Zeitschründe der Ewigkeit und all diese Zeiten des Vergeblichen: Call me Ishmael

„Warum ist das Leichte so schwer? An Verführungen hatte ich –. Laß die Aufzählung. Das Leichte ist schwer. Es ist so leicht und so schwer. Wie ein Jagdspiel, bei dem der einzige Ruheplatz ein Baum jenseits des Weltmeeres ist.

Warum sind sie von dort ausgewandert? – An der Küste ist die Brandung am stärksten, so eng ist ihr Gebiet und so unüberwindlich.

Nichtfragen hätte dich zurückgebracht, Fragen treibt dich noch ein Weltmeer weiter. – Nicht sie sind ausgewandert, sondern du.

Immer wieder wird mich die Enge bedrücken.

Ewigkeit ist aber nicht das Stillstehen der Zeitlichkeit.

Was an der Vorstellung des Ewigen bedrückend ist: die uns unbegreifliche Rechtfertigung, welche die Zeit in der Ewigkeit erfahren muß und die daraus folgende Rechtfertigung unserer selbst, so wie wir sind.“
(Franz Kafka, Oktavhefte)

 Das schreiben wir in die Leere hinein, als Aufzeichnungen in die Oktavhefte, Notturno, Nachtstücke der Phantasie, in dem böhmischen Dorf Zürau aufs Papier gebracht. Rechtfertigungsleere im Jüdisch-Sein. Sind diese Sätze bereits eine Poetik der Vergeblichkeit von Literatur; eine Poetik für eine Literatur der kleinen Dinge und Szenerien? Oder sind diese Sätze noch vom Dasein gedeckt: der Gang des Lebens als der Lauf ins Leere? Nur die Laufrichtung mußt Du ändern! Oder der Fließrichtung des Flusses Dich aussetzen. Sich treiben lassen. Unter den Strömungen, nicht gegen sie.

Bezeichnen diese Sätze Kafkas das Nebeneinander von verschiedenen Aspekten oder gehören sie in ihrer Diversivität dennoch zusammen? Immerhin wurden sie am selben Tag geschrieben, am 8. Februar 1918.  Ewigkeit ist aber nicht das Stillstehen der Zeitlichkeit bleibt als Satz rätselhaft, denn zunächst vergegenwärtigen wir uns die Ewigkeit als nunc stans, in dem nichts mehr fließt, sondern gefriert, stillsteht, an seinem Platz und doch nicht ganz an dem Platz, weil in der Ewigkeit eben auch der Begriff des Raumes sich aufhebt. (Das freilich ist zugleich die größte Enge und Einschränkung des Raumes.) Wo der Moment niemals endet und als stillgestellter Augenblick harrt, scheint es sinnlos, noch von Zeit zu sprechen. Allerdings schreibt Kafka nicht von der Zeit selber, sondern von der Zeitlichkeit. Wenn Ewigkeit nicht mit dem Stillstehen der Zeitlichkeit gedeutet oder in Parallele gebracht werden darf, dann ist sie in diese gebettet oder hängt auf eine besondere Weise mit der Zeitlichkeit zusammen, es kommt der Zeitlichkeit eine besondere Form zu. Zwar mag in der Ewigkeit die Zeit stillgestellt sein oder es (er)scheint so, als stünde sie im erfüllten Augenblick, der wie Ewigkeit anmutet, oder in dieser selber still, weil kein Bewußtsein mehr für Zeit herrscht. Nicht aber die Zeitlichkeit.  [Ich will das gar nicht so sehr mit Heidegger zusammenschließen, weil das nur zu einer existenzphilosophischen Vereinnahmung Kafkas führte.] Dennoch fällt die Ewigkeit aus unserer physikalischen Zeit heraus, so wie die Unendlichkeit das menschliche Denken übersteigt, allenfalls anregend für die Phantasie, für die Einbildungskraft, die die Räume erschließt und über die Meere fährt, sich durch die Gebirge in die Höhe treiben läßt.

Der klare Blick Kafkas – auch fürs Bedrückende und sein Vergrübeltes. Wir müssen uns Kafka jedoch als einen glücklichen Menschen vorstellen. Sein Image als Miesepeter und Nihilist ist durch und durch falsch. Das mag man bereits an dem Vortrag sehen, den er in München hielt: aus seinem Roman „Der Prozeß“ lesend und beim Lesen kam er aus dem Lachen nicht mehr heraus, was manche der Zuhörer verwunderte. Und selbst wenn diese Anekdote Legende sein sollte, so steckt in ihrer Fabulierung doch die Wirklichkeit, so ist sie dennoch wahr.

Kafkas Prosa entbehrt nicht der Komik – an vielen Stellen seines Werkes: Die Prüglerszene etwa im Prozeß: Was für eine Vorstellung, wenn wir in einem der Büroräume dieser Welt, wo der eine oder die andere ihren Lohn erwirbt, plötzlich eine dieser geheimen oder aus Gewohnheit heraus unsichtbar gewordenen Türen öffneten, hinter denen wir nichts als Ablagen, Akten, Ordner oder eine Kammer mit Reinigungsgeräten fürs Subunternehmen Putzdienst vermuten, und darin spielte sich eine Szene ab, wie sie so ganz und gar ungeheuerlich ist, wie wir sie aus einschlägigen S/M-Studios kennen. In Leder und Lack und mit der Lust der Gerte, die die Haut streift, ritzt und schlägt. (Ich sehe immer noch, so wie jener Erzähler Marcel in Prousts letztem Teil seiner „Recherche“ den Baron de Charlus vor mir, wie er sich peitschen läßt. Was für eine Szene! Ins Verborgene zu blicken und einen Menschen dort zu erleben, der Dinge tut, die wir niemals von ihm ahnten. Auch das besitzt Reiz. Wie der Blick auf die intimsten Stellen einer Frau. Oder auf den Fetisch, der diese Stellen verhüllt. Feuchtigkeit und die Hitze der Haut sind wunderbare Elemente. Aber diese Sinnesbilder führen wohl ein wenig von Kafka und der Literatur fort, sofern wir sie nicht wieder in dieselbe zurückverwandeln.)

Könnten wir einen Anti-Kafka, einen Gegenprozeß schreiben? Wenn ein Schriftsteller kein Gegenkonzept zu den großen Romanen der Literatur entwürfe und dann verfaßte, so gäbe es keinen Anti-Meister, und es schriebe damit Novalis seinen „Heinrich von Ofterdingen“ nicht. Literatur kann in der Auseinandersetzung mit Vorbildern (im Sinne eines Anti- oder Gegenromans) wirkungsmächtig sein. [Wobei das nun wieder keinen Imperativ oder eine Regel(Poetik) abgeben soll, wie Literatur zu machen  sei.] Allerdings geht es in solchen Anti-Prozessen und Anti-Zauberbergen nicht darum, einen anderen Roman zu widerlegen. Denn gelungene Kunst läßt sich nicht widerlegen. Sondern den Gegenpol zu schaffen, eine Idee aufzugreifen, sie in ihr Gegenteil zu verkehren, sie zu verwandeln, den Metamorphose sich anheimzugeben oder um zu zeigen, daß ein bestimmtes Konzept von Literatur nicht mehr funktioniert. Wie es dann Novalis und F. Schlegel an Göthens Wilhelm Meister aufging. Erst hingerissen, später dann voller Skepsis und Zweifel. Unendliches Poetisieren. Nicht nur von Welt, sondern im Sinne der Autopoiesis auch innerhalb der Literatur. Freilich nicht als Selbstzweck, sondern aus der Notwendigkeit einer Sache heraus, wofür es das leicht überstrapazierte Wort der Selbstreferenzialität gibt. Ich schriebe den Anti-Moby-Dick. Aus den Innenräumen heraus. Als Haß aufs System und als Jagdszene der BRD. Wir kriegen sie alle! Eine Reise der Immanenz.

Es kommt aber am Ende des Denkprozesses nicht auf die These an, was geht und was nicht, sondern auf den Text, auf die Literatur, die geschrieben wird. Erlaubt ist, was funktioniert. Leider bin ich kein Schriftsteller, ich hätte jetzt meinen nächsten Roman. So aber wartet die Ewigkeit oder die Literaturtheorie oder die Philosophie auf mich.

Überhaupt überlebt zu haben. Ein Sarg als Rettungsboot. Rückblenden, Sankt-Elms-Feuer in den Masten. Licht und Blendung, Nachtblende, Gegenblende, die letzten Tage in der tosenden See, auf der großen, unendlichen Fahrt, die im Sinne der literarischen Romantik ebenso  Topos und Motiv abgibt.

„Wenn ich das Leben überdenke, das ich führte und noch führe – trostlose Einsamkeit – vermauertes, umwalltes Ausgeschlossensein des Kapitäns, zu dem kaum ein warmer Hauch von draußen aus der Welt lebendiger Herzen dringen darf – o Mühsal, Trübsal.“ (Herman Melville, Moby Dick) Das sind die Sätze Kapitän Ahabs kurz vor seiner letzten Jagd.

Eine ganz und gar andere Schiffsszene, die von einer völlig anderen Reise erzählte, schrieb Franz Kafka 1920 als Prosa-Miniatur auf:

„‚Bin ich nicht Steuermann?‘ rief ich. ‚Du?‘ fragte ein dunkler hoch gewachsener Mann und strich sich mit der Hand über die Augen, als verscheuche er einen Traum. Ich war am Steuer gestanden in der dunklen Nacht, die schwachbrennende Laterne über meinem Kopf, und nun war dieser Mann gekommen und wollte mich beiseiteschieben. Und da ich nicht wich, setzte er mir den Fuß auf die Brust und trat mich langsam nieder, während ich noch immer an den Stäben des Steuerrades hing und beim Niederfallen es ganz herumriss. Da aber fasste es der Mann, brachte es in Ordnung, mich aber stieß er weg. Doch ich besann mich bald, lief zu der Luke, die in den Mannschaftsraum führte und rief: ‚Mannschaft! Kameraden! Kommt schnell! Ein Fremder hat mich vom Steuer vertrieben!‘ Langsam kamen sie, stiegen auf aus der Schiffstreppe, schwankende müde mächtige Gestalten. ‚Bin ich der Steuermann?‘ fragte ich. Sie nickten, aber Blicke hatten sie nur für den Fremden, im Halbkreis standen sie um ihn herum und, als er befehlend sagte: ‚Stört mich nicht‘, sammelten sie sich, nickten mir zu und zogen wieder die Schiffstreppe hinab. Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?“

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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6 Antworten zu Zeitschründe der Ewigkeit und all diese Zeiten des Vergeblichen: Call me Ishmael

  1. Franz Kafka arbeitet sich ja nicht selten an der Ewigkeit ab, und mir will scheinen, sie ist ihm durchaus Zeit, manchmal eine ohne Rhythmus, so wie etwa in der kleinen Erzählung ‚Bei den Toten zu Gast‘, in der der Ich-Erzähler ganz umstandslos im Jetzt agiert und zugleich das Zeitlose ganz angstfrei anrührt, oder auch mal eine mit Rhythmus, so in ‚Die Brücke‘, in der der Zerrissene gleichsam seine Geschichte von der Brücke, die er ist und war, wieder von vorne zu erzählen beginnt.

    Was Sie über die Komik von Kafkas Texten sagen, trifft ja auch oft auf die Prosa-Texte Becketts (und vor allem auch auf sein ‚Warten auf Godot‘) zu – viel zu oft wurde ja die Literatur als solche von strenggläubigen Geisteswissenschaftlern durch die durchaus nicht randlose Bedeutungsbrille (der 50er-, 60er-Jahre) angestarrt – da ist die Idee des Anti-Romans durchaus nicht schlecht, wenngleich mir jetzt keine Idee kommen will, was ich zu schreiben hätte. (Der Anti-Mann-ohne-Eigenschaften?)

  2. Bersarin schreibt:

    Richtig, insbesondere bei Beckett wird der Humor übersehen. Wenngleich es sich nicht im Lachen erschöpft, sondern es ist eine besondere Art von Humor: „Nichts ist komischer als das Unglück“ heißt es im „Endspiel“. Und in diesem gekoppelten Begriff stecken die Substantive Ende und Spiel.

  3. Uwe schreibt:

    Ich bin kein Kafka-Kenner, daher kann ich auch furchtbar falsch liegen, aber ich wurde von der Prosa-Miniatur am Ende Deines Textes an den Topos der „navigatio vitae“ erinnert, dem Lebensschiff in den Unbilden der Zeit. Kann es sein, dass er auf dieses Thema in der ihm eigenen, mehrdeutigen Weise anspielt?

    Gruß, Uwe

  4. Bersarin schreibt:

    Die Mehrdeutigkeit bei Kafka läßt sicherlich manche Deutung zu. Auch diese scheint nicht ganz abwegig, wenngleich ich selber bei den metaphysisch-theologischen Interpretationen zu Kafkas Prosa vorsichtig bin.

    Es ist dieser Text sicherlich auch als Parabel zu lesen. Allerdings in einem vielfachen Sinne. Ebenso läßt er sich als eine Geschichte über die Macht und das Subjekt lesen.

    Der Reiz bei Kafkas Texten besteht in ihrer Mehrdeutigkeit. Diese erzeugt sich jedoch insbesondere auch aus dem Grunde, weil wir bereits mit anderer Prosa Kafkas mehr oder weniger vertraut sind und insofern den einen Text bereits unter der Optik des anderen lesen. Interessant wäre es, die Übung zu machen, wie ein solcher Text gelesen würde, wenn der Deutende nicht wüßte, daß er von Kafka sei.

    Auch aus diesem Grunde scheint es mir interessant, auf die Strukturen eines Textes und die Bilder, die darin vorkommen, zu achten. Insbesondere jenes „Und da ich nicht wich, setzte er mir den Fuß auf die Brust und trat mich langsam nieder, …“ befremdet und ist als Bild nur dann visualisierbar, wenn entweder das erzählende Ich, der Steuermann eben, bereits am Boden liegt und insofern gar nicht mehr das Steuer hielte. Oder aber es muß sich um ein überdimensionales Wesen handeln, das da dem erzählenden Ich gegenübertritt. Solche irrwitzigen Bilder machen gerade die Prosa Kafkas aus, weshalb ich hier gerne vom Changierenden spreche, auf das der Finger zu legen ist. Weshalb dieses eigentümliche Bild, wie sieht dieses Bild aus, wenn ich es visualisiere, wie gestaltet sich diese Szene, in welchem Kontext steht es?

    Es muß diese Geschichte in ihrer Handlung ganz und gar für sich genommen werden: es ist eine Bootsfahrt, bei der ein Steuermann von einem Fremden vertrieben wurde. Irgendwo auf See. Allerdings sind Steuermänner keine Kapitäne.

  5. Ambiguitas schreibt:

    Eine kleine – angekündigte – Anmerkung, ja Richtigstellung:

    ZITAT von Dir: „…Wir müssen uns Kafka jedoch als einen glücklichen Menschen vorstellen. Sein Image als Miesepeter und Nihilist ist durch und durch falsch. Das mag man bereits an dem Vortrag sehen, den er in München hielt: aus seinem Roman „Der Prozeß“ lesend und beim Lesen kam er aus dem Lachen nicht mehr heraus, was manche der Zuhörer verwunderte. Und selbst wenn diese Anekdote Legende sein sollte, so steckt in ihrer Fabulierung doch die Wirklichkeit, so ist sie dennoch wahr.“

    In München las Kafka im November 1916 die damals unveröffentlichte Erzählung „Die Strafkolonie“ vor. Sie wurde zumeist mit Unverständnis, teils gar Ablehnung vom Publikum und anwesenden Kritikern aufgenommen. Kafka selbst erhöht in einem ironischen Kommentar die Reaktion, indem er gar von umfallenden Zuhörern sprach, die herausgetragen werden mussten… Von einer lachenden Vortragsweise dieses Textes war aber nicht die Rede, das wäre zu dem Zeitpunkt auch sehr makaber gewesen.

    Es gibt aber Berichte von seinen Freunden über solch eine belustigte Vortragsweise seiner eigentlich ernsten Texte im inneren Zirkel. Zudem erzählt er in einem frühen Brief an Felice sehr ausführlich über einen Lachkrampf, der ihn ereilte, als er vom Direktor der Anstalt ausgezeichnet werden sollte. Dadurch hätte er bereits eine gewisse Berühmtheit dort erhalten.

    Ob dies allerdings dazu ausreicht, in ihm nun wieder nur das Gegenteil (den durchweg glücklichen Menschen) zu sehen, habe ich Zweifel. Erstens betrachten wir mehrere Jahrzehnte und da ist niemand nur traurig oder nur lustig. Und zweitens sollte man gerade beim Prager Ausnahmemenschen eher immer die Annahme gelten lassen, dass gerade er beides zugleich sein kann. Für mich ist er die personisierte Münze, die sich im endlosen Trudeln fast zeitgleich sowohl der einen als auch der anderen Seite zuwendet und sich nicht entscheiden kann. Aufs Lachen angewendet: es kann auch genau das Gegenteil von Glücklichsein bedeuten. Die Wahrheit erkennen dann nur die Auserwählten… That´s Kafka.

  6. Bersarin schreibt:

    Es geht darum, das Kafka-Bild doch einmal gegen den Strich zu bürsten. Und das macht übrigens Stach ganz ausgezeichnet in seiner Biographie. Kafka war eben nicht der verklemmte, lebensfeindliche, unlustige, vergrübelte Mensch, der hin und her und her und hin abwog, ohne je zu einer Entscheidung fähig zu sein, sondern in vielem das Gegenteil. Kafka war ein durchaus fröhlicher und geselliger Mensch. Nicht immer zwar, aber wer ist das schon?

    Die Szene mit dem Lachkrampf beim Direkter der Arbeiterunfallversicherung schildert Stach: Es war, als er zusammen mit zwei weiteren Kollegen, dort seine Festanstellung und Beförderung erhielt. Etwa um 1910/11. Lachen kann nun aus unterschiedlichen Gründen erfolgen. Lachen bei einer Lesung – Kafka selber fand seine eigenen Texte definitiv komisch und es gibt dort auch diese komischen Passagen – und Lachen als Zwangshandlung bei einer unangenehmen oder irgendwie doch befremdlichen Situation sind zwei paar Schuhe.

    Daß Kafka ein durchweg glücklicher Mensch sei, schrieb ich nicht. (Und wer ist das schon?) Es ging mir darum, ein einseitiges Kafka-Bild zu korrigieren, das Kafka für einen nihilistischen Pathos in Anspruch nimmt oder Kafkas Lebensfeindlichkeit und Lebensuntüchtigkeit überbetont. Denn beides stimmt in diesem zu strikt gezeichneten Bild von Kafka so nicht.

    Zu Kafka, dem eine Lebensweise oder Lebenskunst glückte, wie sie nicht vielen möglich war, siehe Rüdiger Safranskis interessantes Buch: „Wieviel Wahrheit braucht der Mensch.“ Darin kontrastiert er Rousseau, Kleist, Nietzsche und Kafka.

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