Wladimir Kaminer: „Die Freiheit ist ein seltener Gast“

Heute schrieb der Blogger summacumlaude, daß vor 50 Jahren die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ erstveröffentlicht wurde. Ein Titel mit einiger Wahrheit inzwischen und auch einer gewissen zynischen Wahrheit nun. Man könnte fragen, ob diese Koinzidenz ein Witz der Geschichte oder List der Vernunft ist oder doch nicht eher ein Trauerspiel. Vielleicht bekommt die Natur auf eine ganz andere Weise als angedacht ihre Verschnaufpause – sozusagen ohne Menschen oder nur noch solch wenige auf dem Stand von Vor- und Frühgeschichte, sofern Meister Tod aus Moskau das so will und den Mann niemand aufhält.

Die Grenzen des Wachstums durch Krieg werden, so vermute ich, nur bedingt einem ökologischen Wandel zugute kommen. Spätestens im nächsten Winter. Und ich denke, die Frage Kernkraft oder Kohle wird schnell wieder auf dem Tisch gepackt, zwangsläufig, wenn sich in Rußland in den nächsten Wochen nichts ändert und wenn kein Frieden kommt.

Noch ein Nachsatz: Genauso schlimm wie die Putinknechte und die Nato-Basher finde ich allerdings einen Teil der Journaille, die da in den sozialen Medien kräftig für den Krieg trommelt. Da haben einige erheblich den Verstand verloren und ich bin froh, daß es Stimmen wie Michael Angele gibt. Das eine ist es, der Ukraine Waffen zu liefern und sie mit allen Hilfsmitteln zu unterstützen, solange die Ukraine das will und braucht und solange die demokratisch gewählte Regierung dies wünscht. Das andere ist es, mit Natotruppen einzugreifen. Das kann man zwar machen. Aber nicht alles, was machbar ist, ist taktisch und strategisch auch sinnvoll. Zumal dann nicht, wenn wir davon ausgehen müssen, daß deutlich besser ausgerüstete Truppen möglicherweise im Baltikum und in Weißrußland stationiert stehen, um dann in Estland, Lettland, Litauen einzumarschieren, und am Ende auch in Polen und Finnland. In diesem Falle haben wir tatsächlich einen Weltkrieg. Denn das löst den NATO-Bündnisfall aus. Was uns aber dieser Angriff gezeigt hat: Europa muß seine Sicherheitsarchitektur ändern!

Einen guten Beitrag zu diesem Krieg Putins schrieb Wladimir Kaminer – im Original auf Facebook nachzulesen, und hier eingestellt von mir. Der Text ist sehr lang, aber es lohnt sich, ihn ganz zu lesen, besonders den letzten Absatz. Es ist dies mit das Klügste, was ich in den letzten Tagen gelesen habe:

„Es ist zum Weinen. Meine Tante aus Cherson hat mir ein Video geschickt, aus dem Autofenster gefilmt: abgebrannte russische Panzer vor der Einfahrt in die Stadt, eine Kolonne der russischen Angriffstruppen hat es erwischt. Überall lagen Körperteile auf der Landstraße, berichtete sie, es roch nach verbranntem Fleisch. Merkwürdigerweise sammeln die russischen Angriffstruppen ihre Leichen nicht, laut offizieller russischer Propaganda gibt es diesen Krieg nicht und dementsprechend auch keine gefallenen Soldaten. Mein Freund Yuriy berichtete, vor seinem Haus in Charkiw steht ein russischer Panzer auf der Siegesallee, zu Ehren des Sieges über Nazideutschland 1945 genannt. Das letzte Mal sind hier vor 80 Jahren die Panzer der Faschisten gefahren, sie wurden von der russischen Armee zerschlagen und verjagt. Nun sind es russische Panzer, die Tod und Zerstörung in die Ukraine bringen und niemand ist da, der sie zu vertreiben hilft, nur die Ukrainer selbst kämpfen für ihre Heimat.

Meine Mutter schaut in Berlin russisches Fernsehen, wahrscheinlich ist Russland das einzige Land, wo über den Krieg nicht berichtet wird, keine brennenden Panzer, keine abgeschossenen Flugzeuge, keine kaputte Häuser, keine Leichen. Keine Massendemonstrationen gegen den Krieg. Am ersten Tag des Einmarsches wurde auf allen Fernsehkanälen in Russland die kurze Ansprache des Präsidenten jede Stunde aufs Neue gesendet. In einer Endlosschleife erklärte er mit einer kleinen „Operation“ die längst überflüssige „Entnazifizierung und Entwaffnung der Ukraine“ durchzuführen. Sein Ziel sei es, dem „Imperium der Lügen“, dem Westen also, eine gescheite Antwort auf seine Intervention gegen Russland zu geben. Natürlich weiß auch in Russland jede Alzheimer Oma, der Präsident lügt, es ging zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Russland, weder von der Ukraine noch von irgendeinem anderen Land dieser Erde aus. Aber wen interessiert in Russland, was die Omas denken?

Die Politiker des Westens, die vor Beginn des Krieges mit Putin Verhandlungen führten, wussten bestimmt auch, dass der Angriff längst beschlossen sei und sie nur noch belogen, werden, um eine gute Kulisse für den russischen Führer zu machen und trotzdem haben sie gelächelt. Sie dachten wahrscheinlich, diese Spinnerei sei der Ausdruck der geheimnisvollen russischen Seele, die oft selbst nicht weiß, was sie tut. Diese russische Seele hat es heute im Ausland nicht leicht.

Eine Berliner Mutter hat letzte Woche an die Grundschulleitung geschrieben, ihre Tochter wird wegen ihrer russischen Herkunft gemobbt, sie wird als Putins Schlampe beschimpft, das gehe überhaupt nicht. Die Schulleitung möge bitte die Schüler aufklären.

Meine Bekannten wurden neulich aus dem Taxi rausgeschmissen und beschimpft nur weil sie sich auf Russisch unterhielten und der Fahrer ein Ukrainer war. Ich bekomme gut gemeinte Mails von den Einheimischen:

„Sehr geehrter Russe,“ schreibt mir Ewald D.

„hoffentlich haben Sie Ihre Koffer schon gepackt; Sie sind bei uns eine unerwünschte Person. Hauen Sie ab, solange es noch gesittet zugeht. Nur ein toter Russe ist ein guter Russe.“

Aus Prag höre ich von Freunden, tschechische Kindergärten und Schulen wurden von Bildungsministerium intern aufgeklärt, wie sie mit den Kindern über den Angriff Russlands auf Ukraine reden sollen. In dem Papier steht: man soll besonders vorsichtig und aufmerksam in den Klassen sein, wo belarussische, ukrainische und russische Kinder zusammen lernen. Die Kinder dürfen aufgrund ihrer Nationalität und ihrer Herkunft nicht benachteiligt werden, die Kinder tragen keine Schuld für das Handeln der Regierungen.

Das stimmt, die Kinder können nichts für den Blödsinn der Erwachsenen. Und die Eltern? Werden wir uns von dieser Schuld jemals befreien können?

Ganz egal wie es mit dem russischen Präsidenten weiter geht, ob er friedlich in seinem Schloss einschläft, von seinen Generälen oder von den Freunden, deren Milliarden in Schutt und Asche verwandelt wurden, beseitigt. Ob die für den Bruderkrieg Verantwortlichen jemals vor einem internationalen Tribunal für Kriegsverbrechen enden oder auf der Bratpfanne in der Hölle, das Kainsmal des Brudermords wird an der russischen Seele kleben bleiben und namhafte Autoren werden die große russische Literatur noch größer machen, Romane voller Selbstreflektion schreiben, nach dem Vorbild von Thomas Mann „Mein Bruder Putin“ o.ä.

Ich werde es nicht tun. Ich habe vor 32 Jahren die Sowjetunion verlassen, sofort als es möglich wurde. Ich hatte keine Ausreisepapiere beantragt und keine Koffer gepackt.

Meine Freunde und ich, wir fühlten uns äußerst unwohl hinter dem Eisernen Vorhang, für uns gab es keine Verbindung nach draußen, nur die Stasileute dürften ins Ausland reisen, und selbst sie dürften ihre Familien nicht mitnehmen, die Familien blieben Zuhause als Geisel. 1990 fing Gorbatschow an mit der Freiheit herumzuspielen, der Eiserne Vorhang ging einen Spalt auf, ein Freund erzählte mir, man könnte gerade mit einem Ausweis und einer Einladung durch die belarussisch- polnische Grenze in die DDR, Erik Honecker nahm die Juden aus der Sowjetunion auf. Danke Erik! Wir sind sofort losgefahren, wir wussten, die Freiheit ist ein seltener Gast in unserer Heimat, sie wird nicht lange bleiben. Früher oder später macht der Vorhang wieder zu. Im Ost- Berlin angekommen, war ich beeindruckt wie gut die Einheimischen zu uns waren, wir waren die Träger der geheimnisvollen russischen Seele, die Enkeln von Tolstoi und Dostojewski und natürlich Tschingis Aitmatow, den berühmtesten Träger der russischen Seele in der DDR. Die Ostdeutschen hatten Russisch in der Schule gehabt und konnten sogar das Megawort „Dostoprimetschatelnosti“ aussprechen, „Sehenswürdigkeiten“ auf Deutsch. Sie waren alle 1976 in Leningrad zu Besuch, sie sind mit der transsibirischen Eisenbahn durch das größte Land der Welt von West nach Ost gefahren, wurden an jeder kleinen Station von freundlichen Babuschkas mit Pelmeni und Salzgurken versorgt, beinahe für umsonst. Und einige von Ihnen hatten sogar in der Taiga Extremtourismus betrieben, zwei Wochen im Wald nur mit Russen unterwegs! Ich versuchte stets diese Freundlichkeit aufrecht zu erhalten, ich habe nur Gutes erzählt, auch dann, wenn die russische Politik kaum Raum dafür gab. Es seien bloß vorübergehende Schwierigkeiten, schrieb ich nach jeder Annexion, die Russland in Moldawien, Georgien, Ukraine startete. Die Politiker kommen und gehen, schrieb ich,

die Russen sind freundliche, offene, kreative und trinkfeste Menschen, sie haben bloß Pech mit der politischen Führung.

Oft, wenn ich Russendisko in Sachsen oder in Brandenburg veranstaltete, kamen ältere Menschen wie zum Karneval in sowjetische Uniformen verkleidet. Meine Tochter wurde stets mal eine Mütze mit Stern, mal ein Armeegürtel angeboten. Sie, in Berlin geborene und aufgewachsene Pazifistin, ekelte sich vor dem Zeug, auch meine Armeejahre in Russland waren nicht die schönsten des Lebens. Okay, dachte ich, wahrscheinlich sehen wir hier die Folge des Stockholmsyndroms. Die Besatzer sind gegangen, haben, bevor sie wegzogen, ihre Uniformen gegen Kleingeld den ehemals Besetzen dagelassen, die befreiten Besetzen ziehen die Uniformen der Besatzer an, um auf karnevalistische Art ihre Befreiung zu feiern, so eine komplizierte philosophische Theorie haben wir erschaffen, um die Vorliebe der Einheimischen für sowjetische Uniformen zu erklären.

Doch die Wahrheit war viel schlichter. Die Zeit der Besatzung war die beste Zeit ihres Lebens, ihrer Kindheit und Jugend, und die hat man nur einmal im Leben. Sie haben als Kinder auf dem Militärterritorium gespielt und dürften vom Dach des Hangars mit dem Schlitten runterfahren, dafür haben sie den armen Soldaten Wodka aus der Kaufhalle gebracht, weil sie sich von den Kasernen nicht entfernen dürften. Die Soldaten gaben immer reichlich Trinkgeld, die russische Seele war für ihre Großzügigkeit bekannt. Ist schon schade um sie.

Vor Jahren bezeichnete jemand Putin als Anti Midas. Der König von Phrygien verwandelte laut Mythos alles, was er anfasste, in Gold. Putin verwandelt alles in Scheiße. Die Zeit wird vergehen, die Schuldfrage wird ausdiskutiert und Russland findet auf Umwegen über kurz oder lang seinen Weg nach Europa wieder. Möglicherweise kehren auch die Extremtouristen in die Taiga zurück. Aber das Kainsmal wird man von der geheimnisvollen russischen Seele nicht mehr wegkratzen können.“

Wikipedia CC-Lizenz

12 Gedanken zu „Wladimir Kaminer: „Die Freiheit ist ein seltener Gast“

  1. Vorhin hörte ich im Radio, dass es hierzulande wohl Städte gibt, die nun ihre Partnerschatten mit russischen Städten aufkündigen oder zumindest ruhen lassen wollen. Wie dumm. Und selbstgerecht.

    Die Stadt München muss sich schon fragen lassen, wieso sie seinerzeit denn den Vertrag mit Maestro Gergiev verlängert hat, obwohl er die Annexion der Krim öffentlich für gut befand. Sie haben sich trotzdem gern mit ihm geschmückt. Dass der sich jetzt vor Ablauf des Ultimatums nicht äußern würde, war klar. Auch dass Netrebko ihren 50. Geburtstag im Kreml feierte, war gemeinhin bekannt. Es hat niemanden gestört, trotz Georgien, trotz Krim und Donbas.

    Das Restaurant „Die Traube“ in Bietigheim verkündete öffentlich, dass russische Staatsbürger nicht mehr willkommen seien. Ich hoffe, dass denen jemand sofort Bescheid gestoßen und ihnen Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes erklärt hat. Denn offensichtlich hat der Wirt die Bedeutung nicht verstanden. Der Shitstorm führte nur zu einer halbherzigen Entschuldigung.

  2. @aboretum:
    Ja, in der Tat: sowas ist idiotisch und vor allem dumm. Gerade jetzt sind Städtepartnerschaften wichtig, gerade jetzt ist es wichtig zu zeigen, daß Deutschland sehr wohl zwischen Typen wie Putin und zwischen der russischen Bevölkerung unterscheiden kann. Das eine ist es, die Wirtschaft zu treffen, das andere sind all die unterschiedlichen Russen, die hier leben. Gerade dann, wenn es darauf ankommt, daß auch die Russen in ihrem Land gegen diesen Krieg auf die Straße gehen, ist es wichtig, unsere Solidarität und Freundschaft auch zu diesen Menschen zu zeigen. Aber es ist immer so: entweder das eine oder das andere Extrem. Auch auf Facebook wieder: dieselben, die noch vor einem Monat Corona geleugnet und das Maskentragen verweigert haben, hängen nun tief in Putins über RT und Sputnik und andere Medien verbreiteten Narrativen.

    Für die Demo in Berlin kann ich jedoch, nach dem, was ich beobachtet habe, sagen: ich habe dort nirgends und auch von den Ukrainern keinen russophoben Spruch gehört. Die haben alle gegen Putin und gegen diesen Angriffskrieg Putins protestiert. Da waren viele Frauen und Jugendliche dabei, viele junge Frauen vor allem.

    Und auch die Sache mit dem Dirigenten Gergiev ist nicht wirklich opitmal. Aber dazu muß man vermutlich genauer den Fall kennen.

  3. @“ieselben, die noch vor einem Monat Corona geleugnet und das Maskentragen verweigert haben, hängen nun tief in Putins über RT und Sputnik und andere Medien verbreiteten Narrativen. “ —— Da kommt zusammen, was zusammen gehört. Ich bin mehr und mehr zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei der Coronaquerdenkerbewegung in Deutschland zum großen Teil um eine russische Geheimdienstoperation handelt um dieses Land zu schwächen, rapider Anstieg der Coronatoten bewusst in Kauf genommen.

  4. Scheint mir nicht unplausibel. Zumal eine kleine Dosis reicht, die entsprechenden Reichweitenverstärker stellen sich von selbst ein. Ein paar Medien und der Rest ist ein Selbstgegänger. Und so wird aus kritischem Bewußtsein leider schnell Verschwörungsquatsch – wir hatten das ja verschiedenlich auf Deinem Blog.

    Der Trick dabei, wie auch in der ganzen Propaganda der Russen gegen die Ukraine: Es muß immer auch ein Fitzelchen Wahrheit an der Sache sein: Wer behauptet, daß Regen in Wahrheit von unten nach oben fällt und wir neuronal manipuliert werden von einer Weltelite, die uns dies verschleiert, wird eher in der Klapsmühle landen. Wer aber sagt: „Guck mal in der Ukraine, die rechtsextremistischen Asow-Brigaden und Swoboda und schwingen die Menschen nicht alle ukrainische Fahnen und rufen ‚Slawa Ukrajini!‘?“, dann ist alles das einerseits nicht völlig falsch (ja, es gibt ukrainische Faschisten, die mit dem Dritten Weg in Deutschland und mit Rechtsidentitären verbandelt sind, aber es sind die Rufe „‚Slawa Ukrajini!“ nicht der Schlachtrufe der Faschisten, sondern von Bürgern, die ihr Land lieben und die 1991 zu 90 % für ihre Unabhängigkeit von Rußland stimmten). Aber es ist dies zugleich auch dekontextualisiert und es wird damit alles in einem Topf zum trüben Brei verrührt, um so eine Stimmung zu erzeugen, an die andere dann wieder anknüpfen können Und so wird es dann zur Manipulation. Aus „einige“ macht man „alles“, Hintergründe werden – bewußt oder unbewußt – verschwiegen: wie etwa der, daß in der Tat Völker, deren Autonomie jahrelang unterdrückt wurde, eine stärkeres Nationalbewußtsein entwickeln als solche, die ihre Autonomie leben können. Dazu kommt noch, daß wir aus historischen Gründen und eigentlich auch zum Glück in Deutschland es mit Nationalfahnen nicht so haben – außer vielleicht beim Fußball. Und selbst in den Schrebergärten hängen nur vereinzelt Deutschlandfahnen, meist sind es die von Fußballvereinen oder die des eigenen Bundeslandes. Wer aber mal in Dänemark, den USA oder Frankreich war, sieht allerorten solche Fahnen. Und auch an solches Bewußtsein andockend muß dann für viele dieses ukrainische Nationalbewußtsein befremdend sein. Und statt einer differenzierten Analyse, die Gegenstandbereiche zu unterscheiden vermag, entsteht dann eine krude Erzählung.

    Und gerade durch die neuen sozialen Medien ist es eben auch gut möglich, an allem und an jedem Zweifel zu streuen. Genau das ist das Prinzip, welches sich auch Putin und der FSB zunutze machen. So kritisch wie man damals – und sicherlich auch heute noch – gegenüber amerikanischen Nachrichtendiensten sein muß, so kritisch muß man auch gegenüber der anderen Seite sein. Und auch das nutzt das System Putin gnadenlos aus: weil die andere Seite genügend Dreck am Stecken hat. Und da braucht man dann auch nicht mehr über die russischen Greultaten in Afghanistan und in den Tschetschenienkriegen zu reden. Die sind nämlich so ganz und gar nicht auf dem Schirm.

  5. In München habe ich bisher auch noch keine russophoben Ausbrüche erlebt. Doch sogar die Boulevardpresse konzentriert sich eher auf Putin, nicht „auf den Russen an sich“.

    Ich fürchte nur, je blutiger der Krieg in der Ukraine wird, umso unversöhnlicher könnten die Standpunkte auch hier werden.

    Meine Freund:innen in Russland kommunizieren inzwischen fast ausschließlich über Telegram, das als relativ „sicher“ gilt.

  6. Die deutsche Politik – und viele der deutschen Untertanen – braucht eben ihren „Juden“. Mal sind es die Ungeimpften, mal die Russen. Allerdings sind manche Gruppen ausgenommen, denn ich habe noch davon gehört, dass man Erdogan-Anhänger oder DITIB-Gefolgsleute vom gesellschaftlichen Leben auszuschliessen gedenkt.

  7. Sie sind ein ziemlicher „Schwurbler“. Oder ist dieses Verbreiten einer „Verschwörungstheorie“ ironisch gemeint?

  8. Sieh mal, nouseforislam, ich lasse diesen Schwachfug hier stehen, damit Leserinnen und Leser sehen können, wie man es nicht macht: nämlich irgendwelchen pauschalen Quatsch herauszuhauen und dafür keine Begründung zu liefern – zumal dann, wenn man hier als Kommentator gerade neu aufschlägt und noch nie hier etwas schrieb. Du dienst hier also als pädagogisches Anschauungsmaterial für Dumpfbackenrhetorik. Und damit Du nicht etwa glaubst, daß Du mir hier kostbare Zeit rauben und andere und mich in Debatten verwickeln kannst, die auf dem Niveau der Lurche sich abspielen: beim nächsten Schwachfugposting auf Lurchebene bist Du umgehend und ohne Begündung gelöscht. Zuvor kommst Du auf die Trollwiese zu den Trollaccounts, so daß ich mir anschauen kann, ob ich lösche oder freischalte. Verstanden? Prima!

  9. @Avantgarde: Ja, das kann man nur hoffen. Es wird aber leider nicht ausbleiben. Wo man selbst es mitbekommt, muß man dann gegensteuern. Und ich fürchte auch, daß Putin so schnell sich nicht wieder zurückzieht und daß bald die ersten aufauchen, die dann auch der Ukraine und dem Westen eine Schuld gibt: Warum kapitulieren die nicht, warum machen die auch weiter? Büttel der USA usw. usf – das alte Arsenal, so daß man damit Putins Streumunition und sein Morden anderen zuschieben kann. Fakt bleibt aber: wer einen souveränen Staat, dazu noch mit einer demokratisch gewählten Regierung mit einem Angriffskrieg überfällt, bleibt ein Aggressor. Und wer überfallen wurde, hat das Recht sich zu wehren. Putin hat sich damit als Regierungschef diskreditiert. Und ich denke auch, daß er sich ziemlich verrechnet hat, weil er, wie schon beim Überfall und der Annexion der Krim, wo man all das hätte ahnen müssen – ich tat es nicht – glaubte, daß der freie Westen auch dieses im durchgehen ließe. Aber all das sind am Ende feuilletonistische Spekulationen. Fakt bleibt, daß die Lage mit Putin brandgefährlich ist. Insofern hoffe ich auf innere Kreise im Kreml, die das Problem auf ihre Weise lösen.

  10. Und ich fürche eben, wie das so ist, daß der Krieg am Ende auch auf der anderen Seite, was den Umgang mit Russen in Deutschland betrifft, seine Ungeheuer gebiert.

    Um es auf die Literatur zu bringen: Es gibt einen Roman über den Umgang der USA mit den Japanern während des Zweiten Weltkriegs, nämlich von David Guterson „Schnee, der auf Zedern fällt“.

  11. Ja, habe ich tatsächlich gelesen. Ich musste aber auch gerade wieder an Karl Kraus denken, die Szenen aus „Die letzten Tage der Menschheit“, mit „Jeda Schuss, a Russ“.

    In München treffen jetzt übrigens viele Geflüchtete aus der Ukraine ein. Hier gibt es eine große ukrainische Gemeinschaft.

  12. Ja, diese Dinge sind sehr genau abzuwägen. Ressentiments gegen Länder sind immer dumm – kämen diese voll zum Tragen, wären die Deutschen nach dem Überfall auf Rußland nicht mehr da. Um solchem Geist der Rache zu entkommen, ist es sinnvoll zu differenzieren. Und vor allem damit aufzuhören Russen auszuschließen – auch nicht vom Kulturbetrieb. Denn gerade Kultur kann Verbindungen schaffen und zudem geht es ja darum, die Menschen in Rußland zu erreichen und auf die Straße zu bringen. Es muß eben gegen den blutigen Putin ein konzertierte Aktion aller Kräfte sein: in Rußland selbst und vom Ausland her.

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