden, daß Mädchen es nicht tragen. An Schulen und Unis ist es also beim Lehrpersonal zu verbannen. Es habe ein striktes Neutralitätsgesetz zu gelten. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht im rotrotgrünen Berlin.

Klare Ansage, klare Kante bei Kelle, wie auch sonst bei anderen Themen wie Kriminalität bei Flüchtlingen, die nun einmal da ist. Wenn wir die Probleme, die es mit einigen Flüchtlingen (nicht mit allen, das betonte Kelle ausdrücklich) gibt, nicht benennen, wenn wir so tun, als sei das alles gar nicht das Problem und nur die Idee von Nazis, werden wir weiter den rechten Rand stärken. Auf den Punkt gesagt. Auffällig wenig freilich war Köln das Thema, wie der Titel eigentlich ankündigte: „Zwei Jahre nach Köln: #metoo statt Freiheit für Frauen?“ Das war aber auch gar nicht nötig: Kelle brachte es klar, knapp und deutlich auf den Punkt: es kann nicht angehen, daß in Deutschland Frauen sich Strategien überlegen, welche Wege sie abends meiden, daß Frauen in bestimmten Gegenden Angst haben oder abends in Berlin bestimmte U-Bahnlinien meiden, daß sie anfangen Selbstverteidigungskurse zu belegen, anstatt daß man es umgekehrt macht, nämlich Straftäter radikal zu sanktionieren. Und ich füge hinzu, Kelle sprach nicht davon: sie nach rechtskräftigem Urteil unmittelbar in ihre Heimatländer abzuschieben. Strenge spricht sich herum und klare Regeln sind allemal besser als halbherziges Durchwurschteln.

Instruktiv waren auch die Berichte Don Alphonsos vom Tegernsee und aus Ingolstadt. Teils erschreckend, wenn er vom Aufmarsch Grauer Wölfe berichtet und wie eine Minderzahl von Islamisten in einem Flüchtlingslager den Ramadan mit Prügel durchsetzt. Genauso aber schilderte er, wie in Bayern Integration funktioniert und wie man sie umsetzt. Wer paßt und sich an Regeln hält, bleibt im Ort, und wer Schwierigkeiten macht, Drogen vertickt, grabscht oder anderes Verhaltensauffälliges bewirkt, so merkte der Don süffisant an, wird in den Norden expediert. Kelle ergänzte sachkundig: Wenn falsche Angaben, die Flüchtlinge machen, nicht sanktioniert werden, wie bei jedem anderen Bürger auch, der auf dem Paßamt Unwahrheiten erzählt, so tritt man damit eine unheilvolle Lawine los. Es spricht sich solches nämlich herum. Sollte selbstverständlich sein, ist es leider nicht.

Ebenfalls einleuchtend Kelles Kritik an einem bestimmten linken Milieu, das solche Äußerungen reflexhaft als rechtsradikal labelt. Nach der Sicht dieser Leute müsse dieses Land voll von Nazis sein, so Kelle. Erfrischende und gute Worte. Sätze, die die meisten in diesem Land denken, wenn ich mich umhöre. Die aber selten in Zeitungen stehen. Denn man will ja nichts Falsches schüren. In diesen Kontext paßte auch die Zwischenbemerkung einer Lehrerin, der man ihre Erschütterung ehrlich anmerkte: Daß sie im Kollegium Probleme benenne, die es in bestimmten Klassen gäbe, daß aber regelmäßig abgewiegelt werde und sie von eigenen Kollegen schon als AfD-Nazi beschimpft worden wäre. Solche Episoden kennt vermutlich jeder.

Auch zum Islam in Deutschland hat Kelle eine bedenkenswerte Position: Die These ist falsch, wenn manche behaupten, daß der Islam zu Deutschland gehöre. Vielmehr muß es die Frage sein, ob der Islam zu Deutschland gehören will. Und diese Frage können nur die Muslime selbst klären, niemand sonst. Eine nachgerade aufklärerische Position und eine in den Fragen des Islams tolerante, bekennende Katholikin zudem.

Und auch Don Alphonso erleben wir als besonnenen Gesprächspartner. Die Polemik in seinen Texten müssen wir unterm rhetorischen Aspekt sehen: Debatten zu beleben, zu provozieren und eine Position zuspitzen. Am Dissens arbeiten und Dissens aushalten, so Don Alphonso auf dem Podium, sei doch eigentlich das Geschäft des Kolumnisten und vor allem auch das Wesen einer Demokratie: eine Kultur des Streits zu etablieren und nicht des Gemaules und der Nazi- und Sexismusbezichtungen, wo keine Nazis und Sexisten sind. Symptomatisch zeigte sich dieses Abwägende und bei aller Polemik durchaus Sachliche bei einem Redebeitrag aus dem Publikum. Ein (Krankenhaus)Arzt berichtete von harten Übergriffen im Flüchtlingslager Berlin-Marienfelde, die er zu behandeln hatte, und zwar wiederholt. Frauen, die Opfer männlicher Gewalt waren, Mädchen, die schwere Schnittverletzungen im Genitalbereich aufwiesen, mutmaßlich auch von Flaschen, eine Polizei, die kaum Lust hatte, sich auf längere Zeit mit den Zuständen in diesem Lager zu befassen – Agambens Sentenz zum Lager als Nomos der Erde kommt einem in den Sinn. In den Zeitungen lese man von diesen Dingen nichts, so der Arzt. Ob’s stimmt, weiß ich nicht, man muß solche Berichte mit Vorsicht genießen, man muß sie prüfen. (Daß ein Matthias Meisner vom Tagesspiegel darüber nicht schreibt, verwundert allerdings weniger.)

Don Alphonso reagierte gelassen. Manchmal, so der Don, sei es sinnvoll, nicht jedes Ereignis in Zeitungen in extenso auszuwalzen, weil das eine Stimmung schüre, die für eine Demokratie, für eine Gesellschaft nicht vorteilhaft sei. Und genau an diesem Punkt merken wir den linken Don, den Profi-Journalisten, von denen man sich viele mehr wünscht, den Springer-Kritiker, jenes Denken, das reißerischen BILD-Journalismus verabscheut, aber keineswegs die Kraussche Polemik und den harten Ton scheut. Don Alphonso fürchtet sich nicht anzuecken. Und genau dieser Mut sollte Ethos eines guten Journalisten sein. So dicht bei der Wahrheit wie möglich, also wenig Bild- und B.Z.-Journalismus. Vor allem aber am guten Glauben zu kratzen, am Glauben all derer, die mit dem Heilsversprechen und dem Universalschlüssel auftreten. Ob das nun Marx, Freud, Adorno, Butler oder Feminismus ist. Aufklärung heißt Kritik. Das konnte man an diesem gelungenen, wenn auch ein wenig zu homogenen Abend gut sehen. Linke Gewißheiten in Frage zu stellen, ohne sogleich rechtsaußen auszurutschen.

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Fußnote: Daß Berlin niemals ein ausgeprägtes Bürgertum und überhaupt Bürgersinn entwickeln konnte, wie etwa Hamburg oder München, mit Bürgern, die etwas für ihre Stadt tun, mag in der Geschichte dieser Stadt liegen. Nach dem zweiten Weltkrieg zerrissen und die Industrie samt den Wohlhabenden flüchtete, und eigentlich flohen sie schon vor dem doch frühzeitig beendeten Endsieg – um nämlich den Bombardements zu entkommen und mit der Industrie gingen auch die Bürger. Sie kamen nicht wieder zurück. Bis heute. Und deshalb sieht diese Stadt genau so aus, wie sie aussieht, deshalb ist sie verwahrlost, deshalb gibt es Ecken, wo ich abends nicht gerne spaziere. Deshalb gibt es Orte wie den Görlitzer Park. Es fühlt sich keiner und niemand zuständig. Und es hat auch nicht den Anschein, daß sich dies ändert, schon gar nicht unter einem rot-rot-grünen Senat, für den die Polizei der innere Feind ist. Die Polizei hat lange schon resigniert, so der Don auf dem Podium: aus einschlägigen Polizeikreisen hört man nichts Gutes, es grollt.

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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123 Antworten zu Fescher Feminist im Trachtenkleid und katholisches Muttertier – Don Alphonso und Birgit Kelle in Berlin

  1. lynx schreibt:

    Danke für diesen Bericht, der Hoffnung macht und bestätigt, dass es so etwas wie Bürgersinn noch gibt, wenn auch vielleicht kaum in Berlin. Aber es gibt zumindest Leute, die gewillt sind, daran zu arbeiten, dass der Bürgersinn wieder mehr Relevanz bekommt. Klare Signale aussenden gegen die „Krieger des Lichts“ von rechts und die ewig angepassten Relativierer von links.

  2. Bersarin schreibt:

    Ja, das wäre wichtig. Da der Staat in einem der reichsten Länder der Erde immer weniger gewillt ist, solche Aufgaben zu übernehmen und sich für den öffentlichen Raum zuständig zu fühlen oder für Zustände in Flüchtlingslagern, so müssen wohl die Bürger her. Dinge, über die nachzudenken ist.

  3. Vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht.
    Aber: „es kann nicht angehen, daß in der BRD Frauen sich Strategien überlegen, welche Wege sie abends meiden, daß Frauen in bestimmten Gegenden Angst haben“ -> das haben wir Frauen (und ich gehöre zur selben Generation wie Don Alphonso) schon lange vor Köln getan. Es gibt dazu auch ein Zitat von Victoria Thérame, geb. 1938, in dem sie genau das beschreibt, aber leider kann ich es gerade nicht finden.
    Übrigens, als ich seinerzeit in Frankfurt auf der Oberstufe im Gymnasium war und samstags ausging, kriegte ich immer das Rennrad meines Vaters, damit ich nicht nachts an Haltestellen warten musste und schneller war als potentielle Belästiger. Das Rad gab er mir nicht ohne Grund, aber da war von muslimischen Flüchtlingen noch nicht die Rede.

  4. neumondschein schreibt:

    Nach dem zweiten Weltkrieg zerrissen und die Industrie samt den Wohlhabenden flüchtete, und eigentlich flohen sie schon vor dem doch frühzeitig beendeten Endsieg – um nämlich den Bombardements zu entkommen und mit der Industrie gingen auch die Bürger. Sie kamen nicht wieder zurück. Bis heute.

    Und was ist mit Zehlendorf, Dahlem, Grunewald? Was lebt da? Die Industrie waere in den Westen abgehauen? Was ist mit Siemens, IBM, Telefunken. Kann man deren Domizile nicht noch am Ernst-Reuter-Platz begutachten?

    Ich behaupte, dass es sehr wohl Buergertum in Berlin gibt. Nur dass eben diese Berliner Buerger Penner und Verwahrlosung moegen. Weil sie liberal sind wie die „Zeit“, die im gutbuergerlichen Hamburg erscheint. Ausgerechnet Hamburg und Berlin, zwei protestantische Staedte, haben sich Feministen als Wirkungsstaette ausgesucht!

  5. Bersarin schreibt:

    Das ist richtig. Diese Probleme gibt es nicht erst seit hier muslimische Flüchtlinge leben. Aber leider sind sie durch manche dieser hier Aufgenommenen verstärkt worden. Auch das muß man eben mit dazu sagen. Von solchem Übergriff durch Araber berichtete auch eine mehr als gute Freundin, und zwar lange vor 2015. Ein Übergriff, der mehr war als nur eine dumme Jungsbemerkung oder ein ekelhafter Blick, die beide schon schlimm genug sind, aber eben noch die körperliche Unversehrtheit garantieren. Und leider, so die Beobachtung dieser Frau, kommt das in ihrem Kreis verstärkt von Arabern und nicht von deutschen Männern. Man kann solche Einzelbeobachtungen nicht generalisieren, aber sie zeigen doch mosaikhaft eine (traurige) Szenerie an.

    Ansonsten war der Abend aber sehr gelungen und angenehm. Kein Geschrei und klare Positionen. Etwas mehr Debatte hätte gutgetan.

  6. Bersarin schreibt:

    Neumondschein, beschäftige Dich doch mal mit der Geschichte Berlins: Weshalb wohl gab es eine Berlinzulage? Damit die letzten Firmen bleiben. Simens ist ein Ausnahmen. Alles übrige, der Mittelstand insbesondere, wanderte ab. Durch die Teilung der Stadt tat sich ein übriges und es gab Schwund. Und Grunewald und Dahlem, wo ich relativ nahebei lebe, sind Festungen, die sich gegen die Stadt abschotten und die keinesfalls mit Kreuzberg oder dem Wedding in Berührung kommen wollen.

  7. Dieter Kief schreibt:

    Grazie für die präzise Schnellpost.

    Berliner Polizei. Peter Hahne sagte bei Maischberger, die Mehrheit der Berliner Polizei wähle AfD.
    Laut Thilo Sarrazin, der scheints immer noch gute Verbindungen in die Berliner Verwaltung hat, ist Halal mittlerweile die beliebteste Version des Berliner Gefängnisessens. Sarrazin hatte sogar Zahlen – ich meine deutlich über 50%.
    Es ist cum grano Salis so wie überall auf der Nordhalbkugel. – Cf. die Schwedische Polizei, oder die Dänische Polizei. Oder die schweizerische Polizei. Auch in der Schweiz sind Migranten weit überrepräsentiert in den Gefängnissen. Das interessante an dieser Bevölkerungsgruppe der Polizisten ist, das sie aus der Perspektive der unteren Mittelschicht hautnah miterlebt, wie sich die Gesellschaft auf Geheiß der oberen Mittelschicht und der Oberschicht verändert.

    Soziologisch interessant wäre ein Vergleich des Wahlverhaltens von Gefängnispersonal hie und Polizei da – meine Hypothese wäre, dass das Gefängnispersonal traditioneller wählt als die Polizisten. Vollkommen verrückt ist, dass über diese Dinge im Großen und Ganzen nicht gesprochen wird. – Bzw. dann haut man halt z. B. Sarrazin, als den Boten: „Dass a Ruah is‘, sappradie!“

    Birgit Kelle und Rainer Meyer – das ist ja der häbige Ingolstädter Besitzbürger Rainer Meyer, der da diskutierte – – – und der zusammen mit Birgit Kelle: Das macht zwei Vernünftige. Es wird an der Vernunft viel hängen, die nächsten Jahre. Schade, dass der Moderatorin nichts einfiel. Aber es gibt so viele Leerstellen. Das FAZ-Feuilleton heute morgen ist wieder überwiegend leer, eigentlich komplett leer, einschließlich eines regelrecht blinden Berichts übe die neue Bibliothek auf Teneriffa. – Schwarz und leer – so wie der Weltraum m i t Sternen, by and large – : – Man soll wissen, sagt Kief, mit Hinweis auf Leidel und dessen Bezugnahme auf „Sir James Jeans“, dass der Luftraum über Europa, in dem sich nur drei Gedanken befänden, dichter mit solchen Artefakten bestückt wäre, als der Weltraum mit Sternen, hehe – – – .

    cf – Hans Joachim Leidel „Die drei Wespen des Sir James Jeans“, Gedicht, in „Zuweilen ein Vers, eine Formel“, Gießen, 1986

  8. Bersarin schreibt:

    Ja, es gibt im Zeitungswald solche leeren Tage, die leider keine Lichtungen sind. Ich beobachte dieses Verschlechtern in der „Zeit“, kontinuierlich Leser, seit 1983.

    Die Berichte aus der Polizei lassen nicht gerade erfreut aufhorchen. Auch ich sprach übrigens mit Polizisten, kein Ansatz von AfD, die das alles sehr kritisch sehen und die sich vor allem verheizt fühlen. Stichwort Schießtraining.

    ___________________________

    Neumondschein, selbst bei einfacher Recherche kannst Du hier was zur Abwanderung finden.

    https://www.berlin.de/sen/wirtschaft/wirtschaft/branchen/industrie/berliner-industriegeschichte/artikel.108766.php

    Das Hamburger Bürgertum, ich kennes es zufällig, weil die Stadt meine Heimat ist, setzt sich aus Geschäftsleuten und Pfeffersäcken, wie man die Bürger gerne nennt, zusammen. Da ist ein starker Bezug zur Stadt, zum Hafen vorhanden. Und das liegt nicht bloß an der Zeit, an Stern, Spiegel Springer, die alle ihren Sitz in Hamburg haben.

  9. Bersarin schreibt:

    Kleine Ergänzung noch, lieber Dieter Kief: „Nichts einfiel“ würde ich so nicht sagen, da klang dann mein Text vielleicht etwas härter als es gemeint war. Rebecca Schönenbach gab schon Gegenfeuer, hakte nach. Aber es blieb eben die hart geführte Debatte aus. Eher war ein nettes und auch wichtiges Gespräch unter Menschen, die in ihren Ansichten relativ nahe beieinander liegen. Liberale und offene Bürger einer Gesellschaft eben, wie man sie sich vermehrt wünscht

  10. Dieter Kief schreibt:

    „Die Berichte aus der Polizei lassen nicht gerade erfreut aufhorchen. Auch ich sprach übrigens mit Polizisten, kein Ansatz von AfD.“
    Und: „Der Don auf dem Podium: aus einschlägigen Polizeikreisen hört man nichts Gutes, es grollt.“

    Was Don Alphonso sagt, hörte ich auch selber in den letzten Wochen.

    Und eben Hahne. Mich wunderte an Hahnes Aussage zweierlei: 1) Dass sie keinerlei Protest auslöste – nicht während der Maischberger-Sendung, und auch nicht danach.
    2) Woher Hahne, der ja kein vollkommener Filou ist, die Sicherheit nahm, mit der er seine Überlegungen zum Wahlverhalten der Berliner Polizei vortrug.

    Dann gibt es eine soziologische Studie aus – Brandenburg mein‘ ich, die der Rheinland-Pfälzische SPD-Sekretär Heisterhagen in der FAZ zitiert, und die besagt, dass es bei der Bundestagswahl daselbst so gewesen sei, dass gewerkschaftlich organisierte (!) Beschäftigte des öffentlichen Dienstes häufiger die AfD als die SPD gewählt hätten – das zeigt in Hahnes Richtung.

    Fällt mir ein: Auch Klonovsky machte entsprechende Bemerkungen.

  11. HajomitMajo schreibt:

    Der Don ist schon kein Unrechter.
    Aber wie man es schafft, als vegetarischer Anti-Alkoholiker bei dem (angeblichen) Radpensum so ein Doppelkinn zu schieben…

  12. Bersarin schreibt:

    HajomitMajo, das sind Fragen, die zu klären in diesem Blog kaum der Ort ist und die mich auch nicht interessieren.

  13. Kristin schreibt:

    Danke zunächst für den Bericht – man könnte das auch als betreuenden Journalismus bezeichnen, denn ansonsten müssten wir allein Martin Niewendick von der Welt und seinen „Auslassungen“ (pun…) vertrauen! (Dieser schrieb einen Artikel, ein Bericht war es nicht, über die Veranstaltung.)

    Noch einige Anmerkungen:

    Ich habe gestern nur angedeutet, welche Erlebnisse man als Lehrerin so haben kann, z.B. approbierte Ärzte aus Syrien, Iran usw. im Deutschkurs sagen hören: „Toll, ihr habt 6 Mio. Juden umgebracht! Aber warum denn nicht gleich alle?“ oder „Homosexuelle sind krank. Die sollte man einsperren“ (oder Schlimmeres) – dazu kommen die Kollegen, die mich, bei gleichzeitigem „Gendersensibilitätshintergrund“, als „Nazi“ etc.pp. bezeichnen oder, die andere Variante, munter relativieren oder resignieren.

    Trotz allem: bei dem Bericht des Arztes blieb mir die Spucke weg.
    „Die Flaschen“ dienen übrigens der Kaschierung: „Das Kind hat sich auf eine Flasche gesetzt“. Keine weiteren Fragen. Dazu sagte er, die Polizei überlasse „die Regelung“ „intern“ den Heimbewohnern, die Scharia greife.

    Ich gab gestern außerdem zu bedenken, dass die Analogie von Frau Kelle zu hiesigen, zu erziehenden Kindern und deren Lernfähigkeit sich als fatal erweisen könnte. Sie sagte ja so etwas wie „Unsere Jugend erziehen wir doch auch, auch mit Sanktionen, das klappt doch ganz gut“.
    Selbstverständlich darf es keine doppelten Standards geben, und der Rechtsstaat muss in diesem Sinne aktiv werden, sanktionieren, „ausnahmslos“ – die Gesetze sind ja da, wie man auch als juristischer Laie feststellen kann.
    Aber der Aspekt der abgeschlossenen Sozialisation bleibt bedenkenswert, d.h. ist eine „Umerziehung“, die bei der unübersehbaren kulturellen Differenz zwischen manchen Kulturen nötig wäre, möglich – oder auch wünschenswert? („Erst „importieren“, dann bitte umerziehen“?)
    Auch im Hinblick auf die rasante Re-Islamisierung in den Herkunftsländern dürfen wir nicht blauäugig sein.

    Zu der abwesenden Feministin auf dem Podium:
    Diese Erfahrung mache ich in letzter Zeit öfter, z.B. sagen Damen von der Amadeu-Antonio-Stiftung ab, wenn sie merken, dass sie rhetorisch, argumentativ sowieso, ins Hintertreffen geraten würden. Eine sagte mir ganz ungeniert, ihre Freunde fragen sie vor den Veranstaltungen immer: „Warum tust Du Dir das an?“ – Wohlbemerkt, es geht um Veranstaltungen der oben beschriebenen Art und Güte, also moderat in Ton und Gehalt! Und: diese Damen sehen auch keinen Widerspruch zwischen der regelmäßigen, nonchalanten Verweigerung einer Diskussion und der gleichzeitigen Alimentierung durch die öffentliche Hand – dreist.“

    Außerdem:
    Zitat: „Don Alphonso reagierte gelassen. Manchmal, so der Don, sei es sinnvoll, nicht jedes Ereignis in Zeitungen in extenso auszuwalzen, weil das eine Stimmung schüre, die für eine Demokratie, für eine Gesellschaft nicht vorteilhaft sei.“
    Genau das halte ich für höcht problematisch, außerdem widersprüchlich.
    Oder man müsste „in extenso auswalzen“ vorher definieren.

  14. Dieter Kief schreibt:

    @ HajomitMajo
    DA ist der in Bayern und Bayerisch Franken nicht so seltene Typ des knuffigen Pyknikers – im Vergleich zur Länge eher rund. Hat übrigens Vorteile (ggf. erhebliche! Vorteile), wenn man mit dem Rad (oder auch sonstwie) zu Boden geht.

  15. Partyschreck schreibt:

    Wenn die Polizisten keine Menschen vom anderen Ende der Welt hier haben wollen, dann sollten sie vor allem am besten Parteien wählen, die verhindern, dass deren Kinder mit deutschen Waffen umgebracht werden und deren Häuser in Schutt und Asche zerlegt werden weil wir und unsere Freunde beschlossen haben, dass das das Beste für sie wäre, und Verluste für unsere „gute Sache“ offenbar verkraftbar seinen. Von schmuddeligen Kreuzberger Straßen können die nämlich nur träumen! Hmmmmmm! Ich grübele und grübele… Welche gut bügerliche, konservative Partei setzt sich denn nochmal dafür ein und schwafelt nicht ganz im Gegenteil vom „Verantwortung“ in Form von Kriegseinsätzen im Ausland?

  16. Uli49 schreibt:

    @ Kristin
    zum Thema Umerziehung:
    Ich habe 2 Jahre in Detroit gearbeitet und in Ann Arbor gewohnt, weil dies eine Insel der europäisch-stämmigen Amerikaner ist, mit altehrwürdiger Uni, gepflegten Parkanlagen, Straßencafes und einem eigenen Symphonieorchester. Demnach habe ich in einer Parallelgesellschaft gelebt. Es gab im Umkreis von Detroit natürlich auch Viertel nur für Schwarze, oder nur für Inder oder Pakistanis. Das Kennzeichen eines Einwanderungslandes ist die Existenz von Parallelgesellschaften. Es ist unmenschlich, von den Einwanderern eine Assimilation zu verlangen. Ich habe mich auch gegen die Amerikanisierung gewehrt, habe mein Brot bei einem speziellen Bäcker (Zingerman) gekauft und Lebensmittel in einem Supermarkt, der auf Importe aus Europa spezialisiert war. Damals gab es noch kein Internet. Fernsehen war für mich unerträglich, aber es gab die Radiostationen NPR mit Übertragungen von den Schwetzinger Festspielen. Wenn D ein Einwanderungsland sein will, muß es auch Parallelgesellschaften akzeptieren. Oder wir machen die Grenzen dicht. Alles andere ist unmenschlich und eine Illusion.

  17. Bersarin schreibt:

    Man muß das Problem von zwei Seiten angehen: Einmal muß man sehen, worin die Ursachen für Flucht liegen, und dann muß man sich anschauen, wen man ins Land sich holt. Dabei ist zwischen Asyl- und Einwanderungsrecht zu unterscheiden. Was den ersten Punkt betrifft, so kann es natürlich nicht angehen, daß sich Europa, daß sich die BRD zum Erfüllungsgehilfen von Regime Changes im arabischen Großraum macht. Dennoch wird Europa nichts an der US-Außenpolitik ändern können. Die Flüchtlinge aus dem arabischen Großraum werden alos so oder so kommen. Und da sollten wir sehr genau sehen, wen wir aufnehmen und es sollten von Anfang an ein paar Spielregeln festgelegt werden. Wer die nicht einhält, muß mit Sanktionen rechnen.

    @ Kristin:
    Ihren Wortbeitrag fand ich sehr wichtig. Auch ich frage mich, wieweit bei bestimmten Einstellungen von bestimmten Leuten es noch funktioniert, hier erzieherisch zu wirken. Das ist eine schwierige Frage, und besonders für jemanden, der in der Praxis wirkt. Ich kenne ebenfalls eine Lehrerin, die in diesen Fragen sehr skeptisch ist und Erfahrungen gemacht hat, die unangenehmer Natur waren. Wie also mit solchen Leuten umgehen? Ich denke auch hier, daß die meisten Probleme dadurch entstehen, daß man die Sache schleifen läßt. Ich habe auf Al Quds-Demos (als Beobachter und Photograph versteht sich, nicht als Teilnehmer) mit Leuten geredet, die perfekt deutsch sprachen, die im Grunde gut integriert waren, wie es so schön heißt und die einen derartigen Antisemitismus in sich trugen, daß sie mühlelos Mitglieder des harten Kerns der NSDAP hätten werden können. Was tut man da noch? Ich weiß da kein Patentrezept. Womit wir wieder beim Punkt eins wären. Was den Fall betrifft, den der Arzt schilderte, so muß man, ohne jetzt allzu mißtrauisch zu sein, zunächst recherchieren, da es leider ebenso zahlreiche Falschmeldungen gegeben hat, wo Flüchtlingen Dinge untergeschoben wurden, die sie nie getan hatten, man erinnere sich an diesen Fall: „Die AfD-Fraktion im sächsischen Landtag fragte jüngst nach der vermeintlichen Vertuschung einer Vergewaltigung durch einen Geflüchteten im Maxim-Gorki-Park. Die Antwort der Landesregierung fiel knapp aus: In Sachsen sei kein Maxim-Gorki-Park bekannt.“ (Die Zeit)

    Sofern sich diese Berichte bewahrheiten, muß natürlich darüber berichtet werden, da gebe ich Ihnen recht. Zumal solche Dinge in einer medial derart vernetzten Gesellschaft sowieso irgendwann herauskommen. Da lieber offensiv darüber berichten als nach dem Prinzip „Stille Post“ zu verfahren, das die Sache nur noch schlimmer macht, weil so nämlich Gerüchte entstehen. Vor allem aber müssen die Frauen und Kinder in diesem Lager vor ihren Peinigern geschützt werden. Hier halte ich es, wie in meinem Text geschrieben, mit der Haltung der klaren Kante, der klaren Ansage und ggf. und sofort Sanktionen. Es existieren Gesetze und im Rahmen dieser Gesetze muß unverzüglich reagiert werden. Ich denke, daß in München solche Zustände wie in Marienfelde nicht möglich wären. Das hat in Berlin auch viel mit einer organisierten Verantwortungslosigkeit zu tun. In einer Stadt zu leben, wo man bei einem Termin beim Bezirksamt Monate warten muß, erzeugt Verdruß. Und dagegen hilft auch keine Symbolpolitik von rotrotgrün, indem man Genderklos und sexfreie Werbung verspricht auf Flächen, die vom Bezirksamt vermietet werden. Anderes Thema aber.

    Und noch zu dem Punkt von Uli49:
    Ich würde da unterscheiden zwischen den USA als einem klassischen Einwanderungsland, als einem Land, das durch Einwanderung unterschiedlicher Ethnie gegründet wurde, auch durch die Einführung von schwarzen Sklaven, und dem nicht ganz so klassischen Einwanderungsland Deutschland. Nicht daß es keine Migrationen gab, von den Hugenotten bis zu den Polen im Ruhrpott, aber das gestaltete sich anders. Womit ich beim letzten Aspekt bin: Ganz allgemein gesagt – wir können an dieser Flüchtlingskrise wachsen, weil wir uns in Diskursen und Debatten darüber verständigen müssen, wie wir in einer Gesellschaft bzw. in einer Gemeinschaft leben wollen. Wie Menschen privat leben, ist ihre eigene Sache: woran sie glauben, welche Werte sie teilen usw. Niemand muß Schwule mögen. Es gibt genug Deutsche, die das nicht tun und genauso Muslime, Araber, Inder, was weiß ich. Und ebenfalls gibt es schwule Araber, Inder, Deutsche. Da sollte sich kein Staat einmischen. Wesentlich aber sind ein paar Basics: Das ist zum einen die deutsche Geschichte, zum andern die basale Trennung von Religion und Staat und drittens das Grundgesetz sowie die übrigen Gesetze, insbesondere das StGB. Wer meint, das gelte für ihn nicht, muß erhebliche Probleme bekommen.

    Andererseits ist das bezugslose Nebeneinander verschiedener Ethnien, wie man es in kleinem Rahmen auch in Paris findet, für eine Großstadt einerseits eine pittoreske Sache, andererseits kann es bei bestimmten Gruppen eben auch zu Problemen führen. Diese muß man angehen. In Paris ist das arg aus dem Ruder gelaufen. Insofern würde ich hier für die BRD gar nicht so sehr für ein Entweder-Oder votieren, sondern für eine Politik der klaren Regeln und der strikten Einhaltung von Gesetzen bei gleichzeitiger Sanktionierung.

    Ich denke, all diese Fragen setzen komplizierte Prozesse, Analysen, Debatten voraus. Und wir sollten diese Fragen auf keinen Fall den Neurechten aus Schnellroda oder denen von der AfD überlassen. Das hat die Linke oder Teile derselben, denn ich halte mich in bestimmten Positionen ebenfalls für einen Linken (in anderen wiederum nicht, da bin ich liberal oder auch konservativ), bis heute nicht begriffen.

  18. Kristin schreibt:

    @Uli49
    Gebe Dir Recht, es wäre höchstwahrscheinlich nicht leistbar, ergo nicht vertretbar – wenn die kulturellen Unterschiede so groß sind.
    Daher:
    „gegen die Amerikanisierung gewehrt“ – Hm, warum bist Du dorthin gezogen? Wurdest Du gezwungen? Ich nehme an, Dein Aufenthalt war auch von Anfang an als ein temporärer geplant.
    Davon abgesehen, hättest Du ein Problem für die Gesellschaft dargestellt? Hättest Du Deine Kinder mit Werten aufgezogen, die ihre Freiheit beschnitten oder eine Bedrohung für andere dargestellt hätten? Es geht ja hier nicht um Spleens oder harmlose Traditionen.
    Gibt oder gab es Probleme z.B. mit den chinesischen, koreanischen, indischen … Parallelgesellschaften? Nein, die Zahl der erfolgreichen College-Absolventen, neben anderem, deutet zumindest anderes an.
    Vergleiche dazu die Probleme, die z.B. die USA oder UK haben mit somalischen „communities“.
    Oder vergleiche die Unterschiede zwischen pakistanischen und indischen Einwanderern in UK.
    Zum Begriff Assimilation äußert sich übrigens Ruud Koopmans auch.

  19. Uli49 schreibt:

    @ Kristin,
    Danke für die ausführliche Antwort, Deine Fragen will ich gerne beantworten.
    Ich bin in die USA, weil ich eine neue Stelle und einen Karriereschritt in meinem Spezialfach gesucht habe und General Motors mir ein gutes Angebot machte. Ich wollte das probieren und wenn es mir gefallen hätte, wäre ich in den USA geblieben. General Motors hatte mir angeboten, meine Einbürgerung zu unterstützen. Dieser Auslandsaufenthalt war für meine persönliche Entwicklung ungemein wichtig und hat mir viele Einsichten verschafft. Unter anderem habe ich nach 2 Jahren erkannt, wie sehr ich im Inneren europäisch, wenn nicht sogar deutsch bin. Deshalb bin ich zurückgekehrt.
    Am meisten belastet hat mich diese „diversity“ bei der Arbeit. Ich hatte in meiner Gruppe einen Algerier (Berber), der ein solcher Macho war, daß jede Anweisung von mir einen Machtkampf auslöste. Seine Frau, seit vielen Jahren in den USA, sprach immer noch kein Wort Englisch. Hervorragend war die Zusammenarbeit mit einem Sikh, der zuverlässig mathematische Berechnungen in hoher Qualität machte. Ein anderer Inder dagegen hatte fachlich wenig Ahnung, konnte das aber hinter großer Freundlichkeit verstecken. Auch die Amerikaner mit angelsächsischen Wurzeln können z.B. die Körpersprache und das Lächeln eines Chinesen nicht deuten. Beförderungen erfolgen nur nach Quote. Wenn man deutsche Effizienz gewohnt ist, ist das kaum auszuhalten. Die verschiedenen Ethnien treffen sich nur auf der Arbeit, kommen rein formal und oberflächlich miteinander aus und verschwinden abends dann wieder in ihrer Parallelgesellschaft.
    Wollen wir so etwas auch hier in D haben? Warum gibt es keinerlei Diskussion darüber BEVOR man die Grenzen für Jeden aufmacht?

  20. lynx schreibt:

    Komplett einverstanden. Eine kleine Prononcierung: ich denke, auch wenn wir kein klassisches Einwanderungsland wie die USA sind, können wir uns dennoch ein wesentliches konstituierendes Element dieser reifen (wenn auch in schwierigem Fahrwasser) Demokratie zu eigen machen: den Verfassungspatriotismus. Dass wir den bislang vernachlässigt haben, ist uns vielleicht erst durch diese Krise klar geworden. Wenn die Verfassung mit ihren Rechten und Pflichten im Zentrum steht, dann gibt es eine nicht verhandelbare Basis für alle. Egal woher sie kommen oder wie lange sie schon da sind.

  21. Bersarin schreibt:

    @ lynx: Ich habe mit dem Begriff Patriotismus meine Schwierigkeiten – eine gute Verfassung für eine Errungenschaft zu halten, muß nicht mit Patriotismus korrelieren. Es kann, aber es muß eben nicht. Ich sehe es zwar nicht so viel anders als Du, aber zugleich, und da möchte ich ein wenig Bedenken anmelden, erzeugen trockene Regularien wie eine Verfassung eben nicht die Bindung. Und da sind wir wieder bei dem Konflikt zwischen Kant und Hegel, wo das abstrakte Sollen der Moralität gegen die konkrete Sittlichkeit steht.

  22. lynx schreibt:

    „eine gute Verfassung für eine Errungenschaft zu halten, muß nicht mit Patriotismus korrelieren.“ – korrekt: deshalb würde ich auch nur den zusammengesetzten Begriff gelten lassen. Und noch lieber wäre es mir, wir könnten den Patriotismus-Teil durch etwas Wünschenwertes ersetzen, das ähnlich plakativ und zugkräftig zum Ausdruck bringt, dass es um den Willen zum Zusammenhalt einer Gesellschaft geht.

  23. Bersarin schreibt:

    @ Uli49
    „Warum gibt es keinerlei Diskussion darüber BEVOR man die Grenzen für Jeden aufmacht?“ Weil das komplexe Prozesse sind, bei denen niemand absehen kann, wie sie ausgehen und weil das Dinge sind, die in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich funktionieren. Keiner hat eine Glaskugel. Und was in den USA, einem relativ großen Land mit einer ganz anderen Geschichte, mit einer andern Gesellschaft und Sozialstruktur, so und so abgeht, muß in der BRD nicht genauso sich abspielen. Vom einen läßt sich nicht aufs andere schließen. Weil Sandra nicht den Abwasch macht, muß es nicht so sein, daß Susanne ihn auch nicht macht. Solche Korrelationen sind problematisch. Ich verstehe zwar, worauf Du hinauswillst und diese Probleme muß man auch ansprechen, aber in den Folgerungen sollte man offen sein.

    Was Dein Beispiel betrifft: ich wette, daß es genug Stimmen gibt, die sagen: bei uns hat das ganz anders funktioniert. Man sollte seine eigene Perspektive nicht als allgemeinen Referenzrahmen universalisieren. Ihr Blick kann ganz anders sein als der von X oder Y. Eben das macht eine plurale Gesellschaft aus. Es gibt z.B. Deutsche in diesem Land, mit denen möchte ich nicht mit einem Deut zusammenarbeiten, weil sie borniert sind, weil sie faul sind, weil sie einem Denken anhängen, das nicht offen für Innovation ist. Hier steht also ein Meinen gegen das andere. Aus persönlichen Sichtweisen lassen sich aber keine universalen Regeln ableiten.

  24. Bersarin schreibt:

    ich halte es mit dem Begriff der Heimat, und zwar in einer nicht national aufgeladenen Weise, sondern so wie Brecht es in seiner Kinderhymne schrieb, die ich gerne als Nationalhymne der BRD gehabt hätte. Zu diesem Heimatbegriff paßt im Grunde auch Hegels Konzept von Sittlichkeit. Daß da die verschiedenen Riten, Bräuche und Handlunge eines Volkes eingehen.

  25. lynx schreibt:

    Jetzt bräuchten wir noch den programmatischen Begriff für die „Heimatliebe“ der besser klingt als Verfassungsheimatliebe. Wenn Söder den kennen würde, würde er ihn längst verwenden…

  26. Bersarin schreibt:

    Heimat und Liebe – zwei schöne Begriffe. Man solle beide nicht den Rechten überlassen.

  27. Dieter Kief schreibt:

    @ lynx und Bersarin und Kirsten

    Es ist interessant zu sehen, wie die Diskussion einer Diskussion über Gender-Fragen praktisch automatisch zu einer über Immigration wird.

    Wegen Verfassungspatriotismus (lynx) und so weiter: Das sind praktische Fragen zu allererst – und dann sind es aber auch Fragen alltäglicher Gebräuche und Vollzüge. Es ist richtig, die Verfassung zu betonen in unserem Kontext, aber: Das Recht und der Rechtsstaat und das Leben in einem solchen Rechtsstaat gründen auf Voraussetzungen, die das Recht nicht garantieren kann. Das ist eine alte Einsicht, die Böckenförde wieder flottgemacht hat (cf. Böckenföre dictum). Aber im Grunde wussten das auch die Tübinger Stiftler – und ich meine, Kant wusste es auch. Für den einen oder anderen, den das speziell interessiert: Johann Benjamin Erhard hat diese Dinge die Länge und Breite (und in unnachahmlicher Kompaktheit & Klarheit – da ist er besser als Kant) in Kants Fußstapfen wandelnd auseinandergelegt (in : „Über das Recht es Volkes zu einer Revolution“ – gibts antiquarisch für paar Fennje).

    In die gleiche Kerbe haute unlängst in einem brillanten Essay Bernhard Schlink in der FAZ – und er berührt ein Gebiet, das Uli 49 / um 22:19 sehr schön ausleuchtet, aber das Gebiet wird auch von Kristin ausgeleuchtet. Und das führt auf genau die Überlegungen von Koopmans und Robert Putnam und anderen (Reinhard Merkel – ebenfalls eine ganze Seite, ebenfalls sehr gut geschrieben, vor kurzem in der FAZ): Die Aufnahmegesellschaften sind keine Maschinen, die man beliebig auf Durchsatz trimmen kann: Absorption von Fremdheit fordert ein tragfähiges und intaktes Fundament, so to speak. Hat eine Gesellschaft das nicht (oder nicht in hinreichendem Maße – das genügt leider schon), wird die Fremdheit zur Gefahr f ü r a l l e .

    Die Nerven der Menschen sind eine nur begrenzt ausbeutbare Ressource – sowohl auf der Seite der Migranten, als auch auf der Seite der aufnehmenden Gesellschaft.

    Und noch etwas: Nervlich komplett überforderte Menschen können zu Biestern werden – egal, ob schwarz, oder Gelb oder weiß usw. … Was mit diesem unregulierten Zuzug gemacht wird, ist nicht zuletzt gefährlich.

  28. Bersarin schreibt:

    Well said – das Böckenförde-Diktum kam mir auch in den Sinn. Und ja wir sind an einer Grenze der Überstrapazierung. Die Wohlmeinenden laufen mit eingebauten AfD-Detektoren herum und empören sich über Demonstranten in Cottbus, übersehen aber die komplexe Lage. Klar, da ist eine Melange aus latentem wie auch manifestem Rassismus, aus Angst, Bedrückung, Sorge, Übersteigerung. Viele der linksliberalen Kräfte haben dafür nur Nazi-Rufe übrig oder ihre eingebauten AfD-Detektoren. Nur: es nützt dieses Witterungaufnehmen nichts, die Leute wählen nun erstrecht die AfD-Partei.

    Tübinger Stift, tunken von der Französischen Revolution noch, ist natürlich freilich eine ganz andere Nummer: als die Welt noch in eine Einheit gepackt werden konnte, oder man dies zumindest noch annahm und imaginieren konnte. Das ist heute und in dieser Form, in einer ausdifferenzierten, funktional differenzierten Gesellschaft nicht mehr so ganz einfach: daß die Ideen ästhetisch werden, wie es im Systemprogramm des Idealismus heißt. Es sei denn als reines Projekt der Kunst. Die ja ebenso im Sinne des Böckenförde-Diktums wirkt, nämlich solche Vorraussetzungen zu schaffen. In diesem Sinne müße dann ein radikaler Gesellschaftskritiker insbesondere diese Art von Kunst ablehnen. Sie ist, wie Hegel wußte, an ihrem Ende, da sie die Substantialität, die sie bei den Griechen der Polis noch besaß, nicht mehr stiften konnte. Ende der Stiftung. Kontingenz der Moderne als unvollendetes Projekt oder eben als Post-Moderne.

  29. Dieter Kief schreibt:

    @Partyschreck

    Ich empfehle den wichtigsten Graph der Welt zur Kenntnisnahme – Findet man online auf isteve.com / most important graph of the world.
    Dann sollte man noch wissen, dass es derzeit gut fünfhundert Millionen Auswanderungswillige gibt.
    Sehr gut in diesem Zusammenhang ist Roy Becks Video mit den Gumballs bei youtube.

    Kennen Sie „Versuche über den Unfrieden“ von Enzensberger? Da wird sehr en passant Ihre Denkfigur, dass die Leute aus Afrika weggehen wg. Heckler & Koch und Krauss-Maffei usw. erörtert. – Ich folge Enzensbergers Analyse, dass die Imperialismus-Theorie im Kontext Afrika nicht greift. Ein Grund ist, dass die Handelsvolumina aus Europäischer und zumal aus Afrikanischer Sicht zu vernachlässigen sind, wie Enzensberger auf ein paar Seiten zeigt.
    Siegfried Kohlhammer – einer der ersten, die sich in Sachen Islam in Deutschland zutreffend geäußert haben, hat ein – ebenfalls sehr knappes – Buch über dieses Thema geschrieben, das leider nur noch schwer erhältlich ist – aber man kann es ausleihen – notfalls per Fernleihe – es ist sehr ergiebig und heißt: „Auf Kosten der Dritten Welt?“ und erschien bei Steidl. Das Nachwort stammt von dem übrigens gar nicht unebenen Rupert Neudeck.
    Zu dem Komplex sonst noch Stephen Pinkers Arbeiten über den menschlichen Fortschritt.

  30. kdm schreibt:

    „Aber wie man es schafft, als vegetarischer Anti-Alkoholiker bei dem (angeblichen) Radpensum so ein Doppelkinn zu schieben…“
    Durch gutes Essen, viel Sahne-Soßen an diverse Pasta, auch viel Kuchen und Torten… Seine Texte und die vielen Fotos in seinen Blogs bezeugen das.
    Übrigens war auch der Danisch auf der Veranstaltung und hat in seinem Blog anschließend berichtet. Lesenswert!

  31. kdm schreibt:

    Was soll übrigens die Unterstellung „(angeblich)“?
    Zu den vielen Bergtouren per Rad gibt’s zig Berichte und Fotos.
    Andersrum wird nämlich ein Schuh draus: Wäre er Alkoholiker, hätte er das geistig (: zig tolle Artikel) wie körperlich (: Alpenpässe rauf) nicht geschafft.

  32. Bersarin schreibt:

    So ist es, kdm, zahlreiche Bilder, Texte, Artikel bezeugen dies. Und selbst wenn es nicht so wäre, ist es egal, denn dieser Blog ist nicht dazu da, persönliche Vorlieben zu klären oder ins Privatleben zu intervenieren.

  33. che2001 schreibt:

    @“Berliner Polizei. Peter Hahne sagte bei Maischberger, die Mehrheit der Berliner Polizei wähle AfD.“ —– In den Achtzigern und Neunzigern galten die Republikaner als Polizisten-Partei – allerdings wohlgemerkt nicht als die Partei der Kripo-Kommissare, sondern als die von Schupos und Bepos. In meiner Zeit als Gerichtsreporter habe ich regelmäßig erlebt wie Polizisten nach rechts tendierten, bis hin zu mit Neonazis um Torsten Heise gemeinsam vorgenommener Fälschung von Beweismitteln, um Linke in den Knast zu kriegen. Das Wahlverhalten von Angehörigen des Repressionsapparats ist kein so guter Indikator für Probleme der Sozial- und Asylpolitik.

  34. netbitch schreibt:

    @ — Vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht.
    Aber: „es kann nicht angehen, daß in der BRD Frauen sich Strategien überlegen, welche Wege sie abends meiden, daß Frauen in bestimmten Gegenden Angst haben“ -> das haben wir Frauen (und ich gehöre zur selben Generation wie Don Alphonso) schon lange vor Köln getan. Es gibt dazu auch ein Zitat von Victoria Thérame, geb. 1938, in dem sie genau das beschreibt, aber leider kann ich es gerade nicht finden.
    Übrigens, als ich seinerzeit in Frankfurt auf der Oberstufe im Gymnasium war und samstags ausging, kriegte ich immer das Rennrad meines Vaters, damit ich nicht nachts an Haltestellen warten musste und schneller war als potentielle Belästiger. Das Rad gab er mir nicht ohne Grund, aber da war von muslimischen Flüchtlingen noch nicht die Rede.—-

    Als ich ein Küken war waren die Belästiger überwiegend deutsche Skinheads, Rocker (nein, keine bandenmäßig organisierten Biker, sondern randalierende Motorradprolls in den Zwanzigern) und besoffene Handwerker-Azubis auf dem Heimweg vom Schützenfest, und meine Reaktion darauf bestand in der Anschaffung einer Gaspistole und eines 60cm langen Knüppels aus Teak und darin, Kampfsport zu trainieren. Seither ist meine ewige Parole: Frauen, lernt Karate, oder Kendo oder Boxen. Das Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist nun wirklich nichts, was spezifisch mit Migranten aus islamischen Ländern zusammenhinge. Das heißt nicht, dass davor die Augen verschlossen werden sollten dass es diese gibt, aber es beschränkt sich nicht auf sie. Die Gefahr heißt in erster Linie Mann und nicht in erster Linie Araber oder Nordafrikaner oder Muslim. Als in meiner Lebenswelt ein paar Frauenfeinde aus purem Hass auf offener Straße Lesben zusammenschlugen waren es auch schon mal iranische Männer, eine Kung-Fu-Truppe, die rettend eingriffen. Was nichts damit zu tun hat dass die massivst frauenverachtenden Strukturen in muslimischen Teilgesellschaften nicht kritisiert und angegriffen gehören. Aber die Art und Weise wie das Thema seit der Kölner Domplatte im Mainstream der deutschen Öffentlichkeit thematisiert wird läuft leider auf „Hier spricht das gesunde Volksempfinden“ hinaus, und das hat immer noch die Form einer P38.

  35. Hm, ich möchte kein Polizist sein. Immer mit den negativen Aspekten der Gesellschaft konfrontiert zu werden hinterlässt sicher Spuren. Ich erinnere mich an meinen Zivildienst im Krankenhaus; nach ein paar Monaten hatte ich das Gefühl, die ganze Welt besteht aus kranken alten Leuten und wollte da weg. Bin dann an die Kinderklinik gekommen, was wieder andere Probleme hatte, aber egal.

    Als ich noch bei der SPD war, hatte ich einen Genossen von der Kripo. der erzählte mir schon vor 20 Jahren, dass er jedesmal, wenn er einen Dealer verhaftet (nach seiner Aussage zu 90% Migranten) als Nazi und Rassist beschimpft wird. So entstehen AfD-Wähler.

  36. Dieter Kief schreibt:

    @ El Mocho
    Der CDU-Chef hier war bei der Kripo und was soll ich sagen – unser letztes Gespräch ging um die Frage, wer alles AfD wähle. Er wörtlich: Er kenne jetzt eine Menge Leute, die AfD wählen (er kennt sehr viele Leute – ich vermute, er kennt ein paar Tausend persönlich), und deshalb habe er auch aufgehört zu sagen, das seien alles Blödmänner – oder Frauen (er sagte glaub ich: Alles Idioten und Dummköpfe).

    @ Che2001
    Was will man machen: Es ist wie in El Mochos Krankenhaus – die Realität ist nicht per se freundlich, auch wenn viele das meinen.

  37. Dieter Kief schreibt:

    @ El Mocho et. al. wg. sich verändernder Sitten
    Las gestern, es sei üblich, dass Rettungssanitäter während ihrer Einsätze „in bestimmten Berliner Bezirken“ (Charlottenburg?, Friedenau?) bespuckt werden.
    Ahh – von wem aber auch – – –

  38. Bersarin schreibt:

    @netbitch
    Dein Kommentar ist leider, ich weiß nicht wieso, im Spam-Ordner gelandet. Momentan spinnt Word-Press mal wieder.

    Richtig ist, daß es Gewalt gegen Frauen von Männern aller Schattierungen gibt, richtig ist leider auch, daß mit den Flüchtlingen, Migranten, Asylsuchenden aus den arabischen Regionen weitere Probleme hier einziehen. Darüber muß man in der Tat reden, ohne zu generalisieren. Ich selbst habe von einigen Frauen, freilich immer hinter vorgehaltener Hand, denn die meisten trauen sich das nicht öffentlich zu sagen, weil sonst in bestimmten Kreisen sofort die Keule Rassismus geschwungen wird, sich besorgt über diese Zunahme geäußert. Was die spezifische Sozialisation muslimischer Männer betrifft, vom Antisemitismus ganz zu schweigen (dazu in der Zeit dieser Woche eine sehr abgewogener und sachlicher Bericht von Alexandra Berlin http://www.zeit.de/2018/04/antisemitismus-juden-deutschland-fluechtlinge ) kann man das Buch von Zana Ramadani lesen „Die verschleierte Gefahr“. Denn leider, leider hängt hier viel an der Erziehung. Was bei deutschen Männern in einem langen Prozeß nicht wegtrainiert, aber wenigstens eingedämmt wurde, muß auch hier angegangen werden. Wie gesagt: Am besten ist es, streng und hart die Regeln durchzusetzen und ggf. eben zu sanktionieren. Allerdings bin ich, was diese Dinge betrifft, von verschiedenen Seiten her, nicht besonders optimistisch.

  39. netbitch schreibt:

    Wieso schaltest Du meinen Beitrag nicht frei?

  40. h.z. schreibt:

    @netbitch – Ich bestätige aus eigener Blog-Erfahrung die Aufklärung Bersarins, dass WordPress mitunter „spinnt“. Darauf hat er keinen Einfluss.

  41. Dieter Kief schreibt:

    @netbitch
    Es wäre falsch zu sagen, gewaltsame Anmache von Frauen sei von Arabern oder wem (Nordafrikaner) erfunden worden, völlig klar.

    Es wäre aber auch falsch, die überproportionale Zunahme von Gewalt im öffentlichen Raum, die mit dem ungeregelten Zuzug direkt verknüpft ist, zu beschweigen.

    Necla Kelek beschreibt das ausführlich. Fawzia Zaouari beschreibt das ausführlich. Sie hat auch einen Blog. Douglas Murray erläutert diese Dinge in „Der merkwürdige Tod Europas“, einem sehr aufschlussreichen Buch, besonders was das Beschweigen angeht.

  42. h.z. schreibt:

    @Dieter Kief
    Nach Lage der Dinge existiert „öffentlicher Raum“ nicht mehr. Er wurde verdrängt durch „Wohnzimmer-Privatheit“ in praktisch allen gesellschaftlichen Belangen. Das ist der Kontext, in dem ich über Diskursqualität nachdenke, über Moral im allgemeinen (die doch selbstredend für alle anderen zu gelten hat) und über daraus resultierende Lebensqualität. In einem funktionalen öffentlichen Raum ließen sich ohne Schaden harte Denkbausteine gewinnen für die eigenen Annäherungsversuche an die [noch] nicht erkannte Wirklichkeit. Tatsächlich aber sind Orte wie dieser hier mittlerweile selten werdende Denkoasen.

    Vor diesem Hintergrund beobachte ich mit kritischer Distanz unter anderem die #meetoo-Debatte, bzw. was daraus geformt wurde. Auf die aktuelle Entwicklung der Meinungsbildung seit dem berüchtigten Köln-Silvester achte ich ganz besonders, zumal ich zu völlig anderen Ergebnissen gekommen bin. Mich interessieren zuvörderst Kausalitäten.

    Ihre These also, dass die Zunahme von Gewalt (definieren Sie bitte, was Sie darunter verstanden wissen wollen) im öffentlichen Raum mit ungeregeltem Zuzug direkt verknüpft sei, erlaube ich mir daher zu befragen. Welchen Stellenwert räumen Sie dem sozioökonomischen Status des von Ihnen referenzierten Personenkreises ein? Wie bewerten Sie den Umgang der öffentlichen Verwaltung mit diesem Personenkreis? Welche Narrative betreffend das Gastland sind Ihrer Analyse nach in diesem Personenkreis vorherrschend? Welche Bedeutung messen Sie dem alltäglichen Verhalten der ansässigen Bevölkerung in potenziell gewalttätigen Konfliktsituationen bei, wenn Sie eine Zunahme von Gewalt im öffentlichen Raum beobachten? Halten Sie Formbarkeit menschlichen Verhaltens unter gestalteten Umständen für möglich? Bejahendenfalls, gilt dies für den von Ihnen referenzierten Personenkreis ebenso, wie für die ansässige Bevölkerung? Soweit es die ansässige Bevölkerung betrifft, welche politisch/wirtschaftliche/mediale Entwicklungen in der Vergangenheit erkennen Sie als dafür maßgeblich? (aus den Fragestellungen dürfte meine eigene Position bereits erkennbar hervorleuchten)

    Falls Sie darauf eingehen mögen, will ich Sie aber bitten, auf Verweise zu verzichten. Ich bevorzuge ohne zu zögern Ihre eigene Ansicht, auch wenn es für Sie mit etwas mehr [Schreib]Aufwand verbunden sein mag.

  43. Bersarin schreibt:

    @ Netbitch
    Noch einmal: der Kommentar lag im Spamordner, da gucke ich nicht regelmäßig hinein. Mit dem Spamordner verhält es sich in etwa so wie mit meinem Keller. Meine Frau ist darüber auch nicht so glücklich, daß ich ihr nur einmal in der Woche zu essen bringe und dann auch nur „komme“, um die Fortschritte ihrer Hegellektüre abzufragen. Bei dem wenigen Licht geht es, das muß ich notgedrungen zugeben, nur schleppend voran.
    ____________________

    Was die Gewalt im öffentlichen Raum betrifft, so erwähnte Don Alphonso die Polizeistatistik von Ingolstadt, die er sich als Journalist erbat. Daran ist mit dem Eintreffen von Flüchtlingen ein signifikanter Anstieg von Kriminalität bzw. Gewaltdelikten zu verzeichnen. Ob es sich um eine Kausalität oder nur um eine zufällige Korrelation handelt, kann ich nicht sagen. Man müßte dann dazu sehen, wer welche Straftaten begangen hat.

    Zudem diese Studie von Pfeiffer, Baier, Kliem.

    https://www.zhaw.ch/storage/shared/sozialearbeit/News/gutachten-entwicklung-gewalt-deutschland.pdf

    Für Niedersachsen wurde da in der Zeit zwischen 2014 und 2016 ein Anstieg von Gewaltdelikten vermeldet. Die Zahl polizeilich registrierter Gewalttaten nahm um 10,4 Prozent zu – zu 92,1 Prozent läge dieser Anstieg an Flüchtlingen. Wenn dem so ist, ich habe es nicht geprüft, dann sollten wir darüber sprechen und uns überlegen, was man tun kann. Ich halte es, wie geschrieben, für keine so gute Idee, hier unbegrenzt Leute aus dem arabischen Kulturraum hereinzuholen. Und Leute, die erzählen, sie seien 14 (auch der Kika-Fall ist da lustig) und haben Sackhaare wie ausgewachsene Männer, denen sollte man das nicht unbesehen glauben. Wer nicht nachweisen kann, daß er minderjährig ist, wird als Ü18 oder Ü21 gesetzt, es sei denn, er unterzieht sich einer Altersfeststellung. Daß solche Leute in einer Schule zusammen mit 14-Jährigen, die noch halbe Kinder sind, unterrichtet werden, ist Mißbrauch von Schutzbefohlenen durch den Staat. Es mag eine statistisch zu vernachlässigende Größe sein, ich habe es nicht berechnet, aber die in letzter Zeit angehäuften Fälle, wo angeblich minderjährige Flüchtlinge schwere Straftaten bis hin zum Mord begehen, häufen sich doch. Von Cottbus, über Berlin (Sexmißbrauch einer Vierjährigen) bis hin zu Freiburg und Kandel.

    Entweder wir gehen mit diesen Dingen offensiv um und gehen sie an, indem bei Vergehen eine Politik der harten Hand gefahren wird, die von Sanktionen bis hin zur Rückführung geht – die irakische und die syrische Armee sucht schließlich robuste Männer im wehrfähigen Alter – oder hier in der BRD werden uns bald ein paar Dinge um die Ohren fliegen. In einer Demokratie ist es nämlich so, daß die Leute am Ende ihre Entscheidung in der Wahlkabine treffen.

  44. Partyschreck schreibt:

    Klar, wehrpflichtige „robuste“ Männer haben ihr Leben ja auch zu verschenken…! Das finde ich nun wiederum männer- und altersdiskriminierend, denn diese jungen Männer haben auch nur ein Leben, an dem sie genauso hängen wie du!

  45. Bersarin schreibt:

    Wenn jene jungen Männer daran hängen, sollten sie sich entsprechend hier benehmen und sich an die Gesetze halten. Tun sie es nicht, so sind Maßnahmen geboten. Auch zum Schutz der Einwohner dieses Landes, die ebenfalls an ihrem Leben hängen und für die der Staat eine Schutzpflicht hat. Mein Mitleid mit Messerstechern und Mördern hält sich in Grenzen.

  46. Kristin schreibt:

    netbitch schreibt:
    21. Januar 2018 um 17:11

    „Die Gefahr heißt in erster Linie Mann und nicht in erster Linie Araber oder Nordafrikaner oder Muslim. “
    Hm, bin als Mädchen in den 80/90ern per Anhalter gefahren, auch nachts, auch ins Ausland – Belästigungen? Keine.
    Dagegen höre ich meinen Schülerinnen zu, zum Beispiel erwachsenen Zuwanderinnen aus Irak, Syrien … die, trotz eigens und eiligst in Deutschland aufgezogenem Kopftuch, auf Berliner Straßen belästigt werden, in Frauenhäuser flüchten („Probleme“ mit dem Ehemann..).
    Aber wir sollten vielleicht von Anekdoten weg, und mehr zu den Zahlen kommen: Nicht umsonst krümmen und winden sich heutzutage bei der Vorstellung von Kriminalitätsstatistiken die Innenminister.
    Nur ein Lesetipp:

    – „Taharrush“ googlen
    – Berichte aus Schweden lesen, z.B. https://imgur.com/SBuZeez

  47. che2001 schreibt:

    So viel Zeit muss sein: Taharrush Djamai i oder ägyptisch Taharrush gemai, was beides gemeinschaftlich begangene sexuelle Belästigung bedeutet. Taharrush heißt auf arabisch einfach nur gemeinsam, auf palästinensisch bedeutet es sogar miteinander leben.

  48. Partyschreck schreibt:

    Oh ja, zählen finde ich gut! Ich würde am besten gleich mit der schlimmsten Kategorie anfangen und zwar mit den Getöteten, und dabei speziell, wieviele Tote durch Mithilfe unseres, demokratischen Kulturkreises im muslimischen Ausland gezählt werden (Medikamentenboykotte usw. mitgezählt) und das dann gegen Getötete in unserem Kulturkreis durch wiederum Menschen aus dem anderen, muslimischen Kulturkreis hierzulande gegenrechnen… …Warum hab ich bloß den Eindruck, dass unser Kulturkreis hierbei dann so überhaupt nicht gut dastehen würde…?!?

  49. Partyschreck schreibt:

    Komisch, dafür, dass wir uns selbst so übermenschlich demokratisch, christlich und gesittet wahrnehmen, pflastern aber r e i c h l i c h richtig, echte Leichen unseren Weg…!

  50. Kristin schreibt:

    Partyschreck:

    Das ist also das Trollen. Aha. Ich lerne immer gern dazu.

    „Taharrush heißt auf arabisch einfach nur gemeinsam, auf palästinensisch bedeutet es sogar miteinander leben.“

    Habe einfach, ganz pragmatisch – die Zeit!, abgekürzt.
    So viel Zeit muss aber sein: Palästinenser sprechen auch Arabisch und:
    etymologisch argumentieren immer nur die …. .
    Heutzutage leider oft zu sehen: Ablenkungsmanöver dieser Art.

    Außerdem: Gegenrechnen wollten Sie. Vorsicht aber damit, es kommen schiefe Rechnungen dabei heraus: „Täter hat sich gekränkt gefühlt, sah seine Religion verunglimpft, war von Verzweiflung getrieben, geschürt womöglich durch den „Nahostkonflikt“ oder die „Medikamentenboykotte“ oder die „unmenschliche Altersbestimmung“ usw.usf.. – da musste das Mädel im Drogeriemarkt halt dran glauben.“

  51. Bersarin schreibt:

    Es geht hier, Partyschreck, um Straftaten, die in diesem Land von Leuten verübt werden, die hier Asyl suchten oder einwanderten. Und dazu gehörten auch mehrere Morde. Bitte nicht unterschiedliche Sachebenen vermengen und bitte unterschiedliche Themenfelder, die nur bedingt etwas miteinander zu tun haben, nicht in eines fassen. Gerne kann man über Kriege und allgemeine Gewalt reden. Die sind in diesem Kommentarstrang zu einem doch relativ klar umrissenen innenpolitischen Thema aber nicht gefragt. Und insofern bitte ich alle an dieser Diskussion Beteiligten, sich hier zur Sache zu äußern.

    Im übrigen denke auch ich, daß wir uns auf die Statistiken und auf konkrete Fälle von Kriminalität beschränken sollten und man zudem sehen muß, wie ein Staat das in den Griff bekommt. Wir werden hier ganz sicherlich für diese in den Kommentaren aufgeworfenen Fragen keine Lösungen finden. Gerade Schule und eine bestimmte Form des Islam sind ein großes Problem, das gilt nicht für alle Muslime, und insofern wäre es auch die Aufgabe der gemäßigen Muslime, sich hier zu engagieren. Leute wie Seyran Ates sind hier eine große Hoffnung, ebenso Leute wie Abdel-Hakim Ourghi, der für einen an westliche Verhältnisse angepaßten Islam votiert. Und in diesem Sinne ist auch Birgit Kelles Hinweis wichtig, daß es nicht dir Frage ist, ob der Islam zu Deutschland gehört, sondern ob der Islam zu Deutschland gehören WILL. Und das bedeutet, eine Transformation von Denkprozessen für die, die hier leben möchten. Wer dazu sich nicht in der Lage sieht, ist woanders besser aufgehoben.

    Weiterhin wäre zu hoffen, daß die gegenwärtige Gesellschaft in den Fragen von Kriminalität eine klare Linie gegenüber Straftätern aus dem migrantischen Milieu und unter Flüchtlingen findet, und wir sollten uns gut überlegen, welche Leute aus welchen Kulturkreisen wir hier ins Land lassen wollen. Den meisten Berlinern reichen die arabischen Clans hier, die man nicht mehr los wird, leider. Gut wäre es natürlich, wenn man neben der Innenpolitik einer harten Hand auch die Außenpolitik änderte. Am besten harte Grenzen, keine Unterstützung von Konflikten, Deals mit den intakten arabischen Staaten, daß dort die Flüchtlinge untergebracht werden. Die Berichte jenes Arztes, die Berichte von Kristin und auch einer andern mir bekannten Lehrerin aus dem Schulalltag sind alarmierend und auch, was Melusine Barbey schrieb, fand ich nicht gerade aufmunternd. Darüber müssen wir sprechen. Ansonsten wird dieses Geschäft nämlich demnächst von anderen Leuten besorgt. Und ich fürchte, die gehen nicht besonders zimperlich vor. Gerade um der Migranten willen, die hier in Frieden und friedlich leben wollen, sollten wir mit einer harten Hand auf die reagieren, die das nicht tun.

  52. Kristin schreibt:

    che2001 schreibt:
    22. Januar 2018 um 15:58

    Pardon, eine Verwechslung!

  53. che2001 schreibt:

    @“Palästinenser sprechen auch Arabisch “ —— Stimmt, aber wenn die einem Ägypter gegenüberstehen reden die Englisch mit dem, so verschieden sind die regionalen Varianten dieser Sprache. Eine davon nennt sich Hebräisch, hat allerdings eine andere Schrift. Es hat rein religiöse und ideologische Gründe dass kein Israeli und kein Araber die Sprachen als zusammengehörig betrachtet. Beides moderne Formen des Aramäischen. Marokkanisches, ägyptisches, palästinensisches und irakisches Arabisch sind so weit auseinander wie Flämisch, Mittelhochdeutsch, Tiroler Dialekt und Dänisch.

  54. Partyschreck schreibt:

    Kristin:

    Da ist es mal wieder, das gute, alte, völlig argumentfreie Labeling! Heute „Querfront!“, morgen „Putinversteher!“, übermorgern „linksversiffter Gutmensch!“ und überübermorgen mal wieder der inzwischen schon ganz greise, zottelbärtige „Troll!“vorwurf!

    Und stimmt, da ist „wir töten für die Demokratie indem wir – ganz ohne demokratisch hierfür in anderer Herren Länder voten zu lassen – bastamäßig für diese beschließen, dass sie gefälligst für diesen heren Grund in den Krieg ziehen und leider eben ggf. auch sterben sollen“, natürlich eine ganz, ganz schnurgerade und ehrenvolle Argumentation!

  55. Kristin schreibt:

    Oye che: ich hab Ägypter in der Familie.

    „Stimmt, aber wenn die einem Ägypter gegenüberstehen reden die Englisch mit dem,“
    Nicht zutreffend. Kann ich auch durch meine langjährige Arbeit in Kursen mit Arabischsprechern aus verschiedenen Ländern in keiner Weise bestätigen.

  56. Partyschreck schreibt:

    @Bersarin
    Da hier ja innenpolitisch argumentiert wird, dass das „muslimisch sein“ ansich Menschen offenbar schon zu potentiell gewalttätigeren Menschen machen soll, ist das keine faire Bilanz, wenn man gleichzeitig außer Acht lässt, das unser Kulturkreis es zwar bestens versteht, sich bei sich zu Hause den Anstrich des rührenden Vorbild-Demokraten zu geben, der sogar so kümmernd ist, dass er Toiletten für Menschen baut, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie übermorgen vielleicht das Geschlecht ändern wollen, während er gleichzeitig weit weg von der eigenen Haustür eiskalt an unvorstellbaren Leid, Tod, Obdachlosigkeit und Vertreibung beteiligt ist! Damit hat sich die Rechnung: „Ihr die rückständigen Primitiven und wir die menschlichen Demokaten“ ein für allemal erledigt, weil man sich für seine Argumentation nicht nur den Teil herauspicken kann, in dem man vielleicht noch ganz gut dahsteht. Wenn man schon eine ganze Religion (und eben nicht nur den speziellen Islam von Castrop Rauxel!) herabsetzten möchte, dann muss man auch alle elementaren Gesichtspunkte berücksichtigen!

  57. Bersarin schreibt:

    NOCH EINMAL: Es geht hier nicht um die US-Außenpolitik und nicht um Gewalt im allgemeinen als menschliches Wesensmerkmal, sondern um kriminelle Flüchtlingen in Deutschland und wie wir damit verfahren wollen. Das habe ich hinreichend deutlich geschrieben. Das eine ist die Außenpolitik der USA, an der auch Europa beteiligt ist, und das andere kriminelle Araber aus Syrien, dem Irak, aber auch aus Marokko, Algerien, Tunesien. Länder übrigens, wo kein Krieg herrscht.

    Und das sind dann auch so Berichte, wo ich mich frage, ob hier in Berlin nicht ein Fall von Rechtsbeugung vorliegt, wo man also Strafanzeige gegen eine Staatsanwältin stellen müßte.

    „Missbrauchsvorwurf Ermittlungen gegen 13-jährigen Flüchtling eingestellt
    Eine Berliner Staatsanwältin soll die Altersfeststellung eines tatverdächtigen und angeblich minderjährigen Flüchtlings verhindert haben. In dem Fall geht es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Wie die Bild am Sonntag berichtete, soll ein angeblich 13-Jähriger ein vier Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben. Die Polizei ermittelte. Die zuständige Staatsanwältin stellte das Verfahren ein, weil ein 13-Jähriger als Kind strafunmündig ist.“

    Sofern der Bericht stimmt – man muß immer nachprüfen und schauen, was konkret dahinter steckt, gerade bei Bild-Berichten ist eine gewisse Skepsis angebracht – ist zu sehen, wie man gegen eine solche Staatsanwältin juristisch vorgehen kann. Und es wäre auch zu debattieren, wie man Altersfeststellungen bei Menschen, die sich nicht ausweisen können, festlegt und demnächst verbindlich vorschreibt. Das alles sind Fragen, die wir unabhängig davon klären müssen, wie die Außenpolitik ist. Natürlich kann uns eine veränderte Außenpolitik helfen, daß weniger Menschen flüchten müssen. Aber wie Dieter Kief oben gezeigt hat, entbindet uns das nicht von den konkreten Problemen. Denn Flüchtlinge wird es weiterhin geben.

    https://www.berliner-zeitung.de/berlin/missbrauchsvorwurf-ermittlungen-gegen-13-jaehrigen-fluechtling-eingestellt-29530080

  58. che2001 schreibt:

    So wie geschildert habe ich das auf dem Sinai erlebt. Und in Tunesien hat keiner meine ägyptischen Freunde verstanden. Als ich selbst mein spärliches ägyptisches Arabisch gebrauchte lachten die und sagten das wäre zwar abgesehen von der Lautverschiebung – Dsch wird als G gesprochen – korrekt aber so würde kein Mensch reden, das wäre ein Sprachgebrauch wie aus Jahrhunderte alten Büchern.

  59. Partyschreck schreibt:

    @Bersarin Dann würde ich aber eben auch nur über die Flüchtlingsproblematik hierzulande reden, und die Glaubensfrage dabei dann konsequenter Weise auch ganz außer acht lassen, weil sich eine Weltreligion nicht an unseren örtlichen Kriminalitätsproblemen messen läßt!

  60. Bersarin schreibt:

    „dass das „muslimisch sein“ ansich Menschen offenbar schon zu potentiell gewalttätigeren Menschen machen soll,“ Wer schrieb das wo? Hier geht es um Kriminelle, die aus einem bestimmten Kulturkreis kommen. Wieweit die islamische Kultur solches Verhalten bestimmt, ist eine sekundäre Frage und dazu müßte man sich dann mal die Statistiken anschauen, wieweit es Korrelationen gibt, etwa bei Arabern und bei Vietnamesen. Das sind komplexe Dinge. Allerdings hat Kriminalität natürlich nicht pe se mit Religionszugehörigkeit zu tun, denn es gibt hier genug Muslime, die ihre Landleute verfluchen und sich darüber aufregen und ärgern. Weil es nämlich dann zum Pauschalverdacht führt. Und aus genau diesem Grunde schrieb ich auch: „Gerade um der Migranten willen, die hier in Frieden und friedlich leben wollen, sollten wir mit einer harten Hand auf die reagieren, die das nicht tun.“

    Noch etwas anderes ist das Frauen-und das Judenbild, das Teile der männlichen und auch der weiblichen Muslime mitbringen – und es an ihre Kinder weitergeben. Auch darüber wird zu sprechen sein. Gerne kann man das auch bei Deutschen machen. Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die einen leben bereits hier und wir müssen sie wohl oder übel aushalten, die anderen wollen hier leben und wir können darüber entscheiden, ob wir diese Leute hierhaben wollen oder nicht.

  61. Partyschreck, deine Einwürfe sind lächerlich. Glaubst du, es würde weniger Muslime geben, die nach Europa kommen wollen, wenn Deutschland keine Waffen exportieren würde? Du übernimmst einfach die islamistische Propaganda, nach der der Westen für alles Über der Welt verantwortlich ist.

    Dieser Musiker hingegen hat das wesentliche erkannt: „“They want to come and live right where you live and they think that you’re evil. “

    https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4380365,00.html

  62. Bersarin schreibt:

    Na ja, El_Mocho, DIE Muslime würde ich nun nicht sagen, man muß sich die Sache schon individuell genau angucken. Die Gründe für Migration sind vielfältig. Für Verfolgte haben wir ein Asylrecht, dieses gilt ohne Quote uneingeschränkt, und was wir brauchen, ist ein Einwanderungsgesetz, das tragfähig ist. Und es solle zudem klar sein, daß, wer hierher will, sich an bestimmte Grundprinzipien zu halten hat. Zum Rest habe ich oben geschrieben.

  63. Partyschreck schreibt:

    @El mocho Doch, ich glaube tatsächlich, dass es beispielsweise viele Syrer gibt, die liebend gerne in ihren inzwischen vollkommen zerstörten Städten geblieben wären, noch alle ihre Familienmitglieder lebend um wissen würden und n i c h t davon geträumt haben, uns endlich, endlich unseren deutschen Reichtum streitig zu machen, in den unsereins rein zufällig hineingeboren ist! …Und syrische Waffen kamen in diesem Krieg wahrscheinlich nicht sehr viele zum Einsatz!

  64. Dieter Kief schreibt:

    @ Bersarin wg. Rechtsstaats- und substantieller Sittlichkeits-Problematik weiter oben und Lyotard und Partyschreck

    Das Skelett des bürgerlichen Staates, wie es erstmals ein deutscher Gesellschafts-Anatom (=Hegeln) vor unser aller inneres Auge brachte – tatatattaaaa – – :

    § 185 Rechtsphilosophie

    Die bürgerliche Gesellschaft enthält die drei Momente:

    A. Die Vermittlung des Bedürfnisses und die Befriedigung des Einzelnen durch seine Arbeit und durch die Arbeit und Befriedigung der Bedürfnisse aller Übrigen, – das System der Bedürfnisse.

    B. Die Wirklichkeit des darin enthaltenen Allgemeinen der Freiheit, der Schutz des Eigentums durch die Rechtspflege.

    C. Die Vorsorge gegen die in jenen Systemen zurückbleibende Zufälligkeit und die Besorgung des besonderen Interesses als eines Gemeinsamen, durch die Polizei und Korporation.

    Das Rechtsstaats- und Verfassungspatriotismus-Thema habermas’schen Angedenkens mit Anleihen bei Böckenförde und Sternberger wird schon von Schlink und Merkel (ohh – Reinhard, bitte – Reinhard Merkel) in ihren jüngsten FAZ-Artikeln und bei di Fabio ebd. gnadenlos geerdet – und damit – wir leben in modernen, das heißt in komplexen, von vielerlei Subsystemen bestimmten Gesellschaften, u n d d e s h a l b ist Anschlussfähigkeit unverzichtbar – –

    – – wenn die Subsysteme n i c h t anschlussfähig gehalten werden, leben wir im postmodernen Windkanal, und wissen aber nicht mehr, woher dieser Wind weht. Das macht schon auch Spaß (Loytard…), funktioniert aber n u r n e g a t i v , nur als Abrissunternehmen. – – Alles verliert sich in Einwänden und Einzelheiten und hie und da – besonders tricky: Sogar im Gesamtzusammenhang (eine Falle, in die nicht nur Partyschreck gerne tappt, sondern eine Falle, die – sehr ironisch und sehr cool, Schelling bereits klipp und klar vor Augen stand – armer Partyschreck – hoffentlich verschreckt i h n (das ist doch ein „er“, ist es nicht) – bon :Hoffentlich erschrecken diese Dinge jetzt nicht ihn auch noch – oder: Bon – bon , um im Jargon der Kinderschänder jeglichen Geschlechts (dochdoch: Es gibt auch weibliche Kinderschänder) gut – ah: – – Man muss also (muss, seufz) – sozusagen regelmäßig (seufz, seufz) n a c h d e r P u b e r t ä t , wenn man nicht zum lebenslangen Gefangenen des ödipalen Felds werden will – – – : M u s s man auf Anschlussfähigkeit und damit auf diskursive Binnen – u n d Interdependenzen-Logik achten; und deswegen sind Leute, die das können, wie eben di Fabio, Schlink und R. Merkel so wichtig: – –

    – – Schlink und Merkel haben mit ihren Aufsätzen den Rechtsstaatsdiskurs für die Soziologie und die Sozialpsychologie und die Theologie und die Kunst ja auch und: so weiter! – – anschlussfähig gemacht.

    Daher kann man nun, ohne den Verstand zu verlieren (cf. – „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“ – ganz gutes Buch von Hubert Schleichert, den ich heut morgen an der Bushaltestelle sah): – also: Ohne den Verstand zu verlieren oder die Übersicht, – – – soll man des weiteren – – werben für die Einsichten der Soziologen und Politologen (Douglas und Charles Murray) und Sozialpsychologen (Herrnstein) (Haidt) usw., auch der Theologen (Spaemann hat Substantielles zu diesem Themenkomplex beizutragen – auch Richard Schröder! – komisch, dass immer die Theologen fehlen… – nein: KG Eckhardt hat nichts Substantielles beizutragen – und nein: Sie ist keine Theologin, sie firmiert nur manchmal als solche – sie ist einfach ein Laienmitglied im Kirchenvorstand).

    Und das ist eine wirkliche zivilisatorische und intellektuelle Tat, die Schlink und Merkel da vollbringen. Was die Tübinger Stiftler, von denen wir es oben bereits hatten – allen voran Hölderlin, einfach spürten – wirklich im Blut hatten, und in den Fingerspitzen usw.: Diese Verbundenheit von Sittlichkeit und Räsonnement (die sind sozusagen innerlich (und: notwendig) verschränkt) – das spürten die – sie konntens nur noch nicht so recht ausbuchstabieren, auch Hegeln – aber geahnt haben sie es ganz sicher.

    Schiller und Erhard, zwei Kantianer, h a b e n das aber als erste korrekt ausbuchstabiert – und zwar in einer bis heute gültigen Form, wie ich finde. Erhard hab‘ ich oben schon genannt, Schiller in den Briefen zur ästhetischen Erziehung, die – ein letztes Mal für diesmal: Habermas, ne, ganz zutreffend einordnet in den Philosophischen Diskurs der Moderne (da fehlt mir immer öfter entschieden ein Akronym: in Habermas‘ DiMo? In Habermas‘ PhiDiMo)?
    – Also: einordnet in den philosophischen Diskurs der Moderne, sagte ich – und woher sonst wüsste ich auch gar, wovon ich es hier habe, ne?

  65. Kristin schreibt:

    che2001 schreibt:
    22. Januar 2018 um 17:29

    Nach meiner Erfahrung hängt alles mit dem Bildungsgrad zusammen.
    In der Regel können Arabischsprecher, die auch (gut) Englisch sprechen, sowohl mit Hocharabisch/Standard als auch den jeweiligen regionalen Varietäten umgehen bzw. sie sprechen.

    Ägyptischer Dialekt klingt zwar anders, ist aber auch verständlich für andere Arabischsprecher. Ägypten war jahrzehntelang kultureller Vorreiter was Film, Literatur und Musik angeht.
    Ein entdeckenswerter Filmemacher ist übrigens Youssef Chahine, der seit den 50ern Filme zu kontroversen Themen machte.
    Tunesien = Maghreb, andere regionale Varietäten des Arabischen
    „aus Jahrhunderte alten Büchern“ = höchstwahrscheinlich (?) der Koran

  66. Kristin schreibt:

    che2001 schrieb:
    22. Januar 2018 um 17:05

    „so verschieden sind die regionalen Varianten dieser Sprache [Arabisch]. Eine davon nennt sich Hebräisch, hat allerdings eine andere Schrift.“

    Ich weiß, ich verstoße jetzt wohl gegen sämtliche Regeln (Bersarin, nur noch einmal…).
    Das ist vielleicht auch nur so schnell dahin geschrieben gewesen… Hebräisch und Arabisch gehören zu einer Sprachfamilie, ja, aber Hebräisch ist nicht „eine Variante“ des Arabischen.

  67. che2001 schreibt:

    @“Tunesien = Maghreb, andere regionale Varietäten des Arabischen
    „aus Jahrhunderte alten Büchern“ = höchstwahrscheinlich (?) der Koran“ —– Nö. Das bezog sich auf Redewendungen wie z.B. „Sabah i germael“ (höflicher Gruß im Ägyptischen) oder die Antwort „Queies, tschukran“ (Gut, danke) auf „Sajak?“ (Wie geht´s?) im Ägyptischen und ähnliche Alltagsfloskeln die ich in Ägypten als Normalsprech erlebte, über die mir Leute in Tunesien sagte dass sie solche Redewendungen aus Büchern aus osmanischer Zeit kennen würden, so aber heute niemand reden würde.

  68. che2001 schreibt:

    Osmanische Zeit heißt hier: Die Zeit der Beys, als Tunesien nominell zum Osmanischen Reich gehörte, vor der Franzosenzeit.

  69. Bersarin schreibt:

    So ist es, Dieter Kief. Der Verweis auf Hegel ist da ganz und gar passend und auf den Punkt, sozusagen die erste Staatstheorie der modernen bürgerlichen, komplexen Gesellschaft, nämlich die Vermittlung von Individual- und Kollektivinteressen. Auch was Sie zum postmodernen Spiel schreiben, teile ich. Es funktioniert ex negativo. Freilich kann ja auch die Kritik etwas sein, was Gesellschaft konstituiert. „Allein der kritische Weg ist noch offen“ wie Kant wußte, zumindest im Hinblick auf Metaphysik und Erkenntnistheorie. Und mutatis mutandis gilt das auch für die Gesellschaft. Ich sag ja immer: Hegel, Adorno, Habermas und Luhmann. Und gucken wir mal, was das Marx-Jahr Gutes noch bringt.

  70. @ Partyschreck: Ich glaube grundsätzlich nicht an uneigennützige Motive, wo ich auch eigennützige erkennen kann. Übrigens ist der Reichtum westlicher Gesellschaften eben nicht vom Himmel gefallen sondern Ergebnis ganz besonderer historischer Entwicklungen, Und natürlich auch günstiger natürlicher Bedingungen.

    @Che Du hast da sicher recht, dass Hebräisch und Arabisch der gleichen Sprachfamilie angehören. Muslime weisen aber gelegentlich darauf hin, dass sie als selber Semiten keine Antisemiten sein können, als wenn die Ähnlichkeit der Sprachen den Judenhass der Muslime relativieren würde.

  71. Dieter Kief schreibt:

    Bersarin, da Sie Kant auslassen, fahre ich heir noch ein bisschen mit ihm fort:

    Johann Benjamin Erhard hat’s in Kants Fußstapfen wie gesagt, ziemlich klar ausbuchstabiert, aber der wurde damals kaum gelesen und noch weniger verstanden: „Der Grund eines Rechts an sich kann niemals in der Wissenschaft der Rechte gefunden, sondern muss in der Moral gesucht werden.“ (op. cit. S. 67).

    Ich hab‘ nicht viel gegen Klonovsky und auch nicht gegen Sieferle und Bockelmann usw., solange die schön friedlich und demokratisch an der Verbesserung des Landes arbeite(te)n. Wie schon mal gesagt: Selbst Elsässern bin ich noch bereit zu verteidigen, sobald der Mob ihm droht. Obwohl Elsässer früher selbst mit dem Mob drohte… – aber das war, als er noch linksrevolutionär gesonnen war, ne.

    Der Mob droht ja auch Meyer/Alphonso. Der sagt dann, dass er unter lauter gefährlichen Leuten wohnt, mit Traktoren und Sensen usw. – und dass auch ihn ein ganz furchtbarer Zorn ankommen kann, und dass es deshalb nicht ratsam sei, sich ihm und/oder seinem Hab und Gut in feindlicher Absicht zu nähern, …hat bisher ganz gut funktioniert.

    – Besser als bei Baberowski, den sie in der Humboldt Universität einfach hängen ließen. Sogar Rainer Forst wird gestern in der FAZ in einer Weise im Zusammenhang solcher PC-Dinge zitiert, die wenigstens entfernt an Kant erinnerte (er firmiert ja als Kantianer, und soll sich das wirklich gesagt sein lassen: Wenn wer mit roher Gewalt gegen iReSi (=im rechtsstaatlichen Sinne) okei-ene Argumente vorgeht, wie das bei Barberowski zweifelsfrei der Fall ist, der hat entschieden nicht nur Erhardt, sondern auch dessen Lehrmeister, den großen Immanuel Kant gegen sich! Forst: Merk er sich das, und trete er entsprechend deutlich auf – und verhuschtes Lehr-Personal an der Humboldt-Uni: Dito!

    (Den großen Immanuel Kant hat übrigens auch gegen sich, wer einfach Fremde hierher einlädt, und sie dann auf Kosten der Allgemeinheit von ihrer Pflicht zur Selbstsorge entledigt.

    Gut merken: Kant spricht von der Pflicht zur Selbstsorge – ok!?).

    Ich schließe mit Kant: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.“

    Conclusio: Die Freiheit ist ein scheues Wild. Dessen Wohlergehen wurzelt aber nicht, wie beim wirklichen Wild, in der Potenz der Naturkräfte allein, sondern entschieden in einer bestimmten Form (=Ausprägung) der zivilisatorischen Gestalt.

    Diese je besondere (!) zivilisatorische Gestalt zu fördern und zu pflegen – nicht zuletzt in uns selbst, – sind wir in der bürgerlichen Gesellschaft alle aufgerufen. Wer sich derlei verschließt, wird, egal worauf er sich beruft, scheitern. – Yep: Auch das Scheitern ist Teil des bürgerlichen Lebens, und kein Sozialstaat je kann einem Bewohner/ einer Bewohnerin desselben diese Bürde nehmen; und er soll es auch nicht.

  72. Bersarin schreibt:

    „Der Grund eines Rechts an sich kann niemals in der Wissenschaft der Rechte gefunden, sondern muss in der Moral gesucht werden.“ Nein, sondern in der Sittlichkeit, in den Sitten und Gebräuchen einer Gemeinschaft. In der Wissenschaft kann der Grund des Rechts nicht liegen, Wissenschaften untersuchen Gegenstände, so wie die Jurisprudenz einerseits die Kenntnis und andererseits die Auslegung des Rechts lehrt. Moral ist eine komplexe und plurale Angelegenheit. Auch sie kann nur bedingt Basis des Rechts sein. Zumindest bin ich in diesen Fragen sehr spektisch.

    Was die Pflicht zur Selbstsorge betrifft, so muß man zunächst schauen, in welchem Kontext Kant diese Sätze schreibt: Geht es um den Verstandes- bzw. Vernunftsgebrauch, geht es um ökonomische Aspekte? Ganz allgemein gedacht kann das natürlich auch heißen, über den Begriff der Arbeit nachzudenken.

    Was die differenten Positionen in einem Rechtsstaat betrifft: So müssen wir eben zwischen Sieferle, Kubitschek, Christian Klar und Inge Viett all diese Positionen aushalten, solange das im Rahmen bestehender Gesetze erfolgt. Heute erst wieder auf Kulturzeit ein Bericht über die Universitäten, die immer mehr unter der Fuchtel einer Minderheit geraten, die ihre politische Agenda der Korrektheit zum Maßstab nimmt, was bedeutet, daß mißliebige Positionen nicht akademisch kritisiert werden, wie es sich gehört, sondern denunziert und ausgeladen werden.

    Mittlerweile scheint es mir angeraten, gegen dieses PC-Ding genausoviel Widerstand zu mobilisieren wie gegen Rechtsextremisten. Wenn nicht sogar mehr, denn hier wird massiv, durch kulturelle Hegemonie das Denken beeinflußt. Leider bleibt die Mehrheit der Studenten hier viel zu ruhig. Anstatt jene Störer und Saboteure der öffentlichen Debatten des Campus zu verweisen: Wer anderen das Recht auf Rede nimmt, hat es für sich selbst verwirkt.

  73. Dieter Kief schreibt:

    @ bersarin wg. Moral und Sitten

    Ok – Sitten – Erhard würde Ihnen da nicht widersprochen haben, weil er – mit Kant, davon ausging, dass die Sitten und die Moral gleichursprünglich seien – nur hatte er diese Begrifflichkeit noch nicht zur Verfügung.

    Ich meine an dieser Stelle sagen zu dürfen: Kein Stoff recht eigentlich besehen, zum Dissens; Wichtig bleibt die Verschränkung von Rechtswissenschaft und Lebenswelt, die Erhard in perfekter Manier gelungen ist, und die Habermas ihm in FuG nachgebaut hat, ohne Erhard Erwähnung zu tun – und die jetzt z. B. Schlink, aber auch di Fabio und Merkel ausbuchstabieren – – – und – – – -kann sein, ich liege falsch, das spielt auch gar keine so große Rolle: Aber es scheint mir kein Zufall zu sein, dass alle, die anerkennen, dass das Recht die allüberall prätendierte (!!!) Funktion (gerade gestern wieder Kubicki in der FAZ im Gespräch mit Gauland), eine S p e r r e gegen die Zurückdämmung des unregulierten Zuzugs zu sein, n i c h t hergibt: Das ist der entscheidende Konsens so respektabler Geister wie Merkel, Schlink und di Fabio – die dennoch außen vor gehalten werden… Merkwürdisch, wooo, so mancher Haas langlööpt – – – –

    Nochwas: – eh?

    Ahh – ja: Zu diesem Thema PC grad‘ beim „Spectator“ eine fulminante Artikelserie angesichts Jordan B. Petersons englischen Gastspiel von Douglas Murray.

    Murray hat die Sachlage wg. PC „in echt“ (meine Nichte Sophia, 5 Jahre, sehr süß) kapiert.
    Und Peterson ist einfach überwältigend – ich hab‘ Stationen seines Kampfes schon verschiedentlich – auch hier – angesprochen: Er ist mutig und er kämpft full frontal und unter erheblicehm persönlichem Risiko gegen PC – und er kann auch kämpfen. Und ein wenig von diesem Geist fordere ich auch von solchen Leuten wie Forst – und ein ganz klein bisschen hat er diesem kantschen Geist letzte Woche in Frankfurt auch tatsächlich entsprochen, aber erst mal nur ein bisschen.

    Und die anderen Tranfunzeln sind aufgerufen, das jetzt endlich, endlich auch zu tun – auch mit persönlichem Risiko, bitte, oder wenigstens – aber das allerwenigstens: Persönlichem Einsatz!

    – – – wenn Berlin auch nur ein wenig noch intellektuelles Feuer hat, dann müssten dort doch ein paar Köpfe in den Fußspuren Petersons zu wandeln sich bereitfinden, müssten sie nicht? – Und wieso wird das nicht öffentlich erörtert? – Es gäbe mit Sicherheit ein Publikum – cf. Kelle/Meyer!

    Hier in KN freilich schläft alles sanft, ganz sanft, und die Heroen des potentiellen Diskurses fliegen lieber zum Forschungssemester nach Havard – und gleich anschließend in den Ngoro-Ngoro-Krater zu weitern Forschungen und dann nach Ougadogu un dSt. Petersburg usw. – – -na: Usw., usw. – – – die Welt ist schließlich groß.

    Schade.

    Bzw.: Toll – Petersons Londoner Empfang letzte Woche war nicht anders zu bezeichnen als – – – triumphal. – Und alles voller junger Leute, noch dazu!

    (Wann wäre das überhaupt zum letzen Mal einem Psychologen passiert? – Fromm in Deutschland, ca. 1975 ff. – könnte man ungefähr vergleichen – aber nur ungefähr. Sonst müsste ich passen).

    Und klar: Der hiesige Mainstream sagt nichts!! – keine müde Zeile – über Petersons Londoner Empfang. Und auch sonst kaum was über Peterson.

    Dabei ist das ziemlich blamable Interview, das die BBC-Frontfrau Kathy Newman mit Peterson geführt hat, mittlerweile immerhin weltweit ein Thema. – Nur nicht hier…

    Irrsinnigerweise wurde Newman wohl nach dem Interview mit Todesdrohungen verfolgt. Und die BBC sagt nicht wer das war. Und es gibt nun die Vermutung, das könnten Genderistas und Linke gewesen sein, denen es nicht passte, dass Newman, die alles versuchte, um Peterson als Frauenfeind dastehen zu lassen, ü b e r h a u p t mit diesem Gottseibeiuns der „braunen Welle“ (Schulz), die gerade über die Welt fegt, gesprochen hat.

    (Immerhin hat die US Mainstream-Postille Chronicle for Higher Education einen ausführlichen Peterson-Artikel online, der freilich daran krankt, dass er, sagt jedenfalls ein Kommenator dort mit den Initialen DK – ehe – die wichtigsten, die systematisch wichtigsten der Peterson betreffenden Punkte – – – vollkommen ausklammert.

    PS

    Zuerst haben sie mich beim CHE nicht freigeschaltet, aber irschendwann – ich hatte mich zwischenzeitlich auch an JB Peterson gewandt – : Gings auf einmal doch. – „Siehste!“ (Sophia again – – – seufz).

  74. Dieter Kief schreibt:

    Wegen der Erwähnungen, die ich ihm oben tat – – –

    Einer der großen Kantianer in diesem unseren Lande – Johann Benjamin Erhard – ein Franke! – und : ein Philosoph – extrem rar, hehe…

    Erhard sagt: „Der Mensch vergebe seine Würde nie und biete seine Talente nicht feil; er frage in allem eher, was recht, als was ihm nützlich ist; er lerne entbehren, was ihm das Glück versagte, und strebe nach dem, was in seiner Gewalt steht; er vertilge den stolzen Gedanken aus seiner Brust, Menschen glücklich zu machen, und sucht die schwere Pflicht zu erfüllen, gegen Menschen gerecht zu sein!“

    (Gegeben zu – Nernberch ehe, Ende des 18. Jhdts. – von dem Arzt und trefflichen Jakobiner und Philosophen Joh. Benj. Erhard allda – cf. Jo. Ben E. „Über das Recht des Volks zu einer Revolution“, Hanser, Mü. 1970).

  75. netbitch schreibt:

    Ganz am Rande bemerkt: Es gibt keine Feministen. Feminismus ist eine Bewegung für deren Zugehörigkeit zwingende Voraussetzung ist in einem weiblichen KLörper zu leben. Männer, die sich als Feministen bezeichnen werden von Feministinnen bestenfalls des plagiatorischen Epigonentums, meist aber des ekligen Paternalismus geziehen.

  76. netbitch schreibt:

    Es gibt schließlich auch keine Männer in Schwangerschaftsgymnastikkursen, keine Frauen in Hodenkrebsselbsthilfegruppen und keine Deutschen in Deutschkursen für AusländerInnen, auch keine männlichen Frauenbeauftragten…

  77. Thomas Schweighäuser schreibt:

    „Ich bin lange nicht mehr in Berlin abends mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Und mein Eindruck war nicht der beste. Bereits auf der Hinfahrt zum Kino an der Hardenbergstraße bestätigt sich das, was Don Alphonso übers Reichshauptstadtslum, wie er Berlin leicht despektierlich nennt, schreibt. Roh, häßlich, dreckig. Und eine Vielzahl Armer, Obdachloser, am Bahnhof Schloßstraße ein Heerlager der Armen, die dort campieren. Soziales Elend, frei flottierend.(…) An diesen Stellen ist Armut keineswegs sexy. Und wenn die Stadt nicht zu tun gewillt ist, so wäre es gut, wenn Bürgersinn sich ausbildete. Den gibt es aber in Berlin nicht.“ Zu fragen wäre vielmehr, ob es diese unsexy Vielzahl armer Schlucker nicht deshalb gibt, weil ein berliner Bürgersinn sich längst schon ausgebildet hat und eben gesellschaftliche Schichten produziert, die bei U-Bahn-Fahrten nicht den besten Eindruck hinterlassen. Oder meinen Sie allen Ernstes, das Bürgertum sei eine Art Charity-Verein? Oder dass der Bürgersinn irgend anderes zustande brächte, als das „frei flottierende“ soziale Elend dorthin zu verbringen, wo sein Anblick nicht mehr stört?

  78. che2001 schreibt:

    Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet den Reichen wie den Armen, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen. (Anatole France)

  79. Bersarin schreibt:

    So ist es, che!

    @ netbitch: Das ist eine Ermessenssache: Heute bezeichnen sich haufenweise genderweichgespülte Männer als Feministen. Es ist geradezu zu einer Mode geworden. Insofern ist mein Beitragstitel eine schöne Ironisierung dieses absurden Phänomens. Denn natürlich ist Don Alphonso kein Feminist, sondern vielmehr achtet und schätzt er Frauen, tatscht sie nicht ungefragt an und diskriminiert sie nicht wegen ihres Frauseins. Ich fürchte beim Don sogar, daß es eher umgekehrt ist. Mehr kann man von einem Mann nicht erwarten.

    @ Thomas Schweighäuser: Wenn der rotrotgrüne Senat hier nichts ändern kann und will – die SPD regiert in Berlin seit 2001, das sind 17 Jahre –, dann kann man wohl nur noch auf Charity setzen. Das ist traurig, aber besser als nichts. Andererseits ist es angesichts zunehmend einreisender Obdachloser aus Osteuropa natürlich auch ein Problem, das auf einer höher gelagerten Ebene anzugehen ist und das auch mit offenen Grenzen zu tun hat. Regierungen, die de facto ihre eigenen Grenzen nicht zu schützen wissen, müssen dann eben mit solchen Dingen leben, bzw. und genauer gesagt: Das Volk muß es, und zwar meist das ärmere. Leute mit Geld fahren abends eher selten BVG, sondern Taxi und Auto. So wie ich auch. Das ist wie mit dem Wohnungsmarkt und den Flüchtlingen. Ausbaden werden es die Unteren.

    @Dieter Kief: Bei Leuten wie Peterson, die Bücher mit Titeln wie „12 Rules for Life: An Antidote to Chaos“ bin ich nicht nur im voraus skeptisch, sondern ich befürchte, daß sich diese Skepsis auch am Text verifizieren wird. Was sind das für Regel? Immer lächeln, geh grade, sitz aufrecht? Nee, solche Titel sind schon für sich abschrecken, weil sie etwas als händelbar vorgaukeln, was so nicht zu machen ist. Aber Lebenshilfe zu verkaufen, ist natürlich auch ein gutes Geschäftsmodell.

  80. Dieter Kief schreibt:

    Der kanadische youtublerJordan B. Peterson ist einer der wichtigsten – und erfolgreichsten! – Kämpfer gegen PC in der Welt – zusammen mit Jonathan Haidt, Steve Sailer, Sam Harris und Camille Paglia.

    Er ist a u c h klinischer Psychologe. – Solche Psychologen beschäftigen sich u. a. mit den Nöten einzelner Menschen. Das ist nichts besonderes.

  81. Bersarin schreibt:

    Gegen PC zu kämpfen und Sprachnormierungen, die auf Zwang beruhen, zu kritisieren, ist auf alle Fälle ein gutes Unterfangen. Wichtig wäre hier, ein breites Bündnis zu finden. Vor allem aber, daß an deutschen Unis endlich all die von diesem totalitären Gebahren genervten Studenten, jene passive Mehrheit, sich erhebt und den Schwätzern die Grenze zeigt. Wer öffentliche Diskurse und Debatten massiv stört, wer Lehrveranstaltungen verhindert, hat an einer Uni nichts zu suchen. Vielleicht helfen auch Aufnahmeprüfungen für die Fachbereiche, wie das in Kunst und Medizin üblich ist.

  82. Bersarin schreibt:

    Nun sind wir allerdings sehr weit vom ursprünglichen Thema weg. Aber zu diesem ist eigentlich das meiste auch schon gesagt worden.

  83. che2001 schreibt:

    Dann noch etwas zu einem anderen hier verhandelten Thema:

    Veranstaltung des Deutsch-Arabischen Freundeskreises Wolfsburg
    Wir möchten Sie herzlich zur Aufklärung und Bekämpfung des Terrors der ISIS und der Salafisten zu zwei Veranstaltungen einladen:
    1. „Ich hole euch zurück“
    Herr Joachim Gerhard hält ein Referat über die Radikalisierung seiner Söhne im Jahr 2014. Warum
    haben sie sich der Terrororganisation ISIS angeschlossen und sind nach Syrien gefahren? Ihr Schicksal ist bis heute unklar.
    Herr Gerhard wird erläutern, wie die ISIS in Deutschland vorgeht und was man dagegen tun kann.
    Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 25.01.2018 um 18.30 Uhr statt. Veranstaltungsort ist das Klinikum der Stadt Wolfsburg, Sauerbruchstr. 7, 38440 Wolfsburg, Raum Niedersachsen.
    2. „Politisch motivierte Kriminalität“
    In Zusammenarbeit mit dem LKA in Hannover konnten wir Herrn Dr. Schwegel für dieses Thema
    gewinnen.
    Er wird über die Gründe der Radikalisierung von zu meist jungen Erwachsenen referieren.
    Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 06.02.2018 um 18.30 Uhr statt.
    Veranstaltungsort ist das Klinikum der Stadt Wolfsburg, Sauerbruchstr.7, 38440 Wolfsburg, Raum
    Niedersachsen.
    Über zahlreiches Erscheinen würden wir uns sehr freuen. Die Veranstaltungen werden im Rahmen des Programms „Demokratie Leben“ unterstützt.

  84. Kristin schreibt:

    zu political correctness bzw. ausbleibenden Diskussionen:
    Bersarin schrieb:
    23. Januar 2018 um 20:17
    „Leider bleibt die Mehrheit der Studenten hier viel zu ruhig.“
    Ich bin auch beschämt über die Anzahl der Leute, die ich in den letzten Monaten bei Diskussionen/Vorträgen getroffen habe, die niemals mit ihrem Klarnamen etwas schreiben/kommentieren würden – mich eingeschlossen. Habe auch mit Leuten aus Südamerika gesprochen, die entsetzt darüber waren.

  85. Bersarin schreibt:

    Na ja, das kann verschiedene, durchaus berechtigte Gründe haben. Wenn Sie hier als Lehrerin mit Klarnamen schrieben, hier im rotrotgrünen Berlin und wo mancher Lehrer sowieso zum Gründogmatismus neigt, dann wünsche ich viel Spaß im deutschen Stinkmilieu derer, die Unterschiedliches nicht aushalten, dabei aber immerzu von Pluralität schwätzen.

    Worum es mir vielmehr geht: Bei Studenten, die Vorlesungen stören, konsequent seine Stimme erheben und diese Leute ggf. mit der Polizei aus den Räumlichkeiten entfernen. Adorno wußte 1969 sehr genau und sehr gut, weshalb er das Institut für Sozialforschung räumen ließ. Dazu bedarf es freilich einer Unileitung, die hinter solchen Aktionen steht und keine Liberalalas mit Quallenhaltung. Um es mal etwas grob auf den Punkt zuzuspitzen.

  86. wba schreibt:

    In Berlin gibt es keinen Bürgersinn? Wer reißt sich denn den Hintern in den ganzen Mieter- und Stadteilinitativen auf? Das feine Bürgertum? Natürlich nicht, denn die Oberschicht sägt sich ja nicht den Ast ab auf dem sie sitzt. Deren Immobilien-Besitz soll hohe Renditen abwerfen. Mit dem Ergebniss das lange gewachsene Nachbarschaften zerstört werden und der soziale Frieden in der Stadt massiv in der Schieflage ist. Gemeinsinn sieht anders aus.

  87. Bersarin schreibt:

    In diesen Initiativen geht es um Eigeninteressen. Das hat kaum etwas mit Bürgersinn zu tun.

    „Mit dem Ergebniss das lange gewachsene Nachbarschaften zerstört werden und der soziale Frieden in der Stadt massiv in der Schieflage ist.“

    Das leben in einer Stadt ist Veränderung. Die, die sich heute beschweren, haben andere Verdrängt, die früher da wohnten. In Friedrichshain und im Prenzlauer Berg wohnt kaum noch einer der alten Mieter. Was den sozialen Frieden betrifft, so kann übrigens Gentrifizierung genau den gegenteiligen Effekt auch haben. Siehe Rollbergkiez und Weserstraße in Neukölln. Insofern sollte man mit allzu pauschalen Aussagen vorsichtig sein.

  88. wba schreibt:

    @Bersarin: Wenn in Berlin 50% der Bevölkerung Anspruch auf eine Sozialwohnung haben und viele Menschen befürchten ihr Wohnung zu verlieren, dann vertreten Mieterinitiativen kein Eigeninteresse, sondern eine breite Schicht von Bürger/innen.

    „Die, die sich heute beschweren, haben andere Verdrängt, die früher da wohnten. “
    Vorsicht mit allzu pauschalen Aussagen ;)

    „Was den sozialen Frieden betrifft, so kann übrigens Gentrifizierung genau den gegenteiligen Effekt auch haben.“
    Ja, eine breite soziale Mischung in einem Stadtteil hat auch positive Effekte. Nur haben diejenigen, die verdrängt wurden davon nichts. Insofern sind Maßnahmen, die Wohnverhältnisse und Wohnumfeld ohne Verdrängung verbessern, deutlich besser.

  89. che2001 schreibt:

    Das „Eigeninteresse“ eines Kollektivs von Leuten, die ihre Woninteressen gegen große Wohnungsbaugesellschaften, Grundstücksspekulanten oder Banken organisieren ist zunächst einmal legitim und verdient Unterstützung. Das ist Klassenkampf im Hier & Jetzt.

  90. Bersarin schreibt:

    Absatz 1: All das hat, wie gesagt, nichs mit Bürgersinn zu tun, sondern hier geht es unmittelbar um Wohnraum und um die eigenen unmittelbaren Interessen von Leuten, die gerne bezahlbar wohnen. Also Engagement aus mehr oder weniger berechtigtem Eigeninteresse. Das mögen berechtige politische Anliegen sein, aber eben keine, die den Bürgersinn betreffen, wie ich ihn oben charakterisiert habe. Im übrigen gibt es keinen unverbrüchlichen Anspruch in Kreuzberg oder Friedrichshain zu wohnen. Sehr wohl gibt es in Berlin Gegenden, wo Mieten bezahlbar sind. Freilich auch teurer als früher, aber immer noch bezahlbar. Berlin war im Vergleich zu anderen Städten der BRD immer noch relativ günstig. Man suche mal in München oder in Hamburg. Was hier allerdings vorliegt, ist ein generelles Problem, das mit dem Mietspiegel und mit der völlig sinnlosen energetischen Sanierung von Gebäuden zu tun hat. Denn das kann nun als Modernisierungsmaßnahme verkauft werden, die nicht nur staatlich subventioniert, sondern auch noch von den Mietern bezahlt wird. Sich gegen diese Dinge zu wehren, hat eine politische Dimension. (Die diese Leute sicherlich auch als Bürger wahrnehmen. Aber das tun sie auch, wenn sie wählen gehen.)

    Zum Bürgersinn wird solcher Einsatz dann, wenn ich mich um Viertel kümmere, die weit ab von meinem eigenen liegen. Wenn der Kreuzberger sich für die Oma in Lichtenrade einsetze oder wenn ich mich als Nicht-Kreuzberger für die Leute dort engagierte. (Was ich nicht tun werde, weil mir dieser Stadtteil nicht gefällt, so wie er ist, sondern dort auf Veränderungen hoffe.)

    Absatz 2: Das ist keine pauschale Aussage, weil ich hier keinen allgemeinen Geltungsanspruch erhebe, sondern auf eine Tendenz hinweise. Diese Tendenz wird durch Statistiken gedeckt.

    Absatz 3: Nein, diejenigen, die verdrängt wurden, haben nichts, davon. Aber diejenigen, die bleiben und die, die hinzukommen schon.

  91. che2001 schreibt:

    Zumal die Vertreiber da auch nicht zimperlich sind. Du, Bersarin, warst dabei, als eine Genossin von mir diese Vorgänge schilderte, bezogen auf Kreuzberg.

  92. Bersarin schreibt:

    @che: Ja das wäre die interessante Perspektive, wie man unterschiedliche Leute zum gemeinsamen Kampf bewegen kann. Das geht aber dann nicht, wenn mancher Kreuzberger (nicht alle!) seinen Kiez als persönliche Spielwiese für seine Befindlichkeiten sieht. Herzustellen wäre ein breites Bündnis. Bleibt die Frage, wie man das schafft.

  93. Bersarin schreibt:

    Und natürlich gibt es Fälle, wo Vermieter und Gesellschaften mit rabiaten Methoden vorgehen. Merkwürdig nur, daß sich gerade dort so selten Protest entzündet, der übergreifend wird. Stattdessen irgendwelche Soli-Slogans mit dubiosen Leuten in der Rigaer Straße.

  94. wba schreibt:

    @Bersarin:

    Bürgersinn:
    „positive Einstellung gegenüber dem eigenen Staat, verbunden mit der Bereitschaft sich für ihn einzusetzen“ https://de.wiktionary.org/wiki/B%C3%BCrgersinn

    Mieterinitiativen:
    Positive Einstellung ggü. der Stadt? Was sonst!
    Bereitschaft sich einzusetzen? Aber sowas von!

    Und sehr wohl agieren die Initiativen Berlin weit. Daher gab es z.B. den Mietenvolksentscheid 2016 und diverse Vorschläge zum Mieterschutz und Wohnungsbau, die zum Teil in die Koalitionsvereinbarungen von RRG eingeflossen sind. Das sind keine Maßnahmen, die nur in einer Straße, sondern in ganz Berlin angewendet werden sollen. Das ist doch klar.

    „Im übrigen gibt es keinen unverbrüchlichen Anspruch in Kreuzberg oder Friedrichshain zu wohnen. “
    Richtig, aber das hat sich unter den Käufern von Eigentumswohnungen noch nicht herumgesprochen. Aber wahrscheinlich wollten Sie eher damit ausdrücken, das die Innenstadt den Vermögenden zusteht und der „Plebs“ woanders hinziehen soll?

    „… Diese Tendenz wird durch Statistiken gedeckt.“
    Die Statistiken, die Ihre Aussage stützen, posten Sie bestimmt noch, oder?

    „Nein, diejenigen, die verdrängt wurden, haben nichts, davon. Aber diejenigen, die bleiben und die, die hinzukommen schon.“
    Gut kombiniert Lestrade!

  95. Bersarin schreibt:

    Gerne poste ich diese Statistik. Davor kannst Du die alten Bewohner vom Prenzlauer Berg oder die vom Boxhagener Platz befragen, die da vor 1999 gewohnt haben.

    Wenn das, was Du da schreibst Bürgersinn ist, dann besitzen nach dieser Definition auch die Leute von Rechtsaußen Bürgersinn, die keine Ausländer und keine Flüchtlinge und Asylunterkünfte in ihrem Viertel wollen. Denn die setzen sich ebenfalls für die Gemeinschaft ein. Mit einer solch weiten Definition von Bürgersinn, die sich lediglich auf den Einsatz für irgendwas kapriziert, kommt man nicht weit. Denn diese Leute setzen sich, wie auch die, die keine höheren Mieten für ihre Wohnungen wollen, für sich selbst ein – was ja berechtigt ist -: nämlich bezahlbar zu wohnen. Nur hat das nichts mit Bürgersinn zu tun. Bürgersinn wird es erst dann, wenn solche Kämpfe in ein allgemeines Konzept eingebettet werden, das auch die Oma in Wilmersdorf und den Rentner in Hellersdorf mitumfaßt. Sozialer Protest, zumal solcher, der das eigene Wohl zum Ziel hat, ist nicht per se Bürgersinn. Ich vermute aber, daß hinter solcher Umdefinition mittels Sprache eher die Absicht steckt, aufs Eigeninteresse gerichtete Handlungen moralisch zu legitimieren und damit auch aufzuwerten.

    Im übrigen gibt es in großen Teilen auf dem Land Wohnungsleerstand. Wer also bezahlbaren Wohnraum möchte, der muß aufs Land ziehen. Es gibt kein unverbrüchliches Menschenrecht ausschließlich in Friedrichshain oder Kreuzberg zu wohnen. Leben ist Veränderung. Und auch in Berlin gibt es Viertel, die einigermaßen bezahlbar sind. Städte verändern sich.

    Zum letzten Absatz: Ja, das ist gut kombiniert, er bezog sich auf Dein Ausgangssatz, der bereits ein Nullsatz war. ((Dem Straftäter nützt es übrigens auch nichts, wenn er aus dem Verkehr gezogen wird. Der Gemeinschaft aber schon.) Dem Kiez zumindest hat der Wegzug dieser Leute gutgetan. Und ich hoffe, sie sind sehr weit weggezogen. Vermute aber, daß es nur eine Problemverlagerung sein wird.

  96. Bersarin schreibt:

    Ach, und zum Wandel der Sozialstruktur im Prenzlauer Berg kannst Du schonmal hier unten nachlesen oder auch das Interview mit Flake, aber persönliche Beobachtungen sind nur bedingt aussagekräftig. Bürgersinn wäre es gewesen, auch gegen solchen Wandel, wie er sich ab den 90er zeigte, ganz allgemein seine Stimme zu erheben. Und nicht erst, wenn es einen persönlich betrifft, das dann hochmutig als Bürgersinn zu deklarieren. In Friedrichshain um den Boxhagener Platz wurde eine ganze Bevölkerung ausgetauscht. Bürgersinn wäre es auch gewesen, sich an dieser Verdrängung nicht zu beteiligen, sondern dagegen seine Stimme zu erheben. Insofern fällt mein Mitleid mit diesen Leuten auch recht bescheiden aus. Das sind junge Leute, die damals vom Wandel profitiert haben. Und gestern traf es eben sie. Mit Bürgersinn hat dieser Protest nichts zu tun. Er zeigt lediglich, daß sich diese Leute besser zu wehren wissen als ihre Vormieter.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Prenzlauer_Berg#Sozialstruktur

  97. Bersarin schreibt:

    „positive Einstellung gegenüber dem eigenen Staat, verbunden mit der Bereitschaft sich für ihn einzusetzen“ Im übrigen ist diese Definition dann irgendwie schon wieder komisch, wenn ich an die Protestler aus der Rigaer Straße denke. Und selbst bei denen, die gegen zu hohe Mieten protestieren – was ich gut nachvollziehen kann, darum geht es hier aber gar nicht -, glaube ich nicht unbedingt an eine positive Einstellung gegenüber dem eigenen Staat. Die wird man wohl eher bei einem bestimmten Bürgertum vermuten können. Übrigens besitzen nach dieser Definition dann insbesondere Polizei und Bundeswehr einen hohen Bürgersinn. Auch das würde ich infrage stellen.

  98. Bersarin schreibt:

    Das hier übrigens noch von Don Alphonso:
    „Zu den Millenial-Klagen über teure Wohnungen: Es gab 2003-2013 ein Zeitfenster mit günstigen Immopreisen, speziell in Berlin, und ab 2009 niedrigste Zinsen und Geldschwemme. Wer Mieter bleiben wollte, ist oft selbst schuld“

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/deutschland-bei-immobilienpreisen-nur-mittelfeld-15426054.html

    Was wir hier also vorfinden, sind generelle Marktprobleme. Die Stadt Wien scheint mit dem Gemeindebau das Mietenproblem andes anzugehen. Und in anderen europäischen Ländern scheint zudem die Tendenz zum Erwerb von Immobilien ausgeprägter zu sein.

  99. wba schreibt:

    @Bersarin: Was denn nun? Sind Sie gegen Gentrifizierung oder doch nicht? Die Verdrängung der Altbewohner betrauern und gleichzeitig vermeintlich positive Effekte der Gentrifizierung begrüßen passt nicht zusammen.

    Das es in Ostberlin zu einer starken Verdrängung im Rahmen der Renovierungen der Gründerzeitviertel gegeben hat, bestreite ich nicht. Und es wäre gut gewesen, wenn es bereits damals eine starke Mieterbewegung geben hätte. Das jedoch den heutigen Aktivisten/innen vorzuwerfen, die evl. damals viel zu jung waren, noch nicht in Berlin lebten, oder noch nicht selber betroffen waren, halte ich für sehr fragwürdig und kontraproduktiv.

    Und bitte vergessen Sie nicht, das in den 90ern der Wohnungsmarkt in Berlin noch deutlich entspannter war. Dh. die Alt-Mieter bekamen Umlagewohnungen oder konnten sich selber eine neue Bleibe suchen. Diese Situation ist heute vorbei. Wie bei so vielen sozialen Bewegungen, muss der Leidensdruck erst eine gewisse Höhe erreicht haben damit sich Widerstand regt. Leider.

    „Zu den Millenial-Klagen über teure Wohnungen: Es gab 2003-2013 ein Zeitfenster mit günstigen Immopreisen, speziell in Berlin, und ab 2009 niedrigste Zinsen“
    Und erst die Preise von 1985 oder 1967! Was nützen besagten Millenials die Preise von vor 15 Jahren? Diese Gruppe war damals noch in der Schule oder in der Ausbildung.

    Was sich Herr Meyer in seinem bayerischen Wohlstandkosmos nicht vorstellen kann, sind Menschen ohne Vermögen oder Kreditwürdigkeit. Die Preise in den frühen 2000ern waren für viele Berliner/innen genauso außer Reichweite wie heute. Und selbst wenn. Was hätte es gebracht, wenn bereits damals der Run auf Immobilien begonnen hätte? Die Preise wären ebenfalls gestiegen, die Verdrängung von Mietern zwecks Umwandlung hätte ebenfalls eingesetz usw. …

    „Die Stadt Wien scheint mit dem Gemeindebau das Mietenproblem andes anzugehen. Und in anderen europäischen Ländern scheint zudem die Tendenz zum Erwerb von Immobilien ausgeprägter zu sein.“
    Wieder so eine Flip-Flop Haltung. Mietwohnungen schaffen und schützen oder Eigentum fördern? Wien ist der beste Beweis, das eine Mieter freundliche Stadt möglich ist. Und zwar durch einen großen kommunalen Wohnungsbestand und dem Ziel günstigen Wohnraum anzubieten. In Städten mit hohen Eigentumsquoten dagegen, bekommen junge Leute kaum noch einen Fuß in die Tür, weil sie mit ihren Einkommen nicht in der Lage sind zu kaufen oder Kredit aufzunehmen. Und genau diese Leuten sind gezwungen wegzuziehen – u.a. nach Berlin.

    „Wenn das, was Du da schreibst Bürgersinn ist, dann besitzen nach dieser Definition auch die Leute von Rechtsaußen Bürgersinn …“
    Richtig, auch Rechte haben Bürgersinn. Sie haben nur eine andere Vorstellung davon, was als schützenswert angesehen wird und wie sie sich dafür einsetzen. Der Begriff Bürgersinn ist neutral, unabhängig von polititischer Ausrichtung. Wenn Sie eine treffendere Definition als die obige finden, können Sie die gerne posten.

    „Bürgersinn wird es erst dann, wenn solche Kämpfe in ein allgemeines Konzept eingebettet werden, das auch die Oma in Wilmersdorf und den Rentner in Hellersdorf mitumfaßt.“
    Wie ich bereits dargelegt habe, werden von den Mieterinititativen auch die Omas und Rentner bedacht. Es geht um ALLE Berliner/innen, die in günstigen, guten Wohnungen ohne Sorgen durch Kündigungen oder Mietsteigerungen leben sollen. Das ist das Konzept, das verfolgt wird. So schwierig ist das wirklich nicht zu verstehen.

    „Im übrigen gibt es in großen Teilen auf dem Land Wohnungsleerstand. Wer also bezahlbaren Wohnraum möchte, der muß aufs Land ziehen.“
    Das könne Sie gerne finanzkräftigen Neuberlinern und Käufern sagen, die Mieter aus ihren Wohnungen und Stadtvierteln drängen. Stattdessen richten Sie das an Aktivisten/innen, die in Berlin leben und teilweise auch hier geboren wurden. Das macht keinen Sinn.

    „Leben ist Veränderung. Und auch in Berlin gibt es Viertel, die einigermaßen bezahlbar sind.“
    Und diese Viertel wären? Bzw. würden Sie dort leben wollen? Ganz zu schweigen von den Wohnungen in Brandenburg, die Sie ebenfalls anpreisen? Mit welchem Grund sollten Leute ihre Nachbarschaft einfach sang und klanglos verlassen?

    Ihre Äußerungen lesen sich für mich wie „akzeptiert die Verdrängung, haltet eure Klappen und geht bitteschön woanders hin“. Ich finde diese Haltung äußerst fragwürdig und weit entfernt von dem was Sie in Berlin vermissen, nämlich „Bürgersinn“ oder um mal ein anderes Wort zu nutzen „Gemeinschaftssinn“.

  100. Bersarin schreibt:

    @ wba
    Oh, über die Frage von Eigentumsbildung wollen wir nicht so voreilig hinweggleiten. Wer einst meinte, das Leben sei ein Fest mit Weltreisen und Geldausgeben, der kann das gerne so machen. Aber er soll sich hinterher nicht beklagen, daß er nur zur Miete wohnt. Ist halte immer eine Frage, wie man sein Geld ausgibt. Muß auch jeder selber wissen. Ich erinnere mich hier an all die Irgendwas-mit-Medien-und-Kunst-Menschen, die erst im Prenzlauer Berg und dann in Friedrichshain in Omas und Alteinwohners alter Wohnung saßen, sich Ende der 90er über die spießigen Leute mokierten, die Eigentum erwarben und nun über die Gentrifizierung klagen. Mein Mitleid hält sich da arg in Grenzen. Und das genau meinte ich mit: Das Leben ist eben Veränderung. In Hellersdorf läßt es sich immer noch gut wohnen. Natürlich haben sich die Mieten in Berlin erheblich erhöht. Aber wenn man es in gesamtdeutschem Verhältnis nimmt, dann ist das alles noch im Rahmen und Berlin gehört zu den immer noch günstigen Städten. Im übrigen hat die Gentrifizierung systemtechnisch genommen Vorteile. Es könnte sich dadurch nämlich die Landflucht doch erheblich verringern. Wenn alle nach Mitte und Kreuzberg wollen, so werden dort auch die Wohnungen teurer, während sie in Cottbus und Chemnitz eben billiger werden. Das nennt sich Angebot und Nachfrage, das nennt sich freie Marktwirtschaft. In einer kapitalistischen Gesellschaft herrschen nun einmal kapitalistische Verhältnisse.

    Diese Initiativen und Proteste haben alle nichts mit Bürgersinn zu tun, sondern mit Eigeninteressen, nämlich geringere Mieten zu zahlen – was ja auch im unmittelbaren Sinne verständlich ist. Bürgersinn wird erst daraus, wenn Leute sich weiterreichend einsetzen, wenn sie in Mieterberatungen ehrenamtlichen Dienst versehen, wenn sie da helfen, wo Not ist. Ich erinnere mich an Entmietungen in kleinbürgerlichen Viertel. Aber vielleicht nennst Du mal ein paar dieser Initiativen, die weit gestreut agieren. So daß auch Gretchen Jedermann und Hans Mustermann erreicht werden. Die Mieterbündnisse in Kreuzberg erreichen ganz sicher eine Menge Leute in Kreuzberg und das ist auch gut so. Aber eine breite Bewegung ist daraus bisher nicht entstanden. Auch das ist übrigens noch kein Bürgersinn, sondern sozialer Protest und das würde ich begrifflich zunächst schon differenzieren wollen. Darum ging es hier ursprünglich. Um den Unterschied von Bürgersinn und sozialem Protest gegen (subjektiv wahrgenommene) Mißstände. Leute auf dem Land übrigens sehen das naturgemäß anders. Die würden sich vermutlich freuen, wenn wieder mehr Menschen auf die Dörfer ziehen, weil dann der Arzt, die Kneipe, die Bank wiederkämen und der Nahverkehr wieder funktionieren würde. Aber wie gesagt: Angebot und Nachfrage. Städte die hip sind, da steigt eben nicht nur die Lebensqualität.

    „In Städten mit hohen Eigentumsquoten dagegen, bekommen junge Leute kaum noch einen Fuß in die Tür, weil sie mit ihren Einkommen nicht in der Lage sind zu kaufen oder Kredit aufzunehmen. Und genau diese Leuten sind gezwungen wegzuziehen – u.a. nach Berlin.“

    Das stimmt so nicht, weil viele Eigentumswohnungen genauso vermietet werden. Der Mix also macht es aus. Es muß sehr viel leichter gemacht werden, Eigentum zu erwerben und es muß zugleich einen sozialen Wohnungsbau geben. All das ändert aber nichts an der Angebot-Nachfrage-Situation. Wenn alle nach Berlin wollen, wird Berlin eben teurer.

    Die einzige Sache, die die Mieterhöhungen bremsen könnte, ist privater und staatlicherr Wohnungsbau, und dann kann man im selben Zug auch gleich über die Teilbebauung des Tempelhofer Feldes nachdenken.

    Ansonsten kann ich jenen, denen die Mieten zu hoch sind, nur raten: Macht was, organisiert euch breit, stellt euch auf! Eine solche breite mobilisierende Bewegung, mit Großdemo in der Stadt, mit Aufrufen in den Stadtteilen habe ich in meinem Stadtteil und auch in den umgrenzenden nicht gesehen. Aber vielleicht sind Dahlem, Steglitz, Schmargendorf und Friedenau für solche Initiativen auch uninteressant. Obwohl auch hier die Mieten kontinuierlich steigen. Die Politik wird auf die Lage immer erst dann reagieren, wenn der Protest laut wird. Das beste Beispiel hierfür scheint mir Fukushima zu sein.

    Ach, und da fällt mir doch nochwas ein: Wie heißen noch gleich die Parteien, die hier in Berlin regieren? Die SPD ist seit 2001 am Ruder, teils mit den Grünen, teils mit der Linkspartei, wo dann gespart wurde, bis es quietscht und landeseigene Grundstücke und Gebäude verschleudert wurden und gerade unter der SPD in ihren verschiedenen Koalitonen boomte das, was sich Gentrifizierung nennt. Aber wie geschrieben: all das hat nichts mit Bürgersinn zu tun, sondern mit sozialem Protest. Der ist weder in der Stadt noch auf dem Land besonders ausgeprägt, wo zunehmend die Infrastruktur wegbricht.

  101. Bersarin schreibt:

    Im übrigen: Ich fände es schön, wenn sich in Sachen Mieterprotest in der Tat ein übergreifender Bürgersinn entwickelte. Dazu gehören Vermieter wie Mieter, die darüber nachdenken, wie ihre Stadt aussehen soll. Aber irgendwelche Kreuzberger (gerne auch andere Stadtteile einzusetzen), die sich da in ihrer Blasenwelt ihr privates Aquarium halten wollen und ihre Privatinteressen als allgemeinen Maßstab verkaufen: Da schalte ich automatisch ab und drücke die „Nicht-mein-Problem“-Taste. Bürgersinn meint eben am Ende mehr als nur ein privates Refugium.

  102. che2001 schreibt:

    Na ja, diese Proteste gab es ja mal. Wenn ich Friedrichshain lese denke ich in erster Linie an brennende Barrikaden und an Polizei die nicht mehr mit Wasserwerfern sondern mit Panzern vorrückt. War mal so Anfang der Neunziger als dort die heftigsten Häuserkämpfe seit 1982 stattfanden. Und 1980-82 wiederum waren in Kreuzberg ganze Straßenzüge besetzt. Insgesamt 382 Häuser. Das begriffen die Akteure damals allerdings nicht als Bürgersinn, sondern als Angriff auf das kapitalistische Eigentum. Übrigens mit dem Clou, dass von den Dächern besetzter Häuser aus Grenztruppen an der Mauer mit Zwillen beschossen wurden.

  103. wba schreibt:

    Einige der Initiativen und Mieterberatungen, die in Berlin aktiv sind. Viel Spaß bei der Lektüre. Und vielleicht lassen Sie sich ja mal bei einem der Termine blicken. Es gibt regelmäßig Treffen der Inis, wo Sie Ihren Bürgersinn hervorragend einbringen können.

    https://www.bmgev.de/beratung/beratungsstellen.html
    https://www.berliner-mieterverein.de
    https://www.bizim-kiez.de/
    http://wirbleibenalle.org/
    http://deutsche-wohnen-protest.de/
    http://berlin.zwangsraeumungverhindern.org/
    https://mietenvolksentscheidberlin.de/
    http://www.interventionistische-linke.org/beitrag/das-rote-berlin
    http://mietenstopp.blogsport.de/termine/

  104. Bersarin schreibt:

    Ja schön. Wenn mir dann noch einer sagen und mir begründen kann, weshalb ich mich für den Erhalt der Nachbarschaft im Wrangelkiez interessieren soll, wäre das schön. Auch das breite Bündnis wird mir aus den Links noch nicht ganz ersichtlich. Aber das ergibt sich bestimmt noch irgendwann. Mieterverein ist auf alle Fälle gut. Und die Leute, die da ehrenamtlich arbeiten, da trifft der Ausdruck Bürgersinn gut. Ebenfalls bei allgemeinen Beratungsstellen, die für jeden Bürger sich einsetzen.

    @che: Leide gab es im Umfeld der Mainzer Straße Anfang der 90er etc. auch eine sehr unerfreuliche Szene. Erpressungen, Drohungen. Eine Szene, mit der ich nicht viel zu tun haben möchte und da weiß man dann nicht, ob die Polizei oder jene sogenannten Autonomen aus der Mainzer schlimmer sind. Auf alle Fälle aber haben die Hausbesetzungen in den 80ern in Berlin einen anderen Geist und ein Bewußtsein gebracht. Da gebe ich Dir recht. Und solche Aktionen sind dann auch wieder wichtig. Und dann wäre es noch gut, wenn man,wie Ton Steine Scherben es sagen, jenen Satz wahrmachte: „Kommst zusammen, Leute, und lernt euch kennen.“ Schwierig aber, das zu bewerkstelligen.

  105. wba schreibt:

    @Bersarin:
    „Mietenwahnsinn stoppen ist ein Zusammenschluss von Mieterinitiativen, Recht auf Stadt Netzwerken, Mietervereinen und weiteren wohnungspolitischen Akteuren. Das gemeinsame Ziel ist den meist lokalen Initiativen einen kollektiven Rahmen zu geben.“
    https://mietenwahnsinn-stoppen.de/wer-wir-sind/

  106. Kristin schreibt:

    Noch eine Veranstaltung, die mir große Sorgen bereitet:

    Da weiß man, wohin die Reise gehen soll.
    Außerdem: Böckenförde zitieren ohne Kenntlichmachung … und in dreist in diesen Kontext stellen: „Das heißt, …“

    Überdies: Die Pressemitteilung zum „Berliner Neutralitätsgesetz“, 11.01.2018 – „Es ist verfassungswidrig“

    https://lib-ev.jimdo.com/

    „Islamische Werte – auch in Deutschland?“
    Der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das heißt, er ist auf die ethische Prägekraft der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen angewiesen. Auch Religionsgemeinschaften spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber welchen Beitrag leisten eigentlich die hier lebenden Musliminnen und Muslime bei der ethischen Wertebildung? Bietet die islamische Lehre Anknüpfungspunkte für so wichtige Werte wie Freiheit, Gleichheit, Offenheit? Wie stellt sich das Engagement von Musliminnen und Muslimen auf lokaler, regionaler und bundesweiter Ebene dar? Und würde die deutlichere Anerkennung des Beitrags, den Musliminnen und Muslime in unserer Gesellschaft leisten, zu einem stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt führen?

    Diese und weitere Fragen möchten wir mit Ihnen und unseren Podiumsgästen in den Blick nehmen.
    Es diskutieren:

    – Dr. Yasemin El-Menouar (Soziologin, Islamwissenschaftlerin & Senior Expert bei der Bertelsmann-Stiftung, u.a. Leiterin der Studie „Religionsmonitor“)
    – Prof. Dr. Mathias Rohe (Jurist, Islamwissenschaftler & Gründungsdirektor des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa)
    – Ender Çetin (Theologe & Erziehungswissenschaftler)
    – Waqar Tariq (Jurist & Koordinator der LIB-Gemeinde Frankfurt a.M.)
    Moderation: Nushin Atmaca (Islamwissenschaftlerin & Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes)

    Wann? Mittwoch, 14.02.2018 um 18 Uhr

  107. Shalom schreibt:

    Für diesen Text hätte Adorno von seinem Postulat der Wutfreiheit abgesehen und dir eine Backpfeife gegeben. Dieser positivistische Dreck ist dermaßen deutsch, man möchte kotzen.

  108. Bersarin schreibt:

    @ Kristin: Wenn dort wenigstens unterschiedliche Stimmen zu Wort kämen, wäre es ok und man kann diese Fragen debatieren: Welchen Islam wollen wir in Europa? Welcher Islam vor allem will zu Europa gehören? Dazu täte es gut, auch Leute wie Necla Kelek, Seyran Ates, Abdel-Hakim Ourghi oder Ahmad Mansour einzuladen. In diesem Kontext das Böckenförde-Diktum zu bemühen, ist von den Veranstaltern allerdings ein wenig seltsam und bedürfte doch einer genaueren Ausführung.

  109. Bersarin schreibt:

    @Shalom: Bitte, gerne, aber doch in der eigenen Ranzbude und nicht hier. Daß Adorno einiges fürs Deutsche übrig hatte, haben übrigens die Antideutschen bis heute nicht verstanden.

  110. Shalom schreibt:

    So wie in deinem Begriff des Humanismus eine totalitäre Liebäugelei gegenüber der Inthronisierung eines Höheren hervorlökt, der jeden negativen Ansatz abstraft obwohl er ihn postuliert, so ist deine Vorstellung davon, dass Adorno etwas für „Deutsche“ übrig hätte ein Unverständnis deinerseits der darin liegt, dass du die Begriffe so nimmst wie du es gern hättest. Daran krank ja auch deine ganze Auseinandersetzung.

  111. Kristin schreibt:

    @ Bersarin:
    „genauere Ausführung“:
    U.a. deswegen gehe ich da auch mal hin.

    „wenn unterschiedliche Stimmen zu Wort kämen“:
    Genau das passiert eben immer weniger.

    Noch ein Beispiel dazu, die Auswahl der „Akteure“ betreffend („Akteure“, die regelmäßig als Gesprächs- oder Verhandlungspartner zum Thema Integration ausgewählt werden, oder als Funktionäre gewählt werden, Stichwort Institut für islamische Theologie, HU Berlin):
    In einer Sendung des DLFunks vom 16.12.17, „Antisemitismus unter Muslimen – Was kann, was muss Schule gegen Antisemitismus ausrichten?“, äußerte Frau Lamya Kaddor, dass sie bereits seit drei Jahren, vom BAMF gefördert (!), an einem Konzept für die Integrationskurse vom BAMF säße, um u.a. an dieser Problemstellung (Antisemitismus) zu arbeiten.
    Nun frage ich mich:
    – Warum ist (wieder einmal) Frau Kaddor damit beauftragt? Von wem wurde sie ausgewählt?
    – Wer ist noch beteiligt?
    – Warum dauert das Projekt schon drei Jahre an, ohne Ergebnis?
    – Ist auch auch eine (öffentliche) Diskussion vorgesehen, wird es Evaluation u.ä. geben?

    Ich habe zu dieser Sendung übrigens auch als Hörerin, anonym, beigetragen und von Erlebnissen berichtet zum Thema – die Folge: Anfeindungen von Kolleginnen, Stichwort Nestbeschmutzer – an einer inhaltlichen Diskussion.waren sie nicht interessiert.

  112. workingclasshero schreibt:

    Es wäre hilfreich, wenn Du, Kristin, erst einmal erläutern würdest warum Du die Zusammsetzung des Podiums als tendenziös ansiehst.

  113. Kristin schreibt:

    Zu Frau Bertelsmann braucht man nicht viel zu sagen, denke ich, ebenso wenig zu Mathias Rohe.
    Auch relativierend unterwegs ist Waqar Tariq.
    Vgl. z.B. http://www.jurablogs.com/go/das-islamische-grundgesetz
    Ziemlich dünn, eigentlich kann einem dieser Versuch der Parallelisierung Tränen in die Augen treiben.
    Ender Cetin mag als „liberal“, zu liberal für die Ditib, gegolten haben, als Vorstand der Sehitlik-Moschee war er es auch, der Imame als „Vermittler“ anbot, z.B. um auf randalierende türkische Jugendliche im benachb. Freibad einzuwirken.
    Es gibt viele dieser Initiativen, Stichwort „einer von uns“, „community“ > Partikularismus, Identitätspolitik …, die m.E. falsche Zeichen setzen und in eine völlig falsche Richtung gehen.

  114. Kristin schreibt:

    Zu Frau Bertelsmann braucht man nicht viel zu sagen, glaube ich, auch nicht zu Mathias Rohe.
    Ebenfalls relativierend unterwegs ist Waqar Tariq , vgl. z.B. http://www.jurablogs.com/go/das-islamische-grundgesetz.
    Dieser Versuch der Parallelisierung ist … rührend.

    Ender Cetin mag als „liberal“, zu liberal für Ditib, gegolten haben, aber er war es auch, der als Vorstand der Sehitlik-Moschee, Imame als „Vermittler“ anbot, um randalierende türkische Jugendliche im banchbarten Freibad zu Regeleinhaltung zu bewegen.

    M.E. geht das in eine bedenkliche Richtung, Stichwort Identitätspolitik, Partikularismus („einer aus der community“).

  115. Bersarin schreibt:

    Guck mal, shalom, beim nächsten Mal fliegst Du mit Deinem Kommentar hochkantig hier raus, sofern Du nicht in der Lage bist, für Deine Thesen eine sachhaltige Begründung anzuführen. Ich habe ihn hier tatsächlich nur stehen gelassen, damit geneigte Leser sehen, wie man es nicht machen sollte. Davon einmal ab, daß Du anscheinend keine zwei Zeilen Adorno gelesen hast – weder die Skizze Amorbach, noch die Meditationen zur Metaphysik oder gar seinen Eichendorff-Essay. Hättest Du es, kämst Du nicht auf die Idee solchen Unfug zu schreiben. In diesem Kontext dann auch noch an die Juden sich heranzuwanzen und sich deren Begriffe zu klauen, dazu bedarf es schon eines hohen Maßes an Dreistigkeit.

  116. Kristin schreibt:

    Zu Frau Bertelsmann braucht man nicht viel zu sagen, glaube ich, auch nicht zu Mathias Rohe.
    Ebenfalls relativierend unterwegs ist Waqar Tariq , vgl. z.B. jurablogs punkt com das-islamische-grundgesetz.
    Dieser Versuch der Parallelisierung ist … dünn.

    Ender Cetin mag als „liberal“, zu liberal für Ditib, gegolten haben, aber er war es auch, der z.B. als Vorstand der Sehitlik-Moschee, Imame als „Vermittler“ anbot, um randalierende türkische Jugendliche im benachbarten Freibad zur Regeleinhaltung zu bewegen.

    M.E. gehen diese Initiativen, da gibt es einige, in eine bedenkliche Richtung, Stichwort Identitätspolitik („einer aus der community“), Partikularismus…

  117. Shalom schreibt:

    Herr Bersarin, das ist nun wirklich eine lächerliche Form von Zensur. Ich weiß sie stoßen an ihre Grenzen, aber ein vermeintlich sinnentleerter Kommentare müsste nun ja nicht gelöscht werden. Die ihnen Genehmen dieser Art stehen hier doch auch noch! Aber vielleicht schmerzt die Einsicht, dass dieses Wischiwaschi, welches sie hier publizieren auch auf kritische und nicht lediglich die Selbstbefriedigung suchende Rezeption stößt.

  118. workingclasshero schreibt:

    Zu braucht man nicht viel zu sagen: Ich habe all diese Namen noch nie gehört. Ebenso könnte dort stehen: Salkeit Stremadar, Tubengo Kenobi und Xandermaran Gerlow diskutieren die glaue FES-Position. Mit Identitätspolitik und Partikuralismus kann ich dann wieder sehr viel anfangen, bin selber ein Kritiker der Verhandlungsposition der Innenminister, die mit Verbänden und nicht mit gewählten Vertretern diskutieren, wo dann DITIB für die Muslime steht. Aber es würde für Außenstehende Sinn machen, mal en Detail auszuführen für was die genannten Personen stehen oder was sie vertreten.

  119. che2001 schreibt:

    Was Leute wie Frau Ates angeht: Deren Islam knüpft tatsächlich an die Traditionen eines Ibn Rushd, Omar Kayyam oder Nizam al Mulk an, also der großen Geister, zu deren Zeit die muslimische Kultur Weltgeltung erlangte. Der Islamismus ist hingegen Rückfall in die verstockteste Partikulariät, und er ist dies schon seit der Zeit des Mahdi. Diesen Islamismus mit dem Islam zu identifizieren ist so wie Südstaaten-Evangelikale der Geschmacksrichtung „Haut alle Schwulen tot.“ Mit dem Christentum gleichzusetzen.

  120. Bersarin schreibt:

    So ist es, shalom, Rant ohne Belege und unsinnige Behauptungen schalte ich nicht frei. Entweder Du kannst Deine Äußerungen mit Text und Zitat belegen oder aber Du wirst hier nicht weiter kommentieren. Behauptungen sind übrigens keine kritischen Kommentare, sondern zunächst einmal nur Behauptungen, für die Du Belege anzubringen hast. Ansonsten wirst Du Dich auf der Trollwiese austoben. Und insofern Du keine reale und ladungsfähige E-Mail-Adresse anbringst, wirst Du hier auch nicht weiter kommentieren.

  121. Bersarin schreibt:

    @ che, in der Tat gibt es viele Positionen des Islam, manches ist naiv, manches steht in der Tradition europäischer Aufklärung (leider zu wenige), manches ist radikal, manches problematisch. In diesem Sinne ist es eben wichtig, Positionen wie die von Ates oder Navid Kermani und auch die der von mir oben genannten zu stärken.

  122. Dieter Kief schreibt:

    Ah ja – erledigt. Grazie.

  123. Empfehle sehr die Werke von Dario Fernandez Morera, um sich den Mythos von der islamischen Blütezeit aus dem Kopf zu schlagen: http://www.mmisi.org/ir/41_02/fernandez-morera.pdf

    Islam ist einfach eine als Religion verkleidete Form von Faschismus, und war es schon immer.

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