Hinweis in teils eigener Sache

Am Freitag, den 24. August Juli, sendet Deutschlandradio Kultur um 19:15 Uhr unter der Rubrik „Readerʼs Corner“ einen Beitrag von Sieglinde Geisel über Literaturblogs: „Im Netz ist jeder Leser ein Kritiker“. Darin kommt auch meine unbescheidene Stimme zu Wort – wie oft und wie häufig, weiß ich freilich nicht. Ich habe mich aber trotz eines thymotischen Grundzuges in meinem Wesen, wenn es um Literaturblogs geht, die ihren an sich selbst gestellten Anforderung nur minimal Herr oder Frau werden, sehr zurückgenommen. Hoffen wir mal, daß andere dort zorniger sind, damit nicht immer nur ich den bad guy geben muß, der gegen den Schrunz dieser Welt wettert. Aber wie es so ist: Wir, die wir den Boden für die Freundlichkeit und guten Text (nein, nicht guten Sex!, der interessiert den Monsieur Teste nicht) bereiten wollten, konnten selbst nicht freundlich sein.

Eine kurze Angabe zum Inhalt findet sich im Programmteil von Deutschlandradio Kultur unter der Zeitangabe Neunzehnuhrfünfzehn, oderauch viertel Acht, wie der Berliner, der Ostdeutsche, die  Menschen im einstmalig Böhmischen (man achte auf die Zeitangaben im Werk von Kafka),  der Franke wie der Bayer zu sagen pflegen. Viel Vergnügen beim Hören und möglicherweise Gewinn von Erkenntnis.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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28 Antworten zu Hinweis in teils eigener Sache

  1. Gregor Keuschnig schreibt:

    Also 24. Juli, nicht August?

  2. Bersarin schreibt:

    Ach, mein Sekretär, er ist so nachlässig. Natürlich ist es der Juli.

  3. Jenn schreibt:

    +++ Die Sendung beginnt laut Programmvorschau des DRADIO um 19.30 Uhr. +++

    ((Und dass alles, was im Netz stattfindet unter dem Rubrum ‚Blog‘ subsumiert werden muss -warum eigentlich kann man da nicht differenzieren, z.B. Periodikum, Journal usw.?-, lässt ahnen, worauf das wieder mal hinausläuft, aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren.))

  4. Bersarin schreibt:

    Ach, dieser Sekretär. Ach, nur eine halbe Stunde.

    Ja, genau: Ein Blog ist ein Blog und ein Journal ist ein Journal. Deinen Einwand verstehe ich ehrlich gesprochen nicht. Der Ankündigungstext differenziert genau dies. Er spricht von Literaturblogs und von Rezensionsportalen. „Glanz und Elend“ oder Literaturkritik.de sind eben keine Blogs, sondern jene Portale.

  5. summacumlaudeblog schreibt:

    „Und dass alles, was im Netz stattfindet unter dem Rubrum ‘Blog’ subsumiert werden muss -warum eigentlich kann man da nicht differenzieren,“ – das ist ja das allerneuste, was ich höre: „Alles“ im Netz subsumiert irgendwer als „Blog“? Wer denn? Der Sekretär?

  6. ziggev schreibt:

    nun, „halb acht“ – – können wir – Norddeutsche und Sachsen – uns darauf einigen? Denn ich verstand in der Vergangenheit nie meine berliner Verwandte und meinen ansonsten ausschließlich reines Hochdeutsch sprechenden, sächsischen Vater (das Oxymoron muss mir erst mal jemand nachmachen!). Also:

    ‚Viertel acht‘ ist ‚viertel nach sieben‘; ‚Dreiviertel acht‘ ist ‚Viertel vor acht‘ ? ‚Halb acht‘ ist ´ne halbe Stunde vor acht oder nach sieben. Oder sagt man tatsächlich ‚zwei Viertel acht‘ ???

    Drängende, existenzielle Fragen …

  7. hANNES wURST schreibt:

    Bitte richten Sie mir einen Gruß aus, Herr Bersarin, grüßen Sie bitte „hANNES wURST aus Düsseldorf“.

  8. Bersarin schreibt:

    @ziggev
    viertel acht = viertel nach sieben
    halb acht = halb acht (In Berlin, in Sachsen, in Böhmen und anderswo auch)
    dreiviertel acht: viertel vor acht.

    @hanneswurst
    Da die Interviews bereits stattfanden, geht das leider nicht. Aber weil ich Sie kenne, habe ich in meine Äußerungen dennoch und vorausschauend einen Gruß an Sie eingebaut. Er ist allerdings verschlüsselt.

  9. ziggev schreibt:

    danke, bersarin. nun bin ich davor gefeit, das Erbe meine mährischen Vorfahren je noch einmal zu beschmutzen.

  10. Bersarin schreibt:

    Dafür nicht: Der Serviceblog Aisthetis ist rund um die Uhr für die Leserinnen und Leser da.

  11. ziggev schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch ! Dank dradio-recorder läuft gerade Sieglinde Geisels Sendung, und ich darf jetzt Deine doch sehr seriös klingende Stimme hören …

    Was aber klang da an? Aisthesis sei manchmal etwas zu anspruchsvoll – gar nicht ! Gerade das Abseitige (welcher Vorwurf dem unglaublichen Arno Schmidt gemacht wurde), gerade das, was aus der aus meiner bescheidenen Sicht intellektuellen terra incognita berichtet, was mir ureigentümlch fremd ist, gerade das, was mich überfordert, genau gerade das ist es, was ich lese, warum sonst die Zeitverschwendung, Lettern zu Worten und zu Sinn zusammenzusetzen?

    Ausgerechnet ein Text-Junkie wie Maria Popova äußert sich in der Sendung folgendermaßen:

    „Die wahre Natur von Wissen besteht im Sinn. Und Sinn ist das Gegenteil von Trivialität. Der einzige Weg, Wissen zu erringen, ist Kontemplation, und der Weg dorthin ist Zeit.“ (Transkription von mir, möglicherweise unvollständig/unrichtig)

    Da haben wir es, das proustsche Thema. Die systematische Überforderung, die Literatur sein sollte – denn vom Leser oder der Leserin ist ja gefordert, Ideen, Assoziationen, Assoziationsketten, Bilder, Satzfetzen, Wortklang usw.in einem bisher leeren Universum neu zusammenzusetzen – erfordert nun mal Zeit. Und ich bin mir nicht mal sicher, ob sie nicht bewusst eine der möglichen Übersetzungen von „Dao“ = SINN gebraucht. Wer hätte anderes vermutet, die Auseinandersetzung mit der klassischen chinesischen Philosophie, Stichwort I-Ging, bedeutet natürlich eine ’systematische Überforderung‘ des abendländischen Gehirns. Dies nur nebenbei.

    Und Muße, d.h. auch ZEIT. Von mir aus könntest Du mich hin und wieder auch noch etwas mehr überfordern. Die Klassiker lesen, empfiehlt Popova. Platon, Thykidides, Aristophanes, Proust (zu Entspannung mal Th. Mann), wie ich es gehalten habe, mit Proust habe ich mich über 15 Jahre beschäftigt, sind nur die schönsten Beispiele für solche Überforderung.

    Ich will also mehr und Du kannst gerne noch einen drauflegen … meinetwegen bis ins Rätselhafte, Verrätsele, kein Problem ! ich werde hier weiterlesen, ob´s Dir gefällt oder nicht, yrs, zigg.

  12. Bersarin schreibt:

    Vielen Dank, ziggev! Es freut mich, wenn Du weiter hier liest. Ich schätze Dich als Kommentator und Leser, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. (Vielleicht auch und gerade deshalb.)

    Was Maria Popova über den Sinn sagte, teile ich nur bedingt. Ich halte die Kategorie des Sinns für problematisch. Ebenso wie die der Sinnlichkeit. Sie ist trügerisch wie Weiberherzen. Was nicht bedeutet, sie zu schmälern oder zu verachten. Dennoch: La donna è mobile.

  13. metepsilonema schreibt:

    War nicht uninteressant, die Sendung … die Bezeichnung „Literaturblogs“ finde ich insofern nicht passend (oder ungenau), weil darunter sowohl Primäres als auch Sekundäres veranschlagt wurde. Und dass Blogs keine Regeln kennen, naja. Ein wenig mehr hätte man betonen können, dass es Blogs gibt, die ihre Existenz aus der Unzufriedenheit mit dem klassischen Zeitungsangebot und dem Literaturbetrieb speisen (wenn auch häufig nicht falsch, so war „die Ecke“ in der man etliche Blogs verortete doch recht bequem).

  14. Bersarin schreibt:

    Na ja, in diesem Sinne ist jedes Urteil bequem. Es dürfte dann keiner mehr etwas sagen. Auch Urteile über die NPD sind bequem, auch Urteile über die DDR sind bequem. Die Frage ist vielmehr, wie ein Urteil begründet wird. Es gibt gute und weniger gute Blogs, die ich eher als private Plauderbude bezeichnen würde. Wie jemand einen Blog betreibt, kann jeder halten, wie er will. Man muß dort dann nicht lesen. Wer aber über Literatur schreibt, sollte das gut machen und Langeweile wie auch die Unterkomplexität des „Ich finde, ich meine“ vermeiden. Das hängt sehr mit der literarischen Bildung zusammen, die jemand hat oder eben nicht hat und auch damit, gute Texte schreiben zu können. Die Tendenz solcher bloß unvermittelten Subjektivität, ohne daß irgend etwas Weiterführendes über ein Buch geäußert wird, das den Horizont des Rezensenten transzendiert, scheint mir indes verbreitet. (Ich selbst will mich da gar nicht ausnehmen. Es hat niemals jeder immerdar einen guten Schreibtag und produziert beständig Texte der genialischen Art.)

    Die Bezeichnung Literaturblogs gilt für die Blogs, die sich mit Literatur befassen. Der Blog „Aisthesis“ ist es in diesem Sinne nicht, wie bereits der Titel andeutet. Er ist eine Mischform, wenngleich darin ebenfalls Buchkritik vorkommt. „Literaturcafé“ ist sicherlich kein Literaturblog in dem Sinne, wie die in diesem Feature genannten Blogs. Aber da er sich, wie auch „Aisthesis“ mit Literatur beschäftigt, fällt er in einem weiten Sinne eben auch mit hinein in die Szene der Literaturblogger, also derer, die über Literatur bloggen. Und wer über Literatur bloggt, betreibt halt einen Literaturblog. Eine Ausnahme bildet in diesem Bezirk „Aléa Torik“ (siehe Blogroll). Hier handelt es sich um eine Blog, der zwar auch über Literatur schrieb, aber zugleich – und das scheint mir wesentlicher – auch Literatur produziert und die Grenze zwischen Fiktion und Realem auf eine hochgradig spannende Weise auslotete und weit hinausschob. Was ist eine Autorin, was bedeutet sexuelle Identität, was bedeutet das für das Personal eines Romans? Die beiden Romane von Aléa Torik kann ich jeder und jedem nur dringend empfehlen.

    In diesem Kontext hat Sieglinde Geisel den Begriff des Literaturblogs in einem weiten Sinne gebraucht. Da diese Sendung aber keine Diskussion darüber war, wie der Begriff des Literaturblogs zu verstehen ist und was unter ihm sprachlich oder gar definitorisch befaßt ist, halte ich diese Öffnung des Begriffes für legitim. Zumal in der Textankündigung von „Literaturblogs und von Rezensionsportalen“ gesprochen wird. Damit scheint mir dann die Sache klar.

    Die Sendung war im ganzen sehr gut und auch ausgewogen.

  15. metepsilonema schreibt:

    @Bersarin
    Bequem ist ein Urteil dann, wenn man das weglässt, was das eigene Selbstverständnis befragt: Was nach dem Hören des Beitrags hängen bleibt, ist, dass sogenannte Literaturblogger (nach eigener Aussage) keine Kritiker sind, sondern Enthusiasten, die gerade das nicht wollen, was der etablierte Journalismus tut, nämlich Kritik üben. Dass gerade ebenjenes Tun des etablierten Journalismus zu einem guten Teil den eigen, also ausgestellten, Ansprüchen nicht mehr genügt, klingt gerade mal ein wenig an, mehr nicht (man lässt soviel Kritik zu, dass niemand sagen kann, dass man es nicht getan hat; weh tun tut man dabei weder sich selbst, noch seinen Kollegen, aber eigentlich müsste man das, im Literaturbetrieb liegt doch einiges im Argen, das manchmal ganz unverblümt und wohl auch unwissentlich ans Licht tritt). Es gibt durchaus Blogs, die eben gerade das tun, nämlich die entstehende und entstandene Lücke zu füllen, in einem anderen Bewusstsein als das des Enthusiasten. Das ist wohl ein Minderheitenprogramm, ja, aber es ist vorhanden und ich glaube gar nicht so schwierig zu entdecken. Das meinte ich mit bequem.

    Ich habe Literaturblogs begrifflich bislang als (weitgehend) reine Primärtextsammlungen aufgefasst, ein Verständnis dass man nicht teilen muss (ich hatte das naiverweise angenommen und war deshalb etwas verwundert, als sich dann zu den Buchbesprechungsseiten auch noch Aléa Torik gesellte).

  16. Bersarin schreibt:

    „Was nach dem Hören des Beitrags hängen bleibt, ist, dass sogenannte Literaturblogger (nach eigener Aussage) keine Kritiker sind, sondern Enthusiasten, die gerade das nicht wollen, was der etablierte Journalismus tut, nämlich Kritik üben.“

    Dann ist allerdings bei Dir nur ein Teil der Ausführungen hängengeblieben. Denn Wolfgang Tischer von „Literaturcafé“ und auch ich haben sich in anderer Weise geäußert. Und bereits zu Anfang sagte einer der Blogbetreiberinnen, daß sie ihren Blog in einer ganz anderen Weise betreibt, als ich es mache.

    Aléa Torik gehört insofern unabdingbar dazu, weil sie ein Grenzphänomen darstellt. Literaturkritik wie auch Literatur. Sie selber bzw. in diesem Falle Claus Heck sagte gleich zu Anfang, daß er keinen Literaturblog im klassischen Sinne betreibt, sondern daß es ihm um die Weisen von Realität und Fiktion geht. Das greift sicherlich auch ins Feld der Literatur über, wie auch in das von dessen Kritik.

    Wie es im Journalismus nun einmal so ist, müssen Redakteure und Journalisten einen griffigen Titel finden, der vieles darunter befaßt und vereint. Der Slogan Literaturblogs tut das. Man kann sicherlich eine unendliche Aufzählung veranstalten, was alles noch mit dazu gehört. Nur wird das dann in der Ankündigung relativ unlesbar. Man könnte sich zudem darüber streiten, ob schlecht geführte Literaturblogs überhaupt Literaturblogs sind und nicht vielmehr nur schlechte Blogs. Aber das sind Themen, die nichts mit dieser Sendung zu tun haben.

  17. metepsilonema schreibt:

    Ich darf Dich zitieren: „Die Bezeichnung Literaturblogs gilt für die Blogs, die sich mit Literatur befassen. Der Blog „Aisthesis“ ist es in diesem Sinne nicht, wie bereits der Titel andeutet. Er ist eine Mischform, wenngleich darin ebenfalls Buchkritik vorkommt. „Literaturcafé“ ist sicherlich kein Literaturblog in dem Sinne, wie die in diesem Feature genannten Blogs.“ — Man kann nun schwerlich argumentieren, dass ebendiese Blogs (Aisthesis, Literaturcafé), Literaturblogs wären, die es anders machen als die anderen, nicht wahr (genauso wurde das m.E. auch in der Sendung vermittelt)?

    Ich bemängle nicht die Länge der Liste, sondern ihre Repräsentativität (ich sage ja nicht, dass die Sendung schlecht war, Begeisterungstürme entlockt sie aber auch nicht).

  18. Bersarin schreibt:

    Metepsilonema, es geht in dieser Sendung nicht um das, was unter dem Begriff der Literaturblogs befaßt ist. Die Sendung heißt nicht „Was sind Literaturblog?“ Ich weiß nicht, was daran für Dich so schwer zu verstehen ist. Diese Sendung ist keine Definitionssendung gewesen, wo der Erklärbär auftaucht: „Literaturblogs das sind …“ Und dann folgt für die formalistisch Regelwütigen in feiner definitorischer Aufzählung: Punkt A., B., C., D. Es geht ebensowenig darum, einen repräsentativen Überblick über alles, was in der Literatur-Blogwelt vorkommt, zu verschaffen. Ansonsten dauerte diese Sendung nämlich 199.856 Stunden. Hättest Du Dir ein solches Sendeformat angehört? Sicherlich nicht. Das Format der Sendung ist auf eine halbe Stunde angelegt. Darin wurden unterschiedliche Positionen von Bloggern besprochen. Ich weiß nicht, wie Du innerhalb einer halben Stunde Repräsentativität erzeugen willst. Die wirst Du übrigens auch nach drei Stunden nicht hinbekommen. Dennoch wurden unterschiedliche Positionen zum Bloggen über Literatur genannt. Darum ging es. Um mehr nicht.

    Ich schreibe es für Dich und für andere gerne zum wiederholten Male: Literaturblogs gibt es in verschiedenen Ausführungen. Mein Blog ist kein klassischer Literaturblog, weil darin nicht vorwiegend Bücher besprochen werden. Dennoch gehört er, um es für Dich definitorisch zu machen, in einem weiten Sinne dennoch dazu, weil darin auch (aber eben nicht nur) Bücher besprochen werden. Wie Du vielleicht an meinem letzten Text ersehen kannst, der sich auf einer Grenze bewegt. Eine klassische Buchbesprechung ist dieser Text sicherlich nicht. Aber er handelt von Literatur. Und er ist in einem weiten Sinne sogar in einer literarischen Form dargeboten. Du siehst also, daß es im Leben nicht immer einfach ist und nicht alles nach Regelverfahren abläuft.

  19. Bersarin schreibt:

    Wenn Du mich unter „28. Juli 2015 um 23:09“ zitierst, dann solltest Du ebenfalls den übrigen Teil mit anfügen. Denn dann wird die Sache doch eigentlich für jeden klar! Oder?

    „Aber da er sich, wie auch „Aisthesis“ mit Literatur beschäftigt, fällt er in einem weiten Sinne eben auch mit hinein in die Szene der Literaturblogger, also derer, die über Literatur bloggen. Und wer über Literatur bloggt, betreibt halt einen Literaturblog. Eine Ausnahme bildet in diesem Bezirk „Aléa Torik“ (siehe Blogroll). Hier handelt es sich um eine Blog, der zwar auch über Literatur schrieb, aber zugleich – und das scheint mir wesentlicher – auch Literatur produziert und die Grenze zwischen Fiktion und Realem auf eine hochgradig spannende Weise auslotete und weit hinausschob.“

  20. Gregor Keuschnig schreibt:

    Die Sendung war genau so, wie sich Krethi und Prethi aus der Verlagswelt Literaturblogs oder das wie sie dafür halten vorstellen. Ich betrachte es im übrigen nicht als Fehler den Begriff „Literaturblog“ in einer solchen Sendung wenigstens kurz zu umschreiben. Zumal Sie ja selber schreiben, dass es Literaturblogs „in verschiedenen Ausführungen“ gibt. Sind Literaturblogs Blogs die Literatur erzeugen oder „nur“ über Literatur schreiben? Sind Blogs von Feuilleton-Journalisten Blogs, weil sie sozusagen die Reste des Schreibers auch noch verwerten?

    Stattdessen die überall präsente Karla Paul. Sie ist – wenn überhaupt – eine Buchempfehlungsbloggerin, die im Betrieb nicht nur sehr gut vernetzt ist, sondern auch parteiisch. Derzeit habe ich etwas die Orientierung verloren, bei welchem Verlag sie arbeitet. Ihre „Mission“ ist wohl mit der von der unsäglichen Elke Heidenreich zu vergleichen.

    Ich hatte den Eindruck, dass aufgrund der Schütte-Diskussion irgendwie ganz dringend ein Beitrag gemacht werden sollte. Dann fragt man diejenigen, die man kennt und setzt sie pars pro toto.

  21. metepsilonema schreibt:

    Da mein Kommentar gerade im Orkus gelandet ist, in Kürze noch einmal, soviel gibt das Thema nun auch nicht her: Ich vermisse in der Sendung eine Position auf die ich im Netz regelmäßig stoße und die mit dem Verfall des Kritikbetriebs zusammenhängt, die versucht eben jene entstandene und entstehende Lücke durch Qualität, Anspruch und Regelmäßigkeit zu schließen (Literatur ist auf diesen Blogs eines der wesentlichsten, vielleicht sogar das wesentlichste Thema). Die Betreiber dieser Blogs stammen allerdings nicht aus dem Betrieb oder seinem Umfeld, sie sind von Beruf wegen keine Kritiker und Journalisten. Der Anspruch der Sendung und ihr Thema ergeben sich aus der Selbstdarstellung (19:30):

    „Zeitfragen. Literatur

    Reader’s Corner
    Im Netz ist jeder Leser ein Kritiker
    Von Sieglinde Geisel

    Jenseits des klassischen Feuilletons entwickeln sich Literaturblogs zu neuen Mitspielern im Literaturbetrieb.

    Sie heißen Literaturcafé, Schöneseiten, Buzzaldrins Bücher – oder auch einfach Literaturen: Jenseits der klassischen Feuilletons sind Literaturblogs dabei, die Karten der Literaturkritik neu zu mischen. In den letzten Jahren sind sie immer wichtiger geworden: Auf der Leipziger Messe gibt es eine Bloggerlounge, Verlage laden zu Bloggertagen ein. Im Internet schreiben Leser für Leser, und zwar querbeet. Fansites für Genreliteratur findet man ebenso wie ästhetisch hochreflektierte Essay-Blogs und ein literaturwissenschaftlich betreutes Rezensionsportal. Was treibt die Blogger an, ihre öffentlichen Lesetagebücher so beharrlich zu führen, ganz im eigenen Auftrag und in der Regel ohne jede Aussicht auf Einkünfte? Wie vernetzen sie sich untereinander? Und wie reagieren die Verlage auf diese neuen Mitspieler im Literaturbetrieb?
    Im Netz ist jeder Leser ein Kritiker“

    [Warum ich erneut auf Literaturblogs zu sprechen kam, hing mit Deiner Argumentation zusammen, das kann man oben nachlesen.] — Ansonsten müssen wir das nicht bis zum bitteren Ende ausfechten, es kann sich jeder die Sendung anhören, unsere Kommentare lesen und sich eine Meinung bilden (und ich lese gerade, dass ich mit meiner Kritik nicht alleine dastehe).

  22. Bersarin schreibt:

    @ Gregor Keuschnig
    Du wie auch metepsilonema scheinen es in nicht ganz zu begreifen, daß es darum ging, innerhalb einer halben Stunde unterschiedliche Stimmen zu sammeln. Ob man sie nun mag oder nicht. Unterschiedlicher als Bersarin und Paul kann man nicht sein. Wenn Du mit den Begriffen Schwierigkeiten hast, ist das nicht das Problem von Frau Geisel oder von mir, sondern Deines. Aber man kann natürlich auch um des Kaisers Bart und um das Haar in der Suppen einen großen Affentanz veranstalten, wie Du es hier gerade machst. Der Ankündigungstext bei Deutschlandradio sagte ansonsten alles, was zur Definition erforderlich ist, aus. Ich glaube aber langsam, daß es sich bei Dir und metepsilonema eher um ein mutwilliges Mißverstehen handelt.

    Aus Deinem Beitrag lese ich ansonsten ein eher persönliches Ressentiment. Es mag Dir übel aufstoßen, daß Du oder andere in der Sendung nicht vorgekommen sind. Das ist sicherlich bedauerlich für Dich. Aber wie wichtig sind „Glanz und Elend“ oder „Begleitschreiben“?

    Wenn Du eine Ahnung von öffentlich-rechtlichen Medien hättest, wüßtest Du um die Vorlaufzeiten von solchen Produktionen. Die Anfrage von Sieglinde Geisel, die ich übrigens vorher nicht kannte, für ein Interview erhielt ich am 18. Mai 2015, das Interview fand am 30. Mai statt. Schüttes Text erschien am 24.6.2015 beim „Perlentaucher“. Also informiere Dich gefälligst, bevor Du Thesen in die Welt setzt und bevor Du Leuten etwas unterschmierst, was Du nicht einmal belegen kannst! Fakten zu prüfen, ist im Journalismus übrigens ein übliches Vorgehen – sogar im Feuilleton: erst recherchieren, dann positionieren. Übe das für demnächst!

  23. Bersarin schreibt:

    @metepsilonema
    Dein Kommentar ist auf unergründliche Weise im Spam-Ordner gelandet. Ich schalte hier sämtliche Kommentare frei, solange sie irgendwie qualifiziert sind und nicht im Pöbeln sich erschöpfen. Auch Kritik am Blogbetreiber wird zugelassen, solange diese irgendwie gehaltvoll ist. Sollte etwas mal nicht erscheinen, das eigentlich erscheinenswert ist: Kurze Mail an den Blogbetreiber. Die Adresse findet sich unter „Über mich selbst“.

    „Ich vermisse in der Sendung eine Position auf die ich im Netz regelmäßig stoße und die mit dem Verfall des Kritikbetriebs zusammenhängt, die versucht eben jene entstandene und entstehende Lücke durch Qualität, Anspruch und Regelmäßigkeit zu schließen …“

    Das ist einerseits richtig und dies kann man sicherlich kritisieren. Aber das war andererseits nur indirekt das Thema, da es um die unterschiedlichsten Formen des Bloggens über Literatur und die verschiedenen Blicke von Bloggern auf Literatur ging. Die Sendung hat in diese Thematik eingeführt. Sollte es einen zweiten Teil geben, so müßte man unbedingt auch die Kritik am Feuilleton behandeln. Ich selber habe dazu in dem Interview einige Dinge gesagt. Aber wie es so ist nach zwei Stunden aufgezeichnetem Gespräch: es wird nun einmal nicht alles gesendet. Das ist sicherlich schade, aber ich kann damit gut leben. Ich selber schrieb hier im Blog zudem über den offiziellen Literaturbetrieb des Feuilletons und über dessen Verfall, gelegentlich zumindest.

  24. metepsilonema schreibt:

    Ich dachte schon der Fehler lag bei mir, danke jedenfalls.

    Eines noch: Ich kritisiere an einer fünfminütigen Nachrichtensendung auch Fehler und mangelnde Repräsentation, das dürfte nach dieser Zeit-Logik ebenso wenig erlaubt sein; die tatsächliche Dauer ist eine post hoc Rechtfertigung, die Dauer einer Sendung sollte sich am Inhalt und der Art der Darstellung orientieren und nicht umgekehrt (dass die Praxis oft anders sein mag, ist zu bedauern, ändert daran aber nichts). — Und wie gesagt, ich nehme gerne zur Kenntnis, dass andere die Sendung für rundum gelungen halten, da steht letztlich Einschätzung gegen Einschätzung.

  25. Bersarin schreibt:

    Über Inhalte einer Sendung, was darin vorkommen soll und was nicht, kann man sicherlich lange streiten.

    „die tatsächliche Dauer ist eine post hoc Rechtfertigung, die Dauer einer Sendung sollte sich am Inhalt und der Art der Darstellung orientieren und nicht umgekehrt“: Das ist völlig richtig und da rennst Du bei mir offene Türen ein und ich sehe diese genauso. Diese Sendung hätte gut und gerne eine Stunde oder gar eineinhalb Stunden dauern können. Sieglinde Geisel hätte sicherlich und gerne noch sehr viel mehr Literaturbloggerinnen und -blogger befragt. Allein: mal eben nach Köln oder München zu reisen für eine Stunde Interview, von denen dann höchstens 5 Minuten verwendet werden: das bezahlt keine Redaktion. Zudem gibt es diese festgelegten Programmplätze und in den Redaktionen finden Programmsitzungen statt, was als Thema welche Relevanz besitzt. Zumindest für die Redakteure. Insofern ist man am Ende eben doch auf diese halbe Stunde gehalten, wie man in Zeitungen auf zwei Spalten verdammt ist, selbst wenn man über das Buch am liebsten einen Rezensionsessay mit 4500 Zeichen geschrieben hätte.

    Es ist ein riesiger Apparat, der an solchen Sendungen und an bestimmten Programmplätzen hängt. Nicht anders als in Zeitungen und Zeitschriften. Blogger und Youtuber haben hier den entscheidenden Vorteil, daß sie sehr viel freier agieren können. Zumindest was Länge und Umfang ihrer Beiträge betrifft. Keiner sagt mir: 1000 Zeichen! [Doch Hanneswurst ist der einzige. Aber ich halte mich nicht dran. Das bedauere ich manchmal.] Blogger haben zugleich den Nachteil, daß die redaktionellen Mittel, die Zeit und die Bezahlung eher spärlich bis nichtvorhanden sind. Interviews, die mit Reisen verbunden sind, können die wenigsten führen. Und selbst wenn ich all dies machte, dann stünde der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zur Reichweite eines Blogs.

    Ich selber wurde von Sieglinde Geisel zu ganz unterschiedlichen Themen und Komplexen des Bloggens interviewt. Allein daraus hätte man eine eigene Sendung machen können. Ebenso denke ich, daß Tischer viel Interessantes zu berichten hatte. Zumal er als Veteran bereits seit 1996 im Internet ist. Er ist eine altes Frontschwein, das alles mögliche und unmögliche erlebte und dagegen bin ich ein Frischling. Tischlers Berichte wären in diesem Kontext und auch im HInblick auf die Literaturkritik in den Feuilletons auf alle Fälle interessant gewesen. Ebenso hätten mich Brasch & Buch und noch ein paar andere Literaturblogs interessiert. Dennoch: Die Mischung in der Sendung ist insofern gelungen, weil ganz unterschiedliche Positionen zu Wort kamen.

    Von Karl Valentin gibt es den schönen Satz, daß es doch eigentümlich und zugleich gut eingerichet sei, daß in der Welt immer genau soviel geschieht, wie in eine Zeitung hineinpaßt.

  26. Gregor Keuschnig schreibt:

    @bersarin
    Bitte überlassen Sie mir, was ich begreife oder nicht. Auch glaube ich, das ich eine gewisse „Ahnung“ von öffentlich.rechtlichen Medien und deren Verwurstungen habe, aber deshalb muss ich diese Form von Arbeit nicht goutieren. Die Unterstellung, dass ich ressentimentgeladen schreibe, weil ich nicht aufgetaucht oder genannt werde, ist lächerlich und eigentlich ein bisschen unter Ihren Niveau. Natürlich fehlten mir weitaus wichtigere Repräsentanten als diese Bücher-Muttis oder der beleidigte Herr Heck, der nicht begreifen mag, dass die Rezensenten seiner Bücher womöglich zuvörderst dessen fiktive Autobiographie „spannend“ fanden und weniger seine Schreibe. Aber vielleicht hatten auch einige einfach keine Lust.

    „Unterschiedlicher als Bersarin und Paul kann man nicht sein“ – Ja, eben. Und daher ist es falsch, solche unterschiedlichen Medien in einen Topf zu rühren, ohne in ein, zwei Sätzen dies herauszuarbeiten. Was ist denn daran für Sie so schwer zu verstehen?

    Wann das Interview mit Ihnen ausgemacht wurde, interessiert mich nicht und hat auch nichts damit zu tun, dass das Schütte-Element nicht vorkam. Mir mangelnde Recherche vorzuwerfen, ist Unsinn. Die Sendung war ungenügend, wenn man sich ein bisschen auskennt. Allenfalls für tumbe Geister, die noch nie von Literaturblogs gehört haben, mag ein Erkenntnisgewinn ausgemacht gewesen sein. Und immerhin wurde Ihnen geschmeichelt. Das ist doch auch was für eine solche Seele.

  27. Bersarin schreibt:

    Sich de facto auszukennen und zu postulieren, man würde sich auskennen, sind zwei paar Schuhe. Aber egal.

    Keuschnig, das ist schon ein wenig armselig, und Du hast schnell vergessen, was Du in Deinem ersten Post geschrieben hast: „Ich hatte den Eindruck, dass aufgrund der Schütte-Diskussion irgendwie ganz dringend ein Beitrag gemacht werden sollte. Dann fragt man diejenigen, die man kennt und setzt sie pars pro toto.“

    Ich denke nicht, daß Du die Medien gut kennst, ansonsten hättest Du um die Vorlaufzeiten von solchen Sendungen gewußt und dann wären Deiner Tastatur ebensowenig solche Sätze entsprungen, die insinuieren, daß hier auf den Schütte-Zug aufgesprungen würde und Frau Geisel einfach mal ein paar Blogger aus ihrem Bekanntenkreis hervorkramt. Solltest Du, wie Du behauptest, die Medien gut kennen, wäre diese Satz freilich um so schlimmer, weil dahinter dann eine boshafte, wenn nicht gar eine persönliche Absicht vermutet werden muß. Die Verve, mit der Du ansonsten Deine Kritik brachtest, zeigt mir – und ich denke anderen ebenfalls – recht deutlich Dein Ressentiment. Anders als bei metepsilonema, der seine Kritik immerhin an der Sache orientierte. Auch wenn ich seine Sicht nicht teile.

    „Und daher ist es falsch, solche unterschiedlichen Medien in einen Topf zu rühren, ohne in ein, zwei Sätzen dies herauszuarbeiten. Was ist denn daran für Sie so schwer zu verstehen?“ Wenn man die Unterschiede extra für Dich herausarbeiten muß, weil Du sie nicht realisierst, ist das in der Tat eher ein trauriges Zeichen für Dich, als daß es den Beitrag diskreditierte. Muß man Dir bei einer Doku über einen Neonazi, der Auschwitz besucht und dort ziemlich dumme Sätze sagt, aus dem Off den Kommentar dazuliefern: „Das sind sehr dumme Sätze!“? Ja, vermutlich. Der deutsche Michel versteht nichts. Es sei denn man erklärt es ihm vorher lang und breit.

  28. Bersarin schreibt:

    Und ansonsten: Äußere Deine Ressentiments doch bitte direkt bei Sieglinde Geisel, beim Sender oder an anderer Stelle, denn ich bin nicht die Redakteurin, der Produzent oder Deutschlandradio. Hier ist definitiv die falsche Stelle dafür.

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