Der erste Kreis der Hölle. Anflug auf Lissabon

Ich sei den Frauen nicht gewogen, so schrieb es der Bücherblogger bei sich im Blog in einem Kommentar: „denn in der Regel präsentieren Sie sich als geradezu widerlich frauenverachtend, mysogyn ist viel zu milde formuliert.“ Ja, das stimmt leider. Misogyn ist in bezug auf mich eine harmlose Formulierung, sie beschreibt meine eigentümlichen Praktiken und meine Blicke auf weibliche Wesen nur unzureichend. Aber im Sinne sozialdemokratischer Paritätik, mit Habermasschem Kommunikationssinn sowie Rawlschem Gerechtigkeitsfuror teile ich meine Verachtung zwischen Männern und Frauen gleichmäßig auf. Männer verachte ich sogar so sehr, daß ich mich nicht einmal mehr mit ihnen beschäftige und über sie Anzüglichkeiten verbreite. Dieses Schweigen sowie mein misogyner Sinn rächten sich gestern jedoch bitterlich. Denn als ich in Berlin-Schönefeld das Flugzeug nach Lissabon betrat, begrüßte mich nicht die übliche Crew junger attraktiver Stewardessen, sondern es stand dort eine Riege portugiesischer Männer in Uniform, fast wie bei Hollister. Nur daß die Männer bei Hollister ihren Körper als Uniform präsentieren.

Ich sah als Flugbegleitung nicht eine Frau an Bord. Wie gerne senkte ich meinen Blick in ein sich vorbeugendes Dekolleté, sähe auf blondes oder dunkles Haar, blickte einem Hintern in enger schwarzer Stewardesshose hinterher. Aber nichts dergleichen war mir möglich, weil es sich bei der Crew um eine Boygroup handelte. Dabei sind die Portugiesinnen, sofern sie jung sind, hinreißend hübsch – so hübsch womöglich, daß die Männer ihre Frauen im Schrank verstecken. Zersägt. Ich werde es herausfinden.

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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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4 Antworten zu Der erste Kreis der Hölle. Anflug auf Lissabon

  1. ziggev schreibt:

    aber Bersarin, das sind wirklich tolle und aufregende Fotos. leider (oder zum Glück) gibt es im Deutschen keine Steigerungsform von „sexy“. ich nehme also Abstand davon, hier öffentlich solche Sprachverunstaltungen zu zelebrieren. aber eine Puppe derartig nachlässig-schlampig zu kleiden, hat schon was Pornographisches. das wagt hier in Deutschland (leider) Keine mehr. dazu müssen schon Puppen her. in Portugal oder noch in Berlin aufgenommen? und diese Fotos sind in meinen Augen haarscfharf an der Frauenverachtung eines H. Newton vorbeiaufgenommen. und das ‚Model‘, an dem, genaubetrachtet, nichts, aber auch garnichts, irgendeinem gängigen Schönheitsideal entspricht, jedenfalls fast nichts, mit den über-geschminkten Augen, der super-sportlich ausgeprägten Hals- und Schultermuslulatur, den desh. schiefsitzenden schwarzen T-Shirt-Trägern (wie heißen die noch gleich?), ist einfach herzrhythmusverschnellernd-aufregend, dass ich es kaum noch aushalte. das Einzige, was dem gängigen Schönheitsideal enstpricht, ist ihre kleine, feine Nase, das entdeckte ich aber erst beim fünften Mal hinsehen. atemberaubend. auch auf dem Tiger-Bild – offenbar von einem nun aber wirklich begabten Künstler oder einer wirklich begabten Künstlerin hergestellt – scheint sich der Frauenkörper, während der Tiger zu lachen scheint (das muss man darstellerisch erst einmal zu hinbekommen!), in eine Puppe zurückzuverwandeln, anders wäre jedenfalls ein solches Bild nicht denkbar. – also doch kein Porno. Du kannst es Dir gar nicht vorstellen: es gibt keinen Tag, an dem ich, mich vor die Tür bewegend, nicht keine einzige Frau unter 30 oder 40 sehe, die irgendeinen Schönheitsmakel aufzuweisen hätte. Oder die sich, so um die 20, auch nur den geringsten modischen Fehltritt oder die geringste Stilunsicherheit leisten würde. Es ist einfach alles nur zu perfekt. Danke für die Photos – ich sehe ein, es ist letztlich doch keine Pornographie.

  2. Bersarin schreibt:

    Alle Photographien wurden in Lissabon gemacht. Ja, die Schönheit. Heute morgen lächelte mich eine Frau beim Frühstück an. Ich lächelte zurück. Aber ich will hier in dieser Stadt alleine sein, das Hegelsche An-sich-sein als reflexionsloses Bild aktualisieren.

  3. summacumlaude schreibt:

    Mein Lissabon ist bereits 13 Jahre alt; grüß´ den Electrico, Gustav Eiffels Elevator und Fernando Pessoa. Und Eusebio. Und sei selbst gegrüßt.
    Von Lissabon aus fuhr übrigens die Nea Hellas 1940 nach New York. An Bord (aus dem Gedächtnis!) u.a.: Martha und Lion Feuchtwanger, Heinrich, Nelly und Golo Mann, Alma Mahler und Gatte. „Überaus leidvoll war dieser Abschied“ schrieb H. Mann, er meinte den Abschied von Europa. Das genaue Zitat müsste ich nachreichen falls benötigt….
    Trotz Salazar und Franco wurden die Flüchtlinge nicht ausgeliefert – es wäre deren Tod gewesen. Der Fluchtweg ging über die Pyrenäen, ursprünglich waren sie in der von Varian Fry geretteten Gruppe. Walter Benjamin hatte nicht dieses Glück…..

  4. Bersarin schreibt:

    Ja, ich werde die Stadt grüßen. Viele der von Dir genannten Dinge wußte ich gar nicht. Ich bereite mich mittlerweile auf Reisen kaum noch vor, weil es mir beim Aufenthalt an Orten nur noch um Photographien geht. Schreiben oder abbilden? Beides müßte es sein, aber das bewerkstelligt sich schwierig.

    Nach Port Bou und in die Pyrenäen wollte ich immer schon (wie an so viele Orte). Aber je weiter das Alter fortschreitet, desto knapper wird es mit der Zeit.

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