„Mit Brillengestell wie Baudrillard“: Berlin, Barleben, Post-Corona und die Postmoderne – die Tonspur zum Sonntag

Wenn bald die Covid-19-Zeit vorüber und wir alt sind oder auch nicht und wenn die Spatzen von den Dächern pfeifen, die Berliner Nachtigallen singen (man beachte dazu von David Rothenberg und Silvia Morawetz das Buch „Stadt der Nachtigallen: Berlins perfekter Sound“, Rowohlt 2020) und wenn nun der Sommer Einzug in die Stadt hält, dann zieht auch die Postmoderne in Berlin und in unsere Clubs und Straßen wieder ein: „Das fragmentierte Subjekt stellt sich physisch dar, als vielfacher Huldiger vor dem Szenealtar.“, wie die Band „Erfolg und der beste Damenchor aller Zeiten“ es singt. Bald geht es wieder los. „One day baby, we’ll be old. Oh Baby, we’ll be old. And think of all the stories, that we could have told.“ Mit Brillenmännern, Brillenfrauen und Mädchen in Spagetti-Tops, so hofft der Frauenfreund und -betrachter aus seinem Refugium heraus, das weit ab vom wilden Treiben, Tun und Tanzen, aber dicht bei den Nachtigallen und den Singvögeln liegt. Und ich denke, wie schön die Zeit war. Damals. 2013. Im „Vögelchen“ in der Eisenbahnstraße mit Julia und beim Hühnerhugo und später geheime Cocktailträume in der „Schwarzen Traube“. Bald aber heißt es wieder:

„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.“

Ich aber habe mit oder ohne Baudrillardbrillen kurz nur dem Sound der Nachtigallen gelauscht. In einem Park in St. Eglitz, dicht bei Dahlem, da wo es gegen Nacht still ist und selten nur, gegen eins oder zwei, der Motor eines Autos die Stille der Straße schneidet.