Tonight’s The Night, Maupassant, der Eiffelturm sowie eine Umfrage

Auch Ihr Qualitäts- und Serviceblog Aisthesis möchte sich einmischen und für heute und insbesondere für alle US-Bürgerinnen und -Bürger, die zu meiner Leserschaft zählen, eine Wahlempfehlung abgeben: Wählen Sie Mitt Romney zu Ihrem neuen Staatsratsvorsitzenden! Ein Mann, der Mormone ist, kann kein ganz schlechter Mensch und damit auch kein schlechter Präsident sein – insbesondere in den Fragen der Frauenpolitik nicht. Hoffen wir, daß die UN zahlreiche Wahlbeobachter in die USA entsendet, denn die demokratischen Strukturen von Ländern der Dritten Welt bzw. von Schwellenländern sind nicht immer ganz lupenrein.

Ansonsten aber treiben mich eher solche Fragen um: Lese ich nach Juli Zehs Roman „Spieltrieb“, wie vorgesehen und um meine Besprechung über das aktuelle Buch von Zeh zu schreiben, nun als nächstes „Nullzeit“ oder doch eher das ganz und gar wunderbare, für Bibliophile ein Muß-ich-haben-Fetisch, dieses haptisch-optisch ansprechende Buch aus dem mare Verlag „Auf See“ von Guy de Maupassant?

In einem aparten Schuber verpackt, cremefarben oder auch: Chamois. Das Buch, gebunden in schönem, blau schimmernden Leinen, mit einem Lesebändchen versehen, blau-silbernes Kaptalband: dieses Buch ist eine kleine feine Preziose, eine Kostbarkeit für Menschen, die schöne Dinge mögen. (Und am Ende sind nur die Dinge schön: Menschen sind es selten oder sie langweilen irgendwann, sie altern, werden gehässig und im Alter meist böse und selten weise, und die welche sich weise geben oder sich dafür halten, brabbeln unsäglichen Unfug. Dinge hingegeben, die bleiben. Menschen sind enttäuschend und nach längerem Umgang meist ohne Bedeutung.)

„Auf See“ bietet sich im aufreißerischen Werbetrailer bereits vielversprechend an. So heißt es auf dem Rücken des Schubers:

„Ich spüre, wie der Rausch des Alleinseins in mich eindringt, der süße Rausch der Ruhe, die nichts stören wird, kein weißer Brief, kein blaues Telegramm, nicht die Klingel meiner Tür, noch das Bellen meines Hundes. Ich bin allein, wirklich allein, wirklich frei.“

Guy de Maupassant haßte, Anekdote am Rande, manche (bauliche) Entäußerung der aufziehenden Moderne, insbesondere den ab 1887 errichteten Eiffelturm – im gleichen Jahr formulierten zahlreichen Künstler gegen jenes Monument einer heraufziehenden neuen Zeit des Stahls einen Protesttext. Es nützte nichts: Der Turm wurde kurz vor der Pariser Weltausstellung von 1889 fertiggestellt. Irgendwann sah man Maupassant jeden Tag im Restaurant des Eiffelturms speisen und er wurde gefragt, weshalb er dort säße und äße, wenn er diesen Turm so sehr verabscheute. „Es ist dieser Platz“, so entgegnete Maupassant, „in Paris der einzige Ort, an dem ich den Eiffelturm nicht sehen muß!“

Eine feine Anekdote. Und nun stimmen Sie bitte mit mir ab, ich kann mich nicht entscheiden: was soll ich lesen?