Hinweis in eigener Sache. Kritische Theorie und Praxis

 Welcher Schelm suchte heute „titanic frauen wm“ bei mir? Ich kenne das dazugehörige Bild sehr wohl, werde es hier aber aus verständlichen Gründen nicht präsentieren. 

Auch fein, was einer hier im Blog ansonsten recherchiert: „ganz junge muschis“. Die gibt‘s hier nicht. Hier gilt‘s der Theorie und der Kunst. Vielleicht finden diese jungen Muschis sich ein, wenn ich eine Besprechung der Bilder von Balthus mache. Und als Kontrastprogramm im Reigen dieser erotischen Suchbegriffe dann „derrida scharlatan“. Für morgen erwarte ich mindestens noch ein „foucault betrüger“ oder „The great diskursschwindel“. Ich möchte aber der Ordnung halber schreiben, daß die meisten der Suchbegriffe durch und durch anständiger und vor allem: theoretischer Natur sind.

Aber ich schreibe nicht, um zu belustigen oder zu sexualisieren, sondern bloß deshalb, weil ich ankündigen muß, daß ich diesen Blog über Pfingsten nicht betreiben kann, daß es erst in der nächsten Woche mit dem dritten Teil von „Wozu Kunst?“ weitergeht, da die Sowjetische Kommandantur Karlshorst Besuch bekommt. Listig wie ich bin, werde ich für den Samstag einen Ausflug nach Eisenhüttenstadt vorschlagen, um in Berlin nicht shoppen zu müssen und durch sämtliche Geschäfte in Mitte zu ziehen, obwohl ich mir eigentlich im Converse-Shop ein paar Converse besorgen möchte. In Eisenhüttenstadt wird es die sicherlich nicht geben, aber es gibt dort auch keine Geschäfte, wo der Besuch hinein möchte, um endlose begehrliche Blicke auf die dort ausgestellten Objekte zu werfen. Die freie Objektwahl ist sowieso nicht ganz einfach. An den übrigen Tagen haben die Geschäfte dann geschlossen. 

Zum Schluß noch dieses: 

„SPIEGEL: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung …
ADORNO: „Mir nicht.“ 

Der Spiegel 19/1969 

Auch zum Verhältnis von Theorie und Praxis ist dieses Interview interessant: 

„Auf die Frage ‚Was soll man tun‘ kann ich wirklich meist nur antworten ‚Ich weiß es nicht‘. Ich kann nur versuchen, rücksichtslos zu analysieren, was ist. Dabei wird mir vorgeworfen: Wenn du schon Kritik übst, dann bist du auch verpflichtet zu sagen, wie man‘s besser machen soll. Und das allerdings halte ich für ein bürgerliches Vorurteil. Es hat sich unzählige Male in der Geschichte ereignet, daß gerade Werke, die rein theoretische Absichten verfolgen, das Bewußtsein und damit auch die gesellschaftliche Realität verändert haben.“

4 Gedanken zu „Hinweis in eigener Sache. Kritische Theorie und Praxis

  1. Schöne Interviewsequenz!

    Überhaupt ein lesenswertes Interview. Gerade dieser Zwang, immer irgendwas konstruktives machen oder sagen zu müssen.

    (Kleiner Hinweis: Es ist m.E. lesefreundlicher, wenn du einen Link so setzt, dass er in einem neuen Tab oder Fenster geöffnet wird, also Häkchen in dem Link-Kasten setzen. Dann kann man nämlich den Spiegelartikel lesen, ohne dass dein Blog mit dem Antwortfenster verschwindet.)

  2. „Bei Dahrendorf waltet ein Oberton von frisch-fröhlicher Überzeugung: Wenn man nur im kleinen bessert, dann wird vielleicht auch alles besser werden. Das kann ich als Voraussetzung nicht anerkennen.“

    „SPIEGEL: Wie wollen Sie aber die gesellschaftliche Totalität ohne Einzelaktionen ändern?
    ADORNO: Da bin ich überfragt.“

    Womit wir wieder mal ziemlich ratlos dastehen.

  3. @ genova
    Ja, zuweilen grabe ich hier im Blog feine Dinge aus. Es gibt Tage, da bin ich ausnehmend von mir beeindruckt. Das Interview mit Adorno ist in der Tat lesenswert. Danke auch für den Hinweis mit dem Link, ich setze die immer in Open Office beim Schreiben der Texte. Aber ich probiere es mal auf Deine Weise, gestehe aber zugleich ein, daß ich sehr vergeßlich bin. Wenn ich es beim nächsten Mal nicht so mache, erinnere mich also ruhig daran. Insofern Du das dann nicht genauso vergessen hast ;-)

    _______

    Ja, der Satz Adornos zu Dahrendorf ist sehr fein formuliert. Ich hätte nicht gedacht, El_Mocho, daß Du den Aktionismus der RAF unterstützt: der Kofferraum als geistig-moralische Lehranstalt? Gewagt, gewagt. Aber ich lasse hier auch solche Positionen stehen und zensiere da nichts.

    Ja, die Ratlosigkeit: Aber wie schrieb schon Brecht: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

  4. Nee, ich vergesse das nicht. Das ist eines der größten Probleme in der Bloggossphäre überhaupt: Der link geht im selben Fenster auf. Es ist eine Katastrophe, die sich da ereignet, problematischer und katastrophaler, als wir es uns je vorstellen konnten.

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