Putins Sonderaktion, Putins Kriegsverbrechen: Это ты, Путин!

Eines aber wissen wir alle nun bzw. sehr viele inzwischen – Marielouise Beck, Alice Bota, Jochen Bittner, Michael Thumann und Josef Joffe kann man da ausnehmen, sie wußten es bereits früh schon – wir, die wir ängstlich gegenüber Putin waren, weil wir glaubten, die Politiker könnten ihn mit Verhandeln besänftigen und daß wir Putin bloß keinen Vorwand für irgendeine Aggression liefern dürften, wir wissen nun: Diese Illusion ist vorbei und jeder mit Verstand und Analysekraft versteht: Putins unverholene Aggression kann man nur mit dem Gegenstoß und mit Stärke begegnen. Diese Sprache versteht der Mörder aus Moskau.

Die Nachrichten aus der Ukraine sind nach wie vor erschütternd und sie werden es vermutlich auch bleiben, da Putin sich auf keine Verhandlungen einlassen wird – außer eben solche, die seinen Forderungen entsprechen. Sein Gesicht kann er gegenüber dem Westen nicht mehr verlieren, da hat er nichts mehr zu befürchten. Es ist seit dem 24.2. verloren. Und im Blick aufs Inland ist es Putin egal, weil er dort die Propaganda seines Staatsfernsehens steuert, und sofern die Menschen aufmucken, läßt er im Notfall mit den OMON-Truppen aufs eigene Volk schießen, wenn es hart auf hart kommen sollte.

Für diese Fotografien hat nicht der Fotograf das Copyright, sondern Wladimir Putin. Es handelt sich noch um vergleichsweise „harmlose“ Bilder.

At the Bridge to #Irpin
Irpin March 2022 (Roman Pilipey)
Irpin (Roman Pilipey)

ZEIT-Live-Ticker, heute morgen, 9.3.2022:

430.000 Menschen in Mariupol ohne Versorgung

Die Versorgungslage in der Hafenstadt Mariupol ist katastrophal. Dassagte die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Menschen sollen auf der Suche nach Essbarem in Geschäfte eingebrochen sein. Zudem sollen einige Schnee geschmolzen haben, um Wasser zum Trinken zu haben. Tausende verharren dicht gedrängt in Kellern.

Die Stadt mit rund 430.000 Einwohnerinnen ist eingekreist. Ein Versuch, Zivilisten in Sicherheit zu bringen und dringend benötigte Medizin, Nahrung und Wasser nach Mariupol zu bringen, scheiterte am Dienstag. Russische Streitkräfte hatten nach ukrainischen Angaben den Konvoi beschossen, bevor er die Stadt erreichen konnte – Russland bestreitet das.“

23 Gedanken zu „Putins Sonderaktion, Putins Kriegsverbrechen: Это ты, Путин!

  1. Ich würde hier gern das Gefälltmir klicken, kann es aber auf keinen Fall tun. Denn es gefällt mir grad ja n i c h t. Also was Sie und viele andere, die meisten, berichten.

  2. Das ist in der Tat das Problem dieses Buttons. Es ist schrecklich, was der Mörder aus Moskau anrichtet und der Westen kann nichts als zusehen. Die einzige Chance: Rußland wirtschaftlich völlig zu isolieren. Kein Gas, kein Öl aus Rußland. Den Menschen in Deutschland erklären, warum der Verzicht nötig ist. Wir alle werden verzichten müssen und das sollten uns die Menschen in der Ukraine wert sein, die dort doch einiges mehr erleiden als wir, die wir vielleicht in Wohnungen sitzen, die nicht mehr mit gemütlichen 22 Grad bezeizt sind.

  3. Eine feine Sache wäre es vielleicht, wenn das Geld, das für die russische Armee bestimmt war, tatsächlich in der Tasche der Oligarchen gewandert ist. DAS eben ist das Problem aller Diktaturen: vom Zar, bis zur Sowjetunion: es werden Potemkinsche Dörfer gebaut, um die Kleptokratie zu vertuschen. Aber hinter den Kulissen ist am Ende nichts. Wäre schön, wenn es so wäre. Oder wie es ein Journalist kürzlich im Blick auf Schröder und die von Putin Geschmierten und Manipulierten im Fernsehen sagte: Der beste russische Exportartikel ist nicht Gas und Öl, sondern Korruption.

  4. Soweit mir bekannt sind vor allem sehr profane Sparmaßnahmen Grund für das Feststecken von Truppenteilen. LKW-Reifen, die original von Michelin waren und die, als sie abgelaufen waren, durch Billigreifen aus China ersetzt wurden die inzwischen auch runderneuert wurden und nach ein paar Wochen Manöver einfach platt sind. Aktivpanzerungen, das sind Sprengladungen auf der Außenhaut der Panzer, die beim Treffer durch eine Panzerfaust oder Panzerabwehrrakete explodieren und dabei die Druckwelle der Panzerabwehrwaffe durch einer Gegendruckwelle absorbieren wurden bei Wartungsarbeiten nicht durch einen Werksservice, sondern durch die Soldaten selbt befestigt, sitzen zum Teil verkantet und fallen bei einem Treffer mitunter einfach ab oder aber explodieren nach innen usw.

  5. @che: Das steht zu vermuten – wobei ich mich dann schon fragen, wohin der russische Rüstungshaushalt gegangen ist, der ja nicht einfach nur die „offiziellen“ 61 Mrd Dollar umfaßt. Teils ist es wohl auch so, daß die russischen Soldaten ihre eigenen LKWs und Panzer lahmlegen, damit es nicht weitergeht. Die Muschiks haben inzwischen auch begriffen, daß es gegen die eigenen Leute geht und wehren sich mit ihren Mitteln. Gut so.

    Auch diese Nachrichten sind erschreckend und sagen viel über das System Putin und die von ihm etablierte Herrschaft der Desinformation:
    „Russland schickt offiziell nur Berufssoldaten in die Ukraine. Doch offenbar wurden junge Wehrpflichtige vor dem Einmarsch gezielt angeworben – ohne zu wissen, dass ein Krieg bevorsteht. Ihre Familien bangen.“
    https://www.tagesschau.de/ausland/russische-soldaten-wer-kaempft-101.html

  6. Nach diesem Artikel: https://www.welt.de/politik/ausland/plus237403735/Putin-Verliert-er-den-Krieg-in-der-Ukraine.html sieht es für das russische Militär alles andere als gut aus.

    „„Viele westliche Militärstrategen sind überrascht, wie schlecht der russische Angriff geplant und ausgeführt wurde. Laut Aussagen von Kriegsgefangenen hat die militärische Führung die russischen Soldaten bis zuletzt über den Krieg im Dunkeln gelassen. … Putin hat aber offenbar die Kampfkraft der ukrainischen Armee unterschätzt – und den Willen der Bevölkerung, für die eigene Freiheit einzutreten.

    Westliche Offizielle berichten, dass russische Soldaten ihre Fahrzeuge sabotieren, um nicht an der Front kämpfen zu müssen. Die schlechte Moral der russischen Truppen scheint denn auch ein weiterer Grund für die Erfolge der Ukraine zu sein.

    „Die russischen Kräfte zeigen alle Anzeichen für eine Armee in Unordnung – überall außer im Süden wird ihre Logistik buchstäblich in Stücke geschossen, ihre Kommunikations- und Kommandosysteme sind geschwächt und ihre Truppen sind demoralisiert und ergeben sich“, schreibt der angesehene Experte für Kriegsstrategie und ehemalige Leiter der Fakultät für Kriegsstudien am King‘s College in London, Lawrence Freedman.

    Warum die russische Armee deutlich schlechter aufgestellt ist als vermutet, führen manche Kreml-Kenner auf die tiefgehende Korruption zurück, die Staat und Gesellschaft in Russland durchzieht.

    „Der Kreml hat die vergangenen 20 Jahre versucht, sein Militär zu modernisieren. Vieles von diesem Budget wurde gestohlen und für Mega-Jachten in Zypern ausgegeben“, schreibt der ehemalige russische Außenminister Andrej Kosyrew auf Twitter. „Aber als Militärberater kann man so etwas nicht dem Präsidenten melden. Deshalb haben sie Lügen weitergegeben. Ein potemkinsches Militär.“

  7. Es sei daran erinnert, dass die potemkinsche Armee in Syrien den IS besiegte, nachdem derselbige dem vereinten Westen mitsamt seiner jeweils „härtesten Spezialeinheiten“ den Hosenboden strammgezogen hatte.
    Aber darauf kommt es nicht an.

    In wie seltsamen Zeiten wir leben, läßt daran sich ablesen, dass Nato, USA und Bundesregierung als Hort der Vernunft sich bewähren in Relation zur deutschen nationalen Fieberkurve der Mitkriegsnation, die Bersarin in einer Weise reflektiert, dass man nicht recht weiß, ob sein bellizistischer Fundamentalismus durch die Krise erst entzündet oder nur steinumdrehend im Sonnenlicht sichtbar ward.
    Denn die Bundesregierung läßt keinen Zweifel daran, den Bezug des satanischen Putingases fortzusetzen, da sonst, so Habeck, „der soziale Friede“ bedroht sei. Der olivgrüne Habeck, der noch lange nicht so olivgrün ist wie Bersarin, imaginiert nämlich realistisch die Lage der Nation, wenn durch Energiemangel der Industrie 25 Millionen frierende und hungernde Arbeitslose die Innenstädte in Flammen aufgehen lassen.

    Die Nato wiederum ist nicht bereit, den Forderungen des Irren in Kiew nach einer Flugverbotszone nachzukommen, weil sie es, im Unterschied auch zu Bersarin, doch als eher nachteilig erachtet, wegen irgendeinem gescheiterten Shithole State den ganzen Planeten in ein atomares Inferno zu verwandeln. Folgerichtig lehnt die Nato/USA auch die Lieferung veralteter Migs an die Ukraine ab, was eine faszinierende Idee der dortigen Ultrarechten war, die mit den Russen noch eine Rechnung offen haben, weil sie – zutreffend – den Russen die Schuld an der Niederlage im Zweiten Weltkrieg geben.

    Die Arschkarte in dem brutalen und blutigen Spiel hat die Ukraine gezogen. So langsam dämmert den Ukrainern, und Selinskys Tonalität läßt dies erkennen, dass sie vom Westen komplett verarscht wurden. Die Ukraine beginnt jetzt zu verstehen, dass sie nur Spielball der Westpolitik sind, und dass man den Versprechungen des Westens nicht trauen kann. Wir nennen es Lernen durch Realität.

    Wie wir aus Karl Kraus’ „Fackel“ wissen, sofern deren Bände mehr sind als nur ein intellektuales ‚Schmücke dein Heim‘ auf dem Regal, wächst der Heldenmut mit der Entfernung zur Front. Die Heroen-Vuvuzelas nicht nur von „Bild“ und „Bersarin“ künden hiervon.
    Sehr zurecht verachten wir die „Volk ans Gewehr!“-Ideologie der Nazis, da wir diese Inanspruchnahme des Staatsbürgers für die Ziele des Staates wegen deren schlußendlicher Erfolglosigkeit ex ante nicht recht zu goutieren vermögen: Der an seinen eigenen Ansprüchen gescheiterte Nazi-Staat ist aus Staatsbürgerperspektive schlecht wegen des Scheiterns, nicht wegen der Ansprüche, denen nachzukommen doch ein ganzes Staatsvolk staatstragend sich engagierte. Auch hieraus ersehen wir, dass Adolf Hitler kein Dämon aus der Hölle, sondern nur ein ganz normaler deutscher Politiker war.

    Immerhin jedoch hatte die „Volk ans Gewehr!“-Parole der Nazis noch hierin Seriosität und Redlichkeit, insofern sie die Forderung auf das eigene Volk bezogen, womit sie und das Volk selber ins Risiko gingen. Die Deutschen des 24. Februar jedoch meinen mit „Volk ans Gewehr!“ nicht das eigene sondern das ukrainische Volk, eine Volte, die nichteinmal den Nazis eingefallen wäre. Das von Bersarin mitpropagierte Szenario des Verreckens anderer, sein Plädoyer für die Barbarei wenn sie nur ferne sei, beruht dabei nicht einmal auf jenem „Amalgam von Dummheit und Bosheit“ (Kraus), was in Gestalt der Bosheit noch auf eine Minimalintelligenz verwies, sondern auf auf eben jener „sozialisierten Dummheit“ (Adorno), die schwächlich jedem Narrativ willfahrt, wenn es nur das herrschende ist.
    Bersarin, anlehnungsbedürftig wie er nun einmal ist, kommt hinter die Logik der Bedrohung mit dem gemeinsamen Selbstmord nicht zurück.

    Ja, die Ukraine hat recht, wenn die sie völkerrechtswidrige Aggression anprangert. Ja, alle haben recht mit ihrem Mitleid des Leidens der Zivilbevölkerung. Nur:
    Folgt daraus der Rat für die Ukraine, ihre ihre Jugend in den Heldentod zu schicken? Bersarin, die Bild-Zeitung und 80% aller Deutschen meinen: Ja!

    Durchhalteparolen der Nazi-Elite, im Weltkrieg ganze Städte zur Festung zu erklären, war die Romantisierung des Kriegs und ein Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung, und Selinsky macht genau das, und Bersarin findet es gut. Die Ukraine wird diesen Krieg verlieren. Sie hat Recht, sie hat Mitleid, und sie verliert doch.
    Was will man? Eine Niederlage mit vielen Opfern und riesiger Zerstörung oder eine Niederlage mit wenigen Opfern und geringer Zerstörung? Die Ukraine hätte am 2. Tag nach der Invasion kapitulieren müssen – ein Nachgeben gegen die völkerrechtswidrige Gewalt, gewiß.

    Aber lebende Besiegte sind besser als tote Besiegte.

  8. Man kann es mal wieder Satz für Satz machen, was an diesem Kommentar des Nörglers alles falsch ist und was darin nicht funktioniert:

    „Es sei daran erinnert, dass die potemkinsche Armee in Syrien den IS besiegte, …“

    Leider wird dabei das Vorgehen von Putins Armee unterschlagen und leider wird dabei unterschlagen, daß es sich bei Assad um einen blutigen Diktator handelt. Man hat hier also die Wahl zwischen einem kleineren und einem größeren Übel. Assad ist immer noch besser als IS, so dachten viele. In diesem Sinne war dann sicherlich auch die Befreiung des Irak von Saddam Hussein durch die Armee der USA ein Waffenschlag, der Gutes brachte. (Stimmt: für viele Kurden war es das. Leider wurden sie von den USA aus geopolitischen Gründen und aus Strategiegründen – Stichwort Türkei und NATO – fallengelassen.) Richtig ist: es waren die Fehler des Westens auch, die einen Feind schufen, der außer Kontrolle war. Und Putin beobachtete sehr genau, daß weder Frankreich noch die USA zu einer direkten militärischen Intervention in der Lage oder bereit waren. Schwächen seiner Gegner kennt Putin genau.

    „dass Nato, USA und Bundesregierung als Hort der Vernunft sich bewähren …“

    Da kann man in der Tat erstaunt sein, wie Putin und seine Männer diesen Akt hinbekommen haben. Und es zeigt sich in der Tat: Wer vor Putins Schergen geschützt sein will, der muß gerüstet sein. Und das schafft man nicht, wenn man den Karnevalschor aus Mainz-Gonsenheim, der„Humba Tätera“ singt und Konfetti werfen läßt, als Schutzmacht sich zulegt. „bellizistischer Fundamentalismus“ ist eine nette rhetorische Trickkiste: Wir erinnern den Nörgler hier nochmal an den Umstand, daß am 24.2.2022 russische Soldaten die Ukraine recht bellizistisch-fundamental von drei Seiten angegriffen haben. Und auch an der Causa Putin und an dessen Angriffskrieg zeigt sich letztendlich gut: Wer den Frieden will, sollte für den Krieg gut gerüstet sein. Die Bundeswehr ist es ersichtlich nicht. Und ja: ich war und bin in der Tat für das Prinzip der Selbstverteidigung eines Landes. Und deshalb hat mich die Bundeswehr schon in den 1980er Jahren nicht wirklich gestört – anders als manche Friedensfreunde, die über schlichte Schwarz-weiß-Schemata nicht hinauskamen.

    „Der olivgrüne Habeck, der noch lange nicht so olivgrün ist wie Bersarin, imaginiert nämlich realistisch die Lage der Nation, wenn durch Energiemangel der Industrie 25 Millionen frierende und hungernde Arbeitslose die Innenstädte in Flammen aufgehen lassen.“

    Netter Versuch, aber bis zum nächsten Winter sind es acht Monate. Daß bis dahin Putin entweder am Boden ist, weil in Rußland die Oligarchen und/oder das Volk ob der Wirtschaftssanktionen ächzen, oder aber der russischen Armee die Puste ausgegangen ist, ist da wahrscheinlicher. Ansonsten ist es Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, daß genau solche Versorgungslücke nicht passiert. Zumal in einer Demokratie mit Wahlen – anders als in der Diktatur in Rußland, wo Putin das tun kann, was ihm beliebt – Politiker auf Mehrheiten angewiesen sind. Eine Testwahl wird also die Landtagswahl in dem zentralen Bundeslang NRW sein – am 25. Mai. Olivgrün ist im übrigen dann nötig, wenn man angegriffen wird, und russisches Militär wird sich von weiteren Angriffen auch nicht abhalten, wenn Du Joan-Baez-Lieder singst und dazu zur Gitarre klimperst.

    Und alle, die sich so sehr für den Frieden einsetzen wollen: macht es doch wie im zweiten Irakkrieg: Bildet einen Friedenskonvoi und fahrt nach Kiew! Die Stadt ist gerade mal 1300 Kilomenter von Berlin entfernt. Unterstützt die Leute dort durch euren friedlichen Protest, indem ihr die Menschen zur Aufgabe mahnt. Mal sehen, wie Dir und Deinesgleichen dies bekommen wird und mal sehen, ob Dir die Russen Deinen herrlichen Gesang und Dein Gitarrespiel mit Streumunition, mit Vakuumbomben oder einfach nur mit ganz normalen Kugeln vergelten werden. Ich vermute nämlich, daß die Russen des Nörglers Friedensprosa nicht so wirklich überzeugen wird.

    „Die Nato wiederum ist nicht bereit, den Forderungen des Irren in Kiew nach einer Flugverbotszone nachzukommen, …“

    Was auch richtig ist. Dazu sollten die USA zunächst mal zwei Flugzeugträgerverbände ins Schwarze Meer und vor Wladiwostok verlegen und die EU wie auch die USA werden Kampfverbände in Armeestärke mit erheblicher Luftabwehr und Drohnen nach Norwegen, ins Baltikum, nach Polen und nach Rumänien abstellen müssen, um diese Zone überhaupt durchzusetzen. Solange man etwas nicht durchsetzen kann, kann man es auch nicht fordern. Wenngleich Selenskyj mit seinem Wunsch recht hat. Denn es ist nicht Selenskyj, der unschuldige Zivilisten, Schulen und Krankenhäuser angreift, sondern, wie auch Nörgler sicherlich bereits aus diversen Medien mitbekommen haben wird, ist es Putin, der all das tut, der bombardiert. Auch hier wieder: Täter-Opfer-Umkehr. Richtig ist allerdings: Ankündigen kann man nur das, was man auch durchsetzen kann. Altes Lehrerprinzip. Das Drohen mit Atomwaffen ist das typische Erpresser- und Geiselnehmerszenario. Du solltest nicht so naiv sein, Nörgler, und auf sowas reinfallen. Putins Prinzip ist das des Angstverbreitens im Westen, und er weiß um die Angst insbesondere der Deutschen. Putin spricht deutsch, er lebte zu KGB-Zeiten in Ostdeutschland und er verstand sich schon damals, als bei der Herbstrevolution in Dresden das KGB-Haus gestürmt werden sollte, auf bluffen und drohen. Und genau dieses Wissen um die Angst des Gegenübers, die auch da in Dresden herrschte, als Putin mit dem Einsatz von Waffen drohte, macht sich ein Erpresser zunutze. Altes KGB-Rüstzeug. Sollte man als Hintergrund wissen, das mindert dann auch die Angst. Dazu auch unten mehr.

    „Die Ukraine beginnt jetzt zu verstehen, dass sie nur Spielball der Westpolitik sind, und dass man den Versprechungen des Westens nicht trauen kann. Wir nennen es Lernen durch Realität.“

    Da gebe ich Dir völlig recht. Die Aufnahme der Ukraine in die EU und die NATO hätte besser schon früher erfolgen sollen, Beck und Bota schrieben dies, richtigerweise wie sich nun herausstellt, immer wieder, und das Baltikum, die Slowakei, Rumänien und Bulgarien wußten dann 2004, und Polen und Tschechien bereits 1999, warum es in der NATO besser ist als beim guten alten russischen Bruder. Und so auch wirtschaftlich: Wer die Wahl zwischen amerikanischer Coke und russischer Pferdepisse hat, wählt, sofern er bei Verstand ist und solange er noch frei wählen kann, die Coke. Und so wird auch die Ukraine im nächsten Schritt und in the long run, selbst viele der Russophilen dort inzwischen, nach Westen drängen. Böse Zungen sagen, Putin sei ein US-Agent. Er ist der beste: Was für die Ukraine kein westlicher Politiker geschafft hat, daß nun auch Menschen, die es eher nach Rußland zog, nach diesem Überfall nun lieber an der Seite des Westens stehen möchte, das schaffte Putin.

    „wächst der Heldenmut mit der Entfernung zur Front.“

    Fahr einfach nach Kiew und erzähl das den Ukrainern! Oder fahre hier zum Berliner Hauptbahnhof, wo all die zehntausend Flüchtlinge ankommen und erzähl das diesen Menschen hier, die flüchten mußten, und wenn Du dann in Kiew oder in Charkiw warst, wirst Du wissen, was die Leute so denken. Im übrigen: Ich und viele andere waren Zivildienstleistende und sind im Zweifelsfall bereit, das Land zu verteidigen, sofern es angegriffen wird. Und die Ukrainer treffen in der Tat ebenfalls ihre Entscheidung, sich bei einem Angriffskrieg zu verteidigen. Insofern ist dieser Satz eine leider billige und durchschaubare rhetorische Trickserei, um den legitimen Widerstand der Ukraine zu delegitimieren. Diese Nörgler-Phrasen klingen so ein wenig, als hätte da ein Mann in Moskau das Drehbuch geschrieben.

    Wer im übrigen Karl Kraus gelesen hat, der weiß, daß dieser Karl Kraus unerrmüdlich gegen Angriffskriege polemisierte und gegen genau solchen Dreck anschrieb. Österreich und sein Verbündeter führten genau einen solchen Angriffskrieg. Ein Karl Kraus in Putins Rußland wäre in der Tat bereits im Gefängnis, schriebe er, daß die russische Armee sich aus der Ukraine zurückziehen müsse. Er wäre bereits im Gefängnis, wenn er in Putins Rußland das Wort „Krieg“ auch nur ausspräche, er wäre bereits im Gefängnis, kritisierte er nur die Sprache Putins. Wer sich hier also, wie der Nörgler, mit Namen schmückt, sollte auch die Kontexte kennen. Auch im Blick auf Kraus‘ Anschreiben gegen die Nazis. Das ist leider bei Dir ersichtlich nicht immer gegeben. Um dann in einer nächsten Täter-Opfer-Umkehr im nächsten Satz auf die Nazis zu kommen. Richtig an Deinen Ausführungen ist: Putin und Hitler waren keine Dämonen, die direkt aus der Hölle kamen. Sondern beide haben eine Vorgeschichte. Und vor Putin warnten bereits lange schon Marielouise Beck, Ralf Fücks und auch Journalisten wie Alice Bota. Hier im Westen haben das viele nicht hören wollen oder waren geopolitisch mit anderen Dingen beschäftigt oder einfach nur damit, daß es wichtig ist fünfzehn Geschlechtern gerecht zu werden.

    „Denn die Bundesregierung läßt keinen Zweifel daran, den Bezug des satanischen Putingases fortzusetzen, da sonst, so Habeck, „der soziale Friede“ bedroht sei.“

    Richtig, das ist eine Überlegung, die anzustellen ist. Besser wäre es in der Tat, auch Nord Stream 1 abzuschalten und die Bevölkerung auf harte Zeiten einzustellen. Niemand muß in seiner Bude 22 Grad haben. Und man muß genau dies den Leuten dann ehrlich sagen. Daß wir einen schrecklichen Krieg mitten in Europa haben, ist den wenigsten Menschen nicht entgangen. Und ein solcher Krieg kann auch – die Engländer wußten ab 1940 ein Lied davon zu singen – erhebliche Einschränkungen bedeuten. Dafür verantwortlich ist übrigens nicht die Bundesregierung und auch nicht der Mann im Mond, sondern jener Mörder aus Moskau.

    „Ja, die Ukraine hat recht, wenn die sie völkerrechtswidrige Aggression anprangert. Ja, alle haben recht mit ihrem Mitleid des Leidens der Zivilbevölkerung. Nur:
    Folgt daraus der Rat für die Ukraine, ihre ihre Jugend in den Heldentod zu schicken? Bersarin, die Bild-Zeitung und 80% aller Deutschen meinen: Ja!“

    Man kann es auch umdrehen: Mancher hockt tief in Putins Poloch und merkt nicht einmal mehr, wonach er müffelt. Aber dazu sind meine Blogtexte ja da, um manche mefitischen Ausdünstung wahrnehmbar zu machen und freizulegen. Unsere Meinung ist im übrigen bei diesen Entscheidungen, sich gegen einen Aggresssor zu wehren, egal: Was zählt ist das, was die Ukrainer wollen. Wollen sie Waffen, so kriegen sie Waffen. Mit Luftschlangen läßt es sich nicht gut verteidigen. Wer angegriffen wird, das zeigen auch die Angriffskriege anderer Despoten, hat das Recht, sich zu wehren. Das ist im übrigen auch völkerrechtlich derart festgesetzt. Und diese Verteidigung geschieht nun einmal am besten mit Waffen und auch mit Partisanenwiderstand aus der Bevölkerung heraus. Um diesen Wunsch nach Selbstverteidigung zu delegitiemieren verlegt sich Putin in alter KGB-Manier – er kann seine Herkunft aus dem Hinterhof und aus dem Geheimdienst nicht verleugnen – aufs Drohen, und Putin kennt genau die deutsche Angst vor Krieg, und auch deshalb schrieb ich dieses:
    „Und genau das weiß der Meistermörder aus Moskau ganz genau, weshalb er, um im Westen den Angstlevel hoch zu halten, mit solchen Atomschlägen immer wieder explizit oder implizit droht. Von solcher Angst aber sollten wir uns nicht kirre machen lassen. Wir dürfen Angst haben, aber es darf die Angst uns nicht im Griff haben. Denn genau diese Art von Angst als Panik will Putin erzeugen. Putin ist der klassische Erpresser und Geiselnehmer, der mit dem schlimmsten droht und damit nicht nur die Geiseln in der Gewalt, sondern auch uns zu Geiseln macht, die er in seiner diskursiven Gewalt hält.“

    Und auch hier: typische Opfer-Täter-Umkehr.
    „Durchhalteparolen der Nazi-Elite, im Weltkrieg ganze Städte zur Festung zu erklären, war die Romantisierung des Kriegs und ein Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung, und Selinsky macht genau das, und Bersarin findet es gut.“
    Wer sich verteidigt, wie im Falle Selenskyjs, wird damit zum Täter gelabelt, unterschlagend, daß die Nazis einen furchtbaren Angriffskrieg in Europa führten, die Ukraine jedoch ein Land ist, daß von Putins Rußland angegriffen wurde.

    Adorno übrigens wußte, bei aller Kritik sehr gut die westliche Demokratie der BRD zu schätzen:

    “Wir befinden uns in einer Art geschichtlicher Atempause. Wir sind in einer Lage, in der im Ernst nachzudenken uns den materiellen Voraussetzungen und auch einer gewissen Friedlichkeit der Zustände nach, jedenfalls soweit es sich um die Bundesrepublik handelt, wieder möglich ist. Und die Versuche, einen darin irre zu machen und unterbrochen: Wolf, Wolf! zu rufen, sind wohl im Augenblick gerade deshalb eine Ideologie, weil auf Grund einer gesellschaftlichen Analyse à la longue nicht damit zu rechnen ist, daß dieser Zustand, in dem man überhaupt nachdenken kann, sich erhält, – so daß man diesen Zustand nicht versäumen darf.“ (Adorno, Vorlesungen Negative Dialektik)

    Vor allem aber verlegte Adorno sich nicht auf die Produktion von Phrasen, wenn es darum ging, einem Aggressor sich in den Weg zu stellen, der einen Angriffskrieg führt. Auch deshalb hoffte und setzte Adorno auf die alliierten Truppen – wenn wir hier schon beim Rekurs auf Adorno und auf Nazi-Deutschland sind und um hier mal die Register ein wenig wieder zurechtzurücken, die hier gerade verzogen wurden.

    „Aber lebende Besiegte sind besser als tote Besiegte“? Genau: und deshalb sind alle Mittel auszureizen, um Putin zu Fall zu bringen. Dazu zählt, sobald die ukrainische Armee nicht mehr einsatzfähig ist, um ihr Land zu verteidigen, der Partisanenkrieg gegen die Russen. Dazu ist vor allem vom freien Westen ein harter Wirtschaftsboykott nötig, damit nicht weiterhin für Gaslieferungen täglich 65 Millionen US-Dollar aus Deutschland in Putins Kriegskasse gespült werden Denn noch mehr als die NATO fürchtet Putin die Rebellion in den eigenen Reihen: daß die Menschen dem Diktator die Gefolgschaft verweigern. Ein Despot hat immer nur soviel Macht wie es solche gibt, die ihm die Stiefel lecken – es soll ja solche Leute sogar in Deutschland geben.

    Mein Tip noch für Dich, Nörgler: Versuche es beim nächsten Mal doch bitte mit einer sauberen Argumentation

  9. Ansonsten sei auf die Situation in Mariupol verwiesen. Es sind nicht die Verteidiger, sondern die Angreifer, also Putins Armee, die dafür verantwortlich ist. Dies muß man immer wieder, gegen Putins Propagandakompanien verdeutlichen:

    „Der Bürgermeister von Mariupol zählt 1.200 tote Zivilisten seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Dazu kommen viele Vermisste. Hinter den Zahlen stehen Schicksale von Menschen, die bleiben wollten. So wie Tamara Usenko.

    Victoria Zaburyna hatte ihre Mutter noch gedrängt, die von russischen Streitkräften belagerte Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine zu verlassen. Doch die 76-Jährige blieb an Ort und Stelle. Noch sei die Stadt ruhig, sagte Tamara Usenko ihrer Tochter.

    Dann rief sie noch einmal an, um zu berichten, dass sie sich in einem Flur versteckt habe, nachdem eine Bombe oder Granate die nahe gelegene Schule zerstört und ihren Wohnblock mit Trümmern übersät hatte. „Es ist jetzt ruhiger, also werde ich wahrscheinlich nach Hause zurückkehren“, sagte die Mutter. „Mach dir keine Sorgen.“ Seitdem hat Zaburyna nichts mehr von ihr gehört.
    Rotes Kreuz spricht von „apokalyptischer Lage“

    Hunderttausende Einwohner von Mariupol suchen seit einer Woche Schutz vor den Bombenangriffen, ohne Wasser und ohne Strom. Die Telefonverbindungen sind ausgefallen und die Stadt damit von der Außenwelt abgeschnitten.

    Das Rote Kreuz bezeichnet die Lage in der von russischen Truppen vollständig eingeschlossenen Hafenstadt als „apokalyptisch“. Tausende von Ukrainerinnen und Ukrainern suchen verzweifelt nach Informationen über ihre Angehörigen und Freunde, die im Krieg vertrieben oder möglicherweise getötet wurden.

    So geht es auch Oleg Maksimchuk, dessen 63-jähriger älterer Bruder Viktor in einem Dorf östlich von Mariupol wohnt. Sie haben seit dem 26. Februar nicht mehr miteinander gesprochen. Damals hielt sich Viktor in einem Keller versteckt. „Die Bombardierung hat begonnen“, sagte Viktor während des letzten Telefonats mit Oleg. „Ich kann auch ein Militärflugzeug sehen.“ Oleg, der Hunderte von Kilometern entfernt wohnt, versucht am nächsten Tag, Viktor anzurufen – erreicht ihn aber nicht. „Ich hoffe, dass mein Bruder lebt“, sagt er.
    Suche nach Verwandten über Telegram-Gruppe

    Seitdem versucht Oleg es über eine Facebook-Seite, die für Ukrainer Kontakt mit Verwandten in Mariupol herstellen will. Er sei für jede Information dankbar, schreibt er dort und: „Ehre der Ukraine.“ Eine Telegram-Gruppe, die bei der Suche nach Vermissten aus Mariupol und anderen bombardierten Städten helfen will, hat alleine etwa 70.000 Nutzer.

    Die schmerzhafte Trennung von ihren Liebsten zermürbt die Menschen. Iraida Dzyubenko sucht nach ihrer Schwiegertochter Olga Ponomarenko, die mit ihren zwei Kindern in einem Wohnblock am östlichen Stadtrand von Mariupol lebt. Dzyubenko, Hunderte von Kilometern von Mariupol entfernt, bricht mehrmals zusammen, als sie über ihre Verwandten spricht. „Bitte helfen Sie, sie zu finden“, sagt sie unter Tränen.

    Olga wollte die Stadt verlassen, beschloss aber, ein oder zwei Tage zu warten, weil der Bahnhof überfüllt und ihr Sohn krank war. Vor acht oder neun Tagen, mitten in der Nacht, erhielt Dzyubenko eine letzte Nachricht von Olga. Als sie versuchte, diese zu öffnen, löschte sie die Nachricht versehentlich. „Ich wünschte, ich könnte sie wiederherstellen, aber ich kann es nicht.“
    „Er war optimistisch und wollte nicht fliehen“

    Olha Uha hat seit acht oder neun Tagen nichts mehr von ihrem 82-jährigen Onkel Anatoliy Mulika gehört. Er lebt alleine in einer Wohnung im Osten von Mariupol. Uha – die in der Nähe von Riwne, am anderen Ende der Ukraine lebt – hatte ihren Onkel gedrängt, die Stadt zu verlassen. Aber er weigerte sich. „Er war optimistisch und wollte nichts von Flucht hören“, erinnert sich Uha an das letzte Telefonat.

    Mulika sagte, er habe den Zweiten Weltkrieg und die Ereignisse von 2014 überlebt, als Russland die nahe gelegene Krim annektierte. „Und ich werde wieder überleben“, versicherte er seiner Nichte. „Ich werde niemals aufgeben.“ Uha ruft am nächsten Tag wieder an und kommt nicht durch. Jetzt ist es an ihr, positiv zu bleiben. „Ich will nicht an das Schlimmste denken“, sagt sie.“

    https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_91802620/die-schicksale-der-menschen-in-mariupol-ich-werde-niemals-aufgeben-.html

    DAS ist die Realität in der Ukraine. Seltsam, daß all diese Menschen vor Putins Friedenstruppen fliehen. Seltsam, daß sie den Aggressor nicht mit Fähnchen begrüssen. Und bei diesem Leid und bei dieser Lage in der Ukraine, bei all dem Schrecken, den Putin anrichtet. sind alle Debatten, die hier Leute führen, die mit ihrem Westarsch im Warmen sitzen, völlig überflüssig. Wer meint, Putin mit guten Worten stoppen zu können, soll morgen nach Mariupol oder nach Kiew oder nach Charkiw fahren und die russischen Soldaten überreden, mit dem Angreifen aufzuhören. Oder er hält besser vor Scham über das, was da gerade geschieht, die Klappe, statt zu insinuieren und zu schwaffeln, daß in der BRD die Bellizisten unterwegs sein. Es ist dies genau das steindumme Gewäsch, was ich geißele.

  10. Wer Präsident Selenskys Zorn und seine Wut und seinen Wunsch nach Hilfe verstehen will, der schaue sich heute die Photographien aus Mariupol an – etwa den Angriff von Putins Armee auf ein Krankenhaus.

    https://www.spiegel.de/ausland/mariupol-dramatische-lage-in-der-umzingelten-stadt-a-fe72f82a-3315-4e73-8fa5-b27f3cfb942b?

    „Heute wurde das Stadtzentrum meiner Heimatstadt Mariupol komplett ausgelöscht. Schauen Sie sich die Videos nach dem russischen Luftangriff an, dies waren früher das Kinderkrankenhaus und die Mutterschaftsstation, die Staatliche Technische Universität Pryazovsky, Stadtrat.
    Wenn ich die schwangere Frau aus dem zerstörten Gebäude der Entbindungsstation sehe, wird mir das Blut kalt.
    Schwer vorstellbar, wie viele Kinder und Erwachsene heute als Folge von Raketenangriffen auf die Stadt getötet wurden.
    Die Größe des Explosionskraters auf dem Krankenhaushof entspricht der Größe eines großen Lastwagens.
    In den letzten 5 Tagen wurde versucht, Zivilisten aus Mariupol zu evakuieren. Alle haben versagt. Russland hat nicht aufgehört, die Stadt und die vereinbarten Routen humanitärer Korridore zu beschießen Russische Truppen haben auch die Evakuierungsroute abgebaut, wie das IKRK berichtet.
    Einwohner von Mariupol, einer Stadt mit 500.000 Einwohnern, wurden in den letzten 9 Tagen ohne Wasser, Strom, Heizung und mobile Kommunikation drinnen eingesperrt und von der russischen Armee eingesperrt.
    Die lokalen Behörden sagen, dass 200.000 Menschen dringend evakuiert werden müssen.
    Ohne Vorrat an Wasser, Nahrung und Medizin und fortgesetzter Beschuss und Luftangriffe lassen wir Menschen in der „Hölle“ sterben.“

  11. „Aber lebende Besiegte sind besser als tote Besiegte“. Das ist im übrigen die Art, wie auch die Mafia droht. Oder aber nach dem Motto: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir die Fresse ein!“

  12. Und dazu würde man dann auch gerne des Nörglers Friedenspredigt hören: dieser böse Selenskyj, der frecherweise dadurch, daß er nicht umgehend kapituliert, Krankenhäuse beschießt. So nach dem Motto „Wir haben ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können!“, nicht wahr Nörgler?:

    „Laut UN bereits drei Entbindungskliniken in Ukraine zerstört
    Im Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach UN-Angaben bereits drei Entbindungskliniken zerstört worden. Das Krankenhaus in Mariupol sei „nicht das Einzige“, das angegriffen worden sei, sagte Jaime Nadal von der UN-Agentur für reproduktive Gesundheit am Donnerstag. Die Entbindungskrankenhäuser in Schytomyr und Saltiwsky seien ebenfalls zerstört worden.
    Ein russischer Bombenangriff auf eine Kinder- und Geburtsklinik in der belagerten Hafenstadt Mariupol am Mittwoch hatte international Entsetzen ausgelöst. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben zwei Erwachsene und ein Kind getötet, mindestens 17 Angestellte wurden verletzt.
    Nadal machte keine Angaben dazu, wer für die Angriffe auf die anderen beiden Einrichtungen verantwortlich war oder ob dabei ebenfalls Menschen zu Schaden kamen.“
    (ZEIT Live-Blog vom 10.3.2022, 22 Uhr 30

  13. All der bisherige Terror, das Sterben und das Grauen der Bombardements würden durch einen Einsatz biologischer und chemischer Waffen höchstwahrscheinlich in den Schatten gestellt.

    Nach der bisherigen Logik des Überfalls und der vorangegangenen Wochen, muss man das Schlimmste befürchten, drehten sich doch die Aussagen meist ins Gegenteil um (man greift nicht an, man führt keinen Krieg, man beschießt keine zivilen Einrichtungen usw.)

    Gestern ließ man verlautbaren, die Ukraine entwickle in Laboren zusammen mit den USA tödliche Biowaffen und beantragt eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Wozu diese Lügengebilde bisher dienten, hat man gesehen.

    Es stellt sich die Frage, ob bei einem Einsatz, vermutlich unter falscher Flagge, ein Punkt erreicht ist, an dem die Welt nicht mehr zusehen kann?

    Ich bin mir alles andere als sicher, ob nicht doch eher früher als später noch ein Flächenbrand entstehen kann. Die Propagandamaschinerie und das Auftreten von Putin, Lawrow usw. sind von Beginn an unerträglich gewesen, nehmen mittlerweile ein Ausmaß an, das eine diplomatische Lösung de facto unmöglich macht. Die Schere zwischen Vernunft und Wahnsinn geht von Tag zu Tag weiter auseinander. Wie will man da jemals wieder zusammenkommen?

    Wer Interesse an russischen Einsichten neben der Propaganda hat, der möge bei Meduza vorbeischauen, auch in englischer Sprache verfügbar: https://meduza.io/en

  14. @AnKu: Das eben ist leider das Problem: die Öffentlichkeit muß sich immer wieder an Putins Lügen abarbeiten und die verfangen eben auch in Deutschland in sogenannten „Alternativmedien“. Wie ich es bereits schrieb: Man lügt nur dann gut, wenn es immer auch einen Funken Wahrheit gibt. Wer behauptet, der Regen fiele von unten nach oben und unsere Wahrnehmung würden nur von den Eliten einer Weltherrschaft manipuliert, landet vermutlich eher in der Klapsmühle. Wer aber sagt „In der Ukraine sind Nazis“ hat per se nicht unrecht. Die sind da. Allerdings sind sie eben auch in Rußland und im Donbas. Das Asow-Regiment zählte 2014 gerade mal 900 Menschen. Dank Putins Annexion der Krim und seiner Intervention im Donbas zählt es jetzt rund 3000 Männer. Man instrumentalisiert also Einzelfälle und bauscht sie zum ganzen auf. Ähnlich bei den Laboren. Dazu auch die Tagesschau und die Faktenfinder:
    „Krieg in der Ukraine Desinformation über Biolabore, 02.03.2022
    Schon seit Jahren werden immer wieder Gerüchte über Biolabore der USA in Osteuropa gestreut. Nach dem Überfall auf die Ukraine tauchen nun Vorwürfe auf, die US-Regierung wolle etwas vertuschen.“
    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/biolabore-ukraine-usa-101.html

    Oder aber es geht in die umgekehrte Richtung: Aus einem Angriffskrieg macht man dann eine Spezialoperation und gibt vor. sich angegriffen zu fühlen. Das ist der gleiche Neusprech, den ja schon Hitler in bezug auf Polen pflegte.

    Im Blick auf Putins Propaganda kann man Kafka aus dem „Process“ zitieren, und zwar die Rede von Josef K.: „‚Trübselige Meinung‘, sagte K. ‚Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.'“ Und das eben ist Putins Weltordnung

    Oder auch Josef Joffe, in der ZEIT von Januar 2022 im Blick auf Hitlers und Putins Vorgehen und die Kritik der Redaktion bei Redigat, daß solche Vergleiche unangemessen seien:

    „Die Widerrede lautet: Der Vergleich liege doch auf der Hand. Putin gibt vor, nur die russischstämmige Bevölkerung in der Ukraine vor dem „Genozid“ schützen zu wollen. Hitler wollte einen Zugang zu Danzig und Selbstbestimmung für die Volksgenossen im Polnischen Korridor, der das Reich nach Versailles von Ostpreußen trennte. Ein Alibi in beiden Fällen. Der Unterschied: Hitler wollte unbedingt Krieg. Putin will eine verbriefte Einflusssphäre in Osteuropa – mit Erpressung oder Gewalt. Jedenfalls sprechen Despoten stets die Schwächeren schuldig, wie der Wolf das Lamm. Folglich sei der Vergleich legitim. Überdies: Wer die Aggression probe, zeige die „Korrelation der Kräfte“, wie es von russischer Seite heißt. Wie einst Warschau muss Kiew zittern, nicht Moskau. Gegen Putins Divisionen bietet die Nato derzeit bloß 4.500 Mann an ihren Ostgrenzen in Polen und im Baltikum auf. Angriffsfähig sind sie nicht, bloß ein „Stolperdraht“ für den Verteidigungsfall.

    Der Redakteur antwortet etwa so: Die historische Analogie – wer bedroht wen? – mag stimmen. Entscheidend aber sei: Wir sind jetzt eine jüngere Generation, die den Vergleich unzeitgemäß und provokant fände. Putin sei doch nicht Hitler. Der Autor verkneift sich ein ironisches Contra: Wer jung ist, hat schon mal recht? Stattdessen doziert er: Vergleich ist nicht Gleichsetzung, sondern Einladung zum Disput. Ähnlich und gleich sind zweierlei Ding.“

    https://www.zeit.de/2022/03/selbstzensur-journalismus-cancel-culture-meinungsfreiheit/komplettansicht

  15. Allerdings muß man bei solchen Vergleichen sehr genau sagen und zeigen, was man vergleicht – zumal der Name „Hitler“ eben nicht nur das Scheitern von Appeasement und einen schrecklichen Angriffskrieg mitmeint, sondern ein noch viel ungeheuerlicheres Verbrechen. Und wenn das dann qua Assoziation mit hineingetragen werden soll, wird es unredlich, wenn man einen Machtpolitiker wie Putin, der lügt und betrügt und blutige Kriege führt, mit einem Menschheitsverbrecher vergleicht. Was jedoch operatives Vorgehen und Großraumordnung betrifft, zeigen sich Ähnlichkeiten. Insofern bei Vergleichen: Immer genau die Hinsichten benennen, die man vergleichen will.

  16. Der Name Hitler ist so kontaminiert dass man ihn zu überhaupt keinem Vergleich mehr heranziehen kann, eben wegen Shoah und Vernichtungskrieg, obwohl die Parallelen zur „Erledigung der Resttschechei“ ins Auge fallen.

    Mit Putin aus meiner Sicht vergleichbare Politiker kennt wohl kaum jemand mehr. Mir fiele zum Beispiel Buchanan ein, der US-Präsident, der den Indianern erst sichere Grenzen und ewigen Frieden versprach und dann den Siedlertrecks und der US-Kavallerie freie Bahn gab.

    Ein anderer Vergleich freilich, bloß viel kleiner als Putin, wäre Slobodan Milosevic.

  17. Ich hätte das vor Putins „Aufsatz“ im Sommer 2021 auch noch gedacht, sehe dies nach dem Überfall auf die Ukraine nun aber ein wenig anders: Man muß bei solchen Operationen nur die Hinsichten und die Kontexte des Vergleichs richtig benennen, dann ist das ein legitimes Mittel. Natürlich ist solcher Vergleich in den Fragen der Shoah völlig unstatthaft. Hitler-Vergleiche sollten in der Tat nicht dazu dienen, Putin zu dämonisieren (deshalb ist das Tertium Comparationis nicht die Shoah!), sondern sie sollen in Fragen politischen Handelns in bestimmten Aspekten Parallelen sichtbar machen. Wenn wir die ausgehenden 1930er Jahre und die Appeasementpolitik Chamberlains gegenüber Hitlers Ambitionen nehmen und auch Hitlers Propaganda, daß eigentlich die Polen die sind, die provozieren und einen Krieg provozieren, dann werden manche Ähnlichkeiten zwischen damals und heute ersichtlich. Allerdings setze ich vor den Vergleich immer die Analyse des Phänomens. Und eben die Benennung der Hinsicht, unter der verglichen wird.

    Aber es gibt sicherlich auch andere Referenzrahmen für solche Vergleiche, insofern finde ich den Hinweis auf Slobodan Milosevic gut, darauf geht auch Winkler in dem unten verlinkten Artikel ein. Und auch Buchanan finde ich interessant. Ich verweise zu dem Vergleich Hitler-Putin im Blick auf die 1930er Jahre auch auf eine Diskussion bei Herwig Finkeldey auf Facebook

    (Ist öffentlich und also für jeden einsehbar)

    Und auch auf einen Artikel von Heinrich August Winkler in der ZEIT vom 10. März 2022

    „Was Putin mit Hitler verbindet Wie viele Autokraten und Diktatoren vor ihm hat sich auch der russische Präsident zum Ultranationalisten entwickelt. Ein Gastbeitrag von
    https://www.zeit.de/2022/11/wladimir-putin-russland-ukraine-krieg-adolf-hitler-nationalismus

    Ich teile da nicht alle Ansätze, aber es scheint mir zur Analyse der Lage und der Hintergründe und vor allem der Versäumnisse interessant. Eben von der Perspektive komparatistischer Geschichtswissenschaften.

  18. Was den Angriffskrieg betrifft, ist es nicht ganz von der Hand zu weisen. Und es ist ja nun einmal nicht nur Putin allein, der all die Panzer führt, der die Befehle gibt und sie dann auch ausführt. Zu diesem Krieg gehören eine Vielzahl Menschen, die eben auch diese Propaganda Putins verbreiten. Insofern ist das Narrativ: nur Putin dann auch wieder problematisch.

    Und es ist auch die politische Situation ähnlich: eine Diktatur, wo ein autokratischer Herrscher sitzt, der nach belieben auch Geheimdienstchefs feuern und neu einsetzen kann und nach eigenem Gusto reagiert. Die Auswirkungen von Putins Corona-Isolation auf seinen Geist werden vermutlich irgendwann Historiker erforschen, die sich auch mit psychischen Prozessen beschäftigen, wo „normales“ KGB-Denken zur Paranoia wird.

  19. Danke für diesen Link. Es ist traurig. Putins Terrorkrieg wird der Welt in Erinnerung bleiben. Leider helfen gegen solchen Bombenterror keine Friedensdemos. Die müßte man in Moskau abhalten.

    Was uns die Mordbrennerei Putins allerdings zeigt: Wie wichtig Freiheit ist.

  20. Und anscheinend setzt Putins Armee auch Phosphorbomben ein – nahe der polnischen Grenze. Aleppo und Grosny lassen grüßen.

    „Im Kampf gegen die Ukraine hat Russland offenbar von einer Chemiewaffe Gebrauch gemacht. Kurz zuvor hatte der Präsident von Polen noch vor einem solchen Waffeneinsatz und dessen Konsequenzen gewarnt.“
    https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_91822268/einsatz-von-chemiewaffen-russland-setzt-phosphorbomben-ein.html

    DAS ist es, was der freie Westen von diesem Mann zu erwarten hat. Nicht mehr und nicht weniger. Er hat es ja bereits in Syrien vorgemacht.

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