Mein Nachtrag zum Wahlaufruf

(Ich komme mir schon fast vor wie Günter Grass mit meinem Getrommel. Doch es muß sein)

Wie konnte ich ihn in meiner gestrigen Theorie-Aufzählung vergessen: Sören Kierkegaard. 

Da sich jene schöne Plakat-Unbekannte bisher nicht bei mir meldete, um sich die Zweitstimme samt dem Abend voller Theorie abzuholen, so biete ich zudem eine Lesung aus „Entweder-Oder“ an. Also, wenn das nichts ist, liebe SPD. 

Und wisse, es ist mir ernst, ich bin da absolut käuflich,  was meine Zweitstimme betrifft, und als Ästhetiker darf ich das, anders als der Ethiker, auch. Gegen so eine Frau: da kann mir Die Linke gestohlen bleiben.

Hier auch mein Ergebnis des Wahl-O-Mat nach einer ersten Hochrechnung:

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Ein Aufruf  zum Schluß: Wenn Sie es, liebe Leserinnen und Leser, am 27.9. nicht schaffen sollten, zur Wahl zu gehen, weil Sie nicht aus dem Haus kommen, so benutzen Sie an diesem Tag wenigstens den Wahl-O-Mat zur Stimmabgabe.

Am 27. September ist Bundestagswahl

Meine Wahl ist mein Ruin

Liebe SPD,

ich weiß wohl, daß Du jede Stimme brauchst und daß Du, gute alte in Ehren und Würde ergraute Tante SPD, händeringend darum bittest, gewählt zu werden, droht Euch doch sonst das Projekt 18 oder Schlimmeres. Du würdest alles, wirklich alles dafür tun, meine Stimme gekreuzt zu bekommen.

 Nun, lieber Frank-„Walter“ Steinmeier, ich bin nicht abgeneigt, je länger ich darüber nachdenken muß. Und auf diese Idee, Euch am 27. September zumindest probeweise zu wählen, hat mich ein Beitrag im Blog von hANNES wURST sowie mein zielloses einsames nächtliches Schlendern durch die einsamen, nächtlichen, zahllosen Berliner Straßen gebracht, als ich da so schaute: ist es die da, ist es die da (ne is ja der) oder die da?:

 

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Da ging es mit auf: Klar, sagte ich mir: es ist die da: das Girlie, dessen Mund ein zartes, hauchweise angedeutetes Lächeln umspielt, und die es evoziert: diese Ahnung von Jahren, die in der Ferne vergraben liegen, Anwehungen aus der längst vergangenen Vergangenheit als die Frauen jung, die Abende ausschweifend, im Alkohol tatsächlich noch echter Alkohol war und die Zigaretten noch schmeckten.

 

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Ihre sich leicht unter dem Shirt hervorwölbenden Brüste, nicht zu groß, nicht zu klein, der Träger eines schwarzen BHs, der verwegen unter dem mausgrauen Shirt hervorlugt: Was will man mehr. Wer als Partei so zielsicher meinen Frauentyp trifft – als ob diese Partei divinatorische Fähigkeiten besäße – und ihn dann auch noch bildnerisch darstellen kann, der hat eine Achtung verdient, der kann sicherlich einiges mehr und der verdient es deshalb auch, gewählt zu werden. Dafür also schon einmal meine Erststimme, liebe SPD. Gut gemacht. Und obwohl ich Blondinen eigentlich bevorzuge – die SPD hat ja auch eine sehr schöne Blondinenwahlplakatfrau zu bieten, siehe diese im Blog hANNES wURST – so hat hier dennoch, sozusagen sub specie aeternitatis, brünett den Schnitt gemacht. Fein, fein.

Meine Zweitstimme für Euch ist aber nun doch an eine Bedingung geknüpft, die der geneigt Leser jetzt womöglich erahnen wird. Aber es ist nicht das, was Sie nun vielleicht denken mögen und bei dieser schönen Frau freilich und zu gutem Recht konnotieren könnten, sondern vielmehr: Zweitstimme gegen einen richtig theoretisch-kriminellen Abend Bataillscher Übertretungen, Artaudscher Exzesses, Deleuzscher rhizomartiger Theorie-Verausgabung und Überschreitungen mit eben jener Frau mit dem scheuen Lächeln, alles in der Theorie, einen Abend über Adorno, Derrida, Kafka, Bernhard, Beckett und Heidegger, zu zweit einige Flaschen Wein. (Rotwein ist hier wohl passend.)

Einen Abend voller Theorie gegen meine Zweitstimme. (Keine Angst: Revisionismusdebatte, Diamat und Stamokap und so‘n Politik-Zeug kommt da in diesem Theorie-Abend nicht vor. Hier gilt‘s der Kunst.)

Ach ja, Frauen auf Plakaten. So kann es gehen bei solchen Emanationen des Alltags. Und, liebe SPD, eine kleine Weisheit zum Schluß: Wer den Schaden hat, der braucht am Ende für den Spott nicht zu sorgen.