Fridays for Future – Zur Klima-Demo in Berlin

Menschen strömen in den S-Bahnhof Rathaus Steglitz: Kinder, Erwachsene, Jugendliche, auch Lehrer sind mit dabei, es scheinen ganze Schulklassen auf den Beinen. Solche Szenen sah ich eigentlich nur bei Großveranstaltungen oder den großen Friedensdemonstrationen Anfang der 1980er Jahre. Sogar die Berliner S-Bahn beteiligt sich am Klima-Streik. Sie tut, was sie am besten kann: nicht fahren und nicht funktionieren. Die S 7 und andere Züge fielen bis zum Mittag wegen eines Stellwerkfehlers aus. Und wie üblich ließ die S-Bahn ihre Züge im zeitgedehnten Zehn-Minuten-Takt gondeln, während es auf dem Bahnsteig voller und voller wurde und an vielen Stationen die Leute einfach auf dem Bahnsteig warten mußten und auch im nächsten Zug vermutlich nicht mitkamen, weil der nämlich genauso voll war. Damit man einmal auch das Gefühl bekommt, wie es wohl in Tokio sein könnte. In der S-Bahn quetschten sich die Menschenkörper. Irgendein 13jähriger meinte in jenem Penälerhumor trocken „Wenn jetzt jemand furzt, stirbt der ganze Waggon.“ Fast alle wollten zum Brandenburger Tor, viele hatten Plakate und Transparente dabei.

Ein anderer junger Schüler, er mochte 15 oder 16 Jahre sein, erzählte von seinen Reisen in den Hambacher Forst, wie sie von der Polizei schikaniert wurden, wie ihnen die Übernachtung schwierig gemacht wurde, indem das Gelände, wo die Zelte stehen sollten, mit schwerem Gerät umgepflügt wurde, erzählte von Widerstand und Protest und sprach mit Emphase und ein wenig altklug, wie junge Menschen, die gerade die Politik für sich entdecken, manchmal sind. Ich kam mit ihm ins Gespräch. Der Junge schilderte, wie er und Genossen ein Denkmal mit politischen Parolen beschmiert hätten, allerdings mit Kreide, und wie dann die Polizei kam. Der junge Lehrer sagte mit einem süffisanten Lächeln. „Das will ich jetzt lieber nicht gehört haben.“ Eine schöne Atmosphäre, mir lächelte irgendeine Frau zu, so wie an diesem Tag ich häufig von Frauen Ende 30 angelächelt wurde. Ich weiß nicht weshalb, vielleicht lag es an meiner schwarzen Lederjacke und meinem harten Reporterblick. Vielleicht wollten sie auch einen vom Alter her gut situierten Mann. Sie waren bei mir an der falschen Stelle. Kriegsberichterstatter sind einsam. Und sie bleiben es. Wer jetzt keine Nikon hat, der hat sie nimmermehr.

Am Potsdamer Platz stiegen wir alle aus. Es herrschte auch dort ein Drängeln und Schieben. Alle strömten sie hin zum Brandenburger Tor. Massen und immer mehr an Menschen hier in Berlin. Kinder, Jugendliche, Eltern, aber auch Alte und jene Altachtundsechziger und auch Altachtziger wie ich, die schon damals bei den großen Protesten der BRD dabei waren. Fehlt nur noch, daß jemand die Graswurzelrevolution oder die UZ verteilte oder einem die Mitgliedschaft in der SDAJ aufschwatzen will. Linke aber genauso Bürgerliche gehen bei dieser Demo mit, politisch ganz unterschiedliche Menschen kamen hier und heute zusammen, um irgendwie mit ihren Mitteln ein Zeichen zu setzen.

Parolen wie „Ich sag Kohle, ihr ruft ‚Ausstieg‘“ sind ganz und gar nicht meine Sache, ebensowenig die Mitmachprogramme mit Herumhüpfen und Hände heben. Irgendwann sang von der Bühne Dota Kehr. Ich mag viele ihrer Lieder, auf den Text habe ich nicht gehört, aber die Melodie und die Art des Singens klangen schön. Ich hoffe, es war kein politisches Lied, denn da sind die Texte leider oft garstig-gräßlich und entbehren nicht eines gewissen Kitsches. Leider waren die Reden der unterschiedlichen Redner viel zu lang. Manche Zuhörer begannen schon mit den Füßen zu scharren.

Amüsant auch die Ansage vom (separaten) Lautsprecherwagen der Intersektionalisten und Queerfeministinnen: Bis sie zu Anfang ihrer politischen Ansprache all die Minderheiten aufgezählt hatte, war die Demo fast schon wieder vorbei. Ich wollte noch dazurufen: „Ihr habt Schlitzäugige vergessen und Menschen mit schiefen Zähnen“ ließ es aber dann doch um des lieben Friedens willen bleiben und weil ich weiß, daß man als Photograph am besten ungestört Photos macht, wenn man sich neutral verhält und ins politische Geschehen nicht weiter sich einmischt.

Eigentlich bin ich bei Demos immer unbehelligt geblieben, sei es von Seiten der Demonstranten oder der Polizei. Diesmal aber erwischte es mich, und das ausgerechnet auf einer solchen Veranstaltungen. Ich gehe seit 39 Jahren auf Demonstrationen, ich photographiere dort, ich habe Heftiges erlebt, ich kam in manche bedrohliche Lage, etwa wenn neben mir Polizisten zu Boden gingen, weil sie von Feuerwerkskörpern getroffen wurden oder wie ich in Bonn 1985 hinter einer Polizeikette lief und in einen Stein- und Tomantenhagel von Autonomen geriet, ohne daß mich was traf, zum Glück. Heute jedoch, bei einer Demo mit vielen Kindern, mit Erwachsenen, Lehrern, Angestellten, jungen und alten Menschen unterschiedlichster Prägung ist es mir passiert, daß ein Jugendlichen-Black-Block, es waren fast noch Kinder, mich beim Thomas-DehlerHaus, also der Parteizentrale der FDP, erwischte. Mit einem Farbbeutel, der neben mir aufschlug. Die gute Nikon D 600 schmutzig, die Hose rotrosa gesprenkelt, die Lederjacke fleckig. Na ja, dafür habe ich dann zehn Minuten später eine Verhaftung veranlaßt. Die Männer vom Greiftrupp wissen immer gut, wen sie holen müssen. (Nein, war ein Spaß – ich habe nur weiter aufmerksam beobachtet und bin mitgelaufen bis zum Ende und dort, wo es spannend sein könnte, daß abends dann die Knochen weh taten.)

Ich kann nicht ganz verstehen, wieso auf einer friedlichen Demonstration mit vielen Kindern ein Black-Block, diesmal in Grün-Lila allerdings, Bengalos zündet, mehrfach, bis dann ab dem Holocaust-Mahnmal ein Zug Bereitschaftspolizei den Block begleitet. Woraufhin sich in Rufen und Lautsprecherdurchsagen über die „Bullen“ und deren aggressive Art beschwert wird. Protestler, die ein Transparent wie „SUV-Macker abfackeln“ mit sich führen: mir ist nicht ganz klar, wie und inwiefern sich solche Personen mit Argumenten gegen rechtes Hatespeech positionieren wollen. Und wenn dann beim FDPHaus gerufen wird „Ganz Berlin haßt die FDP!“, so kann man das machen, wenn man das glaubt. Ich hätte denen am liebsten erwidert „Hier in Berlin werde ich sie bei der nächsten Wahl wählen!“ Es war ein ärgerlicher, selbstgefälliger und naiver Block. Vielleicht kann man diese Dummheit ihrem Jugendlichsein zugutehalten und dem damit verbundenen politischen Überschwang. Die Welt ist für sie schwarz/weiß, Differenzierungen und unterschiedliche Farben und Töne existieren in diesem Denken nicht – ich weiß eigentlich gar nicht recht, wie dieses instrumentelle Denken mit der Lektüre von Foucault und Adorno zusammengehen soll: wo man bei der Gesellschaft eine Differenziertheit einfordert, die man selbst jedoch nie bereit ist zu leisten. Verwunderlich ist das freilich nicht, das ragt bis in die Mitte, wenn Fernsehclowns wie Jan Böhmermann sich engagieren. Jedoch: zu meiner Zeit war es nicht anders. Aber ich schweife ab.

Wenn dann Gegenstände und Farbbeutel in Richtung des FDP-Hauses fliegen, fingen mit dem Krawall nun freilich nicht die „Bullen“ an, sondern der Jung-Black-Block. Sich hinterher darüber beschweren, daß Greiftrupps jene Leute, die solche Dinge machen oder ebenso im Zug gegen das Vermummungsverbot verstießen, später zu einem geeigneten Zeitpunkt herausholen, scheint mir nicht ganz unwahrscheinlich und irgendwie auch berechenbar. So zog der Zug sich hin. Zum Glück war diese Form des Protestes nur ein sehr kleiner Ausschnitt und allüberall bei dieser Demonstration ging es friedlich zu.

Im Anschluß an jene Fridays for Future-Proteste gab es vom Potsdamer Platz ausgehend noch eine Demonstration der Berliner Club-Betreiber. Unter dem Motto „No future no dancefloor“. In ihrem Aufruf zum Rave-Aufstand hieß es:

„Wir feiern viel, gern und verschwenderisch. Aber statt rassistischen Unsinn von Überbevölkerung zu labern, lieben wir es eng, laut, stickig und voll. Statt nationale Ausgrenzung wollen wir alle dabeihaben, egal woher sie kommen, wie sie lieben, begehren oder aussehen.

Unsere Nebelmaschinen ballern bis es von der Decke tropft und wir tanzen wie entfesselt. Aber wir sind nicht so vernebelt zu glauben, dass unser hedonistischer Ausnahmemoment die Welt zugrunde richtet und nicht der allesfressende kapitalistische Normalzustand.

Für nachhaltigen Feierexzess recyceln wir den letzten Schrott.“

Daß jene Leute das Klima retten wollen, scheint mir unglaubwürdig. Ich denke, die Raver samt ihren Gästen bekommen nicht einmal die basale Hygiene auf einer ihrer Club-Toiletten in den Griff.

Ansonsten aber, das muß man unbedingt dazu schreiben: Es war eine gute, eine wichtige und auch eine mächtige Demo, die da um 12 Uhr vorm Brandenburger Tor stattfand und dann über viele Stunden durchs Regierungsviertel zog. Und sie war vor allem friedlich. Und eben nicht nur in Berlin, sondern auf der ganzen Welt fanden diese Proteste statt. Man sollte keinem Alarmismus huldigen. Aber wenn eine Situation ernst ist, sollten man den Ernst der Lage nicht nur kennen, sondern auch benennen und sichtbar machen. Solche Aktionen sind symbolisch, sicherlich, und es konfligieren dabei unterschiedliche Ansätze und Forderungen; von Veganern über Bürgerlich-Liberale bis hin zu harten Kapitalismuskritikern und eben Kindern und Jugendlichen, die ganz einfach Angst um ihre Welt haben. Solch bunte Gemengelage ist nichts Neues, es gab sie bei den 1968ern schon, 1982 zu Friedensdemo-Zeiten gegen den Nato-Beschluß und sie existierte beim Anti-AKW-Protest jener 70er und 80er Jahre in Wyhll am Kaiserstuhl, in Brokdorf an der Elbe und in der Oberpfalz in Wackersdorf, als Bürger und Autonome zusammen demonstrierten, und auch zu der großen Fukushima-Demo 2011 in Berlin warʼs der Fall. Gerade dieser Protest lieferte 2011 ein wichtiges politisches Zeichen. Schön, daß so viele Menschen heute weltweit auf der Straße waren. Bei bei solchen Protesten geht es nicht unbedingt darum, Fachfragen zu debattieren. Sie sollen vielmehr politisch ein Zeichen setzen. Gehen genügend Menschen hin und sind es wie in Berlin gut 200.000 Menschen, dann muüssen auch SpOn und die Tagesschau darüber berichten. Schön wäre es, wenn man auch für Julien Assange, Edward Snowdon und Chelsea Mannings derart viele Menschen auf die Beine bekäme, denn auch dann müßte die „Macht um acht“ über solches berichten.

[Eine zweite Serie mit Photographien kommt morgen.]

 

52 Gedanken zu „Fridays for Future – Zur Klima-Demo in Berlin

  1. An einen Schwarzen Block kann ich mich nicht erinnern. Alles übrige kenne ich auch aus meiner Jugendzeit in der DDR, als man den Bürger zum 1. Mai oder zum Nationalfeiertag zum Demonstrieren abstellte.

  2. Nein, in der DDR gab es keinen Schwarzen Block, und im Unterschied zur DDR kamen diese Leute gestern alle freiwillig. Sie wirkten nicht, als müßten sie Winkelemente unter Zwang schwingen.

  3. Schön wäre es, wenn man auch für Julien Assange, Edward Snowdon und Chelsea Mannings derart viele Menschen auf die Beine bekäme, denn auch dann müßte die „Macht um acht“ über solches berichten.

    Das wären Putinknechte, Neurechte oder Antisemiten. Vor solchen Typen würde die „Macht um 8“ eindringlich warnen
    Eine Demo hingegen, in der es darum geht, die Ärmsten der Gesellschaft zu kujonieren, kommt der „Macht um 8“ entgegen. So eine CO_2-Steuer stellt ja eine indirekte Kopfsteuer dar, die auf absolut existentiell lebensnotwendige Dinge wie Heizung, Verkehr/Transport, Ernährung etc. erhoben wird. Arme wie reiche Leute brauchen zum Heizen wie zum Essen ungefähr genauso viel. Gemessen an den wirtschaftlichen Möglichkeiten bedeutet das dann, daß die CO_2-Steuer bei armen Leuten so richtig reinhaut. Genau diese armen Leute können aber auch nicht disponieren. Wer aus der Stadt hinausgentrifiziert wurde, in ein Kaff, das zwar billig ist, wo aber keine öffentlichen Verkehrsmittel verfügbar sind, der nicht nur mit eigenem Auto pendeln muß, sondern das Auto zum Einkaufen und zum Fortschaffen der Kinder braucht, weil es keine entsprechende Infrastruktur mehr am Ort gibt, der hat keine Möglichkeit, umweltgerecht zu handeln. Denjenige hingegen, der zweimal im Jahr um die halbe Welt reist, um Urlaub zu machen, den juckt das bißchen Steuer für das Kerosin nicht. Sonst würde der ja nicht zweimal im Jahr um die halbe Welt fliegen oder fette spritfressende Karren anschaffen.

  4. und im Unterschied zur DDR kamen diese Leute gestern alle freiwillig. Zumindest ein Teil der Demonstranten kommt nicht wirklich freiwillig. Wenn Lehrer das anordnen, dann haben die Schüler zu parieren. Schließlich ist die Schule eine autoritäre Organisation. Und bedenkt man, wie monopolisiert die Presse inzwischen sich darstellt, dann kann man zwar davon ausgehen, daß die übrigen Demonstranten zwar freiwillig demonstrieren, dennoch aber ideologisch manipuliert werden. Wie in einer Psychosekte, wo man ja auch freiwillig eintritt. Daß eine einzelne junge Dame eine weltweite Bewegung ohne Hilfe der astroturfende Monopolpresse hätte lostreten können, glaubt niemand ernsthaft, der noch bei Trost ist.

  5. Nanu. Die gibt es ja immer noch!

    42th week of #GiletsJaunes #YellowVests protests in France:VIDEO: #Paris #Acte42 Mainstream media will not broadcast this video, so it is up to you to spread this video. pic.twitter.com/PBFS4Vqawt— Oh boy what a shot (@ohboywhatashot) August 31, 2019

    https://platform.twitter.com/widgets.js

    Zum Glück gibt es noch finstere Ecken, in denen sich alles herumtreibt, was nicht in der „Macht um 8“ erwähnt wird. Aber nicht mehr lange.

  6. Neumondschein, Du bringst da Dinge zusammen, die nicht zusammengehören und auch nicht zusammenpassen und damit einher geht dann die Simplifizierung, so daß Du der Problemlage in der Analyse nicht gerecht werden kannst. Und auch Deine Extremaufsteigerungen in der Sache Assange sind nicht wirklich zielführend. Die Phrasen, die Du anderen Leuten vorwirfst, produzierst Du selber in einer Tour. Und damit nimmst Du der Kritik ihren Stachel. Übrigens gewinnt man mit solchen Vereinfachungen keine Verbündeten, sondern erzeugt durch die Extremzuspitzungen vielmehr jene Bunkermentalität, die man zu bekämpfen vorgibt.

    Wenn Du meinen Text richtig gelesen hättest, wäre Die vielleicht aufgefallen, daß dort auf der Demo ganz unterschiedliche Ideen und Gedanken zusammenkamen. Eine solche Demo soll keine unmittelbare politische Lösung finden, sondern sie soll Parteien und damit auch Politikern zeigen, daß da ein Unwohlsein herrscht und je mehr Menschen an solchen Protesten, nicht nur in einer Stadt, sondern bundesweit, teilnehmen, desto besser ist es und desto mehr Wirkung hat es. In diesem Sinne sind solche Demonstrationen auch symbolische Akte. Ich beschrieb dies alles kurz in meinem Artikel.

    Richtig ist, daß eine CO2-Steuer ungerecht sein kann, wenn Arme wie Reiche z.B. beim notwendigen Heizen gleich besteuert werden. Ähnliches gilt für die Pendler. Auch solche Fragen wurden übrigens auf der Demo zum Thema gemacht, auch von den Rednern. Nämlich die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit.

    „Wenn Lehrer das anordnen, dann haben die Schüler zu parieren. „

    Warum? Weil Du das glaubst? Die Dinge sind leide sehr viel komplexer als Du es annimmt. Dir täte mehr Differenzierung gut. Die Welt ist nicht schwarz/weiß. Es gibt eben solche Fälle und es gibt andere Fälle. Die Kinder, die dort waren, sahen in keiner Weise gezwungen aus. Ob alles, was da auf der Demo an Plakaten und Ideen und Meinungen hochgehalten wurde, sinnvoll war, ist dabei eine ganz andere Frage. Und für Deine All-Aussagen müßtest Du bitte Belege anführen.

    Ich habe mal eine Frage an Dich, neumondschein: Denkst Du wirklich so simpel und in solchen einfachen Schemata von Scharz/weiß oder steckt dahinter irgend ein anderes System?

    Wenn Du es schaffen würdest, komplexere Verbindungen und Strukturen wahrzunehmen und nicht alles in ein privates Schema einzufügen, dem Du jedes Ereignis bereits von vornherein unterwirfst, dann kämst Du übrigens auch zu einer besseren und differenzierteren Auflösung des Greta-Phänomens. Die Instrumentalisierungen von Greta, die übrigens von unterschiedlicher Seite her erfolgen, kann man in einer solchen Unterscheidung einer Sache nach unterschiedlichen Hinsichten ebenfalls gut beschreiben. Ebenso wie eine Sicht auf jene Demonstration gestern. Und dann gerät man auch nicht in solche ärmlichen Pauschalaussagen.

  7. Und nochmal für Dich pointiert: Bei einer Demonstration, wo 200.000 Menschen anwesend sind, kannst Du in der Regel davon ausgehen, daß da Leute mit ganz unterschiedlichen Ansichten auftauchen. Ebenso bei den Schulen: Es gibt solche, die gegen die FFF sehr skeptisch sind und es gibt in Berlin solche, die eher offen sind. Es mag Manipulationen geben, weil Schüler sich nicht trauen „nein“ zu sagen und es gibt Schulen, wo Schüler mit Repressionen rechnen müssen. Es gibt Simplifizierer und solche, die die Komplexität des Themas sehen und die auch das gesamte Soziale und damit die Wirtschaftsordnung auf dem Schirm haben. Wie bei fast allen politischen Problemen ist es übrigens falsch, einfache Lösungen zu suggerieren.

    Daraus nun einen einzigen Aspekt abzuleiten und die Proteste der Schüler darauf zu reduzieren, ist entweder einfach nur naiv oder es geschieht eben in argumentativ unlauterer Absicht.

  8. Ein angebliches Zentrum bei den Gelbwesten habe ein Programm formuliert, das auch ein paar ökologische Forderungen aufstellt. Angefangen hat das alles in Frankreich mit einer Art CO_2-Steuer, die eben nicht sozial ausgeglichen ausgestaltet war. Später traten dann noch ein paar Spinner, Rechte, kurdische Befreiungskämpfer, ostukrainische Separatisten und linksextreme Schläger hinzu, weshalb man die seit nun beinahe einem Jahr demonstrierenden Franzosen als Neurechte abqualifizieren kann. Wenn man sie überhaupt in den Medien noch erwähnt. Im übrigen bekommen sie von der Polizei ordentlich in die Fresse, weshalb es schon zu Toten und vielen Schwerverletzten gekommen ist. Der Staatspräsident legt wie Ludwig der Sechzehnte Beschwerdebücher aus. Aber an den Fehlern der CO_2-Steuer will der nichts ändern.

    Ganz anders dieser FFF-Irrsinn: Der wurde ja keineswegs von dieser junge Dame aus Schweden losgetreten, sondern ist die Wirkung der Arbeit astroturfender Monopolmedien. Wenn man sich das Programm von FFF ansieht, dann hat man den Eindruck, denen ginge es nur darum, so schnell wie möglich diese blöde Steuer einzuführen, die in Frankreich zu so lang anhaltenden Protesten geführt hat. Weiterhin bemerkenswert ist, daß in all dieser Klimapanik alle anderen Probleme untergehen, also medial total unterrepräsentiert sind: die wieder hervorbrechende Weltwirtschaftskrise, die Rezession in Deutschland, die Wirkungen der Agenda 2010, die erst jetzt anfangen, sich bemerkbar machen, in Form der massenhaften Altersarmut. etc.

    https://www.novo-argumente.com/artikel/klima_konsens_kohlenstoffdioxid

  9. Dirk Kurbjeweit Heute morgen im Spiegel, über die Klimaschutzpläne der Bundesregierung: „Die negativen Urteile vieler Experten leuchten mir ein. Allerdings denke ich auch an das Jahr 2003, als Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Hartz-IV-Reformen vorstellte. … Dem Urteil „unsozial“ ist schwer zu widersprechen. Aber Schröders Reformen gelten heute als eine der Grundlagen für den langen Aufschwung der Bundesrepublik, der manchmal sogar ein zweites Wirtschaftswunder genannt wird. Sollten wir daraus nicht lernen?“

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/news-klimapaket-die-gruenen-oktoberfest-avocado-a-1287054.html

    Die Tendenz ist doch ganz eindeutig zu erkennen.

  10. Kurze Zwischenfrage: Was hatte es denn mit den komplett rotkostümierten Weißgesichtigen auf sich?

  11. @Neumondschein: Es behauptet auch niemand, daß Greta und die FFF-Kids die Klima-Debatte initiiert hätten. Allein aus dem Grund ist das schon absurd, weil diese Aspekte seit Ende der 1970er Jahre Thema waren, etwa in der Studie des Club of Rome und ebenso in den Debatten der 1980er Jahre. Im Biologie-Leistungskurs besprachen wir diese Dinge bereits 1983. Alles nichts Neues. Und in der Gegenwart sehen wir nun die Resultate: daß es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt und daß der Anstieg der Erderwärmung durch CO2 erhebliche Auswirkungen haben wird. All diese Dinge werden übrigens in den Medien mit ganz unterschiedlichen Tendenzen debattiert. Die „Zeit“ momentan von der Tendenz her sehr warnend, FAZ und NZZ abwägend.

    „sondern ist die Wirkung der Arbeit astroturfender Monopolmedien.“ Das sind genau diese Alu-Hut-Sätze, weshalb es sinnlos ist, sich mit den Selbstimmunisierungen der Verschwörungsirren auseinanderzusetzen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall und es wurde die Frage nach dem Klimawandel lange von den Medien ignoriert, während wenige ökologisch Orientierte diese Dinge immer schon zum Thema machten. Ja, vielleicht braucht es solche Personen wie Greta insofern, daß sie als Katalysatoren wirken. Für die Überhöhungen sind dann andere verantwortlich.

    Daß es übrigens einen Klimawandel gibt, ist das fast einhellige Ergebnis der Forschung. Hier z.B. finden sich empirische Daten:

    https://meteo.plus/klima-global.php

    Die praktischen Möglichkeiten und Strategien, damit umzugehen, fallen unterschiedlich aus, je nach Perspektive und das zu klären ist eben auch eine Frage von diskursiven und politischen Prozessen. Jemand, der auf die Kräfte des Kapitalismus vertraut, wird hier andere Modelle veranschlagen als ein radikaler Kritiker dieses Systems. Ich sehe mich hier eher auf der Seite von Wagenknecht. Und in diesem Sinne hast Du in einem Aspekt recht, daß die soziale Frage nicht ausgeklammert werden darf. Zugleich aber kann man das eine nicht gegen das andere ausspielen. Diese Aspekte nach einer sozialen und ökologischen Ausrichtung sind übrigens ebenfalls Thema der Debatten.

    Zu dem Verfasser des Artikels auf der Novo-Seite: „Matthias Kraus entwickelt Markenkonzepte für Unternehmen. Hier schreibt er seine eigenen Geschichten.“ Soviel zur Expertise des Mannes. Harald Lesch oder die Forscher am Potsdamer Institut, allesamt ausgebildet in ihrem Fach, scheinen mir hier als Quelle doch deutlich glaubhafter.

    „Weiterhin bemerkenswert ist, daß in all dieser Klimapanik alle anderen Probleme untergehen, also medial total unterrepräsentiert sind: die wieder hervorbrechende Weltwirtschaftskrise, die Rezession in Deutschland, die Wirkungen der Agenda 2010, die erst jetzt anfangen, sich bemerkbar machen, in Form der massenhaften Altersarmut. etc.“

    Über all diese Dinge lese ich aber häufig in den Zeitungen. Es gibt an den FFF-Kids sicher einiges zu kritisieren. Nur: das funktioniert nicht in der Sicht von eindimensionalen Modellen. Und ohne Frage ist auch die soziale Problematik entscheidend. Nur: auch hierzu gibt es unterschiedliche Perspektiven. Übrigens werden, so könnte man entgegnen, bei einem Anstieg von unbewohnten Regionen auf dieser Welt, aus der Menschen flüchten müssen, Partial-Themen wie Altersarmut marginal sein. Weil nämlich in der BRD derartige Umstrukturierungen in demokratischen Prozessen stattfinden und so kann es passieren, daß diese sozialen Fragen plötzlich in einem ganz anderen Kontext hängen. Nämlich ein Festung Europa in einem Sinne, wie wir sie bisher nicht kannten.

  12. „Die negativen Urteile vieler Experten leuchten mir ein. Allerdings denke ich auch an das Jahr 2003, als Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Hartz-IV-Reformen vorstellte. … Dem Urteil „unsozial“ ist schwer zu widersprechen. Aber Schröders Reformen gelten heute als eine der Grundlagen für den langen Aufschwung der Bundesrepublik, der manchmal sogar ein zweites Wirtschaftswunder genannt wird. Sollten wir daraus nicht lernen?“

    Die Ursache für die außergewöhnlich lang anhaltende Konjunktur nach der Krise 2007/2008 ist das chinesische Konjunkturprogramm verbunden mit einer Politik des lockeren Geldes. Die Bedeutung von Agenda2010 besteht in diesem Zusammenhang nur darin, daß Deutschland gegenüber seinen Mitbewerbern/Partnern in Europa auf deren Kosten einen Wettbewerbsvorteil herausschindet, weil die Kosten für in Deutschland ansässige Unternehmen im Verhältnis zu deren Produktivität günstiger geworden sind. Oder, wie man sich ausdrückt: Deutschland habe seine Arbeitslosigkeit exportiert. Mit anderen Worten: Andere EU-Länder haben jetzt vermehrt Probleme, die Deutschland früher hatte. Und wenn die übrigen EU-Länder sich jetzt entschließen, dasselbe zu tun wie Deutschland, dann schaden sie auf umgekehrten Wege auch Deutschland. Vom Standpunkt Gesamteuropas aus betrachtet, gefährden die durch das EU-Korsett erzwungenen Austeritätsdiktate die Stabilität der EU, vergrößern den strukturellen Rückstand gegenüber den Schwellenländern und die Abhängigkeit von ihnen, was im Zeitalter von Trump mit seinen vom ihm vom Zaun gebrochenen Handelskonflikten Deutschland erheblichen Schaden zufügt. Abgesehen davon steigen in Deutschland trotz lang anhaltender Konjunktur Massenarmut, soziale und politische Spaltung. Zu wirklichen Erfolgen hat Agenda2010 also nicht geführt. Die wachsende Ungleichheit und der Zwang zu privater Altersvorsorge führt zu mehr Liquidität an den Finanzmärkten, die im Zusammenhang mit der über lange Zeit anhaltenden Extrem-Niedrig-Zinsphase die Finanzmärkte instabil macht und die Spekulation heiß laufen läßt. Diese Liquidität sorgt u.a. auch für explodierende Preise auf dem Immobilienmarkt, die ihrerseits die sozialen Probleme verschärfen.
    Die Monopolpresse sieht das natürlich anders.

  13. Ohne Frage, El Mocho gibt es in dieser Angelegenheit viel zu debattieren. Und die von Dir genannten Probleme in dem Zitat sehe ich ähnlich. Das sind Aspekte, über die man sprechen muß, sonst fliegt dem Land nämlich die Klimapolitik um die Ohren. Solche Fragen müssen debattiert werden.

    @chairborne: Es handelt sich, dem Zeichen nach zu urteilen, bei der Aktion der Rotgewandeten um etwas, das mit den „Extinction Rebellion“ zu tun hat, zumindest führt diese Gruppe das Zeichen mit sich und scheint auf diese Gruppe aufmerksam machen zu wollen.

  14. „Deutschland habe seine Arbeitslosigkeit exportiert.“ Nun gibt es aber Leute, die sagen, die Agenda 2010 habe die Arbeitslosigkeit am Ende gesenkt und daß die Effekte jetzt zu spüren seien. Und es bleibt die Frage, weshalb andere Länder in Europa es nicht genauso wie Deutschland machten, wenn dies doch so einfach zu bewerkstelligen ist.

    Der Satz in bezug auf die Monopolpresse ist wieder einmal Neumondschein-Blödsinn. Tendenziell richtige und bedenkenswerte Ansätze spülst Du durch solche Phrasen dann wieder ins Klo. Wir haben keine Monopolpresse, wir haben auch keine Lügenpresse, anders als in China, wo kritische Berichterstattung schlicht nicht möglich ist und mit Abstrichen auch in Rußland. Richtig ist, daß bei manchen Themen die Berichterstattung in Leitmedien einseitig ist. In Zeitungen wie Freitag, Junge Welt und anderen Medien und selbst auf öffentlich-rechtlichen Kanälen kann man sich über all diese Themen informieren, ohne groß einer Repression ausgesetzt zu sein. Ich empfehle an dieser Stelle und bei Deinen leeren Abstraktionen, einen Satz des Philosophen Daniel-Pascal Zorn Dir durch den Kopf gehen zu lassen:

    „Als Vermittlungstaktik dient hier die, ebenfalls absurde, Setzung, die Medien hätten die Wirklichkeit eins zu eins objektiv abzubilden. Ebenso wie die Setzung der absoluten Freiheit des Menschen kann die Setzung der absoluten Medienobjektivität nur scheitern. Und genau dieses fortlaufende Scheitern dient als ebenso fortlaufender Beleg für die Lügenabsicht der Lügenpresse (—> Nirvana-Fehlschluss). (Zorn, Logik für Demokraten, S. 63)

  15. „sondern ist die Wirkung der Arbeit astroturfender Monopolmedien.“ Das sind genau diese Alu-Hut-Sätze, weshalb es sinnlos ist, sich mit den Selbstimmunisierungen der Verschwörungsirren auseinanderzusetzen.

    Das ist kein Alu-Hut-Satz sondern Fakt. Der Papst, das Schwedische Parlament und die vielen Institutionen empfangen doch nicht so eine auf der Wurstbrühe dahergeschwommene Göre. Die ist doch auch vollkommen unwichtig. FFF ist eine riesige Inszenierung der Presse. Sie mag ja in ihrer Einschätzung recht haben. Dennoch ist das Astroturfing, weil die Presse so tut, als ob es sich um eine Graswurzelbewegung handeln würde, die FFF definitiv nicht darstellt.

    Hier kann man schön studieren, was FFF bewirkt: Die Marginalisierung gesellschaftlich relevanter Themen:

    Übrigens werden, so könnte man entgegnen, bei einem Anstieg von unbewohnten Regionen auf dieser Welt, aus der Menschen flüchten müssen, Partial-Themen wie Altersarmut marginal sein.

    Am 1. Januar 2031, an dem nach Meinung von FFF die Welt endgültig untergehen wird, aber sich niemand mehr an diese Medieninszenierungen erinnern wird, wird das Problem der Altersarmut akut sein. Die Polarisierung in der Welt wird unschöne Ausmaße angenommen haben. Die Klimaflüchtlinge, soweit es sie bis dahin in nennenswerter Anzahl geben wird, werden in anderen „shit hole countries“ unterkommen, so wie auch heute schon 60 Mio. Menschen, die vor militärischen Konflikten und wirtschaftlichen Katastrophen fliehen, in der Hauptsache in anderen „shit-hole-countries“ unterkommen. Der Faktor, der Menschen aus ihrer Heimat in die Länder der Ersten Welt drängt, werden in 10 Jahren wahrscheinlich noch stärker als heute strukturelle wirtschaftliche Probleme in den Heimatländern sein und nicht so etwas wie der Klimakollaps.

  16. „Als Vermittlungstaktik dient hier die, ebenfalls absurde, Setzung, die Medien hätten die Wirklichkeit eins zu eins objektiv abzubilden. Ebenso wie die Setzung der absoluten Freiheit des Menschen kann die Setzung der absoluten Medienobjektivität nur scheitern. Und genau dieses fortlaufende Scheitern dient als ebenso fortlaufender Beleg für die Lügenabsicht der Lügenpresse (—> Nirvana-Fehlschluss).“

    Achtung: einzelne Fehler oder Ausreißer oder Probleme erlauben keinen Alles-Fehlschluß. Da, n den Verallgemeinerungen, liegt Dein Problem.

    Niemand hat hier gesagt, daß man bei der Klimafrage in Hysterie verfallen muß. Und auch auf der Demo habe ich keine Position angetroffen, die gesagt hat, am 30 Mai 2031 ist der Weltuntergang. Solchen Kritikern kann man eben entgegen, daß es dafür kaum eine gesicherte Quelle gibt und auch die Instrumentalisierung Greta Thunbergs kann man kritisieren. Dennoch sind in solchen Phasen Menschen nötig, die mit ihrer Art andere mitreißen. In den 1968er waren das Leute wie Dutschke. Bewegungen werden eben, leider, auch von charismatischen Persönlichkeiten getragen. Wir aber sind es, die entscheiden, was wir daraus machen und wie wir das bewerten und sichten. Insofern hast Du mit diesem Greta-Aspekt einerseits recht, mein 19jähriger Neffe wird kaum in Kattowitz auf einer Klimakonferenz sprechen dürfen, dahinter steckt auch ein Marketing, andererseits greifen Deine Pauschalaussagen zu kurz. Greta Thunberg wird von unterschiedlichen Seiten unterschiedlich bewertet. In der Öffentlichkeit sehe ich da weder einen Meinungskorridor noch eine Monopolpresse, auch in vielen der Leitmedien gibt es eine kritische Berichterstattung.

    Ein andere Klimapolitik ohne eine geänderte Wirtschaftsordnung wird vermutlich nicht möglich sein. Vielleicht müssen wir auch mit den Folgen des Klimawandels leben und Wissenschaft und Politik stellen sich darauf ein, was bedeuten kann, daß auf der Welt zum Teil große Umsiedlungen stattfinden werden oder aber, daß man Möglichkeiten finden,CO2 zu absorbieren

    Das Problem der Altersarmut wird akut sein, so wie immer in Gesellschaften bestimmte Probleme akut sind. Es gibt wohl in der Geschichte der Menschheit bisher keine Gesellschaft, in der es keine Probleme gibt. Politik ist das Feld, wo diese Fragen ausgetragen werden und wo nach Lösungen gesucht wird.

  17. „Am 1. Januar 2031, an dem nach Meinung von FFF die Welt endgültig untergehen wird, aber sich niemand mehr an diese Medieninszenierungen erinnern wird, wird das Problem der Altersarmut akut sein.“

    Das setzt voraus, daß der Klimawandel keine Folgen hat. Diese Folgen sind aber schon jetzt vorhanden und werden von der überwiegenden Zahl der Klimaforscher bestätigt. Insofern scheint mir die Altersarmut zwar keine unwesentliche Sache zu sein, aber die Frage nach einer geeigneten Klima-Politik trifft ein globales Problem. Und wenn man spekulieren möchte: Wegen möglicherweise deshalb ausbrechender Kriege und Bürgerkriege um Ressourcen, sollte man vielleicht die Altersarmut dagegen nicht ausspielen, aber doch in Relationen und Größenordnungen denken.

  18. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: es handelt sich hier um ziemlich komplexe und zudem noch ineinandergeschachtelte Fragen, die miteinander kommunizieren und korrespondieren. Und dafür gibt es keine einfachen Lösungen. Die FFF-Kids sind sowas wie ein Anlaß, ein politischer Verstärker, so wie damals die Anti-AKW-Bewegungen oder die Friedensbewegung. Auch deren intellektuelles Potential war nicht unbedingt hoch, wenn ich mir manche Flugschriften vergegenwärtige. Aber darum ging es diesen Bewegungen am Ende auch nicht primär, sondern ihr Ziel war es, Öffentlichkeit zu erzeugen für ein Problem. Ebenso bei der ökologischen Bewegung. Was hat sich geändert? Das heutige Parteiprogamm der CDU würde, wenn es Franz Josef Strauß sähe, in Sachen Ökologie für den Ausbund von Grün halten. Dabei ist es nicht einmal im entferntesten Sinne radikal zu nennen. Es zeigt dies aber, daß sich hier qua einer Veränderung der Diskurslage die politischen Aspekte verschoben haben.

    @ chairborne: Keine Ursache.

  19. Der DDR-Philosoph Wolfgang Harich hat übrigen schon 1975 in seinem Buch „Kommunismus ohne Wachstum“ argumentiert, dass nur der Kommunismus die ökologische Katastrophe verhindern kann. Nur er hat genug Kontrolle über die Wirtschaft, um sie wirklich zu den nötigen Maßnahmen zwingen zu können, Und nur das Proletariat hat genug Einsicht in die Notwendigkeiten der Erhaltung der Menschheit, um die notwendigen Einschränkungen zu akzeptieren. Der Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang, seinem Individualismus und seinem Konsumterror ist dazu unfähig.

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41458188.html

    Angesichts der vom Kommunismus verursachten Umweltkatastrophen klingt das natürlich bizarr. Genau darauf läuft aber der antikapitalistische Radikal-Ökologismus hinaus, fürchte ich.

  20. Niemand hat hier gesagt, daß man bei der Klimafrage in Hysterie verfallen muß. Und auch auf der Demo habe ich keine Position angetroffen, die gesagt hat, am 30 Mai 2031 ist der Weltuntergang.

    Das klingt bei der Gretel aber anders.

    Nebenbei drängt FFF nicht nur soziale und wirtschaftliche Probleme in den Hintergrund sondern auch ökologische. Der Raubbau und die Vermüllung und das Verschwinden vieler Lebensräume und Arten geraten total in den Hintergrund. Für diese Probleme sind wirtschaftliche Aktivitäten verantwortlich, die gesetzlich geregelt werden müssen. CO_2 ist daran vollkommen unbeteiligt. Nicht einmal für den Smog in indischen und chinesischen Großstädten ist das Gas verantwortlich. Der Smog besteht hauptsächlich aus Ruß, Feinstaub, Schwefel- und Stickoxiden. Diese schädlichen Stoffe entstehen zwar auch hauptsächlich bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Verhinderung deren Exposition kann man aber auf anderem Wege einschränken. (wie man es ja bereits längst tut, mit Rauchgasentschwefelung, Partikelfilter, Kat im Auto etc.)

  21. @El Mocho: Und deshalb ist eben eine Kombination aus beiden Elementen erforderlich: Staatliche Lenkung bzw. politische Maßgaben, die nach dem Wählerwillen durch die Bundesregierung und ihre Gesetzgebung erfolgen und ggf, eine andere wirtschaftliche Organisationsform von Großkonzenen bei sozialer Marktwirtschaft. Und man muß ja dazu sagen: in der BRD hat die Industrie nicht etwa Ende der 1980er Jahre in ihrer Produktion umgestellt, weil die Verantwortlichen dort ein so ungeheures ökologisches Bewußtsein haben, sondern weil es plötzlich ein Umweltministerium gab und weil Gesetze geändert wurden. Also genau umgekehrt zu dem, was in der DDR geschah, und in diesem Sinne hat Harich dann doch wieder recht. Die DDR hatte das Problem, daß sie ihre ökonomischen Defizite gegenüber der westlichen Hyperproduktion aufholen wollte.

    @Neumondschein: All diese Dinge wurden aber, teils auf Transparenten auf dieser Demo angesprochen. Sogar das Insektensterben, sogar der neue G5-Standard. Du erzeugst Dir Deine Denkprobleme selbst, neumondschein, weil Du die FfF-Bewegung Dir als einen monolithischen Block ausdenkst – siehe nochmal mein Beispiel mit den Geisterfahrern, oben.

    Weiterhin: bezüglich des einen Themas andere Themen nicht zu nennen, muß nicht bedeuten, diese Themen nicht auf dem Schirm zu haben. (Ex silentio-Fehlschluß!) Teilen der ffF-Bewegung geht es zunächst mal um den CO2-Anstieg und der ist nun einmal wesentlich für den Klimawandel verantwortlich, und vielen Leuten geht es dabei GLEICHZEIIG (Achtung, Achtung, neumondschein, man kann A nennen und dazu ebenfalls das Thema B) um Artenvielfalt um eine umfassende Betrachtung der Ökonomie und um ein anderes Wirtschaften, und zwar global, denn diese Probleme werden nicht gelöst, wenn nur einige wenige Länder mitmachen.

    Wenn Du schon einmal eine Demonstration besucht haben solltest, neumondschein, ich vermute dies wird der Fall gewesen sein, dann wirst Du bemerkt haben, daß eine Demo keine wissenschaftliche Vorlesung oder ein Expertenkolloquium zu einem bestimmten Thema ist, sondern daß es den Teilnehmern darum geht, ein bestimmtes Thema auf die Agenda zu setzen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenn Autonome bzw. Linke für die „Freilassung der Gefangenen“ demonstrieren, dann wollen die auf der Demo meist keine Abhandlung über die Situation in den Gefängnissen und auch keine Lektüre von Foucaults „Überwachen und Strafen“ durchführen und auch nicht die „Mikrophysik der Macht“ aufs gegenwärtige Gefängniswesen applizieren, sondern mit schlagwortartiger Zuspitzung wird auf ein Problem aufmerksam gemacht. Und wenn Du schon einmal auf einer Anti-AKW-Demo warst, so wirst Du da nicht tausende Experten für Atomforschung finden, sondern im Gegenteil Menschen, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren, So auch bei den FfF-Leuten. Und hier ist zudem die Thematik breit aufgestellt – das reicht von der Abholzung der Wälder, über den Artenschutz (aus diesem Grunde demonstrierte z.B. der Nabu auch mit) bis hin zu ausbeuterischem Wirtschaften bspw. in der Bekleidungsindustrie der Dritten Welt. All das war auf der Demo Thema.

    Und noch etwas: Würde Greta noch 25 andere wichtige Themen mit auf die Agenda nehmen, wäre Greta kaum zu diesem Erfolg gelangt. Die Themenliste wäre zu lang, das Publikum wüßte am Ende nicht, was Greta eigentlich will. Das ist wie auf Uni-Demos, wo es eigentlich um die Verbesserung der Lernsituation geht, und dann kommen plötzlich jene Leute, die da zugleich vorhaben das ganze kapitalistische System zu sprengen, weil es Schuld an allem Übel ist und das Patriarchat und die Heteronormativität gleich mit dazu. Und dann fangen die Leute plötzlich an, wegzubleiben und die Minderheit jammert wieder und wundert sich, daß sie zu recht Minderheit ist. Greta hingegen kaprizierte sich jedoch bewußt auf ein Thema. Und wenn sie also marketingmäßig auch unterstützt wurde, dann haben diese Leute das verdammt gut gemacht. Sie haben nämlich ihr Ziel erreicht. (Für eine gute und richtige Sache nicht ungeschickt, zumal die Klimaforschung die Aussagen von Greta verifiziert. Ob man deshalb nun Angst haben muß, darüber kann man streiten. Aber Greta sagte es ja auch klar: hört nicht auf mich, hört auf die Forscher!) Und wenn man dann, sozusagen als Surplus, auch noch sieht, daß dieses eine Thema in seiner Komplexion ebenso mit anderen Themen verbunden ist, dann kann man diese Dinge deutlich entspannter betrachten.

    Also nochmal zusammengefaßt, ich wiederhole es, weil Wiederholung auch ein Mittel ist, um Gesagtes und Geschriebenes beim Lernen zu verfestigen: Wenn man eine Sache nicht monothematisch unter dem bereits von vorneweg in sie hineinprojizierten Denkhorizont sichtet, sondern in einer Art phänomenologischer Offenheit darin auch andere Aspekte zu sehen versucht, wird man, bei aller Kritik, die man an den FfF-Leuten (auch) üben kann, der thematische Vielfalt dieser Bewegung gerecht und sieht, daß es eben nicht nur die Forderung nach CO2-Verminderung ist. (Und in den letzten Tagen habe ich noch nie so oft die Wendung von der „sozialen Gerechtigkeit“ gehört.)

  22. Nebenbei: die Frage nach dem Verhältnis von Ökologie, dem wirtschaftlichen Wachstum und dem Kapitalismus werden seit ich politisch dabei bin, also seit dem Jahr 1980, heiß debattiert. Ich habe diese Fragen bei der Neuausrichtung der SPD durch eine ökologische Linke und bei der Gründung der Grünen mitbekommen. Diese Fragen durchzogen die ganzen 1980er Jahre, auch angesichts der erheblichen Umweltverschmutzungen in Ost wie West. Der Smogalarm in vielen Sädten Deutschlands (ost und west) und in Berlin, traf beide Seiten gleichermaßen. Nur schwieg die eine Seite (Ost) das Problem tot, während sich im anderen Teil (West) die Politik der Sache langsam annahm. In der DDR jedoch entstand im politischen Widerstand ebenso eine Umweltbewegung. Man schaue nach Ostberlin und dort die Umweltbibliothek und der Widerstand der Zionskirchgemeinde und auch an vielen anderen Orten, wo es den Menschen reichte. Gerade 30 Jahre nach dem Mauerfall sollten wir uns dieser Kultur der Dissidenten und derer, die gegen dieses System politischen Widerstand leisteten, erinnern.

  23. @“Allein aus dem Grund ist das schon absurd, weil diese Aspekte seit Ende der 1970er Jahre Thema waren, etwa in der Studie des Club of Rome und ebenso in den Debatten der 1980er Jahre. Im Biologie-Leistungskurs besprachen wir diese Dinge bereits 1983.“ „Für Global 2000 hast Du Dich artig bedankt und das Buch gleich an Opa weitergereicht. Der soll doch nicht friedlich ins Grab dürfen während unsereins schon seit der Untertertia problembewusst sein muss.“ Heinz Rudolf Kunze 1982, „Der Begriffstutzer“. In 1981-83 gehörte es zum guten Ton, die Umweltprobleme zu verinnerlichen bis zur Ausbildung körperlicher Symptome.

  24. Aber was ist dann in der Zwischenzeit passiert, wenn dieses Wissen schon so lange verinnerlicht ist? Warum bedarf es dann erst 40 Jahre später einer Greta die genau dieselbe Botschaft überbringt?
    Hat man sich in der Zwischenzeit gedacht „Klar, wir hinterlassen unseren Nachfahren zwar eine katastrophal zerstörte Umwelt, aber uns geht es doch aktuell phantastisch hier in Deutschland, und das ist es, was zählt. Was kümmert uns das Morgen!“
    Nicht falsch verstehen – Ich bin immer froh, wenn die breite Masse endlich mobilisiert und motiviert ist, sich demokratisch einzubringen, und war deswegen am Freitag auch aus voller Überzeugung mit dabei, aber ich frage mich schon, wie es zu diesem 40 jährigen, weitestgehend weißen Bewußtseinsfleck kommen konnte, während dem man sich hat einreden lassen, dass Tausendsassa Klimakanzlerin Merkel und ihre Beraterhorden schon alles richten werden. Auch mir hat da ehrlich etwas gefehlt in weiten Teilen der Berichterstattung (Aber bitte mich jetzt nicht auch gleich als Verschwörungstheoretikerin framen!;)) – Zumindest hätte man vor ihrer ersten Kandidatur etwas deutlicher ihre Verantwortung für das Umweltdesaster „Asse“ betonen können, für die, denen das nicht bewußt war, dann wäre den Wählern damals vielleicht gleich schon etwas klarer gewesen, wen sie sich da für die Zukunft ihrer Kinder ins Boot wählen würden. Ich sehe da ehrlich gesagt auch ein Presseversagen! (Jedenfalls aus der Perspektive der Bevölkerung)

  25. So ist es, che! Ich gehörte zwar nicht zu der Le Angst-Fraktion und frönte einen sozusagen kritischen Hedonismus, weil eben soziale Probleme nicht einfach individuell gelöst werden. Aber die Öko-Debatten bis ins Innerste und in die kleineste Lebensregung hinein sind mir aus den 1980er Jahren noch gut vertraut. Ebenso die Krisenkommunikation: Klassenkameradinnen, die weiß geschminkt in Tod-Symbolik und mit Kreuzen und Särgen an den Anti-Atomwaffen-Demos teilnahmen. Übrigens auch Schulweise und ganze Jahrgangsstufen waren bei diesen Protesten dabei, samt den Lehrern, und genauso gab es auch die Junge Union-Fraktion, die sich dem eben nicht anschloß. Man debattierte über diese Dinge.

  26. Nein, Merkel ist ganz und gar nicht die Klima-Kanzlerin als die sie vielfach ausgegeben wird – auch von Teilen der Medien. Absehbar sind diese ökologischen Probleme schon lange gewesen und zugleich kommen eben, wie der Zeitgeist gerade weht, neue Themen daher. Wenn morgen oder in einem Monat außerirdisches Leben im All entdeckt wird, ist Greta schnell nicht mehr das Thema. Das Problem bei den ökologischen Fragen ist zudem: Man merkt all diese Veränderungen nur sehr langsam und Auswirkungen auf die nächste oder übernächste Generation hat man meist gar nicht auf dem Schirm. Die Menschen, viele zumindest, wollen Wirtschaftswachstum, sie wollen neue Autos, neue Smartphones, neue PCs, neues Dies, neues Das. Und diese Sucht nach neue Produkten statt die alten so lange es geht zu benutzen, also ein nachhaltiges Leben, befeuert eben auch die Produktion, die ja zugleich auch wieder Arbeitsplätze schafft und damit den Leuten Kaufkraft gibt – zumindest in vielen europäischen Ländern und auch in solche der Dritten Welt – leider dort unter der Unterlaufung humaner und ökologischer Standards – auch hier ist die globale Politik gefragt: bis sich irgendwann auch mit diesem Ansatz des unendlichen Wirtschaftswachstums das Denken ändert und eben das einsetzt, was sich ein Paradigmenwechsel nennt, weil bemerkt wird, daß die Wachstumsideologie unter Umständen auch Probleme bereiten kann. Dieses Denken ist im Augenblick wieder mehr auf dem Tisch. Aber bis dahin, bis zu Veränderungen, die Wirkung zeigen, wird es lange lange dauern. Diese Dinge sind in der Tat alle nicht neu. Man konnte darüber lesen, und es wurde dies immer wieder debattiert.

    Andererseits hat sich in den letzten Jahren ökologisch eben auch eine Menge getan. ich erinnere mich noch an die Zeiten des Smogs in deutschen Großstädten und an die Fahrverbote. Ich erinnere mich an Flüsse wie Rhein und Elbe, wo man nicht einmal seinen Finger hineinhalten wollte, und es wurde uns das Baden darin nicht etwa wegen der Strömung, sondern wegen des Drecks darin verboten. Das ist heute anders. Bei allen Problemen, die es zu kritisieren gibt, etwa daß die Autoindustrie teils lieber ihr Geld in betrügerische Software steckt, statt saubere und gute Dieseltechnik zu forcieren. Veränderungen im Denken und im gesellschaftlichen Handeln vollziehen sich meist sehr langsam und oft bedarf es vieler Anläufe. Zumal eben die Interessen von sehr unterschiedlichen Gruppen und Menschen ausgehandelt werden müssen. Das macht Politik zu einem schwierigen Geschäft und deshalb zieht sich der „Strukturwandel der Öffentlichkeit“.

  27. Philosophisch sind diese Fragen nach der Ökologie schon lange in der Debatte, ob das Günther Anders‘ „Die Antiquiertheit des Menschen“ ist (1956), hier wesentlich die Fragen zum Atom, oder dann explizit aufs Ökologische bezogen Hans Jonas „Das Prinzip Verantwortung“ von 1979, und dazu dann korrespondierend auch Martin Heidegger und die Frage nach der Technik, und ebenso Adorno in seinen Überlegungen zum Naturbegriff. 1980 dann bei Reclam der Sammelband „Ökologie und Ethik“, darin unterschiedliche Ansätze thematisch sind. Später dann, was die Frage nach der Systemstruktur und die nach den Möglichkeiten, diese Dinge in der Öffentlichkeit zu kommunizieren und wie die Teilsysteme Wirtschaft mit ihren internen Operationen dies verarbeiten können: Niklas Luhmann „Ökologische Kommunikation“.

    Die Frage der Ökologie beschäftigte uns schon länger und spätestens seit den 1980er Jahren bis in die Gegenwart hinein, freilich mit sehr unterschiedlichen politischen Effekten hinsichtlich des Wachstumsdenkens, und nicht immer hat es gut gefruchtet, was Philosophen sich überlegten. Es ist also ein Long-Range-Thema und hatte dort eben tröpfelweise durchaus Einfluß, nur leider eben in den Effekten oft sehr langsam.

  28. Ob Deutschland seine Kohlekraftwerke 2030 oder 2050 abschaltet, ist völlig irrelevant. In sofern halte ich diese jungen Demonstranten ach für völlig fehlgeleitet, von Leuten, die ein Interesse daran haben.

    Die wichtigste Maßnahme zum Schutz der Ökosphäre wäre, das Bevölkerungswachstum zu stoppen, vor allem in Afrika und den islamischen Ländern. Hinzu kämen massive Aufforstungen, vor allem in den warmen Ländern, wo Pflanzen schneller wachsen. Davon spricht aber niemand, denn das müssten ja die in der III. Welt tun, und nicht die weißen Europäer.

    Es wird auch nicht passieren. Die Brasilianer werden den Regenwald platt machen, in 50 Jahren ist nichts mehr davon vorhanden. In Brasilien gibt es ein Sprichwort: „O que deus coloca nunca se acaba.“, was Gott eingerichtet hat endet nie. Der Amazonas-Regenwald ist so groß wie Europa, große Teile davon sind noch völlig unberührt, und die sehen einfach nicht ein, warum sie nicht einen Teil davon abholzen, das Holz verkaufen und dann Gras säen sollen, um Vieh weiden zu lassen. Der Boden dort ist aber extrem arm, obwohl man das nicht glaubt, wenn man die 50 meter hohen Bäume sieht. Das Ökosystem des Regenwaldes ist etwas ganz außergewöhnliches, Die Nährstoffe sind nicht in der Erde, sondern sie zirkulieren praktisch zwischen den Bäumen und dem Himmel und regnen jeden Tag wieder herab. Wenn die Bäume weg sind, wächst da in ein paar Jahren nichts mehr, Wüste.

    Vor ca.15 Jahren zirkulierte in ganz Südamerika ein Email, ich habe das Ding mehrfach erhalten,auf spanisch und auf portugiesisch. Darin war ein Foto abgebildet, das angeblich einen amerikanischen Schulatlas zeigen sollte, in dem das Amazonas-Gebiet als „Zone unter internationaler Verwaltung“ bezeichnet wurde. Tenor: Die Gringos wollen uns den Regenwald wegnehmen. Und alle Welt hat das geglaubt. So denken die Leute (und ähnlich auch in China und Indien usw.): Die Europäer haben ihre Wälder abgeholzt und sind reich geworden, und jetzt wollen sie uns daran hindern, dasselbe zu tun. Als Macron kürzlich sagte „Unser Haus brennt“, hat es in Brasilien sicher heftige Kommentare gegeben dazu, was dieser Kolonialist sich eigentlich anmaßt, sich in die inneren Angelegenheiten Brasiliens einzumischen.

    Und da fordern Leute hier, wir sollten kleinere Autos fahren und nicht mehr fliegen. Lachhaft st das.

  29. „Ob Deutschland seine Kohlekraftwerke 2030 oder 2050 abschaltet, ist völlig irrelevant.“

    Woher nimmst Du diese Ansicht? Natürlich ist es das nicht. Denn auch wenn einer etwas macht, kann es Auswirkungen auf andere Länder haben. Wandel kommt nicht aus der Pistole geschossen, sondern langsam. Und wenn immer weitere Länder nachziehen, dann sind auch die Hauptverschmutzer China, USA, Indien und Rußland (in der Reihenfolge der Emission) irgendwann in der Pflicht. Das Problem ist global und es kann nur global gelöst werden. Und wenn Deutschland in Fragen Umwelttechnik forscht, dann kann das gut sein. Denn viele Rohstoffe hat Deutschland nicht. Und bleibt nur die Forschung und der wirtschaftliche Ausbau neuer Technik. Und die sollten wir nicht derart verschlafen, wie es die Autoindustrie tat und statt in neue Technik zu investieren ihr Geld lieber in betrügerische Dieselsoftware steckt.

    „Die wichtigste Maßnahme zum Schutz der Ökosphäre wäre, das Bevölkerungswachstum zu stoppen, vor allem in Afrika und den islamischen Ländern.“

    Das ist leider völliger Blödsinn. Denn zum einen können Ungeborene keine Emissionen erzeugen, zum anderen stehen jene Länder, wo hohe Geburtenraten herrschen, in der Liste der Emissionen weit unten und sind nicht die Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes.. Diejenigen, die die meisten Emissionen produzieren, sind immer noch die westlichen Staaten und dann Industrieländer wie Rußland, China und Indien. Kinder sind in jenen armen oder ärmeren Regionen sind das Rentensystem, und solange das sich nicht ändert, gibt es auch weiter Kinder dort. Das Problem der Geburten trotzdem anzugehen, ist jedoch aus anderen Gründen sinnvoll: wenn nämlich jene bisher Ungeborenen irgendwann einmal und ganz zu recht darauf pochen, den gleichen Wohlstand wie wir zu erlangen, dann haben wir in der Tat ein Problem. Gleiches gilt für die Erzeugung von Nahrung. Aber das alles ist in die Frage nach einer kapitalistischen Produktionsweise, die rein auf Wachstum und auf privatem Gewinnstreben orientiert ist, mit eingeschlossen. Insofern sind es wie immer solche Prozesse der Ökonomie.

    Natürlich kann man den Brasilianern oder anderen Ländern nicht verübeln, daß sie ebenfalls am (noch!!!!) gut gedeckten Tisch sitzen wollen. Dennoch kann man qua internationaler Beschlüsse Veränderungen erreichen. Auch das ist eine Frage der Politik und der Verhandlungen, und das wird zugleich bedeuten, daß die westlichen Länder etwas von ihrem Reichtum werde abgeben müssen. Zudem wird es Regionen geben müssen, die unter internationalen Schutz gestellt werden müssen. Auch dies läßt sich über Abkommen erreichen. Politik ist auch hier nicht schwarz/weiß. Es mahlen solche Mühlen allerdings auch wieder langsam. Insofern muß man hier vermutlich auf evolutionäre, langsam sich verändernde Prozesse und ein sich entwickelndes Bewußtsein setzen. Auch in Brasilien gibt es ja Protest gegen die Politik der Regierung dort.

    Wenn übrigens die sozialen Kosten beim Fliegen und beim Autofahren eingepreist werden, dann wird schnell das Fahren von SUVs in Innenstädten sich erledigen. 50 EUR Tagessatz für die City, dazu ein Tagesparkticket von rund 50 EUR pro Tag und entsprechende Besteuerung wird das Problem schnell erledigen. Gleiches gilt fürs Fliegen. Warum ist Flugbenzin derart günstig und steuerfrei? Warum müssen in Städten noch Autos fahren? Und in diesen Sachen ist die EU ein gutes Projekt, weil das dann nicht nur an ein oder zwei Ländern hängt. Übrigens: auch Kalifornien bzw. vielen seiner Bewohner ist es zu Bewußtsein gekommen, daß sich ökologisch etwas ändern muß, anders als andere Bundesstaaten der USA. Und gerade deshalb sind die weltweiten Proteste junger Menschen wichtig. Mögen sie teils auch naiv sein. Aber eine Demo ist kein wissenschaftliches Kolloquium, sondern eine Sache, wo Bewußtsein erzeugt wird und wo Debatten entfacht werden. Deshalb ist es auch egal, ob die Forderungen der Demonstranten naiv oder klug sind, und ob Luisa Neubauer nun viel oder wenig fliegt. Es ändern alle diese Diskreditierungen (oh, er hat einen Schnürsenkel mit Plastikenden, die der Postillon zu recht witzelte https://www.der-postillon.com/2019/09/heuchler-klimastreik.html ) und eine teils auch berechtigte Kritik nichts daran, daß hier für ein Thema, das die Menschheit betreffen wird, Bewußtsein erzeugt wird. Übrigens: auch China hat bemerkt, daß die Menschen im Smog und im Unrat anfangen rebellisch zu werden. Und eine rebellische Bevölkerung kann sich kein Staat auf Dauer leisten.

    Und daß die nichteuropäischen Länder Europa nun ihren Kolonialismus vorhalten, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. In diesem Sinne sind Europa und eben auch die USA hier mitverantwortlich Abhilfe zu schaffen. Solche ökologischen und politischen Veränderungen sind leider langwierig.

  30. Soviel zur Expertise des Mannes. Harald Lesch oder die Forscher am Potsdamer Institut, allesamt ausgebildet in ihrem Fach, scheinen mir hier als Quelle doch deutlich glaubhafter.

    Nun, die Monopolpresse braucht den als Dr. Best für Ihren Dr.-Best-Effekt. Schließlich ist der ja Professor. Der ist dazu da, immer und zu allen Zeiten, sobald irgendsoein Mikrophon unter seiner Nase erscheint, hinter dem man einen Büttel der Monopolpresse vermuten kann, sogleich zuverlässig genau den Sermon abzuliefern, mit dem die Monopolpresse garantiert zufrieden ist. Zur Belohnung hat man auch gleich einen ganzen Fernsehkanal geschaffen – ARD alpha -, damit er sich in speziell für ihn geschaffenen Sendungen (alpha centauri; Leschs Kosmus) produzieren kann.Wirkliche Klimawissenschaftler wären für die Zwecke der Monopolpresse überhaupt nicht zu gebrauchen. Denn, weil sie Wissenschaftler sind, drücken sie sich prinzipiell vorsichtig aus. Zum Erzeugen der für unsoziale Steuererhöhungen benötigten Panik wären sie vollkommen ungeeignet. Und dann ist ihr Fachgebiet aucg derart kompliziert und interdisziplinär strukturiert, daß garantiert keine 45min. dauernde Sendung ausreichen würde, um auch nur annähernd den aktuellen Wissensstand andeuten zu können. Da hängt alles mit allem zusammen: Astronomie, Atmosphärenphysik, Erdgeschichte, Geologie, Ozeanologie, Vulkanologie und noch weitere mehrere 100 wissenschaftliche Spezialdisziplinen. Dann müssen Rechenprogramme gebaut werden, die auf den stärksten derzeitig verfügbaren Rechnern ausgeführt werden, die riesige nichtlineare Differentialgleichungssysteme mit mehreren tausend Freiheitsgraden lösen, die erstens derart instabil sind, zweitens massenweise riesige Datensätze an Meßwerten benötigen und drittens garantiert nicht alle Erkenntnisse enthalten, die für das Klima relevant sind, weil diese Erkenntnisse noch gar nicht vorliegen. Dementsprechend groß sind die Unsicherheiten bei serieusen Klimaprognosen auch. Aber hier geht es um FFF. Da spielt Wissenschaft wie auch das arme Gretel nur am Rande eine Rolle.Wenn man unbedingt einen Herrn Dr. Best braucht, der zumindestens nicht ganz so arrogant rüberkommt, dann zieht lieber eine Frau Dr. Best vor. Hier wird u.a. dargestellt, wie man eine CO_2-Steuer einführen kann, ohne den vielen armen Säuen im Land in die Fresse zu treten. Meiner bescheidenen Meinung müssen diese armen Säue aber schon einmal ihre gelben Westen suchen. Ohne drohenden Staatsnotstand werden die nämlich übergangen:

  31. Die TopTen des CO2-Ausstoßes:

    1) China
    2) USA
    3) Indien
    4) Russland
    5) Japan
    6) Deutschland
    7) Iran
    8) Saudiarabien
    9) Südkorea
    10) Kanada

    Davon produziert allein China etwa 25% des Ausstoßes überhaupt, die restlichen 4 der Top Five zusammengenommen noch einmal genauso viel, D.H. China bis Japan zusammen 50%. Deutschland ist mit 2,5% dabei..

    Andere Daten wären auch noch interessant:

    Die 10 Reichsten

    1)Schweiz
    2) USA
    3) Dänemark
    4)Niederlande
    5) Singapur
    6) Schweden
    7) Australien
    8) Kanada
    9) Japan
    10) Taiwan

    Und die 10 mit dem höchsten Durchschnitteinkommen in der Bevölkerung:

    1) Monaco
    2) Liechtenstein
    3) Bermuda
    4) Schweiz
    5) Norwegen
    6) Macau
    7) Luxemburg
    8) Island
    9) USA
    10) Dänemark

    Die Liste der Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum wird hingegen von Weisrussland, Moldavien und Litauen angeführt.

  32. Kommentare, die mit „Monopolpresse“ anfangen, Neumondschein, lese ich gar nicht erst weiter. Sei also noch froh, daß ich diesen Kommentar nicht unbesehen lösche. Beim nächsten Mal mache ich es. Also: Du bist hier jetzt angezählt. Entweder Du bedienst Dich einer sachlichen Argumentation oder Du fliegst. Hast Du das verstanden?

    Und für Dein Aluhut-Gewäsch zur Presse nochmal für Dich, da Du es nicht verstanden hast:

    „Als Vermittlungstaktik dient hier die, ebenfalls absurde, Setzung, die Medien hätten die Wirklichkeit eins zu eins objektiv abzubilden. Ebenso wie die Setzung der absoluten Freiheit des Menschen kann die Setzung der absoluten Medienobjektivität nur scheitern. Und genau dieses fortlaufende Scheitern dient als ebenso fortlaufender Beleg für die Lügenabsicht der Lügenpresse (—> Nirvana-Fehlschluss).“

    Neue Teilnahme-Regel für Dich, neumondschein. Du erläuterst mir zunächst diesen Satz und zeigst, was damit inhaltlich gemeint ist. Wenn Du das gemacht hast und es einen sinnvollen und nicht polemischen Beitrag ergibt, den ich für angemessen halte und der nicht nur herausgetrötete Meinung ist, schalte ich Dich wieder frei. Ok und abgemacht?

  33. @El Mocho: Deutschland steht an siebter Stelle beim CO2 Ausstoß. Unmittelbar wird der Ausstieg Deutschlands nichts bewegen. Mittelbar schon, wenn ein reiches Land damit anfängt. Auch hier sind also Koppelungseffekte auf der Ebene des Politischen mitzudenken. Weitere soziale Proteste weltweit, auch radikalerer Art wie es die Extinction Rebellion betreiben, können ebenfalls Möglichkeiten darstellen, um auf andere Länder einen Druck auszuüben. Ohne Frage gibt es bei den FfF-Kids vieles zu diskutieren und einfache Verbote an der Bevölkerung vorbei sind sicherlich nicht zielführend. Das alles sind Prozesse, die langsam vor sich gehen. Und dazu gehören unterschiedliche Verfahren und Methoden.

    @che: Danke für diese Hinweise.Wie immer sehr profund. Und damit läßt sich arbeiten und diskutieren. Hazel Henderson kannte ich nicht. Hier scheinen sich spannende Ansätze zu finden. Und deshalb, weil es auch unkonventionelle Ansätze braucht, sind ebenso die FfF-Proteste wichtig.

  34. „Die TopTen des CO2-Ausstoßes:

    1) China
    2) USA
    3) Indien
    4) Russland
    5) Japan
    6) Deutschland
    7) Iran
    8) Saudiarabien
    9) Südkorea
    10) Kanada“
    …Das hängt jetzt aber nicht zufällig damit zusammen, dass die westlichen Vorzeigestaaten China zur „Werkbank der Welt“ auserkoren haben, weil westliche Konzerne gerne die lästigen Umweltvorgaben daheim umgehen bzw. einsparen möchten und man sehenden Auges offenbar bestens damit leben kann, wenn sich dafür in weiter Ferne Menschen für unseren Konsum Aufgrund von schlimmsten Smog u.Ä die Lunge aus dem Leib husten und mit anderen „schönen Andenken“ herumplagen können?
    (Ohne unsere Industrie-Emissionen hätten man in China nämlich nur mit der eigenen Luftverschmutzung, die sowieso schon durch die Versorgung der eigenen Bevölkerung zustande kommt, zu tun)
    Großmäulig angeben kann man hierzulande auch gut, wenn man lässig seinen Sondermüll nach China verschifft, oder – noch perfider – als afrikanische Entwicklungshilfe tarnt. Wir sind ja sooooooolche Vorzeigeschüler!

  35. Das ist interessant. Gibt es dafür Zahlen? Man müßte schauen, welche Firmen, z.B. deutsche oder französische, in China produzieren oder produzieren lassen und wie hoch der Anteil an der Außenverlagerung ist. Umso mehr wäre das ein Grund, mit den Chinesen in Verhandlung zu kommen und eine Anhebung der Umweltstandards anzumahnen und ansonsten ggf. Firmen mit Sitz in Deutschland bzw. der EU dann mit einer Art CO2-Steuer zu belegen.

    Wobei man zur CO2-Emission eben auch den Bevölkerungsreichtum Chinas mit hinzurechnen muß, und das bedeutet eben die Kraftwerke für Strom, die auf Kohlebasis arbeiten, das bedeutet Kohleheizungen etc pp. Das sind zunächst mal interne chinesische Emissionen. Ein weiteres Problem ist, daß eine wachsende Weltwirtschaft auch mehr Energie benötigt.

    Richtig bleibt jedoch, daß solche Unternehmen, die Produktionen in Länder verlagern, wo niedrige Umweltstandards herrschen, dann eben qua Steuer oder qua Zoll auf Produkte zur Verantwortung gezogen werden sollten. Wobei Zölle immer problematisch für die Weltwirtschaft sind, weil das nämlich einen Handelskrieg bedeuten kann. Womit am Ende ebenfalls niemandem geholfen ist.

    In diesem Sinne müßte man zudem für eine korrekte Statistik einen Teil des CO2-Ausstoßes von China auf jene Länder zurückrechnen, die die Produktionen auslagerten, bzw. eben auf die Länder, wo die Firmen ihren zentralen Sitz haben.

    Ansonsten wäre für solche Fragen zudem die Expertise eines Wirtschaftswissenschaftlers interessant.

  36. Aus diesem auf alle Fälle wichtigen Hinweis geht allerdings noch nicht hervor, für welchen Anteil am CO2-Ausstoß jene Unternehmen dann in China beteiligt sind – dazu müßte man die entsprechenden Zahlen finden: also zu dem, was dort produziert wird und wie energieintensiv das ist und welche Unternehmen das sind, um dann aus den chinesischen Werten die Fremdemissionen abzuziehen.

  37. @Bersarin: „Unmittelbar wird der Ausstieg Deutschlands nichts bewegen. Mittelbar schon, wenn ein reiches Land damit anfängt.“

    Mein Hinweis auf die Denkweise der Brasilianer sollte darlegen, warum ich nicht daran glaube. Die werden ihr Verhalten erst dann ändern, wenn sie selber merken, dass es ihnen schadet, dass sie sich selber zerstören, wenn sie so weitermachen.

    Es gibt einen empfehlenswerten Roman des Brasilianers Ignacio de Loyola Brandao, auf Deutsch „Kein Land wie dieses“ von 1981, der die Zukunft Brasiliens beschreibt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ign%C3%A1cio_de_Loyola_Brand%C3%A3o

    Da ist der Regenwald weg, und an seiner Stelle eine Wüste, größer als die Sahara. Und die Brasilianer brüsten sich, der Welt ihre schönste und größte Wüste gegeben zu haben. Rio und Sao Paulo habe dutzende von Millionen Einwohnern und um sie herum dehnen sich gigantische Müllhalden aus.

    Eine nicht unrealistische Perspektive. Wenn Greta und ihre Anhänger wirklich etwas bewirken wollen, müssten sie in Brasilia gegen die Entwaldung protestieren, oder In Peking gegen die vielen neuen Kohlekraftwerke. Oder auch in Lagos dagegen, dass die Leute dort immer mehr Kinder zeugen, die sie nicht ernähren können (und die dann irgendwann in Schlauchbooten nach Europa sitzen). Dann könnte man sie ernst nehmen, und nicht hier in Deutschland, wo die Polizei noch die Straßen für sie absperrt.

  38. Diese Perspektive für Brasilien mag realistisch sein, El Mocho. Und gegen die Abholzung des Regenwaldes und ebenfalls gegen die Kohlekraftwerke weltweit wird und wurde ebenfalls demonstriert. Deshalb waren diesen FfF-Proteste übrigens weltweit und nicht nur in Deutschland. Deshalb reiste Greta Thunberg nach New York.

    Bei China muß man eben auch noch sehen, wie hoch der Anteil an westlichen Firmen ist, die dort produzieren oder produzierten und also ihre CO2-Bilanz von Europa nach China auslagerten. Und die Überbevölkerung in Afrika, Asien und in den meisten arabischen Ländern ist ebenfalls ein Problem, aber nicht aus Gründen des Klimaschutzes primär. Ungeborene erzeugen nun einmal keine Emissionen und auf der Liste der 8 oder zehn größten CO2-Verschmutzer stehen all diese Länder nun gerade nicht. Solange diese Länder kein tragfähiges Rentensystem entwickeln, werden aber weiterhin Kinder der Hauptversorger für die Familien sein. So einfach ist das. Und diese Dinge haben eben auch mit dem Terms of Trade was zu tun und weil manche Unternehmen Afrika eher als eine Schutthalde sehen, wohin man, wie Partyschreck richtig schrieb, seinen Sondermüll hin verschifft und entsorgt.

    Im übrigen gibt es ein Demonstrationsrecht und da hier in der BRD neue Gesetze beschlossen wurden, die implizit auch auf Europa, auf die EU und damit auch auf andere Länder Auswirkungen haben, ist es natürlich sinnvoll, vorm Kanzleramt und vor dem Bundestag Lärm zu machen.

  39. Wer schlau ist, springt auf auf den Zug. Die CDU ist ja schon dabei, die von ihnen geförderten islamischen Vereine und Migranten-„Marginalisierten“-Lobbyvereine auch. Der Strategie der Muslimbrüder folgend machen sie sich die „Diskurse“ zu eigen. Habe nie so viel über den „Gender Pay Gap“, „Menschenrechte“ und den Umweltschutz gehört, wie auf ihren Veranstaltungen. Auch diese teilweise muslimbrudernahen Vereine sind auf das Thema Umweltschutz aufgesprungen. Hier geben sie sich ein selten hochkarätiges Stelldichein. Große Pädagogen sind sie ja alle. Angefragt sind das BMSFJS und die rbb-Intendantin. https://web.archive.org/web/20190922211303/https://www.inssan.de/479-fachkonferenz-1-2-oktober-2019-berlin

  40. Das hat nun allerdings nichts mit den FfF-Demonstrationen zu tun. Bitte beziehen Sie sich konkret auf die Debatten. Daß es innerhalb der Linken einiges zu kritisieren gibt, spricht ja nicht gegen die FfF-Demonstrationen und daß bei solchen Veranstaltungen eine Vielzahl an Ansichten vorhanden ist, scheint mir auch kein Spezifikum innerhalb einer pluralen Gesellschaft. Das war schon bei der Friedensbewegung so und beim Anti-AKW-Protest. Teils wechselten die Allianzen. In Wackersdorf kämpften brave oberpfälzer Bürger mit nicht ganz so braven, rebellischen Autonomen Seit an Seit. Spätestens als diese Bürger sahen, daß friedlicher Protest fürn Arsch war, weil man einfach weggeschlagen wurde. (Ich erinnere mich auch noch an den Wasserwerfer bei Stuttgart 21: das verlorene Augen gehörte keinem Gewalttäter, der gerade den Polizeiwagen anzündete.)

    Daß Umweltschutz auch für religiöse Verbände wie Christen oder Muslime oder Juden (Bewahrung von Gottes Schöpfung) ein Thema ist, scheint mir nicht ganz unwahrscheinlich und sogar konsequent. Und wenn es dann konkret an die Gruppen geht, muß man eben sehen, wofür diese Leute sonst noch stehen. Das ist bei der DKP so, das sollte auch bei religiösen Verbänden der Fall sein. Auch bei Muslimen gibt es solche und solche. Daß dort nicht alles Gold ist, ist richtig. Aber man sollte es eben immer konkret an einzelnen Fällen festmachen, damit es keine abstrakte Kritik bleibt.

  41. So ist es. Das geht ja bis zum Gründungspersonal der Grünen wo so unterschiedliche Leute versammelt waren wie der Nationalbolschewist Baldur Springmann, der Ökofaschist Herbert Gruhl, die gesamtdeutschen Neutralisten Alfred Mechtersheimer und Rolf Stolz, die pragmatischen Nachrüstungsgegner Petra Kelly und Gerd Bastian, die Pädophilen der Indianer Kommune und ansonsten frustrierte Jusos, Ökofundamentalisten mit Hippie- oder Ökobauernhintergrund, Maoisten, Ökopazifisten mit eher linksliberalen Ansichten, Anarchisten und Autonome, Feministinnen aller Schattierungen, linke Christen, Schwulenbewegte.

    BTW ein Thema wie Gender Pay Gap wird sicher nicht von Muslimbrüdern diskutiert werden, das wäre so wie anzunehmen dass Neonazis die Dialektik der Aufklärung lesen oder Feministinnen sich zu Robert Bly-inspirierten Schwitzhüttenseminaren anmelden. Was nun inssan angeht gibt es auch zunächst mal nur einen Anfangsverdacht dass die von den Muslimbrüdern beeinflusst sind, mehr nicht.

  42. Der Musel und die Feministin sind dem verunsicherten Bürger das gleiche wie früher der Kommunist und der Schwule: Projektionsfelder der pittoresk neu gepflanzten alten Ängste.
    Die Elemente des Antisemitismus lassen grüßen.

  43. Mein Rat bei diesen Fragen ist immer: Genau hingucken, keine Scheuklappen, Probleme beim Namen nennen, nicht generalisieren, auf Details, Aspekte und Hinsichten einer Sache achten.

  44. @che2001: „BTW ein Thema wie Gender Pay Gap wird sicher nicht von Muslimbrüdern diskutiert werden, das wäre so wie anzunehmen dass Neonazis die Dialektik der Aufklärung lesen oder Feministinnen sich zu Robert Bly-inspirierten Schwitzhüttenseminaren anmelden.“ Ich bin auch vor Ort und mache mir ein Bild und ich kann dir sagen, hier liegst du ganz falsch. Noch ein Tipp: Unterhalte dich mit Ägyptern (hatte welche in der Familie), Algeriern etc., die werden dir erklären, wie das läuft mit MB und Co.. Tariq Ramadan ist ein schlauer Mann. Und @netbitch: Netter Versuch. Elemente grüßen zurück. Dabei belasse ich es.

  45. @Paul Möllers: Es ist zwar das, was Sie debattieren wollen, nicht am Thema des Threats dran, aber: bitte belegen Sie Ihre These, weshalb Themen wie Gender Pay Gap von Muslimbrüdern diskutiert werden.

  46. @ Netbitch: Zu „Die Elemente des Antisemitismus lassen grüßen“: Stimmt: heute wieder in Berlin eine solche Araber-Demo gegen Israel. Und das geschieht hier in Berlin leider sehr sehr häufig und es bleibt nicht nur bei solchen Demos von arabisch- und türkisch-stämmiger Seite. Auch das sollte man also nicht verschwiegen. Eben den arabischen, den türkischen und islamistischen Antisemitismus hier. (Ich kenne Schullehrer vor Ort – das ist nicht wirklich schön, was da erzählt wird.) Immerhin wurde der Auftritt dieser beiden Rapper verboten. Wo ist eigentlich da die Antifa, die doch bei Nazis immer schnell zur Stelle ist? Wo, netbitch, sind jene Leute, die am Samstag einen seltsam-konservativen, aber im ganzen harmlosen „Marsch für das Leben“ hier in Berlin blockierten und eine genehmigte Demo am demonstrieren hinderten? Wo?

    https://www.morgenpost.de/berlin/article227189291/Brandenburger-Tor-Innenverwaltung-verbietet-Aufritt-von-Israel-Hassern.html

  47. Ich kenne Ägypter, habe mich selbst einige Male in dem Land aufgehalten, doch sind die politisch zur New Waft oder zur Tagammu hin orientiert, was Muslimbrüder denken erschließt sich mir aus diesen Kontakten nicht, eher so etwas wie „Ein auf ökonomische Autarkie unter Nasser orientiertes Ägypten war reicher und sozialer als das jetzige, wir brauchen keine amerikanische Baumwolle sondern unsere eigene, wir wollen nicht die Dikatur zurück sondern Demokratie westlichen Zuschnitts, aber mit der Ökonomie des arabischen Sozialismus.“

  48. Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn es in der arabischen Welt Umstrukturierungen gäbe. Und vor allem eine der Moderne angemessene Religion. Und wenn nicht dort, dann wenigstens für den europäischen Islam, daß hier nicht Dunkelduster das Zepter hält, daß sich die Gelehrten auf ihre großen Traditionen wieder besinnen. Leute wie Seyran Ateş, der großartige und kluge Hamed Abdel-Samad, beide hier in der BRD unter Polizeischutz, Ahmad Mansour, Abdel-Hakim Ourgh sind da leider die Ausnahme.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.