Once Upon a Time in the West and Forty Years ago: Kurz vor Ende des Vietnamkriegs – Die Macht und das Leben der Bilder (4)

„Um aber den Kommunisten zum Wohl des Saigoner Regimes weitere Konzessionen abzutrotzen, versuchten die USA mit Operation Linebacker II Hanoi unter Druck zu setzen. Die elf Tage andauernden so genannten „Weihnachtsbombardements“ von 1972, bestehend aus 739 Angriffen mit Boeing B-52-Bombern und etwa 1.200 Angriffen mit Kampfflugzeugen auf die Städte Haiphong und Hanoi, töteten 2.000 Zivilisten und fügten dem Ansehen der USA weiteren Schaden zu. 15 B-52-Bomber und 10 Kampfflugzeuge wurden von den Nordvietnamesen unter anderem mit sowjetischen Flugabwehrraketen vom Typ SA-2 Guideline abgeschossen.

Letztlich wurden dadurch bei den Friedensverhandlungen lediglich Einzelheiten im Vertragstext geändert, während Thiệu sich allein auf die brieflichen Zusagen Nixons verließ.

Am 27. Januar 1973 wurde in Paris das Friedensabkommen von allen beteiligten Parteien unterzeichnet. Am 29. März verließen offiziell die letzten US-Soldaten das Land. Kissinger äußerte die Einschätzung, dass das Saigoner Regime noch ‚anderthalb Jahre‘ existieren würde.“ (Quelle: Wikipedia)

Was mich an diesem Video fasziniert, sind die Photographien. Ich hätte sie ebenfalls gerne gemacht. Photographen arbeiteten in den 60er und 70er Jahren noch nicht als „Embedded Journalists“, sondern konnten sich relativ frei bewegen. Man mußte lediglich einen gewissen Schneid haben sowie diese Mischung aus Umsicht, Wagnis, Gespür für die richtige Situation, wann auszulösen sei, Intuition und Instinkt für den Moment. Der große Magnum-Photograph Robert Capa fand 1954 in Vietnam den Tod. Er trat auf eine Mine. Shit happens. Die Photographien und Bilder, die aus Vietnam von verschiedenen Photographen mitgebracht wurden, so von dem großartigen Donald McCullin, veränderten im Rahmen der medialen Inszenierungen das Bild vom gerechten und sinnvollen Krieg gegen die commies sehr schnell. „Kill a commie for mommy“ war von dem Punk-Rocker Johnny Ramone durchaus ernst gemeint – denn Johnny war anders als der intellektuelle Joey ein Reaktionär –, und die Mehrheit der US-Amerikaner dachte ebenso.

Dennoch: die Macht und das Leben der Bilder ändern Bewußtsein und Wahrnehmung. An der Heimatfront ist ein Krieg nicht zu gewinnen, wenn Zeitungen und Fernsehen den Familien die Särge präsentieren und brennende Kinder, vernichtete Dörfer, getötete Soldaten gezeigt werden. Der Vietnamkrieg war in gewissem Sinne auch ein Krieg, der mit den Bildern und der Musik der Pop-Kultur zu schaffen hatte. Die GIs hörten eine Musik, die eigentlich rebellisch gemeint war, sie drehten die Rolling Stones oder Jimi Hendrix auf, und sie verhielten sich dennoch so, wie im Rahmen der Militärdiskurse Soldaten sich verhalten müssen. Das emanzipativ gemeinte Potential, was sich seit dem Monterey Pop Festival in der Musik auf einer breiten Basis entfaltete, erweist sich am Ende als regressiv. Adorno etwa kritisierte diese regressive Tendenz wie folgt:

Dieser Betrag bringt es auf den Punkt: Eine uniformierte Welt, die sich aber als kritische Gegenöffentlichkeit gerierte. Schielen nach dem Konsum sowie Warencharakter sind die entscheidenden Stichworte. Das hat auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Eine solche Haltung spricht nicht gegen denn Pop per se, sondern vielmehr gegen eine bestimmte Haltung, die aus der Banalität noch die Subversion herauslesen möchte und nicht die begrenzte Reichweite dieses Ausdrucksmediums durchschaut. In Abwandlung eines Tocotronic-Stückes dachte ich mir bereits in den jungen Jahren: „Ich möchte kein Teil einer Jugendbewegung sein!“ Bereits bei den Demos war ich der abseits stehende Photograph.

Aber die Photographien aus dem Vietnamkrieg üben zudem einen eigenwilligen ästhetischen Reiz aus. Sie faszinierten mich bereits als Kind, wenn ich durch Zufall am frühen Sonntagabend noch im Wohnzimmer mich befand, wo der Fernseher mit der Sendung „Weltspiegel“ lief, dann schaute ich begeistert den anfliegenden und abfliegenden Hubschraubern zu. Meine Eltern schickten mich meist aus dem Zimmer, weil ich Kriegsbilder nicht sehen sollte. Im Jahre 1987 kurz bevor die erste Intifada in Palästina/Israel begann, erhielt ich das Angebot für die taz nach Israel zu reisen, um zu photographieren. Ich war so dumm, das abzulehnen. Heute stünden auf meinem Blog dann Bilder aus Ägypten oder Jemen statt der ewigabgelatschten, im Grunde langweiligen Demophotographien.