Abwaschgeräusche – eine Weihnachtsgeschichte mit wenig festlicher Musik

Ich stand in meiner unnachahmlich lässigen Art am Spülbecken, tauchte leger, aber lustlos das Geschirr ins Wasser, schrubbte leicht gedankenversunken mit der Bürste darüber, damit die verkrusteten Reste des Essens sich in einer Art trüben Brühe auflösten, in die ich zu allem Überfluß meine Hände halten mußte, in die ich vorher einen Spritzer grünliches Mittel tat und das ganze dann schaumig rührte. Damit diese eher stupide, aber leider doch nötige Tätigkeit halbwegs ohne Murren vonstatten geht, höre ich dabei im Hintergrund gerne Radio. Nichts Aufregendes, keine komplexen Musikstücke, kein Kulturprogramm, kein Deutschlandradio oder Verfahrenes, sondern die populäre Musik tönt aus der Box. Im Sender, den ich meist höre, lief gerade eines dieser unsäglichen, abgekupferten Lieder – Nachmacherlieder nenne ich sie immer –, wo ich bei mir dachte: Mein Gott, das kann doch nicht wahr sein, jetzt fangen die jungen Sänger, die heute freilich Singer/Songwriter sich nennen, schon damit an, den unnachahmlichen Sven Regner in Text und Ton nachzuahmen, und sie musizieren genau wie „Element of Crime“. Aber alles um drei Nummern schlechter gemacht, mit billigen Texten, mit blinden Metaphern, die aus dem Song herausklangen und in mein Ohr stachen. Und ich fand das alles entsetzlich und für die Musik insgesamt erniedrigend, was mich beim Abwaschen – einer sowieso bereits hinreichend trostlosen, traurigen Verrichtung – noch trauriger stimmte. Dann kam das Liedstück endlich zu seinem Ende und die Moderatorin sprach: „Das war gerade ‚Element of Crime‘ mit ‚Kopf aus Dem Fenster‘.“

Wenn eine Gestalt des Lebens alt geworden ist, beginnt die Eule der Minerva ihren Flug.

Und nie mehr werden „Element of Crime“ jene wunderbar melancholische, heitere, schwarze Musik machen, wie sie es in den 90ern taten. Kein weißes Papier mehr: denn schmerzhaft wird es erst hinterher. Damals hinterm Mond. Musik, damals noch aus dem Kassettendeck im Auto: Marke Audi. Ein wunderbares Auto, alt, aus den 70ern. Die Bürste kreist lustlos über den Tellern, während ich an ihre Brüste, an die Haut ihrer Oberschenkel und an ihre blonden Haare sowie an den Audi denke.

Die Diskursivität des Nicht-Diskursiven (1)

Klingt nach Non Sense. Ist es auch. Ich starte eine neue Serie, die sehr bis äußerst unregelmäßig erscheinen wird, wie es bei all meinen Projekten und Serien der Fall ist. Fragmentiert-Serielles gäbe gewiß auch einen hübschen Namen für eine Serie ab.

In die Stadt mit dem meisten und besten Pop sowie den vielfältigsten Beats per Minute ist nun einmal zwangsläufig auch die Popkomm, diesmal vom 8. bis zum 10. September 2010, zu Hause. Selbst die Sowjetische Stadtkommandantur konnte das „Yeah, Yeah, Yeah“, welches zwischen dionysisch und apollinisch taumelt, mit Maßnahmen kaum verhindern. Doch immerhin gibt mir das Gelegenheit, in solchem Rahmen einmal auch außerhalb der „Tonspur zum Sonntag“ das eine und andere gelungene Pop-Stück vorzuführen, so wie zum Beispiel dieses hier, dem ich mich in seiner Aussage vollumfänglich affirmativ anschließe, denn schön ist es, mit Nietzsche geredet, dieses große Ja sagen zu dürfen. Auch die Sowjetische Stadtkommandantur Karlshorst sagt Ja zur modernen Welt:
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Ach ja, und so zur Nacht hin noch, dieses Pop-Stück für jene eine, viel zu schöne, zuweilen chaotisch-durcheinander mäandernde Frau mit dem schwarzen Haar, das ich liebte, die ich nie vergessen werde:
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Was die Popkomm so aus Menschen macht.