Von Prenzlauer Berg nach Mitte (3)

Es geht der Weg die Torstraße entlang zum Rosenthaler Platz. Die Photographien zeigen Wegmarken und Szenen der Straße. Unspektakuläres. Wenn ich den Namen dieses Platzes höre, muß ich jedesmal an den schrecklichen Wein Rosenthaler Kadarka denken, den wir in unserer Jugend tranken – Flasche auf ex. Schreckliches und grausames Ritual. So etwas prägt und da war ich dann für die schöne Zukunft hin gefeit, vor lauter Übermut billigen Wein zu kaufen. Als ich irgendwann mit 16 oder 17 Jahren einmal in einem Supermarkt einen billigen Fuselwein namens Maitre Simon erstand – Ein-Literflasche zu punkrockmäßigem Spottpreis, Karlsquell mochte ich nun einmal nicht –, da zischte ein Clochard, der hinter mir in der Kassenschlage wartete, empört: „Das trinken ja nicht einmal wir!“ Aber das sind Geschichten aus einem anderen Leben, das sind Geschichte, die sind lange her. Heute hält mir meine Geliebte und Liebste immer noch das geteilte 1 cl Glas Rieslingsekt auf Schloß Wackerbarth vor. Anstatt für jeden eine große Lage zu spendieren, orderte ich die kleinste verfügbare Menge. Dabei ging es mir nur darum, keiner Verkehrskontrolle aufzufallen. Ich habe in solchen Sachen einschlägige Erfahrungen. Doch einmal die Bestellung aufgegeben,  läßt diese sich niemals wieder gut- und rückgängig machen.

Am Ende dieses Photographie-Ganges wartete auf den erschöpften Flaneur, auf den blicksatten Schriftsteller in der Invalidenstraße ein ausgezeichnetes kleines Café bzw. eine Bäckerei mit Bewirtschaftung, die den schönen Namen „Les Pâtisseries de Sebastien“ trägt. Wer Kuchen, Törtchen oder Croissants wie in Paris verspeisen möchte, ist hier genau richtig und gut aufgehoben. Der Gastraum ist klein, aber gemütlich, die Birnen-Tarte und der Café Americano schmeckten vorzüglich. Ich gebe selten Empfehlungen, aber hier lohnt es sich einzukehren. Invalidenstraße 157, kurz vorm Weinbergpark. Wer an schönen Sommertagen auf der Parkwiese gerne lagert, der mache anschließend einen Abstecher zu diesem Café.