„Gib mir endlich einen Abend, einen kriminellen Abend …!“ (Lassie Singers) – Datumsgrenzen

Eine Woche vor Weltuntergang möchten wir kurz aufglühend-verglühend noch kluge Texte schreiben. Und lesen. Vielleicht Karl Kraus?: „Fürs Leben gern wüßt‘ ich: was fangen die vielen Leute nur mit dem erweiterten Horizont an?“

Und zum 21.12.12 passend, ebenfalls Karl Kraus: „Die wahre Metaphysik beruht in dem Glauben, daß einmal Ruhe wird. Der Gedanke an die Auferstehung des Fleisches widersteht ihr.“

So ist es. Und in diesem Rahmen schrieb Sam Beckett knapp dreißig Jahre später sein „Endspiel“. Wir setzen ein Facebook-Gefällt-mir-Zeichen.

Ansonsten als Vorlauftonspur zum ästhetisch ansprechenden Untergang bitte nur dieses hier anzusehen:

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Oh, please, please me. Und dazu Lovley Linda mit ihren dünnen Beinchen und ihrer schön geformten Oberweite. Oder was anderes. Wir möchten: Frauen als Text, und nicht zum Sex. [Etwas übermütig parliert und in den Weltuntergangszwischenraum gewispert.]

Sollte sich der Weltuntergang aus unerklärlich und doch traurigen Gründen verschieben, machen wir mit der Ästhetik weiter und lassen noch einmal Karl Kraus sprechen, der schreibt:

„Vor jedem Kunstgenuß stehe die Warnung: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstände nur anzusehen, nicht zu begreifen.“

Welch feiner doppelter Boden! Der Dummbatzigkeit, der Fühligkeit, der Genießlichkeit kann man gar nicht genug um die Ohren hauen. Fremdschämend peinlichrot werdend liest sich so vieles in der Welt der Texte, wenn gefühlt, empfunden, subjektiviert, gemeint, aber leider nicht gedacht, begründet, begriffen wird. Manchmal schaue ich bei solchen Texten, wie ich Streit stiften kann, aber in einer Welt, die den Polemos eliminiert, gibt es eben keine Kriege mehr, sondern Dauerkuscheln oder eben hinterhältigen Drohnenbeschuß. Wenn, um in einen anderen Rahmen des Diskurses zu wechseln, die Freund/Feind-Unterscheidung als Kriterium des Politischen, die der Antisemit und zudem fragwürdige Jurist Carl Schmitt konstatiert, nicht mehr getätigt wird, so werden keine Kriege im herkömmlichen, konventionellen Sinne geführt, sondern der Krieg invisibelisiert sich, ist auf einen Dauerzustand gestellt, ohne daß dies noch bemerkt wird, weil kein sichtbarer Gegner da ist, mit dem Frieden geschlossen werden könnte. Der Taliban, der Islamist, der al-Qaida-Kämpfer, der Terrorist sind keine Feinde, sondern Wesen der Diffusität, räumlich dissoziiert. Medial inszeniert als Abstraktion.

Aber verlagern wir die Untergänge und die Katastrophen und ästhetisieren sie, so wie es Lars von Trier tat. Unendlicher Spaß.

Eins zwei drei vier: für den Untergang sorgen wir. Zumindest auf metaphysischem Terrain.

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Wir freuen uns auf die nächste Woche und auf jenen einen und einzigen Tag  in einer Woche! Seien auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit dabei und bleiben Sie  mir gewogen!