Putins Tote: Die Opfer aus dem Einkaufszentrum von Kremenchuk

Krankenhäuser, Wohnhäuser, Getreidefelder im Bomben- und Raketenhagel. Vor allem aber Menschen sind es, die sterben. Putin führt in der Ukraine einen gnadenlosen Krieg gegen Zivilisten. Und das geht so jeden Tag. Insofern: wenn Putin den Krieg beendet ist, Frieden. Wenn die Ukraine ihre Verteidigung aufgibt, existiert keine souveräne Ukraine mehr. Putins Soldateska tötet und mordet Zivilisten, währenddessen faselt Sahra Zarenknecht vom „wahnsinnigen Krieg gegen Rußland“. Wer angesichts dessen, was objektiv ist, derartig die Fakten leugnet, da kann man in etwa erahnen, welches Regime einen erwartet, wenn solche Leute je zu politischer Macht kommen. Zumal: Wagenknecht weiß, was sie sagt und sie sagt es bewußt.

„Die Ukraine wird mit Blut übergossen, ukrainische Städte werden vernichtet. Da ein Pazifist zu sein, ist verantwortungslos.“ (Swetlana Alexijewitsch)

Und um noch vieles verantwortungsloser ist es, wie Sahra Zarenknecht jene Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben. Widerliches Weib.

15 Gedanken zu „Putins Tote: Die Opfer aus dem Einkaufszentrum von Kremenchuk

  1. Wagenknecht reagierte auf die teils heftige Kritik: Selbstverständlich sei der Konflikt durch einen „zu verurteilenden und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands ausgelöst worden“, schrieb sie. Von ihrer Kritik an der deutschen Politik im Ukraine-Krieg rückte sie aber nicht ab: „Es ist irre & gefährlich zu glauben, dass dieser durch Waffenlieferungen & Wirtschaftskrieg beizulegen wäre“, schrieb sie ebenfalls auf Twitter.

    Das ist Argumentation Nörgler pur.

  2. Oder so: Ja, es ist ein Angriffskrieg, aber bitte sich nicht dagegen wehren, denn dann führt man einen „wahnsinnigen Krieg“ gegen Russland.

    Was reitet diese doch eigentlich so intelligente Frau? Kompromat vom FSB?

  3. Auch mir ist das ein völliges Rätsel, denn das ist ja der Punkt: sie ist nicht dumm, d.h. sie weiß, wie die Faktenlage ist. Aber manchmal ist es so: wer jahrelang eine bestimmte Agenda fährt, der schafft meist den Ausstieg nicht, selbst dann nicht, wenn evident ist, daß alte Feindbilder in dieser Art von trivialem und binärem Schema nicht mehr funktionieren. Hinzo kommt in solchen Sachen sowas wie eine Sektenstruktur. Das ist wie bei den Scientologen: Es sind Dinge derart verinnerlicht, daß es keinerlei anderes Denken mehr gibt.

  4. Ich kenne das zwar bei vielen Leuten, nur bei Wagenknecht mag ich nicht recht dran glauben. Die versucht jetzt schon seit längerem einen Spagat zwischen links und rechts, und das geht mit Putins Russland verblüffend gut. Putin bedient beide Extreme: einerseits als „Entnazifizierer“ (darauf fällt dann mancher linke Antifaschist rein), andererseits als Verfechter „traditioneller Werte“ (u.a. Hetze gegen LGBTQ+) und generell Kämpfer gegen „westliche Dekadenz“. Und da fühlen sichj AFD, Front National etc. gut aufgehoben.

    Wagenknecht ist klug genug, um zu wissen, dass die Leute, die nicht mehr von der Linken abgeholt werden, sich rechts abholen lassen. Das ist ihre Nische. Was sie heute wirklich selbst glaubt, ist daher schwer auszumachen.

    Vielleicht gründet sie ja doch noch eine Partei, die links und rechts wildert, und Putins Geld nicht verschmäht.

  5. Offenbar hat es Wagenknecht mit Diktaturen, die demokratische Staaten bedrohen:

    #Pelosi-Besuch in #Taiwan wäre sinnlose Provokation von #China in angespannter Weltsicherheitslage:

    Wenn also die Präsidentin eines frei gewählten Parlaments die frei gewählte Präsidentin eines demokratischen Lands besucht, ist das eine „Provokation“.

  6. Welche Agenda sie im Blick auf ihre eigene Partei fährt, ist schwierig auszumachen, zumal es ja mit solchen Leuten wie Sevim Dağdelen und anderen eine starke Pro-Putin- bzw. Anti-Westen-Strömungen dort gibt und man erinnert sich noch, was passierte, als beim Erfurter Parteitag die Deutsch-Ukranierin Sofia Fellinger ihre Rede hielt. Peinlich und entsetzlich, was bei diesen Leuten, die sich angeblich die Humanität auf die Fahnen geschrieben haben, im Denken abgeht:

    „Auf dem Parteitag der Linken in Erfurt trat plötzlich eine 19 Jahre alte Deutsch-Ukrainerin ans Mikrofon und machte ihrem Ärger Luft: „Ich bin Sofia und Ukrainerin. Ich finde es so unerträglich, die ganzen Wortbeiträge gehört haben zu müssen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Leid ich und meine Familie und die Ukraine durchmachen.“ Dafür wurde sie von Delegierten ausgebuht.“

    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/ukrainerin-vom-linken-parteitag-man-kann-nichts-machen-und-ist-so-machtlos-li.241130

    Was in Wagenknechts Kopf vorgeht, ist schwierig zu sagen. Damals als sie die No-Border-no-Nation-Fraktion ihrer Partei kritisierte, fand ich es ziemlich nachvollziehbar: Sozialpolitik ist eine nationale Angelegenheit und die Abschaffung von Grenzen liegt in weiter Ferne, auch wenn dies eine schöne Utopie ist, so möchte man das unter gegenwärtigen Bedingungen denn doch nicht wünschen. Die Grenzen wären dann nämlich schnell wieder da – dann aber in Gestalt totalitärer Diktaturen derer aus dem Hause Putin oder aber faschistischer Machthaber.

    An Putin „interessant“ finde auch ich, daß er viele Register bedient: sowohl AfD wie auch Linke: mit Putin hat man genau die Querfront – dazu noch ein paar Esoterik-Spinner -, die man bei den 2014 Montagsmahnwachen schon hatte, als Putin in der Ukraine eskalierte. Nur eben, daß diese Leute, die sich Friedensbewegung nannten und in Wahrheit aber das Gegenteil waren, keineswegs gegen Putin demonstrierten, sondern vielmehr regierten die alten Feinbilder. Und wo Antisemiten und Israelhasser wie Ken Jebsenund Jürgen Elsässer auftraten, da wußte man dann, woran man war. Diese Leute waren mir zum Glück schon damals mehr als suspekt – zumal wenn man noch die doch heterogene Mischung der Friedensbewegung der frühen 1980er vor Augen hatte.

    Und je mehr ich über diese Zustände damals lese, desto mehr muß man der Politik (und auch ich mir selbst) schwere Vorwürfe machen: diese Dinge waren ja alle eigentlich bekannt und viele kluge Historiker wie Karl Schlögel, viele Journalisten wie Golineh Atai, Jochen Bittner, Alice Bota und Politiker wie Ralf Fücks und Marielouse Beck hatten genau das, was Putin tut, ja schon lange gesagt.

    Allerdings muß man auch wieder in Anschlag bringen: die Ukraine war 2014 noch lange nicht soweit gerüstet, daß sie einen Russenangriff hätte überstehen können. Die Wehrpflicht war abgeschafft, Janukowitsch hatte das Militär bewußt heruntergewirtschaftet und auch seine Vorgänger waren nicht viel besser. Insofern hat sich Putin dann auch wieder mit seiner hybriden Kriegsführung gegen die Ukraine verrechnet: seine Annexion der Krim und die Besetzung von Teilen des Donbass durch die Russen sollte eine direkte militärische Intervention vermeiden, aber zugleich die Ukraine doch hinreichend destabilisieren. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Und das hat Putin spätestens 2021 bemerkt. All das sind Aspekte, die auch Sahra Zarenknecht gut weiß. Doch passen sie nicht in ihr ideologisches Bild. Was freilich die Motive sind und was in ihrem Kopf vorgeht, kann niemand sagen und es ist auch unerheblich, weil wir nicht dort hineinblicken können (und auch nicht wollen). Zentral ist, was sie schreibt und von sich gibt. Und das eben ist derart erschütternd, daß mir jegliche Sympathie abhandengekommen ist und sich auch nicht mehr einstellen wird, solange sie nicht zeigt, daß sie ihre Ansichten glaubhaft revidiert hat. Was ich für unwahrscheinlich halte.

  7. Die wirkliche Bewährungsprobe (mit Wasser auf den Mühlen der AfD) wird im Winter kommen, wenn die Turbine(n) von NS 1 immer noch „kaputt“ sind und man ja nur NS 2 in Betrieb nehmen müsste, um es warm zu haben.

    Putin wird dieses perfide durchsichtige Spiel mit Wonne spielen. Mal sehen, wieviel Rückgrat diese Regierung wirklich hat.

    (Natürlich würden dann auch bei NS 2 Turbinen „kaputt“ gehen).

  8. Das vermute ich ebenfalls. Und ich setze leider nicht aufs Rückgrat dieser Regierung – zumindest nicht was die SPD betrifft.

  9. Allein die Abwärme der deutschen Rechenzentren würde ausreichen, Hunderttausende deutsche Haushalte mit Fernwärme zu versorgen.

  10. @che: Ich denke auch, daß es in Sachen Enerigie deutlich mehr Kreativität geben muß. Und vielleicht wird den Menschen in Europa nun wieder ein wenig klarer, was es bedeutet, von globalen Handelsketten abhängig zu sein.

  11. @Avantgarde: Die ganze Lügerei Putins kann man hier nachlesen. Insofern dürfte klar sein, was uns im Winter erwartet. Und wie Du richtig schreibst, wird bei Putin immer irgendeine Turbine oder eine Schraube kaputtgehen und einfach nur Putins Inkontinenzunterwäsche: einen Grund gibt es immer. Insofern hilft gegen Putin nur eins: Stärke zeigen, Haltung zeigen. Und ein vereintes Europa kann das. Gegen Putin stehen 27 Staaten der EU, dazu GB und Norwegen. Putins Rußland als Wirtschaftsstaat ist ein Zwergenstaat. Das einzige, was das Drecksloch zu exportieren hat, sind Rohstoffe und Korruption. Wladimir Schröder demonstriert einmal wieder, wie das System Putin funktioniert.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/sie-ist-da-und-kann-geliefert-werden-scholz-besichtigt-siemens-turbine-und-wirft-russland-falsches-spiel-vor/28570118.html

  12. Natürlich. Aber je mehr Sperenzchen Putin macht, desto mehr fällt ihm das mittelfristig vor die Füße.
    Der größte Trumpf Russlands war die Verlässlichkeit und Vertragstreue bei den Gaslieferungen (einige Aussetzer gab es allerdings schon).
    Es kann sein, dass andere Staaten (China, Indien) kurzfristig billige Energie abgreifen. Längerfristige Verträge (und diese braucht Russland, um seine Produktion zu steuern), wird sich jeder zweimal überlegen. In Abhängigkeiten wird sich niemand mehr begeben.

    Ich vermute, das Gas wird im Winter fließen. Wenn nicht, ist jeder signifikante Handel zwischen Europa/Nordamerika und Russland auf viele Jahre tot.

  13. Langsam kommt auch Bewegung in den Bereich Biogas/Biomasse. Hier gibt es ungeheure Potenziale. Es spricht nichts dagegen, aus den Inhalten der grünen Tonnen schwerpunktmäßig Methan und nicht wie bisher Gartenerde und Dünger herzustellen..

  14. @El Mocho: Ich denke auch, daß wir im asiatischen Raum einige wirtschaftsmächtige Verbündete haben. Und um diese Wirtschaftsmacht geht es am Ende – und auch, sie geschickt einzusetzen. Und man sollte jetzt bereits China auf dem Schirm haben, die Vorfälle um Taiwan haben es gezeigt. Vietnam, ehemals Gegner der USA, ist nun gar nicht mehr allzu abgeneigt gegen US-Präsenz in der Region.

    So ist es,che. Wir müssen unser Energiekonzept umstellen

    @Avantgarde: Tja, wenn Putin nicht verkauft, muß er eben sein Gas verpulvern. „Gazprom fackelt offenbar gezielt Gas an Pipeline Nord Stream 1 ab“. Und so wird es auch den Winter über gehen. Andererseits kann man sich eben auf diese Spielchen einstellen. Rußland wird in der Tat unter dem System Putin kein ernstzunehmender Handelspartner mehr sein. Und kaum ein Staatschef der EU oder der USA wird den Drang verspüren, sich mit einem Verbrecher an einen Tisch zu setzen.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article240303909/Portovaya-Gazprom-fackelt-offenbar-gezielt-Gas-an-Nord-Stream-1-Pipeline-ab.html

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