Donald Trump

Den wohl treffendsten Text zu vier Jahren Donald Trump verfasste der Autor Guido Rohm. Darin pointiert er vorzüglich das Wesen dieses Mannes:

Donald Trump hatte beim Golfen erfahren, dass Joe Biden zum nächsten Präsidenten ausgerufen worden war. Aber von was, fragte sich Donald Trump, der nicht wusste, was ihm die Nachricht sagen sollte. Er war der Präsident der USA. Er hatte die Wahl mit großem Abstand gewonnen. Das hatte er eben erst, kurz vor seinem letzten Schlag, getwittert. Er war ja selbst ein wenig überrascht gewesen, die Wahl so überzeugend zu gewinnen. Ein ganz klein wenig. Na, geben wir es zu, er war nicht überrascht gewesen. Und jetzt kam diese Meldung über Joe Biden rein, der der nächste Präsident werden sollte. Vielleicht von einem drittklassigen Inselstaat. War er bereits getürmt?

Trump griff sich einen seiner Leute vom Secret Service und fragte: „Wo soll denn dieser …“ Er tat, als müsse er sich erinnern, „dieser Tom, nein, dieser Fred, auch nicht, dieser Joe Biden Präsident geworden sein?“

Der junge Mann vom Secret Service schluckte und sagte schließlich: „Ich weiß es nicht.“

Sehr gut. Solche Leute hatte er am liebsten um sich. Deshalb hatten sie doch ihn, den besten Präsidenten aller Zeiten.

Aus „Der beste und großartigste Präsident aller Zeiten“

(Zu finden an dieser Stelle)

Kleiner Nachtrag noch, sofern einige darüber sich freuen, wenn Trump nun auf die Anklagebank käme: Da allerdings wüßte ich einige geeignetere Präsidenten, die eher vor einem US-Gericht bzw. vor dem Internationaler Gerichtshof in Den Haag ihren Platz hätten. US-Präsidenten und ihre Beraterstäbe, bei denen es angesichts ihrer Verbrechen gegen Menschen und andere Länder angemessener wäre, wenn man sie angeklagt (und meinetwegen auch verurteilt) hätte: von Bush über seinen Vize Dick Cheney, samt Lyndon B. Johnson, Richard Nixon: wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Immerhin hat Trump qua Search and Destroy, Agent Orange, Brandbomben, Fake-News Tonkin, Flächenbombardement anderer Länder, Drohnenkriegen auch gegen die Zivilbevölkerung und qua Regime Change unter anderem in Iran, Chile und Libyen nicht derartiges Leid und Elend über die Welt und vor allem über Menschen gebracht. Gestern erst wieder zu sehen auf ZDF-Info eine Dokumentation über den Vietnamkrieg, die zeigte, was die USA völker- und menschenmordend in Vietnam taten und wie sie ein Land mittels Bomben, Feuer und Gift in eine Mondlandschaft verwandelten. Eine sehenswerte Dokumentation, die dann die kurze Ära Trump doch noch einmal in einem anderen Licht erscheinen läßt im Vergleich zu diesen Präsidenten.

 

 

Good Morning, America!

Ladys and Gentlemen: The president of the United States!

Und jetzt mal nicht so antiamerikanisch, Freunde von SpOn und von anderen Medien, die ihr bei jedem Krieg, bei jedem Regime Change, bei jeder neoliberalistischen Regung und bei jedem TTIP jahrzehntelang im Arschloch von Bush und Obama gehockt habt und euch in der hohen Kunst des Schweigens übtet. Ich freue mich zwar nicht über Trumps Wahl, aber eines gewissen Witzes entbehrt diese Wahl und die gestrige Antrittsrede nicht. Allein deshalb, weil das versteinerte Gesicht des Transatlanikers Claus Kleber im heute journal Bände sprach.

Nun sind freilich Trump und seine Politik deshalb noch lange nicht gut, weil wir uns über die belämmerten Gesichter der Bidders und Klebers freuen. Auch in diesen Umkehrschluß sollte niemand verfallen. Die Kritik sowohl an Trump wie auch an einem Journalismus, der sich blind gegenüber bestimmten Phänomenen stellt, sollte das Ziel einer pluralen Berichterstattung sein. Zumindest in der Variante, die man in der Jurisprudenz „Die überwiegend herrschende Meinung“ nennt, war diese Pluralität bisher nicht so häufig anzutreffen. Ich denke an die Berichte zu Syrien und Aleppo, zum Yemen, zur Ukraine, zur Griechenlandkrise. Merkels und Kai Dieckmanns sowie Ulf Poschardts Mitleid mit den Griechen hielt sich arg in Grenzen.

Erstaunlich bleibt jedoch, wie kritisch Journalisten, die man vorher bei ihrer Kritik zum Jagen tragen mußte, mit einem Male berichten können, wenn sie denn wollen. Honi soit qui mal y pense! Insofern hat die Wahl Trumps zumindest ein gutes, und allein in diesem Sinne war gestern ein gelungener Tag, der uns zeigt: Es geht. Früher in den Zeiten des journalistischen PR-Sprechs wurden solche Berichte freilich in anderen Kontexten immer als Antiamerikanismus gelabelt. Aber jetzt rede ich schon wie so ein Journalist aus alten Zeiten.

Ja, es ist lustig, gestern und heute morgen bei SpOn (und auch in anderen Medien) zu lesen. Große Beruhiger, die sonst und in allen anderen Zusammenhängen in schöner Konstanz vor Hysterie warnten, hyperventilieren plötzlich. Große Schweiger bei der US-Politik verwandeln sich zu wagemutigen Kritikern und spreizen sich zu Meistern der Rhetorik. Was für wundersame Metamorphosen. Erinnert sich noch jemand an Herta Däubler-Gmelin und ihre Kritik an Bush und wie man mit Däuber-Gemlin umsprang, als sie in ein paar harmlosen Sätzen Bush kritisierte? Ja?

Bei SpOn-Journalisten muß ich immer an den Satz aus Schillers „Die Räuber“ denken: Kerls, die in Ohnmacht fallen, wenn sie einen Buben gemacht haben, kritteln über die Taktik Hannibals.

Im Trump-Kontext interessant sind zudem die Aussagen des philantrophischen Oligarchen George Soros in Davos. Die „Zeit“ titelte: „George Soros warnt vor ‚Hochstapler und Möchtegerndiktator‘ Trump“.  Einmal davon abgesehen,  daß Trump (bisher) ein demokratisch gewählter Präsident ist und es in den USA immer noch so etwas wie checks and balances gibt: Da geht wohl denen, die Obamas und Clintons Politik der Konfrontation und des Regime Change mit Hedge-Fonds und dubiosen Spekulationsgeschäften finanzierten, kräftig der Köttel in der Hose. Wie auch dem oben genannten Herrn Kleber. Andere Herren, anderer Einfluß. Es ist wie in Brechts Lied von der Moldau. Eine gewisse Schadenfreude angesichts von Soros‘ Verdienstausfalls kann ich nicht verhehlen. Ärgerlich allerdings, daß der Artikel zu erwähnen vergißt, inwiefern George Soros den blutigen Putsch in der Ukraine finanzierte und dort massiv eine Politik der Konfrontation schürte.

Ja, wir, die BRD, die Welt: wir werden mit Donald Trump und möglicherweise auch mit einer veränderten Weltordnung leben müssen. Für eine kluge Europapolitik bietet das eine Chance. Insbesondere, um eine andere Politik in den arabischen Großräumen und in bezug auf die Ukraine zu fahren. All diese Dinge sollten wir mit kühlem Blick betrachten und nicht in der Hysterie aufgescheuchter SpON-Journalisten. Benjamin Bidder wird sich eine neue Tafel suchen müssen, wo ein paar Happen für ihn abbröseln. Aber ich bin mir sicher, er wird, findig wie er ist, einen neuen und bequemen Platz ergattern. Die heute noch so aufgeregten Journalisten werden sich schnell arrangieren. Das Press-Wesen ist ein eigen Ding und solche Transformationen in Blitzeseile gehören zu seinem Metier:

„Der Journalismus ist ein Terminhandel, bei dem das Getreide auch in der Idee nicht vorhanden ist, aber effektives Stroh gedroschen wird.“ (Karl Kraus)

Selektives Sehen

Diese Firma weiss, was Sie denken. Cambridge Analytica kann mit einer neuen Methode Menschen anhand ihrer Facebook-Profile minutiös analysieren. Und verhalf so Donald Trump mit zum Sieg.“ So schreibt der Zürcher Tages-Anzeiger.

Was Journalisten bei Donald Trump mit einem Male alles auffällt, das sie bisher und in anderen Zusammenhängen geflissentlich übersahen, das ist schon interessant zu beobachten. Aber wer weiß – vielleicht erhält ja durch Trump der kritische Journalismus tatsächlich wieder Auftrieb. Ironie des Zeitgeistes sozusagen oder aber eine Hegelsche List der Vernunft in der Geschichte. Nachdem es viele Zeitungen mit der Agenda 2010 (Hallo „Spiegel“) nicht so genau nahmen und sie die soziale Umverteilung von unten nach oben als alternativlos dem Leser andealten, nachdem Journalisten mit der Kritik am Neoliberalismus kräftig sparten wie dieser an den Gehältern der Arbeiter, um die Taschen der Aktionäre dafür umso mehr zu füllen; nach den Berichten über die sozialen Proteste in Portugal, Spanien, Griechenland, die in den Medien weitgehend ausfielen oder lediglich als Randnotiz auftauchten, bis hin zur Lage in der Ukraine (Hallo Alice Botha) oder in den USA, samt den Tricksereien von Hillary Clinton (Hallo Joffe). Nachdem man all das nicht so genau nahm, ist es erfrischend zu lesen, wie manche Zeitung ihren kritischen Geist wiederentdeckt.

Wäre eigentlich bei einem Clinton-Sieg auch so exakt hingeschaut worden? Frage ich mal maliziös.

Ein paar Worte zu Trump

Ich habe heute morgen eine kurze Zeitungslektüre gehabt. Das Gute an diesem Tagesbeginn: Lieste einen Artikel, kennste alle. Da sich Berichte, Kommentare, Leitartikel im Ton ähneln, reicht es die ersten drei Zeilen zu lesen und dann zu überfliegen. Unterkomplexe Analysen, Überheblichkeiten, das übliche Gerede. Angefangen bei der Alarmkommunikation auf SpOn, denen irgendwie der Arsch auf Grundeis zu gehen scheint und nun müssen sich zudem auch die Jungs um Joffe mit den Transatlantikern ganz neu verständigen. Mein Mitleid hält sich da in Grenzen. Auch das mit einem bestimmten linksliberalen Juste Milieu.

Was wäre übrigens, wenn die Wähler Trumps keine überwiegend Abgehängten sind, sondern Trump bewußt wählten, weil sie in ihm eine Chance sehen? So etwas wie einen Neuanfang. Eine Wirtschaft, die nicht bloß an Börsen mit Geld spekuliert und dann verspielt, sondern vielmehr eine Gesellschaft, die auf Erwerbsarbeit setzt. Es ist die Wirtschaft, an der alles hängt. Die Aussicht, daß der altbekannte Widerspruch von Arbeit und Kapital in nächster Zeit ausgehebelt wird, hegen nur noch wenige, und mit einem nationalkonservativen Kapitalisten wie Trump wird diese Revolte sowieso nichts. Aber eben auch nicht mit einer neoliberalen Politikerin, für die die USA ein Geschäftsmodell ist. Die meisten in den USA sind froh, wenn sie überhaupt drei Arbeitsplätze haben – einer reicht nämlich oft nicht. Da liegt die Crux.

Ja, es ist eine feine Watsche für den linksliberalen Mainstream, der lieber über das Gender-Gap und über fünfzehn Geschlechter, über die Minderheit der Minderheit einer Minderheit, die als Minderheit einer Minderheit benachteiligt wird, nachdenkt. Das alles, mit Verlaub, ist jenen in den USA, die in Autos schlafen, weil sie kein Dach mehr über dem Kopf haben, schnurzegal. Und das ist auch denen egal, die morgen diesem Schicksal ausgesetzt sein können. Denn diese Drohung schwebt beständig über den Menschen und hält sie im Kapitalismus gefügig. Ja, Trump wurde auch von Rednecks gewählt. Aber ebenso aus einem Protest heraus, der sich in keiner Partei mehr wesentlich wiederfindet und der nicht nur mit dem konservativ-weißen Milieu zu tun hat. Eine krude Gemengelage oft. Das alles unter dem Slogan Protestwähler zu fassen, greift viel zu kurz und ist unterkomplex. Die Kolumnisten lieben bequeme Erklärungen.

Es sind übrigens, was die Zahlen betrifft, nicht überwiegend die Abgehängten, die Trump wählten – bei den Menschen mit niedrigem Einkommen wählte eine Mehrheit Clinton –, sondern es ist Angst vor drohendem Abstieg – der Mittelstand in den USA zerbrach – und der Wunsch, alte Eliten abzuwählen. Und zu diesen Eliten gehören eben auch fast alle Kommentatoren. Auch die in der BRD. Das sollte man für die nächste Bundestagswahl im Auge behalten.

Dieses Wahlverhalten ist der Effekt einer Politik, die Jahrzehntelang das eigene Land zum Ausverkaufsplatz für neoliberale Wirtschaftspolitik machte, und Hillary Clinton samt ihren Freunden in Wallstreet samt dem militärisch-industriellen Komplex stehen genau für diese Linie. Da hilft auch alles Kaschieren mit ein paar linken Bonbons nichts, und der aufgesetzte Frauenbonus ist in diesen Fragen der Wirtschaft wahrlich das lächerlichste Effekt oder zumindest naiv. (Als ob es Margret Thatcher nie gegeben hätte.) Was ist eigentlich falsch an einem Politiker, der sagt, wenn Ford in Mexiko seine Autos baut, dann wird Ford in Zukunft für den Import dieser Autos in die USA hohe Zölle zahlen? Zumindest entdecken die Wähler eine Tendenz, sehen in Schemen eine der Ursachen ihres Elends. Mögen am Ende die Abgründe des Kapitalismus auch sehr viel tiefer reichen als in die Schutzzollfrage hinein.

Mit böser Zunge kann man sogar sagen: Im Gegenteil die Wahl ist gut gelaufen, es ist die Wahl von Trump ein Zeichen dafür, daß die Demokratie funktioniert, daß Menschen durchaus ihr Unbehagen artikulieren, auch wenn das Ergebnis der Wahl nicht allen paßt. Aber das hätte es bei Hillary Clinton ebensowenig. Weshalb wählten so wenig Latinos und Schwarze Clinton? Wäre sie alle zur Wahl gegangen, hätte Clinton gesiegt. Auch das bleibt eine Frage. Die USA sind und bleiben ein tief gespaltenes Land.

Und für die linken Freunde in der BRD, für die Hillary-Linke, nochmal ins Stammbuch geschrieben, aber das ist jetzt wieder der Friedensblick aus Europa: Wie anders kann man eigentlich eine Flugverbotszone über Syrien durchsetzen als militärisch? Sofern sie nicht durch die UN gedeckt ist, müßte sie ggf. auch gegen die Russen durchgesetzt werden. Was das bedeutet, sollte jeder wissen. Ob wir wirklich für einen weiteren islamistischen Staat nach IS-Vorbild den Frieden in Europa aufs Spiel setzen wollen, sollte man sich gut überlegen. Wer droht, muß einlösen können und auch einlösen wollen, das bleibt Grundannahme der Machtpolitik. Sonst ist die Drohung eine Hülse und damit überflüssig.

Eine gute Analyse zur Wahl finden wir von Jens Berger auf den Nachdenkseiten.

Schön beschrieb diese Linksmaskerade der Clintons auch Zizek in der „Zeit“:

„Der gleiche Volkszorn, der Trump gebar, brachte auch Sanders hervor, und während beide der weitverbreiteten sozialen und politischen Unzufriedenheit Ausdruck verleihen, tun sie es auf entgegengesetzte Weise: der eine mit rechtem Populismus und der andere mit der linken Forderung nach Gerechtigkeit. Und hier ist der Trick: Der linke Ruf nach Gerechtigkeit geht häufig Hand in Hand mit den Kämpfen um die Rechte von Frauen und Homosexuellen, für Multikulturalismus und gegen Rassismus und so weiter. Das strategische Ziel des Clinton-Konsenses besteht darin, all diese Kämpfe von der linken Forderung nach Gerechtigkeit abzutrennen – weshalb das lebende Symbol dieses Konsenses Tim Cook ist, der Apple-Chef, der stolz einen offenen Brief gegen die Diskriminierung von LGBT-Personen unterzeichnet und jetzt problemlos Hunderttausende Foxconn-Arbeiter in China vergessen kann, die Apple-Produkte unter Sklavenbedingungen montieren. Er hat ja seine große Geste der Solidarität mit den Unterprivilegierten gemacht und die Abschaffung jeglicher Geschlechtersegregation gefordert. Wie so oft stehen die Großunternehmen stolz vereint mit der politisch korrekten Theorie.“