Zum 20. Juli 1944 und zu einem Artikel auf den „NachDenkseiten“

Am 26. Juli erschien auf den (ansonsten lesenswerten) NachDenkseiten ein Text mit dem Titel „Verschwörung in der Verschwörung“. Der Artikel stammt von Werner Rügemer und handelt vom Widerstand des 20. Juli sowie der Verquickung des OSS, also der Auslandsspionage der USA, und insbesondere geht es darin um die Aktivitäten des durchaus fragwürden Allen Dulles, in den frühen 1940er Jahren im Auftrag des OSS Gesandter in der Schweiz, mit guten Kontakten nach Deutschland und zum Widerstand, von 1953 bis 1961 Direktor des CIA und in dieser Zeit an zahlreichen politischen Aktionen wie der Ermordung des kongolesischen Präsidenten Lumumba und an Regimewechseln im Iran und in Guatemala beteiligt, außerdem Mitglied der Warren-Kommission, die zum Tod von JFK ermittelte. Keine angenehme Person. Gute Voraussetzungen also für steile Thesen und für ein geschichtliches Mischmasch.

Herausgekommen ist ein schlecht recherchierter Text. Argumentativ schwach dazu. Es wird ein simples Narrativ geboten, geschichtliche Fakten werden unterschlagen. So rührt der Autor einen kruden Brei. Dabei geht Rügemer der Frage nach, wieweit die westlichen Alliierten von Dullesʼ Wissen Gebrauch gemacht haben, um einen Regime-Sturz in Deutschland vorzubereiten beziehungsweise zu verhindern, wie der Autor nahezulegen versucht. Rügemer versucht zu zeigen, wie jene Regierungen von Großbritannien und den USA angeblich die eigene Bevölkerung darüber täuschten, in dem sie verbreiteten, alle Deutschen wären Nazis und dazu Dullesʼ Recherchen unterdrückten, es gäbe in Deutschland einen breiten Widerstand. Das gipfelt bei Rügemer in dem Satz:

„Merke, auch für heute: Regierungspropaganda und reales (Geheimdienst-)Wissen sind zwei sehr verschiedene Dinge! Fake information, fake production – sie kann auch darin bestehen, dass das Gegenteil von dem behauptet wird, was man weiß.“

Intuitiv würden diesem Satz manche zustimmen. Geheimdienste sind oft böse und die Regierungen ebenfalls. Mittels solcher vagen Konstrukte ist es leicht, der Leser nickt. Schaut man sich aber den Gang von Rügemers Argumentation an, kann man schnell merken, mit welchen rhetorischen Tricks er arbeitet und wie vermeintliche Argumente sich als Fehlschlüsse erweisen.

Warum dieser Aufwand und dieser lange Text? Ich will zum einen zeigen, daß vermeintlich Gutes mit unlauteren Methoden zum Schlechten gerät und nicht nur argumentativ, sondern auch von der Sache her schlecht ist, und ich will zeigen, daß die Abwägung verschiedener Hinsichten einer Sache (hier des Widerstands vom 20. Juli und der Reaktion der Alliierten darauf) und das heißt also die komplexe Entfaltung eines geschichtlichen Sachverhaltes besser ist als eine perspektivische Verengung des gesellschaftskritischen Blicks zugunsten einer im Kopf bereits vorab festgezimmerten These. Passiert solcher Tunnelblick, verrennt man sich wie Rügemer in dogmatische Verabsolutierungen, paßt mit Gewalt die Fakten an die eigene Ideologie an  – das also, was Rügemer „Fake information“ nennt und eben auch anderen vorwirft – und zieht unlautere Schlüsse, die sich bei umfassender Sichtung des Materials nicht ergeben hätten. Ob Rügemer dies in bewußt und in manipulierender Absicht macht oder ob er um die Fehlerhaftigkeit seiner Argumente nicht weiß, spielt dabei keine Rolle, da es hier nicht um die Intentionen eines Autors geht, sondern um die stringente Argumentation und die Rolle von historischen Ereignissen und Zusammenhängen. Insofern ist Rügemers Text darin auch wieder gelungen: denn er eignet sich immerhin als Beispiel, um zu studieren, was passiert, wenn im Denken eines Autors festgefahrene Thesen sich verabsolutieren und man dabei zu unsauberen Konstruktionen greift und nicht ins Gerüst passende Fakten unterschlägt, um seine These auf Teufel komm raus zu validieren.

Was Rügemers Text freilich ärgerlich und vor allem journalistisch unseriös macht, sind die polemischen Mittel und rhetorische Tricks, um bestimmte Denkmuster beim Leser zu installieren und mittels logisch falscher Übertragungen geschichtliche und politische Aspekte zu analogisieren, die nicht analog sind. Ärgerlich ist vor allem die methodisch unsaubere Arbeit des Autors sowie eine Guilty-by-Association-Logik, indem Aspekte, die nicht im selben Kontext stehen, auf Verdacht aneinander gekettet werden, um rhetorisch eine bestimmte „Stimmung“ zu erzeugen, die dann unbezüglich und qua eines Fehlschlusses durch Assoziation kurzerhand als Pauschalanwurf auf die Gegenwart umgebogen wird. Diese polemische Absicht, als bewußt rhetorische Verzerrung in diesem Artikel (eine von mehreren, nebenbei), zeigt sich kondensiert im letzten Satz des Textes, an dem ich dessen Mängel aufzeigen möchte:

„Wer das missglückte Attentat vom 20. Juli 1944 so als Vorbild feiert – und sich zudem auch noch die Beleidigung der Attentäter durch Churchill kommentarlos gefallen lässt – wie die diskreditierte herrschende Klasse in Deutschland, scheint bereit zu sein, vergleichbare Opfer auch heute hinzunehmen. Man ist ja schon mittendrin.“

Zunächst einmal: Etwas nicht zu erwähnen („sich […] kommentarlos gefallen lässt“), heißt nicht, es bereits zu goutieren (argumentum e silentio) – insofern läßt sich daraus zunächst mal gar nichts ableiten und der Satz bleibt eine sophistische Hülse. Churchills Äußerungen (so wie Rügemer sie wiedergibt: „Churchill: ‚Nur ein Kampf der Hunde untereinander‘“) entstammen zudem einer Zeit, in der Krieg herrschte. Und wer je von London oder Coventry hört – und davor Warschau, von der Wannseekonferenz im Januar 1942, die dann im Holocaust terminierte, ganz zu schweigen, alles Ereignisse übrigens, die vor der Operation Gomorrha stattfanden –, wird sich ein Bild machen können, in welchem Zustand sich Europa befand und was Churchills Äußerungen motivierte. Daß Churchill 1944, also nachdem Nazideutschland praktisch schon in Trümmern lag „not amused“ von dieser nacheilenden Tat war, kann man nicht nur aus historischer Perspektive, sondern vor allem aus Churchills Gegenwart heraus nachvollziehen und es ist ist von dort aus auch begründbar. Auch hier wirft Rügemer völlig unterschiedliche Perspektiven in einen Topf und verrührt diese, um daraus dann seine krude Sicht zu gewinnen.

Weshalb die „herrschende Klasse“ – wer immer das sein mag, Rügemer schweigt darüber, Genauigkeit ist seine Sache auch an dieser Stelle nicht – diskreditiert sein soll, der muß das schon belegen. Die, die heute den 20. Juli feiern, waren kaum mehr am NS-Regime beteiligt – durch die NS-Zeit kann diese „Klasse“ also kaum diskreditiert sein. Dadurch, daß sie die Attentäter feiert, ebenfalls nicht. Vielleicht ist sie aber einfach auch nur deshalb diskreditiert, weil sie Rügemers Ansicht nicht teilt. (Davon ab, daß solche Akte in der Regel symbolisch sind und zum Gedenken dienen. Sie sind nicht dazu da, Differenzen und Debatten von Historikern irgendwie zum Thema zu machen.)

Der Association Fallacy des „ vergleichbare Opfer auch heute hinzunehmen. Man ist ja schon mittendrin“, mit dem hier einfach Unverbundenes qua eines Tricks zusammengeschlossen wird, um zu diskreditieren, funktioniert ebenfalls nicht und erweist sich als Floskel, mit der rhetorische Effekte erzeugt werden sollen, um beim Leser eine Stimmung zu erzeugen. Welche Opfer das konkret sind, wird dann von Rügemer im Nebel des Unwissens gelassen: so kann dann jeder selbst in freier Assoziation hinzufügen, was ihm gerade an Opfern einfällt. Der Sache ist das nicht dienlich, um es sehr höflich zu umschreiben.

Weiterhin müßte Rügemer Roß und Reiter nennen und sagen, wer hier was und in welchem Kontext als Vorbild feiert, sonst bleibt das nämlich Ausdenk-Internetz. Und wo man „schon mittendrin“ ist, möchte ich als Leser dann ebenfalls gerne wissen. Wenn man solche Sätze liest, scheint es dem Autor insofern mehr um Polemik zu gehen statt um sachliche Auseinandersetzung mit dem 20. Juli, und dazu greift man gerne in die rhetorische Trickkiste und verquickt manches mit manchem.

Auch der Auftakt des Textes bereits in problematischem und sophistischem Modus:

„In BILD, ZEIT, Süddeutsche, ARD, ZDF, bei der Bundeskanzlerin und auch in der aufklärerischen junge Welt: Bei allen Würdigungen des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 blieb auch zum 75. Jahrestag ein Beteiligter verbissen ausgeblendet: Der US-Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS).“

Davon einmal abgesehen, daß all die genannten und sehr unterschiedlichen Medien den 20. Juli in ganz unterschiedlichen Aspekten beleuchteten, ist nicht ersichtlich, weshalb für diese Betrachtung ausgerechnet der OSS zentral bzw. erwähnenswert sein sollte. Weil eine Sache X für Rügemer interessant ist, muß sie es nicht für andere sein und es lassen sich durchs „Nichtnennen“ ebensowenig irgendwelche Verschleierungstendenzen ableiten („verbissen ausgeblendet“). Woher nimmt Rügemer das „Verbissen“? Saß er mit in den Redaktionen und blickte in verkniffene Gesichter?

Rügemers erwähnt also den OSS. Dazu muß man freilich einige Aspekte ergänzen: Daß Geheimdienste notwendige Aufklärungsarbeit leisteten, insbesondere der OSS, in dem auch manche der vor den Faschisten geflohenen Emigranten mitarbeiteten, um gegen Hitler zu kämpfen, und daß solche Geheimdienste in der militärischen Arbeit gegen das faschistische Deutschland unerläßlich waren, sollte man hier noch als weitere These beifügen. Dazu gehören dann auch die erwähnten Kontexte und die Kontakte zum deutschen Widerstand. Dann bekommen die Ausführungen von Rügemer ein doch etwas anderes Licht als diese polemische und rhetorisch Volte, und es zeigt sich, wie notwendig Dullesʼ Arbeit der Informationsbeschaffung war, um nicht nur ein faschistisches Deutschland zu besiegen (und vor allem zu beseitigen!), sondern auch, um die Gefahren einer nicht minder brutalen Diktatur von Stalin zu bannen und im Zaum zu halten.

Daß es Stalin ganz gut auch mit anderen Diktaturen aushalten kann, zeigte der Hitler-Stalin-Pakt von 1939. Und daß für Stalin auch mit einem eher national-rechts-deutschen, nicht-demokratischen Deutschland der Widerständler politisch sich besser leben ließe als unter einer liberalen und zudem kapitalistisch organisierten Demokratie im Stile der USA oder Großbritanniens, ist eine Annahme, die ebensowenig auszuschließen ist und deshalb nicht unerwähnt bleiben sollte, wenn man die Beziehungen der Sowjetunion zu den Deutschen im Dritten Reich sich betrachtet, wie Rügemer das in seinem Artikel macht. Und womöglich ist es auch leichter, ein von der rechten Diktatur infiziertes Volk nun für eine „linke“, stalinistische Diktatur umzubiegen.

Weiterhin: Wenn, wie Rügemer schreibt, Dulles konstatiere, es gäbe einen breiten Widerstand, dann muß er dies schon genau zeigen. („Aber Dulles konstatierte: Es gab einen breiten Widerstand.“) Denn selbst wenn Dulles das konstatiert, muß es deshalb nicht richtig sein. Insofern ist es erforderlich, daß Rügemer zeigt, wie dieser „breite Widerstand“ ausgesehen haben soll bzw. was Rügemer unter dem Wort „breit“ versteht, wenn er diese Dulles-These als Grundlage seiner eigenen These verwendet. Insofern ist der Text auch an dieser Stelle schwach argumentiert. Stürzt diese These stürzt nämlich die gesamte Argumentation des Textes.

Öffentlicher Protest der Deutschen gegen Hitler und damit politisch größerer Widerstand in verschiedenen Formen kann mit dem Wort „breit“ nicht gemeint sein. Denn der Straßenprotest und der Widerstand gegen Hitler um 1933 und auch die Jahre danach und als dann zunehmend Juden sowie politische Gegner drangsaliert und am Ende liquidiert wurden, blieb nicht nur weitgehend, sondern fast vollständig aus. Er fand allenfalls im privaten Kreis statt. Wenn wir es durchzählten vielleicht ein paar zehntausend Menschen – von etwa 80 Millionen Reichsbürgern, von denen man Kinder und Alte abziehen muß, so daß man vielleicht bei 50 Millionen Menschen ist. Breiter Widerstand wäre dann, wenn mindestens die Hälfte wenn nicht mehr Menschen auf die Barrikaden gegangen wären. Sind sie aber nicht.

Hier vom „breiten Widerstand“ zu sprechen, bedeutet, den Begriff „breit“ in eigenwilliger Weise zu gebrauchen. Der überwiegende Teil der Deutschen tat mit, war begeistert oder schwieg eben aus Angst. Das NS-Regime wurde von großen Teilen der Bevölkerung getragen – so wie es Churchill und Roosevelt eben auch sagten und wie es Franz Neumanns „Behemoth“, den Rügemer zitiert, und auch zahlreiche weitere Forschung nahelegt. Das Regime um Hitler wurde getragen von Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit und aus Krisenjahren kamen und die jene Versorgungsdiktatur goutierten und mehr als das: die soziale Fürsorge durch den NS-Staat wurde akzeptiert und manches andere ebenso. Wo der breite Widerstand gegen Hitler war, das müßte uns Werner Rügemer schon zeigen.

Vor diesem Hintergrund erscheinen solche Sätze dann in einem etwas anderen Licht und es wird gut die polemische und verzerrende Absicht dahinter deutlich:

„Damit zeichnete der Geheimdienstler [Dulles] ein ganz anderes Bild als damals die US-Regierung und vor allem das State Department öffentlich propagierten: Ganz Deutschland sei im Griff der Nazis, alle Deutschen seien Nazis, der Terror seit total. Dulles schickte seine Berichte unter dem Codewort breaker (Brecher) nach Washington. Aber Roosevelt und seine Generäle logen weiter, Churchill machte begeistert mit: Alle Deutschen sind Nazis!“

Davon ab, daß man sich für diese Aussagen von Roosevelt und Churchill Quellenbelege und den Kontext wünscht, in dem diese Sätze gesagt worden sind: Nach dem Stand der Dinge bzw. der Forschung kann man sagen, daß Deutschland ein tief vom Germano-Faschismus durchdrungenes Land war. Die paar zehntausend Leute bildeten eben kein Gegengewicht. Und von „breitem Widerstand“ kann schon gar nicht die Rede sein.

Daß die westlichen Alliierten und insbesondere die britische Regierung 1944 und bereits schon Ende 1941 nicht mehr an Umsturzplänen interessiert waren, dürfte ebenfalls naheliegend sein: Deutschlands militärische Niederlage zeichnete sich zunehmend ab. Der Verstoß in Nordafrika kam zum Erliegen und auch an der russischen Front lief es nicht wie gewünscht. Und bereits Sir Winston Churchills seit 1940 anhaltender Widerstand gegen Hitler, obwohl er mit ihm nach dem Fall Frankreichs durchaus ein Agreement hätte aushandeln können, zeigt die konsequente Haltung dieses Staatsmannes. Churchills Worte, am 13 Mai 1940 in Westminster:

“Sir, to form an Administration of this scale and complexity is a serious undertaking in itself, but it must be remembered that we are in the preliminary stage of one of the greatest battles in history, that we are in action at many points in Norway and in Holland, that we have to be prepared in the Mediterranean, that the air battle is continuous and that many preparations have to be made here at home. In this crisis I hope I may be pardoned if I do not address the House at any length today. I hope that any of my friends and colleagues, or former colleagues, who are affected by the political reconstruction, will make all allowances for any lack of ceremony with which it has been necessary to act. I would say to the House, as I said to those who have joined the government: „I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat.“

We have before us an ordeal of the most grievous kind. We have before us many, many long months of struggle and of suffering. You ask, what is our policy? I will say: It is to wage war, by sea, land and air, with all our might and with all the strength that God can give us; to wage war against a monstrous tyranny, never surpassed in the dark and lamentable catalogue of human crime. That is our policy. You ask, what is our aim? I can answer in one word: victory. Victory at all costs, victory in spite of all terror, victory, however long and hard the road may be; for without victory, there is no survival. Let that be realised; no survival for the British Empire, no survival for all that the British Empire has stood for, no survival for the urge and impulse of the ages, that mankind will move forward towards its goal.”

Ein großer Politiker, ein Staatsmann und in Europa der einzige Politiker, der gegen Hitler, gegen die deutschen und die italienischen Faschisten vehement Widerstand leistete. Während der blutige Diktator Stalin, in dessen Land die Menschen verschwanden, mit Hitler paktierte.

Auch aus den Erfahrungen des ersten Weltkrieges heraus, lag es nahe, es nicht noch einmal zu solch einer desolaten Situation kommen zu lassen und das besiegte Land nicht zu besetzen: Das Deutsche Reich bestand 1918 weiter, die alten Kräfte konnten nicht nur subkutan wirken, sondern sie taten es bis in die Regierungsebene hinein. Bis auf das Rheinland und das Saarland stand Deutschland 1919 nicht unter alliierter Militärverwaltung. Das, was aus dieser Situation damals erwuchs, wollte man sich für ein zweites Mal ersparen, auch im Hinblick auf zwei Weltkriege, die von Deutschland ausgingen. Insofern kam nur die bedingungslose Kapitulation, wie sie 1943 auf der Konferenz von Casablanca von den westlichen Alliierten beschlossen wurde (Stalin war ebenfalls eingeladen, aber reiste nicht an) infrage. Auch dieses Motiv der westlichen Alliierten ist mitzunennen. Die Alliierten waren nicht an einem konservativ-rechts-nationalen Deutschland interessiert und in diesem Sinne konstatierte Churchill ganz richtig, daß es nur ein Kampf der Hunde untereinander war. Ende 1943 dann, auf der Konferenz von Teheran wurde zwischen den drei Alliierten (dem sowjetischen Diktator Stalin sowie dem Präsidenten Roosevelt und dem Premierminister Churchill) neben der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands ebenso die Aufteilung Deutschlands beschlossen.

Rügemer hingegen mutmaßt:

„Der Widerstand durfte keinen Erfolg haben, denn der hätte nur „den Russen“ genützt und möglicherweise zu Friedensverhandlungen geführt. Die Feindschaft des Westens gegen die Sowjetunion mit der Gefahr eines neuen Krieges hatte spätestens schon 1943 begonnen – eine Kontinuität bis heute.“

Wenn es darum ginge, die UdSSR unter Stalin kleinzuhalten und es ausschließlich auf ein Wettrennen der unterschiedlichen Blöcke ankäme, wie Rügemer nahelegt, und wenn es das Ziel wäre, eine kommunistische Diktatur sowjetisch-stalinistischen Vorbilds in Mitteleuropa zu verhindern (was glücklicherweise für den westlichen Teil Deutschlands immerhin gelang. Leider nicht für Polen, Ungarn, Ostdeutschland, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien), dann bleibt es unverständlich, weshalb in Teheran ein gemeinsames Vorgehen der Alliierten abgestimmt wurde und es bleibt unklar, weshalb die USA das Lend-Lease-Programm  für die Sowjetunion erst am 12. Mai 1945, also einige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches, auslaufen ließen.

Ohne den Treibstoff der USA wäre kaum ein sowjetisches Flugzeug geflogen und nur wenig Panzer gefahren. Die Kriegswende 1942/43 ist auch durch die umfangreichen Lieferungen an Logistik, Panzern, Flugzeugen, Schiffen, Lokomotiven, LKWs, Stahl, Lebensmitteln bis hin zu Soldatenstiefeln erklärbar. Diesen Umstand sollte der Artikel ebenfalls erwähnen. Da er aber einseitig den Blick auf einen konservativen Geheimdienstmann richtet, geraten Rügemer solche Aspekte aus dem Blick und er muß durch solche Perspektivenverengung dann zu einer monolithischen und verkürzten Darstellung gelangen. Von der „Verschwörung in der Verschwörung“ bleibt jedoch am Ende nicht viel übrig, wenn man sich die historischen Fakten genauer betrachtet.

Solche polemischen Sätze insbesondere zeigen dann gut, wohin die Reise von Rügemer geht:

„Ebenso wurden im weiteren Verlauf des totalen westlichen Krieges die ungleich zahlreicheren Kriegsopfer auf ziviler und militärischer Seite hingenommen: Unconditional surrender!“

Davon ab, daß die „Logik“ einer solchen Argumentation ebenso von einem Funktionär der NPD stammen könnte, schön unter Aufgreifung von Goebbels totalem Krieg als Triggerwort, besteht der rhetorische Trick zunächst einmal darin, Täter und Opfern zu vertauschen und weiterhin zu unterschlagen, daß die bedingungslose Kapitulation Deutschlands durch die Widerständler und die verbleibenden Generäle sofort die Einstellung der Kriegshandlungen nach sich gezogen hätte. Darüber aber wollten viele der Generäle, die unter Hitler dienten, nicht verhandeln, ebensowenig die Widerständller, und die westlichen Alliierten wollten sich auch nicht auf einen Separatfrieden einlassen, bei dem das Deutsche Reich dann weiter gegen die UdSSR gekämpft hätte, wie von Teilen der Generäle angedacht. Soviel nur zu dem herbeikonstruierten Narrativ, den westlichen Alliierten ginge es darum, bereits 1943, also inmitten des 2. Weltkrieges auf Konfrontationskurs zur Sowjetunion zu gehen. Solche Passagen und Insinuierungen Rügemers geben dem Thema eine mehr als bedenkliche Note.

Daß übrigens – zum Abschluß – die lesenswerte und bis heute bahnbrechende Studie „Behemoth“ von Franz Neumann zwar „den Terrorapparat [schilderte], ohne auf die frühe Förderung Hitlers durch die großen Kapitalisten wie Ford und Krupp einzugehen“ bedarf eigentlich keiner Erwähnung, denn es war eben letzteres gar nicht die Absicht der Studie, den militärisch-industriellen Komplex vor Hitler auszuleuchten, sondern „Behemoth“ befaßt sich in soziologischer Absicht mit den internen Funktionsabläufen des NS-Staates. Man merkt es dem Artikel noch in den kleinsten Stellen, selbst in einer Fußnote an: Auch hier wieder wird Rhetorik eingestreut, um eine bestimmte Richtung zu insinuieren. Daß übrigens Werner Rügemers Text nicht auf die Verbrechen Hitlers und den Völkermord Stalins eingeht, bedürfte wohl ebensowenig einer besonderen Erwähnung. Insofern frage ich mich, was die Absicht solcher von außen an eine Sache herangetragener Sichtweisen ist.

[Franz Neumanns „Behemoth wurde kürzlich wieder neu aufgelegt, dazu auch Herwig Finkeldey auf „tell“ mit einem guten Lektüretip.]

Mit all dem tut Rügemer dem Thema keinen Gefallen – und auch den NachDenkseiten am Ende nicht. Gegen Rügemers Text spricht sein methodisch ungenaues Arbeiten und seine Verabsolutierung einer These zu einer Seite hin – bereits im Titel zeigt sich die Schlagseite des Textes. Durch solche systematische Verzerrungen bekommt ein historischer Aspekt eine erhebliche Schieflage. Bezieht man jedoch all die von mir genannten unterschiedlichen Hinweise mit ein, bekommt diese Angelegenheit eine doch etwas breitere Perspektive und ist deutlich komplexer als eine bloße Geheimdienstgeschichte samt verschwörerisch-böse US-Staatsmänner sowie einem böse-finsteren Churchill. Die Ironie dieser Sache ist dabei: Das was Rügemer den USA und Churchill vorwirft, betreibt er genau in dem selben Maß: nämlich die Produktion von Ideologie. Es ist jedoch wichtig, gerade an solchen doch relativ simplen Texten zu zeigen, wie die Produktion von gesellschaftlichem Schein und von falschem Bewußtsein funktioniert.

 

[Photographie, Quelle: Wikipedia, gemeinfrei]

Wußten Sie, wer Hitler wirklich war?

Das Deutschen Historischen Museum in Berlin zeigt momentan die Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“. Vieles vom Führer gibt es dort zu sehen. Bilder, Figuren, Devotionalien, die ihm das Volk darbrachte.

Aber: Hitler, wer war das? Liegt das alles nicht schon sehr lange zurück? Wollen wir sowas überhaupt noch wissen? Was hat das mit uns zu tun, und wenn ja, wie viel?

Bei „Aisthesis“ gibt es einmal wieder ein ultimatives Leser-Mitmachspiel, für jung und natürlich auch für alt. Operation Enigma: Testen Sie Ihr Geschichtswissen und raten Sie mit: Wissen Sie noch, wie Hitler aussah? Mal ehrlich und Hand aufs Herz: Wer war‘s?

Ah, sie wissen, wer es ist! Dann tragen Sie doch die richtige Antwort in die Kommentarsektion ein, oder senden Sie eine E-Mail an den Hausherrn des Blogs. Die Zählung beginnt von oben links mit 1 und endet unten rechts mit 8. Wie immer gibt es hochwertige Preise zu gewinnen.

Gesamtkunstwerk Stalin, Gesamtkunstwerk Hitler, ein oder zwei Bekenntnisse und wie ich zum Rationalsozialisten wurde (Erste Lesung)

Auf dem Blog Exportabel wurde versucht, das Verhältnis der Linken zu den Massenmorden unter Stalin, resp. ihr Verhältnis zum real existierenden Sozialismus samt seinem Terror zu diskutieren bzw. es zum Thema zu machen, inwieweit die Linke diese ihre Vergangenheit in den Blick bekommen und aufgearbeitet habe. Über den Gang und die Art der Diskussion wird sich der Leser selber ein Bild machen können, wenn er mag. Insofern kommentiere ich die Dinge auf dem Blog nicht groß. Die Perspektiven sind sehr unterschiedlich; die Frage Genovas aber, jenseits der Polemik mancher Kombattanten, ist berechtigt. Ich empfehle natürlich auf der Ebene der Literatur als Lektüre Heiner Müller und Brechts „Maßnahme“. (Weitere Bücher kommen dann weiter unten.)

Ganz analytisch wird man zunächst folgende Aussagen treffen können:

a) Die Aufarbeitung des Terrors unter dem Zeichen des Sozialismus/Kommunismus sowjetischer Ausprägung ist zunächst einmal Sache der Staaten, die einst das Gebiet der damaligen Sowjetunion bildeten. Wieweit das geschehen ist, ob es in den Schulen ein ähnliches Aufarbeitungscurriculum gibt/gab wie in der damaligen BRD in den 70er/80er Jahren meiner Schulzeit in bezug auf den NS-Staat, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn heute noch in einigen Städten Stalin-Imitatoren herumstehen, meine ich, daß dieses Projekt noch in der Anfangsphase steckt. Zumindest ist ein Hitler-Imitator in Berlin schwer vorstellbar, wenngleich Anselm Kiefer einst in verschiedenen Städten ein solches Projekt durchzog.

b) Der Teil der (West-)Linken, welcher eine ausgeprägte Affinität zur Sowjetunion hatte – in der BRD war das die DKP sowie anhängende Organe –, sollten einiges nachholen, sofern er dies nicht bereits tat.

c) Der Teil der Linken, welcher sich indifferent zur Sowjetunion verhielt, könnte ein paar Gedanken verschwenden, damit bei der nächsten Utopieumsetzung sich nicht ähnliches ereignete. (Aber beim zweiten Mal wiederholt sich Geschichte ja bekanntlich als Komödie, da wird‘s dann nicht so schlimm.)

d) Die Linke, welche kritisch zum System der Sowjetunion stand (damit meine ich jetzt nicht die Maoisten, die haben ein ähnliches Problem) und dies seinerzeit deutlich kundtat, hat eher wenig Bedarf und sich insofern nichts vorzuwerfen.

e) Der öffentliche Diskurs: Ihn hat bis in die 70er, bis zur Serie Holocaust schon der Faschismus kaum interessiert. Ob ihn die Verbrechen Stalins/der Sowjetführung berühren, denke ich eher nicht.

Damit dürfte einiges klarer im Blick liegen.

Aufgrund der Heftigkeit der Diskussion möchte ich jedoch darum bitten, diese Dinge hier nicht zu kommentieren. Lassen Sie diesen Text einfach auf sich wirken und folgen sie ihm. Es ist dies ein unpolitischer Blog, und hier regiert mit großbürgerlicher Geste eine Thomas-Mann-ähnliche Figur, die auf eigentümliche Weise, als abenteuerliches Herz, an den Namen eines sowjetischen Generaloberst geraten ist.

Da ich zudem sowohl Stalin als auch Hitler in ästhetischer Hinsicht einiges abgewinnen kann, wäre hier sowieso nicht der richtige Ort für eine politische Debatte. Deshalb ein paar intime Bekenntnisse: Die schauspielerischen Auftritte, die Art, sich aufzuführen, die geniale Sprechweise und die großen Gesten dieses Mannes, mit dem man rosa Kaninchen stehlen konnte, pflegten ein Freund und ich im Geschichtsleistungskurs, ach an allen möglichen und unmöglichen Orten in der Unter- und Oberprima, sozusagen als Störfeuer, intensiv zu imitieren. Auch trugen wir an unseren Jacketts einen Badge aus jener Zeit (Es muß wohl ein „Kraft durch Freude“-Abzeichen oder etwas ähnliches gewesen sein.)

Natürlich waren das unreflektierte Pennälerspäße. Es gab auch engagierte Schüler, die uns zur Ordnung riefen, etwa als wir während der Vorführung von „Die weiße Rose“ Witze rissen. Wir hatten Lehrer, die absolut links waren, siebzigerjahrelinks, das Klischee des cordhosen- und fleckigbraune Umhängeledertasche tragenden Gemeinschaftskundelehrers stimmte exakt: Wildledermantelmann. Dank dieser Lehrer hatte ich jedoch eine Freiheit, die mir an jeder anderen Schule einen Verweis oder aber ein Verstummen eingebracht hätte. Insofern will ich darüber nicht lästern.

Das Ende beider Führer ist eines Theaterstückes würdig. Wir haben ein solches in unserer Jugend geschrieben. Der Film „Schtonk“ hat, unwissender Weise uns plagiierend, seine großartige Anfangsszene (fast) von uns geborgt. Die wunderbare Zarah Leander singt zum Beginn, „Davon geht die Welt nicht unter“, dazu sieht man ein zertrümmertes Berlin, und dann dieser Satz, draußen vor dem Führerbunker, fast schon im Wonnemonat Mai: „Der Führer brennt nicht!“. Von der herrlichen Nazi-Klamotte „Sein oder Nichtsein“ mal ganz zu schweigen. Natürlich sollte man das in der Fassung von Lubitsch sehen, das Remake ist nicht erwähnenswert. Es wäre insofern das Thema Humor und Faschismus eine eigenständige Erörterung wert.

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Stalins Sterben, der stundenlang dahinröchelte, in Kotze und Kot, weil keiner der anwesenden Lakaien es wagte, sich zu regen, aus der Angst heraus, etwas Falsches zu machen. In manchen Betrieben wird noch heute so gearbeitet. Ich halte diese Arbeitsweise aber für besser als die kommunikativen Kicker und die Orangensaftmaschinen, da der Angestellte und der Arbeiter ruhig wissen sollen, daß sie Arbeiter resp. Angestellter sind.

Als den dritten großen Schlächter und Völkermörder des letzten Jahrhunderts muß man der Diskussion freilich Mao hinzufügen, der, linksseits, von seiner Fraktion innig-heiß geliebt wurde: Greiser, weiser Führer. Und diese Liebe ereignete sich auf einer breiteren Basis als bei dem bereits abgehalfterten Stalin. Warhol hat den Mann aus Rotchina unendlich reproduziert: Mao goes pop. Spaßig anzusehen dann die Raufereien der Linken untereinander und die Suche nach dem roten Stein der Weisen. Und wer in seiner Studienzeit noch die Jünger von der MG (Marxistische Gruppe), dialektisch-trinitätisch auftretend, betrachten und vor allem hören konnte, der darf sich für sein Leben glücklich schätzen. Mir haben diese Fragen und Reden in Vorlesungen und Seminaren immer viel Freunde bereitet. Ernsthaft und ohne ironisches Zwinkern muß ich sagen, daß diese Damen und Herren textlich und rhetorisch sehr gut vorbereitet waren, was man von den Studenten oft und manchmal auch von dem einen oder anderen Professor nicht sagen konnte. Ein wenig mehr Karl Kraus hätte doch ausgereicht, um der MG parieren zu können: denn warum sachlich bleiben, wenn es auch persönlich geht? Sie waren zumindest ein Stachel im Fleisch, und ich selber fand manches an dem Betrieb farblos, als sie plötzlich nicht mehr da waren.

Einmal sogar haben ich sowie eine Studienfreundin (es müßte korrekt sicher heißen: eine Studienfreundin und ich) ein Seminar boykottiert und unter Protest verlassen, weil dort den MGlern vom Professor Sprechverbot erteilt worden war. Gute Menschen waren wir. (Hat ja auch nüscht jekostet.)

Vieles wurde zum Genossen Stalin („Er grüßte im Wald mild ein scheues Reh“ oder so ähnlich dichtete einst ein Dichter aus dem ersten Arbeiter und Bauernstaat auf deutschem Boden) und seinem System von manchem geschrieben. Brecht wußte sehr sehr gut, warum er nicht in die UdSSR, sondern in die USA immigrierte. In Koestlers „Sonnenfinsternis“ konnte man die Mechanismen der Macht und die Bedingungen der Haft nachlesen, und früh durfte man es wissen, falls man Bedarf danach hatte und überhaupt wissen wollte: Gides und Malraux‘ Bekenntnisse nach dem Besuch der sogenannten Sowjetunion oder Manès Sperbers großer Wurf „Wie eine Träne im Ozean“. So ganz unbefangen ließ sich danach das Wort „Kommunismus“ nicht mehr in den Mund nehmen. Für mich hatte die Lektüre zur Folge, Kollektive zu meiden wie die Pest. Politische Kundgebungen waren für mich fortan Orte, an denen es galt, gute Photographien zu fertigen. Studentische Vollversammlungen wg. Streik und nebenheriger Verbesserung der Welt habe ich nach einem Besuch wieder verlassen, weil das Gefasel unerträglich war; gemütlich gerieten allenfalls die Abende in Kleingruppen, weil da vielfältig Alkohol gereicht wurde, sowieso keiner zuhörte und man der einen oder anderen Frau näher kam. Trotzdem bleibt: Wo mehr als drei lungern, ist eh scheiße.

Später dann gab es natürlich Alexander Solschenizyn sowie Warlam Schalamow, der das Straflager (Tod durch Arbeit) in einer beklemmenden Brutalität und Nüchternheit schilderte. In der BRD interessierte sich für die Bücher Walter Kempowskis Ende der 60er zunächst kaum einer. Die im kleineren Teil Deutschlands lebten, wurden erst mit der Ausbürgerung Biermanns im allgemeinen Diskurs der Linken ein wenig interessanter. Bei den undogmatischen gab es freilich genug, die Biermann während der 60er, 70er Jahre in der DDR besuchten. Meine halbe Lehrerschaft zumindest hatte ihn, nach Selbstzeugnissen, besucht, irgend etwas hinein und wieder herausgeschmuggelt.

Sartre entblödete sich nicht, den Laden dort im Osten noch in den 50ern hochzuhalten, später machte er dann rüber zu Mao: Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter. Die Mandarine können manchmal sehr groß irren, sei‘s Sartre, sei‘s Heidegger.

Adorno und Horkheimer wußten sofort, was da ostwärts gespielt wurde und nannten das Land der Arbeiter das, was es war: ein gigantisches Arbeitslager. Nicht anders als das sogenannte Dritte Reich: Beides Auswüchse eines sich zunehmend entfesselnden Kapitalismus. Ihre Kritik in der „Dialektik der Aufklärung“ ist ja eine dezidierte Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus der braunen und der roten Farbe sowie dem der Waren. Interessant wäre es gewiß, hier die Bezüge zu Hannah Arendt herzustellen, dieses ceterum censeo ein wenig in andere Richtung hin gesprochen, wo es sich schon nicht mehr zu Schuld, sondern zu einem gigantischen Schuldzusammenhang und Textschuldenzusammenhang auftürmt, der die Ausmaße von Kafkas Werk besitzt.

(Ende der ersten Lesung)