Putins Lügen- und Hetzrede im Kreml

Gegen Putins Lügen- und Hetzrede im Kreml steht Annalena Baerbocks Artikel in der ZEIT vom 1. September 2022:

„Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Dieses Russland wird absehbar eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit in Europa bleiben.

Dieser Satz mag hart klingen. Auch ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieser Krieg endlich aufhört. Dass Menschen nicht mehr bei Raketenschlägen auf Bahnhöfen sterben, dass ukrainische Kinder nicht mehr Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt neu eingeschult werden müssen. Und dass sie ihren Vätern in der Ukraine endlich wieder um den Hals fallen können. Dieser Wunsch treibt mich an, jeden Tag. Aber dieser Wunsch allein wird der Ukraine keinen Frieden bringen.

Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 dachten viele, dass Putin irgendwann aufhören würde – letztlich vergeblich. Dieses Prinzip Hoffnung haben Tausende Ukrainerinnen und Ukrainer – und auch viele junge russische Soldaten, die gegen ihren Willen in diesem Krieg kämpfen – mit ihrem Leben bezahlt. Wir haben gegenüber diesen Opfern die Verantwortung zu handeln.

Was wir erleben, ist ein Zusammenprall zweier Weltbilder. Auf der einen Seite Länder, die an eine regelbasierte internationale Ordnung glauben. Auf der anderen Seite aggressiv-autoritäre Regime, die ihre eigene Bevölkerung unterdrücken und andere mit imperialen Mitteln unterwerfen wollen. Finnland und Schweden wollten nie in die Nato. Jetzt treten sie unserem Bündnis bei, weil sie Sorge haben vor Putins Russland. Was wäre es für ein Signal an autoritäre Staaten, wenn wir keine Sanktionen erlassen und keine Waffen geliefert hätten? Dass wir akzeptieren, wenn ein Regime seinen Nachbarn überfällt? Kein kleineres Land wäre mehr sicher!

[…]

Erstens: Wir lassen bei der Unterstützung der Ukraine nicht nach. Wir treten der russischen Aggression dauerhaft entgegen. Und wir machen weiter deutlich: Wer so massiv Regeln bricht, ist international isoliert. Sanktionen sind kein Selbstzweck, sondern Ausdruck dafür, dass Brutalität und Regelbruch Konsequenzen haben. Im Winter in die Ukraine einmarschieren und im Sommer seine Mannschaft zur Fußball-EM nach England schicken wollen, so als wäre nichts gewesen: Das funktioniert nicht. Wir beschneiden mit unseren Sanktionen langfristig nicht nur Moskaus wirtschaftliche, sondern vor allem auch seine militärischen Fähigkeiten.

Wir überlassen die russische Zivilgesellschaft nicht dem Würgegriff des Regimes. Deshalb wollen wir Kanäle nutzen, auf denen sich junge Menschen in Russland noch mit objektiven Informationen versorgen können. Plattformen wie TikTok oder Telegram sind dafür im Zweifel effektiver als Formate wie der Petersburger Dialog, bei denen wir auch auf staatliche Strukturen in Russland angewiesen sind.

Die russische Diaspora vernetzen wir weiter und fördern unabhängige NGOs. Wir erteilen gezielt Stipendien und Arbeitserlaubnisse und unterstützen russischsprachige Journalistinnen und Journalisten dabei, frei über Russland zu berichten. Auch die Visa-Erteilung sollten wir differenziert betrachten, statt sie komplett zu stoppen – gerade für Opfer staatlicher Repression. All dies wird Putins Weltbild nicht verändern. Aber im Falle des größten Bruchs mit internationalen Regeln, wie dem Angriff auf die Ukraine, muss die EU Farbe bekennen.

Wir schützen mit diesen Maßnahmen die Opfer der russischen Aggression – und wir schützen uns selbst: Wir machen die EU langfristig wehrhaft gegenüber Putins Russland, und wir investieren in unsere Partnerschaften weltweit.

Am 24. Februar hat der russische Krieg unsere Welt verändert. Es wird keinen Weg zurück geben. Aber es gibt einen klaren Weg nach vorn, den wir entschlossen, besonnen und solidarisch gehen müssen.“

Baebock ist eine mutige Frau und sie spricht das aus, was ist. Ansonsten bringt es Guido Rohm in einer Prosa-Miniatur gut auf den Punkt:

„Sie wohnen hier?“
„Äh, ja.“
„Ihre Wohnung ist ab sofort ein Teil unserer Wohnung.“
„Spinner.“
„Obacht, liebe Dame. Immerhin wohnen Sie nun bei mir.“
„Ich schließe jetzt die Tür.“
„Alle in unserer Familie haben dafür gestimmt, dass Ihre Wohnung künftig ein Teil unserer wird.“
„Ich rufe die Polizei.“
„Ich schließe die Tür.“
„Sie wollen mich aus meiner Wohnung aussperren?“

Aus „Wohnungserweiterung“

„Putin-Bluthund Medwedew feiert gerade auf Telegram:

„Die Wahrheit triumphiert! Das glorreiche Russland wird wiedergeboren!“

Zu sehen sind die vier Kreml-Banditen, die als Statthalter der geraubten Territorien eingesetzt werden, zusammen mit dem geliebten Führer.“ So berichtet Igor Schwarzmann.

Bleibt zu hoffen, daß diese Herren den Weg von Dugins Tochter gehen.

Neues Referendum zum Beitritt der Russischen Föderation zu den Niederlanden

Wie aus alten DDR-Zeiten bekannt, sind bei dem „Referendum“ in den von Putin okkupierten (oder besser, von den Russen orkupierten) Gebieten, dem Territorium der Ukraine, Scheinwahlergebnisse von 99,94 % zustande gekommen . Nur daß nicht einmal in der DDR plötzlich Terroristen in Uniform mit geladenen Waffen vor der Haustür der Menschen standen und durchsichtige Wahlurnen hielten, in die dann die Zettel ungefaltet geworfen werden. Dies soll sicherlich, so werden uns UFO-Freund Dirk Pohlmann, 9/11-Fabulierer Bröckers oder jener in Moskau lebende Verschwörungshetzer Thomas Röper erzählen, der besonderen Spezialoperation-Demokratie dienen, damit jeder sieht, daß es mit rechten Dingen zugehe. Und wie immer werden dann bei solchen Ergebnissen Querfrontportale wie Nach“denk“seiten und diverse inzwischen bei der AfD herausgekommene Zarenknechte von der geschichtliche Notwendigkeit solcher Aktion fabulieren – dieselben Leute, die ansonsten, wenn ähnliches die USA täten, sofort auf die Barikaden gestürmt oder zumindest in verbalen Protest verfallen wären. Man kann diesen Leuten noch so viele Fakten präsentieren, sie werden immer noch eine Hintertür finden, warum Putin gar nicht so schlimm ist.

Nun gibt es aber ein neues Referendum. Diesmal für die Russen, ob sie den Niederlanden beitreten wollen.

[Das Video wurde gefunden bei che2001]

Es geht also auch anders herum, wie Putin zeigt: Man stimmt über einen Land ab, das nicht das eigene ist und worin man nichts verloren hat. Vielleicht sollte Deutschland demnächst ein Referendum über Königsberg abhalten.

Russische Raschisten

Der Habermas zugeschriebene Satz im Blick auf die Bundesrepublik „Lieber Langeweile als Faschismus“ scheint angesichts des Agierens von Rußland einiges an Aktualität zu erhalten. Rußlands neuer Imperialismus, jene Russki Mir zeigt uns an, daß wir eben nicht in jenen von uns gewähnten friedlichen Zeiten leben und daß wir alle einer erheblichen Bedrohung ausgesetzt sind. Mordor ist dafür bloß ein Bild. Das reale Grauen, Folter und schwere Kriegsverbrechen tragen sich in der Ukraine zu. Rußlands Anschlag auf die Gasleitungen zeigt uns, daß der Westen verwundbar ist. Auch das wollte Putin hier einmal wieder demonstrieren. Hilft im Westen nicht mehr das Umschmeicheln mit Gold und Geld, so zeigt der Ork nun auch gegen den Rest Europas seine Zähne. Mit dem Slogan „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ müßte eigentlich die Friedensbewegung am Samstag vor der russischen Botschaft stehen – allein schon angesichts des russischen Terrors in den orkupierten Gebieten der Ukraine. Tut sie aber nicht. Die Friedensbewegung hat sich versteckt. Es sind wohl diesmal die falschen, die da einen Krieg angefangen haben und die foltern und mit Atomwaffen drohen. Neben den Zarenknechten sowie den Querfrontlern und der AfD ist die Friedensbewegung einer der traurigsten Akteure in dieser Tragödie.

Rußland ist ein Terrorstaat

Photo: Reuters/Danish Defense Command

Es ist dieses Bild der Unterwasserexplosion in der Ostsee nahe der Insel Bornholm ein erschreckendes, und es wird sicherlich als ein ikonisches in den Jahres- wenn nicht Jahrzehntrückblick eingehen. Fast ein Bild wie aus einem Tarkowski-Film. Und es sind diese Explosionen an den Gasleitungen eine deutlich Drohung aus Mordor. Immer mehr muß man wohl, auch wegen der russischen Kriegsverbrechen auf dem Territorium der Ukraine, der Annexion des Donbas und der Terrorisierung der Bevölkerung dort mit vermeintlichen Wahlen, von einem russischen Terrorregime sprechen. Und solche Explosion ist, wie schon die Teilmobilisierung der russischen Truppen am Weltfriedenstag eines jener deutlichen Zeichen, um für den Westen und speziell einmal wieder für Deutschland le Angst zu erzeugen.

Um so wichtiger ist es, in Debatten im Freundes- und Familienkreis und auch in den sozialen Medien, wo es irgend geht, dagegenzuhalten und solchen, die berechtigte Ängste hegen, das System Putin zu erklären und daß Putin, alter KGB-Mann und KGB geschult, genau mit dieser Angst arbeitet, um um Westen zu desinformieren und Verunsicherung und eben vor allem jene Angst zu erzeugen. Man nehme, um sich vorzubereiten auf solche Debatten, unter anderem das Buch von Catherine Belton „Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste“ und ebenso (bei der bpb günstig für 4,50 Euro zu beziehen) von Manfred Quiring „Russland – Ukrainekrieg und Weltmachtträume“. Und im Blick auf Putins Desinformations- und Destablisierungskampagnen, gerade im September erschienen: Jessikka Aro „Putins Armee der Trolle: Der Informationskrieg des Kreml gegen die demokratische Welt“. [Bei Bedarf und auf Anfrage gerne eine längere Literaturliste zum Ukrainekrieg, zu Rußland und zum System Putin.) Angst ist ein schlechter Ratgeber und Wissen kann helfen, gegenzusteuern. Journalisten wie Alice Bota, Golinah Atai, Michael Thumann, Andrea Böhm haben jahrlang vor dem System Putin gewarnt und wir und so auch ich, wollten darauf nicht hönren und taten es sogar als einseitige Berichterstattung ab. Um Rückblick bleibt für mich nur zu sagen: diese Journalisten haben recht behalten. Und ebenso Marielouise Beck, die immer schon in scharfen, deutlichen und klaren Worten vor dem Verbrecher Putin gewarnt hatte. Liest man genaueres über den Aufstieg und den Weg Putins, so kann einem das Blut in den Adern gefrieren. Ich gehe inzwischen davon aus, daß jene Russki Mir, jener Neue Imperium, jener russische Imperialismus ein Projekt ist, das bereits mit Putins Regierungsübernahme 1999 ausgereift war. Seine Rede vorm Deutschen Bundestag halte ich für bloße Trickserei. Aber wie es sich hier verhält, das müssen am Ende die Historiker entscheiden.

Deshalb aber und aus diesem Grunde, um nicht zu erstarren vor Angst, tut Aufklärung derart not. Was Putin am meisten fürchtet: daß wir vor seiner Methode des Angstverbreitens keine Angst und auch keine Furcht haben. Und wieder einmal zeigt sich: wir leben eben doch nicht in einem postheroischen Zeitalter, wie es manche gerne behaupteten. Tapfere Frauen und Männer sind gefragter denn je. Und Freiheit wird leider nicht nur mit Worten verteidigt, sondern durch tapfere Menschen, die ihr Leben opfern müssen, weil ein Ungeheuer über ein anderes Land ergefallen ist und dort nun wütet. Dem dürfen wir nicht eine Sekunde klein beigeben.

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Documenta 15: endlich Ende

Antisemita nannten sie einige. Vielleicht in Teilen nicht ganz zu unrecht, auch wenn das Gros der gezeigten Werke es nicht war, so zumindest mutmaße ich und so sprachen auch einige, die auf der documenta 15 waren. Dennoch: Unfaßbar ist vor allem, wenn dieses, im harmlosesten Fall naive und im härteren Fall berechnende Kollektiv erwartet, daß das deutsche und das internationale Publikum sich auch für andere Teile der Welt interessiert, also Regionen für die Namen wie globaler Süden, Dritte Welt und Entwicklungsländer kursieren, selber aber kommen diese Leute von Ruangrupa nach Deutschland und wissen nichts, rein gar nichts über das Land, wo die documenta stattfindet: eines der bedeutendsten Kunstereignisse der Welt und fest mit Kassel und damit auch mit Deutschland und seiner Geschichte verbunden. Und nichts davon ist diesem Kollektiv irgendwie präsent. Hätte Ruangrupa um die Geschichte dieses Landes gewußt, hätten diese Gruppe umgehend sehen müssen, daß jene gezeigten Bilder des Kollektivs Tarin Padi antisemitische Stereotypen enthalten, wie sie auch im „Stürmer“ und anderen NS-Organen gezeigt wurden und wie sie bis heute bei Rechtsradikalen, Nazis, linken wie arabischen Antisemiten kursieren. Wer Dialog sagt, muß auch selber dann dazu in der Lage sein, andere Kulturkreise zu erfassen – einmal davon abgesehen, daß es Stereotypen gibt, wo kaum vorstellbar ist, daß diese nicht auch in Indonesien angekommen sind. Man kann sich aber auch naiv oder eben dumm stellen. Nur muß man dann auch mit dem Vorwurf leben, dumm zu sein und nicht fähig zu lernen. Jenes Schlagwort, das gerne in solchen antirassistischen Kreise gebraucht wird. Aber „lernen“ gilt dort immer nur für die anderen, und wenn diese Leute „lernen“ sagen, fühlt man sich eher an Schulformen des 19. Jahrhunderts erinnert, wo der Oberlehrer mit dem Oberrohrstock daherkommt und nicht nur mit Klopstock.

Es sind aber nicht bloß jene Bilder, sondern auch das Zeigen dieser Propagandafilme bzw. der antisemitischn Filmreihe „Tokyo Reels“, wo Terror gegen Israel verherrlicht wird, spricht für sich. Thomas Schmid bringt es bündig in einem Essay mit dem Titel „Ein neuer Antisemitismus, der den alten beerbt. Zum Ende einer empörenden Documenta“ auf den Begriff:

„Was, wenn israelische Künstler mit der Documenta 15 beauftragt worden wären? Und unter anderem Bilder gezeigt hätten, auf denen Palästinenser oder afghanische Islamisten als brutale, blutrünstige Gestalten zu sehen gewesen wären? Und islamische Gläubige als Herde von dumpfen Fanatikern. Diese Documenta wäre dieser Werke rassistischen Inhalts wegen augenblicklich zum Skandal erklärt geworden. Alle Verantwortlichen hätten sich umgehend entschuldigt und einen minutiösen Prozess der Aufklärung eingeleitet.“

Der Aufschrei in der linken Kulturschickeria-Szene von Kulturzeit und Cecil Schortmann bis hin zu Margarete Stokowski, Mario Sixtus, dem Kritiker mit der Kritikerbrille Georg Diez, Teresa Bücker, dem Kopftuch- und Milli-Görüsch-Fangirl Kübra Gemüsay und vielen anderen: der Aufschrei und das „Wir sind mehr“ fiele laut aus. Und während bei diesen Leuten ansonsten schon ein falsches Wort ausreichen kann, daß ein Scheißesturm auf Twitter entfesselt und orchestriert wird, blieb es in der Causa documenta seltsam ruhig und wir hörten von ebendiesen Leuten lautstark ein klandestines Schweigen. Und auch Kulturzeit berichtete vielfach und besonders im Abschlußbericht vom 16. September eher wohlwollend über diese Veranstaltung und die unselig unbegabte oder unbegabt unselige Cécile Schortmann schlenderte über die documenta, als wenn irgendwie nichts gewesen wäre und stellte dazwischen kaum kritische Fragen an drei Mitglieder des Kollektivs, um ansonsten bei den Antworten wohlwollend und von Verständnis getragen mit dem Kopf zu nicken. Hätte Schortmann auch bei Björn Höcke derart nickend wie Wackeldackel dagesessen oder hätte sie nicht vielmehr mit skeptischem Blick und hochgezogenen Augenbrauen als Journalistin hart nachgefaßt?

Und so reiht sich eine Unseligkeit an die andere. Eine Kunstausstellung, die weniger Kunst ist, sondern an den Aktivismus von Gemeinschaftskundeprojektwochen der gymnasialen Mittelstufe erinnert. Nur daß die in der Regel ohne solchen Antisemitismus auskommen. Im Blick auf die arabischen Terror gegen Israel verherrlichenden „Tokyo Reels“-Filme heißt es dann im Dokumenta-Handbuch:

„Indem es die bewegten Bilder wieder in Umlauf bringt, reaktiviert Subversive Film mit Bedacht heutige Solidarität-Konstellationen und reflektiert die Utopie einer weltweiten Befreiungsbewegung.“

All das ist alles andere als Kunst: es sind Propagandafilme, und zwar ohne jeden doppelten Boden oder eine mehrschichtige Ebene, wie es für gelungene Kunst der Spätmoderne in ihrer verschachtelten Reflexivität auch auf ihr eigenes Tun unabdingbar ist. Bei den „Tokyo Reels“ handelt es sich um explizite Polit-Propaganda und Auslöschungswünsche gegenüber Israel. [Zum Inhalt dieser Filme siehe auch hier bei AISTHESIS.] Es handelt sich, wie die taz schreibt, um „20 propalästinensische Propagandafilme aus den 1970er und 1980er Jahren […], zusammengestellt von einem japanisch-palästinensischen Künstlerkollektiv. Laut der offiziellen Programmbeschreibung sollen sie ‚Auskunft über die weitestgehend übersehene und nicht dokumentierte antiimperialistische Solidarität zwischen Japan und Palästina geben‘.“

Kein Mensch würde es in Deutschland goutieren, wenn irgendwo auf einer Kunstschau in Berlin oder Düsseldorf, bei den Internationalen Oberhausener Kurzfilmtagen oder bei DOK-Leipzig plötzlich ein Film auftauchte, der die Wehrsportgruppe Hoffmann und den Anschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980 hochleben ließe und diese Aktionen und die Filme dazu als Dokumente des nationalen Widerstands gegen die Besetzung Deutschlands durch die Alliierten feierte. Gut, Ken Jebsen mit seinem Airbase-Rammstein-Tick vielleicht und der ufogläubige Verschwörungschwätzer Dirk Pohlman vielleicht. Aber sonst würden solch krudes Zeug nur Rechtsextremisten ausstellen wollen. Hier aber, im Falle arabischen Terrors: Schweigen. (Nein, man muß kein Freund davon sein, wie Israel mit den Arabern teils umgeht. Aber der politische Analytiker muß die Zusammenhänge sehen: nämlich ein Land, das grundsätzlich in seiner Existenz bedroht ist. Bis heute vom Terror der Hamas. Und das gilt auch für ein solches Künstlerkollektiv. Hier will Kunst nicht mit einem Extrem provozieren, sondern es sind politische Statements.)

Solche Filme zu zeigen, die Terrorismus verherrlichen oder die aus einer bestimmten Zeit, etwa der der RAF, stammen und diese Zeiten nostalgisch betrachten: Das mag für die BRD noch angehen. Aber bei Israel verhält sich die Sache anders: Das Land war und ist umgeben von Ländern, die Israel nicht wohlgesonnen sind – um es sehr freundlich zu sagen. Hier steht die Existenz Israels auf dem Spiel. Anders als in Deutschland, dessen Existenz seit 1949 nie auf dem Spiel stand. Hinzu kommt in Deutschland, aus der Geschichte heraus, eine besondere Verantwortung für Israel. Prinzipiell ist nichts gegen solche Filme zu sagen, wenn man ihren geschichtlichen Hintergrund und auch die andere Seite darstellt und einordnet – zumal es sich bei diesen Filmen nicht um Kunstwerke, sondern um politische Propaganda handelt, zudem aus einer Region, die nicht jedem vom Wissen her so gut vertraut ist wie Deutschland. All das ist aber nicht geschehen, sondern unidirektional wurden hier die Erzählungen arabischer Terrorgruppen von Ruangrupa übernommen und zum Narrativ gemacht. Unter dem Deckmantel der Kunst.

Stefan Laurin bringt es auf den Punkt: „Die Documenta hat dazu beigetragen, Antisemitismus und Israelhass in Deutschland salonfähiger zu machen“ so lautet die Überschrift seines Artikels bei den Ruhrbaronen. Und statt des von Ruangrupa angeblich favorisierten Dialogs gab es eine Kultur des Wegsehens, des Abwiegelns und des Relativierens. Am Ende spielten sie die verfolgte Unschuld, indem Kritiker solcher antisemitischer Darstellungen und solche, die auf erhebliche Probleme bei dieser documenta aufmerksam machten, wiederum als rassistisch bezeichnet wurden: man dreht einfach den Spieß um, wenn man bei Antisemitismus ertappt wird. Die FAZ berichtete darüber.

Eines aber bleibt für die documenta festzuhalten und das gilt auch für die Causa Mbembe vor einem Jahr und auch im Blick auf Passagen in seinem Buch „Politik der Freundschaft“: Der globale Süden hat ein Problem. Das Problem heißt Antisemitismus, der sich hinter solcher Kritik an Israel verbirgt. Von Leuten nebenbei, die für Uiguren, für Frauen im Iran, Freiheitsrechte im Iran oder in Rußland und Menschen in Tibet nicht viele Worte verlieren. Aktivisten, die beim Sklavenhandel USA und Großbritannien und Frankreich sagen – sehr zu recht – aber beim Königreich Benin schmalllipig werden. Kleiner Nebenscherzschausplatz: Bei den Benin-Skulpturen im Humboldt-Forum zu Berlin haben nun wiederum nicht nur die Nigerianer Ansprüche angemeldet, sondern auch Schwarze in den USA , die von Sklaven abstammen, haben Forderungen an Nigeria gestellt, weil ihre Vorfahren nämlich vom Königreich Benin gejagt, aus ihren Dörfern geraubt und dann verkauft und jene Skulpturen von jenem Gold gefertigt wurden, welches das Köngreich Benin mit dem Sklavenhandel verdiente.

Es bleiben im Blick auf diese documenta viele Fragen und es hinterlassen die letzten Monate, jene 100 Tage, nicht einfach nur Irritationen – das wäre ja gut, wenn tatsächliche Kunst das täte -, sondern es steht der entscheidende Aspekt im Raum, ob solche organisierte Verantwortungslosigkeit, indem man irgendwelchen Kollektiven irgendwas überläßt, nicht vielmehr Beliebigkeit fördert, statt gute und gelungene Kunst hervorzubringen. Kunst heißt nicht, daß Ausstellungsmacher irgendwas ausstellen, um dann in einer Reisscheune zusammen herumzulungern und Politdinge irgendwie in die Öffenlichkeit zu bringen, darin auch die armen Neger einmal vorkommen dürfen. Für solchen Sabbelkommunismus reicht es aus, den Menschen die „Theorie des kommunikativen Handelns“ in die Hand zu geben oder etwas einfacher die Menschen in eines der Fachschaft-Cafés von Soziologen einzuladen: da ist jeden Tag viel Lumbung mit Humbug mit Reisscheune.

Kuratorenarbeit ist bereits schwierig. Deutlich schwieriger noch ist eine Arbeit im Kollektiv, gegen die nichts zu sagen ist. Sie muß nur eben funktionieren und kann nicht bedeuten, daß am Ende niemand für irgendwas verantwortlich ist.

Aber zurück zum Ernst: Selbst wenn man einen erweiterten Kunstbegriff ansetzte, um solche Schau – gleichsam eine umgekehrte Völkerschau – von Ästhetik und Kunstkritik her zu denken, bleibt nicht viel von solcher Ausstellung übrig. Wenn alles Kunst ist, auch das Hochhalten von Protestplakaten und unmittelbare politische Statements, dann ist am Ende zugleich auch nichts mehr Kunst. Ex negativo demonstriert dies Wolfgang Ullrich mit seinem Anfang des Jahres erschienenen, leider unsäglichen Buch „Die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie“. Zu Ende ist freilich nicht die Autonomie der Kunst, sondern vielmehr Ullrich mit seinem Jägerlatein, wenn noch zwischen „Hello Kitty“, Dritte-Welt-Kommerz und den Kardashian alles irgendwie ästhetisch bedeutsam ist und damit zu einer entgrenzten Kunst werden kann. Den Kunstbegriff erweitert man nicht um schützenswerte Minderheiten, wenn man den Autonomiebegriff der Kunst preisgibt. Ganz im Gegenteil schüttet man damit auch noch den politischen Impetus von Kunst aus und begibt sich der Möglichkeit, unterschiedliche und vor allem auch ästhetisch bedeutsame Positionen aus jenen uns fremden Kulturräumen zu zeigen. Eigentlich müßte auf dem Gebiet der Kunst der globalen Süden mehr zu bieten haben als eine Ansammlung von Sozialprojekten.

Im Rückblick auf die documenta und im Blick auf sogenannte „Israelkritik“ schreibt Schmid weiter:

„Doch dieser kapitale Fehltritt war wohl kein Ausrutscher. Er kommt aus der Mitte des kulturellen Milieus Deutschlands. Aus einem Milieu, in dem die obsessive Kritik am Staat Israel ebenso weit verbreitet ist wie die Forderung, die Israel-Boykott-Bewegung BDS verdiene in Deutschland staatliche Förderung. Vor knapp zwei Jahren erschien ein Aufruf, in dem behauptet wurde, Kritik an Israel sei verboten, die Meinungsfreiheit stehe vor dem Aus. Unterzeichnet hatten zahlreiche Kulturinstitutionen und Personen – vom Deutschen Theater Berlin bis zum Goethe-Institut, von der Kulturstiftung des Bundes bis zu Kampnagel, von der Stiftung Humboldt Forum bis zum heutigen Amtschef von Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Ein durchaus repräsentativer Querschnitt deutscher Kultureinrichtungen. Man muss daraus schließen, dass für die Mehrheit der deutschen “Kulturschaffenden“ Israel unter Dauerverdacht steht. Nicht China, der Iran oder Russland. Sondern der einzige demokratische Staat in der Region. Ein Staat in dem anders als dort, wo die Hamas das Sagen hat, Schwule und Queere frei leben können. Diese israelfeindliche Obsession lässt nur eine Deutung zu: Hier lebt ein alter Anti-Judaismus fort. Diesmal im linken, im linksliberalen Gewand.

Das legt nahe, die große Erzählung von der erfolgreichen Rezivilisierung der Deutschen nach 1945 in Zweifel zu ziehen. Und zu fragen, ob es nicht doch mehr negative deutsche Kontinuität gibt, als diese Erzählung suggeriert. Was auf der Documenta geschah, weckt nämlich einen Verdacht. Nach dem Ende der NS-Herrschaft blieb das gerade Vergangene zumeist beschwiegen. Es wurde gewissermaßen unter den Teppich der Nation gekehrt. Dort zerkrümelte es aber nicht, sondern blieb konserviert, es überlebte. Und nun kommt es – fortschrittlich eingefärbt – am anderen Ende des Teppichs wieder hervor. Der linksliberale Antisemitismus beerbt den alten Antisemitismus von rechts und setzt ihn damit fort. Offensichtlich ist der erhabene Gesang vom Sieg der Demokratie in Deutschland beträchtlich geschönt.“

Ein insgesamt lesenswerter Text von Schmid, der diese documenta gelungen pointiert und zum Abschluß bringt. Es wäre besser gewesen, diese documenta hätte so und in dieser Form niemals stattgefunden. Die nächsten Macher werden es schwer haben. Aber vielleicht ist es eben auch eine Chance, Ästhetik, Kunst, Reflexion, Autonomie der Kunst und ebenso das Politische der Kunst zusammenzudenken, ohne Gemeinschaftskundeunterricht für die Untertertia zu absolvieren. Ein Problem aber bleibt: eine teils entleerte, um sich kreisende, ins Leere laufende Bildende Kunst, die ihre besten Tage hinter sich zu haben scheint und wenig nur noch überrascht. Bleibt zu hoffen, daß die nächste documenta anders und besser ausfällt. Diese nun inzwischen vergangene documenta im Sinne avancierter Kunst wie auch einer solchen Ästhetik zu überbieten, dürfte freilich und andererseits nicht schwierig sein.

Documente 13 (Kassel 2012)

Freie und geheime Wahlen in Cherson

Und russischer Bürgerservice samt Putins Menschenfreundlichkeit: „Ist das nicht ein lobenswerter Bürgerservice, wenn das Wahllokal zu Dir kommt?“ (Waldemar Alexander Pabst). Und dazu mit durchsichtigen Wahlurnen, darin die Wahlzettel ungefaltet liegen, auch noch Soldaten, die dir freundlich zureden, was zu tun ist. Da kann dann nichts mehr falsch laufen.

Putin unternimmt nicht einmal mehr irgendwelche Anstrengungen den Charakter seines totalitär-faschistischen Regimes zu verbergen. Aber wahrscheinlich werden jene Leute hier in Deutschland, die schon auf der Krim von den freien und geheimen Wahlen schwärmten, auch hier wieder in Jubel ob solcher Demokratie ausbrechen. Verachtenswerte Gestalten. Wenn solche Leute „Freiheit“ rufen, weiß in etwa jeder, was ihn erwartet, nämlich Straflager, Knast und Nowitschok in der Unterhose. Und zu dieser Riege der Widerlinge gehören Leute wie Albrecht Müller sowie die Verschwörungshetzer Dirk Pohlmann, Ken Jebsen, Mathias Bröckers, Tom J. Wellbrock und eben all jene, die da mitlaufen. Verachtenswerte Gestalten. „Ob Mathias Broeckers als Beobachter bei den russischen Scheinreferenden in der Ukraine mitläuft (die gehen ja von Wohnung zu Wohnung), um nachher zu bestätigen, dass alles seine Richtigkeit hatte?“ So kommentierte ein Facebooknutzer treffend.

Die Lösung kann nur eine sein: jeden Kanditaten, der als Gouverneur oder Satrap für die Invasoren antritt, dahin zu befördern, wo der Teufel die Kessel heizt. Und einmal wieder zeigt sich hier, wie wichtig es ist nun endlich Offensivwaffen an die Ukraine zu liefern, um die von Russen besetzten Gebiete und den gesamten Donbas wie auch die Krim wieder zur Ukraine zurückzuholen. Putins Lebenselexier ist die Angst, die wir vor ihm haben. Ein Scheinriese. Tritt man nahe an ihn heran, ist es ein Taschenzwerg und der Mann wird wieder zu jenem Leiningrader Hinterhofschläger, der er immer schon gewesen ist.

Putin kann diesen Krieg nicht gewinnen, selbst wenn Teile der Ukraine in seinem Besitz bleiben. Jeder seiner Statthalter wird niemals seines Lebens sicher sein. Und auch nicht seine Angehörigen. Man denke an Darja Alexandrowna Dugina. Putins Rußland sitzt da als besudeltes unter den Völkern. Und wird es bleiben, solange Putin dort Despot ist.

Im übrigen bleibt es bei der Frage „Wo ist die Friedensbewegung?“

Haben wir für morgen schon den Aufruf der Friedensbewegung oder einiger ihrer Akteure zur Großdemonstration vor der russischen Botschaft in Berlin oder vor russischen Einrichtungen in Hamburg, in München und Frankfurt am Main? Diejenigen, die immer sehr laut nach dem Frieden riefen, sind mit einem Mal und klandestin leise, sehr leise geworden. Es bleibt dabei: da hat diesmal wohl der Falsche den Krieg angefangen. Hätte sich dies alles die USA geleistet: Die Straßen in den Hauptstädten Europas wären mit Menschen geflutet. In diesem Fall aber, da hüllt man sich dann lieber in den Mantel eines allgemeinen und irgendwie unverbindlichen Pazifismus, so wie Margot Käßmann in einem Gespräch mit Jakob Augstein im FREITAG.

Pazifismus ist eine feine Sache, wenn sie so ins allgemeine gesprochen wird. Wer will schon Krieg? Pazifismus muß man sich leisten können, und auf dem warmen Sofa, wenn eine Russenarmee fern ist, die vergewaltigend, plündernd, brandschatzend und mordend durch ein anders Land zieht und Verwüstungen anrichtet, dann läßt es sich gut und angenehm Pazifist sein. Am besten noch mit einer Flasche Rotwein dazu und für Leute, die unter dieser Horde leiden, Ratschläge parat zu haben. Nur eben: Wenn der Ernst des Lebens in der Gestalt von Russenorks vor der Tür steht, sieht die Sache schon anders aus. Was Käßmann für sich selbst macht, ist ihre Sache. Ich persönlich finde ihre Haltung erbärmlich und zynisch, sobald sie anfängt, jenen, die überfallen werden, Ratschläge zu geben oder zu sagen, was man politisch am besten unterlassen solle, nämlich Waffenlieferungen. Eine Armee jedoch, die das Land gegen solche Horden verteidigt, verteidigt am Ende auch Frau Käßmann mit, die eben genau davon profitiert, was ihr Pazifismus ablehnt. Würde Käßmann übrigens solche Sätze in Rußland äußern, klingelte es ein paar Stunden später an ihrer Haustür. Und hielte sie auf dem Roten Platz in Moskau nur ein Plakat hoch, auf dem nichts geschrieben steht, verschwände sie mit Pech für 15 Jahre im Lager: dies ist die Höchststrafe für solche „Verunglimpfungen“. Aber ich will jemandem wie Käßmann nichts Böses unterstellen. Im besten Fall ist es naiv. Aber das gut Gemeinte ist selten das politisch gut Gemachte. Deutlich schlimmer sind Verschwörungshetzer in Deutschland wie Dirk Pohlmann, Uli Gellermann, Tom J. Wellbrock, Albrecht Müller, Ken Jebsen sowie die Zarenknechte und diverse AfD-Abgeordnete, die ihre Redefreiheit und Demokratie mißbrauchen, um derbe Russenpropaganda zu fahren. Dieser Krieg ist auch ein Informationskrieg. Und diese von mir genannten Leute werden auch in der Krise, auf die wir im Winter vermutlich zusteueren, ihren Profit schlagen, um zu hetzen. Und damit eben desavouieren sie auch sinnvolle Kritik an manchen innenpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung. Aber das Stichwort „Preisdeckel bei Gas“ für einen Grundverbrauch ist hochmal eine andere Sache.

Hitler ist übrigens nicht durch Ghandi, sondern durch Winston Churchill und General Montgomery bzw. die britische Armee und vor allem mittels der tapferen Soldaten der US-Army wie durch die Rote Armee besiegt worden. Allerdings muß man zur Sowjetarmee immer mit dazu sagen: ohne das Lend and Lease-Abkommen der USA, darin die Sowjetunion mit Waffen, Munition, Panzern, Jeeps, LKWs, Flugzeugen, Treibstoff und sogar noch Militärstiefeln ausgerüstet wurde, wäre die Sowjetunion 1942 kollabiert. Soviel zum Pazifismus.

Und am heutigen Tag die Friedensbewegung sowie die Frage zu einem möglichen Atomkrieg

Es zeigt der heutige Tag deutlich, daß es Putin nie ums Verhandeln ging, sondern immer um eine Eskalation des Krieges und ums Einverleiben des Ostens und des Südens der Ukraine. Soviel an die Prechts und Welzers, Eidinger, Zehs und Schwarzers. Verhandeln bedeutet für Putin: Kapitulieren und daß die Ukraine einen Diktatfrieden anzunehmen habe. Um so wichtiger scheint es mir jetzt, die Offensivwaffen zu liefern, um möglichst schnell möglichst viel ukrainisches Territorium wieder zurückzuerobern. Eben das, was viele in Deutschland über Monate forderten – alledings muß dies eben im Verbund mit NATO, Frankreich und den USA geschehen.

Wo eigentlich sind heute oder am Samstag all die großen Friedensdemonstrationen der sogenannten Friedensbewegung vor der russischen Botschaft? Hätten sich genau dies, was die Russen seit Februar machen, die USA erlaubt und dazu noch mit Atomwaffen gedroht und schwere Kriegsverbrechen begangen und das nicht als Einzelfall, sondern als Bestandteil der regulären Kriegsführung, wie eben Putins Horde: Es gäbe heute, spätestens am Samstag vor der US-Botschaft eine Großkundgebung der verschiedensten linken Gruppen. So aber, ich vermute es, vielleicht weiß jemand etwas anderes: Schweigen! Und nochmal schweigen und vermutlich wieder nur eine kleine Gruppe von Ukrainern und wenige Deutsche vor der russischen Botschaft. Da hat wohl gerade derjenige einen Krieg angefangen, in dessen Arschloch ein Großteil der sogenannten Friedensbewegung hockte und immer noch hockt. Sie stinken. Und nicht nur vom Kopfe her, sondern sie haben vom Ausschaben des Putinschen Rektums noch übelriechende Hände. Wo sind die 10.000 oder 100.000 Menschen gar, die in Berlin, in Hamburg, in Fankfurt und München gegen Rußland und vor den russischen Einrichtungen demonstrieren? Hat man von ihnen schon etwas gehört? Wo sind sie? Die Friedensbewegung hatte schon 2014 fertig, als sie sich zum Werkzeug von Leuten wie Ken Jebsen, Esoterikspinnern und Rechten machte und auf der Querfront ritt bzw. der russischer Propaganda aufsaß.

Alla Leshenko hat das Gebaren Putins heute auf Facebook treffend auf den Punkt gebracht:

Da gerade erneut das Gespenst des russischen Atomschlags umhergeht und die deutsche Qualitätspresse recht wenig unternimmt, um den Bürger ausreichend aufzuklären, muss ich ein paar Dinge klarstellen.

Putin blufft. Und das aus Gründen.

Grund 1: Chinas Unterstützung bleibt aus. Im Rahmen des SOZ-Gipfels in Samarkand machten einige teilnehmende Regierungschefs (darunter Modi, Xi und Toqajew) Putin unmissverständlich klar, dass sie eine schnelle Beendigung des Konfliktes in der Ukraine (sprich Rückzug der russichen Streitkräfte) von ihm erwarten. Hinzu kommt, dass China gerade dabei ist, seinen Einfluss in Zentralasien zu erweitern. Das impliziert Versprechen, die die Sicherheit der Partner-Länder betreffen. Sprich Zentralasien vertraut nicht länger auf Russland als Garant der Stabilität in der Region.

Grund 2: Laut der MAD-Doktrin (Gleichgewicht des Schreckens) sind die USA verpflichtet, auf einen atomaren Erstschlag Russlands mit einem Gegenschlag zu reagieren. Das weiß Putin. Und Joe Biden sowie General Mark Milley sprachen neulich von einer „adäquaten Antwort“ auf einen potentiellen taktischen Atomschlag. Diese Antwort könnte die Einführung der NATO-Truppen in die Ukraine sein. Dazu hat Russland bereits vor Monaten eine diplomatische Note aus den USA erhalten, in der stand, dass die NATO-Einheiten russische Streitkräfte innerhalb von 5 Tagen aus der Ukraine vertreiben würden, falls es zu einem taktischen Nuklearangriff kommen sollte. Als „adäquate Antwort“ kann aber auch die Lieferung von ATACMS verstanden werden oder der oben erwähnte atomare Gegenangriff. Letzteres dürfte jedoch bei aktuellen Möglichkeiten der NATO und offensichtlicher Schwäche Russlands nicht nötig sein.

Grund 3: Da Putin nicht in der Lage war, einen kurzen siegreichen Krieg zu liefern, schwindet der Rückhalt in den eigenen Reihen zusehends.

Daher rate ich euch, den kühlen Kopf zu bewahren. So oder so: Russland wird diesen Krieg verlieren. Слава Україні!“

Russische Kriege der letzten 100 Jahre

Hier finden wir die die Kriege der letzten 100 Jahre, die die Sowjetunion bzw. dann Rußland führte. Die brutale Besetzung ganz Osteuropas und des Baltikums dürfte einen der Höhepunkte bilden: keine freien Wahlen, blutiges Niederschlagen jeglicher Demokratiebewegung. All dies hatten große Teile der Friedensbewegung auch in den 1980er Jahren nicht auf der Rechnung. Es war bequemer, nur die USA im Fokus zu haben. Damit folgten Teile dieser Bewegung schon damals der Regie Moskaus – insbesondere über DKP und SDAJ.

1917–1921: Ukrainisch-Sowjetischer Krieg
1918: Unterstützung der Sozialisten im Finnischen Bürgerkrieg
1918–1920: Finnische Ostkriegszüge
1918–1920: Unabhängigkeitskriege Estlands, Lettlands und Litauens
1918–1920: Georgisch-Südossetischer Konflikt
1918: Schlacht um Baku
1920–1921: Polnisch-Sowjetischer Krieg
1924: Unterstützung des Aufstands von Tatarbunary in Rumänien
1924: Militärische Niederschlagung des August-Aufstands in Georgien
1929: Krieg um die Ostchinesische Eisenbahn
1937–1938: Unterstützung der Spanischen Republik im Spanischen Bürgerkrieg
1938–1939: Japanisch-Sowjetischer Grenzkonflikt
1939–1945: Zeit des Zweiten Weltkriegs
1939: Invasion und Besetzung Ostpolens
1939–1940: Krieg gegen Finnland im Sowjetisch-Finnischen Winterkrieg
1940: Invasion und Annexion der baltischen Staaten
1940: Besetzung des rumänischen Bessarabien
1941–1944: Finnisch-Sowjetischer Fortsetzungskrieg
1941–1945: Großer Vaterländischer Krieg gegen die deutschen Invasoren und deren Verbündete
1941–1946: Militärische Besetzung Nordirans
1945: Beteiligung am Krieg gegen Japan in den letzten Tagen des Krieges
1945–1948: In Staaten, die nach der bei der Konferenz von Jalta beschlossenen Abgrenzung der Machtsphären unter sowjetischen Einfluss gekommen waren, wurden kommunistische Regierungen durchgesetzt. Dies war in den meisten Ländern nur mit Hilfe der Roten Armee möglich (siehe zum Beispiel „Geschichte Polens“). Die Konsolidierung des sowjetischen Einflusses in dieser Region war etwa 1948 abgeschlossen.
1945–1949: Unterstützung der kommunistischen Kämpfer im griechischen Bürgerkrieg
ab 1946: Unterstützung Nordvietnams im Vietnamkrieg
1948–1949: Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949
1950 bis 1991 (Sowjetunion)
1950–1953: Militärberater und Kampfpiloten im Koreakrieg
1953: Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR
1956: Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands
1956: Unterstützung arabischer sozialistischer Länder in der Sueskrise durch Waffenlieferungen und Militärberater
1962: Die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf Kuba
1967: Beratung der ägyptischen Armee im Sechstagekrieg, einschließlich der Ausarbeitung von Kriegsplänen
1968: Niederschlagung des Prager Frühlings
1969: Chinesisch-Sowjetischer Grenzkrieg
1974–1991: Militärische Unterstützung des kommunistischen Regimes im äthiopischen Bürgerkrieg
1975–2002: Unterstützung der MPLA im angolanischen Bürgerkrieg
1977–1978: Unterstützung Äthiopiens im Ogadenkrieg gegen Somalia
1979–1989: Militärintervention in den Afghanischen Bürgerkrieg
1991–1992: Militärisches Eingreifen in den Georgisch-Südossetischen Krieg
1992: Konflikt im Distrikt Ost-Prigorodny in Nordossetien
1992: Militärintervention in den Transnistrien-Konflikt: Von moldauischer Seite wird der Vorwurf erhoben, dass sich Russland mit seiner 14. Armee aktiv an den Kriegshandlungen beteiligt habe.
1992–1997: Militäreingriff in den Bürgerkrieg in Tadschikistan
1992–1993: Unterstützung abchasischer Freischärler im Georgisch-Abchasischen Krieg
1994–1996: Erster Tschetschenienkrieg
1999–2009: Zweiter Tschetschenienkrieg
1999: Dagestankrieg
1999–2003: Vorstoß nach Priština, danach Teilnahme an der KFOR-Mission im Kosovo
2006–2016: Teilnahme an der Operation Active Endeavour im Mittelmeer
2008: Militäreinsatz im Kaukasuskrieg auf der Seite südossetischer Rebellen
seit 2009: Kampf gegen das Kaukasus-Emirat, das sich seit 2015 als Teil des IS versteht
2014: Invasion und nachfolgende Annexion der Krim 2014
seit 2014: Militärische Unterstützung der prorussischen Kräfte im Krieg in der Ostukraine
seit 2015: Militärischer Eingriff auf Seiten der Regierung Syriens im Syrischen Bürgerkrieg
seit 2015: Militärische Unterstützung des Kampfes gegen den Islamischen Staat in Syrien
seit 2018: Militärische Unterstützung des Kampfes gegen die libysche Regierung auf Seiten Marschall Haftars mit Wagner-Söldnern der GRU
seit 2019: Militärische Unterstützung des Kampfes gegen die Ahlu Sunnah Wa-Jama in Mosambik mit Wagner-Söldnern der GRU
seit 2020: Truppen in Bergkarabach, Aserbaidschan
2022: Beteiligung russischer Truppen an der Niederschlagung der Unruhen in Kasachstan 2022
seit Feb. 2022: Überfall auf die Ukraine, samt Teilmobilisierung der Streitkräfte am 21.9.2022

Die GAZPROM-Lobby in Deutschland

Zeit wird es schon lange für einen Bericht, wie es dazu kam, daß sich Deutschland derart in die Abhängigkeit von russischem Erdgas begeben hat. Eine wichtige Recherche zur Netzwerkerei zwischen Rußland und deutschen Politiker von SPD und CDU liefert nun die Plattform correctiv, und zwar im Blick darauf, wie zentrale Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge, nämlich der Energiebedarf durch Gas, von Putin gekauft wurden und wie es dazu kam, daß Deutschland nun in einer derartigen Krisensituation sich befindet – trotz Warnung der Grünen, trotz Warnung der EU und der USA, vor allem der baltischen Staaten und Polen, Deutschland möge sich nicht in eine solche Energie-Abhängigkeit begeben.

Nachzulesen auf correctiv: „Die Gazprom-Lobby. Wie Russland deutsche Politiker, Manager und Anwälte einspannte, um Deutschland von russischem Gas abhängig zu machen.“ :

„Seitdem kaum noch russisches Gas durch die Pipelines fließt, haben alle begriffen: Ohne diesen Import wird es sehr viel teurer, Wohnungen zu beheizen und Geschäfte zu betreiben. In jedem Haushalt beginnt das große Rechnen: Wie viel Wärme können wir uns noch leisten? Betriebe fürchten um ihre Existenz. Doch warum wir so abhängig von Russland geworden sind, blieb bisher weitgehend im Dunkeln. 

Eine Antwort: Russisches Gas vom Energieriesen Gazprom galt als günstig. Aber vor allem gab es Netzwerke aus deutschen Politikern und Politikerinnen, aus Energiemanagern und Anwälten, die Deutschland über Jahre in eine gefährliche Abhängigkeit führten. Einiges ist schon bekannt  – wir können nun erstmals ein umfassendes Bild dieser russischen Gazprom-Lobby zeigen, das wir fortlaufend aktualisieren.

Russland wollte sich mit den Gasröhren Einfluss auf Deutschland sichern. Dafür wurden systematisch unscheinbare Organisationen aufgebaut, die bei deutschen Politikerinnen und Politikern – von SPD und CDU/CSU – gezielt Werbung für die Gasversorgung aus dem Osten machten. Und diese Werbung wirkte.“

Nachzulesen sind diese erschreckenden Fakten hier bei correctiv.

Hinzuweisen ist auch noch auf einen Satz von Filipp Piatov auf Twitter: „Angela Merkel legte die deutsche Energieversorgung in die Hände des KGB-Manns Wladimir Putin und des Stasi-Agenten Matthias Warnig (Chef von Nord Stream 1 und 2).“

Einen Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages dazu wird es vermutlich kaum geben, weil hierbei sowohl CDU wie auch SPD involviert sind, die im Bundestag kaum ihre Zustimmung erteilen dürfen. Diese Details werden also den Historikern vorbehalten sein..

Witzig auch: Eigentlich wäre genau dieses Aufdecken von Abhängigkeiten deutscher Politiker von Rußland, der massiven Destablisierung Deutschlands durch Rußland – gerade auch jetzt durch eine derartige Gaskrise -, ein Fall für die Recherche Nach“denk“Seiten. Aber da dort die Order eher aus Moskau kommt und der Feind immer und allüberall nur im Westen zu stehen hat, wird das natürlich nicht geschehen.