Ich bin ein Bewohner Wiens. Oder Wien mit und ohne Wiener als Ortschaft, samt einer Leser:innen:preisfrage

„Zwei Richtungen geistiger Unkultur: die Wehrlosigkeit vor dem Stoff und die Wehrlosigkeit vor der Form. Die eine erlebt in der Kunst nur das Stoffliche. Sie ist deutscher Herkunft. Die andere erlebt schon im Stofflichen das Künstlerische. Sie ist romanischer Herkunft. Der einen ist die Kunst ein Instrument; der anderen ist das Leben ein Ornament.“ (Karl Kraus, Heine und die Folgen)

Diese zwei grundsätzlichen Bestimmungen greifen noch heute. Wir könnten es sowohl in der Literatur wie auch in der Kritik derselben gut beobachten. Morgen reise ich für fünf Tage in jene Stadt, in der Karl Kraus scharfzüngig schrieb, wirkte und über die Dummheiten nicht nur spottete, sondern sie sezierte und vorführte. Ich werde auf dieses feine Zitat bei Gelegenheit demnächst zurückkommen.

Eine jede Stadt, in die wir reisen und in der wir vorher niemals waren, ist zunächst einmal ein für uns fiktiver und ein imaginierter Ort: Denn wir machen uns vorab, bevor wir überhaupt angekommen sind, bereits unsere Bilder von dieser Stadt – im Grunde ein Nicht-Ort, der seinen Ort einzig im Imaginären besitzt. Und nicht nur das, nicht nur die Eigenproduktion, die Phantasien oder Phantasmen, wenn wir an den Klang des Städtenamens oder an  den von bestimmten Straßen und Plätzen  unsere Verheißungen binden. Wir hören und hegen diese oder jene Meinung, übernehmen bestimmte Klischees und kulturelle Codes, wiederholen sie, pflegen, dekonstruieren oder widerlegen sie in unserem Denken. Alles ist und alles bleibt immer vorläufig. Aber selbst die ersten Sinneseindrücke – wenn wir eine uns zunächst fremde Stadt betreten, wenn wir den Bahnhof verlassen, wie damals in Roma Termini oder in Paris am Gare du Nord, wenn wir vom Flughafen mit der Taxe in die Stadt uns kutschieren lassen wie in Varna und Lissabon oder eben, wie in Wien mit der bequemen CAT-Bahn einreisen, die in Wien-Mitte hält – lassen sich revidieren oder werden in den Erinnerungen umgebogen zu anderem, sofern sie lange genug zurückliegen, polen sich anders als die ursprüngliche Wahrnehmung dieses ersten Mals. Auge und Geist divergieren, weichen voneinander ab.

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Ich werde, wie Thomas Bernhard, Peter Altenberg, Karl Kraus, Leo Perutz, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Polgar oder Anton Kuh in einem dieser Cafés granteln und die mich umgebende Welt sowie das servierte Gebäck betrachten, die Kunst des Menschenbezichtigens verfeinern. Thomas Bernhard nannte in „Wittgensteins Neffe“ – oder war es doch „Der Untergeher“? – die in einem Café ideale Sitzposition, wo man zwar sehr gut betrachten, bewerten, beurteilen und bezichtigen kann, ohne aber selber weiter groß aufzufallen. (Dem Photographen ist dieser Standpunkt nicht ganz fremd, dem Voyeur ebensowenig – eine der interessantesten und vernachlässigten (literarischen) Figuren nebenbei, dem ein eigener Blogeintrag zu widmen wäre.) Andererseits ist dieses Kaffeehausliteraturgeschwärme ein Schmarrn, und wir wärmen die zum einhundertsten Mal gehörten dummen und mittlerweile langweiligen, abgestorbenen Klischees der Kaffeehausliteraten immer wieder auf.

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Das Wien des Fin de Siècle, die Hauptstadt eines ganz bestimmten Geisteslebens, eben das, was wir die Wiener Moderne nennen, ist abgestorben und längst Vergangenes. Wenn eine Gestalt des Lebens alt geworden, malt die Philosophie oder in diesem Falle der morbide Essayist sein Grau-in-Grau. Wer über das Zeitphänomen nachdenkt und sich in die Epoche imaginiert, sollte zudem die spezifische Konstellation mitbedenken, unter der einzig ein solches Leben wie seinerzeit in Wien sich entfalten konnte: das des großen Habsburgerreiches mit seinen Beziehungen  und Verbindungen  nach Spanien – man denke nur an das am Wiener Hof gepflegte, strenge spanische Hofzeremoniell  oder die herrliche Hofreitschule –, die k.u.k.-Monarchie eben mit all ihren Widersprüchen und ihrer irren, schlamperten Ordnung (kurz Kakanien, wie es in Musils „Mann ohne Eigenschaften“ hieß, am Abend vor dem Ersten Weltkrieg.)

Nur in einem solchen Vielvölkerstaat mit den unterschiedlichsten Einflüssen und Prägungen konnte eine solche Moderne sich entfalten. Das Rumpfösterreich nach 1918 war dann bloß noch der Schatten seiner selbst. Der sowieso in Wien grassierende mehr oder minder latente, manchmal jedoch ebenso handgreiflich zutage tretende Antisemitismus wurde nun zu einem wüsten und manifesten Antisemitismus, und der Austrofaschismus war in diesem Staat bereits angelegt. Thomas Bernhards Schimpfen auf ein durch und durch und immer wieder und aufs heftigste faschistisches Österreich beruht auf einer Grundlage. Hellsichtig wie keiner und mit böser Zunge warnte und schrieb Karl Kraus seinerzeit gegen diese Verhältnisse an: gegen schwachbrüstige Journalisten, gegen das schablonenhafte Denken und den Sprachschluder, gegen all die Unterkomplexitäten und gegen das Verhängnis. Doch ohne Aussicht auf den Erfolg oder auf die Besserung.

„Der wahre Weltuntergang ist die Vernichtung des Geistes, der andere hängt von dem gleichgiltigen Versuch ab, ob nach Vernichtung des Geistes noch eine Welt bestehen kann.“ (Karl Kraus)

Da hier im Blog, wie ich der Länderstatistik entnehmen darf, einige Menschen aus der Ostmark, nein, das ist politisch falsch formuliert: aus Österreich mitlesen, so freute ich mich über einige schöne oder auch schreckliche Wien-Tips abseits der Reiseführer und über Hinweise, wo es lohnt, sich hinzubegeben oder gar gepflegt abzustürzen: entlegene oder ausgewählt öde Orte. Wer was weiß, möge es in den Kommentarteil eintragen und wenn er oder sie es still mir mitteilen möchten, gerne auch mit einer E-Mail. Die Adresse findet sich oben in der Rubrik Über mich selbst/Ich ist ein anderer.

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Als Valie, die Naschhafte, aber zugleich Beißwütige, im Dunkel des Pensionszimmers das Harte, Pulsierende, Fleischliche, salzig bis faulig Schmeckende erst zart über ihre Lippen streichend und dann tiefer in ihrem Mund spürte und als ihre Zähne fest und fester und dann bitter zuschlugen und sie beim Nachdem ein Stück von Haut, Fleisch und Faser unter ihrer Zunge speichelte, da wußte sie in ihrer Unschuld: „Das muß ein Stück vom Pimmel sein.“ [Das dachte sich ebenfalls jener Man eater aus Rothenburg, der den Körper seines inzwischen geschlachteten und dann herzhaft zubereiteten Liebespartners genüßlich verspeiste. Blut ist ein besonderer Saft. Blut ist ein langgedehnter Vokal und ein Four-letter-word.) Während durch das Fenster der Pension von ferne und nachtwärts verweht von Grinzing herüber der Chor der Verliebten jene Filmschmonze vom Stück des Himmels sang: Wien und der Wein, Wien und der Wein. Das alles, die Musik, der Geruch dieser Frau, ihr schales Geschlecht, die schwitzige Haut, das überhitzte Zimmer, die Töne und Stimmen, das drehte sich in seinem Kopf, Einfluß des Alkohols und der Tablette oder die Macht von Liebe. Selbigem Wienerischen Wein oder dem von der Wachau werde auch ich zusprechen. Grünen Veltliner trinkend, in der Nähe meiner Unterkunft, nicht weit vom geträumten Ungargassenland entfernt, im Dritten Bezirk liegt das Restaurant „Wild“ mit herrlichen, köstlich zubereiteten Speisen. Als er jedoch morgens in seinem Bett aus tiefem Rausch und erschöpft erwachte, lag er in einer blutigen Lache und die Laken und die Decke so rot, während er an seinem Gemächt nichts mehr spürte, nichts als diese klaffende Wunde, eine Spalte fast, oder aber weniger als dies, doch es fehlt etwas. [Weshalb lieben die jüdischen Frauen beschnittene Männer? Weil sie nichts anfassen, was nicht um mindestens 20 Prozent reduziert ist.] Die Kastrationsangst des Mannes steigerte sich seit dem Wien des ausklingenden 19. Jahrhundert ins Unermeßliche und von der Philosophie im Boudoire bis zur Berggasse 19 sind es nur wenige Schritte. [Wer in Wien weilte oder wohnt, weiß, daß dies bereits auf der Ebene eines ganz unmittelbar Faktischen stimmt. Ohne Freudianer oder Freund von Lacan sein zu müssen. Ursprung der Welt. Ein Text.]

Wahre Sätze – Ware Wort (3)

„Vor jedem Kunstgenuß stehe die Warnung: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstände nur anzusehen, nicht zu begreifen.“
(Karl Kraus)

 Eine Warnung, die man von den Zeiten Karl Krausʼ her im seligen Wien, als den Bürgern die Kunst bereits zu entgleiten drohte, indem sie mehr sich selber in der Kunst genossen als daß sie des Gehalts eines Werkes geschweige denn ihrer Disposition irgendwie noch gewahr wurden, bis ins Heutzutage hinein, wo Kunst als Accessoire der Distinktion dient, unter der Aureole einer neuen unseligen Fühligkeit – action without reflection –, gar nicht oft genug aussprechen kann. Fast möchte man sie einprügeln. Dennoch – die Warnung nützt nichts. Im Zeichen der popästhetischen Post-Moderne: Es bleibt beim Touch too much. Genuß, der weder zum Genuß noch zur Reflexion der Sache als fähig sich erweist. Der Arbeit des Begriffs wird unter allen erdenklichen Vorwänden sich entzogen, denn sie könnte womöglich die objektlose Innerlichkeit beschädigen. So aber bleibt die Kunst bis ans Ende heillos ramponiert. Ikonoklasmus müßte die Folge sein. Doch nicht oktroyiert aus einem Haß gegen die Kunst heraus, sondern vermittels seines Gegenparts. Bewußtsein von Nöten.

Weltweites Web mit Hick und Hack als Kommunikationsform

„Ich wollte sie zu einem Verständnis für die Angelegenheiten der deutschen Sprache erziehen, zu jener Höhe, auf der man das geschriebene Wort als die naturnotwendige Verkörperung des Gedankens und nicht bloß als die gesellschaftspflichtige Hülle der Meinung begreift. Ich wollte sie entjournalisieren.“

Dies schrieb Karl Kraus in seinem Text „Apokalypse“, weil die Zeitschrift „Die Fackel“ bereits zehn Jahren schon bestand.

Es gibt im Internet, in der schönen neuen, nein, nicht mehr ganz so neuen Welt der Blogs, die sprießen und wuchern wieʼs Schamhaar der Frauen noch herrlich in den 90er Jahren, weil das Schreiben demokratisch wurde und jeder, der eine Tastatur zu bedienen vermochte, seine niedrigen Ergüsse oder aber auch durchaus brauchbare Texte – sei es politisch gestanzt, lyrisch verpackt oder als Sonstwie-Text – in den Raum des Digitalen stellte, mit feiner und zugleich berechenbarer Regelmäßigkeit die Zerwürfnisse zwischen Blogs oder Bloggern und Kommentatoren und manchmal auch die zwischen realen Menschen. Häufig geht es bei solchen Disputen um die Politik: alte Bündnisse zerfallen, neue entstehen – nicht anders als in der Welt des Politischen, die in der Kategorie der Freund/Feind-Unterscheidung (C. Schmitt) arbeitet. Diese Unterscheidung kann man auf politische Theologie herunterbrechen, aber man muß es nicht. Es läßt sich diese Differenz ebenso in gut Hegelianischer Weise als (notwendiger) Kampfplatz fassen. (Für die Freund/Feind-Unterscheidung hat es insofern kaum eines Carl Schmitts bedurft.)

Auf dem Blog „Sprache und Gestalt“ schrieb sein Betreiber einen kleinen Text über „Das Aufmerksamkeitsproblem als ein Problem der Aufklärung“. Darin geht es um den Krawall und wilden Disput, der bei bestimmten Themen regelmäßig sich einstellt, samt dem bewußten Mißverstehen von Positionen und Sätzen. Stellt einer fest: die DDR sei ein Unrechtsstaat, so kommt mit schöner Regelmäßigkeit irgend eine fadenscheinige Widerlegung wie: Auch in der BRD geht es nicht mit rechten Dingen zu. Stimmt. Es wurde sogar in Knästen systematisch und unter Aufsicht des Rechtsstaates gefoltert, wenn man an die Isolationshaft der RAF-Gefangenen denkt. Aber es ist ein absurdes Spiel, das eine gegen das andere auszuspielen. Genausogut könnte man dann sagen: das Grauen des faschistischen Deutschlands ist zu vernachlässigen: Denn das war lediglich eine Reaktion auf Stalin. Entsetzliche Relativierungen. Und so geht der Streit in den Foren diverser Polit-Online-Magazine und in den Blogs ins Unermeßliche und ad infinitum weiter. Mal um des Kaisers Bart, mal um seine neuen Kleider, mal um durchaus berechtigte Fragen im Detail.

Doch häufig haben alle diese politischen Diskussionen mit einer emphatisch verstandenen politischen Öffentlichkeit, die informiert ist und Kenntnisse besitzt, nicht mehr viel zu schaffen. Fast ließe sich die These aufstellen, daß die Subjekte, je ohnmächtiger sie in den realen politischen Zusammenhängen und in den praktischen Entscheidungen bereits sind, dann umso mehr in anderen Rahmungen – gleichsam virtuell – rebellisch werden und den gestauten Druck abdampfen. [Kompensationsleistung der Demokratie. Demokratischer Raum zum Sprechen ist zugleich einer, der Handlungen unterbindet.] Die meinungsgesättigten Foren diverser Online-Magazine oder Blogs sind der ideale Ort, um Dispute, die sich teils zu Glaubensfragen transformierten, auf Stellvertreterebene auszutragen,  weil die Verhältnisse wie erstarrt und versteinert erscheinen. So rückt eine Rebellion oder gar ein Aufstand in der Realität schlicht und einfach in weite Ferne. Diese Apathie ragt bis in die innerlinken Diskussionszusammenhänge hinein: von der Frage, wie mit Flüchtlingen umgegangen wird, über Genderbloggerei und Critical Whiteness. (Nachzulesen etwa hier oder in anderer Variante auch an dieser Stelle.)

Ich schrieb bei „Sprache und Gestalt“ einen kleinen, feschen Kommentar, den ich hier, leicht erweitert, im Rahmen der Mehrfachverwertung noch einmal posten möchte, damit so Kluges und doch im Grunde Banales nicht untergeht, und weil ich im Augenblick nicht zum Schreiben von Blogtexten und zum Lesen von Blogs komme, denn ich liege gemütlich mit einer Erkrankung der Atemwege im Bett und lese wahllos in Büchern, erweitere ich einen bereits geschriebenen Text.

Ich denke, diese Art von Krawall, wie er in politischen Blogs regelmäßig sich zuträgt, wird sich auch in literarischen Blogs und in solchen, die sich mit Kunst, Literatur, Musik, Architektur oder Ballett befassen, einstellen, sobald irgendwer auftaucht und ohne Sinn und Verstand wilde Thesen heraushaut, die gar nicht oder dünn belegt sind. Vermeiden läßt sich solcher Trollinger-Krawall wohl nur, indem die Blogbetreiber/innen die Kommentarfunktion abstellen. Aber damit ist das Wesen des Blogs zerstört, das prinzipiell auf einen Dialog angelegt ist – im idealen oder gar im idealtypischen Falle erfolgt dieser Dialog nämlich in aufklärerischer Absicht, als freundschaftliches, bildungsgesättigtes Gespräch, als espritgeladener Austausch unterschiedlicher Sphären, von Geist und Wissen getragen, wo sich Perspektiven erweitern, wo der eine etwas von der anderen lernen kann. Aber wie es mit den Idealtypen im Leben nun einmal bestellt ist – wir wissen dies nicht erst seit Max Weber: Es scheitert das Ideal der schönen Bildung, das Ideal des Geistes und das Gespräch der schönen Seelen (Göthen, W. Meister) regelmäßig an den konkreten Verhältnissen, weil sich das eine (Geist) und das andere (Ungeist) gegenüberstehen, ohne daß je die Vermittlungsleistungen samt Negation des Ungeists gedacht werden. Gute Blogs hingegen können Skizzen, Aphorismen oder Essays mit Gegenhall sein.

Nun kann man  unqualifiziertes Zeug und Trolle, die um des Krawalls willen streiten, ausschalten, indem man sie abschaltet, sprich: löscht oder ihnen – mir macht das manchmal Freude – mit böser Zunge auf der gleichen Ebene entgegenkommt: nämlich mit dem fetten Knüppel in der Hand, der bösen Polemik oder der bernhardschen Restlosbeschimpfungssuada, die da über den oder die Trollinger/in herabsaust. Ich denke, manche lechzen danach, ob ihres sehr begrenzten Horizontes abgewatscht und bestraft zu werden. Sie rütteln und schütteln geradezu den guten alten Ohrfeigenbaum.

Es mag viele Gründe geben, womit die völlig zerstörte Kommunikation im Internet zusammenhängt. Sicherlich auch damit, daß es zu jeder Banalität, die behauptet wird, einen noch Dümmeren gibt, der noch Banaleres dem hinzufügt. Wenige Blogs nur existieren, wo eine Diskussion solche Bahnen zieht, wie wir uns einen geistreichen Disput vorstellen, wo unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen, in denen es um die Sache selbst geht. [Sieht man einmal von den eher harmlosen, gefälligen, eher seicht-plaudernden Blogs ab, wo sich in gestimmter Befindlichkeit alle gegenseitig streicheln und keiner ein böses Wort sagen mag: Tust Du mir nicht weh, tu ich Dir auch nicht weh. Und es fließt soviel Honig, der um Bart und Mund geschmiert wird, daß weder die armen Bienen noch die Beuysche Honigpumpe je soviel dieses zuckerhaltigen Ausscheidungssekrets produzieren können.]

Dispute, die bis aufs Messer mit Verbrennungserscheinungen geführt wurden (Stichwort Autodafé und Inquisition gegen die, welche Häresie gegen die reine Kirchenlehre begingen) beherrschten die Welt vielfach und es gab sie es immer. Womöglich jedoch erzeugt das Internet selbst bzw. dessen Form der Kommunikation ein Problem, das zwar seit Äonen existiert, dessen Dimension jedoch aufgrund sich steigernder (Kommunikations-)Quantität eine neue Qualität annahm. Es sind dies Trivialitäten, leider, aber man kann sie nicht oft genug wiederholen. Jeder kann (anonym versteht sich) zu allem etwas behaupten und eine Meinung haben, ohne daß es durch Quellen und Belege gedeckt ist. Es hat am Ende keine Konsequenz, außer der, daß ein Streit ausbricht. Egal ob es sich nun um Quatschthesen zum Künstler oder Philosophen XY handelt oder darum, ob der Staat XY ein Unrechtsstaat sei. Es kommt sofort einer und schreit: „Ja, aber hier, ja, aber dort.“

In einer Arbeitsgruppe, in Seminaren, in einem Face-to-Face-Kontext ist der Bezirk besser abgesteckt und manche sind halbwegs vorbereitet. Zudem werden Dummthesen in der Regel durch die Leiterin eines Seminars als solche entlarvt bzw. ausgebremst, und wer der Meinung ist, Picasso könne nicht malen oder Adorno nicht schreiben, wird sich selten in ein Kunstgeschichtsseminar oder in ein Seminar über den guten alten Teddy setzen. In Blogs ist es anders. Dort kann sich jeder Zutritt verschaffen, und es wird das persönliche Meinen als Wahrheit der Sache genommen und eine Entgegnung: „Das ist aber aus den Gründen  X und Y nicht so!“ als persönliche Kränkung aufgefaßt. Wer läßt sich schon gerne das eigene Nichtbescheidwissen als Spiegel vor die Nase halten? Ich könnte an dieser Stelle wieder und wieder den halben Hegel aus der „Phänomenologie“ herunterbeten, weshalb das bloße subjektive Meinen eben kein Wissen und keine Wahrheit in einem emphatischen Sinne bedeutet, sondern allenfalls eine zu überwindende Vorstufe darstellt.

Womit wir beim nächsten Aspekt wären: der nicht mehr vorhanden Bildung und der mangelnden Bereitschaft, Neues zu lernen. (Sich dem Feuer des Geistes auszusetzen, könnte ich idealistisch verbrüht schreiben.)

In Polit-Blogs ist dieses Austragen von Disputen noch einmal etwas anders als in denen, die sich den privaten Befindlichkeiten, die sich als Literatur maskiert, widmen oder aber jenen Blogs, die versuchen mit halbwegs anspruchsvollem Schreiben Literatur, Film, bildender Kunst gerecht zu werden, gar selber ein Stück zur Literatur beizutragen, weil an den politischen Meinungen, die häufig eben keine Analysen sind, Lebenskonzepte und Weltanschauungen hängen. Ein gräßliches Wort zwar, aber in diesem Zusammenhang paßt es. Wer sich dem Staat X oder dem System Y mit Haut und mit Haaren verschreibt – ob das nun Antideutsche oder eingefleischte Antisemiten, DDR-Nostalgiker oder Maoisten, Trotzkisten oder sonst etwas sind –: Es kratzt an der eigenen Ideologie, wenn wir zeigen, daß die DDR auf Unrecht fußt, wenn wir zeigen, daß Israel mit den Palästinensern umgeht, wie man mit Menschen nicht umgehen soll, daß Palästinenser per se keine Heiligen sind und schon gar nicht die Jungfrau Maria der Revolution. Und wenn es bei solchen Diskussionen zu bunt wird, hilft eigentlich nur noch Polemik. Denn mit Schwachköpfen sich ernsthaft auseinandersetzen zu wollen, bedeutet eine äußerst kostbare Ressource zu verschwenden und vor die Säue zu werfen: die eigene Zeit nämlich. Insofern meide ich solche Dispute des Politischen. Es dauert nicht lange und es wird darin zu bunt.

Ebenso beim subjektiven Geschmacksurteil in Dingen der Kunst. Wer für die Lektürepräferenz  seine Befindlichkeit und ein vages Spüren angibt, mit dem läßt sich schwerlich ein Disput führen, der in der Sache sich gründet. Hier ist ein Streit schlicht sinnlos. Ebenso wie sich im Leben niemand ernsthaft darüber streiten oder gar zanken wird, ob er oder sie Quittenkonfitüre oder Innereien mögen. Wer meint, er sei Experte für Quittenkonfitüren und die schmecke nun einmal, dem sei es gegönnt. Wer sich gefühlsmäßig der Prosa Karen Köhlers oder den Bildern Henri Rousseaus verbunden fühlt, dem wird kaum einer dieses Gefühl absprechen können. Wenngleich sich rational und auf der Ebene kunstkritischer Lektüre sehr wohl Argumente für deren Mißlingen finden. So wie sich qualitative Differenzen zwischen Bloch und Adorno oder Hesse und Th. Mann benennen lassen. Den Punkt nämlich, wo ein Text etwas verfehlt oder aber einen Aspekt seiner Zeit gekonnt und in einer bisher nicht dagewesenen Weise pointiert, schillernd und zugleich einsichtig macht. Bloch trifft intuitiv einen bestimmten Nerv, aber er vermag es nicht, diesen mit Inhalt zu füllen. Es gibt gute Gründe, weshalb Adorno Bloch „den Märchenonkel“ nannte. (Was nicht bedeutet, daß sich die Texte Blochs nicht fruchtbar und in einer gekonnten Lektüre gegen ihren Verfasser wenden und weitertreiben ließen. Wobei „Geist der Utopie“ immer noch ein großartiges Buch und Ausdruck seiner Zeit bleibt.)

Das Problem liegt in solchen Zusammenhängen, wo Gesellschaftliches diskutiert wird, in der Entweder/Oder-Logik und in der einseitigen Parteinahme. Theorie jedoch ist der Wahrheit und keiner Partei verpflichtet. Mag die Wahrheit und insbesondere der Begriff derselben auch hinreichend komplex sein. Sie kommt zumindest nicht aus der Pistole geschossen hervor, wie dies bei der Meinung der Fall ist.

„Die Aufgabe der Religion, die Menschheit zu trösten, die zum Galgen geht, die Aufgabe der Politik, sie lebensüberdrüssig zu machen, die Aufgabe der Humanität, ihr die Galgenfrist abzukürzen und gleich die Henkersmahlzeit zu vergiften.“
Karl Kraus, Apokalypse (Offener Brief an das Publikum)

In den Digitalgewittern (2): Mit Heidegger ins Internet. Die Banalität des Analen

„So ist denn auch das Wesen der Technik ganz und gar nichts Technisches. Wir erfahren darum niemals unsere Beziehung zum Wesen der Technik, solange wir nur das Technische vorstellen und betreiben, uns damit abfinden oder ihm ausweichen. Überall bleiben wir unfrei an die Technik gekettet, ob wir sie leidenschaftlich bejahen oder verneinen.“ (M. Heidegger, Die Frage nach der Technik)

Texte zum Ende des Novembers hin (Zwischenraum 19.11. bis 24.11. Die Zeit war knapp, denn es kam Besuch ins Grandhotel Abgrund.) Die Weinflasche wurde geöffnet. Geheimnisvoll. Was mag es sein? Die Technik ist ein Mittel zum Zweck und zugleich ist die Technik ein Tun des Menschen.

Macht Wein betrunken? Oder drehe ich nur durch?: Ich gehe an der Packung Marzipan vorbei, lese als Schriftzug „Heidegger“. Dabei steht dort doch bloß „Niederegger“

Scheiße für alle, nein, Abfall für alle, so nannte sich das Internettagebuch von Rainald Goetz. Goetz experimentierte früh mit dieser Form, sich öffentlich zu machen und sich als Person zu inszenieren. Bereits in einem Roman wie „Rave“ stellte er sein Leben bzw. eine bestimmte Lebensform als Literatur- und Lebensexistenzweise aus, Ästhetik der und Ästhetik als Existenz. Die Banalisierung von Ich und Welt in Romanform, so könnte man es ebenfalls nennen. Oder auch die Suche nach dem einzigen Augenblick. Inmitten der Musik, inmitten von Tanz und Ekstase. Distanzlos. Kaum auszumachen, ob Literatur oder authentisches Protokoll. Diese extreme Subjektivierungsweise nun ist seit der literarischen Romantik nichts wirklich Neues. Allerdings wandeln sich unter geänderten technischen Vorzeichen durchaus ihre Inhalte und damit auch die Form selbst.

Internettagebücher sind nur dann von Reiz, wenn mit den Fakten sparsam umgegangen und das übrige der Fakten literarisiert wird. Die Fakten verschwimmen dann zur Inszenierung – ganz gleich ob sie nun ausgedacht oder wahr sind. Andererseits: auch der sich auf die Wahrheit verpflichtende Text simuliert nur diese Wahrheit: Achtuhrfünfzehn: aufgestanden, achtuhrdreißig: Joggen gegangen, neunuhrfünfzehn: Frühstück mit Tiffany. Neunuhrhfünfundvierzig: Hegel lesen, Neunuhrachtundvierzig: von Seite 51 auf Seite 52 geblättert, Dreizehnuhrachtzehn: Küche aufräumen: Werden solche Tätigkeiten aneinandergereiht, scheint mir dieser Exzeß der Aufrichtigkeit kaum spannend, geschweige daß ich gewillt bin, ihn anregend oder irgendwie bedeutsam zu nennen, doch kann er in bestimmten Konstellationen eine unerwartete Wendung nehmen. Ebenso die Aufschichtung von Ereignis und Politik sowie der unendliche Verweis auf Zeitungs- oder Textlinks. Ich beschränke mich mittlerweile wieder auf die Lektüre von gedruckten Zeitungen sowie einer Wochenzeitung. Wenn ich – was selten vorkommt – daraus etwas für erwähnenswert halte, schreibe ich darüber, zitiere, mache einen Text. Das übrige bleibt weißes Rauschen.

Allerdings können sich in solchen Zeit- und Datumsabfolgen eines Blogs oder eines Internet-Tagebuchs, die teils wie eine unfreiwillige Parodie auf On Kawaras Date Paintings oder von Roman Opałkas Zahlenbildern wirken, wo Kunst und Existenz verschmelzen, lustige oder eigenwillige Fügungen finden. Zum Beispiel, wenn einer im Internettagebuch die Konsistenz seines morgendlichen Kloganges beschreibt und diesen in der Bristol-Stuhlformen-Skala auf Stufe 1 einordnet. Hier kommen Kunst, Existenz und Schreiben zu sich selbst. Packte Piero Manzoni Ende der 50er Jahre Künstlerkot in Dosen und stellte ihn als Kunst-Werk-Ware aus, so zerbröselt nun der Text des Alltäglichen in den Klogang. Wie so häufig, wenn die Phänomene des Hier und Jetzt sich thematisiere, trifft es dieser Satz:  „Was ihr den Geist der Zeiten heißt,//Das ist im Grund der Herren eigner Geist,//In dem die Zeiten sich bespiegeln.“

Der Descartesche Gegen-Beweisschritt von einem Gott (oder bösen Geist), der womöglich ein Betrüger ist oder von einer Welt im Traume, um sich darüber hinaus und aus dem Reich der Täuschungen hinweg seiner selbst und seiner Erkenntnisfähigkeit zu vergewissern, scheint mir auch für die Welt des Digitalen nicht ganz uninteressant. Wie es das Leben vor dem Bildschirm so mit sich bringt, finden wir unendlich viele Einfälle und Ideen, assoziieren Projekte und Lektüren, verbinden Altes mit den Erscheinungen der Moderne: „Platon im Stripteaselokal“ so lautete ein Buchtitel von Umberto Eco. Zum Schluß aber bleiben in diesem Treiben die Denk- und Assoziations-Fragmente, die Tendenz zum Unvollständigen. Wir können alles. Aber nur halb. Das ist manchmal gut und gelungen, aber nicht immer. Also nehme ich mir die Descartesschen „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“:

„Indessen – mögen uns auch die Sinne zuweilen über kleine und ferner liegende Gegenstände täuschen, so gibt es doch am Ende sehr vieles andere, woran man gar nicht zweifeln kann, wiewohl es auch aus den Sinnen herrührt, so z. B. die Wahrnehmung, daß ich hier bin, am Ofen sitze, meinen Winterrock anhabe, dies Papier hier mit den Händen berühre u. dgl. Wie könnte ich leugnen, daß diese Hände, dieser ganze Körper mein sind? – ich müßte mich denn mit ich weiß nicht welchen Wahnsinnige vergleichen, deren ohnehin kleines Gehirn durch widerliche Dünste aus ihrer schwarzen Galle so geschwächt ist, daß sie hartnäckig behaupten, sie seien Könige, während sie bettelarm sind, oder sie tragen Purpur, während sie nackt sind, oder sie hätten einen Kopf von Thon oder seien ganz Kürbisse oder seien aus Glas geblasen. Allein das sind Wahnsinnige, und ich würde ebenso verrückt erscheinen, wenn ich auf mich anwenden wollte, was von ihnen gilt.“

Interessanter aber als die Nudelweichkocher des Netzes sind die, welche das Internet im Sinne einer Art Schreib/Lese/Lebenskunst nutzen und sich selbst, die Leserinnen und Leser und auch den Raum der Präsenz als neue Form der Literatur fiktionalisieren. Erst an diesem Punkt kommt die Postmoderne zu sich selber. Aber das ist zugleich ohne große Hoffnung geschrieben und mitnichten nur in einem positiven Sinne utopisch gedacht, als ließen sich nun die neuen Möglichkeiten des Digitalen über die Ästhetik umstandslos ins Positive wuchten. Poststrukturalistisch – im Unterschied zum Postmodernen – ist diese Bewegung von Präsenz und Fiktion nur dort, wo sie den Modus durchstreicht, in dem die im Internet Kommunizierenden habhaft gemacht werden können, und ebenso zerstört diese Bewegung von Präsenz, Fiktion, Poetisierung und Literarisierung den Betrug derer, die sich narzißtisch als das inszenieren, was sie nie sind und nie sein werden. Wie sehr die Nutzer von Internetblogs ihrer eigenen Sucht nach Subjekt und Präsenz auf den Leim gingen und etwas projizierten, was so nie da war, sondern nur in der Phantasie der Leserinnen und Leser bestand, zeigte der geniale Blog von Aléa Torik, der nach Abschluß seines Literaturprojektes leider nur auf Sparflamme köchelt. Männer, die auf Frauen stehen und die plötzlich mit der Literatur in Berührung kommen. Oder wie es in Kleists „Die Marquise von O….“ heißt: „Durch diese schöne Anstrengung mit sich selbst bekannt gemacht, …“ Was für eine Sentenz! Immer noch. Man möchte diese Anstrengung und diese Arbeit vielen wünschen.

Ebenfalls nicht im Sound der blinden Affirmation oder der Plattitüde schreibt Alban Nikolai Herbst in seiner „Kleinen Theorie des Literarischen Bloggens“, die als Buch und als Internetprojekt präsent ist. Ich will darauf aber irgendwann gesondert eingehen.

Flasche Grüner Silvaner vom Weingut Kloster Schulpforta, nach zwei Stunden war der Inhalt der Flasche ausgetrunken. Zustandsbericht gefunkt: Einundzwanzig Uhr fünfzehn: Sendungen in die Vereinigten Staaten. „Du“, sagt der eine Twin Tower zum anderen, „ich bin verliebt!“ „Wieso?“ „Ich habe Flugzeuge im Bauch!“ Nach dem 11. September 2001 ist alles möglich, auch der gespielte Witz, selbst der schlecht gespielte Witz. Und es besteht sogar die Möglichkeit, daß diese Flugzeuge eine feine, von der US-Regierung inszenierte Werbe-Kampagne für umfassendes Post Privacy sind. Cui bono? ist eine Frage, die sich immer wieder gut stellen läßt. [Daß eine Spiegelfläche des Romans Alèas Ich am 11. September 2011 seinen Anfang nimmt, ist in dem Spiel von Inszenierungen, Konstruktion und Dekonstruktion nicht weiter erstaunlich. 9/11 hat einiges auch mit dem Internet und den Formen des Überwachens zu tun. An die Heiligkeit der Ereignisse von 9/11 glaube ich mittlerweile immer weniger. Ohne nun ins Fahrwasser der Verschwörungstheorien geraten zu wollen: Die USA inszenierten ihren Gründungsmythos für eine neue Form von Überwachung und eine ganz neue Weise des Krieges.]

Wir müßten das Internet und diese Winkel und Ecken des Netzes so lesen, wie Karl Kraus das Wien zu seiner Zeit sichtete:

„Dagegen zog mich von jeher das Leben der Straße an, und den Geräuschen des Tages zu lauschen, als wären es die Akkorde der Ewigkeit, das war eine Beschäftigung, bei der Genußsucht und Lernbegier auf ihre Kosten kamen. Und wahrlich, wem der dreimal gefährliche Idealismus eingeboren ist, die Schönheit an ihrem Widerspiel sich zu bestätigen, den kann ein Plakat zur Andacht stimmen!“
(Karl Kraus, Die Welt der Plakate)

Ja, den Geräuschen des Tages zu lauschen, als wären es die Akkorde der Ewigkeit und sich nicht vom „weißen Rauschen“ zu benebeln. Die, die schreiben, beim Wort zu nehmen, und das Wort auf Schreiberin oder Schreiber wieder zurückzubiegen, um zu schauen, wie sehr Begriff und Wirklichkeit in Übereinstimmung sind.

„Gib mir endlich einen Abend, einen kriminellen Abend …!“ (Lassie Singers) – Datumsgrenzen

Eine Woche vor Weltuntergang möchten wir kurz aufglühend-verglühend noch kluge Texte schreiben. Und lesen. Vielleicht Karl Kraus?: „Fürs Leben gern wüßt‘ ich: was fangen die vielen Leute nur mit dem erweiterten Horizont an?“

Und zum 21.12.12 passend, ebenfalls Karl Kraus: „Die wahre Metaphysik beruht in dem Glauben, daß einmal Ruhe wird. Der Gedanke an die Auferstehung des Fleisches widersteht ihr.“

So ist es. Und in diesem Rahmen schrieb Sam Beckett knapp dreißig Jahre später sein „Endspiel“. Wir setzen ein Facebook-Gefällt-mir-Zeichen.

Ansonsten als Vorlauftonspur zum ästhetisch ansprechenden Untergang bitte nur dieses hier anzusehen:

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Oh, please, please me. Und dazu Lovley Linda mit ihren dünnen Beinchen und ihrer schön geformten Oberweite. Oder was anderes. Wir möchten: Frauen als Text, und nicht zum Sex. [Etwas übermütig parliert und in den Weltuntergangszwischenraum gewispert.]

Sollte sich der Weltuntergang aus unerklärlich und doch traurigen Gründen verschieben, machen wir mit der Ästhetik weiter und lassen noch einmal Karl Kraus sprechen, der schreibt:

„Vor jedem Kunstgenuß stehe die Warnung: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstände nur anzusehen, nicht zu begreifen.“

Welch feiner doppelter Boden! Der Dummbatzigkeit, der Fühligkeit, der Genießlichkeit kann man gar nicht genug um die Ohren hauen. Fremdschämend peinlichrot werdend liest sich so vieles in der Welt der Texte, wenn gefühlt, empfunden, subjektiviert, gemeint, aber leider nicht gedacht, begründet, begriffen wird. Manchmal schaue ich bei solchen Texten, wie ich Streit stiften kann, aber in einer Welt, die den Polemos eliminiert, gibt es eben keine Kriege mehr, sondern Dauerkuscheln oder eben hinterhältigen Drohnenbeschuß. Wenn, um in einen anderen Rahmen des Diskurses zu wechseln, die Freund/Feind-Unterscheidung als Kriterium des Politischen, die der Antisemit und zudem fragwürdige Jurist Carl Schmitt konstatiert, nicht mehr getätigt wird, so werden keine Kriege im herkömmlichen, konventionellen Sinne geführt, sondern der Krieg invisibelisiert sich, ist auf einen Dauerzustand gestellt, ohne daß dies noch bemerkt wird, weil kein sichtbarer Gegner da ist, mit dem Frieden geschlossen werden könnte. Der Taliban, der Islamist, der al-Qaida-Kämpfer, der Terrorist sind keine Feinde, sondern Wesen der Diffusität, räumlich dissoziiert. Medial inszeniert als Abstraktion.

Aber verlagern wir die Untergänge und die Katastrophen und ästhetisieren sie, so wie es Lars von Trier tat. Unendlicher Spaß.

Eins zwei drei vier: für den Untergang sorgen wir. Zumindest auf metaphysischem Terrain.

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Wir freuen uns auf die nächste Woche und auf jenen einen und einzigen Tag  in einer Woche! Seien auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit dabei und bleiben Sie  mir gewogen!