Arbeit muß sich wieder lohnen: Silvana Koch-Mehrin (Dr. a.D.)

Das wahre Gesicht des Liberalismus. Er funktioniert auf die immergleiche Weise.

Mit dem Außer-Dienst-sein hatte Frau Koch-Mehrin bereits im Europaparlament gute Erfahrung, was die Arbeit und die Anwesenheit betrifft.

Ja, die liberalen Werte, von denen allüberall die Rede ist, die man uns beständig in unsere Ohren wispert und träufelt. Leistungsbereitschaft und der Mut zum Individuum, gar zur individuellen, selbstverantwortlichen Veränderung: Ich-AG, Leiharbeit, Lohndumping, das ist die FDP. Aber nein, ich vergaß – diese Dinge bewirkten erst die SPD und die Grünen. Enrichissez-vous! Allerdings geschieht diese Bereicherung  in der Regel nicht durch die, welche Lohnarbeit leisten.

„Auf der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der Lohn des Arbeiters als Preis der Arbeit, ein bestimmtes Quantum Geld, das für ein bestimmtes Quantum Arbeit gezahlt wird. Man spricht hier vom Wert der Arbeit und nennt seinen Geldausdruck ihren notwendigen oder natürlichen Preis. Man spricht andrerseits von Marktpreisen der Arbeit, d.h. über oder unter ihrem notwendigen Preis oszillierenden Preisen.

Aber was ist der Wert einer Ware? Gegenständliche Form der in ihrer Produktion verausgabten gesellschaftlichen Arbeit. Und wodurch messen wir die Größe ihres Werts? Durch die Größe der in ihr enthaltnen Arbeit. Wodurch wäre also der Wert z.B. eines zwölfstündigen Arbeitstags bestimmt? Durch die in einem Arbeitstag von 12 Stunden enthaltnen 12 Arbeitsstunden, was eine abgeschmackte Tautologie ist.

(…)

Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt direkt gegenübertritt, ist in der Tat nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Was letztrer verkauft, ist seine Arbeitskraft. Sobald seine Arbeit wirklich beginnt, hat sie bereits aufgehört, ihm zu gehören, kann also nicht mehr von ihm verkauft werden. Die Arbeit ist die Substanz und das immanente Maß der Werte, aber sie selbst hat keinen Wert.

Im Ausdruck: ‚Wert der Arbeit‘ ist der Wertbegriff nicht nur völlig ausgelöscht, sondern in sein Gegenteil verkehrt. Es ist ein imaginärer Ausdruck, wie etwa Wert der Erde. Diese imaginären Ausdrücke entspringen jedoch aus den Produktionsverhältnissen selbst. Sie sind Kategorien für Erscheinungsformen wesentlicher Verhältnisse. Daß in der Erscheinung die Dinge sich oft verkehrt darstellen, ist ziemlich in allen Wissenschaften bekannt, außer in der politischen Ökonomie.“ (Karl Marx, Das Kapital, in: MEW 23, S. 557-559)

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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4 Antworten zu Arbeit muß sich wieder lohnen: Silvana Koch-Mehrin (Dr. a.D.)

  1. hanneswurst schreibt:

    Wobei gegen Arbeit ja nichts einzuwenden ist, wenn sie dem Arbeiter gefällt. Komischerweise werden meistens genau die Arbeiter oft besonders hoch entlohnt, die viel Spaß an der Arbeit haben oder haben könnten, zum Beispiel Restaurantkritiker, Pornostars, Sportler und Künstler. Der Wert der Unlustüberwindung einer notwendigen jedoch tendenziell weniger lustvollen Arbeit wie Krankenpflege, Streifendienst oder Kanalreinigung scheint dahingegen nicht sonderlich hoch angesetzt zu werden.

    Dass für Arbeit im Normalfall so viel bezahlt wird, wie irgendjemand bereit ist, dafür zu bezahlen, ist für uns heute selbstverständlicher als für Marx vor 140 Jahren. Wir sind das Angebots- und Nachfrageprinzip gewohnt, es gibt keine absoluten Werte mehr. Das hat Vor-und Nachteile. Der Verdurstende wird bereit sein, einen exorbitanten Preis für ein Glas Wasser zu zahlen. Der skrupellose Geschäftsmann wird dies ausnutzen, der Marktpreis des Wassers spielt dann keine Rolle. Ist der Markt reguliert, dann kann dies nicht passieren. Aber möglicherweise ist kein Wasser da oder keiner, der es reichen würde. Sinnvoll wäre es, einen motivierenden Profit zuzulassen, diesen jedoch bei Strafe auf ein noch moralisches Niveau zu beschränken. Diese Art der Profitbeschränkung scheint für die Politik heute einfach noch zu hoch zu sein.

    Was das mit Koch-Mehrin zu tun hat? Gar nichts, ich wollte nur herumschwafeln und vielleicht einer Nörgler-Pointe den Weg ebnen. Aber eines ist ja wohl klar: Koch-Mehrin wird immer eine Arbeit finden, die ihr Spaß macht. Jetzt vielleicht als Pornostar.

  2. genova68 schreibt:

    Das Beruhigende an dem a.D. ist, dass man es vorher wusste. Guttenberg, Koch-Mehrin, zwei Blender, für jeden erkennbar. Westerwelles Arbeit ist auch Schrott, aber nicht abgeschrieben, Röslers Doktorarbeit steht auch in der Kritik, offenbar eine reine Gefälligkeitsarbeit für ein Pharmaunternehmen mit einem Umfang von 50 Seiten.

    Wobei bei den Medizinern ja eh jeder weiß, dass eine Dissertation da nicht mal an den Anspruch einer Facharbeit, 12. Klasse, heranreicht.

  3. Bersarin schreibt:

    @hanneswurst
    Der Philosoph Ernst Tugendhat machte einmal den Vorschlag, die Entlohnung von Arbeit umzuorganisieren, und zwar nach dem Lust/Unlust-Prinzip: daß ein Professor an der Universität sehr viel weniger verdient als eine Krankenschwester oder ein Angestellter, weil dieser Professor schließlich in seiner Arbeit aufgehe, die Krankenschwester jedoch nur bedingt. Allerdings ist auch dieser Vorschlag eine bloße Sozialdemokratisierung innerhalb des Kapitalismus – dieses Denken in Reförmchen und Hebelumstellungen., damit alles schön so bleibt. Beliebt auch die Sozialpartnerschaft. Das Bestehende perpetuiert sich dadurch jedoch.

    Koch-Mehrin als Porno-Star: Nun, warum nicht? Am besten nur für mich in meiner Wohnung, sie entspricht bei den blonden Frauen meinem Typ bzw. sie entspricht meinem Beuteschema. Andererseits soll man sich nicht von den Äußerlichkeiten blenden lassen. Nun aber genug von der instrumentellen Redeweise. Andererseits. Wer selbst als Instrument fungiert und sich als solches einsetzt, der muß damit leben, auch als solches behandelt zu werden. Wie heißt es in Berlin: sowas kommt von sowas.

    @ genova
    Wie ich gerade höre würde Dr. Aiman al-Sawahiri der Doktortitel aberkannt. Er habe, so heißt es bei Philipp Rösler abgeschrieben. Aiman al-Sawahiri ist inzwischen untergetaucht und für keine Stellungnahme zu haben. Ich bin aber dicht an ihm dran und schreibe Dir diese kurzen Zeilen vom Flughafen in Peshawar aus. Zu 48 Stunden Neukölln bin ich dann wieder in Berlin. Die Auswahl der Weine in Peshawar ist leider sehr bescheiden.

  4. genova68 schreibt:

    Ah, danke, jetzt weiß ich endlich, warum ich Dr. Sawahiri (ich wollte schon Sarrazin schreiben) seit Tagen telefonisch nicht erreiche. Leider habe ich nur seine Festnetznummer. Vielleicht kannst du ihn nach der seines Handys fragen, wenn du ihn triffst.

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