Nachblick Buchmesse sowie ein Vorblick auf Clemens Meyer

Was bleibt? Wie immer viele Manga-Mädchen, Manga-Boys, Fleisch, Haut, Lektüren, ein Freiabo von der Jungen Welt, was mir ein mißbilligendes Kopfschütteln sowie die Ausschimpfe der Frau an meiner Seite eintrug. Jugendliche, die in Scharen sich durch die Hallen schieben. Vermüffelte Luft. Auch Geschäftsmäßiges. Viel Volk und Business treibt in den Hallen und Gängen um. Der Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Sachbuch, geht an die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine interessante Wahl, wie ich finde. Einige Wochen vor der Nominierung von Stollberg-Rilinger habe ich mich mit jener einen Frau über Maria Theresia unterhalten. Wir sprachen über das weibliche Prinzip im allgemeinen – rede mit Frauen nie übers Weib oder nimm dazu die Peitsche mit, rate ich Dir als mittelalter Mann. Wir debattierten über das Weibliche in der Politik sowie über die Vorzüge dieser weiblichen Regentin gegenüber Friedrich II. Selten, daß wir in der Sache Maria so einhellig und traut beide einer Meinung waren. Haus Habsburg also. Es wird Zeit, daß man dieser Kaiserin und überhaupt Österreich und den Habsburgern einen Blick zuwendet. Dieses Reich vermochte es nämlich über die Jahrhunderte, einen Vielvölkerstaat zu regieren. Mein Favorit: Wien und nicht Berlin!

Der Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung geht an Mathias Enard. Ich habe sein Buch „Der Kompass“ noch nicht gelesen. Wobei mich, nach den Kritiken, dieses Buch nur mäßig interessiert. Sehnsüchtige Blicke wirft der Autor in die Vergangenheit. Das ist romantisch und sicherlich redlich gemeint, literarisch womöglich auch gut gemacht. Aber sind die verklärten orientalischen Nächte und der produktive Einfluß des Orients auf den Okzident im Augenblick tatsächlich das Thema, oder nicht vielmehr die schrecklichen Umbrüche und das Unheil, das im Namen der Religion dräut? Andererseits sollte Literatur im speziellen – zumindest als eines ihrer Momente – das verbindende wie auch trennende Moment herausstellen. Keiner registrierte dieses Verbindende in der Differenz besser als Goethe mit seinem West-östlichen Divan – Literatur als Weltliteratur. Nicht nur auf das Glück im stillen Winkel beschränkt. Das Sinnen des Dichters schweift in andere Welten. Aufgabe der Literatur ist es, diese Streifzüge in eine Geschichte oder eine Stimmung zu bringen, wofür sich hervorragend die lyrische Dichtung eignet. Hegel wußte das Divan-Werk in den höchsten Tönen zu loben:

„Dagegen ist es Goethe selber in einem weit tieferen Geiste gelungen, durch seinen West-östlichen Divan noch in den späteren Jahren seines freien Innern den Orient in unsere heutige Poesie hineinzuziehen und ihn der heutigen Anschauung anzueignen. Bei dieser Aneignung hat er sehr wohl gewußt, daß er ein westlicher Mensch und ein Deutscher sei, und so hat er wohl den morgenländischen Grundton in Rücksicht auf den östlichen Charakter der Situationen und Verhältnisse durchweg angeschlagen, ebensosehr aber unserem heutigen Bewußtsein und seiner eigenen Individualität das vollständigste Recht widerfahren lassen.“

Aber Hegel treibt den Gedanken in seinen Vorlesungen über Geschichte weiter, von der Literatur ins Politische hinein:

„Im Kampfe mit den Sarazenen hatte sich die europäische Tapferkeit zum schönen, edlen Rittertum idealisiert; Wissenschaft und Kenntnisse, insbesondere der Philosophie, sind von den Arabern ins Abendland gekommen; eine edle Poesie und freie Phantasie ist bei den Germanen im Orient angezündet worden, und so hat sich auch Goethe an das Morgenland gewandt und in seinem Divan eine Perlenschnur geliefert, die an Innigkeit und Glückseligkeit der Phantasie alles übertrifft. – Der Orient selbst aber ist, nachdem die Begeisterung allmählich geschwunden war, in die größte Lasterhaftigkeit versunken, die häßlichsten Leidenschaften wurden herrschend, und da der sinnliche Genuß schon in der ersten Gestaltung der mohammedanischen Lehre selbst liegt und als Belohnung im Paradiese aufgestellt wird, so trat nun derselbe an die Stelle des Fanatismus. Gegenwärtig nach Asien und Afrika zurückgedrängt und nur in einem Winkel Europas durch die Eifersucht der christlichen Mächte geduldet, ist der Islam schon längst von dem Boden der Weltgeschichte verschwunden und in orientalische Gemächlichkeit und Ruhe zurückgetreten.“

Einerseits kaum glaublich, daß diese Passage 180 Jahre alt ist. Andererseits bleibt festzuhalten, wie sehr die Lage sich wandelte. Mit der Ruhe ist es nicht so weit her. Vielleicht lese ich Enards Kompass und kontrastiere ihn mit Houellebecqs Unterwerfung. Ich suche nach zwei Perspektiven, sie treten im Verhältnis Schuß/Gegenschuß in Konfrontation, mit Glück durchdringen sie sich und schaffen einen neuen Blick. Andererseits interessiert mich Mathias Énards Der Alkohol und die Wehmut sehr viel mehr. Die Weite Rußlands und eine Reminiszenz an Tschechows Tristesse. Dieser kurze Prosatext handelt von einer Zugfahrt durch Rußland, von Moskau nach Novosibirsk, 3000 Kilometer rollt der Zug übers russische Gleis. Viel Melancholie und Drogen.

Wir begeben uns am Donnerstag auf die Messe, frühstücken vorher in der billigsten und ungemütlichsten Backstube von Lindenau. „Geben Sie Luxus, auf das notwendigste kann ich verzichten!“, so ähnlich scherzte Oskar Wilde, und gut denkt es sich an diesen Satz für die billigen Lage, wo wir Brötchen und Kaffee vertilgen. Das Steigenberger Hotel kostete zur Buchmesse rund 600 Euro pro Tag fürs Doppelzimmer. Immerhin etwas. Wir haben es deshalb nicht gebucht.

Zum Messe-Einlaß werden in einer Art Schleuse rechts und links des Bassins Taschenkontrollen gemacht, noch bevor wir die Halle betreten. Das gab es so bisher nicht. Wildes Treiben dann in den Gängen, aber wie uns scheint, deutlich leerer als die vorherigen Jahre. Am schönsten ist es – wie immer auf der Leipziger Messer – an den Ständen der Kunsthochschulen. Feines gibt es am Stand der Halleschen Burg Giebichenstein zu bestaunen, ebenso bei der HGB Leipzig und frech bis witzig Gezeichnetes und Unkonventionelles an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Ich wußte nicht, daß Braunschweig eine Hochschule für Künste hat. Gerne hätte ich etwas gekauft. Aber kostbare Drucke oder Zeichnungen in einer Tasche aus weichem Material zu transportieren, schien mir nicht ratsam.

Netterweise treffe ich durch Zufall Jochen Kienbaum von Lust auf Lesen. Passend und nicht anders zu erwarten am Stand der Arno-Schmidt-Stiftung. Auch schlendern wir zur Buchbloggerlauch. Sie liegt ein wenig abseits und im Verborgenen. Sozusagen ein Ruhebereich. Einlaß bekomme ich nicht, da ich bei der Messe nicht als Blogger akkreditiert bin, sondern wir mit Freikarten das Areal betreten. Da wir jedoch nur einen Tag die Messe besuchen, bleibt nicht viel Zeit. Weder für Literatur, noch für die Politik oder die Kunst. Die wesentlichen Ereignisse verpassen wir, weshalb diese Nachlese keine echte Nachlese ist, sondern ein Fake-News-Nachblick. Aber im Titel klingt „Nachblick“ schwungvoller als ein Bekenntnis zur nachlässigen Recherche: Wir waren niemals richtig da. Ronja Rönne läuft uns über den Weg. Ist der Schlafzimmerblick Attitüde oder ist sie wirklich verschnarcht? Ich habe ihre Bücher nicht gelesen. Wie ich hörte, soll schon wieder eines erschienen sein.

Statt Lesemarathon und Bloggerszene zog es uns abends in ein feines Restaurant in Plagwitz, wo wir uns mit Riesling zuschütteten und Leckeres in uns hineinschaufelten, um uns für Clemens Meyer zu stärken. Eine Lesung in der alten Baumwollspinnerei, aus seinem neuen Erzählungsband Die stillen Trabanten. Anklänge an Die Nacht, die Lichter, nun sind es jedoch keine Storys mehr, sondern die Prosa der Wirklichkeit ist zur Erzählungen gereift, im Ton gediegener. Meyer sei ruhiger geworden, meinte die Frau an meiner Seite. Wir hören, wir lauschen. Ich bin eingefleischter Fan von Clemens Meyers Prosa, hier jedoch, bei der Lesung, blieb ich verhalten, fragte mich, ob sich in diesen Texten nicht vielmehr der Ton und die Erzähllage wie auch das Sujet wiederholten. Während Meyer mit seinem Roman Im Stein eine neue fragmentierte Form erfand, scheint es, als springe dieses Erzählen wieder zurück, gleichsam ein Schritt in die Anfänge.

Andererseits geht es in der Literatur bzw. im Oeuvre eines Schriftstellers, denke ich mir, um eine sich entfaltende Kontinuität: Wie bildet die prosaische Dichtung Realitäten ab, auf welche spezifische Weise macht es der Autor; vor allem aber: wie schlägt sich diese Arbeit der Form als Text nieder? Das ist die dicke Frage, die seit dieser unseligen Knausgard-Eiferei des neuen Realismus und dem Hype um Melles Die Welt im Rücken den Ton der Debatten bestimmt. Meyers Realismus ist ungeschminkt und doch findet sich darin ein poetischer Ton. Ich bemerke, anders als bei Knausgards Abbildungs-Exzessen, die Arbeit der Konstruktion. Diese Prosa ist Fiktion. Oder auch nicht. Das spielt in diesen Texten zum Glück keine Rolle. Meyer erzählt und bildet Miniaturen von dieser Welt. Wobei Meyers Debüt-Roman Als wir träumten alles andere als eine solche Abbreviatur ist, sondern ein Wenderoman besonderer Art, der anhand einer wilden Jungensclique den großen Wurf wagt. Als wir träumten pointiert die Stimmung und diese Szenerie einer Zeit, in der alles wegbrach und die Kräfte einer erodierten Gesellschaft roh aufeinanderprallten, und je weniger sich deren Teilnehmer in den Komfortbereich aufhielten, desto heftiger schmerzte es. Leipzigs wilde Tage: Seinen genialen Wurf habe ich noch immer nicht hier im Blog besprochen.

In Die stillen Trabanten scheint sich ein anderer Ton als in seinem Roman anzubahnen, das alte Sujet von Die Nacht, die Lichter und auch dem Erzähl-Tagebuch Gewalten zwar aufgreifend, aber zugleich transformiert Meyer es im Stil. So zumindest mein Eindruck, als ich die Texte in der Lesung hörte. Trotzdem bleibt bei mir dieser erste Eindruck haften, daß sich in diesen Texten etwas wiederholt. Die genauere Lektüre seines neuen Bandes wird es zeigen, ob dieses Erzählen von Underdogs bzw. von Menschen aus jenem normalen Leben in durchschnittlicher Existenz eine Reprise ist oder ob Meyers Prosa in eine andere (oder zusätzliche) Richtung noch ausgreift

Wer solche Härten und Zeiten in einer ungeschminkten Prosa lesen möchte, greife sich von Sven Heuchert die Erzählungen aus dem Band Asche. Heuchert nennt diese Geschichten Storys, und in dieser Tradition stehen sie angemessen. Heuchert schreibt reduziert, berichtet uns vom Drastischen, und zwar nicht aus den Zonen verwahrloster Mittelstandsberliner mit irgendwas aus Sehnsucht, Flaneurgehabe und Medien, sondern dort, wo es wehtut und wo es kracht, weil Faust auf Fresse schlägt – real wie metaphorisch. Heuchert zeigt die Zonen und Zeiten der Desillusion. Darin deutlich in der Tradition Meyers. Aber um einiges roher noch und eigen. Von Ton und Sujet her würde ich sagen, daß sich beide Autoren ergänzen, und zwar in einer geographischen Weise des Literarisierens sozialer Härten. Vielleicht liegt es daran, daß ich um deren Herkunft weiß, aber bei Sven Heuchert lese ich deutlich den Ruhrpott und das Rheinische heraus, während Meyer den Ton des Ostens trifft. Jene, die die Wende als Menschenmüll zurückließ.

Im ganzen wieder einmal eine kurze Buchmesse, sozusagen ein Besuch als Short-Story. Ohne das Brimborium des Betriebes. Die Baumwollspinnerei liegt schön abseits und in den Gassen von Plagwitz und Lindenau ist es nachts wunderbar ruhig.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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32 Antworten zu Nachblick Buchmesse sowie ein Vorblick auf Clemens Meyer

  1. Herwig Finkeldey schreibt:

    Die Schriftsteller, die Verleger, die Buchmesse. Da sitzen sie und können nie genug Aufmerksamkeit bekommen. Sie sind allerdings anders als das Bier, nämlich untreu und ungemütlich. Und wenn ein Buch fertig gestellt ist, werden alle Schriftsteller – ob Mann oder Frau, links oder rechts – vom Sog des Gender-Mainstreamings erfasst: Sie erfinden sich und ihr Geschlecht neu, mutieren zur Löwenmutter! Mein Kind, mein Sohn, meine Tochter! Wehe, Du liest es nur quer, von hinten nach vorne oder gar nicht. Erlaubst Dir ein Urteil, nennst es Machwerk oder Konfektionsware! Mein Kind – merk Dir das, Sterblicher – ragt heraus aus allen Werken, aus allen Zeiten! Das ist die Logik der Löwenmütter.

    Und genau genommen fängt das ja alles schon vorher an, denn: mothering begins before birth. Schon in der Planungsphase sind die Schriftsteller ungenießbar. Ach Schriftsteller. Es ist ein Graus mit diesen „unsicheren Kantonisten“.

    Wir treffen uns dann in Frankfurt…

  2. Bersarin schreibt:

    Tja, immer weiter, immer schneller: Morgen ist das neue Gestern.

  3. Dieter Kief schreibt:

    Seit zwei Tagen wache ich morgens mit Martin-Walser-Gedanken auf – wg. Walser-Festivitäten wg. 90. Geburtstag und wg. des hervorragenden Films von Dennis Scheck in der ARD über Walser und (seinen) Bodensee.

    Auch Walsers Gestern enthält etliche Morgen.

    Goethes Islam ist – wie auch der Hegels – ein Literatentraum/ bzw. auch ein bisschen ein Literatenalbtraum, den Hegel spöttisch anklingen lässt – aber es ist halt nur ein wenig Spott, ickjloobe).
    Der Literatentraum beschäftigt uns derzeit weniger (er klingt aber nach in der Art, wie Ates und Ourghi Gebrauch von ihm (= Goehtes Höhenklamm-Islam) machen).

    Fulminanter Artikel von Jürg Altwegg heute in der FAZ über den Islam als Problemquell in Frankreich und die intellektuelle Verwirrung, die das auslöst. – Der Freitag meint scheints in gusseiserner Konsequenz, Sarrazin sei das Problem (oder Enzensberger, hehe). Sie bräuchten einen „Elefantenwecker“ (Peter Rühmkorf).

  4. Dieter Kief schreibt:

    korrigiere: Goethes Höhenkamm-Islam

  5. Bersarin schreibt:

    Allerdings bedeutet das Denken des Anderen häufig, einen Fiktionsraum zu schaffen, beschworen werden Ideale. Deutlicher noch wird das beim antiken Griechenland, das als Projektionsraum für unterschiedliche Ideale und poltische Projekte dient.

    Was den Islam betrifft, sollte man allerdings dessen Pluralität sehen: DEN Islam, als ein Kollektivsubjekt, gibt es nicht. Sehr wohl aber unheilvolle Ausprägungen, die uns momentan massiv beschäftigen. Und die Länder, die einen politischen Islam pflegen.

    Immerhin gab es Avicenna und Averroës. Und al-Andalus war im Gegensatz zu vielen Regionen des christlichen Europas ein (relativ) toleranter Ort. Juden zumindest fühlten sich dort sicherer als bspw. in England. Auf diese Traditionen sollte sich der Islam wieder besinnen und ich halte es für wichtig, die liberalen Kräfte zu stärken. Das wird freilich ein langwieriger Prozeß werden und bedeutet halt Arbeit. Mit dem Moscheeprojekt von Ates ist da ein Anfang gemacht.

  6. Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Granada

    Das tolerante Andalusien ist ein Mythos. In Spanien spricht man von der „Leyenda negra“, der schwarzen Legende, nach der alles, was Spanier in der Geschichte taten, reaktionär, inquisitorisch und faschistoid war. s. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Leyenda_negra

    Der Arabist Serafin Fanjul aus Madrid hat einige Bücher geschrieben, in denen er den Mythos von Al-Andalus demontiert, ausdrücklich belegt aus historischen Quellen. Leider ist praktisch nichts von ihm übersetzt, hier aus der französischen Wikipedia: https://fr.wikipedia.org/wiki/Seraf%C3%ADn_Fanjul

    In einem Artikel in „El País“ hat er seine Ideen dargelegt: http://elpais.com/diario/2001/05/02/andalucia/988755744_850215.html

    Titel „Die Muslime von Al-Andalus waren keine Spanier, ihr politisches Projekt war ein arabisches.“

    Ich übersetze mal ein paar Sätze:

    „“Es gab Diskriminierung von Minderheiten in Al-Andalus: Verfolgung von Juden und Christen durch die Muslime, massive Deportationen von Christen und Juden nach Nordafrika, Judenmassaker in Granada im 11. Jahrhundert … Die Christen machten dann genau das gleiche mit den Muslimen. Es gab große Verärgerung und härteste Diskriminierungen. …“

  7. Dieter Kief schreibt:

    Den Islam gibt es in der Form jenes Islam, die eben in Frankreich usw. Probleme macht, oder die von Hegeln verspottet wurde.

    Den Höhenkamm-Islam gibt es auch.

    Patzelts Auto ist in Dresden angezündet worden. Das waren wohl die üblichen atheistischen Islam-Schützer – mit großer Wahrscheinlichkeit keine Goethe-Leserinnen, jedenfalls.

  8. Bersarin schreibt:

    @ Dieter Kief: Worauf es mir ankommt: Es gibt nicht DEN Islam. Richtig ist allerdings, daß in Frankreich massive Probleme existieren. Aber das liegt eben nicht nur am Islam – der Islam besetzt in Frankreich lediglich eine Leerstelle -, sondern an ganz anderen Aspekten. Nämlich die französische Kolonialpolitik (Stichwort Algerien) und die soziale Gleichgültigkeit gegenüber diesen Leuten. Wenn ein Staat bei sozialer Verwahrlosung gleichgültig zusieht, bekommt er irgendwann eine Quittung serviert. Die erhalten die Franzosen gerade. Auf mehreren Ebenen. Übrigens hatte die BRD zu Beginn der 80er Jahre deutlich mehr muslimische Bewohner als Frankreich und die Probleme hielten sich in Grenzen.

    @ El Mocho: Was al-Andalus betrifft, so streiten sich hier die Historiker, zumal ein Begriff wie Toleranz immer ein relationaler ist. Im Vergleich zum Mittelalter in England, wo Juden erst gar nicht leben durften und komplett vertrieben wurden und im Vergleich zu den Staaten des Deutschen Reiches, wo es immer wieder Progrome gab, ging es im maurischen Spanien relativ tolerant zu. Daß es immer wieder einmal zu Exzessen kam, spricht nicht gegen den Grundgedanken. Zudem handelte es sich bei dieser Region um eine Hochkultur, die den meisten Regionen/Königtümern Europas technisch und an Wissen weit überlegen war. Eine solche Entwicklung von Kultur (Technik, Medizin, Philosophie, Bewässerung, Literatur) finden wir auch im arabischen Raum in Bagdad und Persien. Es waren Länder, die den christlichen ebenbürtig, wenn nicht überlegen waren.

  9. Dieter Kief schreibt:

    „Der Islam besetzt in Frankreich lediglich eine Leerstelle“? – Der Islam ( – öh!?) – besetzt eine Leerstelle. Sonst nichts?

    – Ch mpfele nach wie vor Jürg Altwegg, yesterday in der FAZ: 28. 3. – Fünfzig Jahre und ein Tag nach der Aufnahme von Good Morning für Seargent Pepper’s – – – Nothing to do or say,/ I’m feelin‘ ok (…).
    Bruckner und Finkielkraut werden langsam scheints ungehalten. Houllebecq bleibt cool, und es sprechen ein paar Neue.

    Heute aufgeschnappt: Die Abfolge der Tierstimmen in Good Morning entspricht dem folgenden, sicher nicht von Harrison oder McCartney – und schon gar nicht von Starr ersonnenen Schema: Es kommt immer ein Tier, das das zuvor zu hörende fressen – oder wenigstens töten könnte.

  10. Ich müsste da wohl mehr aus den Büchern von Fanul zitieren, der kann als Arabist die Originalquellen lesen. Etwa das Gesetzbuch des Ibn Abdun aus Sevilla (13. Jhdt.), in dem Muslimen verboten wird, sich nahe bei Christen, Juden, oder Leprakranken anzusiedeln.

  11. Bersarin schreibt:

    @ Dieter Kief: Der Islam in seinen verschiedenen Ausprägungen: Von Salafisten, die sich des Politischen enthalten und „lediglich“ darauf pochen, daß streng nach Koran gelebt wird, bis hin zu Terrorwilligen, religiös Konservativen und Jugendlichen, die sich den Islam schlicht als Image auf die Fahne schreiben, weil es provoziert. Diese Strömungen des Islam schaffen in Frankreich einen Kitt, den die Politik und die übrige Gesellschaft nicht mehr herstellen können. Und da muß und sollte man sich einmal fragen, weshalb es Frankreich nicht gelang, diese Jugend zu erreichen und sie stattdessen in Ghettos kasernierte. Und das ist ja auch die Kritik, die ich an dieser Bratze Sarrazin übe: Hier als Finanzsenator die Gelder für Jugendarbeit kürzen, bis es quietscht, und hinterher dann sein Gegreine anstimmen. Wie geschrieben: Ich halte es in diesen Dingen der Sozialarbeit und des Umgangs, den wir mit diesen Jugendlichen pflegen, mit Buschkowsky und dem Jugendrichter Andreas Müller.

    Richtig ist allerdings, daß die Gesellschaft bestimmten Ausprägungen des Islams Grenzen aufzeigen muß. In Frankreich ist die Situation noch einmal eine ganz andere als in der BRD: Insofern können wir hier nur lernen und die Fehler, die die Franzosen in die eine wie in die andere Richtung machten, nicht zu wiederholen: Eine Scheintoleranz gegenüber der Religion bei gleichzeitiger sozialer Gleichgültigkeit gegenüber den Problemen. Einfach werden die Lösungen nicht sein und es wird vermutlich nur schrittweise gehen. Insofern ist mir da Buschkowskys Diktum ganz recht: Fördern und fordern. Klare Ansage und ausgestreckte Hand. Wer das nicht versteht, fährt heim oder bei Straftaten bis zum St. Nimmerleinstag in den Knast. (Ein Jugendlicher mit 93 Straftaten – gerade in der „Zeit“ gelesen -, der mit rund 3 Jahren Jugendarrest einfährt, unter anderem, weil er einen anderen Menschen mit dem Kopf im Rinnstein ins Koma trat, erzeugt nicht nur bei mir unverständnis. Solche Menschen haben in der Freiheit nichts verloren.)

    @ El Mocho: al-Andalus ist ein komplexes Gebilde, teils aus unterschiedlichen Fürstentümern und Herrschergebieten bestehend, die sich auch gegenseitig bekämpften und ebenso mit dem Christen paktierten, wo es opportun erschien. Insofern fällt die Sicht auf diese Region naturgemäß vielschichtig aus. Daß es sich bei den damaligen Muslimen nicht um Friedensengel und Pazifisten handelt, sollte klar sein. Und je nach Epoche und Herrscher war der Umgang mit Andersgläubigen teils grausam. Insofern läßt sich da schwerlich ein islamisches Idyll inszenieren. Worum es mir jedoch geht, ist der Umstand, daß wir hier einen Islam finden, der prinzipiell innovativ und kulturell (relativ) offen war. Zumindest als Tendenzbild der Zeit und im Vergleich zu heute, wo ein politisch rigider Islam wie in Saudi Arabien oder in Persien sich in Szene setzt und agiert. (Was den Iran und Saudi Arabien betrifft, da kann sich der Westen einen Teil der Schuld dazu ans Revers heften.)

  12. Das ist sicher in soweit richtig, als es um den Hof des Kalifen in Cordoba ging, an dem es tolerante, philosophische Diskussionszirkel gab. Für die allermeisten Menschen war Al-Andalus aber sicher eher so, wie es Fanjul beschreibt.

    Steuern zahlten übrigens nur Juden und Christen, Muslime waren befreit.

    https://www.google.com.co/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0ahUKEwi–7rkzfvSAhXMExoKHRtVBOgQFggbMAA&url=http%3A%2F%2Fusers.clas.ufl.edu%2Fncaputo%2Feuh4930-08%2Farticles%2Fgarcia-sanjuan.pdf&usg=AFQjCNGCWxJ3j_1REKfivpabRc9k9rOjlw&bvm=bv.150729734,d.bGg&cad=rja

  13. ziggev schreibt:

    zuletzt habe ich, dass diese (für Europa) so bedeutsame Kooperation zw. verschiedenen Aristoteles-Übersetzern in Andalusien im politischen Kontext leider gar nicht so sehr Friede-Freude-Eierkuchen abgelaufen sei, von einem „ausgewiesenen“ (Anführungszeichen, weil Fremdzuschreibung) „Salafisten“ gehört.

    was ich möglw. als eigene Idee dieses Kerls zu betrachten geneigt war: dass diejenigen, die nun mal das praktizieren wollten, was wir als „bibeltreue Christen“ womöglich bezeichnen würden, nur im Islam, also die Lebensformen der direkten Mohamed-Nachfolgern zu kopieren, stellte sich als Forderung nach „Recht auf Selbst-Diskriminierung“ heraus: Wir wollen uns selbst diskriminieren dürfen!“

    Der Typ träumte tatsächlich von einem anarchistischen Kapitalismus – teils, vermute ich, weil dieser Konvertit hier einen Ausflucht suchte vor zu eindeutiger Indoktrination, und der er ohne Zweifel ausgesetzt gewesen ist. Von einem anarchistischen Kapitalismus, innerhalb dessen „salafistische“ Gemeinden tatsächlich ihr friedlichen Dasein neben anderen (westlichen) fristen würden.

    Das alles fand statt, als es diese aufsehenerregenden Koran-Verteilungsaktionen gegeben hatte (superbeste Werbung die Empörung in den Medien, wie er mir versicherte!). Und er hatte mir erzählt, dass eigentlich alle, die bei den Messerattacken gegen Polizisten dabeigewesen seien, eher geschockt nach Hamburg zurückgekommen seien.

    Ich hab den Typen also erlebt als jemanden (so behauptete er jedenfalls), der in aller Stille „sein religiöses Ding“ machen/leben will, aber andererseits auch als jemanden, der immerzu das jeweils Vorgebetete nachplappern wollte. – Denn, hier konnte kein Zweifel bestehen, er stand unter Einfluss der betreffenden Propagandisten.

    Eine dieser Einflüsterungen lautete: „Das war mitnichten alles Friede-Freude-Eierkuchen, was da in Andalusien passierte.“

    Wie gesagt, Argument zuletzt von „Salafisten“ gehört.

  14. Dieter Kief schreibt:

    Was Sie so per Ferndiagnose über Frankreich schreiben, scheint mir ziemlich auf Kollisionskurs mit
    dem zu sein, was Altwegg am 28. 3. in seinem einlässlichen FAZ-Artikel schreibt. Oder Camel Doud, oder die von mir oben bereits zitierten Pascal Bruckner (komisch, den hat doch der Perlentaucher eine Weile hochgehalten – jetzt, da auch er… Sarrazin lobt … oder es hat andere Gründe (wie gesagt, Gründe gibt es immer, hört man nichts mehr von/ über Bruckner im Perlentaucher)) – und Alain Finkielkraut. Abdel-Hamed Ourghi jetzt in Freiburg – oder die da, gefunden bei Michael Klonovsky: Tuba Isik! Und wenn man solche wundersamen (in vielerlei Hinsicht…) islamgläubigen Geschöpfe studiert – bitte immer daran denken: Ihnen nach dem Leben trachtet nicht die abendländische Vergangenheit (und auch nicht die deutsche (zurechnungsfähige) Rechte – seufz – s. meinen Hinweis auf Klonovsky) – sondern nach dem Leben trachten diesen nun wirklichen Hoffnungsträgerinnen und Trägern all – in der Tat ihre Glaubensgeschwister.

    Das da ist es also, was Klonovsky zu Tuba Isik zu sagen hat:
    „Und wieder ist ein Monat dermaßen rasch vorbeigezischt, dass unsereinem recht viel Gelegenheit zur Besinnung nicht blieb. Hohe Zeit also für selbige – die Besinnung nämlich – in wohlgefälliger Betrachtung der Monatsendfigur! Diesmal soll es das vielleicht schönste Antlitz und einer der klügsten Köpfe des deutschen Islam sein: Dr. Tuba Isik, Theologin zu Paderborn, eine der angenehmsten Gesprächspartnerinnen, die ich je am Tische hatte (und meinen dabei vertilgten Weinen gegenüber weit toleranter als ich gegenüber den von ihr verzehrten alkoholfreien Cocktails). Der polyglotten Theologin verdanke ich unter anderem die Erkenntnis, dass ein Muslim sogar in einer Kirche beten darf, sofern er sein Gebet nicht direkt in die Richtung eines christlichen Heiligenbildes richtet. „Mein Gottesbild hat sich weiterentwickelt im Dialog mit dem christlichen, der erbarmende Gott ist dabei in den Vordergrund getreten. Mein Gott ist ein freundlicher Gott“, sagte sie mir. „Orient und Okzident/sind nicht mehr zu trennen“, sprach Goethe, und er meinte wahrscheinlich Tuba Isik. Obwohl SPD-Mitglied, hat sie übrigens kein Problem damit, mich ohne mit einer ihrer schönen Wimpern zu zucken zu Podiumsgesprächen einzuladen. Da immerhin besteht noch ein echtes Integrationsdefizit.
    (Hier hat Klonovsky ein wirklich anmutiges Kopftuch-Foto der laudierten Tuba Isik, dann fährt er fort:)
    Das Tuch ist übrigens arabisch gebunden, ließ ich mich belehren. Und selbstverständlich besitzt eine modebewusste Muslima ungefähr ebenso viele verschiedene Tücher, wie uns Allah Namen seiner selbst offenbart hat…“

  15. Dieter Kief schreibt:

    Das noch @ Bersarin

    Es kommt häufig vor, dass Leute gegen Sarrazin und für Seyran Ates und Necla Kelek und Heinz Buschkowsky usw. schreiben.
    Das gebiert aber Widersprüche sonder Zahl – unter anderem von den hier genannten – weil die ja (ganz überwiegend) für Sarrazin sind. Fördern und fordern ist Hartz/ Schröder/ Sarrazin (ausdrücklich fordern: siehe „Deutschland schafft sich ab“).

    Man kann immer diffrenzieren, aber man hat nicht immer Glück damit.
    Wir können hier natürlich weiter unsere verlgeichsweise winzigen Differenzen pflegen. Differenzieren geht immer.

  16. Bersarin schreibt:

    Ich denke auch, daß unsere Differenzen in dieser Frage eher graduell sind. Leider aber sind meine Erkältungskopfschmerzen zu hoch, um das irgendwie in eine fruchtbare Debatte zu verwandeln. (Bei Enard denke ich ja auch, daß er einem schönen Traum nachhängt. In der Literatur kann man das so machen, Wie auch Kermani in „Große Liebe“ oder „Dein Name“. Sicherlich läßt sich Europa auch anders denken, etwa als ein Staatenbund um den Mittelmeerraum gruppieren. Agamben machte, soweit ich mich erinnere, in diese Richtung hin Vorschläge. Solche politischen Konstellationen und Gebilde hängen von der politischen Lage ab.)

  17. Dieter Kief schreibt:

    Ehrlich gesagt klingt das, was Sie schreiben schon ein wenig kopfwehlastig – mit anderen Worten: Jetzt erholen sie sich halt mal – Lebbe geht weiddä!***

    *** Der Ausspruch stammt wer weiß vielleicht sogar von einem immer noch prominenten hessischen – – Muslim.

  18. che2001 schreibt:

    Ich hatte mich gerade mit zwei türkischen Freunden über die aktuelle Lage unterhalten. Die sind völlig entsetzt über das was die Islamisten im allgemeinen und IS im speziellem betreiben und von sich geben. Weder stimme das mit dem Koran überein noch könne man diesen wörtlich nehmen bzw. überhaupt auf heutige gesellschaftliche Verhältnisse anwenden. Wenn man ihn lese fiele auf, dass dort keine Kiwis, Äpfel oder Schnee vorkommen, wohl aber Feigen und Datteln. Es sei offensichtlich, dass dieses Buch im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel entstanden sei und also Menschenwerk und keine Offenbarung. Selbst Allah sei ein „zusammengesetzter“ Gott, in dem sich Aspekte von Jahve, den altarabischen Gottheiten Hobal und Allat sowie Mithras und Amun Re wiederfinden würden. Die beiden werden beim Referendum mit „Nein“ stimmen und sehen die Türkei auf dem weg in die Diktatur. So wie diese Leute denken viele gebildete Mittelschichtsangehörige unter den Deutschtürken, Deutschkurden, Deutscharabern, Deutschpersern, Deutschafghanen. Sie sind in dem Sinne Muslime wie die meisten säkularen Biodeutschen Christen sind. Nur über diese Leute wird in der Öffentlichkeit viel zu wenig gesagt.

  19. Dieter Kief schreibt:

    @ che2001

    „Sie sind in dem Sinne Muslime wie die meisten säkularen Biodeutschen Christen sind. Nur über diese Leute wird in der Öffentlichkeit viel zu wenig gesagt.“

    Auf was wollen Sie raus?

    Ihr Argument hat sicherlich eine vernünftige Seite, die wird hier zumindest sehr gut berücksichtigt, wie ich finde. Zudem hat Ihr Argument aber auch eine abgründige Seite. Verzeihen sie, wenn ich das ein wenig ausmale: Es wird über fast alles auf der Welt fast gar nichts gesagt, und daran ist nichts falsch – das kann gar nicht anders sein – – nicht einmal wenn wir fünfmal solange lebten, als wir es so schon tun, könnte das auch nur ein Jota anders sein, wie ich finde.

  20. che2001 schreibt:

    Das ist doch aber evident, um was es hier geht: Öffentliche Diskurse um Muslime mit Migrationshintergrund in Deutschland beschäftigen sich immer nur mit den Verhaltensauffälligen, den Rückständigen, den Kriminellen, oder aber sie werben um Verständnis und Empathie für die in der Parallelgesellschaft Lebenden mit Hinweisen auf deren schwere Geschichte. Die Normalität der etablierten und arrivierten Migrantennachkommen wird dabei völlig ausgeblendet, obwohl diese, in Deutschland besser als zum Beispiel in Frankreich oder Benelux, eigentlich ein Ruhmesblatt für die Integrations- und auch Wandlungsfähigkeit der deutschen Gesellschaft darstellt.

  21. ziggev schreibt:

    Anekdote aus der Praxis: Ich brachte der kleinen Gruppe afghanischer Herkunft die Buchstabenfolge [sch] bei. (Bitte Ich, nicht Isch !) Doch dann passierte, was früher oder später jedem Unterrichtenden passieren muss: Mit leeren, vollkommen verständnislosen Augen starrt mich die Gruppe an. Ich beginne, pantomimisch herumzuhampeln, „also, die Christen beten in der Kirche“ (wir sitzen in einem Tagungsraum einer profanisierten kath. Kirche), weise auf den Glockenturm, der durchs Fenster zu sehen ist, lege die Handflächen aneinander, „die Christen beten (Geste) in der Kirche, die Moslems“ – Hände neben den Kopf gehalten schnell ein paar Verbeugungen machend – “ beten in der Mosche.“ Unendlich leere Blicke, Abgründe der Verständnislosigkeit … die Frühlingssonne scheint durchs Fenster auf die Tafel und Tische, die Zeit scheint still zu stehen … Ich skizziere also eine Mosche: Kuppel (Kreisbogen), nen Kasten darunter, an den Seiten noch zwei Blöcke, den Eingang, und dann „hier noch so: …“ – zwei Türme (aus kleiner werdenden, aufeinander gestapelten Rechtecken, die Pershing-Shape vermeidend) „und … etwa … so …“

    Belustigung macht sich breit, der Groschen fallend … „Ah, ‚die Moslems (meine linkischen Gesten nachäffend und Betonung aufnehmend) beten in der … Mosche‘ ?“, während ich versuche, ernst zu bleiben …

    Nun ich etwas verlegen: „Ja, ‚Mosche‘, so sagen wir ….“ Schnell schiebe ich noch ein paar sch-Beispiele nach, Deutschland, Schule ….- Und das ist nicht die erste Gruppe, die offenbar Konzepten wie Mosche (oder Kirche) kaum etwas anderes abzugewinnen vermag als allerhöchstens das Spelling. Eine Kirche scheint ihnen genauso profan wie eine Kirsche. Die haben Religion sowas von nicht auf den Zettel (und ich steh´dann immer etwas doof da, etwas anderes vermutet zu haben) !

  22. Bersarin schreibt:

    Ich denke, es ist beides: Natürlich gibt es genügend Menschen, die hierherkamen, die in der dritten und vierten Generation hier leben wie alle anderen auch. Und es gibt solche, die der Gesellschaft Probleme bereiten. Solches Beispiel wie aktuell in der Schule im Stadteil Friedenau, (http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/28212), wo ein jüdischer Junge von der Schule genommen werden mußte, mag zwar ein Einzelfall sein, aber das Problem des Antisemitismus in der arabischen und türksichen Community ist nicht kleinzureden und es ist kein Einzelfall.

    Ebenso problematisch ist das, was in Moscheen Nettes gepredigt wird. Constantin Schreiber berichtete darüber.
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-03/inside-islam-constantin-schreiber-moscheen-freitagspredigten

    Ein solcher Islam ist niemals in dieser Gesellschaft angekommen und er will es auch nicht. Insofern muß sich schleunigst etwas an der Ausbildung der Imame ändern. Sinnlos in Moscheen Leute abzustellen, die aus einem völlig anderen kulturellen Raum kommen, die BRD vom Hörensagen kennen und zu ihrer Gemeinde nicht ein Wort Deutsch sprechen können. Würde man das im umgekehrten Falle hören, hielten wir es für eine Satire. Man stelle sich vor, katholische Pfarrer werden aus der Pampa von Südamerika eingeflogen, um hier Seelsorge und Gottesdienst zu betreiben.

  23. Bersarin schreibt:

    Für diese Profanisierung sind die Moscheen hier in der BRD aber relativ gut besucht, ziggev.

  24. ziggev schreibt:

    oh, bersarin. Das sieht aber, insbesondere die rhetorischen Partikel „Für diese …. aber relativ …“, nach einem typischen Denkfehler aus. Um aus diesen beiden Fakten einen kontradiktorischen Widerspruch zukonstruieren, müssten ja erst ein paar Zusatzannahmen gemacht werden. Anders jedoch haben wir schlicht eine Liste von Konjugationen: „Es verhält sich so, dass A und dass B unddass … undund …“

    Konjugationen, und deshalb ja das Anekdotische, die eben als solche keine Relationen implizieren, wie Du es tust „Für diese …. sind … aber relativ …“.

    Und das zeichnet liberales Denken aus, in Konjunktionen zu denken vermögen. Gut besuchte Moschen scheinen Dir als Evidenzen zu gelten, für etwas, woraus Du einen Widerspruch zu deduzieren Dich anzuschicken scheinst. Allein Dein Postulat eines Widerspruchs zw. zwei völlig unabhängig voneinander bestehenden Sachverhalten beweist, sofern Du schlüssig zu argumentieren vorhattest, dass Du ein paar Zusatzannahmen machst, die Du aber verschweigst und mit denen Deine Konstruktion schlechterdings steht oder fällt.

    Das wahre, das wirkliche pralle Leben, alles Lebendige, so schwer es Dir auch fallen mag es zu akzeptieren, zeigt sich nun mal immun gegenüber Deduktionen. Die Sachverhalte, der unendliche Reichtum an schönen und unschönen Tatsachen, sind immer nur mit sich selbst identisch. Mit Identifikationen ist ihnen nicht beizukommen, sie können ihnen nie gerecht werden, solltest Du doch wissen. – Aber dies nur als Antwort auf diesen tendenziösen Kurzkommentar in seiner verräterischen Rhetorik.

    Mein Kommentar sollte eigentlich nur als Anekdote dienen/gelten. Meine grundsätzlichere Kritik, auch an (impliziten) Argumentationen hier im Thread, kommt später noch.

  25. Bersarin schreibt:

    Ziggev und die Logik – das ist so ein Kapitel für sich. Zunächst einmal solltest Du hier keine Pappkameraden aufstellen und nicht Dinge behaupten, die ich nie gesagt habe und zudem kannst Du Dir Deine Unterstellungen sparen, insbesondere in Deinem verschwurbelten vierten Absatz, wo nicht Zusammenhängendes in einen erzwungenen Kontext gepreßt wird: Merke ziggev: Logik ist kein Surrealismus. (Und passiert das noch einmal, fliegst Du hier aus dem Blog hochkant heraus. Denn Du gehst mir mit Deinem Unsinn inzwischen auf die Nerven.) Zweitens solltest Du überhaupt darauf sehen, was Du schreibst, bevor Du Deine Kommentare abschickst, und Logik hier nicht als einen Betriebsfetisch vor Dir hertragen. Zum unqualifizierten Inhalt Deines Sermons: Eine Beobachtung kann kein Denkfehler sein. Sie ist entweder richtig oder sie ist falsch: Der Mond ist heute voll, die Moschee ist zu den Zeitpunkten X oder Y voll, das Glas ist voll etc. Da trifft der Begriff Denkfehler nicht. Entweder ist der Satz wahr oder er ist falsch.

    Ich habe Dich zudem nicht logisch zu widerlegen versucht, sondern ich habe Deinem partikularen Beispiel meine partikulare Andersbeobachtung entgegengesetzt bzw. Deine Aussage ergänzt. Was nun die Mengenangabe anbelangt: Es kann natürlich sein, daß Du Afghanen in Moscheebesucherstärke von 12 Deutschen Großstädten unterrichtest und die haben das im Chor alle so gesagt, wie Du es uns hier vorgibst, dann hast Du sicherlich recht. Ich vermute aber, daß es sich anders verhält. Zudem bestünde die Möglichkeit, daß die Afghanen Dich nicht richtig verstanden haben oder daß Du sie nicht richtig verstanden oder wiedergegeben hast. Selbst da bin ich mir bei Dir nicht ganz sicher.

  26. Dieter Kief schreibt:

    Das ist das schöne am Frühling – dass er genau dann kommt, wenn wir ihn am nötigsten haben.

    Mein letzter Kommentar ist weg – vielleicht im Spam?
    @ Bersarin – wieder auf und munter, hoff‘ ich!

    @ Che2001
    Ich glaub nicht, dass die Muslim-Lage in D-Land sehr verschieden von der in France ist.
    Dass man über Dinge die gut laufen nicht soviel spricht, ist normal – wenn auch vielleicht auch ein neig problematisch. Ein weites, nicht uninteressantes Feld. Ein Quadratmeter auf diesem Feld könnte die Tatsache sein, dass Paul Collier offenbar zum Berater der Bundesregierung aufgestiegen ist.
    Ich verstehe Ihren Punkt und teile ihn. Allerdings nicht in dem Sinne, dass ich glaube, wir sollten anstreben (oder es hätte einen Sinn anzustreben…) – : – – die Säkularisierung der hiesigen islamischen Kultur zu ereichen.
    Wir werden noch lange mit dem Islam in D-Land und Europa zu leben haben – daher, wie hier schon öfter vermerkt – führt der Weg über den Euro-Islam. Bassam Tibi brauche ich in dem Kontext nicht als Schmährufer und beleidigte Leberwurst. Ich will nämlich, dass es solchen Leuten wie Abdel Hamed Ourghi und der oben unter Klonovsky aufgeführten Turba Isik erdenklich gut geht – dass sie möglichst nicht von ihren Glaubensschwestern und Brüdern getötet werden, und dass sie soviel als möglich tun können, um den Islam zu reformieren.

    Dazu gehört auch, wasin Ba-Wü schon mit einigem Schwung geschieht, dass ReligionslehrerInnen ausgebildet werden (cf. abdel Hamed Ourghi, Freiburg!) und – : Was in der Schweiz flächendeckend geschieht, dass in den Moscheen deutsch, bzw. in der Landesprache gepredigt wird, und dass die Imame von der hiesigen Regierung eingesetzt werden, nicht von Erdogan – ich stimme (in Bersarins Wehgeschrei – ok, ich übertreibe ein bisschen, – aber tendentiell..) also mit Bersarin überein, dass der türkische Einfluss in diesen Dingen mittelfristig zu minimieren sei.

    Dann hier noch ein paar handfeste Gründe dafür, dass die Kritik am Islam ein solides Fundament hat:

    There appear to be in fact 17 men charged, the BBC just decided to spread it out over two reports and not mention the first in the second:

    http://www.bbc.com/news/uk-england-oxfordshire-39442102
    http://www.bbc.com/news/uk-england-oxfordshire-39466980

    To find the April 1st’s story you have to drill down from BBC News front page, to the UK section, then to the England section, and it’s the 12th story.

    By contrast, the BBC World News front page top story is this: Croydon asylum boy assault: Up to 20 people watched attack

    But is all as it seems? http://www.vdare.com/posts/what-color-are-the-croydon-youths-who-savagely-beat-a-kurdish-asylum-seeker-in-britain-possibly-zambians

    Da geht es um eine Geschichte, die man uns hier nicht vermeldet – es ist aber leider mittlerweile insgesamt eine ziemlich verworrene und komplex Lage: Sowohl, dass die Geschichten nicht vermeldet werden, als auch, inwiefern sie camoufliert oder sogar falsch vermeldet werden, und obendrein: Was das für düstere Geschichten sind: Böse Geschichten vom bösen Einfluss des Islam auf unsere Gesellschaften.

    Zur Lektüre empfehle ich: Driss Ben Hamed Charhadi – Ein Leben voller Fallgruben (Kür) und Rolf Peter Sieferle – Das Migrationsproblem – Von der Unvereinbarkeit von Massenimmigration und Sozialsaat (Pflicht).

    PS: Angefangen habe ich mit Jean Paul, ne.

  27. Bersarin schreibt:

    @ Dieter Kief: Mehr als halb wohlauf wieder. Ein wenig nasal noch, aber das Krächzen und der Grippe-Kopf sind weg.

    Weder im Spam jedoch noch ausstehend, fand ich einen Ihrer Kommentare. Ihr letzter Kommentar, gestern vom 3.4. abends, war der, den ich sah und den ich freischaltete. (Sobald mehr als zwei Links darin sind, wird gesperrt, wegen Spam-Gefahr, aber diese Kommentare landen nicht im Spam-Ordner, sondern warten ordentlich und brav unter „ausstehend“. Da muß also irgendwas verloren gegangen sein. Ich hoffe, Sie haben den Text noch irgendwo zwischengespeichert.)

  28. Dieter Kief schreibt:

    @ bersarin – Danke, dass Sie nachgeschaut haben! Schön, dass Sie auf dem Weg der Besserung sind.

    Hier ein ein schräger Blick auf Deutschland, die Migrantinnen, Merkel (und Höcke eigentlich auch), aber ohne Höcke zu nennen – in der Hedgehog-Review steht das online und ist heute auf ald.com verlinkt: – (Höcke habbich reingeschmuggelt – in Wirklichkeit geht es um uns alle im Hedgehog – aber in den USA ziemlich unbefangen mit tatsächlich lupenreinen Höcke-Fragen – und klar: Keiner regt sich darüber auf – alles normal, selbst unser Deutscher Geisteszustand – solange w i r das nicht diskutieren und sagen ist buchstäblich alles ok mit uns. Es ist vorläufig wohl anders nicht zu fassen/ zu haben, das alles.
    Aber immerhin, interessant ist das schon:

    Perhaps the most impressive example of sustained collective penitence in human history has come from the government and people of Germany, who have done so much to atone for the sins of Nazism. But how much penitence is enough? And how long must penance be done? When can we say that the German people—who are, after all, an almost entirely different cast of characters from those who lived under the Nazis—are free and clear, and have “paid their debt” to the world and to the past, and are no longer under a cloud of suspicion? Who could possibly make that judgment? And will there come a day—indeed, has it already arrived, with the nation’s backlash against Chancellor Merkel’s immigration blunders?—when the Germans have had enough of the Sisyphean guilt which, as it may seem to them, they have been forced by other sinful nations to bear, and begin to seek their redemption by other means?

    Zitat aus einem Hedgehog Review Artikel, der Nietzsche und Freud – Das Unbehagen in der Kultur – diskutiert (er hätte noch Benjamin und die (genuin zumindest….jüdische) Erzählung von den Juden als dem bevozugten Volk unter den Völkern mit einbeziehen können – aber man kann nicht alles auf einmal machen – es geht einfach nicht, ok – und das wäre sowieso nicht alles gewesen, eh kloa… – – längst nicht, nicht einmal ansatzweise, eh (eheh!) . . .).

    – – – Und nu kommt: Quod licet Jovi (Hedgehog) non licet bovi ( = wer?)

    PS – Der Hedgehog ist durch und durch liberal…

  29. Bersarin schreibt:

    Freilich, die USA können in diesen Dingen unbefangener sein. Höcke hin oder her, der nicht einmal mehr ein verkappter Rechtsextremist ist. Das eine ist die Kritik an der Instrumentalisierung der Shoah, das andere, die klammheimliche Freude daran, um unter die Decke zu kehren. Ich habe mit diese Rede in Dresden angehört – die ist nicht nur unterirdisch (man achte da auch auf das Gejohle der Zuhörer und vor allem an welchen Stellen das kommt: Der Schoß ist fruchtbar noch), sondern das ist die Denke der heutige Nazis. Bei solchen Sätzen kann ich nicht einmal mit gutem Willen irgendwie irgendwas noch positiv „dekonstruieren“ oder mit dem ansonsten gebotenen principle of charity deuteln. In diesem Sinne ist mir dann auch wieder – bei allem Übel – der Broder ganz lieb, der in „Entweder Broder“ (großartige Serie!) die Deutschen mit ihrem Holocaust-Tick verlacht. Zumal als Rückbezug in den nur noch inszenierten Formen. Deutsche, die so tun, als wären wir in den 50er oder 60er Jahren. Broder sagt ganz zu recht, im Jahre 2010 ist nicht mehr die Shoah das Problem, sondern andere Dinge.
    Hier zum Holocaust-Mahnmal – das ich selber freilich gelungen und wichtig finde, aber das ist ein anderes Thema. Bitte unbedingt reinhören bei Minute 7:20

  30. Dieter Kief schreibt:

    Naja der Hedgehog und Broder – ich mach mal in Gedanken weiter: Wieviele von denen, die die AfD wegen Höcke als Hitlerpartei bekämpfen***, wären imstande den Unterschied von dem was Höcke sagt, und dem was Hedgehog/Broder sagen, zu benennen?

    *** das hat Oppermann vor vier Wochen in der FAZ getan – unter Bezugnahme auf den heroischen kommunistischen (!) Widersand in Weimar… Er hat sowohl Hitler, als auch Weimar als auch den verheerenden Einfluß der KPD auf Weimar u n d die SPD nicht klar. – Ich mach mal weiter mit Höcke: wenn man einen ankreuzel-Test über die 12 Hitlerjahre machen würde mit Höcke und Oppermann – ich bin ziemlich sicher, Höcke würde erheblich besser abschneiden: Er weiß vermutlich besser Bescheid.

    Man sollte direkt auflisten, was von dem, was Höcke gesagt hat, unter den Auspizien dessen, was der Hedgehog und was Broder sagen, definitiv nicht geht. Ich halte dafür, das da durchaus Dinge übrigbleiben – aber vermutlich nicht viele. Und einige davon wohl nur dann, wenn man den unter ritterlichen Voraussetzungen eigentlich gebotenen Respekt vor der Höckeschen Entschuldigung, die ja nach der Dredner Rede erfolgt ist, nicht aufbringen würde, aber das nur nebenbei.
    Die AfD sollte als Kriterium für tätige Reue den simplen Test einführen: Wer etwas, das gesagt zu haben er bereut, später wiederholt, verliert zwingend an Einsehen und Einfluss.

    Ich bin, muss ich zugeben, in diesen Dingen ein wenig verdorben, weil ich noch so ca. im Kopf habe, was 68ff. so alles über die BRD und Deutschland gesagt – und was alles politisch (!) angestrebt wurde – von Leuten, die nachmals immerhin Ministerrang einnahmen – oder wie im Falle Kretschmanns, gar den Rang des Ministerpräsidenten.

    Keine Ahnung übrigens, wie wichtig Höcke tatsächlich für die AfD und für Deutschland ist. Keine Ahnung auch, wie gefährlich Leute wie Höcke sind. Klonovsky und Petry wollen ihn loswerden – aber so wie sie das anpacken, wird das wohl sobald nichts werden. Ich denke, er wird ihnen als Plagegeist noch lange erhalten bleiben.

    PS – to make things even a tad more complicated: Augsteins und Walsers Schande-Vorwurf an das Mahnmal deckt sich ebenfalls mit Höckes Ideen.

    Und dann kommt noch die Königdisziplin in Sachen NS-Gedenken-Reflexiviätät – die Schiene Heidegger, Habermas, Stalin, Mao (=Foucault…), Pol Pot – – – und: Die Tatsache, dass Habermas die Idee, es solle mit dem Mahnmal die deutsche Schande sozusagen angeprangert werden – – – verworfen hat.

    Auch da: – – Würde man einen Ankreuzeltest machen in den Bundestagsfraktionen von mir aus, oder auch in der Bundespressekonferenz – würden (schätz ich) – – – 90% aller gutgesinnten nachkriegsdeutschen MitbürgerInnen f a l s c h ankreuzen, nämlich so: Habermas ist natürlich dafür, dass mit dem Mahnmal die deutsche Schande angeprangert wird. Das hat er aber ausdrücklich n i c h t gutgeheissen (vielleicht sollte das mal Höcke einer sagen….).
    Wie auch Walser dann ausdrücklich für das Mahnmal in seiner jetzigen Form war – und höchstwahrscheinlich mit ausschlaggebend dafür, dass das Mahnmal (das übrigens auch ich ok finde) seine jetzige, letztlich von Kohl per Federstrich hergestellte Form erhalten hat (nein, es ist eben n i c h t der ursprüngliche Entwurf gebaut worden, und ja: Der Unterschied ist nicht von Pappe und gravierend, sodass er höchstwahrscheinlich mit beigetragen hat zur – – allgemeinen Akzeptanz des Mahnmals).

  31. Bersarin schreibt:

    Das mag alles so sein. Was an solchen wie Höcke jedoch wirklich gefährlich werden kann und was an ihnen als Ideengeber auch objektiv gefährlich wirkt, ist der Umstand, daß Höcke als ein Brandstifter im Kleid des Biedermanns auftritt. Das gibt sich nach außen als bürgerliche Fassade. Die Zuhörer und ihre Reaktionen auf seine Rede fand ich erschreckend und lassen mich Schlimmstes vermuten. Und das Problem ist, wenn ein solcher Mob erst mal auf der Straße ist: ich traue dann den Kräften eines wehrhaften Rechtsstaates nicht über den Weg, wenn die Mitte plötzlich nach extremrechts abdreht. Insbesondere, was die Polizei in Sachsen betrifft, die leider häufig nicht die Lösung, sondern ein Teil des Problems ist. (Aber das ist wieder eine andere Geschichte.)

    Noch besteht meines Erachtens diese Gefahr nicht, in den Umfragen fällt die AfD zum Glück wieder nach hinten ab. Zudem gibt es in der BRD Meinungsfreiheit und Höcke muß sagen dürfen, was er sagt, solange er nicht gegen Gesetze verstößt – aber die Zeiten können sich eben ändern. Insofern ist es wichtig, diese Dinge im Auge zu behalten. Zumal solche wie Höcke eben nicht mit der gleichen Toleranz auftreten werden.

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