Zum Tod des Historikers Zeev Sternhell: Die dunkle Seite Europas

Hier noch einmal meine Ende Februar 2020 geschriebene Rezension zu Zeev Sternhells Buch: „Faschistische Ideologie. Eine Einführung“.

Im Spannungsfeld der politischen Lage, im Blick auf die AfD und nach den Ereignissen in Thüringen Anfang Februar kann es ratsam sein, sich auf einen Begriff zu besinnen, der im Zusammenhang mit Björn Höcke und der AfD immer wieder fällt: Faschist nämlich. Aber was ist Faschismus? Diesen Begriff als Spielmarke einzusetzen, ist insofern ein Problem, weil man durch solchen ubiquitären Einsatz das Spezifische und damit auch das, was am Faschismus gefährlich ist, verwässert. Zum Glück gibt es Bücher, die Wissen intensivieren.

Zeev Sternhells Buch Faschistische Ideologie will in diesem Sinne einen Überblick verschaffen, im Untertitel nennt sich das Buch Einführung. Gleich im ersten Satz betont Sternhell, daß sich das Wort Faschismus zwar seit Jahrzehnten im politischen Diskurs großer Beliebtheit erfreut, jedoch bleibt der Begriff zugleich verschwommen und unpräzise. Allerdings bereits beim zweiten Satz des Buches schüttelt der Rezensent den Kopf:

„Tatsächlich scheint es so zu sein, als ob die Erforschung des Faschismus noch in den Kinderschuhen stecke, und daß es wenige Wissenschaftler gebe, die sich umfassend um ein tiefgreifendes Verständnis dieses Phänomens bemühen.“

Nun handelt es sich bei diesem neu aufgelegten Text Sternhells zwar um einen Essay aus dem Jahr 1976, der uns hier in einer vom Autor überarbeiteten Fassung vorliegt aber diese Aussage ist so nicht haltbar: nicht nur im Hinblick auf die Gegenwart – hier zumindest hätte eine erläuternde Fußnote gutgetan –, sondern ebenso mit Blick aufs Jahr 1976 existiert eine schier unüberschaubare Zahl an Forschung, die Bibliotheken füllt. Insofern trügt dieser Schein. Gerade in den 1970er Jahren boomten die Texte zur Faschismusdiskussion. Wer sich zur Literatur dieser Jahre einen Überblick verschaffen will, lese Ian Kershaws Buch Der NS-Staat, darin auch die Debatten der 1960er Jahre erwähnt und mit zahlreichen Literaturangaben referenziert sind. Und wer eine detaillierte Sicht auf das Entstehen des Faschismus lesen will, greife zu Ernst Noltes Der Faschismus in seiner Epoche. Action française · Italienischer Faschismus · Nationalsozialismus.

Sternhell nun zeigt die Ursprünge faschistischer Bewegungen und ihrer Politik im ausgehenden 19. Jahrhundert, insbesondere in Frankreich und Italien. Zentral für den Faschismus ist für Sternhell dessen Auseinandersetzungen mit den ebenfalls aufstrebenden sozialistischen Bewegungen, nämlich die soziale in eine nationale Frage zu überführen, um einerseits die antibürgerliche, antiliberale Haltung der sozialistischen Arbeiter ins eigene Lager zu lenken und andererseits eine Politik gegen sozialistische und marxistische Ideen zu etablieren.

Für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg schreibt Sternhell im Blick auf Italien:

„Anstelle einer Klasse war es nunmehr die Nation, die den Lauf der Geschichte als Vertreterin von Fortschritt und Zivilisation bestimmte. Und genau dies war der Paradigmenwechsel, der den Übergang von links nach rechts so einfach machte, denn an jedem anderen Punkt hatten sich die extreme Linke, die sich aus Syndikalisten und revolutionären Sozialisten zusammensetzte, und die Radikalen und Nationalisten der Neuen Rechten bereits getroffen und Übereinstimmungen festgestellt.“

Diese geschichtlich verorteten Überlegungen zeigen vor allem, daß der Faschismus etwas ist, was nicht aus heiterem Himmel über die Menschen kam, sondern Faschismus entwickelte sich in geschichtlichen Prozessen und im Wandel sowie im Kampf der Ideologien des ausgehenden 19. Jahrhundert in Theorie und Praxis.

„Zu jener Zeit, da die alte Welt im August 1914 zusammenbrach, hatte die faschistische Ideologie schon eine lange Geschichte hinter sich, die bis ins Jahr 1880 zurückreichte.“

Das Verschwinden jener „Welt von gestern“ und die Wirrungen nach dem Ersten Weltkrieg setzten in Italien und später auch in Deutschland etwas frei, was in unterschiedlichen Ansätzen schon lange vorbereitet dalag. Es mußte, von der Ebene der Theorie ausgehend, nur noch praktisch werden. Die Mechanismen der Umsetzung allerdings, wie Theorie zur Praxis gelangte, bleiben bei Sternhell leider schematisch und beschränken sich eher auf allgemeine Thesen statt daß hier geschichtliche Forschung und Quellen bemüht würden. Dadurch entsteht in einem Text, der als Einführung konzipiert ist, stellenweise ein verengter Blick. Und es gehört zu einer Einführung dazu, unterschiedliche Positionen der Forschung darzustellen. Sternhell jedoch fährt seine eigenen Thesen aus, und in diesem Sinne führt der Untertitel des Buches auf eine falsche Spur.

Eine weitere Vorentscheidung Sternhell liegt darin, den Nationalsozialismus auszusparen. Der Nazismus „kann nicht als eine bloße Variante des Faschismus behandelt werden: seine Betonung des biologischen Determinismus schließt alle Bemühungen aus, ihn als solche zu betrachten.“ Diese Begründung ist zwar zirkulär, aber Sternhell scheint hier aufgrund der komplizierten Frage und „der spezifischen Charakteristika des Nazismus“ eher um eine Art Singularitätsthese zu gehen, die dem Spezifischen, eben dem Aspekt der brutalen Eliminierung Raum geben will. Aspekte also, die über die faschistische Ideologie hinausweisen.

Zentraler Punkt seines Buches ist das Verhältnis von linken und rechten Kräften in den unterschiedlichen Gesellschaften im Europa des späten 19. Jahrhunderts. Wieweit das, was heute unter dem Namen Hufeisentheorie verbreitet ist und in der Kritik steht, nämlich das Parallellaufen rechten und linken Extremismus, auch zum ausgehenden 19. Jahrhundert schon verbreitet war, zeigt Sternhell am Beispiel der Dreyfus-Affäre und anhand des französischen Sozialphilosophen Georges Sorel. Linke Syndikalisten, rechte Nationalisten und Teile der Sozialisten, die anfangs noch für Dreyfus einstanden, aber abrückten, als sie bemerkten, daß dieses Eintreten für die Republik nur weiter die „Vorherrschaft der Bourgeoisie“ sicherte, schritten bald Seit an Seit gegen die Französische Republik. Die extreme Linke der europäischen Sozialisten, so Sternhell, hielt es für besser, dem Proletariat die Verachtung gegenüber bürgerlichen und liberalen Werten einzuimpfen und jene bürgerlichen Tugenden ebenso abzulehnen wie deren Gesetze. Es ging, so Sternhell, beiden Seiten um die „reinigenden Prozesse des sozialen Kampfes. In den Schriften von George Sorel entdeckten die Syndikalisten außerdem einen reichen Schatz anti-intellektueller und irrationaler Argumente.“

Sorel kam von den Sozialisten, und er experimentierte mit politischen Haltungen. Er war ein vehementer Gegner der liberalen Demokratie des 19. Jahrhunderts. In dieser Ablehnung der demokratischen Idee fanden die rechten Nationalisten der Action Francaise und revolutionäre Syndikalisten eine gemeinsame Basis. Demokratie, darin stimmten sie überein, sei der „größte Fehler des letzten Jahrhunderts“. Diesen galt es zu bekämpfen. Ähnliches spielte sich in Italien ab, wie Sternhell an Sergio Pannunzio, einem Theoretiker des Syndikalismus, zeigt. Sein Schaffen „krönte“ 1934 die Teoria Generale Dello Stato Fascista. Pannunzio verband nationale Themen Italiens mit Überlegungen, die er von Sorel übernahm. Zentral für alle faschistischen Bewegungen ist die Ablehnung des liberalen, demokratischen Staates und dessen Transformation in einen totalitären Staat, der keine Parteien und keine Individuen mehr kennt, sondern alle Bereiche des Daseins als nationale Gemeinschaft zu umfassen bestrebt ist.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Faschismus bestand darin die Idee des Klassenkampfes umzupolen in einen Kampf der Arbeiter aller Klassen – also vom Kleinbürger, über die Mittelschicht, dem Arbeiter bis zum Bauern – gegen den „Bankkapitalismus“ und gegen Ausbeutung. Dabei sollten allerdings die traditionellen Werte beibehalten werden, vor allem der Begriff der Nation als einigende Klammer.

Solche faschistischen Bewegungen machten sich in zahlreichen Ländern Europas breit. Ihre volle Wirkung jedoch entfaltete sie zunächst in Italien, obwohl gerade in Frankreich eine starke und erfolgreiche faschistische Bewegung schon vor dem Ersten Weltkrieg entstand. Das Buch nennt zwar diese Differenzen und deutet auch auf Gründe. Es sind also nicht einfach nur Begriffe wie Nation und das ideologische Unterfutter, sondern erst die politischen Umstände und Kontexte lenken Geschichte in die eine oder eben in die andere Richtung. Solche Darstellung der Interdependenzen und auch der analytische Blick, was sozialistische und faschistische Bewegungen vor allem trennt, fehlen in diesem Buch leider. Die Fokussierung auf Gemeinsamkeiten erscheint stellenweise einer Blickverengung geschuldet.

Die Frage, wie ausgeprägt und stark solcher Wechsel von der linken Seite auf die rechte tatsächlich ausfiel, müßte man zudem anhand von Quellen zeigen, um genaue Zahlen zu bekommen. Waren es einige aus den linken Bewegungen, die die Seiten wechselten, oder war es doch eine Vielzahl an Menschen? Und was setzte linke Theorie dem entgegen? Diese Aspekte fehlen im Buch und insofern geht Sternhells Buch über eine Einführung in die Materie hinaus, er liefert Interpretationen, und ich bin mir nach Abschluß der Lektüre nicht sicher, ob man nicht, um diese These Sternhells in ihrem Sachgehalt zu beurteilen, doch auch einen anderen Blick auf die Frage nach der Entstehung des Faschismus benötigte.

Ein weiterer Mangel des Buches liegt darin, daß Sternhell unidirektional ästhetisches und politisches Denken koppelt. Sei es bei seiner Lektüre des rechtsnationalen französischen Schriftstellers Drieu La Rochelle, in dessen Literatur sich teils heftiger Antisemitismus findet, oder wenn ästhetische Positionen wie der Italienische Futurismus und insbesondere die Thesen Marinettis unmittelbar mit dem Brutalismus der Faschisten, die gerne den neuen Barbaren gegen die verkrustete Zivilisation einsetzen, verbunden werden. Selbst dort, wo Marinetti 1909 in seinem Manifest die „Zerstörung der Museen, Bibliotheken und Akademien“ fordert, verkürzt und verkennt solcher Zusammenschluß nicht nur den Eigensinn des Ästhetischen, sondern greift auch in der Analyse ökonomischer und politischer Mechanismen zu kurz. Der Ästhetisierung des Politischen, wie ihn nicht nur Künstler, sondern auch die faschistische Politik gerne und bis heute hin betreibt, liegt ein politischer Akt zugrunde, kein ästhetischer. Selbst da nicht, wo Künstler wie Marinetti dies aus Gründen der Selbsterhöhung gerne annehmen. Die Ansätze, die Benjamin in seinem Kunstwerkaufsatz liefert und die im Blick auf eine politische Ästhetik wiederum zu korrigieren wären, bilden hier ein spannendes Interludens, um das Theoriefeld Masse, Macht, Ästhetisierung, Politik und die ästhetische Verheißung, die in solchen Verkoppelungen liegt, im Detail zu analysieren.

Instruktiv scheinen mir Sternhells Ausführungen an dem Punkt, wo er den Faschismus im Sinne eines Kults als neue Religion deutet, die ein „Produkt der Veränderung der Politikgestaltung [war], die gegen Ende des 19. Jahrhunderts stattgefunden hatte.“ Jene Beschreibung der „faschistischen Liturgie“ als „romantische und mystische Konzeption des Lebens“ ruht freilich, so Sternhell, im Politischen und ist Produkt einer neuen Massengesellschaft – wobei man sich an dieser Stelle und weil Faschismus fälschlicherweise immer einmal wieder mit dem vermeintlichen Irrationalismus der Romantik verbunden wird, einige Erläuterungen zu den Begrifflichkeiten gewünscht hätte.

Wichtig ist ebenso Sternhells Verweis auf das spezifisch Moderne der Bewegung, selbst da, wo sie regressive Elemente enthält und trotz aller Naturidylle und trotz Blut-und Boden-Ideologie. Die unterschiedlichen faschistischen Bewegungen Europas setzten auf die Entfaltung von Industrie und die Möglichkeiten neuester Technik, und sie setzte auf die Jugend.

Sternhell spricht zudem vom ganzheitlichen, mithin dem totalitären Charakter dieser Bewegung, etwa in der Annahme, daß die nationale Gemeinschaft einen Körper schafft, in dem das Proletariat integraler Teil einer Nation sein würde. Sternhell nennt hier den Charakter der Massenbewegung, insofern durch die Instinkte und Emotionen der Massen das analytische abwägende Vorgehen des Verstandes, das also, was man als die kalte Rationalität kritisierte, gebrochen wurde. Für den Faschisten sind die Emotionen dem Verstand überlegen, und das hat eminenten Einfluß auf die politische Propaganda: Gefühle sind leicht zu triggern und zu mobilisieren. Damit beschreibt Sternhell die neuen Herrschaftstechniken einer modernen politischen Bewegung, die einerseits Egalität beansprucht, diese aber andererseits an eine gemeinsame nationale Identität bindet – die rassischen Aspekte dieser Bewegung – wie sie bei den französischen Faschisten durchaus eine Rolle spielten, man denke eben an die Dreyfus-Affäre – streift Sternhell nur bzw. er konstatiert, daß sie für den italienischen Faschismus eine geringe Rolle spielten.

„Hinter dem Faschismus stand die Sehnsucht, dem Leben einen neuen Sinn zu verleihen. Deshalb nahm der Faschismus, wenn man ihn gründlich betrachtet, den Charakter einer neuen Religion an, die vollständig mit einer eigenen Mystik ausgestattet war und die bestehende Welt insgesamt ablehnte.“

Solche Sätze stehen allerdings thesenartig im Raum und man hätte sich für die inhaltliche Ausarbeitung doch den einen oder anderen Hinweis aus der Sozialgeschichte und den Gang in die Archive gewünscht, um das zu verifizieren. Als These mag das klangvoll sein, aber mangels Belegen überzeugt es nicht. Leider finden sich in diesem Buch immer wieder Beispiele für solche behauptenden Sätze.

Vorsicht ist auch im Hinblick auf die diagnostische Kraft des Buches geboten, wie manche Interpreten dies gerne sähen, auch die Autoren des Nachwortes. Sternhells Essay aktualisiert nicht auf die Gegenwart hin und ebenso wie Adornos Vortrag über rechtes Denken lassen sich zahlreiche Aspekte nicht umstandslos aufs Jetzt übertragen – was Sternhell allerdings auch nicht behauptet. Die Krisen der Gegenwart, wie etwa die Globalisierung, die Konkurrenz zwischen den USA und China, eine multipolare Welt mit Ländern, die Atomwaffen besitzen, sind andere und stellen die Politik vor neue Herausforderungen. Selbst da, wo rechte Nationalisten heute, wie schon die Rechtsnationalen in ganz Europa zu Zeiten der Wirtschaftskrise von 1929, sich für eine nationale Abschottung der Wirtschaft aussprachen, sind die globalen und nationalen Bedingungen andere als damals – allein über die mediale Vernetzung.

Und auch Analogiebildungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit geraten schief. Sie zwängen Unterschiedliches in ein Muster. Wenn damals wie heute in einem faschistischen oder autoritären Staat politische Parteien keine Rolle mehr spielen sollen, sondern das Eingebundensein des Einzelnen in die Gemeinschaft zentral wird, dann mögen sich die Ideen gleichen. Doch ähnliche Ideen unter verschiedenen Voraussetzungen können unterschiedliche Effekte zeitigen. Dies fängt bereits bei den deutlich pluraleren Lebensformen an, die heute herrschen und die den Protest sozialer Bewegungen gegen solche Tendenzen befruchten – gerade die Ereignisse in Thüringen um die Wahl des Ministerpräsidenten zeigten, wie schnell sich der Widerstand im Bereich der Medien, aber auch als Straßenprotest organisieren ließ. Mit solchen Analogien übersieht man das Spezifische der Gegenwart und verfehlt es. Sternhell liefert insofern kein Vademecum – schon gar nicht, wie mit Faschismus heute umzugehen sei –, sondern er zeigt, wie es war und wie es wurde und er liefert auf rund 120 Seiten eine überblickshafte Skizze, die freilich in vielen Aspekten fragwürdig bleibt. Als Einführung in den Faschismus halte ich diesen Text für wenig geeignet. Als Perspektivierung auf ein Problem und seine geschichtliche Freilegung bleibt das Buch lesenswert.

Den Teil des Nachworts von Kristine Listau und Jörg Sundermeier, wo es um den politischen Gegenwartsbezug geht, kann man sich bei der Lektüre allerdings sparen. Es ist in seiner Vergröberung entbehrlich: ein Statement etwa, daß es inzwischen auch bei der Linken wieder Gruppierungen gäbe, die Begriffe wie Heimat, Volk und Nation affirmativ aufgreifen wollen, um diese Begriffe den Rechten wegzunehmen, zielt in lauer Polemik am Problem vorbei und ist in dieser simplifizierenden Allgemeinheit schlicht falsch. Als ob sich Faschismus einfach in Begriffen wie Heimat oder Nation, die nebenbei etwas völlig verschiedenes sind, erschöpfte. Und daß Menschen angesichts der politischen Lage ihre Lesekreise an Universitäten verlassen und sich nicht nur an irgendwelchen linken Identitätspolitiken ausrichten, ist nicht Querfront, sondern angesichts ökonomischer Schieflagen sogar geboten. Gerade solche Sätze machen deutlich, daß das Problem des Faschismus nicht im Ansatz begriffen wurde – trotz dieses Buches.

Zeev Sternhell: Faschistische Ideologie. Eine Einführung, Verbrecher Verlag 2019,136 Seiten, 15,00 EUR, ISBN 9783957323125

 

Die dunkle Seite Europas – Zeev Sternhell „Faschistische Ideologie“

Im Spannungsfeld der politischen Lage, im Blick auf die AfD und nach den Ereignissen in Thüringen Anfang Februar kann es ratsam sein, sich auf einen Begriff zu besinnen, der im Zusammenhang mit Björn Höcke und der AfD immer wieder fällt: Faschist nämlich. Aber was ist Faschismus? Diesen Begriff als Spielmarke einzusetzen, ist insofern ein Problem, weil man durch solchen ubiquitären Einsatz das Spezifische und damit auch das, was am Faschismus gefährlich ist, verwässert. Zum Glück gibt es Bücher, die Wissen intensivieren.

Zeev Sternhells Buch Faschistische Ideologie will in diesem Sinne einen Überblick verschaffen, im Untertitel nennt sich das Buch Einführung. Gleich im ersten Satz betont Sternhell, daß sich das Wort Faschismus zwar seit Jahrzehnten im politischen Diskurs großer Beliebtheit erfreut, jedoch bleibt der Begriff zugleich verschwommen und unpräzise. Allerdings bereits beim zweiten Satz des Buches schüttelt der Rezensent den Kopf:

„Tatsächlich scheint es so zu sein, als ob die Erforschung des Faschismus noch in den Kinderschuhen stecke, und daß es wenige Wissenschaftler gebe, die sich umfassend um ein tiefgreifendes Verständnis dieses Phänomens bemühen.“

Nun handelt es sich bei diesem neu aufgelegten Text Sternhells zwar um einen Essay aus dem Jahr 1976, der uns hier in einer vom Autor überarbeiteten Fassung vorliegt aber diese Aussage ist so nicht haltbar: nicht nur im Hinblick auf die Gegenwart – hier zumindest hätte eine erläuternde Fußnote gutgetan –, sondern ebenso mit Blick aufs Jahr 1976 existiert eine schier unüberschaubare Zahl an Forschung, die Bibliotheken füllt. Insofern trügt dieser Schein. Gerade in den 1970er Jahren boomten die Texte zur Faschismusdiskussion. Wer sich zur Literatur dieser Jahre einen Überblick verschaffen will, lese Ian Kershaws Buch Der NS-Staat, darin auch die Debatten der 1960er Jahre erwähnt und mit zahlreichen Literaturangaben referenziert sind. Und wer eine detaillierte Sicht auf das Entstehen des Faschismus lesen will, greife zu Ernst Noltes Der Faschismus in seiner Epoche. Action française · Italienischer Faschismus · Nationalsozialismus.

Sternhell nun zeigt die Ursprünge faschistischer Bewegungen und ihrer Politik im ausgehenden 19. Jahrhundert, insbesondere in Frankreich und Italien. Zentral für den Faschismus ist für Sternhell dessen Auseinandersetzungen mit den ebenfalls aufstrebenden sozialistischen Bewegungen, nämlich die soziale in eine nationale Frage zu überführen, um einerseits die antibürgerliche, antiliberale Haltung der sozialistischen Arbeiter ins eigene Lager zu lenken und andererseits eine Politik gegen sozialistische und marxistische Ideen zu etablieren.

Für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg schreibt Sternhell im Blick auf Italien:

„Anstelle einer Klasse war es nunmehr die Nation, die den Lauf der Geschichte als Vertreterin von Fortschritt und Zivilisation bestimmte. Und genau dies war der Paradigmenwechsel, der den Übergang von links nach rechts so einfach machte, denn an jedem anderen Punkt hatten sich die extreme Linke, die sich aus Syndikalisten und revolutionären Sozialisten zusammensetzte, und die Radikalen und Nationalisten der Neuen Rechten bereits getroffen und Übereinstimmungen festgestellt.“

Diese geschichtlich verorteten Überlegungen zeigen vor allem, daß der Faschismus etwas ist, was nicht aus heiterem Himmel über die Menschen kam, sondern Faschismus entwickelte sich in geschichtlichen Prozessen und im Wandel sowie im Kampf der Ideologien des ausgehenden 19. Jahrhundert in Theorie und Praxis.

„Zu jener Zeit, da die alte Welt im August 1914 zusammenbrach, hatte die faschistische Ideologie schon eine lange Geschichte hinter sich, die bis ins Jahr 1880 zurückreichte.“

Das Verschwinden jener „Welt von gestern“ und die Wirrungen nach dem Ersten Weltkrieg setzten in Italien und später auch in Deutschland etwas frei, was in unterschiedlichen Ansätzen schon lange vorbereitet dalag. Es mußte, von der Ebene der Theorie ausgehend, nur noch praktisch werden. Die Mechanismen der Umsetzung allerdings, wie Theorie zur Praxis gelangte, bleiben bei Sternhell leider schematisch und beschränken sich eher auf allgemeine Thesen statt daß hier geschichtliche Forschung und Quellen bemüht würden. Dadurch entsteht in einem Text, der als Einführung konzipiert ist, stellenweise ein verengter Blick. Und es gehört zu einer Einführung dazu, unterschiedliche Positionen der Forschung darzustellen. Sternhell jedoch fährt seine eigenen Thesen aus, und in diesem Sinne führt der Untertitel des Buches auf eine falsche Spur.

Eine weitere Vorentscheidung Sternhell liegt darin, den Nationalsozialismus auszusparen. Der Nazismus „kann nicht als eine bloße Variante des Faschismus behandelt werden: seine Betonung des biologischen Determinismus schließt alle Bemühungen aus, ihn als solche zu betrachten.“ Diese Begründung ist zwar zirkulär, aber Sternhell scheint hier aufgrund der komplizierten Frage und „der spezifischen Charakteristika des Nazismus“ eher um eine Art Singularitätsthese zu gehen, die dem Spezifischen, eben dem Aspekt der brutalen Eliminierung Raum geben will. Aspekte also, die über die faschistische Ideologie hinausweisen.

Zentraler Punkt seines Buches ist das Verhältnis von linken und rechten Kräften in den unterschiedlichen Gesellschaften im Europa des späten 19. Jahrhunderts. Wieweit das, was heute unter dem Namen Hufeisentheorie verbreitet ist und in der Kritik steht, nämlich das Parallellaufen rechten und linken Extremismus, auch zum ausgehenden 19. Jahrhundert schon verbreitet war, zeigt Sternhell am Beispiel der Dreyfus-Affäre und anhand des französischen Sozialphilosophen Georges Sorel. Linke Syndikalisten, rechte Nationalisten und Teile der Sozialisten, die anfangs noch für Dreyfus einstanden, aber abrückten, als sie bemerkten, daß dieses Eintreten für die Republik nur weiter die „Vorherrschaft der Bourgeoisie“ sicherte, schritten bald Seit an Seit gegen die Französische Republik. Die extreme Linke der europäischen Sozialisten, so Sternhell, hielt es für besser, dem Proletariat die Verachtung gegenüber bürgerlichen und liberalen Werten einzuimpfen und jene bürgerlichen Tugenden ebenso abzulehnen wie deren Gesetze. Es ging, so Sternhell, beiden Seiten um die „reinigenden Prozesse des sozialen Kampfes. In den Schriften von George Sorel entdeckten die Syndikalisten außerdem einen reichen Schatz anti-intellektueller und irrationaler Argumente.“

Sorel kam von den Sozialisten, und er experimentierte mit politischen Haltungen. Er war ein vehementer Gegner der liberalen Demokratie des 19. Jahrhunderts. In dieser Ablehnung der demokratischen Idee fanden die rechten Nationalisten der Action Francaise und revolutionäre Syndikalisten eine gemeinsame Basis. Demokratie, darin stimmten sie überein, sei der „größte Fehler des letzten Jahrhunderts“. Diesen galt es zu bekämpfen. Ähnliches spielte sich in Italien ab, wie Sternhell an Sergio Pannunzio, einem Theoretiker des Syndikalismus, zeigt. Sein Schaffen „krönte“ 1934 die Teoria Generale Dello Stato Fascista. Pannunzio verband nationale Themen Italiens mit Überlegungen, die er von Sorel übernahm. Zentral für alle faschistischen Bewegungen ist die Ablehnung des liberalen, demokratischen Staates und dessen Transformation in einen totalitären Staat, der keine Parteien und keine Individuen mehr kennt, sondern alle Bereiche des Daseins als nationale Gemeinschaft zu umfassen bestrebt ist.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Faschismus bestand darin die Idee des Klassenkampfes umzupolen in einen Kampf der Arbeiter aller Klassen – also vom Kleinbürger, über die Mittelschicht, dem Arbeiter bis zum Bauern – gegen den „Bankkapitalismus“ und gegen Ausbeutung. Dabei sollten allerdings die traditionellen Werte beibehalten werden, vor allem der Begriff der Nation als einigende Klammer.

Solche faschistischen Bewegungen machten sich in zahlreichen Ländern Europas breit. Ihre volle Wirkung jedoch entfaltete sie zunächst in Italien, obwohl gerade in Frankreich eine starke und erfolgreiche faschistische Bewegung schon vor dem Ersten Weltkrieg entstand. Das Buch nennt zwar diese Differenzen und deutet auch auf Gründe. Es sind also nicht einfach nur Begriffe wie Nation und das ideologische Unterfutter, sondern erst die politischen Umstände und Kontexte lenken Geschichte in die eine oder eben in die andere Richtung. Solche Darstellung der Interdependenzen und auch der analytische Blick, was sozialistische und faschistische Bewegungen vor allem trennt, fehlen in diesem Buch leider. Die Fokussierung auf Gemeinsamkeiten erscheint stellenweise einer Blickverengung geschuldet.

Die Frage, wie ausgeprägt und stark solcher Wechsel von der linken Seite auf die rechte tatsächlich ausfiel, müßte man zudem anhand von Quellen zeigen, um genaue Zahlen zu bekommen. Waren es einige aus den linken Bewegungen, die die Seiten wechselten, oder war es doch eine Vielzahl an Menschen? Und was setzte linke Theorie dem entgegen? Diese Aspekte fehlen im Buch und insofern geht Sternhells Buch über eine Einführung in die Materie hinaus, er liefert Interpretationen, und ich bin mir nach Abschluß der Lektüre nicht sicher, ob man nicht, um diese These Sternhells in ihrem Sachgehalt zu beurteilen, doch auch einen anderen Blick auf die Frage nach der Entstehung des Faschismus benötigte.

Ein weiterer Mangel des Buches liegt darin, daß Sternhell unidirektional ästhetisches und politisches Denken koppelt. Sei es bei seiner Lektüre des rechtsnationalen französischen Schriftstellers Drieu La Rochelle, in dessen Literatur sich teils heftiger Antisemitismus findet, oder wenn ästhetische Positionen wie der Italienische Futurismus und insbesondere die Thesen Marinettis unmittelbar mit dem Brutalismus der Faschisten, die gerne den neuen Barbaren gegen die verkrustete Zivilisation einsetzen, verbunden werden. Selbst dort, wo Marinetti 1909 in seinem Manifest die „Zerstörung der Museen, Bibliotheken und Akademien“ fordert, verkürzt und verkennt solcher Zusammenschluß nicht nur den Eigensinn des Ästhetischen, sondern greift auch in der Analyse ökonomischer und politischer Mechanismen zu kurz. Der Ästhetisierung des Politischen, wie ihn nicht nur Künstler, sondern auch die faschistische Politik gerne und bis heute hin betreibt, liegt ein politischer Akt zugrunde, kein ästhetischer. Selbst da nicht, wo Künstler wie Marinetti dies aus Gründen der Selbsterhöhung gerne annehmen. Die Ansätze, die Benjamin in seinem Kunstwerkaufsatz liefert und die im Blick auf eine politische Ästhetik wiederum zu korrigieren wären, bilden hier ein spannendes Interludens, um das Theoriefeld Masse, Macht, Ästhetisierung, Politik und die ästhetische Verheißung, die in solchen Verkoppelungen liegt, im Detail zu analysieren.

Instruktiv scheinen mir Sternhells Ausführungen an dem Punkt, wo er den Faschismus im Sinne eines Kults als neue Religion deutet, die ein „Produkt der Veränderung der Politikgestaltung [war], die gegen Ende des 19. Jahrhunderts stattgefunden hatte.“ Jene Beschreibung der „faschistischen Liturgie“ als „romantische und mystische Konzeption des Lebens“ ruht freilich, so Sternhell, im Politischen und ist Produkt einer neuen Massengesellschaft – wobei man sich an dieser Stelle und weil Faschismus fälschlicherweise immer einmal wieder mit dem vermeintlichen Irrationalismus der Romantik verbunden wird, einige Erläuterungen zu den Begrifflichkeiten gewünscht hätte.

Wichtig ist ebenso Sternhells Verweis auf das spezifisch Moderne der Bewegung, selbst da, wo sie regressive Elemente enthält und trotz aller Naturidylle und trotz Blut-und Boden-Ideologie. Die unterschiedlichen faschistischen Bewegungen Europas setzten auf die Entfaltung von Industrie und die Möglichkeiten neuester Technik, und sie setzte auf die Jugend.

Sternhell spricht zudem vom ganzheitlichen, mithin dem totalitären Charakter dieser Bewegung, etwa in der Annahme, daß die nationale Gemeinschaft einen Körper schafft, in dem das Proletariat integraler Teil einer Nation sein würde. Sternhell nennt hier den Charakter der Massenbewegung, insofern durch die Instinkte und Emotionen der Massen das analytische abwägende Vorgehen des Verstandes, das also, was man als die kalte Rationalität kritisierte, gebrochen wurde. Für den Faschisten sind die Emotionen dem Verstand überlegen, und das hat eminenten Einfluß auf die politische Propaganda: Gefühle sind leicht zu triggern und zu mobilisieren. Damit beschreibt Sternhell die neuen Herrschaftstechniken einer modernen politischen Bewegung, die einerseits Egalität beansprucht, diese aber andererseits an eine gemeinsame nationale Identität bindet – die rassischen Aspekte dieser Bewegung – wie sie bei den französischen Faschisten durchaus eine Rolle spielten, man denke eben an die Dreyfus-Affäre – streift Sternhell nur bzw. er konstatiert, daß sie für den italienischen Faschismus eine geringe Rolle spielten.

„Hinter dem Faschismus stand die Sehnsucht, dem Leben einen neuen Sinn zu verleihen. Deshalb nahm der Faschismus, wenn man ihn gründlich betrachtet, den Charakter einer neuen Religion an, die vollständig mit einer eigenen Mystik ausgestattet war und die bestehende Welt insgesamt ablehnte.“

Solche Sätze stehen allerdings thesenartig im Raum und man hätte sich für die inhaltliche Ausarbeitung doch den einen oder anderen Hinweis aus der Sozialgeschichte und den Gang in die Archive gewünscht, um das zu verifizieren. Als These mag das klangvoll sein, aber mangels Belegen überzeugt es nicht. Leider finden sich in diesem Buch immer wieder Beispiele für solche behauptenden Sätze.

Vorsicht ist auch im Hinblick auf die diagnostische Kraft des Buches geboten, wie manche Interpreten dies gerne sähen, auch die Autoren des Nachwortes. Sternhells Essay aktualisiert nicht auf die Gegenwart hin und ebenso wie Adornos Vortrag über rechtes Denken lassen sich zahlreiche Aspekte nicht umstandslos aufs Jetzt übertragen – was Sternhell allerdings auch nicht behauptet. Die Krisen der Gegenwart, wie etwa die Globalisierung, die Konkurrenz zwischen den USA und China, eine multipolare Welt mit Ländern, die Atomwaffen besitzen, sind andere und stellen die Politik vor neue Herausforderungen. Selbst da, wo rechte Nationalisten heute, wie schon die Rechtsnationalen in ganz Europa zu Zeiten der Wirtschaftskrise von 1929, sich für eine nationale Abschottung der Wirtschaft aussprachen, sind die globalen und nationalen Bedingungen andere als damals – allein über die mediale Vernetzung.

Und auch Analogiebildungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit geraten schief. Sie zwängen Unterschiedliches in ein Muster. Wenn damals wie heute in einem faschistischen oder autoritären Staat politische Parteien keine Rolle mehr spielen sollen, sondern das Eingebundensein des Einzelnen in die Gemeinschaft zentral wird, dann mögen sich die Ideen gleichen. Doch ähnliche Ideen unter verschiedenen Voraussetzungen können unterschiedliche Effekte zeitigen. Dies fängt bereits bei den deutlich pluraleren Lebensformen an, die heute herrschen und die den Protest sozialer Bewegungen gegen solche Tendenzen befruchten – gerade die Ereignisse in Thüringen um die Wahl des Ministerpräsidenten zeigten, wie schnell sich der Widerstand im Bereich der Medien, aber auch als Straßenprotest organisieren ließ. Mit solchen Analogien übersieht man das Spezifische der Gegenwart und verfehlt es. Sternhell liefert insofern kein Vademecum – schon gar nicht, wie mit Faschismus heute umzugehen sei –, sondern er zeigt, wie es war und wie es wurde und er liefert auf rund 120 Seiten eine überblickshafte Skizze, die freilich in vielen Aspekten fragwürdig bleibt. Als Einführung in den Faschismus halte ich diesen Text für wenig geeignet. Als Perspektivierung auf ein Problem und seine geschichtliche Freilegung bleibt das Buch lesenswert.

Den Teil des Nachworts von Kristine Listau und Jörg Sundermeier, wo es um den politischen Gegenwartsbezug geht, kann man sich bei der Lektüre allerdings sparen. Es ist in seiner Vergröberung entbehrlich: ein Statement etwa, daß es inzwischen auch bei der Linken wieder Gruppierungen gäbe, die Begriffe wie Heimat, Volk und Nation affirmativ aufgreifen wollen, um diese Begriffe den Rechten wegzunehmen, zielt in lauer Polemik am Problem vorbei und ist in dieser simplifizierenden Allgemeinheit schlicht falsch. Als ob sich Faschismus einfach in Begriffen wie Heimat oder Nation, die nebenbei etwas völlig verschiedenes sind, erschöpfte. Und daß Menschen angesichts der politischen Lage ihre Lesekreise an Universitäten verlassen und sich nicht nur an irgendwelchen linken Identitätspolitiken ausrichten, ist nicht Querfront, sondern angesichts ökonomischer Schieflagen sogar geboten. Gerade solche Sätze machen deutlich, daß das Problem des Faschismus nicht im Ansatz begriffen wurde – trotz dieses Buches.

Zeev Sternhell: Faschistische Ideologie. Eine Einführung, Verbrecher Verlag 2019,136 Seiten, 15,00 EUR, ISBN 9783957323125