Karneval, Frohsinn und Emotion

Nun ist der kalte Bewohner des Grandhotel Abgrund nicht unbedingt für seine Emotionalität oder gar das Bauchgefühl bekannt, jene erweist sich bei ihm als grundsätzlich abwesend (so behaupten manche), dieses ist kaum vorhanden. Vielmehr ist jener sonderbare Gast im Grandhotel Abgrund als rational-dialektischer Metaphysiker, als Verstand, als transzendentaler Strukturalist und Geist verschrien. Aber zum Karneval sieht das naturgemäß anders aus: da berührt sich der intelligible Charakter mit dem empirischen, da gibt sich nicht nur der Betreiber dieses Blogs ganz hin, sondern auch halb Berlin ist auf den Beinen. Allerdings nur bei erlaubten 75 Dezibel, das Werfen von Konfetti ist grundsätzlich verboten. Immer wieder gerne mache ich, trotz einer immer noch währenden Virus-Krankheit, meine Photographien. Diese Photographien gibt es auf meinem Photo-Blog zu sehen. Ich mache daraus zwei Teile; den zweiten zeige ich im Laufe der nächsten Woche. Wie immer geht die Benutzung wie folgt. Auf das erste Bild klicken, dieses vergrößert sich und dann kann man die Serie als eine Art Diashow durchlaufen lassen.

Ach ja, sollte irgend eine/r meiner Leserinnen oder Leser eine Ahnung haben, was man gegen einen über sechs Wochen währenden Epstein-Barr-Virus macht, die oder der kann mir das gerne mitteilen. Es nervt nämlich gehörig, keinen Riesling, keinen Merlot, kein Nichts trinken zu dürfen. Und das ist eine der noch harmloseren Einschränkungen.

X

13_02_03_D_600_343

X

13_02_03_D_300_614

X

13_02_03_D_300_603

X

13_02_03_D_600_448

X

13_02_03_D_600_450

X

13_02_03_D_600_592

Epstein-Barr

Nein, Epstein-Barr ist kein adliger preußischer Wehrmachtsgeneral aus dem Zweiten Weltkrieg, den Guido Knopp von irgendwoher ausbaggerte, es ist kein Wirtschaftsindex, um steigenden oder sinkenden Wohlstand einer Volkswirtschaft zu messen, es handelt sich nicht um eine ausgefallene Stellung beim Sex, es wird das nicht als innovativ-kreativer, neologistischer Vorname für hippe schwäbische Kinder von hippen schwäbischen Vorzeigemüttern aus dem Prenzlauer Berg, die in Cafés lästig fallen, vergeben, und es verbirgt sich dahinter auch keine SPD-Doppelnamenfrau, die in den 80er in der Politik wirkte und gegen die SPD-Politik des unseligen Helmut Schmidt ankämpfte, sondern vielmehr handelt es sich um eine Viruserkrankung, deren Symptome vielfältig sind. Dauerhafte Erschöpfung z. B. Wer sich einmal damit ansteckte, kann Glück haben und bleibt für dahin verschont, bei anderen bricht dieses Virus immer wieder mit Regelmäßigkeit aus – so bei mir. Und da ich, wie schon vor einem Jahr, mit dieser Erkrankung zu tun habe, dachte ich mir: gib sie doch einfach an Deine Leserinnen und Leser weiter, damit die auch etwas davon haben. Diese Krankheit nennt sich übrigens sinnigerweise auch Kußkrankheit. Das erste Mal, es gibt im Leben bekanntlich immer ein erstes Mal, trat diese Erkrankung 2008 auf. Ich weilte bei einer Ex-Freundin, der ich ein wenig seelischen Beistand leistete, und als ich früh morgens in ihrem Bett aufwachte, sie schlief auf ihrem riesigen Sofa, welches ich immer als Wallensteins Lager bezeichnete, überfiel mich eine ungeheure Erschöpfung und Müdigkeit. Ich fand mich zwar nicht als ein Ungeziefer wieder, in das ich mich verwandelte, aber so ganz derselbe war ich fortan nicht mehr.

Das Problem bei diesem Virus ist, daß es aufgrund der Symptome von Ärzten häufig nicht gut erkannt wird. Manche glauben einem nach zwei Wochen die dauernde Erschöpfung nicht und kaschieren ihre eigene Unfähigkeit hinter Faulheitsbehauptungen oder dubiosen Diagnosen. Ich hatte Glück, denn ich gehe zu einem sehr guten Hausarzt – das Grandhotel Abgrund hält einen vorzüglichen medizinischen Service bereit –, der mir gleich auf den Kopf zusagte: „Bersarin, Du hast Epstein-Barr-Verdacht, das testen wir gleich mal!“ Und siehe, so war es. Über drei Wochen Krankenlager.

Es verhält sich nun nicht so, daß ich beständig im Krankenbett liegen muß – ich kann spazieren, kann einkaufen gehen, kann lesen. Aber nach einer gewissen Zeit überkommt mich diese Erschöpfung und die Müdigkeit: die Augen fangen an zu brennen, die Konzentration läßt nach, im Kopf gerät es schwindelig. Und so muß ich mich dann zu Bett legen oder strecke den Kopf auf mein Sofa und dämmere oder schlafe vor mich hin. Insofern ist langes Flanieren nicht möglich. Die Tätigkeiten sind sehr eingeschränkt.

Das bedeutet: ich muß meinen Text zur ästhetischen Subjektivität, welchen ich heute bringen wollte, ein wenig aufs Wochenende verschieben (diese Schreibunfähigkeit ist auch noch ein paar anderen Dingen geschuldet) und kann den Text erst dann (frühestens) liefern, denn im Moment benötige ich wegen der vielen Pausen für alles etwas länger.

Aufgrund dieses Virus muß dann auch die Rubrik „Der Blogtinker“, in welcher ich verschiedene, mir empfohlene Weine testen wollte, auf unabsehbare Zeit verschoben werden, weil Alkohol in diesem Zustande doch eher schädlich denn nützlich ist, namentlich dann, wenn, wie bei dieser Krankheit der Fall, die Milz sich vergrößert und auch die Leber angegriffen wird. Ich bitte meine Leserinnen und Leser um Entschuldigung, daß ich bis auf weiteres diesem Vergnügen der batailleschen Verausgabung jenseits jener beschränkten Ökonomie des Verrechnens nicht nachgehen kann.

Und so liege ich auf dem Sofa, lese, lege das Buch vor Erschöpfung beiseite. Sehe aus dem Fenster und schaue den Krähen zu, die durch die Straße fliegen.

„– schlafen –
Schlafen! Vielleicht auch träumen! – Ja, da liegt’s:
Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,
Wenn wir den Drang des Ird’schen abgeschüttelt,
Das zwingt uns stillzustehn.“