„Die letzte Schlacht gewinnen wir“

Aber nicht mit Gender-Gap, Profx, mit gesinnungsschnüffelndem Antirassismus, der nach Mohrenlampen fahndet, um sich dann medial gekonnt selber zu inszenieren, nicht mit den Nebenschauplätzen, auf denen sich ein großer Teil dessen, was sich links nennt, tummelt und sich selber entweder im Zerknirschungsdiskurs oder in der Gesinnungsüberprüfung zerfleischt. Nicht dadurch, indem man jeder kritischen Stimme, die einem nicht in den Kram paßt, die Nazikeule reinsemmelt, nicht dadurch, daß man Diskussion und Meinungsfreiheit abwürgt und im Schröderschen Basta ruft: homophob, Nazi usw., damit man bequem den anderen mit einer Identitätsmarke versehen kann. (Ein Reflex nebenbei, den man natürlich regelmäßig bei der andern Seite kritisiert.) In solchen Reaktionen und Zuschreibungen zeigt sich wieder einmal gut der deutsche Kleingeistmichel, der es über einen dualen Schematismus nicht hinausbringt. Wer tatsächlich meint, daß es sinnvoll sei, einem Leipziger Soziologen das Wort abzuschneiden, der sich forschend dem Phänomen „Pegida“ nähert, indem er diese Menschen als Sozialwissenschaftler befragt, der hat eigentlich nicht viel begriffen. Die letzte Schlacht werdet Ihr auf diese Weise ganz sicher nicht gewinnen. Da könnt Ihr als Relikt noch so viel „Ton Steine Scherben“ hören. Und Eure Kreuzberger, Dresdener Neustadt und Schanzenviertel-Blasenwelten tragen ihr übriges bei.

Einen schönen Text mit dem Titel „Gewissensprüfung“ brachte Don Alphonso auf seinem Blog „Rebellen ohne Markt“. Und zwar geht es da um die sehr simple Frage: „Bin ich noch links?“ Die müssen sich heute viele Stellen lassen, die nicht bereit sind, sich dem schlichten Dualismus zu beugen und die es vorziehen, selber sich Gedanken zu machen, Ideen zu entwickeln, anstatt Slogans nachzuplappern, die man mit 20 oder 25 noch entschuldigen kann, die aber für Menschen so ab Ü 30 nicht mehr angemessen mir scheinen. Manche jedoch haben ihre regressive Phase niemals überwunden. Es ist die in der Tat komplexe Lebenswelt zwar einfacher zu handhaben, wenn man sie einteilt: die mit der richtigen und korrekten Gesinnung und die anderen mit der falschen. Es schadet jedoch der Analyse von Phänomenen und der denkenden Betrachtung. Bei jener Frage, was denn noch links sei, erteilt der Don einige sehr interessante und teils unkonventionelle Antworten. Lesenswert.

Zu Migration/Integration schreibt Don Alphonso:

„Ich bin für praktikable Lösungen, die allen Seiten gerecht werden und wenigstens von einer qualifizierten Minderheit in Deutschland auch getragen werden, die dann aber auch für die Integration Verantwortung übernimmt, und nicht nur nach dem Fest der Kulturen in die Hecke kotzt. Und für eine ehrliche Debatte über das Asylrecht, bevor es Mehrheiten gibt, die mit Grundgesetzänderungen heran gehen.“

So ist es. Allerdings bin ich kein Vegetarier, und ich halte ebenso wenig vom Tempolimit. Was das entspannte Fahren betrifft, stimmen die Einschätzungen Don Alphonsos allerdings, was ich auf französischen Autobahnen gut beobachten konnte. Ein insgesamt lesenswerter Text von Don Alphonso.
 
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Zu melden bleibt weiterhin, und dies stimmt mich in der Tat traurig, daß der Chansonnier, Sänger, Liedermacher und Anti-AKW-Aktivist Walter Mossmann am 29.5. in Freiburg im Breisgau starb. Es ist dies zwar nicht unbedingt meine Musik gewesen, aber diese Linken damals, die schissen sich nicht ins Hemd wie ein Großteil der heutigen – von den schwachmatischen Netzfeministinnen bis hin zu den Rassismusschnüfflern. Sie waren radikal. Mossmann wirkte im Kampf und er prägte den Kampf gegen die Atom-Mafia in der BRD der 70er und 80er Jahre. Nun fliegt der Lebensvogel für Mossmann nicht mehr.