Putins Tote: Max Levin. Oder: Nach dem Massaker von Butscha

Daß Putin, daß dessen Soldateska, daß die Russen in der Ukraine einen Vernichtungskrieg gegen Zivilisten führen, wissen wir seit den Bildern aus Charkiw und Mariupol. Und wir wissen von Rußlands brutaler Expansion seit den 1990er Jahren im ersten Tschetschenienkrieg (noch unter Jelzin), wir wissen es dann seit dem zweiten Tschetschenienkrieg unter Putin. Wir wissen es im Grunde seit dem Einfall in Georgien, wir wissen von Putins Terrror seit der Zerstörung von Aleppo, wir wissen es seit der Annexion der Krim, wir wissen seit Rußlands Krieg im Donbas von Putins Expansionismus und seinem Wunsch nach dem Dritten Imperium.

Das Massaker von Butscha hat eine neue Dimension dieses Krieges eröffnet: Es kann nicht mehr die Frage sein, ob, sondern nur noch wann Europa in der Ukraine interveniert und Schutzzonen für die ukrainische Bevölkerung errichtet – was bedeutet: jede ukrainische Stadt zu schützen: von Odessa bis Mariupol. Das freilich bedeutet, es muß vorher eine unabhängige Prüfung und Ermittlung stattfinden, was in Butscha geschah. Sofern die Ergebnisse feststehen und sofern es sich um russische Kriegsverbrechen handelt, muß Europa und muß die übrige Welt in der Ukraine intervenieren und auch militärisch in den Konflikt eingreifen – mag der bleiche Lurch aus Moskau auch toben und drohen. Jedes weitere Zögern gegenüber Putin wird weitere Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern. Ein UN-Mandat wird es für diesen Einsatz nicht geben, da China und Rußland naturgemäß ihr Veto einlegen. Es gilt also, Militär zu entsenden, um Zivilisten zu schützen und um die ukrainische Armee zu befähigen, ihr Land zurückzueroberen – sofern die Ermittlungen in Butscha eindeutig sind. Vor allem aber: Waffen in die Ukraine. Schweres Gerät, damit der bleiche Lurch im Kreml diesmal versteht: es wurde eine rote Linie überschritten. Es geht jetzt nicht mehr nur darum, den Vormarsch der russischen Soldateska zu stoppen, um weitere Kriegsverbrechen in den Ukrainern zu verhindern, sondern, um eine intakte Ukraine wiederherzustellen, wie sie vor 2014 und gemäß dem Völkerrecht existierte. Unter der Überschrift „Jetzt kommt das Großgerät“ schrieb Rolf Heine auf Facebook:

„Großbritannien wird der Ukraine Panzerhaubitzen vom Typ AS-90 „Braveheart“ liefern.
Die ausgesprochen leistungsfähige britische Panzerhaubitze AS-90 verschießt Granaten vom Kaliber 155 mm auf eine Entfernung von bis zu 32 km mit einer Kadenz von 6 Stück / Minute. Die Feuerleitung ist sehr modern, computergesteuert. Die Trefferquote ist somit sehr hoch.
Den indirekten Beschuss und eine schnelle Zielerfassung ermöglicht das automatische Waffenrichtsystem (AGLS) mit elektronischen Höhen- und Querantrieben. Diese sehr effektive Artilleriewaffe verschafft den ukrainschen Streitkräften einen bedeutenden taktischen Vorteil im Gefecht der Verbundenen Waffen gegenüber den veralteten russischen Artilleriesystemen.“

Jene Sprache, die Putin versteht. Völkermörder lassen sich nicht durch Ostermärsche stoppen. Der ukrainische Botschafter bringt in einem Interview mit dem Tagesspiegel die Situation, wie mit Putin umzugehen sei, auf den Punkt:

„Dieser Krieg stellt alles auf den Prüfstand, unsere ganze Weltordnung. Das System hat versagt: UNO, OSZE, Rotes Kreuz, wo sind sie alle, um das Morden von Zivilisten zu stoppen? Es wird nicht ausreichen, nur einen Friedensvertrag abzuschließen. Das wird leider auch nicht geschehen, ich rechne nur mit einer Waffenruhe. Solange Putin an der Macht bleibt, wird es in Europa keinen Frieden geben. Auch wenn Putin gezwungen sein sollte, an den Verhandlungstisch zu kommen, wird der Waffenstillstand wohl genauso brüchig wie all die Jahre seit der Minsker Vereinbarung 2015. Ich weiß nicht, ob man das in Deutschland schon erkannt hat. Viele denken: Wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind, gibt es Frieden – falsch!“

Die Massaker an Zivilisten in Butscha und die bisherigen Augenzeugenberichte zeigen, was jede Stadt und jedes Dorf zu erwarten hat, die in die Hände der russischen Soldateska fallen. Frieden wird es mit Putin nicht geben. Selbst dann, wenn ein solcher Friedensvertrag irgendwann abgeschlossen sein wird, zündelt der bleiche Lurch aus Moskau weiter – sollte ihn vorher nicht der Krebs oder ein Stauffenberg hinwegraffen. Dennoch wird man mit ihm vermutlich in irgend einer Weise verhandeln müssen, da Putins Beseitigung nur durch einen militärischen Sieg über Rußland möglich sein wird – was als unwahrscheinlich einzustufen ist.

Zunächst aber muß es, wie oben geschrieben, darum gehen, daß in Butscha unabhängige Instanzen ermitteln und recherchieren, was geschah. Auch deshalb, damit die russische Propaganda von Nachdenkseiten bis rt nicht verfängt. Denn bereits jetzt wieder kursieren die üblichen Desinformationen der üblichen Verdächtigen, daß die Massaker in Wahrheit von der Ukraine inzseniert seien oder es werden die Nebeltöpfe von solchen Portalen wie den „Nachdenkseiten“ geworfen. Es ist die übliche Sender-Gleiwitz-Fraktion mit Propagandisten wie Ulrich Heyden, Tom Wellbrock, Dirk Pohlmann, Mathias Bröckers, die auch in Deutschland Mittäter bei Putins Angriffskrieg sind. Was die russische Soldateska im Feld, sind hier jene Schmierfinken mit der Feder. Schlimm, daß sich auch in Deutschland Menschen zu Gehilfen von Kriegsverbrechern machen. Beikommen kann man ihnen vermutlich nicht einmal mit Fakten und Ermittlungen.

Auf Facebook hieß es gestern:

„Am 13. März wurde der Photograf Max Levin von russischer Soldateska getötet. Seine sterblichen Überreste wurden gestern von ukrainischen Soldaten in der befreiten Stadt Bucha gefunden.“

Levin trug eine kugelsichere Weste mit der Aufschrift „Presse“. Im Andenken an Max Levin und in Erinnerung an Putins Verbrechen, die Levin dokumentierte.

25 Gedanken zu „Putins Tote: Max Levin. Oder: Nach dem Massaker von Butscha

  1. Nachtrag zu Mariupol:

    Helfer vom Roten Kreuz westlich von Mariupol festgesetzt

    Bei Vorbereitungen zur Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol ist ein Team des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) westlich der belagerten ukrainischen Hafenstadt von der Polizei in von Russland kontrolliertem Gebiet festgesetzt worden. Das Team werde „in der Stadt Mangusch festgehalten“, teilte IKRK-Sprecherin Caitlin Kelly der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Helfer seien am Montag aufgehalten worden, „als sie humanitäre Hilfe leisteten, um einen sicheren Korridor für Zivilisten zu schaffen“.

    Auf die Frage, wer das Team festhielt, antwortete sie „die Polizei“, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. „Das IKRK stand in direktem Kontakt mit unseren Kollegen und spricht mit den Parteien auf allen Seiten, um Klarheit in die Situation zu bringen“, sagte Kelly weiter.

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-04/liveblog-ukraine-krieg#event_id=ekKWcyso6jV4hRrBXXRV

  2. Deine Leidenschaft in allen Ehren, aber die Forderungen die du stellst, die Art wie du schreibst, zeugt von Hass und führt weiter in den Abgrund, so wie es Aug um Aug-Kriegsrhetoriken schon immer getan haben. Formulierungen wie der „bleiche Lurch“, “ Schmierfinken“ oder „dieselbe Sprache sprechen“ versteht man aus der Perspektive der Ukraine nicht nur all zu gut (ich stamme selber aus der Ukraine), sondern sie bringt einen selbst der Verzweiflung sehr nahe, weil man unbedingt etwas tun will gegen dieses unsägliche Greuel, aber ist der Weg für den Westen in einen komplett unkontrollierbaren Konflikt zu zusteuern, uns allen Handlungsoptionen zu entziehen wirklich so viel besser, nur um hinterher nicht mit der Schuld nicht leben nichts getan zu haben? Damit machen wir keine strategischen wirtschaftspolitischen Fehler der Vergangenheit wett, dafür ist es zu spät und retten im Zweifel nicht mehr Menschen, sonder gefährden nur noch viel viel mehr.

  3. Da dies ein Blogbeitrag ist und keine diplomatische Note an Putin, muß ein solcher Text, wie das bspw. auch bei einer Polemik der Fall ist, nicht auf solche Fragen der angemessenen Form Rücksicht nehmen. Die Ansicht, daß Putin der bleiche Lurch und der Mörder aus Moskau ist, werden sicherlich nicht nur Menschen in der Ukraine – aus sehr guten Gründen – teilen.

    „zeugt von Hass und führt weiter in den Abgrund, so wie es Aug um Aug-Kriegsrhetoriken schon immer getan haben“

    Meine Freude gegenüber Putin hält sich auch eher in Grenzen. Und ich wüßte auch nicht, was man anderes machen kann, als militärischen Widerstand. Friedensdemonstrationen haben in Moskau einen guten Sinn, und meine Achtung und Bewunderung geht an all die Menschen dort, die immer noch protestieren, trotz Lagerhaft und schwerster Repressionen: nämlich dem Entzug der Freiheit und ggf. auch der Arbeit – was in einem Land ohne Sozialabsicherung nur bedeutet, in Hunger und Armut zu leben. Auch das ist mitzudenken. Wer sich im übrigen gegen einen Aggressor zur Wehr setzt, fährt keine Aug-um-Aug-Kriegsrhetorik, sondern er verteidigt sich, so wie das die Ukraine tut, und wir können dieses Land, sofern deren Regierung das möchte, nur so gut es geht dabei unterstützen. (Und da ist die 5000-Helme-Lieferung eigentlich nur eine Verhöhnung des Landes). Zumal es in dieser Sache auch nicht darum geht (niemand schrieb das), nun Moskau zu erobern und in Rußland einzumarschieren, sondern lediglich um die beste Ausstattung für die ukrainische Armee. Und die wird vermutlich nicht siegen, indem man an die Soldaten Friedenstauben verteilt, die den Russen dann auf den Kopf kacken. Ums mal etwas polemisch zu formulieren.

    Der Weg, etwas zu tun, liegt bei den Politikern. Und die deutsche Politik hat in den letzten Jahren erhebliche Fehler gemacht – das ist richtig. Die Öffentlichkeit macht keine Politik. Aber sie äußert sich und bezieht Stellung. Und das sollte mit Argumenten geschehen, die auch und trotz einer Polemik in einem Text immer sichtbar bleiben müssen. Mein Hauptargument lautet dabei: Ein derartiger Angriffskrieg und die damit verbundenen Kriegsverbrechen werden nicht durch Reden und durch Verhandeln gestoppt, wenn ein Despot daran ersichtlich kein Interesse hat. Hätte Putin dies, müßte er die Kampfhandlungen sofort einstellen und mit der ukrainischen Regierung sich an einen Tisch setzen. Dies aber tut er nicht, sondern er spielt auf Zeit, spitzt zu und hinterläßt mit seiner Soldateska in den geräumten Gebieten ein Grauen. Und dann kann es nur noch eine Option geben: mit Waffen diesen Krieg zu unterstützen, damit die ukrainische Armee in der Lage ist, ihr Land zurückzuerobern, um damit weitere Kriegsverbrechen zu verhindern. Und wenn die Ergebnisse von Butscha klar sind, sollten dabei auch die USA und das freie Europa direkt behilflich sein – ggf. mit Soldaten und schweren Waffen. Welche Optionen dabei zur Verfügung stehen, müssen die Fachleute, d.h. die Militärs, die Geheimdienste und die Politiker, die in solche Fragen involviert sind, beurteilen. Gemacht werden sollte das, was militärisch sinnvoll ist. Insofern bin ich beim radikalen Gasboykott auch unentschlossen. Es gibt Argumente dafür und auch solche dagegen. Jeder Boykott, der dem freien Europa mehr schadet als Rußland ist im Effekt dann eher problematisch, auch wenn er als Zeichen und als Symbol durchaus Sinn haben kann.

    „aber ist der Weg für den Westen in einen komplett unkontrollierbaren Konflikt zu zusteuern, uns allen Handlungsoptionen zu entziehen“

    In diesem unkontrollierbaren Konflikt sind wir aber bereits schon. Spätestens seit dem 24.2.2022 und absehbar bereits im November 2021, wo dies in Deutschland nur wenige so wahrnehmen wollten – so auch ich – und die Manöver als Manöver deuteten. Als diese „Manöver“ dann Ende Januar nicht aufhörten, schwante mir, daß das nicht beim Manöver bleibt, sondern daß Putin die Winterspiele bei seinem Diktatorkollegen Xi abwarten wird, um diesen nicht zu verprellen. Die besten Handlungsoptionen bei Putin hat man, wie die letzten Jahre gezeigt haben, aus einer Position der Stärke heraus. Rote Linien anzukündigen, wie im Syrienkrieg, und sie dann nicht einhalten zu können, wird von Putin als Zeichen der Schwäche und als Einladung weiterzumachen gedeutet. Dies zumindest zeigen die Geschehnisse der letzten Jahre.

    „Damit machen wir keine strategischen wirtschaftspolitischen Fehler der Vergangenheit wett, dafür ist es zu spät und retten im Zweifel nicht mehr Menschen, sonder gefährden nur noch viel viel mehr.“

    Wie sehr Ukrainer durch Massaker, Folter, Verschleppungen, und Entführungen gefährdet sind, hat man nicht erst seit Butscha gesehen. Das Problem liegt nicht darin, daß man die Fehler der Vergangenheit nicht mehr rückgängig machen kann, sondern daß wir in Sachen Zurückhaltung die Fehler der Vergangenheit möglicherweise wiederholen. Putin wird nicht aufhören, bis er die Ukraine mit seiner Maschinerie überrollt und sein Ziel der Unterwerfung erreicht hat. Oder man kann es auch so formulieren: Kapituliert Putin, dann ist der Krieg zuende, kapituliert die Ukraine, dann gibt es die Ukraine nicht mehr. Und was mit den Menschen dort geschieht, haben Mariupol, Charkiw und Butscha gezeigt. Am Ende aber ist das nicht eine Entscheidung, die der freie Westen (also das freie Europa und die USA) zu treffen haben, sondern die ukrainische Regierung, die ggf. auch bei Kompromissen (und Gebietsabtretungen) dies mittels einer geheimen und freien Wahlen sich bestätigen lassen muß. Denn diese Entscheidung und ob man den Russen Gebiete abtritt, liegt allein bei den Ukrainern.

  4. Nach den russischen Kriegsverbrechen und der Ermordung von Zivilisten in Butschaund Mariupol bekommt der Ausdruck „Spezialoperation“ nun doch einen anderen Klang. Er enthält seine eigene Wahrheit. Auch im Hinblick auf die mobilen Krematorien, die zum Einsatz kommen. Er erinnert an die deutschen Sonderkommoandos von 1941 und ihr Vorgehen gegenüber den Russen hinter den Frontlinie. Die Bezeichnung Putins als bleicher Lurch muß ich zurücknehmen. Sie scheint mir inzwischen unangemessen. Putin reiht sich in die Reihe der Kriegsverbrecher. So sollte man und so muß man ihn nennen. Alles andere wäre ein Beleidigung der Lurche. Soviel nur zur „Befreiung“ der Ukraine vom Faschismus durch Rußland.

  5. Leider wird immer deutlicher, dass die Kriegsverbrechen nicht nur ärgerliche Überreaktionen einer frustrierten Soldateska, sondern sehr wohl Teil eines Plans sind, den man mit dem Einsatz tschetschenischer Schlächter und krimineller Wagner-Söldner ganz gezielt verfolgt. Ziel ist die „ethnische Säuberung“ der Ostukraine im Zuge der anlaufenden Offensive im Osten. Wer angesichts der Gräueltaten in Butscha jetzt lieber vorher flieht, ist ohnehin Nazi, und dann eben weg.

  6. Es werden gezielt Krankenhäuser angegriffen, damit von den Verwundeten niemand überlebt. Das ist Genozid und bewegt sich in den Kategorien wie SS-Einsatzgruppen, Holodomor und die von einem Diskutanten kürzlich angeführten Mongolenhorden.

  7. @Avantgarde: Dies scheint sich in der Tat so herauszukristallieiseren. Erschütternd auch die Berichte von Reportern vor Ort, so etwa eines Kriegsreporters vom Tagesspiegel. Gefunden wurden auch die Leichen von russischen Kindersoldaten.

    @che: Ich habe auch sofort an die Einsatzgruppen und der Sonderkommandos der Wehrmacht 1941 mit ihren hinter der Front gedacht. Und auch die Mongolenhorden und das Prinzip Plündern kommt zum Einsatz. Über Belarus wird Beutegut nach Rußland verschickt.

  8. Die Bombardierung des Bahnhofs von Kramatorsk zeigt das wieder mal sehr deutlich. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Evakuierung von Zivilisten aus der Ostukraine, in der wohl in den nächsten Tagen die russische Großoffensive losbrechen soll.

    Immerhin müssen wir nun endlich die absolute Genialität der CIA anerkennen, die es schafft, binnen Stunden überall Hunderte von Leichen hinzulegen, von wo russische Soldaten gerade abgezogen sind. Eine logistische Jahrhundertleistung.

  9. @Avantgarde: Und dann noch all die Schauspielerjournalisten dazu, die genau das aufschreiben, was Soros und die CIA diesen Systemmedienleuten einflüstern. Diese New-World-Order-Leute leisten ganze Arbeit!

    Aber Scherz beiseite: Kriege sind immer schlimm, das wissen wir im Grunde alle. Was wir alle weniger wissen und worauf wir viel mehr unser Augenmerk legen müssen, ist die Propaganda all der Zarenknechts hier, die auf Putins Desinformationskampagnen aufspringen – unwissentich, also aus Dummheit und Naivität oder aber wissentlich und dann als Mittäter. Und nicht minder schlimm sind jene von mir oben genannten Schmierfinken, die sich da auf ihren Verschwörungsportalen an den Massakern beteiligen. Ich bin inzwischen der Ansicht, daß man diese Leute immer wieder namentlich sichtbar machen muß.

  10. Bei dieser Art von Bommelfraktion denke ich nur: ignorieren. Oder frei nach Karl Valentin: nichtmal ignorieren!

  11. Ich denke, er ist allenfalls aus dokumentarischen Gründen interessant oder wie che es nennt, im Sinne der Bizarrologie.

  12. Aus der Abteilung Nichts ist so geschmacklos wie die Wirklichkeit: Die Russen ändern ja gerne Ortsnamen. So wurde Kramatorsk in Krematorsk umbenannt, und das muss nun mit Inhalt gefüllt werden.

  13. Hatte gerade ein Gespräch mit einer Russin die heilfroh ist in Deutschland zu sein und völlig entsetzt über die Leichtgläubigkeit ihrer Landsleute. Sehnt sich nach Gorbi zurück.

  14. Ein wahres Wort, che, zu jener Abteilung Nichts.

    Und wenn man dann mit den Leuten spricht: da eben wird es in der Tat interessant. Ich kenne über Facebook und auch privat eine ukrainische Schriftstellerin. Wenn Du den Leuten erzählst, daß in der Ukraine Nazis seien und der Maidan auch eine Nazisache, gucken die Dich mit entsetzten Augen an und denken, daß du vom Mars kommst mit solcher dämlichen Sicht. Natürlich gab es die, sagte jene Frau. Aber habt ihr mal in euer eigenes Land geguck? Wer sitzt da nochmal im Parlament?: die AfD. Habt ihr mal nach Österreicht geguckt oder gar nach Frankreich mit Le Pen? Und die Prozentzahlen von Rechten und Neonazis dabei sind im Westen dann doch etwas anders ist als die Verhältnisse in der Ukraine, so möchte ich hinzufügen. Dieses Nazi-Narrativ wird bewußt von Leuten in Umlauf gebracht, um den Freiheitsprotest 2014 gegen jene von den Russen gekaufte Regierung Janukowitsch zu delegitimieren. Vor allem im Westen verbreiten einschlägige Kreise diese Art von Desinformation. Und da in Deutschland kaum einer eine Ahnung von der Geschichte der Ukraine hat, wird jeder Stuß geglaubt – das fängt schon damit an, daß die Leute erzählen, bei Überfall auf die Sowjetunion hätten wir Deutschen Russen ermordet. Nein, das stimmt so nicht: die Deutschen haben Russen und Ukrainer ermordet. Und vermutlich auch Kasachen und Georgier. Aber keinesfalls nur Russen.

    Insofern kann man den Zarenknechts, den Blöckers und wie dieser Abschaum auch heißt, nur anraten, sich mit der Geschichte der Ukraine zu beschäftigen.

    Gut immerhin, daß es auch in Rußland noch genügend Leute gibt, die gegen Putins Diktatur und gegen Putins blutigen Angriffskrieg protestieren. Auch kürzlich wieder wurde eine Frau beim Demonstrieren in Moskau verhaftet. Einfach weil sie ein Schild hochhielt. Dazu kein Wort von den Zarenknechts und Blöckers hier.

  15. „Das ist Genozid und bewegt sich in den Kategorien wie SS-Einsatzgruppen“. Das relativiert die
    Shoa. Da hier Menschen mitlesen, die aufgrund ihrer Herkunft da etwas empfindlich sind, rate ich zur Vorsicht.

  16. „Insofern kann man den Zarenknechts, den Blöckers und wie dieser Abschaum auch heißt, nur anraten, sich mit der Geschichte der Ukraine zu beschäftigen.“
    Zur allerjüngsten Geschichte der Ukraine hat „Küppersbusch TV“ gerade einen interessanten Beitrag geliefert.

  17. „Hatte gerade ein Gespräch mit einer Russin die heilfroh ist in Deutschland zu sein und völlig entsetzt über die Leichtgläubigkeit ihrer Landsleute. Sehnt sich nach Gorbi zurück.“
    Das ist jener Gorbi, der zusammen mit Kissinger, Schmidt und Kohl prognostizeirte, dass die Osterweiterung unausweichlich zu einem militärischen Konflikt führt. Sieht so aus, als hätten die alle recht gehabt.

  18. Die Mariuolverteidiger sind die Asows, die die Schwarze Sonne und die in Deutschland aus guten Gründen verbotene Wolfsangel im Wappen führen. Russische Soldaten haben traditionell viel Erfahrung damit, Löcher in SS-Orks zu schießen.

  19. @Nörgler: Dies relativiert nicht die Shoah, weil es hier um die Arbeit der Wehrmacht und der SS-Einsatzgruppen gegenüber der ukrainischen und der russischen Zivilbevölkerung geht. Und die gleicht aufs Haar den Spezialoperationen der russischen Soldateska, die Frauen und Kinder und überhaupt Zivilisten niedermetzelt.

    Schön, daß Küppersbusch einen Beitrag geliefert hat. Ich hoffe, er hat darin die Mordbrennerein des bleichen Lurchs hinreichend thematisiert.

    Die Nato hat sich nicht nach Osten erweitert, das ist Putins Narrativ, auf das immer wieder Zarenknechte und Blöcker hereinfallen, sondern das Baltikum, Polen, Ungarn, Rumänien und Tschechien hatten nicht wirklich Freude am Einer russischer Pferdepisse. Die durften sie nämlich vierzig Jahre lang schlucken. Und wie das Beispiel der Ukraine zeigt, haben diese Länder gut daran getan, sich nach Westen auszurichten, und auch Finnland und vermutlich demnächst Schweden werden der Nato beitreten, um nicht in den Genuß von Spezialoperationen zu geraten, die ihr Land in Schutt und Asche legen.

    Im übrigen können wir gerne über die Probleme in der Ukraine und deren Verfehlungen reden. Aber nicht auf der Augenhöhe eines Putins. Wenn der bleiche Lurch gestürzt ist bzw. wenn die Urkaine wieder in den Grenzen von 2013 hergestellt ist, wird es sicherlich auch eine Zeit geben, über die dies und das im Blick auf die Ukraine zu sprechen. Aber eben nicht vorher. Nicht solange dort eine Armee wütet, die sich, was Kriegsverbrechen betrifft, in nichts von den SS-Einsatzgruppen und den Sonderkommandos der Wehrmacht unterscheidet.

    „Russische Soldaten haben traditionell viel Erfahrung damit, Löcher in SS-Orks zu schießen.“

    Und damit bist Du aus dem Kommentarbereich draußen, da ich hier nicht mit Leuten Debatten führe, die russische Kriegsverbrechen und Massaker an der Zivilbevölkerung billigen oder relativieren. Auch zum Schutz Deiner selbst.

  20. Und zu Mariupol: Das Regiment Asow müßte dort nicht die Stadt vor russischen Räubern und russischen Vergewaltigern verteidigen, wenn die Putin und die Russen nicht in der Ukraine einmarschiert wären und in Mariupol und in anderen Städten nicht systematisch Kriegsverbrechen begehen würde. Soviel auch noch mal zu dem vom Nörgler damals verbreiteten Mythos, daß es für die Ukraine besser wäre zu kapitulieren. Was mit den Menschen geschieht, die in die Hände der russischen Soldateska und in die Hände von FSB-Truppen und tschetschenischen Milizen fallen, das haben wir inzwischen gesehen. Der Vergleich mit dem Einfall der Mongolenhorden ist treffen. Und ebenso der zu den SS-Sonderkommandos. Die mobilen Krematorien bringen die Russen auch gleich mit.

    Die Befreiungspropaganda, die im Blick auf die Ukraine immer wieder verbreitet wird, ist auch insofern schon aus logischer Sicht interessant: Eine Diktatur wie Rußland, kann keine Demokratien befreien. Das ist in etwa so als würde man annehmen Hitler habe Polen von Antisemiten befreit. Und aus diesem Grunde ist auch eine Annäherung von Rußland an die EU eine Farce gewesen.

    Und zum Mythos Neo-Nazis in der Ukraine schreibt Dominik Kalus in der WELT:

    „Der Vorwurf, dass Nationalsozialisten in der Ukraine ihr Unwesen treiben, bildet das zentrale Gerüst der russischen Propaganda. Bereits seit den Maidan-Protesten 2014 versucht der Kreml, die Ukraine wahlweise als einen von Nazis kontrollierten oder vom faschistischen Umsturz bedrohten Staat darzustellen. Mit dieser Begründung ist Putins Armee auch in die Ukraine eingefallen – um das Land zu „entnazifizieren“. Dass die Ukraine einen demokratisch gewählten jüdischen Präsidenten hat, bleibt unbeachtet. […] In den vergangenen Jahren hat sich das Asow-Regiment verändert, was die russische Propaganda jedoch geschickt zu ignorieren weiß. Das Regiment wurde in die ukrainische Nationalgarde eingegliedert und untersteht damit dem Innenministerium. Das bedeutet allerdings nicht, dass der ukrainische Staat rechtsextreme Strukturen aufweist, sondern ganz im Gegenteil: Die rechtsextreme Gruppe muss sich nun den staatlichen Strukturen anpassen. „Wir diskutieren über Asow immer noch auf Basis des Bildes von 2014. Das ist genau das, was der Kreml will“, sagt Forscher Rekawek. Die meisten radikalen Gründungsmitglieder haben das Regiment inzwischen verlassen, neue Mitglieder schließen sich der Gruppe oft aufgrund ihres Rufes als erfolgreiche Einheit an und nicht wegen des rechtsradikalen Anstrichs. Und noch etwas zeigt, dass die Bedeutung des Regiments nicht im Verhältnis zu der ihm gewidmeten Aufmerksamkeit steht: Je nach Schätzung gehören der Einheit zwischen 1000 und 2000 Personen an. Das ist nur ein Bruchteil der mehreren hunderttausend Soldaten und Freiwilligen, die derzeit die Ukraine und ihre mehr als 40 Millionen Einwohner verteidigen. […] Schon 2014 im Donbass kämpften Neonazis aus Russland auf Seiten der ukrainischen Separatisten. Außerdem nutzt der Kreml die Dienste der Söldner-Gruppe Wagner, deren Mitglieder zum Teil bekennende Neonazis sind und deren Anführer Dmitri Utkin Tätowierungen der Waffen-SS trägt. 400 dieser Söldner sollen sich derzeit in der Ukraine aufhalten, um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu töten. https://www.welt.de/politik/ausland/plus237593101/Putins-Entnazifizierung-Das-Regiment-Asow-und-der-Mythos-einer-faschistischen-Ukraine.html

    Wenn also die Rußland sich von Nazis befreien will, dann muß es bei sich selbst anfangen und Putin stürzen.

  21. Diese Leute wollen den Wohlstand des Westens (abgreifen muß man wohl schon sagen) und dabei gleichzeitig, das diktatorische System hier etablieren. Daß beides gleichzeitig nicht funktioniert, wird dabei leider nicht begriffen. Davon ab denke ich, daß vieles bei diesen Leuten durch die Propaganda russischer Staatsmedien gesteuert ist. Die Leute glauben den Mist, den man ihnen eintrichtert. Nicht anders als in den gleichgeschalteten Medien seit 1933 in Nazi-Deutschland.

  22. Und wenn wir schon über Nazis reden wollen, dann reden wir doch gerne über Putin

    Putin und die Faschisten:
    Manchmal sagt eine Photographie mehr als tausend Worte, so in Butscha und so auch im Falle von Putins Rosenbeigabe an Wladimir Schirinowski. Man schaue sich die Photographie unten im Link an.

    „Putin hat sich mit roten Rosen am aufgebahrten Leichnam von Wladimir Schirinowski verabschiedet, dem Begründer des russischen Faschismus. WELT-Autor Adrian Geiges hat ihn mehrmals getroffen. Er zeichnet das Bild eines Mannes, der genau wusste, was mit der Ukraine geschehen würde.“
    https://www.welt.de/politik/ausland/plus238088001/Russland-Atomkrieger-Schirinowski-der-geistige-Wegbereiter-Putins.html

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