Putins Tote: Yaroslav und Dimitro

Jan Jessen aus: Peremoga, Kyyivs’Ka Oblast‘, Ukraine:

„Das Zimmer von Yaroslav Dzybenko im Haus seiner Eltern in Peremoha östlich von Kiew. Er hat 2014 mit auf dem Maidan demonstriert. Als der russische Überfall im Februar begann, wollte er mit seinem Cousin Dimitro sein Dorf verteidigen. Sie bauten Molotowcocktails. Eingesetzt haben sie sie nicht. Als die Russen am 28. abends in Peremoha einrückten, erschossen sie Yaroslav und Dimitro. Die beiden sind zwei von 17 Toten in dem kleinen Dorf. Mindestens drei Frauen wurden vergewaltigt. Als Nachbarn Yaroslavs Leiche fanden, hatte er kein Gesicht mehr. Seine Mutter erfuhr erst nach dem russischen Abzug einen Monat später von seinem Tod. Sie weint noch heute jeden Abend um ihn, sie hat auch bitterlich geweint, als sie uns seine Geschichte erzählte. Yaroslav Dzybenko wurde 37 Jahre alt.“

Auch auf solches konkrete Grauen müssen wir immer wieder aufmerksam machen. Denn die Opfer von Putins Verbrechen haben alle einen Namen und sie haben auch ein Gesicht, selbst wenn die russische Soldateska es ihnen nehmen will. Szenen, die erzählt werden müssen, immer wieder, damit in Deutschland endlich begriffen wird, worum es geht und was auf dem Spiel steht: nämlich unser aller Freiheit. Jene Verfasser von „Offenen Briefen“ sollen ihre Ideen besser in Moskau vortragen. Da sind sie am richtigen Ort. Nicht aber in der deutschen Öffentlicheit.

Wie oft hat bisher eigentlich die sogenannte Friedensbewegung vor der russischen Botschaft demonstriert? Wetten werden angenommen. Ich fürchte aber, daß diese Wette einfach ausfällt.

14 Gedanken zu „Putins Tote: Yaroslav und Dimitro

  1. Das verstehe ich nicht. Die Friedensbewegung sind doch die blaugelben Friedensdemonstranten. Und die waren doch überall vor Ort.

  2. Wenn Soldaten mit Wolfsangelaufnähern meine Freiheit verteidigen möchten, dann vermiene ich meinen Vorgarten und lade die Gattling durch. sagte am :

    „Szenen, die erzählt werden müssen, immer wieder, damit in Deutschland endlich begriffen wird, worum es geht und was auf dem Spiel steht: nämlich unser aller Freiheit.“

  3. Wenn Soldaten mit Wolfsangelaufnähern meine Freiheit verteidigen möchten, dann vermiene ich meinen Vorgarten und lade die Gattling durch. sagte am :

    Das ist jetzt irgenwie verdreht. Was ich sagen wollte war, dass ich im Unterschioed zu Bersarin meine Freiheit von Nazis nicht so gern verteidigen lassen möchte.

  4. Nörgler, geh einfach schlafen, statt hier den Quatsch von Verschwörungsspinnern zu verbreiten Ich lasse diese Dummheiten unter diesen Beitrag aus rein dokumentatorischen Gründen stehen. Und wenn Du Deinen Blödsinn hier im ad nauseam-Verfahren immer wieder ausbreitest, obwohl Avantgarde, che und ich Dir bereits mehrmals dazu etwas geschriebne haben und Dir anhand der Fakten gezeigt hatten, daß genau dieses Nazi-Narrativ eine Unterstellung aus dem Hause Putins ist, die Du hier nachbrabbelst, dann zeugt auch dies von einem entweder eher kleinen Geist, der vergißt, was ihm gesagt wurde, oder aber es ist die übliche Manipulation aus dem Hause Putins, um den ukrainischen Abwehrkampf gegen die russischen Angreifer zu delegitimieren.

  5. „Szenen, die erzählt werden müssen, immer wieder, damit in Deutschland endlich begriffen wird, …“

    Genau. Diese Szenen müssen erzählt werden, weil es in diesem Krieg eben nicht um das „Grundrecht“ von 22 Grad im Wohnzimmer geht und daß wir in Deutschland es möglichst behaglich haben, sondern weil hier die Ukraine um ihr Leben, ihre Würde und ihre Freiheit kämpft. Kiew ist von Berlin gerade einmal 1600 km entfernt. Und dieses Nazi-Narrativ kommt im übrigen aus dem Hause Putins. Du betest es hier nach. Und damit mußt Du Dich dann auch nicht wundern, wenn man Leute wie Dich für Putin-Trolle hält. Die Ukraine verteidgt sich im Augenblick mit allen Kräften gegen den russischen Angriffskrieg, und zwar hauptsächlich mittels regulärer Armee und teils auch mittels Heimatverteidigung: weil nämlich die Menschen es nicht so gerne haben, wenn man ihr eigenes Land überfällt.

    Ansonsten auch dieses hier:

    „Der ukrainische Politikwissenschaftler Anton Shekhovtsov erklärt, warum die Kampfeinheit sich von ihrer rechtsradikalen Tradition gelöst hat.
    Interview: Michael Thumann Aktualisiert am 7. Mai 2022:
    Shekhovtsov: Die Gruppe „Patriot der Ukraine“ versuchte damals tatsächlich, politisches Kapital zu schlagen aus ihrer Verbindung mit Asow. Sie gründete 2016 eine politische Partei. Doch es gab ein Gesetz, um die Verbindung zu unterbrechen. In der Ukraine durfte man nicht mehr in der Polizei oder Armee sein und zugleich einer politischen Partei angehören. Deshalb mussten die Mitglieder von „Patriot der Ukraine“ das Asow-Regiment verlassen. Damals trennten sich die Partei und das Regiment vollständig. Und diejenigen, die mit der Partei womöglich noch sympathisierten, hatten den Befehl, der demokratischen Regierung zu folgen.

    ZEIT: Was wurde aus der Partei?

    Shekhovtsov: Sie erlitt das gleiche Schicksal wie alle rechtsextremistischen Parteien in der Ukraine in den vergangenen zehn Jahren: Sie verlor in den Wahlen. Noch im Jahre 2012 eroberte die rechtsextreme Swoboda-Partei zehn Prozent der Stimmen. Doch nach der Maidan-Revolution scheiterten die rechtsextremistischen Parteien bei den Wahlen 2014 und 2019. Da bekamen sie in einer vereinigten Liste kaum mehr als zwei Prozent und konnten nicht ins Parlament einziehen.

    ZEIT: Aber in Europa denken immer noch Leute, Rechtsextremisten würden in der Ukraine eine wichtige Rolle spielen?

    Shekhovtsov: Ich weiß, dass das für viele westliche Beobachter schwer zu verstehen ist. Aber tatsächlich ist Rechtsextremismus und rechtsextreme Gewalt in der Ukraine ein weitaus geringeres Problem als in vielen anderen europäischen Ländern. Wenn wir uns die von Rechtsextremisten verübten Morde ansehen, wird das besonders deutlich. Da reden wir von einem Mord in drei bis vier Jahren.“

    https://www.zeit.de/2022/19/anton-schechowzow-asow-rechtsextremismus

  6. Liane Bednarz hat es ansonsten gut auf den Punkt gebracht:

    „Wer wirklich ein Antifaschist ist, zeigt sich seit dem 24. Februar. Sehr viele Linke sind es. Viele andere Linke aber erweisen sich – vermutlich aus Antiamerikanismus – als Bücklinge vor dem Raschisten Putin. „Rashisti“ ist der ukrainische Begriff für die russischen Invasoren.“

  7. Hunderte Bandera-Denkmäler, meterhoch, Bandera-Straßennamen in der Westukraine. Dass man „entnazifizieren“ wolle, ist eine putinistische Kriegslüge, um das Staatsvolk zu einen. Richtig ist aber auch, dass die Ukraine ihre Entnazifizierung noch vor sich hat.

  8. Was Bersarin rasend macht, ist die politikwisschaftsinduzierte Neutralität des Zeithistorikers Nörgler. Ich fühle mit Dir, aber in Kriegfszeiten sind Härten wohl unvermeidlich.

  9. @Nörgler: Genau das meinte ich mit der Putin-Propaganda, die Du hier reproduziert – zumal eben im Kontext mit dem Russenüberfall. Und dies machst Du wissentlich. Insofern rechne ich Leute wie Dich als zum System Putin dazugehörig. Du weißt das nicht, aber Du tust es, um hier nochmal Marx zu zitieren. Natürlich bist Du nicht so doof, wie Verschwörungsschwätzer wie Dirk Pohlmann, Inkontinenz-Müller und Blöker-Mattes, die offen den russischen Angriffskrieg unterstützen. Man macht es in der Russen- und Russia-Today-Propaganda über Bande mit den angeblichen Nazis. Wer aber Nazis sagt und dann nicht auch Putin sagt, agiert in einem restringierten Schema und zudem unredlich.

    Die Ukraine ist eine Demokratie, es finden dort freie und geheime Wahlen statt – anders als in Rußland. Der Anteil an rechtsextremistischen Parteien bei Wahlen ist in der Ukraine sehr gering – anders als in Deutschland, Österreich, Ungarn und Frankreich. Hinzu kommt, daß die Ukraine bis 1990 unter sowjetischem Joch stand und erst 1991 ihre Unabhängigkeit erklärte – in einer Abstimmung mit über 90 % der Ja-Stimmen und leider war die Ukraine so dumm 1994 gegen die Zusicherung der territorialen Integrität des Landes durch Rußland ihre Atomwaffen abzugeben. Hätte sie heute noch Atomwaffen, wäre die Ukraine intakt und wäre vermutlich nicht angegriffen worden. Aber das ist nochmal ein anderer Aspekt. Die Ukraine ist also eine sehr junge Demokratie mit teils erheblichen Problemen wie Korruption, und wenn wir bedenken, wie lange es in Deutschland gedauert hat, wo ganz andere und deutlich bessere Startbedingungen zur neuen Bundesrepublik vorlagen, bis eine angemessene Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit stattfand, dann ist es angesichts der ständigen Bedrohung der nationalen Integrität durch Rußland kein Wunder, daß die Ukrainer sich mit einem Problem, das weit in der Vergangenheit liegt, nicht so gerne befassen, weil das Russenproblem dringender ist. Und solange Putin und seine Schergen nicht beseitigt sind, wird es auch keine angemessene Auseinandersetzung mit dem auch faschistischen Widerstand der Ukraine gegen die kommunistische Besatzung durch Bandera geben.

    Gesellschaftlicher Wandel dauert und diesen Wandel hat spätestens seit 2014 Putins Aggressionen unterbunden. Und auch der Westen, der Putin hat gewähren lassen. Die Ukraine hat im Augenblick in der Tat andere Sorgen als sich mit der Vergangenheit zu befassen. Denn im Augenblick, weil Putins Soldateska in der Ukraine schwere Kriegsverbrechen begeht, Frauen vergewaltigt, Zivilisten willkürlich erschießt, hat die Ukraine andere Sorgen und muß sich ihres Lebens erwehren und Zivilisten, die man bittet, doch mal Geschichte zu machen, werden einem mit Recht eine Faust in die Fresse schmettern, angesichts dessen, was Rußland in der Ukraine an Kriegsverbrechen begeht. Im Augenblick geht es um die Gegenwart und das Überleben der Ukraine gegen einen faschistoiden bzw. totalitären Staat wie Rußland. Wenn wir also von faschistoiden wie auch stalinistisch-totalitären Diktaturen reden wollen, dann dürfen wir in diesem Kontext Putin und Rußland nicht außen vor lassen. Auch Putin, Rußland und das totalitäre Regime der Sowjetunion samt Völkermord durch Stalin gehören zur Vergangenheitsbewältigung der Ukraine mit dazu.

    Und wenn wir bedenken, daß mit Karl Carstens noch 1979 ein Bundespräsident ins Amt gelangte, dessen Vergangenheit in NS-Dingen zumindest umstritten war und daß bis 1978 in Baden-Württemberg Hans Filbinger Ministerpräsident war, der in die Verbrechen der Nazis verstrickt war und wenn wir bedenken, wie lange es in Deutschland dauerte, bis in die Shoah erinnert werden konnte und lange es dauerte, bis Widerstandskämpfer wie Georg Elser geehrt wurden, dann sollten wir als Deutsche mit unserem Finger, der auf die Ukraine zeigt, sehr vorsichtig sein. Es zeigen nämlich drei Finger auf einen selbst zurück.

    Und wie die Ukraine ihre Vergangenheitsbewältigung veranstaltet – auch der Terror Stalins und der entsetzliche Holodomor an den Ukrainern durch Stalin, also das, was wir Roten Terror nennen, ist hier mit in Anschlag zu bringen -, ist allein die Angelegenheit der Ukraine. Und wenn es darum geht, Nazis und Faschisten zu beseitigen, müßte also die NATO dann folgerichtig auch in Rußland einmarschieren – dem Land, das in Europa die größte Neonaziszene hat.

    Die Ukraine ist ansonsten, wie jede andere Gesellschaft auch eine vielfältige Gesellschaft. Und solange das Problem Putin nicht beseitigt ist, wird auch kaum Zeit sein, sich mit der Vergangenheit adäquat auseinanderzusetzen. Solange die Ukraine seit 2014 durch Russen besetzt ist, wird sich die Ukraine mit der russischen Besatzung der Krim und des Donbass befassen. Die Probleme der Ukraine sind seit der orangenen Revolution von 2004 deutlich andere als die in der Tat nötige Auseinandersetzung auch mit einer unrühmlichen Vergangenheit – vor allem vor dem Hintergrund der seit 2004 anhaltenden Destabilisierung des Landes durch Rußlands Aggressionen und das ständige Intervenieren Putins in der Ukraine. Weiterhin: Wenn ein Land angegriffen wird, so fragen die Verteidiger nicht, wer dieses Land alles verteidigt, sondern sie wollen sehen, daß diese Verteidiger und Freiheitskämpfer, selbst dort, wo es Rechtsextremisten sind, tapfer gegen die Aggressoren kämpfen. So wie im übrigen auch Stalins rote Russen und also Menschen aus einem totalitären-kommunistischen Staat, der schwere Schuld auf sich lud und nicht viel anders als Hitler Millionen Menschen ermorden ließ, sicherlich bei der Abwehr Hitlers vom Nörgler nicht nach ihrer Gesinnung gemessen und ausgefragt wurden.

    Ich habe da nichts gelesen, davon, daß zunächst mal die Sowjetunion ihre kommunistisch-totalitären Strukturen aufarbeiten müsse, bevor das Land sich gegen den Nazi-Überfall wehren dürfe. Oder denkst Du wirklich, daß zunächst mal die Sowjetion ihre eigenen Verbrechen aufarbeiten müßte, bevor sie das Recht habe, sich gegen Hitler zu verteidigen? Doch sicherlich nicht.

  10. „die politikwisschaftsinduzierte Neutralität des Zeithistorikers Nörgler“

    Man kann sich durchaus selbst verarschen. Q.e.d.

  11. @Avantgarde: Neutralität vor allem bei Kriegsverbrechen und Angriffskrieg. Eine nette und unfreiwillige Selbstentlarvung. Aber gut:

    Wer tief in Putins Arschloch kroch,
    Am Ende nach des Russen Scheiße roch.

  12. Im übrigen, nörgler: bei einem Angriffskrieg mit schweren Kriegsverbrechen gibt es keine Neutralität. Wer bei solchen Verbrechen neutral danebensteht und zusieht, statt zu helfen, ist bereits Partei. Im normalen Rechtsleben heißt das unterlassene Hilfeleistung.

    Ansonsten bringt es dieses Bild gut auf den Punkt

  13. Und ob unser Zeithistoriker Nörgler uns als nächstes auch erzählen wird, daß man ebenso bei Hitlers Angriffskrieg gegen Polen eine gewisse zeithistorisch notwendige Neutralität walten lassen müsse? Schließlich hätten die Polen die Deutschen teils erheblich provoziert, sie haben sogar aufgerüstet und sie machten Deutschland die Wege nach Danzig und nach Ostpreußen schwer und dann gingen sie auch noch ein Bündnis mit GB und France ein. Was sogar alles stimmt. Und nun macht uns gleich der Nörgler einen auf Stefan Scheil oder David Irving, um eine gewisse Neutralität anzumahnen.

    Wer hier mit Wolfsangeln ankommt und diese beklagt, der sollte nicht in der Diktion von Rechtsextremisten „argumentieren“, die Begriffe wie „böse“ gerne relativieren. Und schließlich war ja auch Hitler am Ende nur eine Antwort auf Stalin. Und die asiatische Tat Hitlers war doch nur eine Reaktion auf bereits bestehendes Böses, um diese abzuwehren. Das muß man eben auch alles mal von der anderen Seite her sehen.

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