Letzte Ausfahrt Veddel

Ich baue mir als Heimstätte mein (Spuk-)Schloß in jener wunderbaren Schneelandschaft, wie sie Pieter Bruegel der Ältere malte, und schaffe mir den subjektiven Innenraum – jene objektlose Innerlichkeit, die Adorno in bezug auf Kierkegaard feststellte und die die Grundvoraussetzung für die Konstruktion des Ästhetischen im Zeichen bürgerlicher Warenwirtschaft bedeutet. Das Interieur als Phantasmagorie des Bürgers im 19. Jahrhundert. Diese „Logik des Zerfalls“ bei Kierkegaard als frei flottierende Subjektivität ist zutiefst geschichtlich motiviert. Das sollte nicht unterschlagen werden, wenn es um den Aspekt des Ästhetischen geht. Nicht daß mir hier jemand mit dem puren L‘art pour l‘art käme, in dem ich mich sonnte. Es geht in diesen Rahmungen der Brüchigkeit um die Spaltung von Subjekt und Objekt sowie um die Erfahrung von Entfremdung, insbesondere in einem geschichtsphilosophischem Sinne. Aber durch eine Sprache des Schweigens hindurch sagen sich mache Dinge zugleich besser. „Indem die Reflexion beständig über die Reflexion reflektiert, war das Denken auf einen Abweg gekommen und jeder Schritt, den es vorwärts tat, führte es natürlich weiter und weiter von allem Inhalte fort“ (S. Kierkegaard, Über den Begriff der Ironie) Ich schiebe die Dinge auf. Ich stelle sie in den Raum meiner Reflexion oder eher und wie andere das sehen: in den Bereich meiner Egozentrik. Ich gebe den anderen recht. Mehr als recht. Recht geben ist eine großzügige, souveräne Geste.

Ich habe gelesen, daß Cabernet Sauvignon ein ganz klein wenig nach Chanel Nº 5 duften solle, ich liebe dieses Parfum an bestimmten Frauen. Ich kannte einstmals eine Frau, die hat sich ihre Füße zwar nicht mit Chanel Nº 5, sondern mit Egoiste von Chanel (für Männer) parfumiert, weil es ihr unangenehm war, wenn ich (aber auch andere) nach einem Bartrinkundabsturzabend hinterher ihre schwarze Strumpfhose ausziehe und es nach Käsefüßen riecht. Also kaufte ich heute einen entsprechenden Rotwein jener Rebsorte und trinke ihn in memoriam an: eine schwarze Strumpfhose, an ihren Geruch, an dunkle Untenrumbehaarung, an wilde Bar-Nächte und Fahrradnachhausefahrnächte im Mai als die Dinge noch ohne Hemmungen waren, an eine Existenz im Fragment, an unendliches Sprechen als Diskurs und unsere Derrida/Adorno/Foucault-Debatten. Lese ich morgen, daß Muskateller nach Möse riecht, kaufte ich mir womöglich den Muskateller. Ich bin da nicht wählerisch. Ich meine auch, das ist eine gute Überleitung hin zu einem genialen Stadtteil in Hamburg: Veddel. Letztes Jahr verbrachte ich einen Tag auf der Veddel. Ich habe dem ziggev vom Blog „Wortanfall“ versprochen, Bilder dieses Bezirks in meinen Blog zu packen. Zwischenzeitlich vergaß ich es, wie ich leider viele meiner Versprechen und meiner Aussagen aus den Augen verliere. Ich mache dieses Bildereinstellen peu à peu. Hier die ersten Photographien. Demnächst werde ich auch in die Wohngebiete Veddels reisen, sollte es mich wieder nach Hamburg verschlagen. Von Phototourbegleitvorschlägen bitte ich abzusehen. Ich mache so etwas alleine.

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Alle Photographien: © Bersarin 2012