Avenidas!

Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Leute, die 1987 laut protestierten und sich ob der Kunst im öffentlichen Raum empörten, als zur 750-Jahr-Feier von Berlin von Wolf Vostell „Zwei Beton-Cadillacs in Form der Nackten Maja“ am Kudamm aufgestellt wurde? Ach, wie haben sich die Zeiten gegendert, ähhhh, geändert!

Ansonsten ist zu dieser Causa eigentlich alles gesagt. Nur noch soviel: Der ursprüngliche Anlaß, das Gedicht zu entfernen, waren nicht „notwendige Fassadenrenovierungen“ und auch nicht der Wunsch, alle paar Jahre dort ein neues Preisträgergedicht stehen zu haben – darauf hätte man sich vorher und am besten gerichtsfest verständigen müssen –, sondern der ASTA-Vorwurf, daß dieses Gedicht sexistische Elemente enthielte. Um nochmal auf den Anfang der Debatte zu verweisen, lese man auf AISTHESIS gerne hier und auch hier noch sowie unter dem guten Titel „DUMMHEIT OHNE POESIE. Und: Wovor ich mich konkret fürchte“ bei Melusine Barby auf Gleisbauarbeiten.)

Mindestens genauso schlimm übrigens und verachtenswert ist die Haltung der Dichterin Barbara Köhler: Erst dieses Heranwanzen im FAZ-Artikel vom September 2017 an die ASH und dann sich selbst ins Spiel bringen und nun steht die Köhler mit ihrem Gedicht plötzlich auf der Fassade, bzw. wird auf der Fassade stehen. Mit einem dem ASTA und den allgemeinen Regularien für reine Lyrik aus dem Deutschen Hause Persilweiß genehmem Gedicht. Hofschranzenlyrik. Und dazu Schmu und Kuhhandel. „Lieber Dichter, dichte mir …“ Als Dichter täte ich mich für solch eine Haltung und solch bückdienerischen Opportunismus schämen. (Aber gut, dieses Spiel kann sich auch als „russisches Roulette“ erweisen.)

Ansonsten mein Vorschlag zur Güte: Eine weiße Wand und darauf: „Hier stand ein Gedicht“

Bild: Raimund Müller, Beton-Cadillacs am 24.11.2006, entnommen der Homepage https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/kultur-und-wissenschaft/skulpturen-und-denkmale/artikel.155638.php