Am 23.6. keine Bild-„Zeitung“ in den Briefkasten!

Friede Springer, Kai Diekmann und Mathias Döpfner Schaden zuzufügen, geht nicht, ist zumeist auch justiziabel, wenn man erwischt wird. Es handelt sich sowieso nur um austauschbare Charaktermasken, die im Sinne der Verwertungslogik ihre Sache mal gut, mal schlecht machen. Daran werden sie gemessen. Da nützt auch der Kofferraum als geistig-moralische Lehranstalt wenig. Man kann es aber anders anfangen und ihnen bzw. diesem Konzern wehtun. Denn Schmerzen bereitet es diesen Masken an der Stelle, wo es sie Geld kostet.

Am 23.6.2012 möchte die Bild-„Zeitung“ ihren Dreck zum 60jährigen Geburtstag dieses Blattes als kostenlose Jubiläums-Ausgabe an jeden Haushalt der BRD als Briefkastensendung verteilen. Dagegen läßt sich opponieren, indem geneigte Leserin, geneigter Leser Widerspruch gegen eine solche Zusendung einlegen. Dies kann und sollte man an dieser Stelle, über diese Aktion machen. Die Mail an den Springer-Konzern läßt sich zudem bearbeiten/editieren: Und am besten fordern die Schreibenden in dieser Mail zugleich eine Bestätigung darüber an, daß die mitgesandten Adreßdaten nach § 6 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz gelöscht werden. Macht Arbeit: ergo: kostet den Konzern Geld.

Und es bleibt dabei: Nicht nur Springer enteignen!

Ihre Meinung zu „Bild“ …

so heißt eine weitere Kampagne für den Monat März, die von der Arschlochagentur Jung von Matt betreut wurde:

Die Anfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-​Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.

Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat-​ und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.

Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” gewinnen.

Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.​000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.

Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.

Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.

Herzliche Grüße aus Hamburg,

Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH

(entnommen der Webpräsenz der Band „Wir sind Helden“, die dort auch ein entsprechendes Antwortschreiben zeigen.)

Ja, Mario Barth paßt zur Bild-„Zeitung“ wie Arsch auf Eimer. Nichts reimt sich auf Mario Barth? Doch: fad und Schwachmat.

Die Meinung Bersarins zur Bild-„Zeitung“. Es handelt sich um ein widerwärtiges Hetzblatt, strukturell arbeitet es nicht sehr viel anders als „Der Stürmer“. Bild, ein Blatt, dem nichts vergeben und nichts vergessen wird – bis zur endgültigen Auflösung bzw. Enteignung von Springer. Und immer noch gilt der Slogan: „Bild lügt!“

Eine Titelseite 1 wie über Baron Münchhausen von  Schummel zu Guttenberg, daß 87 % der BRD-„Bürger“ möchten, er solle bleiben, kann nur den Nachwirkungen jener gescheiterten Penisverlängerung von Kai Dieckmann entsprungen sein. Na ja, Kumpanei der Gelfrisuren. Beide passen bestens zusammen, wie man hier sieht. 2. Arsch auf Eimer innerhalb von nicht einmal 30 Sekunden. Gute Quote.

Wer Werbung für Bild macht, und sei das nur negativ, der ist gestorben. Man mag Charlotte Roche für manches kritisieren: in ihrer Haltung zu diesem Hetzblatt ist sie mir mehr als sympathisch. Gleiches gilt für „Wir sind Helden“, obwohl ich von deren Musik ansonsten nicht viel halte. (Bis auf jenes Stück „Denkmal“. Aber dieses Lied gefällt mir lediglich aus sentimentalen, privaten mithin biographischen Gründen, von denen ich hier nicht berichten möchte.) Doch die Haltung der Band ist klar und imponiert: schön auch, dies öffentlich zu machen. Und Frau Holofernes ist zudem ein wenig mein Typ von Frau. (Andererseits fallen Frauen mit Kind aus meinem Beuteschema sofort wieder heraus. Gleiches gilt für Frauen, die Yoga machen.)

Ansonsten bleibt mir nur übrig, das Bild-Girl des Tages zu zeigen:

(Copyright: Titanic)

PS: Über das Verhältnis von Kulturindustrie, Design, Werbung und Jung von Matt als pars pro toto sowie das ganze Gedöngel drum herum wäre im Grunde gleichfalls ein Text zu schreiben. Schlimm eben, daß eine derart widerliche und gefährliche Agentur eine so gute Webpräsenz hat. Andererseits: Vom Graphikdesign kommt die gegenwärtige Titelseite 15 Jahre zu spät, um noch avanciert zu sein. Und da zeigt sich dann doch wieder das Läppische und Biedere dieser Agentur.

Acedia

Wenn es am Eigenen ermangelt und die Kreativität zu versiegen droht, dann greift der Mensch gerne auf das zurück, was andere einst fertigten. So mache es auch ich und zeige deshalb eine nettes Bild von der „Titanic“.

X

Copyright: Titanic

Ach ja, dies geisterte vor einigen Tagen durch den Blätterwald: Frau von der Leyen will Hartz IV abschaffen, indem sie den Begriff tilgt. Eine gute Idee warf sie da in den Raum. Auch Aisthesis beteiligt sich gerne an sinnvollen, menschlichen Projekten, tut Gutes, spricht darüber und schafft deshalb sogar den Hunger in der Welt ab. Es gibt also ab heute per Ordre weltweit keinen Hunger mehr. Wir bitten deshalb darum, diesen Begriff aus dem Sprachschatz, aus dem Bewußtsein, aus allen Wörterbüchern zu streichen: Konstruktion von Realität mittels Sprache.

Und was sehe ich heute morgen, auf der Straße am Zeitungsgeschäft vorbeigehend: Eine schöne Schlagzeile der Bild-„Zeitung“, daß die Hartz-Abzocker zunehmend dreister werden. Immer einmal wieder muß ja Bewußtsein geschürt werden vom Kampfblatt der Arbeiterklasse. Aber wie Hartmut es auf „Kritik und Kunst“ sehr treffend formuliert: Eigentlich trifft der Begriff „Hartz IV“ die Sache ganz genau, wird doch dieses Projekt geziert mit dem guten Namen eines Ganoven. Sowieso steht auf „Kritik und Kunst“ eine sehr gute Analyse, die ich meinen Lesern anempfehlen möchte, falls sie dort nicht sowieso schon gelesen haben.

Ein Nachtrag zu Squat Tempelhof und dem „Tagesspiegel“

Ich habe an den Kommentarteil des Tagesspiegel am 21.6.09 zu seiner Bilderserie über Squat Tempelhof folgenden Text gesendet, eine Photographie von Hans-Christian Ströbele betreffend, die ähnlich auch in meinem Betrag vom 21.6. zu sehen ist:

„Sie schreiben im Bild-Teil als Bildunterschrift zu einem der Bilder:
‚Hans-Christian Ströbele von den Grünen ist auf der Seite der Demonstranten. Er stellt sich der Polizei in den Weg, um den Protestlern den Zugang zum Zaun zu erleichtern – vergeblich. – Foto: Heerde‘

Im Zusammenhang mit dieser Photographie ist Ihr Text schlicht unwahr, um nicht zu sagen gelogen. Hans-Christian Ströbele verschaffte sich als Mitglied des Deutschen Bundestages Zugang zu einer Gruppe von (vormals friedlich demonstrierenden) Gefangen. Er zeigt hier der Polizei seinen Ausweis vor, um rechtmäßig die Kette passieren zu dürfen. Einen Durchbruch durch die Polizeikette hatte Herr Ströbele zu keiner Zeit in dieser Situation in Erwägung gezogen. Ich bin überhaupt kein Freund der Grünen, aber dieser Politiker nötigt mir mit seiner Haltung sehr Respekt ab.

Schade, daß der Tagesspiegel sich mit dieser Bildunterschrift auf dem Niveau der Bild-„Zeitung“ bewegt. Er sollte sie schleunigst korrigieren.“

Die Peinlichkeit, meinen Beitrag zu veröffentlichen, hat sich der „Tagesspiegel“ erspart. Doch immerhin hat er die Bildlegende korrigiert. Es steht dort nun:

„Hans-Christian Ströbele von den Grünen ist auf der Seite der Demonstranten. – Foto: Heerde“

Ein wenig eigenlöblerisch dieser Beitrag, ich weiß, ich weiß … Doch ich wollte es nur einmal gesagt haben. Wie heißt es so schön: „Tue Gutes und sprich darüber“. Das habe ich hiermit getan.

Es zeigt solches Verhalten des Tagesspiegel bzw. des zuständigen Bildredakteurs zudem wieder einmal, wie eine Photographie vom Kontext abhängt und wie sich mit einem Photo manipulieren oder eine Stimmung erzeugen läßt, die in eine bestimmte Richtung gehen soll, ohne daß man auf irgendeine Weise eine Bildbearbeitung oder gar -manipulation vornimmt. (Anders etwa als mit jenem Photo von Jürgen Trittin in der Bild-„Zeitung“, das ihn im Kreise Göttinger Autonomer zeigte. Um hier einen bestimmten Zusammenhang zu assoziieren, mußten von Bild erst einmal ein paar Parameter im Photo verändert werden.) Beim „Tagesspiegel“ reichte bereits ein kurzer Text aus.

Aber auch eine Photographie als solche, ohne Worte, ist offen, weil das Abgebildete Gegenstand von Interpretation und Lektüre, kulturellen Codes und Zusammenhängen ist. Darin mag auch die Schwierigkeit gegründet sein, die (Dokumentar-)Photographie für die Soziologie fruchtbar zu machen. Insofern zeigt sich an diesen Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Manipulation bzw. der lügnerischen Einflußnahme  sehr deutlich, wie wichtig Bildwissenschaft ist, um Bilder überhaupt erst lesen zu können. Aber nicht nur das. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, die medialen Dinge, die man uns so vorsetzt, beständig zu hinterfragen.  „Prüfe alles und glaube erst einmal nichts!“, muß momentan das Motte der Medienlektüre sein, zumal es eben kaum noch kritische Medien gibt.