9. November: Ihr sagt Bullenterror? Wir nennen es Kundenbindung! (1. Teil zum 9.11.)

Am 9.11. fand in Berlin ein verkaufsoffener Sonntag zum Shopping statt, dazu wurden als Rahmenprogramm einige andere Veranstaltungen abgehalten. Ich habe von diesem Tag einige Photographien gefertigt. Einen zweiten Teil der Serie „Unser 9. November“ gibt es morgen. Wie immer mit viel Liebe, Herz und Wohlfühlfaktor auf Ihrem Lieblingsblog „Aisthesis“ feilgeboten.
 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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4 Antworten zu 9. November: Ihr sagt Bullenterror? Wir nennen es Kundenbindung! (1. Teil zum 9.11.)

  1. Uwe schreibt:

    Mittendrin – und doch nicht dabei. Die kühl-beobachtende Distanz des Foto-Flaneurs. Wer fotografiert, greift nicht ein. Wer fotografiert, bestätigt das, was gerade geschieht. Und doch muss es „auch den geben, der aufzeichnet, es kann nicht sein, dass immer alle nur machen. Ein Bild ist, dass es welche gibt, die es nicht selber machen. Sondern, dass es jemanden gibt, der dabei zusieht und es auf diese Weise macht, denn auch das ist ein Machen.“ (Zsófia Bán, Kurze Geschichte der Fotografie, in: Dies., Als nur die Tiere lebten, Berlin 2014, S.32)

    Mir hätte man schon lange die Kamera aus den Händen geschlagen, bei der Nähe zu den lebenden Motiven. Wie kommst Du dazu, Dich ihnen so zu nähern? Trägst Du einen Presseausweis? Fragst Du, bevor Du abdrückst?

    Bei der vorliegenden Serie glaubt man einem Geschehensablauf von Bild zu Bild folgen zu können: von dem Aufeinandertreffen über die Verfolgung bis zur Arretierung, eine sehr eindringliche Sequenz. Der Mann im Rollstuhl ist dagegen ein Kuriosum, er steht für sich und seine Sicht der Dinge, die er auf den Pappen auch in knappe Worte fasst.

    Gruß, Uwe

  2. Bersarin schreibt:

    Leicht schmunzeln mußte ich, als ich Deinen Satz las, ob ich fragen würde. bevor ich abdrücke. Das geht in solchen Situationen leider nicht, und die Antwort wäre meist abschlägig. Von beiden Seiten. Es schert mich nicht, was beide Parteien vom Photographieren denken. Ich bin dazu da, das aufzuzeichnen, was geschieht und in Bilder zu bringen, die für sich sprechen. Es ist richtig, wie das häufig geschrieben wird: zum Photographieren ist der mitleidlose Blick wichtig. Das geht bei solchen Anlässen wie rabiaten Demos, die ansonsten aber recht harmlos sind, ganz gut. Schlimmer ist es dort, wo Menschen durch Krieg und Hunger sterben. Wo Katastrophen wüten und ein Photojournalist das dokumentieren muß. Schwierig ist es ebenfalls Rechtsradikale und Hooligans zu photographieren, weil die nur Photographen aus den eigenen Reihen dulden. Am Rande oder in deren Nähe sich zu bewegen, kann lebensgefährlich sein, wenn es hart auf hart kommt.

    Mein Tip für solche Demo-Photos: Möglichst unauffällig sich kleiden, keine schwarze North Face-Jacke mit Kapuze, keinen Ärger mit der Polizei suchen, auch wenn Du innerlich empört bist über das, was Du siehst. Ich trage keinen Presseausweis. Bei bestimmten Demos aber einen Helm. Hier war keiner erforderlich, ich hatte auch keinen dabei. Wenn es zu arg wird, wie an manchem 1. Mai gehe ich weg, weil das Risiko in keinem Verhältnis zum Bilderertrag mehr steht. Und auch das Adrenalin, das bei solchen Demos steigt und die Lust erzeugt, ist es nicht mehr wert. Ein Stein gegen den Kopf ist nicht wirklich lustig, ein Polenböller neben dem Ohr auch nicht. Ich trage schließlich keine Schutzkleidung wie die Polizei.

    Beste Grüße aus Berlin

    Bersarin

  3. Uwe schreibt:

    Danke für die Aufklärungen und den Tipp für Demo-Fotos. Aber ich meide üblicherweise Menschenansammlungen, und wenn ich doch in sie hinein gerate, dann unterdrücke ich meinen Aufzeichnungswillen und lasse die Kamera stecken. Meine „Chronistenlust“ richtet sich ohnehin mehr auf die Dinge, die Oberflächen und Konstellationen im städtischen Raum, die meine deutende Fantasie im Moment des Erblickens herausfordern und nachhaltig beschäftigen.
    Grüße aus dem Novemberdämmer in HaHa,
    Uwe

  4. Bersarin schreibt:

    Dene Vorbehalte kann ich gut nachvollziehen, ebenso Deine Weise, die Dinge samt ihren Oberflächen und in ihren Seinsweisen abzubilden, und das gelingt Dir in Deinen Photographien vorzüglich. Auch ich spüre diesen Phänomenen gerne im Bild nach, zeichne die Momente der Stadt in der Photographie auf. Ich meide ebenfalls Menschenmassen, fühle mich dort nicht wohl. Die Kamera jedoch ist mein Schutz: Dabeisein ohne dabeizusein: dies ermöglicht der Photoapparat. Sogar auf Faschingsveranstaltungen, wo alle verkleidet sind, habe ich unverkleidet und ohne anzuecken photographiert. Der Apparat versetzt den Photographen in einen anderen Rang, in eine andere Sphäre. Bei den Demos ist es zudem das Adrenalin, das ich brauche. Diesen Kick, diese Jagd nach dem einen Bild inmitten der Gefahr. Einer Gefahr freilich zu reduziertem Preis. Auf der Hooligan-Demo in Hannover werde ich in keinem Falle dabeisein. Hier gibt es eine Grenze.

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