1. September

Heute vor siebzig Jahren fing, wie durch Guido Knopp sicherlich jeder weiß, der Zweite Weltkrieg an. Eigentlich kann man dazu gar nicht viel oder aber Unendliches sagen. Wieder einmal wird es Gedenksendungen und sogenannte Geschichts-„Dokumentationen“ geben. Zu wünschen bleibt hier eigentlich nur, daß nicht wieder die immergleichen Bilder à la Guido Knopp im Fernseher laufen: Der geöffnete Schlagbaum, deutsche Kübelwagen, das deutsche Krad mit Beiwagen, die vorstoßenden Panzerverbände sowie die Stukas über Polen: Perspektiven aus der Sicht der Sieger, die am Ende keine waren, sondern sich furchtbar mit Blut besudelten.

Wünschenswert wäre es, man ließe die Dokumente einmal selber sprechen, um eine andere (mediale) Sichtweise zu eröffnen. Die Feldpostbriefe, die private Kommunikation, die Zeugen, Überlebende, Nachkommen, Opfer, Täter, und zwar einmal nur ohne Doku-Bilder und nachgestellte Szenen, Sprache allein kann manchmal vollkommen ausreichend sein; die Dokumentation „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (und natürlich Claude Lanzmann) zeigen dies sehr gut.

Und vor allem wäre es nicht schlecht, einmal intensiv die Sicht der Polen selber zu zeigen, und dieses Vorhaben nicht nur aus den Augen der Deutschen vorzunehmen. Gewissermaßen ein „Echolot“-Projekt fürs Fernsehen, in dem die unterschiedlichsten Stimmen einen Raum erhielten. Aber das würde den Zuschauer wohl überfordern. „Der Zuschauer will das nicht“, heißt es dann immer pflugs auf Intendantenebene. Er hört lieber weiterhin die Meldungen vom „Blitzkrieg“.

So werden wir zu diesem verhängnisvollen Jahrestag wahrscheinlich wieder mit dem ewig-immergleichen kulturindustriellen Bilder-Müll bedient.